Mission Prinz

29.11.2008 um 18:41 Uhr

Erinnerungen

Seit ich mit S. telefoniere, habe ich irgendwie nicht mehr so oft das Bedürfnis, zu schreiben. Und dann fehlt auch noch die Zeit. Ich habe so ein schlechtes Gewissen... Und gelobe Besserung!

Vorgestern hatten wir Weihnachtsfeier, und wie das immer so ist, wenn man sich vornimmt, nicht so viel zu trinken... Naja, ich war ordentlich beschwipst, als ich nach Hause kam. Und was mache ich Idiotin als erstes? Computer an, Mail an S. schreiben! Sollte man nicht machen, so besoffen. Jedenfalls nicht in diesem Stadium, sozusagen vor einer eventuellen Beziehung. Denn was habe ich dumme Pute ihm geschrieben? Dass ich mich in ihn "verknallt" habe. Irgendwie stimmt das auch, schließlich sind meine Gedanken ständig bei ihm... und ganz unschuldig sind die auch nicht. Ich mache schon wieder so viele Pläne, das ist beängstigend. Ich sollte doch erstmal abwarten, was passiert, wenn wir uns endlich sehen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, es kann gar nichts mehr schiefgehen. Seltsam. Jedenfalls hätte ich ihm das natürlich trotzdem nicht schreiben dürfen. Zum Glück hat er die Mail nicht so Ernst genommen. Er hat geschrieben, er schließt aus meiner Mail, dass ich sehr viel Spass auf der Weihnachtsfeier hatte. Mehr will er da mal nicht herauslesen. Und heute am Telefon hat er's auch nicht angesprochen, schließlich wußte er, wie peinlich mir das ist. Ein echter Gentleman eben.

Eben ist mir was passiert, das gehört definitiv hierhin - obwohl ich kurz überlegt hatte, es S. zu erzählen. Aber ich glaube, DAS wäre noch dümmer, als die nächtliche Mail.

Ich habe es endlich geschafft, meine Wohnung zu putzen, was dringend nötig war. Ich erzähle S. seit drei Wochen, dass ich das dringend machen muss. Nun, vorhin, nachdem wir telefoniert hatten, habe ich es endlich angepackt. Bad geputzt, alles gesaugt und natürlich gewischt. Nun kann ich natürlich nicht mit meinen schmutzigen Socken durch meine saubere Wohnung laufen. Ich trage immer so "Haussocken" mit Noppen. Die mussten jetzt also doch mal in die Wäsche. Auf der Suche nach Ersatz fiel mir aber ein, dass ich das zweite Paar letztens entsorgt hatte, weil sie kaputt waren. Blieb nur noch eine Möglichkeit: J. Letztes Jahr hat er mir zu Weihnachten blaue, ganz kuschelig-weiche Socken mit Ledersohle geschenkt. Weil ich doch immer so kalte Füße habe, und zu Hause nicht in normalen Socken rumlaufen möchte. Ich hab' mich damals riesig gefreut, weil er sich wirklich Gedanken gemacht hatte. Und vor allem, weil wir vorher so eine ewige Diskussion um die Weihnachtsgeschenke hatten. Zuerst wußte keiner, was er sich vom anderen wünschen sollte, deshalb haben wir entschieden, uns nichts zu schenken. Dann fand' ich das aber doch blöd, also haben wir uns einen festen Betrag gesetzt - er übertreibt wohl sonst gern, wenn ihm nix einfällt. Es sollte also nur 'ne Kleinigkeit werden. Ich habe ihm einen Schal gekauft, weil er nur einen ganz häßlichen hatte. Ich frage mich, ob er ihn dieses Jahr wieder trägt... Und ob er wohl an mich denkt, wenn er ihn ansieht? Mir würde es so gehen, aber ich glaube, Männer sind da anders. Jedenfalls hatte ich mir von ihm eine Creme von Lush gewünscht. Das war ja schonmal eine Riesenüberwindung für ihn, in diesen Kosmetikladen zu gehen. Da hat er sich bestimmt sehr wohl gefühlt ;-) In dem Geschenk waren dann noch besagte Socken und ein Nilpferd-Schlüsselanhänger aus Holz, den ich auf dem Weihnachtsmarkt entdeckt hatte. Er hat sich das tatsächlich gemerkt und ist nochmal hingegangen, um den für mich zu kaufen. Ich war wirklich begeistert, weil ich einen so aufmerksamen Freund hatte. Von Männern ist man in Sachen Geschenke ja einiges gewohnt... Langer Rede kurzer Sinn: nach der Trennung sind das Nilpferd und die Socken in einen Karton gewandert, zusammen mit zwei Karten von J. Die eine aus London, als wir noch frisch verliebt waren, und die, die er mir zum Geburtstag geschickt hat - nach der Trennung. Die sich aber so anhört, als würde er mich immer noch SEHR mögen. Ach ja, und die CD, die er mir dazu geschenkt hatte. Das alles befand sich also in einem Karton auf meinem Schrank. Zugeklebt und außer Reichweite.

Schon vor einigen Monaten hatte ich die CD wieder rausgeholt und zu meiner CD-Sammlung gestellt. Yael Naim kann schließlich nichts dafür, und die Scheibe ist einfach zu gut. Dann nahm ich bei der Gelegenheit auch das Nilpferd wieder raus - es fühlt sich einfach zu gut an, an meinem Schlüssel. Außerdem gehört es da irgendwie hin, schließlich verdanke ich diese meine erste richtige eigene Wohnung im Grunde J. Es ist auch zu süß, um in einer Kiste vor sich hin zu vegetieren. Heute nun musste ich die Socken auch noch rausnehmen, weil ich sie ja anziehen wollte. Ich fühlte mich irgendwie bereit dafür. Vor ein paar Monaten wäre ich dazu nicht in der Lage gewesen. Komisch, was für eine Bedeutung so etwas Banales wie ein Paar Socken in Zusammenhang mit einer Beziehung bekommen kann. Ich bin wirklich stolz drauf, J.s Socken jetzt wieder zu tragen. Die Dinger sind einfach wahnsinnig bequem und so schön warm. Aber was mir Sorgen gemacht hat war eigentlich, dass sich in der Kiste jetzt nur noch die zwei Karten befinden. Zwei Karten, mehr ist nicht übrig von sieben Monaten Beziehung. Ich habe erst überlegt, ob ich die Karten wegwerfe und den "J.-Karton" abschaffe, aber ich konnte es nicht. Immerhin habe ich sie nicht nochmal gelesen, das ist ja schonmal was. Ich habe die Kiste wieder zugeklebt und auf den Schrank gestellt. Zwei Karten als Erinnerung an sieben wunderschöne Monate... das ist wirklich nicht viel. Sicher, in meinem Portemonnaie findet sich sicher irgendwo noch die eine oder andere Kinokarte, aber sowas habe ich nicht bewußt aufgehoben. Und seine Rosen, die hatte ich schon im Juni weggeworfen, im Rahmen des Umzugs. Es erschien mir irgendwie blöd, mich an ein paar vertrocknete Blumen zu klammern. So trennt man sich Stück für Stück von den Erinnerungen, und am Ende bleiben nur zwei Karten. Schon komisch.

 

25.11.2008 um 20:00 Uhr

Wenig Zeit...

Es wird mal wieder Zeit für einen Eintrag - irgendwie habe ich neuerdings kaum Zeit dafür. Aber jetzt, während ich auf einen Anruf von S. warte. Da lohnt es sich nicht, irgendwas anderes anzufangen.

Mit S. läuft es super, anders kann ich das gar nicht sagen. Wir telefonieren mindestens jeden zweiten Tag, und jedes Mal mindestens zwei Stunden. Die uns dann wie zehn Minuten vorkommen. Es ist nie langweilig, uns gehen nie die Gesprächsthemen aus.  Eine erste kleinere Diskussion haben wir auch schon hinter uns. Ich muss sagen, mir gefällt S.' Art, an Konflikte heranzugehen - bisher. Das kann sich in einer Beziehung ja ändern. Aber ich glaube, nach dem, was ich in der Hinsicht mit J. erlebt habe, kann mich nichts mehr schocken. Und vor allem würde ich jetzt darauf pochen, dass man über alles redet. Ich denke, mit S. wäre das möglich. Im Moment necken wir uns so ein bißchen, d.h. einer schreibt was provokatives und guckt, wie der andere reagiert. Ich habe damit angefangen, allerdings unbewußt. Am Freitag hatte ich ihm geschrieben, dass ich ein bißchen unsicher bin, was seine Selbstsicherheit angeht. Natürlich habe ich ihn damit gleich an seiner empfindlichsten Stelle getroffen... Männer. Ich hatte ja nur manchmal beim Telefonieren den Eindruck, dass er zu nachgiebig ist und zu sehr vor mir "kriecht". So ein Hang zur Unterwürfigkeit. Genau das habe ich ihm geschrieben - natürlich wollte ich nur hören, dass er überhaupt nicht so ist. Das hat er mir bestätigt und erklärt, dass er einfach nur am Telefon vorsichtig ist, weil er ja mein Gesicht nicht sieht und meine Reaktionen nicht einschätzen kann. Mit seinem Selbstbewußtsein ist jedenfalls alles in Ordnung und unterwürfig ist er auch nicht. Was bin ich froh, sowas kann ich ja gar nicht leiden. Ein Mann sollte sich schon wie ein Mann benehmen und auch mal vorneweg gehen und Entscheidungen treffen. Natürlich ohne dabei ein Egoist zu sein. Aber Zaudern und Zaghaftigkeit mag ich nunmal nicht bei Männern. Jedenfalls hat er, nachdem wir das geklärt hatten, gestern auch mal sowas provokatives in den Raum geworfen, um zu sehen, wie ich denn reagiere. Genau genommen hat er mich gefragt, ob meine Mail vom Freitag nicht auch so eine Art Spiel war. Ich hätte ihn da schließlich schon irgendwie manipuliert, denn im Endeffekt hat er mir genau das gesagt, was ich hören wollte. Ich habe natürlich alles zugegeben, weil es sicher mit reingespielt hat. Aber reine Berechnung war diese Mail natürlich nicht - ich wollte einfach nur mal meine Bedenken äußern. Tja, heute kam nun eine sehr süße Mail zurück, allerdings mit der Info, seine Gefühle hätten sich irgendwie geändert. Er könne aber nicht genau beschreiben, wie. Ich nehme mal an, dass das auch wieder so ein Spiel ist und er nur wissen will, wie ich reagiere. Zumindest hoffe ich das sehr! So habe ich ihm das auch geschrieben, und nun warte ich auf unser Telefonat für mehr Details. Ich bin sehr gespannt!

(zweieinhalb Stunden später)

Wieder ein sehr schönes Telefonat... Schon komisch, wie vertraut einem jemand werden kann, den man noch nie gesehen hat. Er hat mir sein "komisches Gefühl" erklärt: die erste Euphorie ist weg. Er hat zum Beispiel wieder Hunger. (Hatte er am Anfang nämlich nicht mehr! Ha, wenn das bei mir mal so wäre...) Das finde ich aber gut, weil ich zu dünne Männer überhaupt nicht mag. Er soll also ruhig wieder essen. Und das er nicht mehr so euphorisch ist, hat auch sein Gutes. Er wirkt entspannter und nicht mehr so aufgeregt. Vielleicht erreichen wir gerade ein gewisses Level der Normalität. Ist doch schön... Naja, ich versuche verzweifelt, meine Hoffnungen nicht zu groß werden zu lassen. Wie war das doch gleich... Immer schön den Ball flach halten. Das sagt sich so schön, ist aber praktisch ganz schön schwer umzusetzen, wenn man dann abends im Bett liegt und nur noch an diesen Mann denkt und sich dabei erwischt, wie man Pläne macht. Abwarten...

16.11.2008 um 17:10 Uhr

Zweites Telefonat

Ich sitze hier und warte auf S.' Anruf. Er hat gesagt, dass er heute nachmittag wieder anruft, ursprünglich war mal die Rede von 14h. Und jetzt warte ich... Ist das furchtbar! Ich bin so aufgeregt. Bin total hibbelig und habe dieses Kribbeln im Bauch und mir ist schlecht... Fühlt sich an wie Achterbahn fahren! Hat das was zu bedeuten? Normalerweise fühle ich mich vor Prüfungen so, hmm... Aber andererseits habe ich mich genau so gefühlt als das damals mit J. anfing. Ich weiß noch, dass ich ihm damals geschrieben habe, er wäre der perfekte Karussellersatz... Also heißt das vielleicht doch was Gutes... Oh, Telefon...

 

(knapp 3 Stunden später)

So, wir haben zweieinhalb Stunden telefoniert und uns wieder sehr gut unterhalten. Klar, sonst wären es ja keine über zwei Stunden geworden. Wir haben wieder über alles Mögliche geredet und uns gegenseitig besser kennengelernt. Auch das Sexthema hat eine kleine Rolle gespielt, aber das hatten wir eigentlich in den letzten Mails noch geklärt. Jetzt haben wir uns vorgenommen, es nicht mehr zu thematisieren, weil wir beide uns nicht davon leiten lassen wollen. Denn, seien wir mal ehrlich, wenn man erstmal anfängt, über Sex in Verbindung mit einer bestimmten Person nachzudenken, dann ist man nicht mehr objektiv. Wenn ich also daran denke, dass er noch nie hat... dann setzt sich bei mir sofort eine ganze Gedankenmaschinerie in Gang und am Ende bin ich nur noch ein fortpflanzungswilliges Weibchen. Und ihm geht's da genauso, wie er mir eben versichert hat. Also lassen wir das Thema erstmal und konzentrieren uns lieber auf's Kennenlernen an sich. Aber natürlich sind die Gedanken trotzdem in meinem Kopf. Und da werden sie auch sein, wenn wir uns das erste Mal persönlich treffen. Und natürlich werden sie dieses Treffen beeinflussen, ob wir das wollen oder nicht. Ich will diesen Kerl endlich treffen! Aber darüber haben wir leider nicht gesprochen. Irgendwann diese Woche will er mich wieder anrufen, dann kann ich das Thema ja mal ganz vorsichtig ansprechen...

Ansonsten ist es ein ruhiges Wochenende. Gestern war ich zum ersten Mal nach zwei Wochen Urlaub wieder arbeiten. Ging so. Mal abgesehen davon, dass ich generell ein Problem damit habe, Samstag früh arbeiten zu gehen. Die Kunden waren nett und ich habe mit einer Kollegin gearbeitet, mit der ich mich gut unterhalten kann. Gleich als erstes hat sie mir übrigens erzählt, dass sie Nachwuchs erwartet... Na toll, sie ist ungefähr genauso alt wie ich. Ein kleines bißchen neidisch bin ich schon. Andererseits ist sie gerade in einer Situation, die nicht so beneidenswert ist. Der Vater des Babys ist nämlich weit weg, weil er gerade ein Semester im Ausland studieren muss. Von der Schwangerschaft musste sie ihm per Chat erzählen. PER CHAT! Wenn sie Glück hat, sieht sie ihn Weihnachten.  Und dann ist auch noch gar nicht klar, ob er nächstes Semester wenigstens wieder hier ist... Das wird alles bestimmt noch schwierig, mit den Beiden. Also, nein, ich bin eigentlich nicht neidisch. Denn wenn schon Baby, dann würde ich auch alles mit dem Vater gemeinsam erleben wollen, von Anfang an. Jaja, das ist dieser romantische Idealfall. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen... Oh, und meine 53-jährige Chefin hat sich tätowieren lassen! Auch wenn ich diesen Ausdruck überhaupt nicht mag, hier passt er einfach: Wie geil ist das denn? Ich hatte ihr übrigens zugeraten. Morgen darf ich das Ergebnis dann bewundern.

Und jetzt sollte ich wirklich noch was Vernünftiges machen!

13.11.2008 um 17:29 Uhr

Starke Frauen

Nachdem ich den ganzen Tag fleißig war und wirklich mal was geschafft habe - die Einleitung steht! - nehme ich mir jetzt mal noch ein paar Minuten für mein Blog-Baby.

Ich hatte wieder eine Nacht zum Nachdenken... Man, sollte ich wiedergeboren werden, möchte ich jetzt schonmal eine Eigenschaft bzw. Fähigkeit vorbestellen: ich möchte zu den Menschen gehören, die sich ins Bett legen und von einer Minute auf die andere einschlafen. Kein stundenlanges Rumwälzen und Grübeln... Ein Traum!

Jetzt aber zu den Ergebnissen meines nächtlichen Grübelns. Natürlich war das alles Blödsinn, was ich gestern abend geschrieben habe. Klar sehne ich mich nach meiner Beziehung mit J. zurück, nach der guten alten Zeit, aber wenn ich ehrlich bin, meine ich damit die Zeit am Anfang – dieses unbeschwerte Zusammensein, das pure Glück, ein rosa Wattetraum. So wie damals würde es aber nie wieder werden, denn erstens ist inzwischen viel zu viel passiert und zweitens habe ich zu viel über J. erfahren, um ihn wieder so naiv anzuhimmeln.

Nun mal rein hypothetisch: Wir kommen, durch irgendwelche Umstände, wieder zusammen. Mal abgesehen davon, dass wir sicher sofort wieder in alte Muster verfallen würden, wie sollte so eine Beziehung aussehen? Schließlich wäre das Allerwichtigste, die Grundlage jeder Beziehung, weg: Vertrauen. Ich könnte ihm nicht mehr hundertprozentig vertrauen, würde jedes Wort, jede Geste von ihm hinterfragen. Und jedes Mal, wenn er sich komisch verhält, würde ich Panik bekommen. DAS wäre bestimmt alles andere als ein rosa Wattetraum! Ich würde mich immer erinnern, wie es beim ersten Mal war, würde vergleichen, Angst haben, zittern... Nein, ganz ehrlich, das will ich nicht. Außerdem kenne ich J. inzwischen zu gut. Ich weiß, dass er ein riesiger Feigling ist. Und hinterhältig. Oder ist es etwa nicht feige, per Brief mit seiner Freundin Schluss zu machen, obwohl die vorübergehend bei einem wohnt? Und ihr dann das klärende Gespräch auch noch zu verweigern? Und ist es nicht hinterhältig, so zu tun, als würde man mit ihr über alles reden, sie so in Sicherheit zu wiegen, das wirklich Wichtige aber doch zu verschweigen? Nein, ich hätte keinen Respekt mehr vor J. Und jemanden, den ich nicht respektiere, den kann ich auch nicht lieben.

Und was noch hinzukommt: ich habe mich damals in J.s Selbstbewusstsein und seine Souveränität verliebt – aber davon ist nicht mehr viel übrig. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, wirkte er so unsicher und verloren... Das war irgendwie nicht mehr der Mann, in den ich mich damals verliebt habe. Der Mann, der er jetzt ist, weiß weder wo er steht, noch wo er hin will, tritt beruflich auf der Stelle und lässt sich von seinem Chef rumschubsen. Wo ist der Mann, der seinem Chef das Messer auf die Brust gesetzt hat, um mehr Gehalt und bessere Konditionen auszuhandeln? Der sich einfach woanders beworben hat, um seinen Marktwert testen? Nein, diesen Mann habe ich seit über einem halben Jahr nicht mehr gesehen... Stattdessen habe ich einen Feigling gesehen, der sich vor sich selbst schämt und mir nicht in die Augen sehen konnte. Aber meine liebe Freundin Schusselchen hat ja immer gesagt, dass das genau der J. ist, den sie kannte... Vielleicht macht Liebe doch blind?

Dann hat mir S. heute natürlich gleich früh geantwortet. Hat sich tausendmal dafür entschuldigt, dass er sich so gehen lassen hat und mir versichert, dass das nur ein kleiner Rückfall war - eigentlich hätte er sein Leben wirklich rumgerissen. Wer könnte ihm das verübeln? Rückfälle... damit kenne ich mich doch auch aus. Natürlich bin ich ihm nicht böse deswegen! Ganz im Gegenteil, ich schätze seine Offenheit sehr. Und dann hat er noch was ganz Süßes geschrieben, das muss ich mal direkt zitieren:

 "Zu den Dingen, die ich erreichen möchte, gehört es aber auch, Dich weiter kennenzulernen. Und gerne werde ich Dich davon überzeugen, dass ich kein "Schlappschwanz" bin."

Das hört sich doch wirklich verlockend an, oder? Aber es kommt noch besser:

"Ich stimme Dir prinzipiell zu, was das Suchen der Liebe angeht. Aber Du hast auch recht damit, dass ich gesucht habe... und gefunden habe ich eine heiße Kandidatin für eine Seelenverwandte ;-)."

Schmacht... Echt, ich liebe seine Eloquenz! Außerdem hat er noch geschrieben, dass ich eine "starke Frau" wäre und das ist doch das beste Kompliment, was frau bekommen kann!

In diesem Sinne ein ganz lieber Gruß an all die starken Frauen hier drin, ich gehe jetzt erstmal frische Luft schnappen.

 

12.11.2008 um 19:54 Uhr

Wieder Sonne

Ich wußte es doch, am nächsten Morgen scheint immer wieder die Sonne! Naja, nicht wirklich, aber im übertragenen Sinne. Was bin ich froh, dass die dunklen Tage langsam aber sicher weniger werden - und sich auch weniger schlimm anfühlen. Die Zeit heilt vielleicht nicht alle Wunden, aber sie rückt sie wenigstens aus dem Fokus - habe ich heute irgendwo gelesen. Und stimmt ja auch irgendwie. Denn geheilt bin ich noch lange nicht, seufz. Das beste wären wirklich neue Erinnerungen, aber woher nehmen, wenn kein passender Mann in Sicht ist? Und, was ich mich immer wieder frage, ersetzt eine neue Liebe die Erinnerungen an eine alte? Ich hatte bisher nur eine "richtige" Beziehung und habe deshalb keine Erfahrung auf dem Gebiet, deshalb interessiert es mich. Wie ist das, wenn man nach einer schwierigen Trennung mit jemand Neuem zusammenkommt? "Vergisst" man dann die Tränen, die Schmerzen? Verschwinden die schmerzhaften Erinnerungen einfach? Vermisst man den "Vorgänger" dann nicht mehr? Und verzweifelt man nicht mehr manchmal an dem Gedanken, was man haben könnte, wenn nur nicht die Trennung dazwischen gekommen wäre?

Und wo ich schonmal dabei bin, mir und meinen Lesern Fragen zu stellen: Bin ich eigentlich besonders verrückt? Geht es allen so, dass sie im Kopf immer wieder mit ihrem/ihrer Ex reden? Vergangene Situationen immer und immer wieder durchgehen? Sich an kleinste Details erinnern? Sind alle "Verlassenen" überzeugt davon, dass der andere eines Tages zurückkommen wird? Denn wenn ich ganz ehrlich bin, warte ich ganz tief in mir drin nur auf den Tag, an dem J. zu mir zurückkommt. Lächerlich, oder? Geht das allen so, oder nur mir? Stellen sich auch andere Leute vor, wie sie den Ex-Partner wiedertreffen - zufällig oder gewollt, wie sie sich wieder annähern, etwas Neues entsteht... Das Schlimme daran ist, dass es solche Fälle ja durchaus gibt. Wie soll man also selbst die Hoffnung völlig aufgeben? Können solche Gedanken erst durch einen neuen Partner abgestellt werden? Hätte mir bloß einer vorher gesagt, dass es so schwer ist, sich zu entlieben... Ich hätte mich bestimmt mehr gegen das Verlieben gewehrt!

À propos neuer Partner... S. Ich hatte ihm gestern noch in recht humorvoller Weise zurückgeschrieben. Unter anderem hatte ich natürlich gefragt, wieso er nur ein kleines Bett hat. Und ob er sich vielleicht in seinem Leben, seiner Wohnung etc. nicht so ganz wohl fühlt. Klar, das war eine Einladung zum Seelenmüll abladen, darauf war ich also gefasst. Und er hat meine Einladung angenommen. Finde ich ja prinzipiell erstmal ganz gut, wenn ein Mann fähig ist, über seine Gefühle zu sprechen bzw. zu schreiben. Und ja, ich hatte durchaus recht. S. sieht sein Leben als sinnlos an, fühlt sich mit der ganzen Situation nicht wohl - Job, Wohnung, keine Freundin - und ist einsam. Er hat tatsächlich resigniert und vor allem den Gedanken an eine Frau schon fast aufgegeben. Tja... da hatte ich die Situation wohl richtig eingeschätzt. Er ist aber auf dem Weg der Besserung, versucht sein Leben mehr zu genießen. Hat sich zum Beispiel ein neues Hobby gesucht. Das ist ja schonmal was. Er hat das Problem erkannt und geht es an. Natürlich meinte er auch, dass ich sein "Geständnis" vielleicht als "unmännlich" und "unattraktiv" empfinde, ihn jetzt als "Schlappschwanz" sehe, weil er eben nicht vor Selbstbewußtsein und Souveränität strotzt. Hmm... genau diese Eigenschaften habe ich an J. bewundert, aber was haben sie mir gebracht? Ich sollte darauf also nicht ganz so viel Wert legen. Tue ich auch nicht. Ich bewundere eher, dass S. versucht, sein Leben nochmal rumzureißen. Schlimm fand ich nur, dass er geschrieben hat, ich mache sein Leben jetzt schon besser. Er sieht mehr Sinn darin, seit wir uns schreiben. Nun, das mag ja sehr schmeichelhaft sein, andererseits macht mir das natürlich auch unheimlich Druck. Weiß er überhaupt, was er mir da für eine Verantwortung aufhalst?

Ich habe natürlich eine ziemlich wütende Mail zurückgeschickt. Habe ihm gesagt, er solle sich nicht so im Selbstmitleid suhlen und mal darüber nachdenken, ob es ihm wirklich so schlecht geht, wie er glaubt. Um das ganze mal in Relationen zu setzen, habe ich ihm mein letztes halbes Jahr geschildert - die harte Trennung, die verzweifelte Suche nach einem Neuanfang, die Tränen, die Schmerzen, die Mutlosigkeit. Ja, ich kann mich auch suhlen, und wie! Naja, etwas pathetisch bin ich auch geworden... Habe ihm zum Beispiel geschrieben, dass er über den großen Luxus eines intakten Herzens verfügt. Seine einzige ernsthafte Beziehung ging nämlich in beiderseitigem Einvernehmen und nach Jahren des Glücks ganz allmählich in die Brüche. Kein plötzlicher Schlag, keine Tränen, keine Schmerzen. Nehme ich mal an. Sowas habe ich ja noch nicht erlebt. Aber nach dem, was ich auf dem Gebiet erlebt habe, stelle ich mir so eine Trennung toll vor. Also, mal abgesehen davon, dass eine Trennung nie toll ist. Aber wenn, dann sollte es doch so laufen... Bin gespannt, was S. zu meinem kleinen Wutausbruch sagt. Aber mal ehrlich, dem musste mal jemand ordentlich "den Kopp waschen".

Oh, jetzt muss ich mich aber wirklich beeilen. Die Hausfrauen zicken bald wieder und ich wollte vorher noch was essen.

11.11.2008 um 22:28 Uhr

Ich hasse mich!

Ich hasse mich!

Heute war wieder einer von diesen ganz beschissenen Tagen... Nein, eigentlich war es ein guter Tag. Ich war beschäftigt, ich war nicht allein, eigentlich alles gut. Aber wieso fühle ich mich dann jetzt so sch...?

Der Tag fing schonmal nicht sooo gut an, denn ich mußte früh aufstehen. Dabei war ich noch so müde, weil ich gestern abend einfach keinen Schlaf finden konnte. Ich mußte die ganze Zeit an S. denken, abwägen, meine Gefühle ordnen, das ganze Programm. Und dabei war ich so aufgekratzt, weil ich bei ihm immer noch ein wirklich gutes Gefühl hatte. Heute morgen habe ich mich also aus dem Bett gequält, viel zu früh, und es dann doch noch geschafft, fröhlich in den Tag zu starten. Als erstes stand moderne Prositution auf dem Tagesplan: Plasma spenden. Das ging auch ganz gut und hat nicht allzulange gedauert. Danach war ich in der hiesigen Uni-Bibliothek um mir neue Bücher zu besorgen. Ich war ja bis gestern so fleißig und habe meine vorhandene Literatur endlich fertig bearbeitet. Das Tolle an der Uni hier vor Ort ist, dass es eine Technische Uni ist, die in ihrer Bibliothek aber trotzdem jede Menge geisteswissenschaftliche Bücher hortet. Weil die an dieser Uni aber kaum jemand braucht, habe ich sie fast für mich allein. Gut, dafür befindet sich diese Abteilung auch im dunklen Keller des Gebäudes... Aber wenigstens muss ich mir keine Sorgen machen, dass jemand mir ein Buch vor der Nase wegschnappt oder vorbestellt. Jedenfalls war meine heutige Bücherjagd erfolgreich - auch wenn es fast wieder zu einer großen Peinlichkeit gekommen wäre:

Ich stand gerade mal eine halbe Stunde vor dem Computer und habe Bücher rausgesucht, da fing ich auf einmal an, ganz furchtbar zu schwitzen. Mir lief richtig kalter Schweiß über's Gesicht.  Ich merkte, dass mein Kreislauf gleich absackt, mir wurde schlecht, schwindlig... ich konnte mich gerade noch zu einem der Sessel schleppen. Ganz ehrlich, ich dachte ich finde mich gleich auf dem Fussboden wieder. Wie peinlich! Da hatte ich wohl die heutige Plasmaspende nicht ganz so gut vertragen - ist mir ehrlich noch nie vorher passiert! Ich habe dann eine Weile gesessen und versucht, meinen Kreislauf wieder unter Kontrolle zu bringen. Der wollte aber irgendwie gar nicht so wie ich. Also habe ich was getrunken, was Süßes gegessen - jetzt weiß ich, warum die einem immer einen Müsliriegel mitgeben, nach der Spende: der kann Leben retten! Naja, ganz so schlimm war's nicht, aber ich habe mich schon sehr schlecht gefühlt. Nach fast einer Stunde rumsitzen ging's wieder und ich konnte weiter recherchieren. Man, bin ich eine Lusche! Und das, wo mir in der Bibliothek so viele gutaussehende Männer aufgefallen sind... Echt, im Moment sehe ich die überall. Ich bin wohl definitiv bereit für eine neue Beziehung. Oder für ein bißchen Spass.

Danach war ich bei meiner Tante Pizza essen, habe mich festgequatscht und war erst gegen sechs wieder zu Hause. Ein erfüllter Tag ohne lästige Gedanken. Und zu Hause, das wußte ich, erwartete mich eine Mail von S. Er hatte versprochen, heute wieder zu schreiben. Ich freute mich auch wirklich darauf...

Tja, und dann lief irgendwie alles aus dem Ruder. Seine Mail war lieb, wie immer, aber was er so schrieb... Klang auf einmal alles nicht mehr so toll. Offensichtlich wohnt er nicht wirklich in seiner tollen Wohnung, sondern ist da nur, wenn's sein muss. Hat sie deshalb auch nur sehr spartanisch eingerichtet. Zweckmäßig eben. Jedes Wochenende ist er bei seinen Eltern. Gut, darüber sollte ich mir kein Urteil erlauben, schließlich habe ich selbst lange so "gelebt". Aber inzwischen habe ich mich abgenabelt, und, Himmel, das sollte er auch tun! Er ist erwachsen!  Dann hat er nur ein Einzelbett. (Er hat mir seine Wohnung beschrieben, deshalb weiß ich das.) Ein 90cm-Bett! Das klingt so armselig, entschuldigung, nach Dauersingle. Resigniertem Dauersingle! Er hat kein Festnetz-Telefon. Er meinte, da er eh' nicht viel telefoniert, reicht ihm sein Handy - bisher. Und Internet hat er zuhause auch nicht - weil er sich nicht von der Arbeit ablenken lassen will. Hallo? Klingt das nur für mich so, als wäre dieser Mann so was von überhaupt nicht auf eine Freundin vorbereitet? Und schon gar nicht auf eine Fernbeziehung! Schließlich besteht die zur Hälfte aus telefonieren, mailen und chatten. Ich hab' das schonmal durch - man kann dabei auch sehr viel Spass haben. Ok, werdet ihr jetzt sagen, wer denkt denn gleich an Beziehung, du kennst den Mann doch noch gar nicht. Stimmt, aber ich denke so weit. Weil ich ihn gerade, hmm, abchecke. So, wie ich ein Top bei H+M prüfen würde. Brauche ich das wirklich? Passt es zu meinen anderen Klamotten? Ist es ganz? Ist der Preis ok? Kann ich mir das leisten? Steht es mir überhaupt? Gefällt es mir wirklich hundertprozentig? So ungefähr.

Und das Schlimmste kommt noch: er hat zwei neue Bilder mitgeschickt. Wirklich neue Bilder, denn es sind die aktuellsten, die ich bisher von ihm gesehen habe. Und ich war... etwas enttäuscht. Wie gesagt, die Mail hatte mich schon etwas mißmutig gestimmt, ich war sowieso irgendwie müde und schlecht drauf (Waren wohl die Nachwirkungen der Spende...) und dann das! Es waren Fotos von einer Weiterbildung oder so, vom August, auf denen er einen Vortrag hält. Gut, er hat geschrieben, dass er zum Zeitpunkt der Aufnahme schon zwei Stunden geredet hatte. Ja, ich sähe danach wahrscheinlich auch fertig aus. Aber er sieht auf diesen Fotos nicht nur fertig aus, sondern so völlig anders als auf den beiden anderen. Da sah er total süß aus, und jetzt irgendwie nur... fertig. Älter. Antriebslos. Resigniert. Kurzum, die Bilder passten genau zur Mail. Ich habe mir die Bilder immer wieder angesehen und nach positiven Zügen gesucht... Naja, er hat die Haare jetzt anders. Vielleicht, wenn die wieder so wären, wie auf den alten Fotos... Aber so kann man doch nicht rangehen? 

Jedenfalls war ich dann auf einmal so müde und fertig, dass ich ins Bett gegangen bin. Es war halb acht. (!!!) Ich habe noch eine Stunde gelesen, dann war mir einfach nur nach Schlafen. Aber es ging nicht. Ich habe mich gefühlte drei Stunden - in Wirklichkeit war's nur eine - rumgewälzt und gefragt, ob ich denn bescheuert bin und was ich eigentlich will. Der Kerl wirkt nett. Er gefällt mir auf zwei von vier Fotos sehr gut. Genau mein Typ. Wir konnten uns am Telefon gut unterhalten. Er scheint mich zu mögen. Bis gestern wollte ich ihn noch ganz schnell persönlich treffen. Und jetzt? Die ersten Zweifel, von denen ich genau weiß, dass es nur einen Weg gibt, sie zu beseitigen: ein Treffen. Aber das muss er entscheiden, denn er will den Weg ja auf sich nehmen. Aber ich kann ihn ja schlecht drängen. Soll ich ihm von meinen Bedenken erzählen? Wahrscheinlich eher nicht. Ich weiß es nicht.

Und das Allerschlimmste: kaum habe ich die ersten Zweifel, schleicht sich J. wieder in meine Gedanken. Zuerst nur ganz am Rand - ich vergleiche S.' Foto mit meiner Erinnerung an J. und stelle Ähnlichkeiten fest - und dann, schwuppdiwupp, ist er wieder ganz da. In meinem Kopf rede ich mit ihm, sehe ihn, liebe ihn. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn wir uns wiedertreffen. Was er sagen würde, was ich sagen könnte. Und schon sind auch die Fragen wieder da: Hast du mich überhaupt je geliebt? Warum warst du nicht ehrlich? Warum hast du am Anfang so Gas gegeben? Warum konntest du mich nicht ansehen, als wir uns die letzten Male getroffen haben? Warum hast du dich auf diese Affäre eingelassen? Habe ich mich getäuscht, oder gab es einen Moment, wo du gezögert hast? Wo du kurz davor warst, zu mir zurückzukommen? Warum warst du so unglaublich als Freund und Liebhaber und dann wieder so furchtbar?

Ich hasse mich. Ganz ehrlich.

Und nachdem ich mir den ganzen Frust von der Seele geschrieben habe, krieche ich jetzt wieder in mein Bett und kann hoffentlich endlich schlafen. Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Blog habe. Es bewahrt mich davor, durchzudrehen.

09.11.2008 um 17:00 Uhr

Zweites erstes Telefonat

Dann wollen wir mal wieder.

Ich versuche gerade, ein ruhiges, arbeitsintensives Wochenende zu verleben. Bisher klappt das ganz gut, ich habe schon erstaunlich viel geschafft. Und würde ich jetzt nicht das hier schreiben, würde ich noch mehr schaffen... egal. Blog geht jetzt gerade vor.

Ich bin so fleißig, dass ich gestern abend nicht mal weg war! Ursprünglich wollte eine Freundin gern mit mir ausgehen, und ich hatte auch schon zugesagt. Aber dann hat sich herausgestellt, dass wir beiden die einzigen waren, die Zeit bzw. Lust hatten... Und nur zu zweit bei einem Kneipenfestival... ich weiß nicht. Außerdem schreit mein Konto geradezu nach einer kleinen Ausgeh-Pause. Aber weil besagte Freundin sich so darauf gefreut hat, "mal wieder tanzen zu gehen" und außerdem schon letztes Wochenende in Berlin das Beste verpasst hat... habe ich mich eben nicht getraut ihr abzusagen. Zuerst jedenfalls nicht. Aber dann bin ich gestern morgen aufgewacht. Ich merkte sofort, irgendwas stimmt nicht. Mein rechtes Auge fühlte sich komisch an. Ich schlich ins Bad und bekam einen echten Schreck beim Blick in den Spiegel: mein Auge war total zugeschwollen! Ich dachte fieberhaft nach: klar, ich hatte am Vorabend beim Geburtstag meines Bruders zwei Bier getrunken, war aber eigentlich noch Herrin meiner selbst gewesen, als ich nach Hause kam und ins Bett ging. Schlage ich mich nachts etwa selbst? Etwas später habe ich dann die verfluchte Mücke an der Wand über dem Bett entdeckt und natürlich sofort in die ewigen Jagdgründe geschickt. Mistvieh, mich so zu entstellen! Aber ein Gutes hatte das Ganze: Wer scheiße aussieht, kann auf keinen Fall abends weggehen. Ich habe meiner Freundin also sofort eine SMS geschickt und mich tausendmal entschuldigt, dass ich nun wegen des Auges doch nicht könnte... schlechtes Gewissen inklusive. Und was kommt nach zehn Minuten zurück? Sie hätte schreckliche Kopfschmerzen und wollte auch lieber zuhause bleiben! Da war ich doch fein raus und konnte den Abend ganz gemütlich mit Thomas Gottschalk verbringen. 

Dass ich nicht aus war und demzufolge heute keinen Kater habe, ist noch in anderer Hinsicht gut: Freitag abend, als ich so im Bett lag und nicht schlafen konnte, bekam ich auf einmal eine dieser fiesen kleinen Panikattacken. Ich war mir ganz sicher, dass ich meine Abschlussarbeit nie in der mir verbleibenden Zeit schaffen würde und damit alles umsonst war. Ich verfalle ja nicht oft in Stress, aber wenn, dann richtig. Zum Glück ist das meist am nächsten Morgen mehr oder weniger vergessen, denn ich habe meine ganz eigenen Beruhigungsstrategien - unter anderem die, mich daran zu erinnern, dass ich mit meiner, nennen wir es mal "ungestressten", Vorgehensweise noch nie auf die Nase gefallen bin. Wird also ganz sicher auch dieses Mal wieder klappen. Trotzdem habe ich mir immerhin vorgenommen, endlich intensiver zu arbeiten und die eine Urlaubswoche, die ich noch habe, so richtig zu nutzen. Bisher läuft es ganz gut, obwohl ich mein Tagespensum für heute bestimmt nicht mehr schaffe... was aber nicht nur meine Schuld ist. Und damit kommen wir zum wichtigen Teil:

S. hat angerufen! Vorhin, als ich gerade so richtig am Schreiben war, klingelte mein Telefon. Ich wollte erst gar nicht rangehen, weil ich keine Störung gebrauchen konnte, aber da keine Nummer angezeigt wurde, war ich doch neugierig. 

- Hallo, hier ist S.

Mein Herz flatterte und rutschte in die Hose. Ich hatte überhaupt nicht mit seinem Anruf gerechnet! Zwar hatten wir gestern kurz zu diesem Thema gemailt, aber er klang so, als würde er das mit dem Telefonieren gern noch etwas hinauszögern. Ich habe ihm daraufhin meine Nummer geschickt und geschrieben, er solle entscheiden, wann er bereit ist und mich dann einfach anrufen. Nun, da war er ganz schön schnell bereit. Er hat mir übrigens gestern noch ein zweites Foto geschickt... in Uniform... schmacht! Es ist zwar schon älter und er meint, er hätte inzwischen etwas zugelegt, aber trotzdem. Selbst mit ein paar Kilos mehr... ein gutaussehender Mann. Und den hatte ich nun am Telefon. Er machte allerdings den großen Fehler, zu fragen, ob er gerade stört. Ich war ehrlich, sagte ihm, ich wollte sowieso bald eine Pause machen, sei gerade aber so richtig schön "drin"... Er schlug vor später nochmal anzurufen und ich stimmte zu. Danach hatte ich natürlich ein furchtbar schlechtes Gewissen, ihn so abgewürgt zu haben, aber er hat es schon richtig aufgefasst. Es ging ja wirklich nicht gegen ihn.

Vorhin hat er also wieder angerufen und wir haben über zwei Stunden telefoniert. Jetzt versuche ich, meine Gedanken und Eindrücke zu sortieren.

positiv war:

- wir konnten uns gut unterhalten, über alles Mögliche

- ich habe einiges neues über ihn erfahren

- er lässt mich zu Worten kommen (Das hatte ich ja bei C. beanstandet.)

- sein Dialekt ist süß, aber verständlich

- er klingt so nett wie er schreibt

 

"negativ" war:

- seine Stimme klingt nicht wirklich sexy, etwas... hm, wie sag' ich das bloß?... gequetscht? Ich weiß nicht, im ersten Moment war's komisch. Aber er meinte selbst, er könnte sich am Telefon überhaupt nicht reden hören und telefoniere deshalb auch nicht gern. Mich hat er trotzdem angerufen, das beweist Mut und dass ihm die Sache wichtig ist... Also ist das schon wieder ein Pluspunkt! Und hey, wenn ich genauer darüber nachdenke, klang mein Ex am Telefon auch nicht so toll... Und überhaupt: Haben wir nicht von Mario Barth gelernt, dass Männer sowieso unmännlich klingen, wenn sie mit einer Frau telefonieren, in die sie verknallt sind? Das hat also noch gar nix zu sagen! 

Also, mal abgesehen davon, dass es immer komisch ist, mit einem Fremden zu telefonieren, lief es ganz gut und ich bin immer noch interessiert an S. Er hat was, ich kann's nur nicht beschreiben. Irgendwie ist er schon süß... Er macht mich nervös, ruhelos und unruhig. Das hatte ich das letzte Mal, als ich mich in J. verliebt hatte. DAS ist also ein gutes Zeichen. Und ich würde mich immer noch gern ins Auto setzen und zu ihm fahren, um ihm endlich mal persönlich gegenüberzustehen. Leider scheitert das bei mir schon am Auto, das ich nicht habe. Schade eigentlich. Aber er hat schon geguckt, wie weit es bis zu mir ist... 350km... ein Klacks! Wer weiß, vielleicht ist ihm ja bald nach einem Treffen, nach einem Anruf war ihm ja jetzt auch ziemlich schnell. Ich lasse mich überraschen und die Dinge auf mich zukommen. Wir wollen auf jeden Fall wieder telefonieren.

Und jetzt werde ich wirklich versuchen, noch zwei Stunden  ganz ernsthaft zu arbeiten.

07.11.2008 um 10:50 Uhr

Tag der Peinlichkeiten

Gestern war wohl der internationale "Tag der Peinlichkeiten", zumindest für die rosa Maus. Als hätte die Park-Geschichte nicht gereicht, ist mir gleich noch was Blödes passiert.

Ich war gestern den ganzen Tag der festen Überzeugung, dass eine Kollegin von mir Geburtstag hätte. Immer wieder habe ich mich selbst daran erinnert, dass ich da unbedingt noch anrufen muss - man will ja eine liebe Kollegin sein. Gegen abend habe ich dann dran gedacht und mutig die Nummer gewählt:

- W...!

- Guten Tag Herr W..., hier ist die rosa Maus aus dem Laden, ich würde gern Ihre Frau sprechen.

- Die ist arbeiten.

- An ihrem Geburtstag? (In diesem Moment hatte ich so eine Ahnung... Eine Ahnung, dass Frau W... nicht einen Tag VOR, sondern einen Tag NACH meinem Bruder Geburtstag hat...)

- Der ist doch erst Samstag.

- Oh........ stimmt. Da hatte ich ja Glück, dass Sie rangegangen sind und mir das gesagt haben. Schönen Abend dann noch.

- Kein Problem, ebenfalls.

Tja, so kann man sich täuschen... Hoffentlich erzählt der nette Herr W... seiner Frau nichts von meinem Anruf! Wie kann man nur so blöd sein! Ein Blick in meinen Kalender, und ich hätte Bescheid gewußt! Und morgen werde ich dann bestimmt vergessen, anzurufen, wie ich mich kenne.

Naja, heute wird erstmal der Geburtstag meines kleinen großen Bruders gefeiert, der hat heute wirklich - meine Mutter und eine Internetplattform können nicht irren!

Dafür habe ich aber gestern wieder eine sehr nette Mail von S. erhalten - er findet auch, dass es gut läuft Fröhlich  Ich will mir nicht zu große Hoffnungen machen, aber an ihm stört  mich immer noch... NICHTS!

06.11.2008 um 19:18 Uhr

Frau am Steuer...

Oje, mir ist gerade etwas furchtbar peinliches passiert... typisch Frau eben!

Ich hatte mir von meiner Mutter das Auto geholt um damit einkaufen zu fahren. So weit, so gut. Ich war einkaufen, das hat noch geklappt. Dann wollte ich in „meiner“ Straße parken, was immer ein Problem darstellt, denn „meine“ Straße liegt in Bahnhofsnähe und ist deshalb chronisch überparkt. Glücklicherweise habe ich beim zweiten Mal abfahren eine ausreichend große Parklücke entdeckt und mich frisch ans Werk gemacht. Das mit dem rückwärts quer zur Straße Einparken mache ich zwar nur sehr selten, Fahrschule ist auch schon viel zu lange her, aber in letzter Zeit hatte das immer ganz gut geklappt. Normalerweise nutze ich das Auto eher zum Einkaufen und auf Supermarkt-Parkplätzen muss man eben nur vorwärts oder rückwärts in eine Lücke fahren. Heute war's also etwas komplizierter. Ich bin also schön weit vorgefahren, am Vordermann fast vorbei – wie ich es in der Fahrschule gelernt habe, glaube ich zumindest. Und dann rückwärts und schön einlenken. Nun ist die Straße leider nicht sehr breit, deshalb darf man nicht zu viel einlenken, sonst stößt man schon an den Bordstein der anderen Straßenseite.

Bis zu einem bestimmten Punkt lief alles super, ich stand in der Lücke. Aber ich hatte mich mal wieder so sehr darauf konzentriert, am Vordermann ohne Kontakt vorbeizukommen, dass ich das Gegenlenken vergessen habe! Als ich zurücksetzen wollte, um etwas Abstand zum Auto vor mir zu gewinnen, bemerkte ich, dass ich mit dem rechten Hinterrad sehr nah, viel zu nah, am Bordstein war. So nah, dass ich nicht weiter rückwärts fahren konnte, der Bordstein ist nämlich ziemlich hoch. Na toll! Nach vorne war natürlich auch nicht genug Platz um nochmal schön vor- und dann mit Gegenlenken zurück zu fahren. Da war Millimeterarbeit gefragt, denn zu dem wirklich schönen Auto vor mir, das ich mir in den folgenden zehn Minuten ausgiebig angucken konnte, hatte ich gerade mal fünf Zentimeter Platz. Also fing ich an, zu kurbeln. Millimeter vor – mit Lenkradschwung nach rechts, dann Millimeter zurück – mit Schwung nach links. So ging das etwa zehn Minuten, ohne sichtbares Ergebnis. Mein Hinterrad quietschte immer noch am Bordstein entlang und nach vorne hatte ich keinen Zentimeter mehr gewonnen. Außerdem hatte ich das hübsche Auto vor mir ein paar Mal ganz leicht „angebumst“. Ich fing an zu schwitzen, verfluchte die Parklücke und meine Einparkkünste, und wollte am liebsten wieder weg und mich woanders hinstellen. Aber das ging ja auch nicht!

Dann kam ein Mann vorbei – wie peinlich. Ich tat so, als würde ich am Radio spielen, total gelassen. Natürlich bemerkte der Herr mein Dilemma, als er am Auto vorbeiging, betrachtete mein Hinterrad und den Abstand nach vorn – der ja nicht mal die Bezeichnung „Abstand“ verdiente! - und bot mir dann Hilfe an. Ob ich „raus wollte“, fragte er. Ich verneinte, ich wolle mein Auto nur „ordentlich“ hinstellen. Er gab mir sofort einen Tipp: ich müsste nur einmal nach rechts lenken, ich stünde nämlich mit dem Hinterrad am Bordstein. Ach was! Bevor ich mich noch mehr blamierte, bot ich dem netten Herrn an, es selbst zu machen. Ich war echt total erledigt und wollte die Sache nur noch hinter mich bringen. Er stimmte sofort zu, zwängte sich ins Auto, drehte einmal kurz am Lenkrad und.... stand gerade! Das gibt’s doch nicht! Der hatte nicht viel anders gemacht als ich, und war sofort erfolgreich! Zum Glück blieb er freundlich und verzichtete auf ein Kommentar à la „Frau am Steuer“. Jetzt könnte ich natürlich sagen, seinen Erfolg verdankte der Mann nur meiner Vorarbeit. Ich könnte aber auch zugeben, dass ich eine absolute Lusche bin, was Einparken angeht. Es war wohl die Kombination aus beidem. Jedenfalls war ich dem Mann sehr dankbar, hoffe aber, ihm nie wieder zu begegnen. Denn, mal ehrlich, sowas Peinliches!

Jetzt bin ich wieder zu Hause und habe erstmal die Waschmaschine angestellt. Damit kenne ich mich besser aus ;-)

04.11.2008 um 19:03 Uhr

Dummes Deutschland?

Heute nur mal kurz, ich bin müde und irgendwie kaputt. Mein erster Urlaubstag... Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die knapp zwei Wochen zu nutzen, um endlich ein ganzes Stück mit meiner Magisterarbeit weiterzukommen, denn die Uhr tickt immer lauter. Und wann habe ich schon mal so viel Ruhe zum Schreiben... Offensichtlich zu viel Ruhe, denn schon das Aufstehen fiel mir heute extrem schwer. Muss wohl das Wetter sein. Zum Glück "dogsitte" ich den Hund meiner Eltern für ein paar Tage, so dass ich trotz des wenig verlockenden Wetters genug frische Luft bekommen werde. Und die ist ja bekanntlich gut für's Gehirn. Heute hat die Taktik schon geklappt, ich habe trotz Müdigkeit mein Tagesziel erreicht und wieder ein Kapitel fertig bearbeitet. Toi toi toi und auf-Holz-klopf für die nächsten Tage!

Was fällt mir sonst noch ein zum heutigen Tag? Oh, habe gerade bei web.de gelesen, dass Boris sich schon wieder von seiner angeblichen großen Liebe Sandy getrennt hat... Überrascht das irgendjemanden?

Dann hatte ich heute ein schönes Erlebnis zum Thema "So dumm ist Deutschland gar nicht". Wir sind ja einiges gewöhnt, denn fast täglich sieht man bei sogenannten "Lifestyle" und "People"-Magazinen (junge) Deutsche, die nicht in der Lage sind ihr Heimatland auf einer Europakarte zu finden oder den Bundespräsidenten nicht (er)kennen. Heute nun bin ich mit Hund an einem Imbiss vorbeispaziert und habe so halb mitbekommen, wie da tatsächlich zwei Männer an der Wurstbude darüber diskutiert haben, ob Obama oder McCain der bessere Präsident für die USA sei. Die Beiden sahen keineswegs aus wie Menschen, die sich normalerweise mit sowas beschäftigen. Eher ein bißchen wie - Entschuldigung, aber mir fällt nix besseres ein - Penner. Und dann so eine Diskussion! Erstaunlicherweise waren auch beide für Obama, obwohl ich sie für latente Rassisten gehalten hätte - so vorurteilsbehaftet bin ich! Jedenfalls war das wirklich schön, weil es mir auch mal ein anderes Bild der Deutschen gezeigt hat. Und jetzt, alle Daumen drücken für Obama! Auch wenn ich bezweifle, dass er der Retter ist, für den ihn alle halten. Versprechen kann man viel, und wir werden ja sehen, was er als Präsident besser macht als seine Vorgänger. Er ist eben nur besser für das Amt geeignet als McCain und seine Bande. Meine Meinung.

Oh, und nochwas: S. hat tatsächlich noch Sonntag nacht geschrieben. Schmacht... Er war das ganze Wochenende unterwegs, und hat dann extra noch nachts eine lange Mail an mich verfasst! Was für ein Mann... Aber wir wissen ja alle, solange sie Jäger sind, sind Männer perfekt... Jedenfalls warte ich jetzt sehnsüchtig auf seine Antwort auf meine gestrige Mail. Ist das alles schön - schade, dass er so weit weg wohnt.

02.11.2008 um 18:54 Uhr

Wochenendbericht

Bin wieder zu Hause gelandet und muss jetzt erstmal von meinem supertollen Wochenende berichten:

Freitag nachmittag ging's ja los, mit dem Auto nach Berlin. Nur Schussel und ich, zwei Stunden unterwegs. Da hat man viel Zeit zum erzählen. Und sie hat mich erzählen lassen, zwei Stunden lang. Von meinem Date mit C., von meinem neuen Verehrer (Der noch nicht geschrieben hat, aaaaahhhhh! Aber ich hatte ihm geschrieben, er solle sich ruhig Zeit lassen mit seiner Antwort, weil ich über's Wochenende eh' weg bin. Sowas sollte man einem Mann wohl nicht sagen, der macht das dann wirklich und lässt sich viel Zeit. Mist.), von meiner Arbeit und so weiter. Erst als wir schon in Berlin waren, hat Schussel mit ihren Neuigkeiten rausgerückt. Wir standen bei C&A in der Dessous-Abteilung, Schussel hat sich gerade was Schönes ausgesucht, da hat sie mir eröffnet, dass sie und ihr Freund, A., sich jetzt trennen. Komische Situation für so ein Geständnis, aber ich war nicht geschockt oder überrascht. Das hat sich schon so lange angekündigt. Bestimmt schon seit Jahresanfang höre ich von beiden Seiten immer wieder Beschwerden über den jeweils anderen, und mit einer gemeinsamen Freundin hatte ich auch schon fast Wetten abgeschlossen, wie lange es wohl noch dauern wird. Naja, jetzt hatten sie also das schon lange nötige Gespräch und haben sich entschieden. Ist schon irgendwie schade, schließlich waren die Beiden acht Jahre ein Paar, mit einjähriger Unterbrechung. Und ich kenne Schussel erst seit 10 Jahren, also die meiste Zeit mit A. Und nach sehr langer Aufwärmphase konnte ich A. langsam echt leiden! Da hat sich in den Jahren ja auch ein gemeinsamer Freundeskreis entwickelt... Ich kann mir Schussel ohne A. eigentlich nicht vorstellen, geschweige denn mit einem Anderen! Ich bin aber irgendwie schon froh, dass Schussel jetzt Single ist, auch wenn das egoistisch und selbstsüchtig ist. Aber irgendwie schweißt das doch mehr zusammen, oder? Man hat mehr gemeinsame Themen, Probleme etc. Und da sich die beiden wirklich einvernehmlich trennen, ist es auch kein ganz so großes Drama. Nur die total verwobenen Leben, gemeinsame Wohnung, Hausstand etc. zu entwirren, das wird sicher nicht einfach. Und dann ist Schussel ja in einer für sie völlig neuen Situation: sie ist zum ersten Mal wirklich allein, auf sich gestellt. Bisher hatte sie seit dem Auszug bei den Eltern A. an ihrer Seite... Und überhaupt, war sie noch nie mit einem anderen Mann zusammen! Das stelle ich mir so komisch vor, ich hätte wahrscheinlich eine Riesenangst. Da bin ich doch recht froh, dass ich schon einige Männer hinter mir habe, und mir diese ganze Kennenlern-Problematik doch relativ leicht fällt. Und auch, sich auf einen neuen Mann einzustellen. Obwohl mir das ja nach J. immer noch nicht so wirklich leicht fällt... Wie muss sich das nur nach ACHT Jahren mit ein- und demselben Mann anfühlen?

Jedenfalls begann Freitag abend dann unser Party-Wochenende. Wir haben etwas vorgetankt und waren dann zur Halloween-Party im Knaack. War echt lustig, denn wir waren in großer Gruppe da und ordentlich angesäuselt. Musik war klasse, nur das Publikum teilweise etwas freakig. Aber das ist da wohl normal. Gegen fünf war ich im Bett. Samstag sind wir dann gegen Mittag aufgestanden, waren frühstücken und dann powershoppen. Eigentlich wollte ich ja nur gucken, aber wie das so ist... Manchmal findet man gleich ganz viele tolle Klamotten. Und wenn man dann noch eine Beraterin an der Seite hat und es ihr genauso geht! Wir haben beide so zugeschlagen, mein Konto wird sich rächen, wenn die Kreditkartenrechnung am Monatsende kommt. Aber bis dahin ist noch etwas Zeit und ich brauchte die Klamotten wirklich! Jetzt habe ich ein neues Party-Top für den Herbst/Winter, das habe ich schon lange gesucht. Ich habe nämlich total viele für den Sommer, weil ich Neckholder einfach liebe, aber im Winter ist mir das einfach zu kalt. Eine schwarze Jeans habe ich auch noch erstanden und ein paar ganz süße T-Shirts. Nach dem Shoppen waren wir noch einen Kaffee trinken und haben dann bei Schussels Schwester gegessen und Pläne für den Abend gemacht. Eigentlich waren wir schon total müde, aber wo wir schonmal da waren, wollten wir das mit dem Ausgehen auch durchziehen. Obwohl die Versuchung, einfach nichts zu machen, schon groß war, schließlich ging es Samstag abend nur um uns beide. Aber nach einer Dusche ging es uns viel besser und wir konnten uns auf die Clubsuche konzentrieren. Wir haben ja geschwankt, uns dann aber für die Kalkscheune entschieden, weil da die Musik gut sein sollte. Nachdem wir uns also fein gemacht hatten (Ich liebe meine neue schwarze Jeans einfach! Hohe Schuhe und schwarz, und ich sehe fünf Kilo leichter aus! Schwarz macht wirklich schlank!), so richtig klischeehaft mit gemeinsamem Schminken (Männer wissen gar nicht, was ihnen entgeht, wenn sie sich nicht mit jemandem zusammen für den Abend fertig machen. Es gibt doch nix Schöneres, als sich in einer Mädelsgruppe schick zu machen, Haare, Make-up, Klamotten auswählen, das ganze Ritual eben, das schweißt so zusammen! Und macht einfach nur Spass!), sind wir losgezogen, nur wir zwei Single-Frauen. Und was soll ich sagen? Die Location war ein Volltreffer! Mit dem ersten Getränk haben wir uns erstmal am Rand postiert und die anwesenden Herren "abgecheckt" - wir haben fast gesabbert! So viele Sahneschnitten auf einem Haufen! Richtig viele gutaussehende, gut gekleidete, niveauvoll wirkende Männer unseres Alters! Beim Tanzen habe ich dann einen entdeckt, der's mir wirklich angetan hat. Nein, sowas Süßes aber auch! Ich flirte sonst nie, kann das nämlich eigentlich gar nicht, aber bei dem habe ich mich dann wirklich mal bemüht. Wir haben in seiner Nähe getanzt und fast permanent zu ihm hingesehen, eben versucht, Blickkontakt zu bekommen. Aber dieser Kerl hat einfach nicht geguckt! Nicht nur nicht zu uns, sondern zu NIEMANDEM! Immer nur so den Blick über die Menge schweifen lassen, zu seinen Kumpels geguckt oder ins Leere. Entweder war der frisch getrennt und total angepisst von dem Abend oder einfach nur extrem schüchtern. Keine Ahnung, aber es war frustierend. Dieses Hingucken war ja auch nicht leicht für mich, schließlich gehörte ich bisher auch eher zu der Kategorie "Ja niemanden ansehen". Ich übe gerade, Blicke zu erwidern und nicht gleich wegzuschauen, wenn mich jemand anguckt. Das klappt auch schon ganz gut. Irgendwann haben wir dann aufgegeben. Meine Freundin war echt frustriert, aber ich hab's nicht so schwer genommen. Wer weiß, was mit dem Typen los war und überhaupt wollten wir doch eh' nur gucken und üben. Später hat uns noch ein netter Mann an der Bar angesprochen, aber nur kurz "hallo", ein älterer Herr hat meine Freundin angequatscht als ich sie EINMAL allein zur Bar gehen lassen habe - bäh - und zwei lustige Typen haben uns auch noch in ein Gespräch verwickelt, als wir eigentlich gleich gehen wollten. Alles in Allem war es also ein recht erfolgreicher Abend, denn wir wissen nun, dass es erstens durchaus noch nette, gutaussehende Männer gibt, und zweitens wir das schon noch hinkriegen, mit dem Flirten. Außerdem wissen wir nun, wo sich die Berliner Sahneschnitten rumtreiben und werden da öfter mal hingehen. Meine einzige Sorge während des ganzen Abends war, J. zufällig zu treffen. Er geht ja doch oft mit Freunden oder Kollegen aus und arbeitet da ganz in der Nähe, es bestand also eine geringe Chance. Ich weiß nicht, ob er diesen Club je erwähnt hat... Aber mein Herz ist jedes Mal stehengeblieben, wenn ich einen verwuschelten dunkelhaarigen Hinterkopf gesehen habe. Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn ich ihn tatsächlich mal treffe. Das Risiko besteht in Berlin ja immer - die Stadt ist doch ein Dorf. Wir haben an beiden Abenden Leute aus unserer winzigen Heimatstadt getroffen! Ich wäre wahrscheinlich total perplex und würde kein Wort herausbekommen. Käme auch auf seine Begleitung an. Wäre er allein, würde ich ihn wahrscheinlich spontan küssen. Genau das kommt mir nämlich in den Sinn, wenn ich an ihn denke. Dieser Mund... Aber ich konnte mich ja nun davon überzeugen, dass auch andere Mütter offensichtlich schöne Söhne haben  Fröhlich  Wir waren jedenfalls wieder erst nach fünf im Bett, haben wenig geschlafen, und ich bin dementsprechend knülle. Werde heute wohl mal etwas früher ins Bett gehen.

Auf jeden Fall war das ein richtig tolles Wochenende und ich freue mich schon auf die nächste Übungseinheit!