Ein Tannenbaum ist keine Entschuldigung!

19.06.2011 um 23:33 Uhr

Die 5%-Hürde

von: Mausekind   Kategorie: Das Mäusejunge

Da isse!

Wo fange ich an?

...

In meinem Kopf hatte ich seit Wochen DEN Text überhaupt.
Was ich alles erzählen, also schreiben, wollte; die Buchstaben reihten sich völlig automatisch aneinander.
Jetzt, wo es ernst wird, ich hier sitze, sehe ich außer dem weißen Bildschirm recht wenig.
Keine Buchstaben, die automatisch Worte bilden...

Gut, was soll das Gejammere? Ich bin erstmal sehr froh, wieder hier zu sein!

Seit nun knapp 5 Jahren gehöre ich hier hin!
Und dieser unglaublich wichtige Teil meines Lebens muss doch auch aufgeschrieben werden...

Also... Ich entschudlge mich jetzt schon für den elllllllllllenlangen Text, der auf Euch zukommt!

Ich hole mal aus:

Die letzten vier Wochen meiner Schwangerschaft verliefen nicht so prächtig.
Der Arzt teilte uns mit, dass mein Blutdruck zu hoch war... Was im Prinzip nicht allzu schlimm ist, dagegen gibt's Medikamente, die man nehmen kann, ich musste seitdem meinen Blutdruck 3x täglich messen und die Ergebnisse aufschreiben.
Alle 2 Wochen ging es dann zur Kontrolle.

Da mein Blutdruck auch durch die Medis nicht runtergehen wollte, beschloss mein Arzt, dass ich nun einmal die Woche bei ihm erscheinen durfte.

Und dann kam der Tag, an dem mir mein Doc sagte, ich müsse nun zweimal die Woche bei ihm auf der Matte stehen.
Im Kopf bereitete ich mich eigentlich schon auf das "Schlimmste" vor: Früher als geplant zu entbinden.
Und doch war mein Doc noch relativ zuversichtlich, dass ich bis Anfang Mai durchhalten würde.

Gerade, als meine "Zweimal-die-Woche"-Schicht anfing, gab uns der Doc zu verstehen, dass er das Risiko nicht mehr tragen könne und schickte mich sofort ins Krankenhaus.

Meine Tasche hatte ich bis dato noch nicht gepackt.
Mein Kopf signalisierte mir zwar immer, dass ich das tun sollte, aber ich hatte die Angst, würde ich das tun, würde das einfach ein schlechtes Zeichen sein...

Whatever...

Ich befand mich nun also auf direktem Wege ins Krankenhaus.
Aber ich stand so neben mir, dass ich nicht mehr sagen konnte, in welches Krankenhaus ich wolte.

Natürlich stand für mich fest, dass ich einen Kaiserschnitt wollte.
Aber eigentlich wollte ich in das Krankenhaus, in dem mein Doc Belegarzt ist. Ich wollte den Kaiserschnitt von ihm erhalten. Ihm vertraute ich...

Da das Leben kein Ponyhof ist (und meins ja bekanntlich erst recht nicht) entschied Herr Mausekind für mich.

Und wir checkten ein...

Das war am 11.04.

Nach der Untersuchung und dem ersten CTG erzählte uns der Arzt, dass ich mich darauf einstellen könnte, am Wochenende wieder entlassen zu werden. Meine Werte waren sehr gut...
Allerdings war unser Baby zu klein für seine Entwicklungswoche. Das wäre aber kein Problem, es gibt wohl 5% Kinder, die eben kleiner sind...  
Zudem hatten wir ein wirklich gutes Gespräch mit dem Oberarzt, dem wir unsere Situation erklärten; unsere letzte Schwangerschaft.
Ich war zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr in der Lage, die Schwangerschaft fortzusetzen. Ich war ernsthaft verwirrt und wusste nicht, ob das Baby bei mir sicherer wäre, als draußen.
Er nahm sich sehr viel Zeit und sprach mit uns über die Folgen, wenn wir zu diesem Zeitpunkt einen Kaiserschnitt machen, etc.

Ich entschied mich also noch ein wenig durchzuhalten...

Den weiteren Tag über wurden regelmäßig CTG's geschrieben.
Auch in der Nacht. Und das CTG zeigte eine Unregelmäßigkeit in Baby's Atmung.
Allerdings nur eine Einzige. Und nachdem ich dann 2 Stunden dort lag und nichts dergleichen mehr auftrat, beruhigten sich die Gemüter wieder.

Am nächsten Morgen musste ich eine Urinprobe abgeben. In solch einem Fall wird der Eiweiß-Wert kontrolliert.
Danach ging es abermals zum CTG.
Das war der Tag, an dem unser Kinderzimmer geliefert werden sollte...
Herr Mausekind war also zuhause und wartete auf die Firma.

In diesem CTG wurde wieder etwas festgestellt und bevor ich mich versah, stand auf einmal mein Bett im Kreißsaal, in dem ich lag und das CTG geschrieben wurde.
Ich informierte also Herrn Mausekind, der die Firma kontaktierte und sofort zur Stelle war.

Scheinbar handelte es sich wieder um falschen Alarm und ich durfte danach wieder auf mein Zimmer zum Mittagessen. Als ich fertig gegessen hatte, kam eine Schwester und schaute mich völlig entgeistert an und fragte, ob ich gegessen hätte. ...
Da wusste ich definitiv das etwas nicht stimmte.

Man hätte meine Urinwerte gerade erhalten und es wäre höchste Eisenbahn.

Ab einem Wert von 0,3 schaut man sich das wohl schon sehr kritisch an. Mein Eiweiß-Wert lag bei 4,0.

Das bedeutete, dass ich eine Schwangerschaftsvergiftung hatte....

Dies bekommen 5-8% der Schwangeren.
Herzlichen Glückwunsch!

Danach ging alles sehr schnell.

Der Oberarzt schaute bei mir vorbei und erklärte mir, dass es nun soweit wäre.
Er müsste unser Baby jetzt holen.

Auf einmal wurde ich Richtung Kreißsaal geschoben und bekam die Medikamente...

Herr Mausekind durfte mitkommen, nachdem die PDA gelegt wurde und ich im OP lag.
Er saß an meinem Kopf und hielt mir die Hand...

Der Rest ist wie im Fernsehen.
Das große blaue Laken, das vor mir hing. Hinter mir Ärzte und Schwestern, hinter dem Laken Ärzte...

Und das Team der Kinderklinik, die sich gleich auf unser Baby stürzten.

Innerhalb von 5 Minuten erblickte unser Kleines das Licht der Welt.
Er wurde kurz rübergehalten, damit wir ihn sehen konnten.
Herr Mausekind sprang übrigens auf, was dazu führte, dass alle schrien er solle sich sofort wieder setzen; wenn er mich so sehen würde, würde er einen Schock für's Leben bekommen oder so ähnlich...

Danach wurde unser Kleiner untersucht.

Eine Stunde später, ich lag im Kreißsaal, bewegungsunfähig, durfte Herr Mausekind das erste Mal nach ihm sehen. Und Foto's machen.
Ich blieb im Kreißsaal liegen, Gott sei Dank mit der Unterstützung einer sehr lieben Freundin, die meine Hand hielt.

Unserem Kleinen ging es gut.
Er brauchte nicht im Brutkasten zu liegen und auch keinen Sauerstoff.
Er bekam lediglich Sauerstoffunterstützung.
Diese hatte er sich dann aber gleich in der Nacht rausgerissen...

Wie es weiterging, hatte ich ja bereits berichtet.

Es folgten knappe 6 Wochen zwischen Krankenhaus, Milchpumpe und Zuhause.
Schrecklich lange Wochen, in denen sich der Babyblues und die Euphorie die Klinke in die Hand gaben.
Nächte, in denen ich totunglücklich über der Milchpumpe hing oder mich freute, dass ich wenigstens etwas tun konnte...

Seit 4 Wochen ist er nun zuhause...

4 Wochen, in denen ich so unglaublich glücklich darüber bin, dass es ihm gut geht; dass wir alles geschafft haben!

Wobei uns die 5%-Hürde nicht in Ruhe lässt....

Gerade wurde festgestellt, dass er einen Leistenbruch hat.
Das bekommen 5% der Frühchen...

Nächste Woche haben wir einen Termin in der Chirurgie und dann sehen wir, was weiter passiert.

Herrje!

Mir geht es gut, wirklich!
Allerdings könnte ich vielleicht etwas Amok laufen, wenn sich noch etwas einstellt, das mit 5% zu tun hat...