Mama sein ist was Schönes. Meistens. Es gibt aber so Momente, da möchte man sein altes Leben zurück. Man ist dann so genervt und fertig - das hat nix mit dem romantischen Familienbild der Elternzeitschriften gemein. Zur Zeit gibt es diese Momente hauptsächlich nachts, denn unsere Nächte sind gerade alles andere als erholsam:
Gerade habe ich noch friedlich geschlummert, da dringt Babygejammer an mein Ohr. Während ich im Dunkeln den Schnuller suche, bete ich inständig, dass es nur ein "Schnullerstop" ist. (Mein Goldlöckchen hat monatelang ganz wunderbar geschlafen. Der wachte nachts mal auf, klar, aber dann brauchte man ihm nur den Schnuller wieder ins Mäulchen zu stecken, schon schlief er seelig weiter. Seit einigen Tagen oder Wochen - ich kann's gar nicht sagen - ist das anders. Immer wieder passiert es, dass er eben nicht wieder einschläft. Und dann beginnt ein zermürbender Kampf.) Ich finde den Schnuller, bevor der Kleine akkustisch richtig loslegt, finde das kleine Mündchen, stopfe es damit ;-), drehe mich um, bette mein müdes Haupt auf's Kissen, mache die Augen zu...
Gejammer. Ok, dann Plan B. Ich schnappe mir das Kind, das inzwischen schon im Bett steht, lege es auf meinen Bauch und mache die Augen zu. Alles ganz schnell, damit aus dem Gejammer kein Geplärre wird. Garfield hat am nächsten Morgen einen wichtigen Termin, der soll schlafen. Normalerweise schläft der kleine Mann auf meinem Bauch ganz wunderbar wieder ein. Zwar schlafe ich dann nicht besonders, denn ich bin eigentlich ein Seitenschläfer, aber was tut man nicht alles. Leider klappt auch das in letzter Zeit nicht immer. Und mein Sohn hat beschlossen: Heute ist so eine Ausnahme. Er wälzt sich unruhig auf meinem Bauch hin und her - was eigentlich fast unmöglich ist, denn sooo ausladend breit bin ich jetzt auch nicht! Kopf nach links, Kopf nach rechts, halb auf dem Bauch liegend, halb auf meinem Arm, neben mir, jeweils auf beiden Seiten - er probiert alles, aber nichts ist richtig. Dazwischen zieht er sich immer wieder den Schnuller raus und "sagt" was. An Schlaf ist so nicht zu denken. Vielleicht wollte er ja doch nicht in mein Bett? Vielleicht ist es ihm zu warm, zu eng? Also Plan C: Zurück ins Kinderbett mit dem Zwerg. Sofortiger Protest. Ok, das also auch nicht. Ich greife auf Plan D zurück: Stillen. Vielleicht hat er ja Hunger oder Durst und wenn nicht, so schläfert es ihn wenigstens fast immer ein. Wie froh bin ich in diesen Momenten, noch zu stillen. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jetzt aufstehen, ein Fläschchen machen... Wer sowas schonmal gemacht hat, weiß: Das geht weder in einer Minute noch im Halbschlaf. Stillen schon. Der Kleine ist gleich ganz begeistert von der Idee des nächtlichen Imbiss und nuckelt begeistert los. Ich schlummere ein, bis... ja, bis mich ein Biss weckt. Sowas quittiere ich mit sofortigem Brustentzug. Natürlich kommt Protest. Gut, versuchen wir noch die andere Seite. Wieder wird erstmal schön genuckelt, bis Sohnemann sich entschließt, mich auch hier seine Zähnchen spüren zu lassen. Gut, gibt's den Schnuller. So nicht, mein Lieber!
Das Kind schläft immer noch nicht, ich bin hundemüde und weiß nicht mehr weiter. Er wälzt sich herum, will immer wieder aufstehen, mit dem Lichtschalter spielen, erzählen. Ich will schlafen. Noch mehr können Interessen sich nicht widersprechen. Ich versuche es noch einmal damit, den Kleinen in sein Bett zu legen, aber er steht sofort wieder auf und jammert.
Ich muss pinkeln und entschließe mich, den Zwerg mitzunehmen und unterwegs in der Küche in seinem Babyknast abzulegen. Im Schlafzimmer kann ich ihn nicht lassen, er wird brüllen und Garfield wecken. Ich mache die Schlafzimmertür vorsichtig zu, gehe in die Küche, verfrachte das Baby in sein Ställchen, mache die Tür zu... Gebrüll. DAS kennt der Kleine schon, er wird morgens hin und wieder in die Küche abgeschoben. Und das gefällt ihm gar nicht! Ich gehe auf's Klo und überlege, den Zwerg einfach da zu lassen, wo er jetzt ist. In der Küche ist es schön warm und schlafen kann er auch dort - wenn er es denn endlich mal tut. Garfield sagt mir jedes Mal, dass ich genau das tun soll. Wenn der Zwerg nachts "einen los machen will", soll er das in seinem Stall tun. Ich bringe es aber nie über's Herz. Bisher eigentlich nur einmal, weil's wirklich schlimm war und ich verzweifelt.
Beim Hände waschen fällt mein Blick erstmals auf eine Uhr. 3h33. Na klasse, ich habe noch keine drei Stunden geschlafen. Und so fühle ich mich auch.
Auf dem Rückweg ins Schlafzimmer nehme ich meinen Sohn doch wieder mit, in der Hoffnung, die kurze Ställchenepisode hat ihn davon überzeugt, dass er dann doch lieber bei Mama schlafen will als in der Küche allein zu sein.
Es klappt. JETZT schläft das Kind auf meinem Bauch ein. Es bleibt zwar eine unruhige Nacht und in sein Bett geht der Kleine nicht mehr, aber immerhin haben wir beide noch etwas Schlaf.
In der Nacht darauf beginnt das "Theater" bereits, als wir ins Bett gehen. Kind wacht auf und will/kann nicht schlafen. Vier Stunden mache ich das Spielchen mit, beruhige immer wieder, bugsiere den Kerl in sein Bett und nach Protest wieder in meins, stille, streichle übers Köpfchen, suche den Schnuller... Als die Glocken fünf Uhr schlagen, kommen mir vor Verzweiflung die Tränen. Ich bin sooo müde. Die letzte Nacht steckt mir noch in den Knochen, ich war abends aus und deshalb ohnehin spät im Bett und dann kaum Schlaf! Ich habe keine Geduld mehr, bringe den Zwerg in seinen Laufstall, mache die Türen zu und ... schlafe. Das Gebrüll ignoriere ich, es hört auch recht bald auf. Als ich es das nächste Mal höre, ist es zehn Uhr. Es mag herzlos klingen, sein Kind einfach so auszuquartieren, aber manchmal geht es nicht anders. Was gäbe ich für ein Kinderzimmer!
Letzte Nacht wiederum hatte ich die Geduld. Obwohl "es" wieder mit unserem Zubettgehen begann, durfte der Zwerg stundenlang auf meinem Bauch, naja, "schlafen", bis ich ihn dann irgendwann gegen Morgen vorsichtig in sein Bett legen konnte. Das war zwar 'ne kurze, unruhige Nacht für mich, aber irgendwie hat mir das dieses Mal weniger ausgemacht. Ist wohl tagesformabhängig. Was mir aber auffällt: Ich glaube, der Schlafmangel wirkt sich auf's Gehirn bzw. auf die Denkleistung aus. Ich bin zur Zeit so langsam im Kopf. Und vergesslich...