Bilanzen... (Komisches Wort, wenn man es so geschrieben sieht!)
Ich bin in Bilanzierlaune. Liegt vielleicht daran, dass mein Blog vor kurzem seinen ersten Geburtstag feiern durfte. Oder daran, dass ich gestern meine alten Kalender wiedergefunden und vorm Wegwerfen nochmal durchgeblättert habe.
Fazit:
2007 war ein tolles Jahr, ein Knaller. Fing schon richtig gut an mit dem Shakira-Konzert im Januar. Wahnsinn! Das Frühjahr nutzte ich, um endlich die erste Hälfte meiner Prüfungen durchzuziehen. Im Juli dann der wirklich schöne Abiball meines Bruders. Ende Juli dieses Musikfest, wo ich ein paar nette Menschen wiedergetroffen habe. Anfang August dann das Heimatfest, wo ich Jan zum zweiten Mal traf und mich verknallte. Den Rest des Monats verbrachten wir damit, zusammenzukommen. Und uns heftig zu verlieben. Im September dann die Hochzeit meines Cousins in Paris. War das schön! Im Oktober und Dezember die letzten Prüfungen - endlich durch! Daneben natürlich herrlich verkuschelte Wochenenden zu zweit. Weihnachten mit seiner Familie. Und an Silvester: offizieller Umzug nach Berlin, zu ihm. Was für ein Jahr!
2008 war ein beschissenes Jahr, auch wenn es vielversprechend begann. Die Silvesterparty mit seinen Freunden war überraschend langweilig, dafür hatten wir am nächsten Morgen Sex während unser Übernachtungsgast duschte. Das hatte schon was. Und nachmittags nochmal. Zweimal an einem Tag, das war ungewöhnlich. Tja, rückblickend betrachtet lief es mit Jan wohl nicht so gut... Die ersten gemeinsamen Tage in Berlin waren schön, aber dann ging es bergab. Langsam, aber stetig. Keine gemeinsamen Unternehmungen mehr, immer weniger Sex, kaum Interesse seinerseits an meinen Belangen. Und mit der Abschlussarbeit ging es überhaupt nicht voran. Dann der Rauswurf im Februar, kurz nachdem ich einen neuen Job angefangen hatte. Offensichtlich merkte er, dass es mir ernst war, dass ich bleiben wollte. Und im März die Trennung. Mein blitzartiger Umzug zurück zu den Eltern. Die schwärzeste Zeit des Jahres. Aber irgendwie auch wieder gut, denn ich lernte meine Freunde von der besten Seite kennen und wir feierten richtig tolle Parties. Nachdem ich mich wieder etwas gefangen hatte, Wohnungs- und Jobsuche. Nebenbei begann ich eine lockere Affäre mit meinem Ex - falsch, falscher, am falschesten! Nach außen hin fing ich von vorne an: suchte und fand eine eigene Wohnung, richtete sie ein, suchte und fand einen neuen Nebenjob, lebte mein Leben. Doch innerlich war ich ein emotionales Wrack, immer kurz vor'm Abgrund, mit nur einem Ziel: den Ex zurückzugewinnen. Wir trafen uns im April, im Mai, im Juni. Ich machte mir Hoffnungen. Dann beendete er die Sache. Das Jahr plätscherte so dahin, während ich mich in meinem Unglück suhlte. Die Abschlussarbeit lag irgendwie brach, obwohl ich mich immer mal wieder dransetzte. Im August sahen wir uns das letzte Mal, von da an ging's bergauf. Ich fand einen besseren Nebenjob - meinen alten. Den, mit dem ich relativ glücklich war. Ich liebte meine kleine Wohnung. Ich machte mich auf die Suche nach einem neuen Mann. Nach zwei Fehlgriffen im August und September dann der Glückstreffer im Oktober. Wochenlang endlose Telefonate, dann im Dezember das erste Treffen. Lief nicht so toll, das Jahr bestätigte mir, was ich schon ahnte: Es lief beschissen. Zum Ende hin gab es aber nochmal alles und bescherte mir eine aufkeimende Beziehung und eine fantastische Silvesterparty mit meinen Freundinnen.
2009 wird mir wohl immer als das "schnelle Jahr" in Erinnerung bleiben, weil es wie im Flug verging. Die ersten Monate rasten nur so dahin, denn die Abschlussarbeit lag in den letzten Zügen. Außerdem hatte ich regelmäßig Besuch von meinem Liebsten. Alles lief wie am Schnürchen, von Anfang an. Und es wurden Dinge realisiert, die ich mir mit meinem Ex gewünscht hatte: eine schöne gemeinsame Geburtstagsparty mit der Familie, gemeinsamer Urlaub, Familienfeiern. Und jetzt das Zusammenziehen - läuft auch alles wie geplant. Manchmal denke ich, irgendwann muss mal was schief laufen. So viel Dusel, das geht nicht. Gut, das Abschlusszeugnis lässt auf sich warten, weil der Prof nicht aus dem Knick kommt. Und die Jobsuche gestaltet sich auch schwieriger als gedacht. Aber so richtige Katastrophen blieben bisher aus. Wenn es so gut läuft, muss irgendwann der Schlag kommen, der einen auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Andererseits denke ich mir auch, dass ich dieses Glück irgendwie verdient habe. Nachdem letztes Jahr alles schief ging, will mich 2009 trösten und belohnen. Nun, ich rechne jedenfalls mit dem Schlimmsten. Dann bin ich vorbereitet, wenn es dicke kommt.
Und mein Blog ist nun auch schon ein Jahr alt. Wie die Zeit vergeht! Als ich es damals angefangen habe, war ich eine deprimierte, einsame, frustrierte Frau. Einsam, weil mich mein Freund verlassen hatte. Deprimiert, weil ich das für das größte Unglück hielt, das mir nur zustoßen konnte. Und frustriert, weil er schon eine neue Freundin hatte. Dabei hatte ich bis ich das erfuhr nur ein Ziel gehabt: ihn zurückzugewinnen. Ich war mir ganz sicher, dass er mich lieben würde, es nur noch nicht wüßte. Ich war einfach fest davon überzeugt, dass er irgendwo falsch abgebogen war und ich ihn nur wieder auf den richtigen Weg zurückbringen musste. Und dann hatte der Kerl einfach eine Andere! Ich war am Boden zerstört, verlor mein Ziel aber nicht völlig aus den Augen. Was war ich doch dumm! Heute ist mir das so peinlich, wie ich mich damals aufgeführt habe! Das Blog war so ein bißchen der Startpunkt für ein neues Leben. Ich wollte unbedingt einen neuen Mann finden, ich wollte wieder glücklich sein. Wahrscheinlich wollte ich aber einfach nur gleichziehen und meinem Ex zeigen, dass ich auch kann, was er kann. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich das schaffe, ich hätte ihn ausgelacht. Nie im Leben habe ich an meine "Mission Prinz" wirklich geglaubt. Und trotzdem ging der Plan irgendwie auf. Ich bekam nicht den Mann den ich woltte, aber dafür das Beste, was mir überhaupt passieren konnte. Einen Mann, der mich wirklich liebt, mich unterstützt, mir auch mal in den Allerwertesten tritt wenn's sein muss. Einen Mann, der von Heirat und Kindern spricht und es auch so meint. Einen, der perfekt zu mir passt, in jeder Hinsicht. Der mich fordert und fördert. Der meine Liebe zum Familienleben mitmacht. Der mich nach Strich und Faden verwöhnt und dabei nicht unterwürfig wird. Der mir immer das Gefühl gibt, die absolut begehrenswerteste Frau der Welt zu sein. Der bei einem Streit nicht den Kopf einzieht und wegläuft, sondern das ausdiskutiert. Und dabei nie die Beziehung in Frage stellt. Daran muss ich mich noch gewöhnen, denn ich befürchte bei jedem Streit ernsthaft, Garfield könnte Schluss machen. Ich habe eben einen Schaden. Dass ich jetzt sogar zu diesem Mann ziehe! Vor einem Jahr undenkbar! Nie wieder wollte ich diesen Fehler machen. Und jetzt? Nicht alle Vorbehalte sind weg. Immer, wenn wir zusammen Kisten ein- oder auspacken warte ich auf den Moment, in dem Garfield merkt, dass er einen Fehler macht. Bisher kam er nicht und ich werde immer optimistischer, dass das wirklich alles so klappt wie geplant. In diesem Sinne also "mission accomplished"? Sollte ich mein Blog umbenennen?
Natürlich gibt es auch Dinge, die sich nicht positiv verändert haben. Hätte ich vor einem Jahr gedacht, dass ich in zwölf Monaten noch im Schmuckladen arbeiten werde? Dass ich kein Abschlusszeugnis und deshalb keinen richtigen Job habe? Dass ich auf Kosten des Staates leben muss, und das schon seit Monaten? Dass ich immer noch nicht so richtig weiß, wo es beruflich hingehen soll? Das ist deprimierend. Aber Stagnation ist vielleicht besser als eine Verschlechterung. Und immerhin habe ich das gute Gefühl, dass es jetzt losgeht. Mit dem Umzug wird sich etwas ändern, in jeder Hinsicht. Vielleicht ist das dieses Mal das Startsignal und ich sollte mein Blog in "Mission Job" umbenennen?
