Mission Prinz

08.04.2016 um 15:08 Uhr

Schlüsselkinder

Hach, ich ärgere mich schon wieder... Die Nachbarn - a neverending story. Neuestes Hobby: Die Haustür offen lassen. "Offen" heißt in dem Fall: Man legt so einen winzigen Riegel um, und schon lässt sich die Tür einfach aufdrücken - ohne Schlüssel. Praktisch, wenn man mal eben was rein trägt oder nur kurz den Müll weg bringt. Aber keine Dauerlösung, denn so kann jeder ohne Weiteres ins Haus. Da kann man sich die ganze Tür sparen. Wir ärgern uns, wenn die Tür tagsüber permanent "offen" ist. Muss ja nicht sein. Und wir schäumen vor Wut, wenn das nachts ebenfalls passiert. Und das tut es. Ständig. Herr Maus verlässt morgens als Erster das Haus und ärgert sich mindestens jeden dritten Tag über eine offene Tür. (Das Problem bestand übrigens schon vor Einbau der neuen Haustür. Die alte schloss nur noch sehr schwer, man musste schon ordentlich drücken. Dazu waren die Nachbarn nicht in der Lage, deshalb stand die Tür oft die ganze Nacht sperrangelweit offen. Nur dass damals nicht wir die Meckerer waren, sondern die Dame von unten. Nur leider wohnt die ja nicht mehr hier... )

Neulich war Herr Maus im Gespräch mit dem Opa der Familie von oben. Die Großeltern sind ja quasi ständig zu Besuch. Was uns nicht stört, denn die putzen immer den Hausflur, Kellertreppe, Hof usw. Der Mann ist nett und zugänglich, also sprach Herr Maus die offene Tür an. Der Opa reagierte verständnisvoll und wollte es in der Familie ansprechen. Hat er vielleicht getan, vielleicht auch nicht. Geändert hat sich jedenfalls nix. Neue Taktik von uns: Wannimmer Herr Maus morgens runter kommt und eine offene Tür vorfindet, schließt er sie zu. So richtig. Dann kommen die Kinder morgens nicht raus, Mama muss aufschließen kommen... Blöd für die. Haben sie was gelernt? Bisher nicht. Also schließt Herr Maus seit neuestem auch tagsüber zu. Und darüber ärgern die sich jetzt so richtig.

Heute nun traf ich Madame an der Tür an und nutzte die Gelegenheit. Warum man die Tür nicht schließen könne? Wenigstens nachts? Sie erklärte mir, sie wäre so oft abends noch in der unteren Wohnung und würde dann IMMER die Haustür kontrollieren. Und den Riegel schließen... Ja, genau. Und nachts kommen dann die Heinzelmännchen und machen das Ding wieder auf, oder was? Nun gut, sie wollen sich bemühen, versprach sie mir. Aber wir, wir dürften nicht tagsüber abschließen. Das wäre für sie ja ganz blöd. Ach was!? Und für uns ist eine offene Tür blöd. In UNSEREM Universum haben sich nämlich nicht alle Menschen lieb! Sie erklärte mir dann folgendes:

Die beiden jüngeren Kinder (7 und 10) haben keinen Schlüssel. Damit sie rein und raus können, muss also die Haustür zwingend offen sein. (Und deren Wohnungstür auch, aber das ist uns ja egal.) Meine Frage, ob man den Kindern nicht einen Schlüssel geben könne, quittierte sie mit einem entsetzten Gesichtsausdruck. Das ginge nicht, weil die den verlieren könnten. Ok, sehe ich ein. Finde aber, und das ist meine ganz persönliche Meinung, man kann Kindern dieses Alters die Wichtigkeit eines Gegenstandes beibringen. Und da so ein Schlüssel seinen Besitzer nur selten ganz von allein verlässt, ist die Gefahr des Verlierens doch überschaubar. Ich formulierte also diplomatisch, dass man den Kindern doch beibringen könne, auf den Schlüssel aufzupassen. (Und sparte mir den Hinweis darauf, dass dies natürlich ein Überdenken des gesamten Erziehungskonzeptes mit sich bringen würde. Nicht auszumalen, diese Kinder lernten tatsächlich auf ihr Zeug zu ACHTEN! Also, so ganz generell! Das können die nämlich überhaupt nicht.) Madame wies mich dann darauf hin, dass selbst ihr Mann ja schon einmal seinen Schlüssel verloren hätte. (Noch nicht lange her und wir waren überhaupt nicht amused.) Ich musste mir den Hinweis, der Apfel falle eben nicht weit vom Stamm, dann echt verkneifen. Diese Steilvorlage... :-(  Madame musste dann los und es blieb dabei: Die Tür MUSS offen sein, wenn sie weg ist und die Kinder nach Hause kommen. Punkt. Das ist für uns aber eigentlich untragbar. Ich meine, was soll das? Warum müssen wir darunter "leiden", dass die ihre Kinder nicht ordentlich erzogen haben? Ist das unser Problem? Ich glaube, nein. Denn nur mal so: Was wäre, wenn die in einem Einfamilienhaus wohnen würden? Ließen sie dann auch permanent die Haustür offen? Oder nur mal angenommen, sie lebten in einem größeren Mietshaus, wo die Haustür einfach immer zu ist. Was würden die dann machen? Es muss Lösungen für sowas geben! Ich glaube, dass ich ab dem Schulalter einen Schlüssel hatte. Und meine Geschwister auch.
(Und verloren haben wir den meines Wissens nie.) Wie übrigens die meisten meiner Freunde. Unsere Mamas waren nämlich allesamt arbeiten und wir folglich "Schlüsselkinder".  So war das damals. Und jetzt geht das nicht mehr??? Wie machen das nur andere Leute?

24.03.2016 um 09:13 Uhr

Reden

Am Dienstag ist ein Kollege verstorben. Gestern gab es extra eine Versammlung, in der uns dies mitgeteilt wurde. Der Mann war wichtig. Und gar nicht mal lange krank. Das böse K vermutlich… Erst seit der Faschingswoche hatte er dauerhaft nicht mehr gearbeitet. Wir waren alle ziemlich geschockt. Und die Stimmung in der Firma war für den Rest des Tages seltsam. Es war ungewöhnlich ruhig. In der Produktionshalle lief kein Radio. Kaum einer lachte laut oder brüllte rum. Alle waren irgendwie mit angezogener Handbremse unterwegs, könnte man sagen. Und als ich gegen fünf ging, war der Parkplatz schon fast leer. Selbst mein Chef, der NIE so früh geht, war schon weg. Offensichtlich hatten sehr viele das Bedürfnis, an diesem Tag schnell heim zu gehen, zu ihren Lieben… Auch ich ging heim, und erzählte meinem Lieben davon. Nicht, weil ich sensationsgeil wäre, sondern weil es mir nahe ging, mich beschäftigte. Ich wollte darüber reden. Ich war traurig. Nur… meinen Lieben interessierte das Ganze irgendwie herzlich wenig. Das „Gespräch“ war eine einzige Enttäuschung. Keine Nachfrage seinerseits. Kein Mitgefühl. Keine… ja, Reaktion. Und damit wurde ich, wieder einmal, auf etwas gestoßen, das mir schon länger Sorgen macht. Und vielleicht ist das jetzt nun der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt...

Wir reden nicht mehr. Nicht mehr wirklich. Wir tauschen Informationen aus, das ja, aber wir sprechen nicht mehr richtig miteinander. Mein Mann gibt mir schon seit längerem, und immer wieder, das Gefühl, sich gar nicht mehr für mich zu interessieren. Für das was ich sage oder denke. Er hört mir auch nicht mehr richtig zu. Kürzlich haben wir etwas entschieden, das uns beide angeht. Oder besser: Ich habe mit dem Gedanken gespielt, ihn um seine Meinung gebeten, letzten Endes aber selbst entschieden, weil ich diejenige war, die unter der aktuellen Situation körperlich litt. Für uns beide bedeutete der neue Weg eine Umstellung, für mich machte er einen Arztbesuch nötig. Als der Termin anstand, fragte ich Herrn Maus was ihm lieber wäre: Sollte ich den Termin in die Mittagspause legen und vom Büro aus hinfahren, oder eher auf abends, und dann von zu Hause aus starten. Herr Maus meinte ohne zu zögern, ich sollte das in der Mittagspause erledigen. Letzte Woche Dienstag dann machte ich den Termin aus, für den nächsten Tag. Abends erzählte ich Herrn Maus davon, kurz und knapp. Er reagierte auch darauf. Nur um am nächsten Tag ganz überrascht zu fragen, wieso ich das Auto genommen hatte. Natürlich war ich sauer. Die Sache ging uns beide an, definitiv, und er hatte mir nicht einmal zugehört?! Geschweige denn, sich sonst wie interessiert gezeigt. Und dann das gestern… Die Spitze einer Entwicklung.

Schon vor Jahren beschwerte sich meine Schwester bei mir, mit Herrn Maus könne man sich nicht unterhalten. Er stelle keine Gegenfragen und halte so kein Gespräch am Laufen. Als ich ihm damals davon erzählte, lachte er. Wenn ihn das Gegenüber und/oder Thema eben nicht interessiere, dann hätte er einfach kein Interesse an einem Gespräch. Und in Smalltalk war er ja schon immer schlecht. Ich nahm das so hin, mich störte es ja nicht. Bei mir war er nie so. Seit einiger Zeit allerdings habe ich immer mehr das Gefühl, dass Gespräche zwischen uns genauso laufen. Ich kann nicht einmal genau sagen, seit wann das so ist. Dinge, die ich erzähle, nimmt er zur Kenntnis. Mehr aber auch nicht. Und er erzählt mir schon lange nichts mehr. Jedenfalls nichts Wichtiges. Ich frage mich, ob ihm das überhaupt bewusst ist. Und falls ja, ob es ihn nicht stört. Macht es ihm keine Sorgen? Glaubt er nicht, dass dies der Anfang vom Ende ist? Findet er das normal? Ich jedenfalls nicht. Ich mache mir Sorgen. Ich leide darunter. Ich würde gern darüber reden – aber genau das ist ja das Problem. Wir reden ja nicht mehr richtig miteinander. Viele Dinge erzähle ich ihm schon gar nicht mehr, auch wenn sie mir wichtig wären. Weil ich einfach weiß, dass es völlig unerheblich ist. Aber so geht das doch nicht! Das ist doch kein Zusammenleben! Und was ist nur der Grund dafür? Hat es was mit seinem Vater zu tun? Ist er seit seinem Tod so abgestumpft? Ist es eine ganz natürlich Entwicklung im Laufe einer Beziehung? Sind es die vielen Reisen und damit Trennungen? Oder – die schlimmste Erklärung von allen – interessiert er sich einfach nicht mehr für mich? Was mich zu der alles entscheidenden Frage führt: Liebt er mich überhaupt noch?

26.12.2015 um 13:44 Uhr

Traumschäume

Vor einiger Zeit las ich bei einer anderen Bloggerin von Träumen. Und ich lächelte. Weil ich mir aus Träumen nichts mache. Schon gar nicht an eine tiefere Bedeutung glaube. Gehirnmischmasch, nix weiter.

Jetzt komme ich ins Grübeln, weil mich seltsame Träume "plagen".

Ich habe nun das dritte Mal in drei Monaten von einem Mann geträumt. Nicht meinem. Keine jugendfreien Träume. Das ist schon seltsam, weil ich im Wachzustand andere Männer nicht mal angucke. Also, nicht so. Ich bin glücklich verheiratet. Ich denke auch an keinen anderen. Was sollen also diese Träume? Wobei, das Allerseltsame kommt noch: Der Mann im Traum ist kein Fremder, sondern ein alter Freund aus dem Wunderland. Einer, in den ich irgendwie verschossen war, ja. Wer den Wunderland-Blog gelesen hat, erinnert sich vielleicht an den Don. Aber das Körperliche konnte ich mir mit dem Don nie vorstellen, ergo war ich auch nicht wirklich verliebt oder so. Wir waren einfach nur sehr gute Freunde und uns sehr nah.

Wie ich jetzt ausgerechnet auf ihn komme? Ich weiß es nicht. Wir haben uns viele, viele Jahre nicht gesehen. Im Gesichtsbuch gab es nur ganz sporadisch mal Kontakt, aber nun schon länger nicht mehr. Ich erkläre es mir so: Vor längerer Zeit schaute ich mit dem Kurzen relativ viele Wunderland-Filme. Und mich überkam eine wahnsinnige Sehnsucht nach diesem Ort, besonders aber dieser Zeit. Ich schlug Herrn Maus also vor, nächstes Jahr mal hinzufahren. Der Kurze hätte dann das richtige Alter. Und ich überlegte, dass ich jemanden von den alten Bekannten kontaktieren und ein paar Fragen stellen könnte. Im Kopf hatte ich dabei den Don, denn er ist der einzige, von dem ich sicher weiß, dass er noch dort arbeitet. Das waren alles nur Gedanken, nichts davon wurde bisher umgesetzt. Ich könnte spontan nicht mal sagen, ob der Don und ich noch Gesichtsbuchfreunde sind!

Und dann begannen die Träume...

Es läuft immer gleich ab: Wir treffen uns, weil ich zu ihm komme. Wir reden. Viel. Dann spüren wir die Zuneigung, kommen uns näher, berühren uns, küssen uns... Im ersten Traum sprachen wir darüber, dass wir ja beide verheiratet wären und hielten uns zurück. Im zweiten Traum kam dies nicht zur Sprache, ich bin mir allerdings nicht sicher, wie weit wir gingen. Beim dritten Mal war der Don geschieden - und ich wachte auf, bevor es zum Äußersten kam.

Nach dem Aufwachen bin ich immer ganz durcheinander und brauche eine ganze Weile, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Außerdem kann ich mich ganz deutlich erinnern, was sonst bei mir selten der Fall ist. Interessant ist auch, dass diese Träume immer zum gleichen Zeitpunkt kommen. Drei Mal war es nun so, immer wenn meine Hormone verrückt spielten und auf Fortpflanzung drängten. Ob Herr Maus gerade verreist ist oder anwesend, spielt keine Rolle. (Von wegen unterv*gelt und so... )

Ich finde das alles sehr seltsam. Es verwirrt mich. Und wieso überhaupt der Don? Es gäbe doch einen viel passenderen Kandidaten, wenn mein Hirn sich schon in dieser Zeit bedienen will. Flo! Den wollte ich wirklich. Aber den Don? Da war nur eine unheimliche Nähe, aber nicht körperlich. Niemals. Und nein, ich habe die Träume nicht erwartet. Das Zusammenspiel mit dem Hormonstatus ist mir erst jetzt hinterher aufgefallen. Also auch keine self-fullfilling prophecy.

Rosa an Hirn: Was soll das? Was willst Du mir sagen?

12.11.2015 um 18:44 Uhr

Zum Thema

Mit 19 hatte ich meinen ersten festen Freund. Die perfekte Gelegenheit, sich die P*lle verschreiben zu lassen. Dumm nur, dass ich mich zu dem Zeitpunkt gerade in Gallien befand. Das machte die Sache komplizierter, aber nicht unmöglich. Wir Wunderländler waren extrem gut krankenversichert. Ich suchte also eine Gyn auf, äußerte meinen Wunsch und bekam ein Rezept. Untersucht hat mich die Dame nicht, das schien ihr wohl zu aufwendig. Sie wusste, dass ich ohnehin bald zurück nach D gehe und erklärte mir mehrfach, ich müsse dort mein Blut untersuchen lassen. Zurück in D – tat ich dies natürlich nicht. Ich holte mir einfach immer wieder ein neues Rezept. Der feste Freund war zwar bald Geschichte, aber an die Vorteile der P*lle hatte ich mich schnell gewöhnt. Darauf wollte ich nicht mehr verzichten.

Nicht viele Jahre später entdeckte Freundin J. eine tolle neue Gyn in unserer Heimatstadt. Die hatte ihr doch gleich mal eine viel bessere P*lle verschrieben. Ich hatte inzwischen ein paar Kilo zugelegt, kämpfte außerdem mit unreiner Haut und fand, dass eine andere P*lle dies regeln könnte. Die Werbung versprach es, oder? Dass ich mich inzwischen deutlich weniger bewegte, war natürlich nicht die Ursache für die paar Kilo mehr. War ich im Wunderland acht Stunden täglich auf den Beinen gewesen, bewegte ich mich seit Studienbeginn fast nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln und saß ansonsten in Seminarräumen rum. Aber es war ja so viel einfacher, der P*lle die Schuld zu geben! Ich besuchte also auch die neue Ärztin, schilderte mein Anliegen und bekam – schwupps – mal eben eine Packung der supertollen, allerneuesten P*lle geschenkt. Die Gyn erzählte mir gleich, dass man davon nicht so viel zunehmen würde und schöne Haut bekäme. Wer will das nicht? Einen festen Freund hatte ich zwar weiterhin nicht – und damit eigentlich gar keinen Grund, mit der P*lle zu verhüten – doch irgendwie fühlte ich mich damit gut. So erwachsen. Und irgendwie verwegen. Eine gute Freundin litt jeden Monat fürchterliche Schmerzen. Ich hatte kein Mitleid, sondern riet ihr immer wieder, doch endlich die P*lle zu nehmen. Sie lehnte dies aber ab, denn ihr Gyn hatte gesagt, sie solle lieber zwei Tage pro Monat Schmerzmittel nehmen, als täglich diese Hormonbombe. (Was für ein Arzt! Damals belächelte ich seine Dummheit, heute würde ich alles geben, um so einen zu finden!)

 

Seit meiner Rückkehr aus Gallien hatte ich regelmäßig Blut gespendet. Dabei wird auch der Blutdruck  gemessen, so dass man eine schöne regelmäßige Kontrolle hat. Tendenziell war er bei mir immer zu niedrig gewesen, doch irgendwann war er plötzlich eher zu hoch. Ich dachte nicht weiter darüber nach, meine Mutter schon. Wenn wir vom Spenden kamen, guckte sie sich interessehalber immer dieses Heftchen mit den Werten an. Und jedes Mal befand sie meinen Blutdruck für deutlich zu hoch. Dann schob sie immer hinterher: „Das liegt bestimmt an der P*lle… Warum müsst Ihr die auch alle nehmen?“ Ich lachte meine Mama dann immer aus und belehrte sie, dass die P*llen von heute quasi harmlos seien, was das betrifft. Hoher Blutdruck von der P*lle? Das war mal… Heutzutage waren die Dinger doch so niedrig dosiert… Sagten die Ärzte, oder? Dass mein Blutdruck erst nach dem P*llenwechsel langsam hoch gegangen war, fiel mir nicht auf. Meine Mama gab aber nicht auf, immer wieder wies sie mich auf die Gefahren eines zu hohen Blutdrucks hin, erzählte von Thrombosen, Schlaganfällen, Embolien, und schließlich hatte sie mich soweit. Ich ging zum Arzt, um das mal abchecken zu lassen. Die Ärztin ließ mich ein Messtagebuch führen und befand, dass meine Werte tatsächlich deutlich zu hoch sind. Kurz klärte sie ein paar mögliche Ursachen ab. Körperlich war eigentlich alles in Ordnung, also blieben nur zwei Optionen: eine familiäre Vorbelastung (Meine Mama kämpfte seit einiger Zeit auch mit hohem Blutdruck.) und „unbekannte Ursache“. Tatsächlich, erklärte mir die Ärztin, würde bei sehr vielen Patienten der Grund für die hohen Werte nie gefunden. Ich wagte einen Vorstoß und fragte, ob nicht auch die P*lle schuld sein könnte. Nein, wiegelte die Dame energisch ab, auf gar keinen Fall! Das war einmal. Früher. Aber heute? Niemals! Mir wurden also ziemlich heftige Blutdrucksenker verschrieben, die ich fortan nehmen sollte. Mit Mitte 20, ohne Übergewicht, ohne Zigaretten! Fand das irgendjemand seltsam? Nur meine Mama…

 

Kurze Zeit danach verliebte ich mich und war auf dem besten Weg, wieder eine feste Beziehung einzugehen. Nur eins trübte den rosa Wattetraum: Ich hatte Schmerzen beim S*x. Immer. Vorher hatte ich so etwas nie gekannt und war dementsprechend besorgt. Sowas belastet ja auch das junge Liebesglück. Ich suchte sofort meine Gyn auf, die natürlich nichts fand. Jedenfalls keine echte körperliche Ursache. Sie verschrieb mir eine östrogenhaltige Salbe. Die half ganz gut – solange ich sie verwendete. Kaum hörte ich damit auf, waren die Schmerzen wieder da. Das konnte es ja irgendwie nicht sein, also begann ich, im Netz zu recherchieren. Es gab viele, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten und einige von ihnen berichteten, dass die Schmerzen nach Absetzen der P*lle verschwunden waren. Interessant. Die P*lle konnte also schuld sein? Ich suchte wieder meine Gyn auf und sprach sie genau darauf an. Ihre Antwort: „Das glaube ich nicht. Da unten wirkt die doch gar nicht.“

 

Was für eine Aussage! Jede Frau, die ihr „DA UNTEN“ nicht völlig ignoriert, weiß doch, dass es sich dort immer wieder anders anfühlt. Je nach Zyklusstand, Stimmung, Situation usw. Gesteuert wird das Ganze von Hormonen. Zufälligerweise auch genau den gleichen, die in der P*lle enthalten sind. Das läuft alles wie ein fein justiertes Uhrwerk. Wenn die Hormone durcheinanderkommen, zeigt sich das, na klar, erst recht „DA UNTEN“. Die P*lle kann also sehr wohl „DA UNTEN“ was durcheinanderbringen und für Probleme sorgen. Eine Ärztin die das nicht weiß oder ignoriert – man muss sich wirklich fragen, wie die ihr Studium geschafft hat.

 

Ich zweifelte die Aussage der Ärztin an und recherchierte weiter. Fand noch andere interessante Nebenwirkungen der P*lle. Einige davon konnte ich an mir feststellen und war überrascht, dass man Dinge, die ich für völlig normal hielt, vielleicht auf die P*lle zurückführen konnte. Je mehr ich las, desto unheimlicher wurde mir meine Art der Verhütung. Gleichermaßen wuchs mein Interesse an natürlichen Alternativen. Vor allem die sympto-thermale Methode hatte es mir angetan. Ich bin jemand, der sich gern in Neues einarbeitet und dann richtig in der Thematik verbeißt. Außerdem würde ich mich schon als diszipliniert und konsequent bezeichnen. Ich wusste, diese Verhütungsmethode wäre was für mich und kaufte mir ein Buch, mit dessen Hilfe man alles Wichtige lernt. Zu Hause legte ich es auf den Wohnzimmertisch - und brachte es eine Woche später unangetastet wieder zurück in den Laden. Mein Freund war dagegen. Natürliche Familienplanung war für ihn sowas wie Hellseherei. Unzuverlässige Ratespiele. Nicht, dass er sich jemals näher damit beschäftigt hätte. Er hätte sonst nämlich gewusst, dass Ärzte und Wissenschaftler wie er die von mir favorisierte Methode erforscht und in strenge Regeln gepresst hatten. Außerdem hätte gerade er wissen müssen, dass die weibliche Fruchtbarkeit alles andere als Zufall und Durcheinander ist, sondern festen Mustern folgt. Das alles wollte er aber gar nicht wissen, und ich hatte nicht die Eier, mich durchzusetzen. Ich legte all das Gelesene ad acta und nahm weiterhin die P*lle. Immerhin hatte ich bei der ganzen Recherche wenigstens eine Salbe gefunden, die die Schmerzen erträglich machte.


Nicht lange danach war der rosa Wattetraum ausgeträumt und der Mann weg. Nach der Trauer beschloss ich als Erstes, jetzt endlich die P*lle abzusetzen. Das war DIE Gelegenheit. Ich kaufte mir noch einmal das Buch, ein Thermoter, und los ging's. In den nächsten Monaten (und Jahren) lernte ich wahnsinnig viel über meinen Körper. Mir gefiel der neue Ansatz, mich genau zu beobachten. Es dauerte Monate, bis mein Körper seinen natürlichen Rythmus wieder gefunden hatte - nie hätte ich gedacht, dass der Einfluss der P*lle so nachhaltig ist! Die Blutdrucktabletten setzte ich zeitgleich ab. Und siehe da: Ich hatte nie wieder zu hohe Werte. Heute ist mein Blutdruck perfekt. Die Schmerzen beim S*x? Verschwunden. Und zwar schon kurz nach dem Absetzen. Auch Kopfschmerzen am Zyklusende, die ich immer für PMS gehalten hatte, quälten mich nie wieder. Es war wohl doch eher eine Entzugserscheinung am dritten Tag der Pillenpause gewesen. Aber wer glaubt sowas schon?


Den Schritt weg von der Pille habe ich nie bereut. Sieben Jahre habe ich sie genommen, und genau so lange nehme ich sie nun schon nicht mehr. Jahrelang habe ich mit der sympto-thermalen Methode wunderbar verhüten können, mit der Unterstützung meines Mannes. Dass ich nun seit zwei Jahren anders, aber nicht hormonell, verhüte, liegt nicht daran, dass ich der Methode nicht mehr vertraut hätte oder sie unpraktisch fand. Ganz im Gegenteil - je länger die Anwendung, desto sicherer wird man und desto einfacher wird das Ganze auch. Wir hatten nur einfach die Nase voll von Kondomen und fanden keine gute Alternative für die fruchtbare Zeit. Wer weiß, vielleicht kehre ich in drei Jahren - wenn ich mich neu entscheiden muss - wieder zur natürlichen Methode zurück? Meinen Körper beobachte ich ja weiterhin, das ist irgendwie zum Automatismus geworden. Wüsste ich nicht zu jedem Zeitpunkt genau, an welcher Stelle im Zyklus ich mich befinde und was in meinem Körper gerade abläuft, würde ich mich richtig unwohl fühlen.


Nun gibt es auf einmal ein großes Theater um die P*lle. "Plötzlich" werden die Nebenwirkungen zum Thema - die, die lebensbedrohlich sein können. Und ich frage mich: Ist das nicht alles seit Jahren bekannt? Natürlich finde ich es gut, dass sich endlich ernsthaft und öffentlich kritisch mit der P*lle auseinandergesetzt wird. Und ich hoffe sehr, dass dies zu einem Umdenken führt. Zu sehr ist die P*lle zum Lifestyleprodukt geworden. Kaum jemand nimmt sie noch als Medikament war - mit Nebenwirkungen. Die Pharmafirmen bewerben offensiv und ausschließlich die positiven Effekte für Haut und Haar, Frauenärzte nehmen genau diese Informationen auf und geben sie an die Patientinnen weiter. Wer schön sein will, nimmt die P*lle. Eine Art All-in-One Beautyprodukt. Hinterfragt wird nicht mehr. Und aufgeklärt auch nicht. Genau das finde ich aber so wichtig! Ich will niemandem die P*lle verbieten oder ausreden. Ich weiß, für manche ist sie die beste Option. Allerdings sollte jede Frau, die sich für dieses Medikament entscheidet, von ihrer Ärztin genau informiert werden. Das sind die Risiken, so erkennen Sie eine Thrombose, so wirkt das alles auf Ihren Körper. Wer es dann trotzdem will - bitte schön. Ein ehrliches Miteinander statt Nachplappern der Pharma-Texte. Wobei ich nach meiner eigenen Erfahrung fast vermute, dass viele Ärzte es einfach nicht besser wissen. Die sind quasi gezwungen, dem Pharmareferenten alles zu glauben.

Was ich allerdings verbieten würde: Die P*lle für Minderjährige. In Ausnahmefällen, vielleicht. Aber ganz generell? Nein. In der Pubertät muss sich der Körper ja erst einspielen. Die Hormone, dieses feine Uhrwerk, das braucht alles seine Zeit. Da gleich mit dem Hormonhammer drauf zu hauen und alles platt zu machen, halte ich für ziemlich gefährlich. Und dumm. Junge Mädchen sollten lieber ermutigt werden, ihren Körper erstmal genau kennenzulernen. Um als Erwachsene dann bestens informiert entscheiden zu können, wie sie weitermachen wollen. Jaja, ich höre sie schon, die P*llenverfechter. Unmengen Teenagerschwangerschaften! Kann ich mir aber so nicht vorstellen. Ich denke mal, ein junges Mädchen, das zu verplant ist, um im Eifer des Gefechts an ein Kondom zu denken, wird auch nicht die Disziplin aufbringen, täglich an diese kleine Tablette zu denken. Ganz zu schweigen von der Wirkungssicherheit. Stichwort Wechselwirkungen, Stichwort Übelkeit usw. Daran muss die P*llenanwenderin ja auch denken. Und den Teenagerjungen täte es sicher auch gut, schon in jungen Jahren zu lernen: Verhütung ist auch Männersache. Die gewöhnen sich heutzutage viel zu schnell daran, dass eh' alle Frauen die P*lle nehmen. Und sind zehn Jahre später ganz überrascht, wenn sie auf die p*llenmüden Frauen ihres Alters treffen...

22.10.2015 um 20:17 Uhr

Ich putz' hier nur kurz durch...

So, Nun ist Herbst. Der Sommer ist vorbei und ich würde gern schreiben "Oooh, ich war ja sooo beschäftigt! Konnte gar nicht bloggen! Was für ein supervoller, aktiver Sommer!"
Aber nö. So war's nicht. Ich glaube, mein Sommer lässt sich sogar in wenigen Worten zusammenfassen.

Dauerthema diesen Sommer waren (und sind immer noch) meine Guckerchen. Seit Anfang Juni quäle ich mich nun, wobei es inzwischen schon erträglicher ist. Ende Mai fühlten sich meine Augen komisch an - irgendwie trocken, gestört. Ich kaufte pflanzliche Tropfen, verzichtete erstmal auf Kontaktlinsen und ... es wurde nicht besser. Nach zwei Wochen waren die Augen auf einmal rot und schmerzten teilweise richtig. Also doch zum Hausarzt, denn beim Augenarzt bekommt man zeitnah keinen Termin. Der alte Mann guckte mir kurz ins Gesicht (!!!) und verschrieb antibiotische Tropfen. Die nahm ich vorschriftsmäßig, die Augen wurden besser. Als sich alles wieder super anfühlte, probierte ich meine Linsen aus. Resultat: Knallrote Augen nach nur einer Stunde. Und alles ging wieder vorn vorn los. Also doch zur Augenärztin. Die diagnostizierte eine leicht gereizte Bindehaut (vielleicht nach einer Entzündung?) und etwas trockene Augen. Oft eine Folge der antibiotischen Tropfen. Sie empfahl künstliche T*ränen. Dafür gab ich in den folgenden Wochen verdammt viel Geld aus. Das Blöde war nämlich: Am Schlimmsten ging es meinen Äugelein vor dem Bildschirm. Sowohl PC als auch TV. Alle zehn Minuten brauchte ich 'ne Pause, musste tropfen, die Augen schließen etc. Irgendwann sah ich nur noch unscharf. Wie praktisch, dass ich bei der Arbeit fast nonstop am PC zu tun habe... Gegen Ende des Sommers wurde es mir zu bunt, ich bemühte wieder die Augenärztin. Die war ganz überrascht und fand eine völlig ausgetrocknete Bindehaut. Na super! Sie empfahl ein anderes Präparat, gab nochmal antibiotische Tropfen (?!) und kontrollierte zwei Wochen später nochmal. Das Zeug hatte geholfen - die Bindehaut ist schon wieder etwas glatter. Und ich sehe nicht mehr unscharf. Außerdem kann ich wieder relativ problemlos am PC arbeiten - zwischendrin brauche ich eben immer mal die Tropfen. Ich bilde mir ein, es wird. Nervig ist nur, dass ich eben seit Juni nur noch Brille trage. Linsen gehen gar nicht. Und ich hasse es, mit Brille rumzulaufen! Totaler Mist, das alles.

"Au" wie aufregend: Ich hatte vier Wochen Kind-frei. Eine davon auch noch Mann-frei. Der Wahnsinn! Und was habe ich mit der ungewohnten Freiheit gemacht? Jeden Nachmittag am See gelegen, abends dort Cocktails geschlürft, entspannt? Nö. Viel gearbeitet habe ich, mein Zeitkonto wieder gut gefüllt. Endlich mal nicht auf die Uhr schauen müssen... sehr angenehm. EINMAL war ich nach der Arbeit am See. Ein verdammtes einziges Mal! Dafür habe ich auch viel gelesen, den Küchentisch neu lackiert und den Flur umgestaltet.

"Au" wie Aufreger: Ein Nachbar hat unser Familienauto zu Schrott gefahren. Fast. Der Gutachter ließ sich nämlich vom Top-Zustand (Nicht mein Verdienst!) blenden und bewertete die Kiste weit über Marktlage. So wurde sie nicht zum Totalschaden erklärt, sondern für unfassbar viel Geld repariert. Das gab viel Ärger, viel Papierkram, mit Versicherungen, dem Autohaus, Anwälten usw. Und das alles nur, weil unser armes Autochen völlig unschuldig auf seinem Parkplatz vor dem Haus stand und der Nachbar von einer eigentlich alltäglichen Situation völlig überfordert wurde. Urplötzlich. Der alte Mann sollte den Führerschein abgeben. Und wir parken nun immer mit einem unguten Gefühl. Der Typ wohnt ja nach wie vor gegenüber... und wird nicht jünger.

"Sch" wie schade, aber vielleicht auch gut: Zum Sommeranfang verließ mich mein Chef. Also, uns natürlich. Wurde ihm alles zuviel, deshalb suchte sich der rumänische Papa-Bär was Ruhigeres. Es gab ein kurzes Vakuum (und viel Arbeit für meinen Kollegen und mich!), dann kam "der Neue". Zuerst dachte ich, das Blümchen wäre keine echte Leuchte, denn er verstand es ganz wunderbar, ihm unbekannte Dinge auf andere abzuwälzen. Meist auf mich. Mein Arbeitspensum schnellte in die Höhe. Inzwischen hat er sich einigermaßen eingearbeitet und konsultiert mich nicht mehr stündlich. Dafür beginnt er jetzt mit dem, was man von ihm erwartet: Reformen. Veränderungen. Verbesserungen. Das heißt meist Arbeit für mich. Anstrengend. Andererseits mag ich Herausforderungen ja, und mich in etwas Neues zu verbeißen finde ich spannend. Es ist eben doch schöner, als fähige Mitarbeiterin angesehen zu werden, der man(n) etwas zutraut, als nur ein "kluges Mädchen" (alter Chef) zu sein.

"W" wie weg: Nur kurz. Kein richtiger Urlaub. Ein paar Tage im dicken B. War lange nicht mehr da, sehr lange. Und muss ehrlich gestehen: Ich hab's auch nicht vermisst. Die paar Tage zeigten mir deutlich, dass ich kein (Groß)Stadtmensch (mehr) bin. Zu voll, zu laut, zu dreckig, zu viel Beton. Bezeichnend, dass mir von allen Unternehmungen der Ausflug zum T*empelhofer F*eld am besten gefiel. Diese Weite! Die Ruhe! Die frische Luft! Das viele Grün! Wäre ich meine Schwester, ich würde da täglich spazieren gehen. Allein schon um aus dem Trubel rauszukommen, der sich ihr "Kiez" nennt. Meine Güte, da kann man nicht mal mit offenem Fenster schlafen, weil es einfach zu laut ist!

Hm, viel war tatsächlich nicht los. Ich hatte nur keinen Bock zu bloggen, ich geb's ja zu. Und ein bisschen waren auch die Augen schuld. Eine ganze Weile ließ ich den Computer zu Hause tatsächlich aus - saß ja im Büro schon lang genug davor. Das störte natürlich auch meine Leseroutine. Inzwischen bin ich aber bei den Meisten wieder auf dem aktuellen Stand. Und wer weiß, vielleicht blogge ich ja wieder mehr? Obwohl ich mich diesen Winter ja endlich mal ans Socken stricken wagen wollte... Außerdem arbeite ich bald mehr, denn... Trommelwirbel ... ich werde endlich übernommen! Ab 1. Januar bin ich in "meiner" Firma angestellt. Endlich! Vertrag ist schon unterschrieben. Einziges Manko: Ich muss mich dann an die internen Pausenregelungen halten und kann nicht mehr durcharbeiten. Ärgerlich. So muss ich jeden Tag eine Stunde länger anwesend sein, nur um Pausen zu machen. Bescheuert, aber der Herr Geschäftsführer pocht drauf.