Ein Tannenbaum ist keine Entschuldigung!

20.07.2015 um 09:36 Uhr

Das Schneckenhaus

von: Mausekind   Kategorie: My life

Nachdem ich nun also ein paar sehr emotionale Wochen hinter mir habe und nicht mehr wusste, wo ich eigentlich stehe, habe ich es tatsächlich geschafft, mich wieder zu verkriechen.
Unfassbar...

Seit Jahren spreche ich nicht mehr darüber, wie es mir eigentlich geht.
Ich höre mir an, wie es den Menschen in meinem Umfeld geht und versuche ihnen zu helfen.
Ja, ich bin eine Hobby-Therapeutin geworden und laut meines Umfelds sogar eine ziemlich gute.

Doch ich bin verloren gegangen.

Vor drei Wochen ist dann der Knoten geplatzt und ich wollte unbedingt sprechen.
Es hat mich völlig überrollt.
Ich war emotional am Ende. Mit Heulen, Schreien und allem, was eben dazu gehört.
Ich konnte mich nicht halten...

Nun ist es vorbei.

So schnell, wie es kam, ist es wieder weg.

Und ich hatte keine Zeit, mit jemandem darüber zu reden.
Das Bedürfnis, das jetzt zu tun, ist erloschen.

Und einmal mehr frage ich mich, warum ich verlernt habe, dass auch ich wichtig bin...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSweetFreedom schreibt am 20.07.2015 um 13:35 Uhr:Hi Mausekind,
    das kann doch keiner wirklich verarbeiten, denke ich manchmal. Du lernst irgendwie, damit zu leben, aber es gibt Dinge, die kann man nicht verstehen, die sind wie aus einem Film, so abartig ungerecht.
    Ich kann so schlecht raten, will auch gar nicht. Ich will nur irgendwie reagieren und Dir liebe Grüße schicken. Und wenn Du das im Hinterkopf behältst, daß Du eben auch wichtig bist, dann kannst Du vielleicht auch die Dinge tun, die gut und wichtig für Dich sind. Mal alleine wegfahren, wenn das geht oder mit Freundinnen oder eine Reha machen oder was auch immer Dir Kraft spenden könnte.
    Paß gut auf Dich auf.
    SweetFreedom
  2. zitierenlady_bright schreibt am 21.07.2015 um 07:35 Uhr:Auch wenn das Bedürfnis momentan nicht da ist, wartet es doch im Hintergrund. Mir fällt es auch immer sehr schwer, mit jemandem aus meinem Umfeld zu reden über die Dinge, die mir Probleme bereiten. So'n Blog ist schon eine gute Sache, die Dinge ausformulieren zu können. In direkten Dialog zu treten ist aber im Blog eher schwierig.
    Such dir jemanden, der zuhört, selbst wenn er dafür bezahlt wird. Ja, eine Gesprächstherapie. Sieh es als Krücke, auf die du dich stützen kannst und über die du dann auch wieder mit den Leuten in deinem Umfeld ins Gespräch kommst, so du denn das Bedürfnis dazu hast.
  3. zitierenmadeinheaven schreibt am 22.07.2015 um 07:02 Uhr:Deshalb, genau deshalb schreibe ich Blogs. Ich trete in einen Dialog. Manchmal ist es ein Monolog, aber meist kommt ein Kommentar und dann wird es verarbeitet. Im Grunde ist Blog das ablegen von Gedanken. Dinge, die einem beschäftigen, die erfreuen, die belasten. Aufschreiben hilft, denn beim Aufschreiben wird der Kopf frei. Deshalb finde ich es schade, dass es hier keinen Bereich gibt, der nur für Freunde einsichtbar ist, bzw. ganz private Bereiche, wo man Dinge ablegen kann, die niemand etwas angehen.
    Ich kann mich in deine Lage gut versetzen, da ich ähnlich ticke. Nun hinterfrage dich, warum du dieses Helfersyndrom hast, warum hilfst du anderen. Meine Antwort darauf wäre folgende: Wenn ich mich mit den Problemen anderer Mensch auseinandersetze, ziehe ich auch Rückschlüsse auf mein Verhalten. Ich helfe dadurch nicht nur den anderen, sondern auch mir.
    Natürlich gibt es Punkte, da droht auch mein Fass über zu laufen. Ich hab vor 8 Jahren jemanden kennengelernt. Wir haben uns noch nie gesehen, aber mein zweitlängstes Telefonat habe ich mi
    t dieser Person geführt. Von 23.45 bis 5.15 Uhr. Um 6.30 rappelte der Wecker bei dieser Person.
    So jemand fehlt dir. Ich hab das Glück, so jemand gefunden zu haben. Die Person hat auch das Helfersyndrom und deshalb verstehen wir uns so gut.
    Nun, das hilft dir im Moment, bzw., wenn du wieder in diese Lage kommst nicht. Deshalb ein kleiner Tipp: lege es ab, was immer dich beschäftigt. Schreibe es auf und verarbeite es so. Keine Endlösung, ich weiß, aber besser, als alles auf deine Schultern zu behalten.
  4. zitierenMausekind schreibt am 23.07.2015 um 08:47 Uhr:Ihr Lieben,

    vielen Dank für Eure Worte.
    Mir fehlen gerade die passenden Antworten auf Eure "Denkanstöße", aber ich freue mich sehr, dass ihr welche für mich hattet. :)

    Vor 3 Jahren war ich in einem ziemlichen Loch.

    Ich liebe mein Kind!
    Aber er ist eben nicht alles, was mich persönlich erfüllt.
    Er ist das i-Tüpfelchen auf meinem bisherigen Leben.
    Und da ich vor 3 Jahren noch in Elternzeit zuhause saß und die fast einzigen sozialen Kontakte die Arzt-Besuche waren, war ich sehr unglücklich. Hinzu kamen diverse Szenen meiner Schwiegermonster, die mich unglaublich angreifbar gemacht haben.
    Damals habe ich mir Hilfe gesucht und gesprochen.
    Ich konnte auch nicht mehr anders.
    Mit Herrn Mausekind, der nun einfach zwischen den Stühlen saß oder sitzt, darüber zu sprechen, ging natürlich nicht.

    Ich weiß, dass mir das Schreiben hier immer geholfen hat, um mit gewissen Dingen besser umzugehen. Oder dass es mir danach gelingt, ein Augenzwinkern mit einbauen zu können und das "Problem" auf einmal nichtig wird.

    Über die Themen, die mir wirklich an die Substanz gehen hingegen kann ich nicht schreiben. Damals vielleicht. Heute nicht mehr.

    Vielleicht habe ich Angst, dass irgendwer doch mal den Weg hierher findet und ich danach "nackig" bin. Ich versuche doch seit Jahren das Bild der starken Frau aufrecht zu erhalten. (Ich kenne Eure Kommentare dazu schon jetzt...)

    Es geht mir tatsächlich besser, seitdem ich die Tür wieder geschlossen habe. Natürlich weiß ich, dass in nicht allzu ferner Zukunft der Tag kommen wird, wo ich mich darauf einlassen muss, um seelisch gesund zu werden. Aber der Tag ist nicht heute.

    Ich glaube auch nicht, dass ich unter einem Helfersyndrom leide.
    Ich höre halt einfach gern zu. Ich bin die geborene Theoretikerin. Und glaubt mir: Ich habe für jedes Problem die Lösung!
    Und weiß mein Kopf das für mich auch selbst: Mein Bauch sträubt sich gegen meine eigenen Vorschläge.

    Das Problem am Therapieren ist einfach, dass man sich selbst verliert. Man ist ja quasi den ganzen Tag damit beschäftigt, nach Lösungen für andere zu suchen... Ihr merkt: Problem erkannt.
    Ich weiß nur noch nicht, wie ich daraus ein Resumee für mich ziehen kann, was mir helfen wird.

    ich befinde mich gerade in diesem Zwischenschritt.

    Entschuldigt die vielen, unsortierten Gedanken...
  5. zitierenmadeinheaven schreibt am 30.11.2015 um 07:34 Uhr:Da gibt es nichts zu entschuldigen, weil es einfach deine Gedanken sind und es ist gut, dass du sie so aufgeschrieben hast, wie du es getan hast. Wie es genau in dir aussieht, wie du deinen Weg richtig gehst, wie du dein Leben lebst, musst du entscheiden. Wir können dir beistehen, aber entscheiden musst du. Ob du dich nackt machst, hängt doch davon ab, in wie weit du dich öffentlich machst. Du weißt, wer du bist, wie viel du von deinem Leben erzählen kannst. Mausekind kann aber auch irgendeine Frau sein. Nutze den Schutz der Anonymität. Ich bin Heaven und das ist nicht mein richtiger Name. Was ich erlebe, was ich schreibe, das ist richtig, obwohl, manchmal frage ich mich, ob das wirklich richtig ist. ;)
  6. zitierenZooStation schreibt am 30.06.2016 um 00:14 Uhr:"some day surely someone will love you" (Marilliion)
    ...habe nicht alles gelesen, Mausekind, aber eins ist gewiss:
    Lebbe geht weiter und love is the answer...and it will come!

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