Reise zu den Sternen

05.04.2018 um 20:23 Uhr

Eine Frage und was sie mit mir macht

von: mijoni   Stichwörter: Fragen, Nachdenklich, FalscheAntworten

Stimmung: Minimi ... đŸ€”

"Hoffentlich geht's dir Ă€hnlich gut" ... Ich schaue mir das auf dem Handy an, stutzen einen Moment und lege das Handy weg. Auch wenn kein Satzzeichen verwendet wurde, ist es fĂŒr mich eine Frage. Und eben diese Frage macht mich stutzig. Verwirrt mich etwas und lĂ€sst mich Zögern, sofort eine Antwort zu tippen.

Ich habe gegessen, einen Katalog durchgeblĂ€ttert und im Kopf kreiste diese Frage und eine weitere. Was antworte ich darauf? Nach dem Essen und nachdem ich alles fort gerĂ€umt hatte, nahm ich das Handy zur Hand. Zwei Buchstaben tippte ich ein. Ein Wort wurde gesendet. Ja. Nicht mehr, nicht weniger und ich dachte mir, was tut es zur Sache, ob das ja echt ist oder nicht. Der Fragesteller ist nicht da und sieht mich nicht. Und wozu sollte ich das ausfĂŒhren?

Dann saß ich hier und nun bin ich hier, auf meinem Blog und frage mich, geht es mir gut?

Aber welcher Maßstab zĂ€hlt da? Welche Perspektive und welcher Blickwinkel soll das nun beantworten?

Ich wache morgens auf und bin am Leben. Das ist gut. Ich bin gesund und kann mich selbst versorgen. Das ist gut. Ich habe ein Dach ĂŒber den Kopf. Auch das ist gut. Ich habe Essen im KĂŒhlschrank und kann mir auch selbiges kaufen. Auch das ist ziemlich gut. Meine Rechnungen sind bezahlt. Auch durch nicht geplante Ausgaben, brauch ich nicht den restlichen Monat Nudeln und Ketchup essen. Was auch ziemlich gut ist. Es gibt Menschen, die mögen mich, einige wenige lieben mich. Das ist echt gut. Ich habe Arbeit, na ja, sogar zwei Jobs. Auch etwas was gut ist.

Aber sagt das wirklich etwas aus? Wenn ich es oberflÀchlich betrachtet, scheint es mir gut zu gehen.

Ich bringe es fertig, jeden Tag das Haus zu verlassen und mich unter Menschen zu begeben, ohne schlechte Laune zu verbreiten oder diese meine Abneigung spĂŒren zu lassen. Das ist auch gut. Ich schaffe es zu lĂ€cheln und freundlich zu sein, zu allen, auch zu Fremden. Das ist verdammt gut. Ich schaffe es, ein Bild von mir zu zeigen, das gesellschaftlich und zwischenmenschlich toleriert, akzeptiert und anerkannt wird. Und das ist verdammt gut.

Aber ... Ist das nicht eine LĂŒge? Geht es mir gut, weil andere denken und meinen, es ginge mir gut?

Und wie soll man erklÀren, das es einem nicht gut geht, wenn man nicht wirklich erklÀren kann, was zum gut fehlt?

Warum sollte man sagen, das gar nichts gut ist, wenn es ums Thema Essen geht. Das es ein tĂ€glicher Kampf ist, zu essen, auch wenn man nicht mag oder noch satt ist. Das es so verdammt hart und anstrengend ist, es nicht zu vergessen oder auszulassen. Und das es die Reaktion der Menschen ist, die ĂŒberhaupt nicht gut ist. Ich beantworte die Frage nicht mehr. Nicht, weil es keine Erfolge gibt. Die gibt es, aber sie sind klein. Zu klein, fĂŒr die Menschen die mich danach fragen. Oh nein, DAS sagt natĂŒrlich keiner. Sie brauchen auch nichts sagen. FĂŒr jemanden wie mich ist der Gesichtsausdruck, die Haltung und das GefĂŒhl der anderen wie Worte und das frustriert. Verletzt.

Also ja, es geht mir gut. Besser ginge natĂŒrlich immer, aber gut ist ein Anfang. Ich ertappe mich dabei, das ich sage, was andere hören wollen. Aus verschiedenen GrĂŒnden. Es gefĂ€llt mir nicht, weil es nicht aufrichtig und ehrlich ist. Ehrlich und aufrichtig zu sein, fĂŒhrt dazu, das die Menschen peinlich berĂŒhrt sind, sprachlos. Im schlimmsten Fall sorgt es fĂŒr Mitleid und das ist das letzte, was ich brauche. Und ich brauch auch nicht die schlechten GefĂŒhle der anderen, weil ich nicht dafĂŒr verantwortlich sein will, diese ausgelöst zu haben.

Ja, es geht mir gut. Mit einer weiteren Fragen zu einem beliebigen Thema, ist das Thema zu vollsten Zufriedenheit des Fragers abgeharkt. So einfach geht das. Es gefĂ€llt mir zwar nicht, aber ich arrangiere mich damit, weil ich das kleinere Übel wĂ€hle. Es setzt mir auch nicht zu, weil ich es verwerflich finden wĂŒrde. Nein, was soll daran verwerflich sein, denen da draußen eine LĂŒge zu prĂ€sentieren, die sie als Wahrheit annehmen, weil ihre eigene Wahrnehmung den Unterschied eh nicht bemerkt, erfasst und versteht. 

Was mir zusetzt ist die Disharmonie in der ich mich in solchen Situationen befinde. Ich tue etwas, was ich ablehne, weil echt zu sein, negative GefĂŒhle mit sich bringt, die mir ebenfalls zusetzen und es mich Energie, wahnsinnig Energie kostet, diese abzuwehren.

Es ist wahrlich einfacher alle glauben zu lassen, das es einem gut geht. So lange sie das glauben, ist die Welt in Ordnung. Und nur darauf kommt es an, oder nicht? 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenindalo schreibt am 07.04.2018 um 09:03 Uhr:Hmm... schon beim ersten Lesen dachte ich darĂŒber nach. Mir fiel spontan ein, dass ich vor ein paar Jahren von jemandem gefragt wurde, wie es mir geht (oder ob es mir gut geht?) und ich diese Person gemieden habe, weil ich nicht wusste, was ich antworten sollte. Es gab keine Antwort. Weder dass es mir gut geht, noch dass es mir schlecht geht. Da war einfach nichts. Erst nach einiger Zeit meldete ich mich und begann mit den Worten "Ich habe mich nicht gemeldet, ich habe nicht reagiert, ich habe dich ignoriert, weil ich diese Frage nicht beantworten konnte. Ich glaube, jetzt habe ich eine Antwort." und dann redete ich, stundenlang.

    Es ist nicht das Gleich, was du beschreibst, nicht wahr? Denn du weißt ja, wie es dir geht. Menschen da draußen sind nicht wichtig, aber die Menschen drinnen, die Wichtigen in deinem Leben, die sollten doch wissen, wie es dir geht.
    ...sofern du es sie wissen lassen möchtest.
  2. zitierenmijoni schreibt am 07.04.2018 um 17:21 Uhr:Doch, es ist so Àhnlich, die Situation unterscheidet sich nur dadurch, das du den Frager ignoriert hast, bis du seine Frage beantworten konntest.
    In meinem Fall war es die Formulierung, die mich aus der Bahn brachte, da sie noch nie so von dem Fragesteller benutzt wurde.
    Wahrscheinlich denke ich zuviel nach, darĂŒber, andere Dinge und sowieso.
    Du hast recht, ich weiß, wie es mir geht. Und ich wĂŒrde sagen, das ich von gut so weit entfernt bin, wie der Mond von der Erde. Aber das ist okay, es wird besser werden, davon bin ich ĂŒberzeugt. Irgendwann.
    Auch wenn die da draußen nicht wirklich wichtig sind, sind sie da und manchmal schlitter ich in Situationen, da rede ich, bevor ich denke oder besser, fĂŒhle zu viel in mir, das dann nach außen bricht. Ich möchte meine Freude teilen und erlebe eben diese verhaltene Reaktion. Das ist es, was ich dann mitnehmen und was mich auch zu Hause beschĂ€ftigt.
    Die wichtigen Menschen ... uihh ... Ein Thema, das wirklich sehr sensibel ist. Denn ich muss hier sehr differenzieren. Letzten Endes gibt es keinen darunter, der wirklich bis ins letzte Detail weiß, wie es mir wirklich geht.
    Das mag sich traurig anhören, ist aber nichts neues. Ich teile meine Freude und mein "GlĂŒck" gern mit diesen Menschen, aber mein Kummer? Nein.
  3. zitierenindalo schreibt am 07.04.2018 um 21:33 Uhr:Nee, fĂŒr mich hört sich das nicht traurig an. Ich finde es wichtig, dass man jemanden zum Reden hat, wenn man es möchte. Aber es gibt auch genug Dinge ĂŒber die ich nicht reden möchte. Vielleicht nur nicht in dem Moment, vielleicht aber auch gar nicht. Also nein, gar nicht traurig - es sei denn du empfindest es als traurig.
  4. zitierenmijoni schreibt am 08.04.2018 um 05:18 Uhr:Manchmal denke ich schon, das es ein seltsames Verhalten ist. Aber traurig? Nicht wirklich.
    Wie du sagst, es ist wichtig zu wissen, man könnte, wenn man will. Ein gewaltiger Unterschied.
    Mein bester Freund ist jemand, der immer weiß, ob es sich lohnt nachzufragen oder es besser ist, abzuwarten, bis ich damit von selbst rauskomme.
  5. zitierenindalo schreibt am 08.04.2018 um 09:33 Uhr:Und genau deswegen ist er dein bester Freund ;-)

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