Mission Prinz

31.07.2009 um 11:40 Uhr

Die Frau mit der Maske

Hm, eigentlich gibt's nichts zu erzählen. Jedenfalls nix wichtiges. Ich muss nur gerade etwas Zeit totschlagen, während die Erdbeermaske auf meinem Gesicht einwirkt. Die riecht so lecker, da möchte man sich am liebsten selbst das Gesicht abschlabbern... Schade, Zunge zu kurz.

Mein Umzug zu Garfield ist jetzt in Sack und Tüten. Gestern habe ich sämtliche Kündigungen weggeschickt: Vermieter, Stadtwerke, Telefon, Kabelfernsehen, Zeitung. Hoffentlich geht das alles glatt, gerade beim DSL habe ich da so meine Befürchtungen. Als ich den Vertrag vor etwas über einem Jahr abgeschlossen habe, hieß es, als Student hätte man nur drei Monate Mindestvertragslaufzeit und könne dann binnen Monatsfrist kündigen. Unter diesen Bedingungen habe ich unterschrieben. Als ich aber jetzt meine ganzen Verträge durchgesehen habe, fand ich unter dem Punkt "Vertragslaufzeit" ein Häkchen bei "24 Monate". War mir damals nicht aufgefallen... Vorne drauf, bei "Beruf", steht aber "Student". Ich bin also sehr gespannt, ob O2 jetzt Ärger macht. Eigentlich müsste man bei Umzug ja kündigen dürfen, vor allem, wenn der Anbieter am neuen Wohnort nicht verfügbar ist. Ich warte ab und hoffe das Beste. Und ich möchte KEINE Stories hören, wo Telefonanbieter sich quergestellt haben!

Garfield kam heute morgen wieder mit einer neuen Idee. Ich soll doch jetzt schon Anfang Oktober zu ihm ziehen (geplant war Ende Oktober, weil mein Mietvertrag nur zum 31.10. zu kündigen geht), damit wir mehr Zeit zum Einrichten haben. Er will den Umzug also dann über die Bühne bringen, wir richten uns drei Wochen lang ein und Ende Oktober kommen wir nochmal her und machen meine Wohnung übergabefertig. Also streichen, putzen etc. Er hat sich das schon alles überlegt... dieser Mann plant wirklich gern! An sich finde ich die Idee gut, allerdings muss ich jetzt meiner Chefin verklickern, dass ich schon zu Ende September kündige. Oder Mitte Oktober, wegen des Resturlaubs. Na, die wird sich freuen. Dabei freundet sie sich gerade erst mit dem Gedanken an, dass ich ihr ab November nicht mehr zur Verfügung stehe. Das hätte sich mein Schatz auch mal eher überlegen können, nämlich BEVOR ich Ingrid den Kündigungszeitpunkt genannt habe. Zum Glück hat sie die Papiere noch nicht fertig gemacht. Das wird auch noch dauern, ich kenne sie gut genug. Das wirklich überzeugende Argument von Garfield lautet übrigens: Durch den früheren Umzug stünde ich potenziellen Arbeitgebern schon ab 1. November zur Verfügung. Wo er recht hat...

Gestern abend habe ich lange mit meiner Schwester gechattet. Sie hat sich verknallt! Ich darf aber noch nix weitererzählen. Sie ist sich nicht sicher, was der Betroffene denkt und überhaupt ist alles noch ganz geheim. Ich freu' mich für sie und hoffe, dass es klappt. Wow, dann wären wir mal alle drei gleichzeitig unter der Haube! Und der Typ könnte interessant sein: ziemlich unstet, immer unterwegs, Dreadlocks, Lehrer für behinderte Kinder, spielt Gitarre. Und was ich am Tollsten finde: Er kommt aus Hamburg, spricht also plattdeutschen Dialekt! Mein Schwesterlein findet das nicht so toll, ich schon. Hoffentlich klappt das, der Typ wäre eine echte Bereicherung für die Familie. À propos Familie: Wir haben gestern abend auch über die Silberhochzeit unserer Eltern gesprochen bzw. über unser Geschenk. Wir haben noch knapp zwei Monate Zeit, aber ich will nicht wieder alles auf den letzten Drücker besorgen. Und es soll ja schon was Besonderes sein. Im Moment überlegen wir wegen Besteck. Da würden wir dann den Anfangsbuchstaben des Namens eingravieren lassen. Das alte "gute" Besteck (haben sie zur Hochzeit bekommen) sieht wirklich nicht mehr aus, und sowas Schönes von WMF wäre schon eine gute Idee. Letzte Woche habe ich mal Preise gecheckt... Hammer! Man kann ein Vermögen für Esswerkzeug ausgeben! Mir gefällt die Idee ziemlich gut, wir sind aber noch offen für andere Vorschläge. Hat zufällig jemand hier eine tolle Idee?

Das Wochenende verbringe ich bei meinen Eltern, weil die von morgen bis Sonntag nach Berlin fahren um sich ein Musical und die Stadt anzugucken. Ich hüte freiwillig das Haus und die Tiere, natürlich nicht ganz uneigennützig. So habe ich heute abend und morgen nämlich ein Auto und kann zum KinoOpenAir in der Nachbarstadt fahren. Heute abend zeigen sie "Dirty Dancing", mit anschließender Themenparty. Ich freu' mich, hab den Film ja noch nie im Kino gesehen. Und überhaupt kann man das ja immer wieder gucken... schmacht. Zum Glück habe ich noch zwei Freundinnen gefunden, die mitkommen. Wird bestimmt ein toller Abend. Und morgen gibt's dann zwei Filme, einen Trickfilm und eine Komödie. Sonntag muss ich mein Fahrrad reparieren, da hat mir irgendsoein A******** W****** offensichtlich sehr gestörter Zeitgenosse Sonntag Nacht den Hinterreifen zerstochen. Vielen Dank auch, der wurde erst im April ausgewechselt!

Wie man sieht, steht mir ein ausgefülltes Wochenende bevor, Samstag nachmittag muss ich nämlich auch noch arbeiten. Ach ja, und heute abend eröffne ich meinen Eltern, dass sie mich bald in Bayern besuchen können. Das wird spannend.

In diesem Sinne, ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende mit viel Sonne. Oh, jetzt muss aber mal die Maske ab, sonst brauche ich bald Hammer und Meißel.

28.07.2009 um 20:12 Uhr

Von Töpfen und Deckeln

Was habe ich gesagt? Die Lasagne hat den Herrn tatsächlich mehr interessiert als alles andere! Es hat auch eine Weile gedauert, bis die Tragweite meiner Entscheidung so richtig bei ihm durchgesickert ist. Aber dann hat er mir sehr deutlich gemacht, wie glücklich er über mein "ja" ist. Immer wieder mal, zwischendurch. Und es fühlt sich so gut an! Was war ich doch für ein Dummkopf, damals bei Jan! Wie naiv kann man sein? Jetzt merke ich doch, wie es sein sollte, wenn man zusammenzieht! BEIDE reden darüber, machen Pläne und tauschen sich aus. BEIDE freuen sich und kommunizieren das auch so. BEIDE können es kaum abwarten. Mensch, ich hätte doch damals lange vorher merken können, dass was nicht stimmt... Schwamm drüber, man kann's jetzt nicht mehr ändern und es ist einfach nur schön, dass ich diese Sache jetzt so positiv noch einmal erleben darf. Irgendwie ist das auch 'ne Genugtuung und Entschädigung.

Themenwechsel: Am Wochenende ist uns etwas aufgefallen. Auf den ersten Blick passen wir eigentlich überhaupt nicht zusammen. Das wußten wir von Anfang an. Aber wenn man genauer hinschaut, sind wir jeweils die perfekte Ergänzung des jeweils anderen. Und zwar auf eine ziemlich negative Art. Garfield ist die Personifizierung all jener Eigenschaften, über die ich selbst verfüge, die ich aber gern unterschlage. Ich bin ziemlich schüchtern, urteile sehr schnell über andere Menschen, kontrolliere gern alles fünfmal, plane immer alles ganz genau und kann richtig penibel sein. Natürlich gebe ich das alles nicht gern zu. Bei Garfield sind diese Eigenschaften mehr als offensichtlich - sie machen ihn aus, bestimmen seine Persönlichkeit. Seine Kontrollsucht, seine Planwut, seine Genauigkeit. Als ich Garfield davon erzählte, meinte er, dasselbe wäre bei ihm bzw. mir der Fall. Ich bin faul, träge, komme nicht aus der Hüfte, positiv formuliert könnte man auch sagen, ich wäre tiefenentspannt. Genau dies sind die Eigenschaften, die Garfield gern versteckt. Im Grunde ist auch er faul und träge, aber er will das natürlich nicht zugeben. Wir sind also jeweils die Verkörperung der schlechten Seiten des anderen. Ist das verständlich? Interessanterweise sind das auch genau die Eigenschaften, die wir beim anderen zu bekämpfen versuchen. ICH versuche, Garfields Kontrollzwang zu durchbrechen, bin bei ihm spontan und kämpfe gegen seine vorschnellen Urteile und Intoleranz an. ER versucht, mich aus meiner Lethargie zu holen, indem er mich immer wieder motiviert. 

Eine wirklich interessante Erkenntnis. Aber ob das jetzt gut oder schlecht ist? Man weiß es nicht...

Nochmal Themenwechsel, denn mir ist am Wochenende nochwas aufgefallen: Die schlimmen Seiten einer Beziehung! Man, bzw. eher frau, wird total unselbständig! Ich habe meine liebe Freundin Schusselchen immer dafür verurteilt, aber jetzt verstehe ich sie. Immerhin hatte sie seit Auszug bei den Eltern immer einen Mann an ihrer Seite. Einen Mann, der HiFi-Anlagen aufgebaut, Videorekorder programmiert, Computerprogramme installiert, Telefone angeschlossen, Mietverträge durchgelesen, Sachen repariert hat. Klar, dass man da faul wird bzw. Dinge gar nicht erst lernt. Als Schusselchen sich letztens einen I-Pod gekauft hat, war sie außer sich vor Stolz, dass sie das Ding nicht nur allein gekauft, sondern auch in Gang gebracht hat. Ich habe sie ausgelacht. 

Ich bin eigentlich ein technisch interessierter und auch versierter Mensch. Ich liebe Technikspielzeug und Gebrauchsanweisungen. Zu Hause war ich die Einzige, die den Videorekorder programmieren oder nach der Zeitumstellung die Uhr wieder richtig einstellen konnte. Als ich damals nach Frankreich ging, schrieb ich Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die meisten technischen Geräte in ein Heft. Damit die Familie nicht völlig hilflos war in den neun Monaten. Ich kenne mich mit meinem Handy besser aus als so mancher Mann und baue gern Möbel auf. Wenn ich ein technisches Problem habe, sei es mit dem Computer, Fernseher oder sonstwas, versuche ich zuallererst, es selbst zu lösen. Ich habe auch mein DSL ganz allein eingerichtet. Jetzt aber werde ich bequem, denn ich habe einen Mann an meiner Seite, auf den man solche Sachen abwälzen kann. Beispiel gefällig? Letzte Woche ist mir die Fernbedienung vom Fernseher runtergefallen. Danach sagte sie keinen Mucks mehr. Früher hätte ich ein bißchen im Internet recherchiert und mir dann wahrscheinlich eine Universalfernbedienung gekauft. Kein Problem. Und heute?

- Schatz, meine Fernbedienung ist runtergefallen und geht nicht mehr. Kannst du dir das mal angucken?

- Klar, mach' ich.

Schatz fummelt ein bißchen an dem Ding rum, repariert es kaputt und legt fest, dass wir eine Universalfernbedienung kaufen müssen. Also ziehen wir los. Ich stehe ratlos im ProMarkt und verlasse mich mehr oder weniger auf Schatz' Urteil. Normalerweise verschaffe ich mir einen Überblick und entscheide dann ganz rational nach Optik bzw. Nutzen und Preis! Ich lasse mir doch von niemandem reinreden! Natürlich habe ich am Ende die Fernbedienung gekauft, die mir am besten gefallen hat, aber "installiert" hat sie... Genau! Dabei liebe ich es doch, sowas zu machen!  (Übrigens besitze ich jetzt eine supercoole Slider-Fernbedienung. Sieht aus wie so'n Schiebehandy, richtig stylisch!)

Noch ein Beispiel gefällig? Nach Fernsehertausch waren alle Sender verstellt. Bei meinem alten Fernseher habe ich mich liebend gern davorgesetzt und alles nach meinen Wünschen sortiert. Das hätte ich auch dieses Mal machen können. Aber nein, jetzt läuft es so:

- Schatz, die Sender sind alle verstellt. Und einige fehlen. Kannst du das bei Gelegenheit mal machen?

- Klar, mach' ich gleich.

ICH MUSS DAGEGEN ANKÄMPFEN! Wo führt das sonst noch hin? Bin ich in zwei Jahren nicht mehr in der Lage, Mittwochs allein "Grey's Anatomy" aufzunehmen? Man stelle sich nur vor, ich wäre in dieser lebenswichtigen Sache vollkommen von einem Mann abhängig!

24.07.2009 um 11:07 Uhr

To zieh!

Die Entscheidung ist also gefallen. Termingerecht, sozusagen, denn heute abend bekomme ich Herrenbesuch. Und zur Feier des Tages habe ich dem Herrn sein Lieblingsgericht gekocht: Lasagne. Die Saucen stehen fertig im Kühlschrank, der Käse ist schon gerieben, ich brauche dann nur noch alles fertig zu machen und ab in den Ofen damit. Wenn der Herr dann da ist, werde ich ihn ins Wohnzimmer verbannen und die Tür abschließen. Und dann das Essen fertig machen, den Tisch schön decken, mit Wein und allem drum und dran. Immerhin haben wir was zu feiern! Ach ja, und was Schickes anziehen werde ich auch noch - möglicherweise ohne Unterwäsche. Mich hat da jemand auf eine Idee gebracht... Man, der Herr wird Augen machen - natürlich wegen des Essens! ;-) (Das "Mitohneunterwäsche" wird ihn einfach nur geil machen. Und mein "ja" zum Einzug seeeehr glücklich.)

Ich gebe ja zu, so hundertprozentig sicher bin ich mir immer noch nicht. Die Angst, dass ich hier alles aufgebe und zu ihm ziehe, und er dann ein paar Monate später Schluss macht, die ist immer noch da. Die wird so schnell auch nicht weggehen, das muss die Zeit erledigen. Immerhin habe ich für mich beschlossen, dass dies eine der Ängste ist, denen man sich einfach stellen muss. Schließlich wäre die Alternative, für immer allein zu wohnen. Und DAS will ich ja nun gar nicht! Dann lieber ein Sprung ins kalte Wasser mit Aussicht auf Erfolg.

Wir haben uns für das Wochenende einfach mal gar nichts vorgenommen. Naja, morgen abend gehen wir essen. Der Herr hat eine Wette verloren und muss mich ausführen. Aber das macht er doch gern... Und ansonsten wird ausgeschlafen und entspannt. 

Ach ja, das hätte ich fast vergessen: Entgegen aller Erwartungen hat das Arbeitsamt seine Arbeit gemacht und mich nicht vergessen. (Ich krieche zu Kreuze, falls ich je etwas anderes behauptet haben sollte!) Vor einigen Tagen flatterte ein Jobangebot in meinen Briefkasten. Sogar was richtig Tolles, der perfekte Job für mich! Leider in... Wernigerode/Harz! Das ist ja nun auch die nächste Ecke, von Garfield aus. Klasse, sonst bekommt man immer Jobs in Süddeutschland und besonders Bayern angeboten, und mich wollen sie in den tiefsten Osten schicken! Normalerweise würde ich da sogar richtig gern hingehen, denn ich kenne die Gegend ganz gut von früheren Besuchen bei der Oma. Aber jetzt ist das irgendwie ziemlich ungünstig. Und natürlich das perfekte Timing, denn als der Brief kam war ich ja kräftig am Nachdenken wegen dieser Einzugsgeschichte. Garfields Begeisterung hielt sich in Grenzen, vor allem als ich meinte, der Job wäre toll und ich würde mich auf jeden Fall bewerben. Muss ich sogar, sonst wird mir was gekürzt. Ist doch so, oder? Jedenfalls hat mir mein Schatz am nächsten Tag gleich drei Jobangebote in seiner Gegend geschickt... :-) Da hat wohl jemand Panik bekommen? Eine von den Stellen klingt sogar richtig gut. Also werden auch dort Bewerbungen hingeschickt. Ich komme also in die Gänge, und bin mächtig stolz auf mich. Die Bewerbung für Wernigerode ist schon fertig geschrieben und wird von Garfield in ebendiesem Moment ausgedruckt. Er bringt den Kram dann mit, ich mache das fertig und ab die Post. Auch wenn er nicht begeistert ist, unterstützt er mich doch nach Kräften. Gestern habe ich das Anschreiben verfasst und abends am Telefon hat Garfield nochmal drübergeguckt. Ich war ja total begeistert von meinem Werk, aber der Herr hatte natürlich Einiges zu meckern. Ich bin so froh, DIESEN Mann an meiner Seite zu haben!

21.07.2009 um 00:07 Uhr

Insomnia

Ich kann nicht schlafen. Mir gehen einfach zu viele Dinge im Kopf rum, vor allem unser Telefonat von heute abend.

Es ging, natürlich, um diese Zusammenziehsache. Garfield hat mindestens eine Stunde lang versucht, mir zu erläutern, warum er so gern hätte, dass ich zu ihm ziehe. Herausgekommen ist die wunderbarste Liebeserklärung aller Zeiten. Garfield meinte nämlich, dass er nicht nur seinetwegen mit mir zusammenleben möchte (O-Ton: "Du würdest mich zu einem sehr glücklichen Mann machen, wenn du bei mir einziehen würdest."), sondern vielmehr meinetwegen. Er glaubt nämlich, mir helfen zu können, mein Leben in den Griff zu bekommen. Natürlich hat er bemerkt, dass ich momentan irgendwie vor mich hin lebe, völlig planlos, ohne Perspektive. Und dass meine Bemühungen, einen Job zu finden, sehr zu wünschen übrig lassen. Klar, ich bin völlig motivationslos, das habe ich hier auch schon mal geschrieben, glaube ich. Irgendwie habe ich ein Problem damit, mein Leben auf die Reihe zu kriegen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Garfield möchte mich dabei unterstützen. Er glaubt, wenn ich erstmal bei ihm wohne, kann er mir jeden Tag in den A... treten und mich motivieren. Er will mir helfen und mich unterstützen, so gut es geht. So ungefähr. Das hat er mir eine Stunde lang immer wieder gesagt. Ich finde das so großartig von ihm... Er nimmt mich, so wie ich bin, und hilft mir, meine Schwächen zu überlisten. Er liebt mich mit allen meinen Macken und will sein Leben mit mir verbringen. Wahnsinn, dieser Mann liebt mich wirklich!

Natürlich kam ich mit meinen ganzen Argumenten: Was, wenn es nicht klappt? Was, wenn die Beziehung nach drei Monaten zerbricht? Was, wenn er merkt, dass ich doch nicht die Richtige für ihn bin? Was, wenn meine Gefühle nicht ausreichen? Was, wenn ihm meine Trägheit bald auf die Nerven geht? Er hat alles abgeschmettert, mir immer wieder gesagt, wie sehr er mich liebt, dass ich ihm wahnsinnig viel bedeute, dass er sich noch nie bei einer Sache so sicher war. Natürlich schrillen bei solchen Worten sofort sämtliche Alarmglocken, denn versprechen kann man(n) ja viel. Mein Ex hatte anfangs ja auch große Pläne. Und noch größere Worte. Garfield hört sich das an und wird nicht müde, mir zu erläutern, dass er nicht so ist. Ich schäme mich ja dafür, dass er darunter leiden muss, was mir ein anderer Mann angetan hat. Ja, angetan ist das richtige Wort! Mir wird erst jetzt klar, wie sehr mich dieser Mann verletzt hat damals und was er damit in mir angerichtet hat. Ich würde ihn dafür am liebsten lynchen, aber das ist gesellschaftlich nicht so akzeptiert. Dass ich jetzt so zögere und zauder, liegt zu achtzig Prozent an diesem Mann! 

Zu einer Entscheidung bin ich heute am Telefon nicht gekommen, aber immerhin weiß ich jetzt, warum Garfield solchen Druck macht. Er meint es wirklich ernst, will mit mir zusammen ein Leben aufbauen. Je früher, desto besser, denn so wie es bei mir im Moment läuft, kann es nicht weitergehen. Er sieht das wesentlich klarer als ich. Es ist schön, so jemanden an seiner Seite zu wissen.

Was das mit meiner Schlaflosigkeit zu tun hat? Nun, seit ich ins Bett gegangen bin quält mich die Frage, was mit meinen Möbeln passieren soll, wenn ich zu Garfield ziehe. Einiges kann ich mitnehmen, aber eher Kleinkram. Die ein Jahr alte Küche, die liebevoll selbstgestrichenen Badmöbel, mein geliebter weißer Küchentisch mit den passenden Stühlen... Das alles brauche ich dort nicht. Wohin also damit? Wahrscheinlich findet sich eine supereinfache Lösung und ich zermartere mir völlig umsonst das Hirn. Aber kennt ihr das? Manchmal gibt der Kopf einfach keine Ruhe! Vielleicht ja jetzt...

16.07.2009 um 15:54 Uhr

Lady Maus' Liebhaber Vol. 3: Die Sternschnuppe

Marcos war mein bester Freund zu dieser Zeit - nicht nur ein Arbeitskollege. Wir redeten sehr viel, gingen nach der Arbeit zusammen tanzen oder was trinken, er fuhr mich oft nach Hause. Irgendwie waren wir auf einer Wellenlänge. Als er Probleme mit seiner Freundin hatte und darüber nachdachte, ob er sich von ihr trennen sollte, redete er mit mir darüber. Und natürlich erzählte ich ihm gleich, dass mit Lars Schluss war. Daraufhin tat er, was ein Mann tun muss: Er petzte.

(Kleiner Einschub: Seine Freundin war Französin, sie lebten bereits zusammen im Haus ihrer Eltern. Die Trennung hätte für Marcos bedeutet, dass er ohne Dach über dem Kopf in einem fremden Land auf sich allein gestellt gewesen wäre. Klar, das hätte er geschafft, immerhin hatte er gute Freunde. Aber die Faulheit siegte... Ein Jahr später haben die beiden übrigens geheiratet.)

Irgendwie wußte Marcos etwas, was ich nicht wußte. Vielleicht redeten "die Jungs" in der Umkleide über sowas, keine Ahnung. Marcos wußte, dass Nelson Interesse an mir hatte. So wie der Kerl mich behandelte, hätte ich das nie geahnt. Mal abgesehen davon war er auch überhaupt nicht mein Typ - obwohl ich den zu dem Zeitpunkt ohnehin noch nicht gefunden hatte. "Meine" Männer bis dahin hätten unterschiedlicher nicht sein können! Jedenfalls steckte Marcos dem lieben Nelson, dass mit meinem deutschen Freund Schluss war und ich Trost gebrauchen konnte. Er meinte es nur gut, wollte mir ein guter Freund sein.  Vielleicht dachte er auch, mit mir und Nelson, das könnte wirklich was werden. Jedenfalls witterte Nelson Morgenluft und wurde zu meinem neuen besten Freund. Wir redeten, gingen spazieren, er fuhr mich nach Hause. Ehe ich mich versah, fand ich mich in seinem Auto im Wald wieder. Das war vielleicht zwei, drei Wochen nach der Trennung von Lars. Und für mich alles andere als bedeutsam. Für mich war es eher eine Art Trotzreaktion, die Suche nach Bestätigung. Guck' Lars, ich kann jeden haben! Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass Lars diese Aktion völlig entging, schließlich hatten wir keinen Kontakt mehr. Letztendlich konnte ich den Vorfall eigentlich nur unter "Erfahrungen" verbuchen und sagen: Sex im Auto - muss nicht!

Nelson aber war von nun an der festen Überzeugung, wir wären zusammen. Irgendwie. Ich zeigte ihm gegenüber null Zuneigung, es gab keinen weiteren Körperkontakt, wir redeten wie Freunde miteinander, aber er hing an mir wie eine Klette. Ich sagte ihm natürlich, dass das im Auto eine einmalige Sache war und ich nichts für ihn empfinde, doch er ignorierte diese Ansage tapfer. Man muss dazu wissen, dass Nelson normalerweise auf harter Kerl machte. Er war cool, hielt sich für Will Smith oder so. Im Grunde war er aber ein ganz armes Würstchen, das mir hinterherkroch. Er nannte mich immer seine "Sternschnuppe", weil er mich nicht festhalten konnte. Eigentlich gar nicht so doof, das Bild. Allerdings hätte er irgendwann merken müssen, dass es einen Grund dafür gab, warum er mich nicht festhalten konnte.

Ich weiß noch, wie ich einmal auf dem Residenzgelände in der Telefonzelle stand und mit meinen Eltern telefonierte, als ich Nelson sah. Er ging schnurstracks auf meine Wohnung zu. Leider war er einmal dort gewesen, deshalb wußte er, welches Appartement meins war. Ich versuchte, so gut es ging, mich in der Telefonzelle zu verstecken und betete, dass er mich nicht sah, auf dem Rückweg. Ich hatte einfach keine Lust auf ihn und sein Gesäusel! Zum Glück zog er wieder ab, als ich nicht zu Hause war. Mir fiel wirklich ein Stein vom Herzen! Und noch größer war meine Freude darüber, dass ich es nur noch ein paar Wochen mit dem Kerl aushalten musste, denn ich hatte bereits gekündigt. Anfang Juni endete mein Vertrag und es ging wieder zurück nach Deutschland. Immerhin bescherte mir Nelsons Anhänglichkeit eine angenehmere Abreise, denn er fuhr mich samt meinem Gepäck zum Bahnhof. Dort konnte er sich kaum von mir trennen und ich glaube, wären die anderen Kollegen nicht dabei gewesen, hätte er geheult. ICH habe geheult, allerdings eher, weil mir der Abschied von Marcos und den Mädels so schwer fiel.

Wieder in Deutschland war ich vor Nelson trotzdem nicht sicher. Er schickte mir einen Brief! Einen sehr netten Brief, mal so nebenbei bemerkt. Irgendwie genoss ich ja auch seine Aufmerksamkeit. Aber, Himmel, warum macht sich einer so zum Trottel? So realitätsfern... Ich hatte einen Teil meines Gepäcks in Frankreich gelassen, weil ich mit meinem kleinen Bruder ein paar Wochen später nochmal wiederkommen wollte. Ich hatte es ihm versprochen. Als ich Nelson davon erzählte, schwafelte er etwas von einem Hotelzimmer. Irgendwie raffte der es einfach nicht! Übrigens sah ich ihn nur ganz kurz, als ich mit meinem Bruder da war. Wir gingen in meinem alten Restaurant essen, schließlich wollte ich all die geliebten Kollegen wiedersehen und ihnen meinen Bruder vorstellen. Süße Anekdote: ein schwuler Kollege machte meinem Bruder ein Kompliment, wie hübsch er sei. Mein Bruder war zwölf und verstand es zum Glück noch nicht - nach nur einem Jahr Französisch.

 

Das war's dann erstmal mit Frankreich und den Männern - dachte ich zumindest. Ich zog in eine andere Stadt, begann im August eine Ausbildung, fand neue Freunde. Auch dort hatte ich nette männliche Kollegen, aber mit denen ging es nicht so leicht und wie von selbst wie in Frankreich. Irgendwie kam diese Art von Kontakt nicht zustande. Im Oktober fuhr ich mit zwei Freundinnen, die ich aus Frankreich kannte, für ein verlängertes Wochenende an unsere alte Wirkungsstätte. Ich war ohnehin schon unzufrieden mit der Ausbildung, fühlte mich in der Stadt nicht so richtig wohl, dachte darüber nach, doch lieber zu studieren. Der Kurzurlaub in Frankreich war in dieser Situation nicht sehr hilfreich, denn ich vermisste die Zeit dort ohnehin. Ich traf meine Kollegen wieder (Die machten Augen! Ich hatte mich nicht angekündigt, es war eine spontane Idee gewesen.), aß in "meinem" Restaurant, alles war so vertraut und so schön. Irgendwie war ich noch nicht bereit für die Welt "da draußen", außerhalb unseres kleinen Universums, und so reifte innerhalb von zwei Tagen ein Plan: ich würde meine Ausbildung sofort hinschmeißen und ab April Englisch und Französisch auf Lehramt studieren. In der Zeit dazwischen wollte ich noch einmal in Frankreich arbeiten. So würde ich die Zeit sinnvoll nutzen, denn ich konnte nicht nur Geld verdienen, das ich für's Studium brauchte, sondern auch weiter mein Französisch verbessern. Vor unserer Abreise besprach ich diesen Plan noch schnell mit meinem ehemaligen Teamleader Ismael und die Sache war so gut wie geritzt. Sie hatten, natürlich, noch keinen Ersatz für mich gefunden und quälten sich tagein, tagaus mit den deutschen Gästen rum. Ich war die ganze Zeit die einzige Deutsche im Team gewesen, und das in einem Hotel, welches besonders von Deutschen genutzt wird. Ismael war heilfroh, dass ich zurückkommen wollte. Ich musste ihm nur ganz schnell einen Lebenslauf faxen, dann leitete er alles in die Wege. So kündigte ich meine Ausbildung am letzten Tag der Probezeit und fing am 1. Dezember wieder in "meinem" Restaurant an. Ich sag' euch, das war wie nach Hause kommen, auch wenn sich einiges verändert hatte. Es gab neue Kollegen, einen neuen Chef, eine neue Residenz, neue Mitbewohnerinnen. Aber es gab auch eine neue Chance für mich. Neues Spiel, neues Glück!

15.07.2009 um 21:21 Uhr

To zieh' or not to zieh'

Es steht eine Entscheidung an. Und ich Lusche drücke mich davor bzw. habe eigentlich nur Angst, Nägel mit Köpfen zu machen. Dabei ist es genau das, was ich ganz dringend tun sollte. Der Zeitpunkt ist richtig, geradezu perfekt, alles stimmt. Was hält mich zurück? Wovor habe ich solche Angst?

Gerade habe ich ein verlängertes Wochenende bei Garfield verbracht. Es war wirklich schön, wir haben sehr viel unternommen, hatten eine tolle Zeit zusammen. Es läuft gerade prima, richtig gut, zwischen uns. Und mir hat es bei ihm viel besser gefallen als im März, als ich das letzte Mal dort war. Im Sommer ist irgendwie alles schöner... Die Landschaft dort ist wirklich schön: dunkle Nadelwälder, Mais- und Weizenfelder, Hopfen, Berge, kleine Dörfer. Wenn man sich auf sie einlässt, sind auch die Leute sehr nett.  Sie können sogar so sprechen, dass man sie versteht! Und man hat alles was man braucht: es gibt ein schnuckliges kleines Kino im Nachbarort. Ganz alt, Familienbetrieb. Und ein Freibad. In der nächsten Stadt gibt es ein Outlet Shopping Village, eine schöne Innenstadt, Kinos, Bars, Schwimmbäder. Und zu IKEA sind es nur dreißig Minuten - ein spontanes Frühstück dort wäre also immer drin. Im Nachbarort ist ein ziemlich großer Reiterhof, ich wollte schon immer reiten lernen. Das wäre die Gelegenheit! Und die Wohnung... ich hätte so viele Ideen! Klar, man braucht für alles ein Auto, aber, kein Problem, mein Schatz hat zwei davon. Die Umgebung ist ideal, um einen Hund zu halten!

Warum ich das alles aufzähle? Klar, wir überlegen, ob ich zu ihm ziehen sollte. Mein Besuch gerade sollte uns in dieser Frage einen Schritt weiter bringen. Das hat er auch: ich könnte mir inzwischen vorstellen, dort zu leben. Allerdings zögere und zaudere ich immer noch. Immerhin sind wir erst seit sieben Monaten zusammen. Jan schwebt in meinem Hinterkopf... da waren's vier Monate. Zehn Wochen später war alles vorbei. Kann ein Mensch wirklich so blöd sein und denselben Fehler zweimal begehen? Ebend! Andererseits ist jetzt so vieles anders. Besser! Der Zeitpunkt ist einfach ideal: Ich muss sowieso hier weg, denn hier werde ich nie einen Job finden. Jedenfalls keinen, der meinem Studium gerecht wird. Genau jetzt ist der Zeitpunkt für einen Aufbruch, für einen Neuanfang. Einen Neuanfang mit Garfield? Irgendwoanders hinzugehen wäre einfach nur blöd. Unsere Situation würde sich verschlechtern, die Entfernung sich vergrößern, und meine Zeit sowieso knapper werden, so mit einem richtigen Job. Alles keine guten Bedingungen für eine Fernbeziehung. Auf der anderen Seite könnte ich alles so viel einfacher haben: ich ziehe zu Garfield, spare damit eine Menge Geld, finde dort einen Job, alle sind glücklich. Aber ist das nicht zu einfach? Sollte es wirklich so einfach sein?

Das Dumme ist, dass ich nicht wirklich weiß, was mich hindert. Klar, ein wenig Angst, dass es scheitern könnte, ist dabei. Und Angst davor, was "die Anderen" sagen werden. Immerhin bin ich schon einmal mit eingezogenem Schwanz zurückgekommen. Damals haben alle gesagt: "Zieh' nicht zu ihm. Es ist zu früh." Ich habe es trotzdem durchgezogen und bin gescheitert. Mit wehenden Fahnen ins Unglück gerast. Was, wenn es dieses Mal wieder so wird? Klar, Garfield ist ganz anders. Er versichert mir immer und immer wieder, dass es so nicht laufen wird. Und selbst wenn die Beziehung zerbricht, würde er mir helfen, mich woanders neu zu orientieren. Das hat er mir versprochen, heute am Telefon. Oh ja, er versucht, mich zu überreden. Er sagt zwar, das will er nicht, aber er tut es. Heute hat er auch das unschlagbare Hunde-Argument gebracht: "Wir könnten uns einen Hund zulegen...". Er weiß genau, dass ich gegen dieses Argument machtlos bin! Ich will ganz unbedingt ganz schnell einen eigenen Hund und zu zweit ist das natürlich viel einfacher zu organisieren.

Verdammt! Im Grunde steht meine Entscheidung ja auch schon. Als ich jetzt da war, habe ich mir schon vorgestellt, wie ich die Wohnung gestalten könnte. Wie mein Zeug sich in der Küche machen würde. Wo meine Pflanzen hinpassen würden. Und ja, der Gedanke, jeden Abend in den Armen dieses Mannes einzuschlafen und jeden Morgen genau so aufzuwachen, der ist mehr als verlockend. Ich weiß auch, dass wir gut miteinander klarkommen werden. Wir sind ein eingespieltes Team. Und ich habe auch keine Zweifel daran, dass ich mit Garfield zusammen sein möchte. Klar, manchmal habe ich noch Momente, in denen ich mich frage, ob es das jetzt wirklich ist. Aber hat die nicht jeder? Diese Momente hatte ich übrigens auch mit Jan. Was ich mit Jan allerdings nicht hatte, war dieses Gefühl. Wannimmer Garfield mich berührt, kribbelt es in meinem Bauch. Es ist ein wohliges, warmes, wunderbares Kribbeln. Ich glaube, die Entscheidung ist längst gefallen. Ich habe nur Angst davor, sie zu verkünden, es laut zu sagen: Ich ziehe zu Garfield. Ich baue mir bzw. uns dort ein Leben auf. Vielleicht habe ich Angst vor den Reaktionen, davor, dass ich Menschen überzeugen muss. Meine Familie, meine Freunde. Sie alle haben ja das Drama mit Jan erlebt. Und ich habe natürlich eine Riesenangst davor, endlich konkrete Schritte zu unternehmen. Ich bin so ein SCHISSER!

Ich lese zur Zeit viel bei Galahad und bin beeindruckt. Der hat damals einfach GEMACHT, ist einfach so mit dem Mann den er liebte nach Amerika gegangen. Ich wünschte, ich hätte diese Zuversicht, diese Sicherheit. Vielleicht sollte ich einfach springen, ich selbst, und nicht nur anderen dazu raten. Das wäre konsequent.

Eigentlich ist das keine Entscheidung, bei der ich auf andere Menschen hören sollte, aber spaßeshalber werde ich mal eine kleine Umfrage zu dem Thema erstellen.

Ich wünschte wirklich, ich würde morgen aufwachen, und wüßte, was ich tun soll. Heute am Telefon habe ich Garfield immerhin versprochen, dass meine Entscheidung steht, bis er das nächste Mal herkommt. Ich habe zehn Tage...

Oh man, es könnte alles so viel einfacher sein, wenn ich noch so naiv wäre, wie vor zwei Jahren.

08.07.2009 um 22:59 Uhr

Beziehungsfragen

Wir hatten da am Sonntag auf der Dachterrasse ein interessantes Thema, das mich nicht mehr so richtig loslässt. Irgendwie mache ich mir darüber Gedanken... Wir haben über eine Menge geredet: die überwiegend verzogenen Kinder von heute, die Schwierigkeit, jemanden zu finden, mit dem man sich eine Zukunft vorstellen kann (mit dem man also in den Kernbereichen d'accord ist: Kindererziehung, Lebensstandard, Reiseziele etc.), und natürlich über das Schusselchen. Kein Wunder, wenn ihr Ex, ihre Schwester und ihre beste Freundin zusammen sitzen. Unter anderem ging es darum, wie bzw. warum die Beziehung zwischen Schusselchen und A. zu Ende ging. Darüber habe ich zwar schon oft mit Schusselchen gesprochen, aber noch nie mit A. Zumindest aus ihrer Sicht kannte ich die Streitpunkte: ihr Chaos, das auf seine Ordnung prallte, und ihre Nachlässigkeit in Bezug auf sich selbst.

 

Es ist jetzt nicht so, dass das Schusselchen sich gehen lässt oder so. Sie hat nur keine Zeit und keine Nerven, sich ständig um ihr Äußeres zu sorgen. Zumindest war das in den letzten zwei Jahren so, in denen sie einen extrem nervenaufreibenden Job hatte. Auch so ein Streitpunkt: Er meinte, sie würde sich nur ausnutzen lassen. Irgendwo hatte er damit recht, aber er hätte es ihr nicht ständig auf's Brot schmieren müssen. Egal, zurück zum Äußerlichen. Schusselchen hatte einfach keine Zeit, ständig zur Kosmetikerin zu rennen. Oder ins Nagelstudio. Berufsbedingt sahen ihre Hände nunmal nicht toll aus, da hätte auch keine Maniküre geholfen. Mal abgesehen davon, dass lange Nägel sie bei der Arbeit behindert hätten. A. aber achtet auf sowas, oh ja! Er sieht Frauen auf die Hände, guckt, ob ihre Nägel gepflegt sind. Oder die Haare. Er achtet darauf, wie sie sich kleiden und schminken. Wenn wir zusammen weggehen, bin ich immer wieder überrascht, wie genau A. da auf Kleinigkeiten achtet. Ich ziehe ihn immer damit auf, aber er behauptet, solche Sachen würden jedem Mann auffallen. Das kann ich zwar nicht so ganz glauben, aber es ist schön, dass man mit A., dank dieser Eigenschaft, immer wunderbar lästern kann. Ein Blick, eine Geste, und er weiß, was Sache ist. Er hat aber auch immer Verbesserungsvorschläge: Gefällt ihm bei einer Frau das Oberteil, aber die Hose nicht, weiß er sofort, wie es besser aussehen könnte. Irgendwie unheimlich. Und anstrengend! Jedes Mal, wenn wir weggehen und ich weiß, dass A. dabei sein wird, gebe ich mir extra viel Mühe mit meinem Äußeren. Obwohl ich nichts von ihm will, ist es mir wichtig. Und jetzt kommt das Schusselchen: ihr schien das egal zu sein. Ich fand es irgendwie süss, dass A. Schusselchen ein Glätteisen geschenkt hat oder seine Friseurin um Rat wegen ihrer glanzlosen Haare fragte. Auf eine Art fand Schusselchen das bestimmt auch nett, aber irgendwie kam es ja auch immer als Kritik an ihr rüber. Und darauf reagierte sie, vor allem während dieser schwierigen Zeit im Job, extrem allergisch. Da krachte es öfter mal ganz gewaltig. Ich frage mich jetzt natürlich, warum Schusselchen sich da nicht ein bißchen mehr Mühe gab? Wollte sie die Beziehung an die Wand fahren? Ich hätte mich an ihrer Stelle ein bißchen bemüht, einfach, um dem Mann, den ich liebe, zu gefallen. Nehmen wir mal das Beispiel, das A. nannte: Röcke. Wie wohl alle Männer, liebt A. Frauen in Röcken bzw. Kleidern. Schusselchen aber ist so von Selbstzweifeln geplagt (oder kokettiert damit?), dass sie eigentlich fast nie sowas anzieht. Obwohl sie weiß, dass A. das lieben würde. Ab und zu zieht sie schon Röcke an, aber im Grunde betont sie immer wieder, dass ihre Beine nicht zur Schau gestellt werden sollten. Wie wohl jede Frau, hat sie da ziemliche Minderwertigkeitskomplexe. Dabei hat sie eine tolle Figur! Und sie trug auch eine zeitlang oft Röcke. Das meinte ich auch zu A. Seine Antwort war, dass sie in genau der Zeit sowas anzog, als die beiden getrennt waren und sie ihn wiederhaben wollte. Schusselchen weiß also sehr wohl ihre weiblichen Reize einzusetzen und hat dies auch getan, berechnend. Aber kaum hatte sie A. wieder, hörte das auf. Warum nur? Sollte sie nicht, wenn sie ihn liebt, alles tun, um ihm zu gefallen? Das klingt jetzt vielleicht sehr nach "Heimchen-am-Herd", aber ICH mache Garfield in dieser Hinsicht schon gern eine Freude. Ich weiß, dass er mich in Röcken mag, also ziehe ich die vermehrt an, wenn wir zusammen sind. Einfach, um ihm eine Freude zu bereiten. Natürlich sind auch meine Beine alles andere als perfekt, aber Garfield lässt mich das vergessen. Er gibt mir das Gefühll, im Rock wäre ich die schönste Frau der Welt. Natürlich weiß ich, dass das nicht stimmt, aber es pusht das Selbstbewußtsein ungemein. Hat A. es denn nie geschafft, Schusselchen dieses Gefühl zu geben? Hat er sich überhaupt bemüht? Oder immer nur kritisiert? Mal ehrlich, da stimmt doch von beiden Seiten etwas nicht: Der eine versucht dem anderen absichtlich nicht zu gefallen und der andere kritisiert nur rum. Langsam frage ich mich, wie die beiden es überhaupt so lange miteinander ausgehalten haben... Dabei geht es ja gar nicht darum, sich zu verbiegen, nur um dem Partner zu gefallen. Aber mal einen Rock anzuziehen, ist doch nun wirklich keine große Sache. Vor allem, wenn man es bei den Freundinnen tut. Und wenn man dem Partner auf diese Weise eine kleine Freude machen kann, ist das doch schön. Und so einfach! Warum war Schusselchen das nicht klar? Oder wußte sie es und hat sich absichtlich so ablehnend verhalten? War das ihre Art, sich gegen diese Beziehung zu wehren? Oh man, ich bin keine Psychologin und irgendwie wird das hier gerade alles ganz wirr.

 

Nur eins noch: A. hat Schusselchen mal ein Kleid gekauft. Das hat er uns Sonntag erzählt. Und er klang ziemlich verletzt, als er meinte, sie hätte es nie angehabt. WIESO hat sie denn nur sowas Dummes getan? Ich bin sicher, das Kleid sieht toll aus an ihr, sonst hätte A. es nicht gekauft! Warum nur hat sie es dann nie angezogen? Also ICH werde das Kleid, welches mir Garfield neulich gekauft hat, anziehen. In drei Wochen beim Stadtfest. Und ich werde es genießen, jedem, der eine Bemerkung zu dem Kleid macht, zu erzählen, wer es mir geschenkt hat. Garfield wird daneben stehen, es wird ihm irgendwie peinlich sein, aber zugleich wird er seeehr stolz sein. Und das wiederum wird mich freuen. So funktioniert das doch in einer Beziehung, oder? Geben und Nehmen. Der Versuch, für den anderen attraktiv zu sein und zu bleiben, gehört da doch auch dazu, oder?

05.07.2009 um 19:38 Uhr

Dresden

Hach, ein herrliches Wochenende liegt hinter mir, ausnahmsweise mal ohne Garfield. Ich war in Dresden! Ich gebe zu, ich hatte Vorbehalte gegen diese Stadt. Besser als Berlin - zum Weggehen? Niemals! Meine Geschwister schwärmen ja schon seit einiger Zeit... Aber ich blieb skeptisch. Gestern nun konnte ich mir mal selbst ein Bild machen.

Das Schusselchen ist ja nun heute gen Österreich aufgebrochen. SCHNIEF! Da ihr Ex seit kurzem in Dresden wohnt und von seiner tollen Wohnung schwärmt, haben wir den Abschiedsabend kurzerhand dorthin gelegt. Für das Schusselchen hieß das zwar, dass die Strecke heute kürzer ist, dafür musste sie aber schon gestern alles gepackt haben. Das Auto war wirklich voll! Wir drei Mädels (Ihre Schwester war auch noch dabei.) haben noch mit Mühe reingepasst - sozusagen passgenau. Mr. Ex hat also in seiner schicken Wohnung auf die vier Besucher (Einer kam separat angereist.) gewartet, um dann ein bißchen anzugeben. Ja, die Wohnung ist toll! Man wird neidisch. Großzügig, hell, toller Blick über die Stadt, gleich an der Elbe, über zwei Etagen, nur zehn Minuten zu Fuß zur Frauenkirche und eine Dachterrasse. Und... bezahlbar!Was will man mehr? 

Wir waren dann gestern erst beim Spanier essen, was sehr lecker war, und dann noch in so 'nem Beachclub. War auch sehr schön, nur die Musik lud nicht so zum Tanzen ein. Naja, wir haben eh' nur gequasselt. Man hat sich ja viel zu erzählen, wenn man sich so selten sieht. Und in Zukunft noch seltener... Jedenfalls war es ein richtig schöner Abend, sehr entspannt, sehr chillig. Schon auf dem Hinweg haben wir gleich zwei Junggesell(inn)enabschiedsgruppen getroffen. Zuerst ein paar Mädels - da hat Mr. Ex ein Stück Seife gewonnen, dann ein paar Jungs - nein, es war nicht der passende Bräutigam. Dort gab es Schokolade. Das alles landete in meiner Handtasche... Fehlte nur noch Kaffee, und die Tasche hätte gerochen wie ein "Intershop". Die beiden Gruppen waren sicher schon ordentlich "betankt" und dementsprechend gesprächig. Es gab sogar ein Erinnerungsfoto. Unser Fazit des Abends: die Dresdener sind sehr nett und die Stadt hat einiges zu bieten. Im Gegensatz zu Berlin ist es natürlich viel übersichtlicher und weniger weitläufig und... die Barkeeper sind netter! In Berlin (und auch hier bei uns) wird man meist ziemlich unfreundlich behandelt, so, als würde man den Barkeeper stören. Aber dort... Richtig nett! Großes Lob also an die Stadt, ich denke, da könnte ich mich auch 'ne Weile wohl fühlen.

Nach einer fast komplett durchwachten Nacht haben wir dann heute morgen schön auf der Terrasse gefrühstückt, das Schusselchen verabschiedet und dann noch stundenlang gequatscht, bevor wir auch aufgebrochen sind. Wirklich ein richtig schönes Wochenende!

02.07.2009 um 15:13 Uhr

Stolz!

Man, ich muss mich jetzt mal selbst loben! Ich habe gerade ganz allein, also vollkommen ohne männliche Hilfe, mein Fahrrad repariert. Und das nur einen Tag nachdem es kaputtgegangen ist. Gestern, nach der Arbeit, hatte ich einen Platten und musste den ganzen Weg nach Hause laufen. War das ätzend, bei der Hitze! Und heute schon ist das Problem fachmännisch behoben. Ich bin soooo stolz! Immerhin war es mit Aufwand verbunden: runtergehen, Fahrrad in den Keller tragen, Rad ausbauen (War gar nicht so einfach, aber ich war ja im Urlaub in der Phänomenta und habe was über Hebelwirkung gelernt - das konnte ich beim Lösen der Muttern gleich umsetzen. Von wegen, Frauen und Naturwissenschaften...!), Schlauch rauszerren, Reifen und Schlauch nach oben tragen, in der Wanne nach dem Loch suchen, entscheiden, ob man flicken kann oder ein neuer Schlauch her muss, neuen Schlauch kaufen gehen, Rad wieder einbauen. Obwohl ich so gerne aufschiebe, habe ich das alles heute schon erledigt. Ob das Rad jetzt wieder richtig fährt? Ich hätte es gern gleich ausprobiert, indem ich zum See fahre. Bei der Hitze wollte ich gern eine Runde planschen und mich dann mit einer Klatschzeitung an den Strand legen. Aber das Wetter hatte mal wieder was dagegen - es donnert seit einer halben Stunde lautstark vor sich hin. Also werde ich mich wohl Wichtigerem widmen und endlich mal nach Jobs gucken. Wo ich doch heute so voller Tatendrang bin. Aber vorher muss ich noch was Lustiges erzählen, was ich gestern erlebt habe:

Ich war während der Arbeitszeit kurz im Buchladen, um nach einer Hochzeitskarte zu suchen. Der Kartenständer befand sich genau neben der Kasse bzw. dem Info-Tischchen. Darauf stand ein Computer. Vor dem Computer standen zwei ratlose Verkäuferinnen, Wörterbuch in der Hand, und versuchten wohl, das Programm zu kapieren. Die eine meinte: "Und dann drücke ich da rauf?" Die andere: "Ja." "Und was heißt select all?" Die andere fing an, hektisch in ihrem Wörterbuch zu blättern, meinte vorher aber noch: "Das heißt alle ordnen." Ich habe mich innerlich fast bepisst vor Lachen, hatte dann aber Mitleid und sagte: "Select heißt auswählen." Die beiden Damen schauten mich entgeistert an, stammelten ein Danke, blätterten aber weiter im Wörterbuch. Wahrscheinlich trauten sie mir nicht... Und peinlich war es ihnen auch noch. Vielleicht hätten sie mir eher vertraut, wenn ich ihnen gesagt hätte, dass ich das studiert habe. Ich ging dann, hätte aber gern gewußt, wie das noch weiterging. Zum Glück war das ein BUCHladen, so dass wenigstens Wörterbücher in Massen vorhanden waren. Stellt euch vor, die beiden wären in einem Baumarkt gewesen? Ich will ja eigentlich gar nicht über Menschen lästern, die kein Englisch können, aber mal ehrlich! Das Wort "selektieren" gibt's doch auch im Deutschen! Hätte man da nicht drauf kommen können???