Ein Tannenbaum ist keine Entschuldigung!

03.07.2015 um 09:58 Uhr

6. Tag X

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Nun ist es fast 6 Jahre her...

In diesem Jahr fallen die Tage genauso wie vor 6 Jahren.
Am Montag, den 6. Juli 2009 musste ich in die Uniklinik.
Am Dienstag, den 7. Juli 2009 wurde ich nach Hause geschickt. Allein.

Komischerweise weiß ich, welches  Oberteil ich getragen habe.

Es sind mittlerweile die Erinnerungsfetzen, die bleiben.
Unwichtige kleine Details, die nun sehr präsent sind. Wahrscheinlich, um das Erlebte zu vergessen. Reiner Selbstschutz.
Das Finale von Big Brother lief.

Ich war so jung und wenn ich heute daran denke, dann würde ich gern noch einmal vor Ort sein und meinem Damals-Ich anbrüllen, dass ich eine Hebamme will.
Und jemanden, der mir beiseite steht. Ich will nicht in diese Abstellkammer geschoben werden.
Und verdammt, ich will heftigere Schmerzmittel!!!

Aber nun...
Das Erlebte hat mich stark gemacht. Stärker.
Wenn ich heute die Einträge von damals lese, dann bin ich ein wenig stolz auf mich.
Dass ich schon damals so wahnsinnig stark war und diese Zeit, rückblickend, so gut weggesteckt habe.
Ich bin nicht gebrochen.
Ich bin hier.

Und am Dienstag und ich werden mein Sohn und ich einen wundervollen Tag zusammen im Tierpark verbringen.
Nur wir beide. Allein.

Und wenn ich ihn abends ins Bett gebracht habe, werde ich mich nachts an sein Bett schleichen und voller Mutterstolz einschlafen können.

Ja, ich freue mich auf Dienstag!
Diese schrecklichen Erinnerungen vergehen nie, aber sie können durch neue, schöne Erinnerungen, irgendwie gemildert werden.

Schlaf gut, mein Sternchen.
Mami liebt Dich...

05.12.2014 um 07:21 Uhr

Man sagt...

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

... die Zeit heilt alle Wunden...

Dem stimme ich nicht zu!

Die Wunden bleiben.

Mit der Zeit schützt die Seele den gesunden Verstand und bedeckt ihn mit Narbengewebe
und der Schmerz lässt nach.

Aber er verschwindet nie.

-Rose Kennedy-

06.12.2010 um 09:04 Uhr

Gestern...

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

... hätten wir Deinen ersten Geburtstag feiern können!

Ich war zu sprachlos...

Meine Gedanken sind bei Dir!

05.12.2009 um 00:01 Uhr

Tag E

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Heute ist es soweit.

Ich habe die letzten Einträge der letzten Jahre gelesen.
Habe mich über Dinge geärgert, über die ich jetzt, in diesem Augenblick, nur mit dem Kopf schütteln kann.

So ändern sich die Lebensschwerpunkte, gell?

Zudem sind heute zwei Geburtstage.

Der eine wäre ein Dreißigster gewesen. Die Einladung hierfür liegt in meinem E-Mail-Posteingang.
Mit Rathaus-Fegen. Unbeantwortet.

Das zweite Geburtstagskind ist ein "On/Off"-Freund von Herrn Mausekind. Mal haben wir mehr, mal weniger Kontakt zu ihm. Und daher hat er auch seinen Geburtstag letztes Jahr vergessen.
Ich kann mich noch sehr gut an das Telefonat mit ihm erinnern. Wir sagten ihm, völlig euphorisiert, dass wir seinen Geburtstag nun nicht mehr vergessen würden; ihm zu Ehren hätten wir extra "seinen" Geburtstag ausgesucht...

Es gehen mir so unglaublich viele Dinge im Kopf herum.

Dass ich noch Shirts in meinem Schrank liegen habe, die ich noch nicht anziehen konnte.
Ein Kleid für den Sommer. ...

Wo wäre ich jetzt gerade?
Wärst Du vielleicht schon auf der Welt? Oder hättest Du uns noch ein paar Tage zappeln lassen?

Wie hätten wir Dein Zimmer gestrichen?
Für welche Einrichtung hätten wir uns schlussendlich entschieden?
Nun steht Dein Zimmer leer. Ich nenne ihn den weißen Raum. Damit es nicht wehtut, wenn ich Kinderzimmer sagen muss.

Zum Schluss habe ich Deinen Herzschlag ganz deutlich gespürt, wenn ich abends im Bett lag.
Was, wie sich hinterher rausstellte, daran lag, dass nicht mehr genügend Fruchtwasser vorhanden war.
Es war nichts mehr zum "Dämmen" da.

(Mein Schmerz hingegen fühlt sich gedämmt an. Unwirklich.)

Die Aufregung beim Frauenarzt, wenn die Arzthelferin vorab den Herzschlag "gesucht" hat und wir Dich hören konnten.

Die Wut darüber, dass es so unglaublich viele asoziale (entschuldigt, aber ich möchte jetzt nicht darüber nachdenken, wie ich mich ausdrücke oder wem ich damit vor den Kopf stoßen würde. Es geht heute ausnahmsweise mal nur um mich. Um meine Bedürfnisse.) Menschen gibt, die in der Lage sind, das 5. Kind gesund auf die Welt zu bringen. Denen man jetzt schon ansieht, dass sie einfach nichts werden...

Viel schlimmer ist aber noch immer die Enttäuschung.

Es ist nicht so, als würde sie mich auffressen.
Aber sie klopft in unregelmäßigen Abständen an mein inneres Türchen...
Wie heute.

Ich bin dankbar für den Mann an meiner Seite.

Und für die Freunde um mich herum.

Aber heute möchte ich einfach mit meinen Gedanken nichts weiter machen, als bei Dir zu sein.

Wir lieben Dich...

20.10.2009 um 14:16 Uhr

Tag O +1

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Bereits viermal getippt, viermal verworfen.
Wegen Emotionalität... Meistens Wut.

Ein neuer Versuch...

Ich habe heute wieder hinter dem Ergebnis hertelefoniert.
NEIN, es ist nicht angekommen.
Aber abgeschickt haben sie es. Ganz gewiss. Sagen sie.
"Wann denn?"
Na, sagen können sie das jetzt nicht mehr, aber getan haben sie es. Ganz gewiss.

In Kopie an meinen Hausarzt.
Der hat eine neue Arzthelferin. Wir kennen uns noch nicht.
Ich war das letzte Mal da, als ich operiert wurde. Und das ist bereits letztes Jahr gewesen...
(Oder Anfang diesen Jahres? Nein, ich glaube letztes Jahr, es muss um die Weihnachtszeit gewesen sein. Auch egal.)
Ich habe bereits am Donnerstag mit der "Neuen" telefoniert, habe ihr meine Situation geschildert.
"Hallo, Mausekind mein Name. Ich warte auf den Obduktionsbefund meines toten Sohnes. Wahrscheinlich kommt er am Montag. Kann ich da gleich vorbeikommen?"
"Klar, Frau Mausekind. Machen Sie das ruhig. Nein, Sie brauchen keinen Termin. Wir wissen Bescheid."

Gestern nun habe ich nochmal angerufen, bevor ich da hinfahre. Ob der Befund denn nun wirklich da wäre. Nicht, dass ich umsonst da aufkreuze.
"Mausekind hallo, ich warte noch immer auf den Befund. Ist da schon was angekommen?"

Und sie antwortete, WIRKLICH:

"Wie ist denn der Name Ihres Kindes?"

...
...
...

Ich bin nicht oft sprachlos im Leben, aber da war ich's.
Mir blieb der Mund offenstehen heute.
Dazu muss ich noch erwähnen, dass mein Arzt keine 300 Patienten hat. Eigentlich ist er sehr "leer".
Ich möchte also kein Verständnis aufbringen für die Dame, weil sie höchstwahrscheinlich in den letzten Tagen mit nur 10 Patienten telefoniert haben KANN und ich gehe mal bei der Anzahl davon aus, dass es nur eine gab, die dieses "Problem" hatte...

Wie dem auch sei.

Ich telefonierte mich also weiter durch...

Bis hinunter in die Pathologie.
Bis zu dem Arzt, der mein Baby obduziert hat.
Ein netter Mensch.
Und wir hatten ein durchaus vernünftiges, positives Gespräch, das mir wirklich geholfen hat.

Natürlich habe ich noch ca. 300 Fragen.
Fragen, die mir niemand beantworten kann.
Niemand kann mir die Angst nehmen, dass die nächste Schwangerschaft nicht auch so verläuft.
Das "Risiko" ist eben immer da.
Aber zumindest habe ich endlich mit jemandem gesprochen, der Verständnis hat und der mir sagen kann, dass so etwas einfach passiert. Dass nichts dafür und nichts dagegen spricht, dass es nicht wieder passieren wird. Dass bei der nächsten Schwangerschaft "die Karten neu gemischt" werden.

Wir hoffen, dass mein Kopf das auch bald begreifen wird...

08.10.2009 um 14:19 Uhr

Blöde Tage...

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Wie bereits erwähnt...

Dienstag: Letzter Arbeitstag gewesen.

Mittwoch: Vor drei Monaten wurde unser Sohn geboren.

Wir warten auf den Obduktionsbericht.
Nichts tut sich...

06.10.2009 um 14:42 Uhr

Heute wäre...

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

... mein letzter Arbeitstag gewesen.

Ich denk an Dich...

07.08.2009 um 11:22 Uhr

Mama im Monat 1

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Heute vor einem Monat.
Heute ist es schon einen Monat her.
Heute vor einem Monat bin ich also Mama geworden.

Und was mir bleibt ist ... die Erinnerung.

Babymaus, wir denken an Dich.
Heute noch ein bißchen mehr.

Ich weiß, dass Du das weißt.

14.07.2009 um 14:50 Uhr

Heute vor einer Woche...

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Ich denk an Dich!

09.07.2009 um 09:39 Uhr

Nur kurz...

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Am Dienstagmorgen um 5.45 Uhr wurde das Mausekind-Kind geboren.
- Unser Sohn-

Wie gern würde ich schreiben, dass Mutter und Kind wohlauf sind.

Er war bei seiner Geburt bereits ca. 20 cm groß und 310g schwer.

Wir hatten lang darüber gesprochen, ob wir es uns ansehen wollen würden.

Spontan haben wir es dann gemacht.

Aufgrund der Genitalfehlbildung wurde das untere Stück seines Körpers abgedeckt.

Es bleibt aber zu erwähnen, dass es wirklich friedlich aussah. Und auch wirklich menschlich.

Nachmittags habe ich mich auf eigenen Wunsch entlassen.

Soweit geht es mir "gut". Langsam bemerke ich die Schmerzen. Aber die sind aushaltbar.

Für die seelischen Narben habe ich Herrn Mausekind an meiner Seite, der wirklich fantastisch ist.

Wir sitzen hier im Chaos, weil unsere Wohnung ausgebaut wird.

Ich darf mich allerdings schonen und brauche wirklich nichts mit anzufassen. Er kümmert sich um alles und nimmt mir alles ab, was irgendwie geht.

Morgens ist es am Schlimmsten. Aufzuwachen und festzustellen, dass etwas fehlt.
Etwas nicht da ist, wo es sein sollte.

Den Rest des Tages halten wir uns tapfer.

Ich denke, der Ausbau lenkt uns ab.

Ich danke Euch allen, die an uns gedacht haben.
Die uns den Zuspruch geben.
Die Anteil nehmen.

Es kommen auch wieder bessere Zeiten.

Btw:
Unser Sohn ist in der Klinik geblieben. Er ist namenlos, lebt aber in unseren Herzen weiter.
Da das Syndrom so unglaublich selten vorkommt, ist es uns wichtig gewesen, dass wir mit seinem Zurücklassen vielleicht helfen können, etwas mehr über diese Krankheit zu erfahren und ggf. anderen Menschen zu helfen.
Da wir beide nicht wirklich gläubig sind, brauchen wir auch keine Stelle, an die wir pilgern können.
Wir werden uns ein Album mit allen Foto's anlegen und das als unsere "Pilgerstätte" im Schrank lagern.

01.07.2009 um 09:05 Uhr

Tag X

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Ich weiß nicht, ob es richtig ist, zu schreiben.

Eigentlich gehört das in den Teil meines Lebens, der mir zu intim ist, um es hier zu veröffentlichen. Oder auch in den Teil, der nicht möchte, dass das wirklich passiert.

Wenn man nicht drüber spricht, dann passiert's auch nicht. Oder so ähnlich.

Gut, es passiert ja nun mal wirklich.
Nein, Marleen, ich weiß zwar wie Du's meintest, aber: Mit sowas würde ich niemals scherzen!
Selbst wenn ich wohl über einen schwarzen Humor verfügen sollte...

Also, was ist passiert?

Am Montag riefen wir in besagter Uniklinik an.
Den Termin zur zweiten Meinung erhielten wir am Donnerstag.
Da das natürlich wieder vier Tage waren, riefen wir gleich nochmal bei meinem Gynäkologen an, in der Hoffnung, dass er vielleicht (so von Kollege zu Kollege) einen früheren Termin erkämpfen könnte. Leider funktionierte auch dies nicht.
Allerdings besorgte er uns einen Termin bei einem anderen Arzt in der Nachbarstadt.
Dieser untersuchte das Ungeborene bestimmt zwanzig Minuten.
Details erspare ich uns.
Das Ergebnis war allerdings das Gleiche. Wobei er das bestimmte "P B Syndrom" allerdings nicht aussprach.
Das Allerschlimmste an der Sache ist, dass das Herz unseres Winzlings einwandfrei funktioniert.

In den meisten Fällen funktioniert dieses wohl auch nicht richtig. Und deswegen ist die Chance, dass es eben vorzeitig im Mutterleib stirbt, enorm.
Vielleich ist das nun das falsche Wort, aber dieses "Glück" scheine ich nicht zu haben.

Ich werde morgen eine Tablette schlucken, die unseren Krümel tötet.

Wie gerne würde ich mir selbst wenigstens dieses Detail ersparen.

Herr Mausekind sagt, ich solle mir nicht einreden, dass ich es töten würde.
Aber wenn wir es mal ganz nüchtern betrachten, ist es so.

Ich schweife ab.

Morgen wird also die "dritte" Meinung eingeholt. In der Klinik.
Und anschließend können wir, evtl. auch gleich vor Ort, den Abbruch durchführen.
ich habe mir bereits alle möglichen und unmöglichen Horrorszenarien ausgemalt.
Prinzipiell dürfte mich also dementsprechend nichts mehr schocken. Wobei die Realität ja nun einfach viel härter ist, als das, was man sich ausmalt.

--> Ich habe mir soeben diesen ganzen wirren Text durchgelesen. Ich glaube, ich weiß momentan selbst nicht, was ich damit eigentlich sagen möchte.
In den letzten Monaten habe ich so oft viel schreiben wollen, aber ich hab's einfach nicht geschafft.
Und wie oft habe ich überlegt, Herrn Mausekind von diesem Blog zu erzählen. Aber dann dachte ich immer, dass er vielleicht nicht genug Verständnis dafür hätte, dass ich mein/unser Privatleben an die Öffentlichkeit trage. Vielleicht hätte ich sogar vorab noch "zensieren" müssen, was ich hier so geschrieben habe. Aus Angst, dass er es in den falschen Hals bekommen könnte.
Oh Gott, ich mache mir Gedanken um Dinge, die so nebensächlich erscheinen.
Ich fass es nicht.

Wie dem auch sei.
Morgen ist besagter Tag. Ich weiß nicht, wann ich mich hier wieder melden werde. 
Was ich hier schreiben möchte/werde, oder eben nicht.

Aber was mir wirklich wichtig ist, ist Folgendes:

Den ganzen Zuspruch, den ich erhalten habe, die Kommentare, die PN's...
Vielen Dank dafür! Ich freue mich sehr, dass diese Gemeinschaft so an den einzelnen Schicksalen Anteil nimmt und dieses auch kundtut.
Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie gut das tut zu lesen.
Auch, wenn mir oftmals die Worte fehlen um auf jeden einzelnen Kommentar einzugehen. 
Es gibt keine Worte, die "trösten" können. Nichts, was das Erlebte jemals besser werden ließe.
Aber allein das Wissen, dass es Menschen gibt, die sich dafür interessieren und auch ehrlich mitleiden, tut einfach gut. Ich fühl mich nicht allein. Ob nun real oder virtuell.
Danke.  

btw: Der eintrag "Der Sarkasmus stirbt zuletzt" ist nun auch sichtbar...

27.06.2009 um 15:31 Uhr

Der Sarkasmus stirbt zuletzt

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Wo fängt man am Besten an? 
Momentan bin ich hin- und hergerissen und meine Trauer kommt phasenweise. 
Vielleicht, weil ich weiß, dass das, was ich gerade erlebe, nicht der "Höhepunkt" ist?! 
Weil es noch viel schlimmer kommen wird...
Das ist gerade der Anfang. 
Der Anfang vom Ende meines 15cm großen Mitbewohners. 

Der Sarkasmus stirbt zuletzt. 

Was nun aber wirklich sterben wird ist eben jener Mitbewohner. 

Momentan weine ich nicht und so ist es mir möglich, dies von der Seele zu schreiben. 
Ich wusste nicht, mit was für Fragen man sich auseinandersetzen muss. 
Gerade brennt mir diese eine auf der Seele: "Erbringe ich meinem Kind nicht die gebührende Ehre, wenn ich nicht 24 Stunden am Stück heule?" 
Wie trauert man richtig? Wie verhält man sich in einer solchen Situation am Angemessensten? Vielleicht bin ich zu ruhig für sowas. Oder ich weiß eben wirklich, dass ich mir meine Kraft für die nächsten Wochen einteilen muss...

... 

Donnerstag, 15 Uhr: 
Unglaublich gut gelaunt sind wir zum Frauenarzt aufgebrochen. 
In der Hoffnung, dass wir erfahren würden, was unser Zwerg wird. Ohne schlechte Gedanken. 
Bei meinem FA läuft das folgendermaßen ab: 
Das obligatorische "in-den-Becher-Gepinkel", dann in den Extra-Raum auf die Waage, Blutdruck messen und die Herztöne hören. 
Danach geht's ins Wartezimmer. Ausgerechnet diesen Donnerstag waren eine Unmenge von Frauen in dem Zimmer. Und das obwohl wir doch so wahnsinnig gespannt auf das "Ergebnis" waren. 
Jedenfalls mussten wir eine gute Stunde warten. 
Das Wetter war übrigens fürchterlich. Es war schwül, hat geregnet und ich habe unglaublich geschwitzt. Hab mich wahnsinnig unwohl gefühlt und hatte nur den Wunsch, den Warteraum verlassen zu können und frische Luft zu schnappen. 

Als wir nach über einer Stunde aufgerufen wurden, begann's -ebenfalls mit dem üblichen- Smalltalk mit dem Arzt. "Wie fühlen Sie sich?" - "Haben Sie vorab Fragen?" ... 
"Nein, nur den Wunsch zu erfahren, was es wird." 
"Dann gucken wir mal, was wir da machen können." 

Schnell erfuhren wir, dass unser Zwerg nun 15 cm groß war. 
Und der Doc sagte: "Wir haben da ein kleines Problem." 
Ich glaube, das war auch der Moment in dem es sich in mir anfing, zu drehen. 
Wobei die Umschreibung "kleines Problem" sich doch noch unglaublich positiv anhört. 
Hey, mit kleinen Problemen kann ich unglaublich gut umgehen! 

Unser "kleines" Problem wurde dann allerdings doch ein recht großes. 
Der Doc erklärte uns, dass es auf den ersten Blick scheinen würde, als dass unser Kind eine 5 cm große Zyste im Bauchraum hätte. 
Er sagte, dass es etwas Schwerwiegendes sein könnte, oder auch -wenn es sich um ein Mädchen handeln würde- könnte es eine Zyste an der Gebärmutter sein. Dies würde nicht sooo schlimm sein. Aber um Genaueres sagen zu können, müssten wir eine zweite Meinung einholen. Bzw. am darauffolgenden Tag in seine zweite Praxis kommen. 

Keine Frage, der Tag war gelaufen. 
Alles, was wir uns vorgenommen hatten, ist in den Hintergrund getreten. 
Die Rückfahrt war am Schlimmsten. Ich konnte nicht sprechen. Konnte nicht beschreiben, was in mir vorgeht. 
Herr Mausekind hatte die Hoffnung, dass am nächsten Tag alles dementiert werden würde. 
Ein schwarzer großer Fleck auf dem Ultraschall, den man erklären könnte. 

"P B Syndrom", war das, was uns der Doc noch mit auf den Weg gab. 
(Sorry, das Fachwort kann ich gerade nicht ausschreiben. Ich möchte nicht, dass Herr Mausekind durch diese Eingabe hierher kommt.)
Natürlich mussten wir dies zuhause googlen. 
Machen wir's kurz in meinen laienhaften Worten: 
Es gibt mehrere Stufen davon. Was in meinen Augen keine Rolle spielt, denn eigentlich ist eine Stufe schlimmer als die andere. 
Bei unserem Zwerg hat sich der Bauchmuskel nicht entwickelt. Was zur Folge hat, dass sich die Nieren nicht richtig entwickeln. Was sich dann wiederum auf die Lunge auswirkt. 
Auch egal. Schwerstbehindert eben. 
Im Internet ließ sich auch gleich die Geschichte einer Frau finden, die ihr Kind ebenfalls auf diesem Wege verloren hat. Nicht aufmunternd. 

Freitag, 13 Uhr: 
Der nächste Termin. In seiner anderen Praxis. Ich war bereits hoffnungslos. 
Meine bessere Hälfte versuchte noch immer, das Positive zu sehen. Er verhält sich tadellos übrigens. Selten wurde ich von jemandem so gestützt wie von ihm. Wenn ich morgens aufwache und weine, dann ist er sofort zur Stelle und hält mich so lange, bis es vorbei ist. Er verbringt Stunden im Netz und informiert sich über das, was uns bevor steht. 
Gut, zurück zum nächsten Besuch. 
Dieses Mal warteten wir ca. 20 Minuten. Die längsten Minuten bislang. 
Allerdings umsonst. Denn auch dieses Ultraschall-Gerät zeigte dieses große schwarze Loch in der Mitte unseres Kindes. 
Mein Doc ist ziemlich ehrlich und wollte uns auch keine falschen Hoffnungen machen. 
Zudem ist er unglaublich einfühlend. Er nahm sich bestimmt eine gute Dreiviertelstunde, um mit uns zu sprechen. Uns zu erklären, wie es jetzt weitergehen würde. 

Wir müssen am Montag in der Uniklinik anrufen und uns dort die besagte zweite Meinung holen. By the way: Bei dem Wort "zweite Meinung" bin ich noch immer davon ausgegangen, dass dies bedeutet, dass seine Diagnose vielleicht nicht stimmen könnte und wir deswegen in die Klinik müssten. Allerdings wurde ich auch hier wieder eines Besseren belehrt: Zwar stimmt dies zum Teil, aber hauptsächlich braucht man nach der 13. Schwangerschaftswoche eine zweite Meinung um einen Abbruch vornehmen zu können. 
Gut, wieder etwas dazu gelernt. Um dieses Wissen hätte ich mich übrigens nicht unbedingt geschlagen. Das nur am Rande... 

Darüberhinaus hat er uns auch erzählt, dass meine Gebärmutter danach weiterhin "funktionsfähig" sein wird, dies also nicht das Ende der Welt bedeuten würde. Wir wären das zweite oder dritte Pärchen in seiner Laufbahn, die dieses Syndrom bekommen hätten. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns das beim nächsten Kind zustößt ist unglaublich gering. 
Was ich sagen möchte ist: Er war wirklich unglaublich einfühlsam und nett. Ich habe mich nicht gefühlt, als hätte ich meinen "Todesurteil"-Stempel erhalten und müsste jetzt allein damit klarkommen. 

Wie geht es weiter? 

Am Montag werden wir in der Uniklinik anrufen. 
Und dann wird der Termin dort vereinbart. 
Und dann brauchen wir einen Termin zum Abbruch. 
Vor diesem Tag fürchtet's mich am Meisten. Ich werde eine Tablette schlucken müssen, um unser Baby zu töten. Es lebt, verdammt! Es ist ja nicht so, als wäre es bereits gestorben. Sein kleines Herz schlägt noch munter vor sich hin. Ich bin diejenige, die es "töten" wird. 
Übrigens werde ich es gebähren müssen. Das Schlimmste, was ich mir überhaupt vorstellen kann.
Nein, ich weiß nicht, wie es weitergehen wird. 
Wie ich, wie wir, es schaffen werden. Allen guten Vorsätzen zum Trotz, dass es weitergehen wird. 
Ich weiß, dass der nächste Absturz direkt vor unserer Tür steht und nur darauf wartet, dass wir einen Schritt vorwärts machen. 

Ich habe ein lebendes Kind in mir. 
Auch, wenn es schwerkrank ist, ist es nicht tot. 
Ich lebe jetzt also die letzten Tage damit, dass sich mein Bauch immer mehr wölbt und das kleine Herz in mir schlägt. 
Zudem habe ich natürlich noch weiterhin die Symptone der Schwangerschaft. 
Sodbrennen. Meistens abends. 
Jetzt begleitet es mich aber eher wie ein dunkler Schatten, der mich daran erinnert, was wir hätten haben können. 

Abschließend gehört mein Dank den Menschen, die Anteil an dem nehmen, was uns passiert. Die Menschen, die nicht wissen, wie sie sich ausdrücken sollen; was am Besten gesagt werden sollte. 
Die Menschen, auf die wir uns verlassen können.

Und Petrus. 
Der uns dieses Wochenende keinen strahlenden Sonnenschein beschert hat, sondern das Wetter an unseren Seelenzustand angepasst hat. 

Der Sarkasmus stirbt zuletzt: 
Wer kann schon von sich behaupten, dass sein Kind am selben Tag wie Michael Jackson "getötet" wurde?! Jedenfalls totgesprochen wurde. 

Es wird wieder aufwärts gehen, das wissen wir. 

So lange wir uns haben, kann uns nichts geschehen.

26.06.2009 um 16:42 Uhr

Große Scheiße!

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Nein, ich mag nicht sprechen.

Das vorab.

Wir verlieren es.

Ich bin krankgeschrieben.

Nächste Woche wird die Geburt eingeleitet.

Ich kann nicht sprechen.

25.06.2009 um 12:18 Uhr

Woche 18

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Nun, heute um 15 Uhr ist's soweit:

Wir haben einen erneuten Arzt-Termin.
Diesmal hoffen wir darauf, dass wir sehen können, was es wird.
Oh, wie spannend... Fröhlich

Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass es bestimmt so liegt, dass wir nichts sehen und weiter im Dunkeln tappen.

Momentan sind wir sowieso sehr damit beschäftigt, einen geeigneten Kinderwagen zu finden.

Man kann sich gar nicht vorstellen, dass das schwieriger sein kann, als ein Auto zu kaufen.
Aber: Dem ist so!

So, genug Smalltalk heute.

Ich bin zu aufgeregt, um zu tippen...

22.06.2009 um 12:26 Uhr

Körper

von: Mausekind   Kategorie: Das Mausekind-Kind

Nun, nach inzwischen 17 Wochen hat sich das Mausebaby nun doch eine eigene Kategorie "verdient".
*räusper*

Der erste Schritt in Richtung Rabenmutter ist also gemacht!

Frau Mausekind hat Körper.
Und zwar ganz extrem.

Es fing ganz unscheinbar damit an, dass ich plötzlich Nacken bekam.
Vor ca. drei Wochen.

Aus plötzlichem Nacken wurde dann ein Schulter und schließlich Sehnscheide links.
Olé!

Dazu kamen gestern morgen irgendwie die Füße.

Und heute, da bücke ich mich in Richtung Kühlschrank und dann gibt's plötzlich noch Rücken oben drauf.
Fühlt sich an, als hätte sich ein Nerv eingeklemmt, oder sonstwas.

Ich witzle noch mit mir selbst.

Immerhin gehe ich jetzt auch wie eine Hochschwangere.

Fantastisch!

Heute ist Montag! Traurig