Mission Prinz

29.10.2009 um 10:15 Uhr

Es war einmal...

... ein junger Mann aus Bayern. Er war schon seit einiger Zeit Single und sehnte sich nach einer Freundin, deshalb meldete er sich schließlich bei einer Online-Single-Börse an. Die Wahl fiel ihm nicht schwer, denn das Internet in der Firma ließ nur eine einzige dieser Single-Börsen durch. Es war die einer Studentenzeitschrift. Der junge Mann gab an, dass ihm nur Damen aus seiner näheren Umgebung gezeigt werden sollen, doch das Programm machte einen Fehler: Ganz oben in der Liste stand das Profil einer jungen Dame aus dem tiefsten Osten. Bevor der junge Mann den Fehler bemerkte, hatte er sich schon in die Dame verguckt. Das Profil sprach ihn sehr an und er erlag dem Irrtum, ihre Heimatstadt wäre gar nicht "so weit weg". Heute vor genau einem Jahr fasste er sich also ein Herz und schrieb ihr eine erste Mail.

Die junge Dame hatte sich zwei Monate eher in der Single-Börse angemeldet. Aus dem Wust der Angebote hatte sie sich rein zufällig diese eine herausgepickt. Sie hatte sich auch schon mit zwei Männern getroffen und war nun ziemlich frustriert. Beide Männer hatten sich als Nieten entpuppt. Der erste sofort, der andere erst nach intensiverem und zeitaufwendigem Kontakt. Die junge Dame zweifelte langsam an ihrer "Mission Prinz" und wollte sich in der Single-Börse abmelden. Da allerdings flatterte die Mail des jungen Mannes aus Bayern in ihren Briefkasten. Sie war alles andere als begeistert, war dies doch ein Grund, sich nicht abzumelden. Aus lauter Höflichkeit antwortete sie dem jungen Mann, allerdings ziemlich unfreundlich. Sie legte ihren ganzen Frust über die bisherigen Misserfolge in die Mail.

Der junge Mann erhielt die rotzige Mail der jungen Dame und... konterte. Er ließ sich nicht abschrecken, dafür erschien ihm das Profil zu interessant. Er schrieb zurück, erzählte mehr von sich, packte ein Foto dazu. Das war vor genau einem Jahr. Die junge Frau öffnete seine zweite Mail und war begeistert. Was er schrieb, sprach sie an. Und sein Foto gefiel ihr ausgesprochen gut. Vergessen waren die anderen Männer, sie war hin und weg. Das Kennenlernen konnte beginnen...

Heute, ein Jahr später, wohnen die junge Frau und der junge Mann seit etwa einem Monat theoretisch zusammen. "Theoretisch", weil die junge Frau immer noch ihre eigene Wohnung hatte und sich das Zusammenwohnen für sie deshalb mehr wie Urlaub anfühlte. Heute nun wird dieser Zustand beendet, denn die junge Frau trennt sich endgültig von ihren eigenen vier Wänden. Heute ist die Übergabe, dann gibt es keinen Plan B mehr. Dann MUSS es klappen, das Zusammenwohnen.

Zugegeben, die junge Frau ist etwas melancholisch. Sie liebt ihre eigene kleine Wohnung und wird sie vermissen. Dort hat sie letztes Jahr nach der schlimmen Trennung von ihrem Ex ihre Wunden geleckt. Dort hat sie ein neues Leben begonnen. Dort war sie manchmal einsam, hat das Alleinsein aber auch genossen. Sie hat sich kreativ ausgelebt und sich ein schönes Heim geschaffen. Sie hat ab und zu Freunde empfangen, einmal sogar ihren Ex. Dort hat sie ihn das letzte Mal gesehen. In dieser Wohnung hat sie aber auch den jungen Mann zum ersten Mal getroffen. Dort haben sie ihre erste gemeinsame Nacht verbracht. Der erste Kuss, der erste Sex, der erste Streit, die berühmten drei Worte... Alles hat sich in diesen vier Wänden abgespielt. Nur anderthalb Jahre hat die junge Frau dort gewohnt, und trotzdem ist der Ort angefüllt mit Erinnerungen. Natürlich freut sie sich auf den neuen Lebensabschnitt, aber ein bißchen Wehmut ist dabei. Sie wird sich nachher mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden. Und sie hält es für ein ziemlich gutes Zeichen, dass dies auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten Kontakt passiert.

22.10.2009 um 13:43 Uhr

Es gibt so Tage...

Eigentlich wollte ich darüber schreiben, dass es jetzt ernst wird. Heute abend wollten wir zum Vermieter um den neuen Mietvertrag zu unterschreiben. Da stehe ich auch drin. Dann wäre es richtig offiziell gewesen und würde sich nicht mehr wie Urlaub anfühlen. Eben hat aber die Vermieterin geklingelt und mir eröffnet, dass das heute abend nix wird. Erstens ist der Vertrag noch nicht da (Der Anwalt oder Notar, der sich darum kümmert, scheint eine Bummelliese zu sein) und zweitens können die beiden heute abend nicht. Naja, dann dauert es eben noch etwas. Nächste Woche bin ich bis Freitag nicht da, also wird es dann wohl auch nicht. Dafür übergebe ich Donnerstag meine Wohnung, dann fühlt sich das alles auch schon endgültiger und realer an. Mal gucken.

Heute ist Garfield wieder arbeiten. Endlich! Nein, es war schon okay, aber auf Dauer sollten wir nicht gleichzeitig zu Hause rumhängen. Da entstehen doch ein paar sinnlose Streitereien. Das liegt momentan aber an mir. Meine Hormone spielen irgendwie verrückt, mich nervt alles, ich bin nah am Wasser gebaut, habe keine Lust auf Sex - PMS von der schlimmsten Sorte. Dabei habe ich das sonst fast nie, und schon gar nicht mehrere Tage lang. Und das, wo ich noch nicht mal einen Eisprung hatte! Der kommt auch nicht mehr, da bin ich mir mittlerweile sicher (und verliere damit eine Wette. Muss Garfield jetzt zum Italiener ausführen.). Sch...Zyklus! Aber zurück zu den Streitereien:

Freitag war ich ja schon den ganzen Tag irgendwie bedrückt und nachdenklich. Als Garfield nach Hause kam, war er komisch - in meinen Augen. So ruhig. Natürlich ging ich sofort davon aus, dass es an mir lag und er vielleicht die Nase voll hatte von meiner ständigen Anwesenheit. Ich hätte heulen können. Dann waren wir zusammen einkaufen. Garfield ärgerte mich die ganze Zeit. Normalerweise liebe ich es, wenn wir uns gegenseitig necken und sticheln. Aber an dem Tag kam das gar nicht gut bei mir an. Leider reagierte Garfield auf meine Bitte aufzuhören, mit noch mehr Sticheleien. ER fand das lustig, ICH habe fast geheult. Im Supermarkt! Ich war dementsprechend sauer, als wir nach Hause kamen und verkroch mich erstmal. Dann kam das klärende Gespräch. Wir sprachen über meine schlechte Laune, über Garfields Sticheleien, die manchmal einfach nicht angebracht sind, über meine Zweifel an unserer gemeinsamen Zukunft, über die Kinderfrage. Dafür zumindest fanden wir eine Lösung: wir haben uns eine Frist gesetzt. Wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt keinen Job gefunden habe, ziehen wir die Familienplanung vor. So haben wir ein gutes halbes Jahr gewonnen, in dem wir über diese Sache nicht mehr nachzudenken brauchen. Der Hund ist gesetzt, Garfield will das genauso wie ich. Sobald es mit dem Vermieter geklärt ist, gucken wir. Naja, geguckt haben wir schonmal - nach Tierheimen in der Nähe. Da war erstmal nix für uns dabei. Aber wir lassen es langsam angehen. Und Garfield hat versprochen, nicht mehr zu sticheln, wenn ich nicht in Stichellaune bin.

Das Wochenende war schön, der Montag auch, aber Dienstag kam der nächste Knall. Meine Laune war nicht besonders und wir hatten eine Menge vor. (Das ist so nervig, weil ich normalerweise überhaupt nicht launisch bin!) Wir sind früh aufgestanden und waren zuerst im Rathaus. Ich habe mich angemeldet, Garfield hatte auch einiges zu erledigen. Danach ging's weiter zum Arbeitsamt. Das fanden wir nicht auf Anhieb, weil ich mir die Adresse nicht gemerkt hatte. Ich hatte mir den Weg bei maps angeguckt und war der Meinung gewesen, dass es ganz einfach zu finden ist. War natürlich nicht so, wir mussten etwas suchen. Garfield stichelte schon wieder. Klar, ich weiß ja, dass er nur Spass macht, aber manchmal macht es mich trotzdem fertig. An dem Tag war das wieder so. Danach mussten wir noch einkaufen, wobei Garfield sich als mehr als nutzlos erwies. Er schlurfte hinter mir her und ließ mich alles entscheiden. Ich hasse sowas! Ich will mir nicht ständig Gedanken darüber machen müssen, was wir nun wann essen. Ich will, dass auch von Garfield Vorschläge kommen. Aber nein, der Herr hatte nichts besseres zu tun, als auf meine Vorschläge mit gespielter Maulerei zu reagieren. Ich war auf 180! Ich sagte ihm, dass ich nur eine einzige vernünftige Antwort von ihm möchte, er aber verstand das als Reaktion auf seine Neckereien. Quasi gespielte Empörung meinerseits. Bei mir war aber nix gespielt, ich WAR tatsächlich sauer. Dann kamen noch die Bemerkungen über seinen Geburtstag. Der Mann hasst Geburtstage, vor allem seinen eigenen. Das hat er schon öfter erwähnt, ich hielt es aber für gespielte Bescheidenheit oder sowas. Jedenfalls nahm ich ihn nicht ernst und bereitete fleißig vor. Natürlich machte ich Anspielungen, um bei ihm die Spannung zu erhöhen. Leider reagierte er auf meine Anspielungen immer negativ: Er will nix. Er will den Tag am liebsten ignorieren. Er hat keine Lust darauf. Wenn man selbst so viel Spass an Geburtstagen hat,  machen einen solche Aussagen aggressiv. Immerhin steckte ich mitten in den liebevollen Vorbereitungen und setzte alles daran, ihm einen tollen Tag zu machen. Und dann kommen von ihm nur so negative Aussagen! Nach dem Einkaufen kotzte ich mich also mal aus: ich sprach die Geburtstagssache an und bat Garfield darum, einfach mal abzuwarten und mir die Freude zu lassen. Ich bat ihn auch darum, Rücksicht zu nehmen und nicht noch mehr zu sticheln, wenn ich nicht dazu in Stimmung bin. Natürlich machte ich den Fehler, zu verallgemeinern. Ich meinte, er würde sich NIE aktiv am Einkauf beteiligen. Liest man ja überall, dass man sowas nicht tun sollte. Garfield sprang auch sofort darauf an und war sauer. Ich nahm die Verallgemeinerung zurück, er entschuldigte sich für seine mangelnde Sensibilität, alles war wieder gut.

So richtig war es das aber nicht, denn die schlechte Stimmung blieb. Ich hatte den Eindruck, Garfield würde mich weniger beachten, seltener anfassen und umarmen. Wir redeten an dem Tag nicht mehr viel miteinander. Beim abendlichen Spaziergang hatten wir dann noch eine hitzige Diskussion über Sinn und Unsinn unserer jeweiligen Studienfächer, wobei ich mich gleich angegriffen fühlte und Garfields Aussagen falsch interpretierte. Irgendwie lief an dem Tag alles schief. Zum Glück suchte Garfield das Gespräch, kaum das wir wieder zu Hause waren. Am Ende kam heraus, dass wir uns wieder mal völlig missverstanden hatten. Jeder dachte, der andere wäre irgendwie sauer. Und jeder wartete darauf, dass der andere ihn mal umarmt. Blöd, echt! Manchmal benehmen wir uns schlimmer als Kindergartenkinder. Aber immerhin kriegen wir es jedesmal wieder hin.

Gestern hatten wir dafür einen richtig schönen Tag. Wir haben ausgeschlafen, waren spazieren (Wobei der Spaziergang in einer dreieinhalbstündige Wanderung ausartete!) und kochten zusammen. Mit meinem Geschenk lag ich goldrichtig, Garfield hat sich sehr gefreut. Und seinen Meister gefunden! Dieser Mann wird wohl nie wieder sagen, dass ihm nichts zu scharf sein kann! 

19.10.2009 um 11:18 Uhr

Hilfe!

Hurra, ich habe einen kranken Mann zuhause!

Heute morgen nach dem Aufwachen ging es dem Herrn überhaupt nicht gut. Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen. Vorhin habe ich ihn zum Arzt gefahren, damit er krank geschrieben wird. Allein wollte ich ihn nicht fahren lassen, immerhin hatte er schon Probleme mit dem Geradeauslaufen. Wenn Männer krank sind... An sich finde ich es gut, dass er zu Hause ist. So können wir morgen zusammen ein paar Ämter beehren (Und den Baumarkt! Ich will doch die Küche streichen, die Farbe aber nicht allein aussuchen.) und heute nachmittag einen schönen Spaziergang im Wald machen. Mal gucken, vielleicht sehe ich ja ein paar Pilze. Andererseits habe ich Garfield jetzt drei Tage am Hals. Wann bitte schön, soll ich sein Geschenk fertigmachen? Und das Chilli am Mittwoch sollte doch eine Überraschung sein! Blödes timing, echt! Ich muss ihn dann irgendwie aus dem Haus bekommen, aber wie? Erstmal werde ich jedenfalls die Krankenschwester in mir voll ausleben. Und das ist jetzt nicht versaut gemeint! Ich werde Garfield zwingen, Fencheltee zu trinken - Kanne ist schon gekocht! - und ihm nur Zwieback geben. Während ich mir den Rest Cannelloni schmecken lasse. Böse, böse. Aber vielleicht geht er dann Mittwoch freiwillig wieder arbeiten ;-)

Und noch ein guter Rat für alle, denen ihre Nerven lieb sind: Niemals, wirklich N-I-E-M-A-L-S, Samstag zu I*K*E*A fahren! Und schon gar nicht bei Sauwetter. Und erst recht nicht dort frühstücken! Ich glaube ja, mit uns war ganz Bayern am Samstag dort. Und ganz Bayern wollte "nur mal gucken" und verlor dabei völlig die Orientierung. Man schlich also durch die Gänge, blieb abrupt stehen, blockierte im Restaurant die Tische und Theken, brauchte ewig zum Bezahlen... Ein Alptraum! Aber immerhin haben wir alles bekommen und die Wohnung sieht schon wieder etwas wohnlicher aus. 

16.10.2009 um 13:49 Uhr

Trübsal

Hach, ich bin deprimiert. Gestern und heute hat mir mein Liebster mal wieder in den Allerwertesten getreten. Wegen der Jobsuche. Ich brauche das ab und an, bin nämlich sehr gut im Verdrängen wichtiger Sachen. Da es meinem Kopf heute besser geht, habe ich nun also mal geguckt. So, wie Garfield es vorgeschlagen hat: Ort eingeben, 50km Umkreis, keinen speziellen Beruf hinschreiben. Ergebnisse gab es ja. Aber eben nix für mich. Ich habe mich durch ungefähr 500 Stellenanzeigen gelesen und NICHTS gefunden. Die Versicherungsbranche sucht, das ist aber nun nicht gerade meins. Und Handwerker werden auch gesucht. Leider kann ich weder Fliesen legen noch malern oder mauern. Warum gibt es denn bloß nichts in meinem Bereich? Warum habe ich sowas Dummes studiert? Ist das wirklich noch die vielbeschworene Krise oder werde ich nie nichts finden? Zum K***, das alles.

Da stellt sich die Frage, ob man die Zeit nicht sinnvoll nutzen sollte. Zum Kinderkriegen etwa. Wenn ich jetzt wüßte, dass ich sowieso ein Jahr nix finde... Aber man weiß es eben nicht vorher. Und überhaupt ist das ein schwieriges Thema. Wir hatten die Diskussion erst letztens.

Prinzipiell wollen wir beide. Ja, er auch. Und wir wollen beide unser erstes Kind bevor wir 30 sind. Allerdings ist Garfield ein halbes Jahr jünger als ich und ich habe bis zu meinem 30. nur noch anderthalb Jahre Zeit. Sooo lange können wir uns also nicht mehr Zeit lassen. Weil Garfield in dieser Beziehung risikobereiter ist (Thema Lümmeltüten), hatten wir dieses Gespräch schon mehrmals. ER würde ja gern, auch sofort. Sagt er zumindest. ICH hätte eigentlich auch nix dagegen, wenn's passiert. Aber die Umstände sind eben nicht perfekt. Ich habe keinen festen Job. Im Moment sogar gar keinen. Und ich will mich nicht erst mit Anfang 30 ins Arbeitsleben stürzen. Wie sieht das denn aus? Ich bewerbe mich irgendwo und habe noch nie so richtig gearbeitet. Nur Nebenjobs und Abenteuer im Ausland. Hier stimmt mir Garfield übrigens zu, er möchte nicht, dass ich mir irgendwas verbaue. Dann sind wir noch nicht mal ein Jahr zusammen. Wir sind gerade erst zusammengezogen und müssen erstmal gucken, wie das klappt.

Ich habe einfach Schwierigkeiten, mir das vorzustellen. Die habe ich auch in anderen Bereichen. Garfield plant ja gern und hat auch schon mehrmals sehr deutlich gesagt, dass er mit mir das volle Programm möchte: heiraten, Kinder, Haus, Hund etc. Das finde ich natürlich sehr schön, tu mich aber schwer damit, es mir vorzustellen. Ich habe ja schon Probleme damit, ein Jahr vorauszuplanen. Beispiel Auto: Im Moment fahre ich Garfields altes Auto, Gustav. So habe ich ihn genannt. Frauen und Autos... Gustav ist schon was älter und wird nächstes Jahr im August wohl keinen TÜV mehr bekommen. Das war bekannt und sowieso war Gustav ja nur eine Übergangslösung, bis ich mir ein eigenes Auto leisten kann. Ich habe inzwischen so meine Zweifel, dass ich mir nächsten Sommer ein Auto kaufen kann, denn ich finde ja nicht mal einen Job. Garfield aber ist immer noch völlig optimistisch, redet darüber, als wär's schon gebongt. Ich plane zwar mit, bin aber nicht völlig überzeugt. Irgendwo in mir drin ist diese leise Stimme, die sagt: "Pass' auf. Freu' dich nicht zu früh. Das klappt sowieso nicht. Wer weiß, ob ihr nächsten Sommer noch zusammen seid. Du hast doch schonmal erlebt, wie schnell solche Pläne sich erledigen können..." usw. Für mich ist das alles irgendwie hypothetisch, für Garfield fest geplant. Wenn ich also bei einem Auto schon solche Zweifel habe, wie soll das dann erst mit einem Kind werden? Das ist ja etwas langfristigeres. Genauso wie ein Hund. Gestern fragte Garfield mich, ob mir langweilig sei, so tagsüber. Klar, ist es manchmal. "Naja, meinte er dann, vielleicht hast du ja bald einen Hund. Nächste Woche fragen wir den Vermieter und dann kann's ja ganz schnell gehen." Ich sah ihn ratlos an. Ich KANN mir das einfach nicht vorstellen. Wir beide, mit Hund, oder Kind, oder ich mit eigenem Auto. Will er das wirklich? Oder nur mir zuliebe? Fühle ich mich wirklich bereit für diesen Ernst des Lebens? Meistens fühle ich mich doch noch nicht mal erwachsen! Ich lasse Dinge nunmal gern auf mich zukommen und mache dann das Beste draus. Hier muss ich aber Entscheidungen treffen, und das hasse ich!

Wieso ist das Leben eigentlich so kompliziert? Oder besser, warum mache ich es mir so kompliziert?

15.10.2009 um 17:37 Uhr

Schnief!

Na klasse, die rosa Maus kränkelt. Heute morgen war der Kopf dick, die Nase ist gelaufen, der Rest des Körpers fühlte sich schwach. Eigentlich wollte ich heute dem hiesigen Arbeitsamt einen Besuch abstatten um mich mal über das Zusammenwohnen und ALG zu informieren. Und über Selbständigkeit. Das wäre nämlich auch noch eine Option, wie mir neulich eingefallen ist. Nun war mir heute morgen aber überhaupt nicht danach, stundenlang von einem Büro ins nächste zu tapern und dabei meine Viren zu verteilen. Wo ich die nur wieder her habe? War doch in letzter Zeit kaum unter Menschen! Wobei... kränkelten hier drin nicht auch einige...??? Da habe ich mir wohl einen Computervirus eingefangen.

Immerhin war ich dank dieses Virus' zuhause, als der Postbote klingelte. Mein Paket! Nächste Woche hat Garfield Geburtstag und natürlich wünscht er sich... nichts. Er braucht nichts. Klar... Natürlich würden mir auf Anhieb eine Menge Dinge einfallen, die er dringend braucht, aber das sind alles keine angemessenen Geburtstagsgeschenke. Ich will ihm einfach keine Klamotten schenken. Und auch kein Werkzeug. Nach intensivem Nachdenken habe ich mich dann entschieden, ihm "was Scharfes" zu schenken. Er beschwert sich ja immer, dass er nie "was Scharfes" bekommt. Ist natürlich kulinarisch gemeint! Er scheint da ziemlich abgebrüht, denn wenn ich schon röchelnd nach dem Wasserglas greife, merkt mein Liebster noch nicht mal was. Jedenfalls habe ich ihm nun im Chillishop ein Assortiment scharfer Produkte bestellt: Chillipulver, superscharfe Sauce, scharfe Chips, Salsa und Honig mit Chillis. Auf den bin ich auch gespannt! Ich bin ziemlich optimistisch, dass ich mit meinem Geschenk richtig liege. Der wird Augen machen! (Vor allem, wenn er die scharfe Sauce probiert... *hämischguck*)

Jedenfalls habe ich mich heute dem Haushalt gewidmet und ansonsten rumgehangen. Hatte ich schonmal erwähnt, dass ich Hemden bzw. Blusen bügeln hasse? Für eventuell sich ergebende Bewerbungsgespräche habe ich prophylaktisch schonmal meine Blusen gewaschen, die dann ja auch geglättet werden mussten. Sch...arbeit. Bin ich froh, dass ich der Gastronomie-Karriere den Rücken gekehrt habe! Netterweise habe ich meinem Liebsten auch gleich sein Arbeitshemd gebügelt, aber in Zukunft kann er das allein machen! Oh man, wenn der mal unter die Anzugträger geht... mir schwant übles. Diese Uniformhemden gehen ja noch und außerdem ist es eh' egal, wie die aussehen. Man(n) trägt ja einen Pullover darüber. 

Meine Güte, über was ich hier nachdenke! *schäm* Ich brauche dringend einen Job!

Dann wollte ich noch etwas frische Luft schnappen. Soll ja gut sein, wenn man sich krank fühlt. Und überhaupt, man kann ja nicht den ganzen Tag drinnen rumhängen. Super Idee! Bei beginnender Erkältung gibt es nichts besseres, als im tollsten Schneeregen eine Stunde durch die Wallachei zu stampfen. Mit Schuhen, die dem Schnee ungefähr fünf Minuten standhalten. Nach einem Drittel der Strecke standen meine Füße in den Schuhen komplett unter Wasser. Außerdem war es natürlich schweinekalt. Was soll das? Wo ist der Herbst hin? Es schneit schon den ganzen Tag! Außerdem will ich einen Hund! Spazierengehen allein und ohne Ziel bzw. Grund macht einfach keinen Spass. Das ist deprimierend. Vor allem, wenn man dann noch Hundeleckerli in seiner Jackentasche findet. Wohl noch vom letzten Winter da drin... Nächste Woche treffen wir uns mit dem Vermieter, um den neuen Mietvertrag klarzumachen. Ich soll schließlich auch ganz offiziell drin stehen. Und ganz nebenbei wird die Gelegenheit genutzt, mal eben die Miete zu erhöhen... Jedenfalls werden wir dann gleich nachfragen, ob ein Hund erlaubt wäre. Und dann könnte es vielleicht ganz schnell gehen mit dem vierbeinigen Mitbewohner! *daumendrücken*

14.10.2009 um 19:03 Uhr

München...

Ein Hoch auf die bayerische Landeshauptstadt!

Weil ich keine Lust hatte, mit dem Auto bis in die Stadt zu fahren, hatte ich mir im Internet Park+Ride-Möglichkeiten rausgesucht. Wird auf der Seite ganz groß beworben und ist ja auch 'ne feine Sache. Von der Autobahn runter, einen Euro löhnen, Tageskarte für den MVV kaufen und ab in die U-Bahn. Kein Stress, kein ewiges Suchen nach einem Parkplatz.

Denkste!

Ich hatte mich für das tolle schicke Parkhaus an der Arroganz-Arena in (O-Ton Freundin T.) "irgendwas mit Frottee" entschieden. Auf der Website konnte man sogar eine Prognose erstellen lassen für die Zeit des Parkens. Die war super, erwartete Auslastung bei ca. 60 Prozent. Heute morgen nun (Nach einem Schreck-Morgen: SCHNEE! Panik! Ich fahre doch jetzt ein Auto mit Heckantrieb - habe ich das jetzt richtig erinnert? Das reagiert doch anders, wenn's glatt ist!) fand ich die Abfahrt und das Parkhaus ohne Probleme. War super ausgeschildert, auch wenn da in Frottee alles noch Baustelle ist. Aber dann... An der Einfahrt stand auf einmal "besetzt". Und irgendwas von "Stadionpreis". Zurück konnte man natürlich nicht, wegen verengter Fahrbahn und Baustelle und so. Ich also mutig durch die Baustelle gezuckelt, auf dem angrenzenden, ebenfalls gesperrten, Parkplatz gewendet und zurückgefahren. Immer noch "besetzt". Vor der Schranke standen nun auch schon andere "fremde" Autos und guckten ratlos. Und natürlich keine Alternativmöglichkeit ausgewiesen. Wäre ja mal eine Möglichkeit, wenn man die Auswärtigen schon dorthin lockt. Aber nein, doch nicht in München! Natürlich hatte ich mir keine Alternative aufgeschrieben, obwohl ich doch sonst immer alles so genau plane. Hatte mich ausnahmsweise mal auf die Info aus dem Netz verlassen. Na toll! Ich drehte also eine Ehrenrunde, landete beinahe wieder auf der Autobahn und ergatterte schließlich einen zweifelhaften Parkplatz. In einer Reihe von parkenden Autos am Straßenrand war noch eine Lücke frei. Die Schilder sagten zwar, man dürfe da nicht parken, allerdings war nicht so ganz eindeutig, worauf die sich bezogen. Weil da schon so viele Autos standen und ich echt keine Lust hatte, weiterzusuchen, stellte ich mich einfach dazu. 

Als ich fünf Stunden später mit Freundin T. zusammen wieder dort ankam, war meine Angst groß. Ein Strafzettel wäre ja noch gegangen, aber was, wenn die einen abschleppen? Ich kenn' mich ja nicht so aus, mit den bayerischen Gepflogenheiten. Aber Glück gehabt, Auto war noch da, kein Strafzettel dran und immerhin einen Euro gespart! Hurra! Nächstes Mal nehme ich aber gleich einen anderen Parkplatz, da können die mich mal gepflegt am *** *** mit ihrem Frottee.

Ansonsten war der Tag aber echt schön. Endlich mal wieder ausgiebigst quasseln! Lästern! (Obwohl ich das auch mit Garfield gut kann...) Ich vermisse meine Freundinnen...

14.10.2009 um 09:07 Uhr

Es ist wieder soweit!

14. Oktober, 8h50, ein winziges Dörfchen in Niederbayern. Im Radio läuft... *Trommelwirbel*... "Last Christmas"! Gut, es hat vorhin etwas geschneit, oder eher geschneeregnet. Aber mal ehrlich!

13.10.2009 um 11:05 Uhr

Der Tag danach

Na, wusste ich's doch! Die Sache war gestern natürlich noch nicht ausgestanden.

Mein Bewerbungsgespräch und Hospitation liefen super (Habe GANZ ALLEIN und AUF ANHIEB den Weg gefunden und mir wurde ein Parkschein GESCHENKT!), hat richtig Spass gemacht, also war meine Laune deutlich besser, als ich abends nach Hause kam. Männe war natürlich noch nicht da. Als er kam, telefonierte ich gerade mit meiner Mutter, also war er erstmal ruhig und machte sein Ding. Als ich aufgelegt hatte, eröffnete ich Garfield fröhlich, dass ich mich Dienstag oder Mittwoch mit Freundin T. in München treffen würde. Sofort schlug seine Stimmung um und er wurde richtig psycho. Ein anderes Wort dafür fällt mir wirklich nicht ein. Er behauptete, ich würde mich nur mit T. treffen, um den Abend nicht mit ihm verbringen zu müssen. Dann kamen noch Dinge wie "Dann kann ich mich ja schonmal wieder daran gewöhnen, abends allein zu sein..." oder "Eigentlich wollte ich mich für gestern und heute morgen entschuldigen, aber jetzt...". Ich war total perplex! Wie kann ein einziger Mann soviel Müll reden? Sich so kindisch benehmen? Ich hätte mich nicht rechtfertigen müssen, tat es aber trotzdem. Erklärte ihm, dass ich T. seit einem Jahr nicht gesehen habe, sie gerade für drei Tage in München ist und wir diese Gelegenheit einfach nutzen mussten. Immerhin hat sie nicht ständig Ferien und kann ihren Liebsten somit nur selten auf seine Geschäftsreisen begleiten. Absolut normal und verständlich für mich. Zumal ich eigentlich nicht einsehe, mich für soetwas rechtfertigen zu müssen. Garfield aber beharrte auf seiner Meinung. Er schaltete auf stur und hörte mir eigentlich gar nicht zu. Ein normales Gespräch war nicht möglich - das wollte er in dem Moment auch gar nicht. Ich war am Verzweifeln, wußte nicht, was ich machen sollte. Abhauen? Aber wohin? Ist schon blöd, wenn man neu in der Gegend ist und noch keinen kennt bzw. keine Freunde hat. Ich ließ ihn also erstmal allein und ging in die Küche, wo ich weiter meinen Ausflug nach München organisierte. In mir brodelte es. SO kannte ich Garfield bisher nur vom Telefon, da hatte er auch manchmal solche Anfälle gehabt. Wo war der Mann, den ich liebte? Dieser Sarkasmus, dieser Trotz, diese Dummheit! Ich war völlig überfordert. Sollte man sich sowas wirklich bieten lassen?

Immerhin dauerte es nicht lange, bis Garfield mir nachkam um einzulenken. So richtig mochte er sich immer noch nicht entschuldigen, war zu stolz, um zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hatte. Aber immerhin versuchte er, zu erklären. Er hatte einen richtigen Sch...tag im Büro gehabt. Und am Tag davor war tatsächlich etwas überhaupt nicht in Ordnung gewesen. Es war das alte Lied: der Job, der ihn nur ankotzt, die Doktorarbeit, mit der er nicht weiterkommt, das Gefühl, nichts erreicht zu haben. Ich kenne dieses Lied nur zu gut, habe es mir schon oft anhören müssen. Als Freundin höre ich mir das aber an, denn ich finde, das gehört dazu. In einer Beziehung muss man dem anderen auch gestatten, sich mal auszukotzen. Letzte Woche hatten wir auch so ein Gespräch darüber, da fand Garfield es schön, dass er mit mir darüber reden konnte. Sonntag nun fand er das wohl nicht mehr. Er wollte nicht als Jammerlappen dastehen, also redete er nicht mit mir über sein Problem. Stattdessen provozierte er einen Stellvertreterstreit und benutzte mich als Blitzableiter. Danach fühlte er sich schuldig, ärgerte sich über sich selbst, konnte die ganze Nacht nicht schlafen und war am nächsten Morgen natürlich dementsprechend gelaunt. Dann wieder Probleme bei der Arbeit... Ein Teufelskreis. Er entschuldigte sich mehrmals und aufrichtig, versprach, dass so etwas nicht mehr vorkommen würde. Er wolle wieder laufen gehen, wenn er sich abreagieren muss. Er hat mir ja schonmal erzählt, dass sich bei ihm manchmal zwei Drähte berühren und er dann "austicke". Wie gesagt, ich kenne das vom Telefon. Er ist dann nicht mehr zugänglich, steigert sich in was rein... Am Telefon habe ich dann irgendwann aufgelegt, das hat meist geholfen, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Wahrscheinlich sollte ich mir angewöhnen, nicht zu diskutieren, weil das eh' keinen Zweck hat. Ich sollte einfach rausgehen - und wenn ich nur eine Runde um den Block drehe. Beim nächsten Mal mache ich das auf jeden Fall, obwohl ich natürlich hoffe, dass es kein nächstes Mal geben wird. Allerdings ist das sehr unwahrscheinlich, denn so sehr hat sich niemand unter Kontrolle. Außerdem will ich ja gar nicht, dass Garfield seinen Ärger immer runterschluckt. Er soll ihn ja rauslassen, aber eben auf eine vernünftige Art und Weise. Ich bin schließlich nicht unbegrenzt leidensfähig und diese Beziehung ist noch nicht so wahnsinnig stabil. Und weil ich so harmoniebedürftig bin, kann man mit mir auch nur sehr schlecht streiten. Auf Angriffe reagiere ich mit Rückzug und Schuldgefühlen, egal ob gerechtfertigt oder nicht. Na, mal sehen was das noch wird.

Einziger positiver Effekt dieses Streits: Ich habe gerade einen wahnsinnig lieben, zärtlichen, aufmerksamen Freund. Ich sollte diese Stimmung nutzen... Ist jedenfalls eine gute Voraussetzung für unseren Ausflug zu I*K*E*A am Wochenende ;-)

12.10.2009 um 11:49 Uhr

Rosa Wattetraum?

Es ist mal wieder soweit, ich habe Redebedarf. Oder eher Schreibbedarf.

Wir wohnen jetzt seit einer guten Woche zusammen und ich werde von Déjà-vus überschwemmt. Die erste Woche war rosa Wolkentraum: es gab viel Kuscheln, viel Sex, viel Lachen, wir haben mehr oder weniger gemeinsam die Wohnung eingerichtet (Ich mehr, Garfield weniger, da er ja den ganzen Tag arbeiten ist.) und unseren ersten Besuch gemeistert (Meine Eltern!). Einmal brachte mir Garfield sogar eine Rose mit! *staun* Seit einigen Tagen ist aber der Wurm drin, irgendwie.

Es begann Samstag, glaube ich. Ich bin mir nicht sicher. Wir verbrachten das Wochenende bei Garfields Eltern, in erster Linie, um sein "neues" Auto abzuholen. Sein "altes" werde ab sofort ich benutzen, damit ich mobil bin. Nebenbei bemerkt, finde ich das sehr großzügig und toll von Garfield! Eigentlich lief alles super, ich fühle mich nämlich schon ganz wohl bei seiner Familie. (Mich irritiert nur eins: Sein Bruder sieht meinem Ex J. verdammt ähnlich! Und ist es auch von der Art her!) Wir haben abends zusammen einen Film angesehen und ich wurde rattig. Ziemlich rattig. Dies kommunizierte ich meinem Schatz auch. Weil es nicht sooo oft vorkommt, dass ich die Initiative ergreife bzw. den "Anfang" mache (Ein Streitpunkt, schon seit längerem...), war Garfield etwas überrascht. Und wich aus! Er müsse noch duschen etc., ich sollte doch schonmal ins Bett gehen. Ich war natürlich enttäuscht, vermutete aber, dass er einfach etwas blockiert war. Immerhin war es das Haus seiner Eltern, auch wenn zwischen unserem und ihrem Schlafzimmer ein ganzes Stockwerk lag. Als Garfield gefühlte Stunden später endlich ins Bett kam, war ich fast schon eingeschlafen und meine Lust vergangen. Ich fand das nicht so schlimm, stichelte am nächsten Tag aber trotzdem etwas. Was er tolles verpasst habe etc. Ich hielt das für einen Scherz, er wohl nicht, wie sich später herausstellte. Nach dem Frühstück gab es im Bad eine kleine Reiberei, es ging, mal wieder, um Garfields Sauberkeitswahn. Er liebt es, mich damit aufzuziehen. Auch dieses Mal spielte er nur den Entrüsteten, ich aber nahm seine Äußerungen ernst und war beleidigt. Auch nach fast einem Jahr gelingt es mir immer noch nicht, in diesem Bereich Spass von Ernst zu unterscheiden. Beim Mittagessen entspannte ich mich wieder, auch wenn es in mir immer noch brodelte. Ich habe da irgendwie ein Kommunikationsproblem. Wenn mich etwas ärgert, kann ich nicht darüber sprechen. Jedenfalls nicht gleich. Ich mache also erstmal auf beleidigt und schweige, während ich mir überlege, was denn nun eigentlich das Problem war und wie ich es dem anderen erklären kann. Das ist nicht nur bei Garfield so und ich arbeite daran. Wir hatten uns vorgenommen, immer alles gleich anzusprechen und nicht zu schmollen. Meist halten wir uns daran. Nach dem Essen sahen wir zusammen fern und kuschelten, trotz Anwesenheit der Eltern. Das ist für Garfield ein großer Schritt! Ich dachte, es sei alles wieder in Ordnung.

Beim Kaffee eröffnete mir mein Liebster, dass ich schonmal vorfahren solle, er würde später nachkommen. Wir waren ja mit einem (Meinem!) Auto gekommen und würden mit zweien nach Hause fahren, das war vorher klar gewesen. Allerdings wollten wir trotzdem zusammen fahren, wenigstens bis zur Autobahn. Nun bin ich nicht gerade "Queen of the Road" sondern eher ein Schisser. Ich fahre gut und sicher in mir bekanntem Gebiet mit einem mir bekannten Auto. Also bei mir zuhause mit den Autos meiner Eltern. Fremde Gegenden und unbekannte Strecken machen mir Angst. Und fremde Autos sowieso. Die Kombination aus beidem ist sozusagen mein persönlicher SuperGAU. Routinierte Autofahrer wie Garfield können das nicht nachvollziehen, das ist mir klar. Nun ist das "alte" Auto tatsächlich schon betagt und man muss auf tausend Kleinigkeiten achten. Das vereinfacht die Sache nicht gerade. Zwar bin ich die Strecke schon mehrmals mitgefahren und habe hinzu schon einmal selbst hinter dem Lenkrad gesessen, aber immer war Garfield dabei. Jetzt sollte ich also die ganzen 200 Kilometer allein fahren, mit einem Auto, welches mir noch nicht besonders vertraut ist und so seine Zicken hat. Ihr könnt mir glauben, ich hatte ordentlich Muffensausen. Garfield merkte davon natürlich nichts, für ihn war das die natürlichste Sache der Welt. Vorweg: Es klappte alles prima. Ich fand die Autobahn, ich fand die Abkürzung, ich fand unser Dorf. Im Dunkeln! Mit sehr funzeligen Scheinwerfern! Ich war wahnsinnig stolz auf mich, denn für mich ganz persönlich war das eine Riesenleistung. Garfield kam eine Stunde später an - ich saß schon vor dem Fernseher. Er begrüßte mich nicht, sondern kümmerte sich gleich um seinen Kram. Später kam er zu mir auf's Sofa, ich durfte mich ankuscheln, aber es fiel kein Wort. Ich hätte ihm gern von meiner Fahrt erzählt, aber er fragte nicht mal, wie es gelaufen war! Er schien mir komisch. Auffallend ruhig und irgendwie abweisend. Ich fühlte mich sofort an J. erinnert. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es mit ihm auch so gewesen. Er kam von der Arbeit nach Hause und beachtete mich kaum. ICH durfte mich weiterhin ankuscheln, aber von IHM kam nix mehr. Ich wurde gestern abend also leicht panisch, vor allem, als ich mich dann nicht mehr anlehnen sollte. Garfields Schulter tat weh. Das war nachvollziehbar, aber ich verstand es als Abweisung. Ich riss mich zusammen und fragte nach, ob alles in Ordnung sei. Ich bekam ein "ja". Hmm... Ich war nicht überzeugt, bohrte nach. Er blieb dabei, alles in Ordnung. Streichelte sogar meinen Rücken, wie zur Bestätigung.

Wir machten uns bettfertig, doch auch im Bad fiel kein Wort. Ich kam nach ihm ins Schlafzimmer und wurde sofort angegriffen: Warum ich einen Schlafanzug anhätte. Den hatte ich eigentlich nur an, weil ich nach meiner Ankunft geduscht hatte und natürlich nicht nackt fernsehen wollte. Ich hätte ihn zum geeigneten Moment abgelegt, denn ich war - man staune! - wieder rattig. Diese "Begrüßung" ließ mich aber arg zusammenzucken, denn sie kam ziemlich vorwurfsvoll rüber. Dazu muss ich anmerken, dass ich letzte Woche mal gefragt hatte, wieso wir beide Pyjamas tragen, seit wir zusammenwohnen. Mir war das nur so aufgefallen, aber ich fand es nicht bedeutsam. Garfield offensichtlich schon, denn er schien es als Zeichen anzusehen. Wenn ich einen Schlafanzug anhabe, will ich keinen Sex. Oder so ähnlich. Ich gebe zu, bei meinem Ex war das so. Der Pyjama war das ultimative Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Damals war ich nämlich viel schlimmer! Wenn mir etwas nicht passte, redete ich nicht, sondern schmollte. Ich drehte mich weg, rutschte ganz nah an die Wand und ging irgendwann nachts auf die Couch. J. war überfordert oder genervt und so kam es zwangsläufig zum Streit. Gestern abend trug ich den Schlafanzug aber wirklich ohne Hintergedanken. Garfield glaubte mir nicht und es kam zu einer, zugegeben, müßigen Diskussion. Er hielt mir meine Sticheleien vom Morgen vor, ich ihm sein seltsames Verhalten. Dann kam natürlich wieder der Punkt, der ihn schon öfters geärgert hatte: Ich mache "nie" den Anfang. Natürlich stimmt das nicht - er merkt es nur meist nicht, da ich sehr subtil vorgehe. Ich taste mich eben langsam heran, um erstmal zu gucken, ob er überhaupt Lust hat. Offensichtlich kommt das bei ihm nicht so an. Ich versuchte, es zu erklären, Garfield schaltete auf stur.  Er konnte oder wollte mich nicht verstehen, drehte mir die Worte im Mund um, verstand alles falsch. Irgendwann drehte er sich um und erstickte die Diskussion. Mein erster Impuls: Ab auf die Couch. Ich blieb aber standhaft und zwang Garfield, die Diskussion zu Ende zu führen. Wir waren nicht wirklich zerstritten, aber es fühlte sich so an. Und so wollte ich nicht einschlafen. Zu einer richtigen Einigung kamen wir zwar nicht, aber als wir einschliefen, hatte ich zumindest das Gefühl, es wäre alles wieder gut. Auch wenn Garfield sich weiterhin seltsam verhielt. Er löffelte nicht. Normalerweise schlafen wir immer so ein, er an meinem Rücken. Er begründete es mit seiner schmerzenden Schulter, ich glaubte ihm und kuschelte mich an ihn. Streicheleinheiten bekam ich aber auch nicht. Hmpf. Wieder so ein Déjà-vu!

Heute morgen dann ging es weiter. Wir hatten gestern abend ausgemacht, heute mal zusammen zu frühstücken. Wir versuchen das seit einer Woche, kommen aber nie rechtzeitig aus dem Bett. Heute morgen klingelte also der Wecker. Garfield schaltete ihn aus und stellte ihn neu, auf eine halbe Stunde später. Das Thema Frühstück schien erledigt, ich schlummerte also weiter. Kurz vor Ablauf der halben Stunde fragte Garfield missmutig:

"Was'n jetzt mit Frühstück?"

Ich: "Ja, klar." (Nett!)

Er: "Jetzt ist es eh' zu spät."

Nett klang das nicht! Er stand daraufhin auf, ohne mich nochmal anzugucken. Normalerweise kuscheln wir morgens noch etwas, wenn wir schon nicht aus dem Bett kommen. Dieses Mal: nix. ICH kuschelte mich an seinen Rücken, das war's. Déjà-vu! Genau so war es bei J. am Ende immer gewesen! Garfield machte sich fertig, verabschiedete sich dann mit einem sehr flüchtigen Kuss. Ich will das Wort nicht überstrapazieren, aber ja, auch das ein Déjà-vu. Irgendwie summierte sich da einiges und machte mich ziemlich fertig. Das tut es immer noch. Ich war tanken, ich war einkaufen. Das Gefühl ist immer noch da. Ein schlechtes Gefühl. Es fühlt sich an, als ob irgendwas gar nicht so läuft, wie es sollte. Da kommt bei mir eben Panik auf, denn schließlich hatte ich so ziemlich die gleiche Situation schonmal. Garfield scheint das nicht bewußt zu sein oder aber er ignoriert es. Keine Ahnung. Natürlich versuche ich, mich zu beruhigen. Er hat einen schlechten Tag, es ist Montag, er muss wieder zu seiner besch... Arbeit. Trotzdem bleibt das Gefühl. Ich denke, wir müssen heute abend nochmal reden. Hoffentlich artet es nicht wieder aus, sonst schlafe ich irgendwann wirklich wieder auf der Couch.

Das klingt bestimmt alles ziemlich bescheuert und übertrieben, aber es musste jetzt mal raus. Ich habe nachher ein Bewerbungsgespräch und brauche dafür einen klaren Kopf. Den habe ich jetzt hoffentlich.

PS: Garfield hat gerade angerufen. Hat mir nochmal Glück für nachher gewünscht und sich erkundigt, ob das Tanken geklappt. (Wie gesagt, das alte Auto...) Vielleicht ist ihm ja eingefallen, dass er sich heute früh blöd benommen hat?