Es ist mal wieder soweit, ich habe Redebedarf. Oder eher Schreibbedarf.
Wir wohnen jetzt seit einer guten Woche zusammen und ich werde von Déjà-vus überschwemmt. Die erste Woche war rosa Wolkentraum: es gab viel Kuscheln, viel Sex, viel Lachen, wir haben mehr oder weniger gemeinsam die Wohnung eingerichtet (Ich mehr, Garfield weniger, da er ja den ganzen Tag arbeiten ist.) und unseren ersten Besuch gemeistert (Meine Eltern!). Einmal brachte mir Garfield sogar eine Rose mit! *staun* Seit einigen Tagen ist aber der Wurm drin, irgendwie.
Es begann Samstag, glaube ich. Ich bin mir nicht sicher. Wir verbrachten das Wochenende bei Garfields Eltern, in erster Linie, um sein "neues" Auto abzuholen. Sein "altes" werde ab sofort ich benutzen, damit ich mobil bin. Nebenbei bemerkt, finde ich das sehr großzügig und toll von Garfield! Eigentlich lief alles super, ich fühle mich nämlich schon ganz wohl bei seiner Familie. (Mich irritiert nur eins: Sein Bruder sieht meinem Ex J. verdammt ähnlich! Und ist es auch von der Art her!) Wir haben abends zusammen einen Film angesehen und ich wurde rattig. Ziemlich rattig. Dies kommunizierte ich meinem Schatz auch. Weil es nicht sooo oft vorkommt, dass ich die Initiative ergreife bzw. den "Anfang" mache (Ein Streitpunkt, schon seit längerem...), war Garfield etwas überrascht. Und wich aus! Er müsse noch duschen etc., ich sollte doch schonmal ins Bett gehen. Ich war natürlich enttäuscht, vermutete aber, dass er einfach etwas blockiert war. Immerhin war es das Haus seiner Eltern, auch wenn zwischen unserem und ihrem Schlafzimmer ein ganzes Stockwerk lag. Als Garfield gefühlte Stunden später endlich ins Bett kam, war ich fast schon eingeschlafen und meine Lust vergangen. Ich fand das nicht so schlimm, stichelte am nächsten Tag aber trotzdem etwas. Was er tolles verpasst habe etc. Ich hielt das für einen Scherz, er wohl nicht, wie sich später herausstellte. Nach dem Frühstück gab es im Bad eine kleine Reiberei, es ging, mal wieder, um Garfields Sauberkeitswahn. Er liebt es, mich damit aufzuziehen. Auch dieses Mal spielte er nur den Entrüsteten, ich aber nahm seine Äußerungen ernst und war beleidigt. Auch nach fast einem Jahr gelingt es mir immer noch nicht, in diesem Bereich Spass von Ernst zu unterscheiden. Beim Mittagessen entspannte ich mich wieder, auch wenn es in mir immer noch brodelte. Ich habe da irgendwie ein Kommunikationsproblem. Wenn mich etwas ärgert, kann ich nicht darüber sprechen. Jedenfalls nicht gleich. Ich mache also erstmal auf beleidigt und schweige, während ich mir überlege, was denn nun eigentlich das Problem war und wie ich es dem anderen erklären kann. Das ist nicht nur bei Garfield so und ich arbeite daran. Wir hatten uns vorgenommen, immer alles gleich anzusprechen und nicht zu schmollen. Meist halten wir uns daran. Nach dem Essen sahen wir zusammen fern und kuschelten, trotz Anwesenheit der Eltern. Das ist für Garfield ein großer Schritt! Ich dachte, es sei alles wieder in Ordnung.
Beim Kaffee eröffnete mir mein Liebster, dass ich schonmal vorfahren solle, er würde später nachkommen. Wir waren ja mit einem (Meinem!) Auto gekommen und würden mit zweien nach Hause fahren, das war vorher klar gewesen. Allerdings wollten wir trotzdem zusammen fahren, wenigstens bis zur Autobahn. Nun bin ich nicht gerade "Queen of the Road" sondern eher ein Schisser. Ich fahre gut und sicher in mir bekanntem Gebiet mit einem mir bekannten Auto. Also bei mir zuhause mit den Autos meiner Eltern. Fremde Gegenden und unbekannte Strecken machen mir Angst. Und fremde Autos sowieso. Die Kombination aus beidem ist sozusagen mein persönlicher SuperGAU. Routinierte Autofahrer wie Garfield können das nicht nachvollziehen, das ist mir klar. Nun ist das "alte" Auto tatsächlich schon betagt und man muss auf tausend Kleinigkeiten achten. Das vereinfacht die Sache nicht gerade. Zwar bin ich die Strecke schon mehrmals mitgefahren und habe hinzu schon einmal selbst hinter dem Lenkrad gesessen, aber immer war Garfield dabei. Jetzt sollte ich also die ganzen 200 Kilometer allein fahren, mit einem Auto, welches mir noch nicht besonders vertraut ist und so seine Zicken hat. Ihr könnt mir glauben, ich hatte ordentlich Muffensausen. Garfield merkte davon natürlich nichts, für ihn war das die natürlichste Sache der Welt. Vorweg: Es klappte alles prima. Ich fand die Autobahn, ich fand die Abkürzung, ich fand unser Dorf. Im Dunkeln! Mit sehr funzeligen Scheinwerfern! Ich war wahnsinnig stolz auf mich, denn für mich ganz persönlich war das eine Riesenleistung. Garfield kam eine Stunde später an - ich saß schon vor dem Fernseher. Er begrüßte mich nicht, sondern kümmerte sich gleich um seinen Kram. Später kam er zu mir auf's Sofa, ich durfte mich ankuscheln, aber es fiel kein Wort. Ich hätte ihm gern von meiner Fahrt erzählt, aber er fragte nicht mal, wie es gelaufen war! Er schien mir komisch. Auffallend ruhig und irgendwie abweisend. Ich fühlte mich sofort an J. erinnert. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es mit ihm auch so gewesen. Er kam von der Arbeit nach Hause und beachtete mich kaum. ICH durfte mich weiterhin ankuscheln, aber von IHM kam nix mehr. Ich wurde gestern abend also leicht panisch, vor allem, als ich mich dann nicht mehr anlehnen sollte. Garfields Schulter tat weh. Das war nachvollziehbar, aber ich verstand es als Abweisung. Ich riss mich zusammen und fragte nach, ob alles in Ordnung sei. Ich bekam ein "ja". Hmm... Ich war nicht überzeugt, bohrte nach. Er blieb dabei, alles in Ordnung. Streichelte sogar meinen Rücken, wie zur Bestätigung.
Wir machten uns bettfertig, doch auch im Bad fiel kein Wort. Ich kam nach ihm ins Schlafzimmer und wurde sofort angegriffen: Warum ich einen Schlafanzug anhätte. Den hatte ich eigentlich nur an, weil ich nach meiner Ankunft geduscht hatte und natürlich nicht nackt fernsehen wollte. Ich hätte ihn zum geeigneten Moment abgelegt, denn ich war - man staune! - wieder rattig. Diese "Begrüßung" ließ mich aber arg zusammenzucken, denn sie kam ziemlich vorwurfsvoll rüber. Dazu muss ich anmerken, dass ich letzte Woche mal gefragt hatte, wieso wir beide Pyjamas tragen, seit wir zusammenwohnen. Mir war das nur so aufgefallen, aber ich fand es nicht bedeutsam. Garfield offensichtlich schon, denn er schien es als Zeichen anzusehen. Wenn ich einen Schlafanzug anhabe, will ich keinen Sex. Oder so ähnlich. Ich gebe zu, bei meinem Ex war das so. Der Pyjama war das ultimative Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Damals war ich nämlich viel schlimmer! Wenn mir etwas nicht passte, redete ich nicht, sondern schmollte. Ich drehte mich weg, rutschte ganz nah an die Wand und ging irgendwann nachts auf die Couch. J. war überfordert oder genervt und so kam es zwangsläufig zum Streit. Gestern abend trug ich den Schlafanzug aber wirklich ohne Hintergedanken. Garfield glaubte mir nicht und es kam zu einer, zugegeben, müßigen Diskussion. Er hielt mir meine Sticheleien vom Morgen vor, ich ihm sein seltsames Verhalten. Dann kam natürlich wieder der Punkt, der ihn schon öfters geärgert hatte: Ich mache "nie" den Anfang. Natürlich stimmt das nicht - er merkt es nur meist nicht, da ich sehr subtil vorgehe. Ich taste mich eben langsam heran, um erstmal zu gucken, ob er überhaupt Lust hat. Offensichtlich kommt das bei ihm nicht so an. Ich versuchte, es zu erklären, Garfield schaltete auf stur. Er konnte oder wollte mich nicht verstehen, drehte mir die Worte im Mund um, verstand alles falsch. Irgendwann drehte er sich um und erstickte die Diskussion. Mein erster Impuls: Ab auf die Couch. Ich blieb aber standhaft und zwang Garfield, die Diskussion zu Ende zu führen. Wir waren nicht wirklich zerstritten, aber es fühlte sich so an. Und so wollte ich nicht einschlafen. Zu einer richtigen Einigung kamen wir zwar nicht, aber als wir einschliefen, hatte ich zumindest das Gefühl, es wäre alles wieder gut. Auch wenn Garfield sich weiterhin seltsam verhielt. Er löffelte nicht. Normalerweise schlafen wir immer so ein, er an meinem Rücken. Er begründete es mit seiner schmerzenden Schulter, ich glaubte ihm und kuschelte mich an ihn. Streicheleinheiten bekam ich aber auch nicht. Hmpf. Wieder so ein Déjà-vu!
Heute morgen dann ging es weiter. Wir hatten gestern abend ausgemacht, heute mal zusammen zu frühstücken. Wir versuchen das seit einer Woche, kommen aber nie rechtzeitig aus dem Bett. Heute morgen klingelte also der Wecker. Garfield schaltete ihn aus und stellte ihn neu, auf eine halbe Stunde später. Das Thema Frühstück schien erledigt, ich schlummerte also weiter. Kurz vor Ablauf der halben Stunde fragte Garfield missmutig:
"Was'n jetzt mit Frühstück?"
Ich: "Ja, klar." (Nett!)
Er: "Jetzt ist es eh' zu spät."
Nett klang das nicht! Er stand daraufhin auf, ohne mich nochmal anzugucken. Normalerweise kuscheln wir morgens noch etwas, wenn wir schon nicht aus dem Bett kommen. Dieses Mal: nix. ICH kuschelte mich an seinen Rücken, das war's. Déjà-vu! Genau so war es bei J. am Ende immer gewesen! Garfield machte sich fertig, verabschiedete sich dann mit einem sehr flüchtigen Kuss. Ich will das Wort nicht überstrapazieren, aber ja, auch das ein Déjà-vu. Irgendwie summierte sich da einiges und machte mich ziemlich fertig. Das tut es immer noch. Ich war tanken, ich war einkaufen. Das Gefühl ist immer noch da. Ein schlechtes Gefühl. Es fühlt sich an, als ob irgendwas gar nicht so läuft, wie es sollte. Da kommt bei mir eben Panik auf, denn schließlich hatte ich so ziemlich die gleiche Situation schonmal. Garfield scheint das nicht bewußt zu sein oder aber er ignoriert es. Keine Ahnung. Natürlich versuche ich, mich zu beruhigen. Er hat einen schlechten Tag, es ist Montag, er muss wieder zu seiner besch... Arbeit. Trotzdem bleibt das Gefühl. Ich denke, wir müssen heute abend nochmal reden. Hoffentlich artet es nicht wieder aus, sonst schlafe ich irgendwann wirklich wieder auf der Couch.
Das klingt bestimmt alles ziemlich bescheuert und übertrieben, aber es musste jetzt mal raus. Ich habe nachher ein Bewerbungsgespräch und brauche dafür einen klaren Kopf. Den habe ich jetzt hoffentlich.
PS: Garfield hat gerade angerufen. Hat mir nochmal Glück für nachher gewünscht und sich erkundigt, ob das Tanken geklappt. (Wie gesagt, das alte Auto...) Vielleicht ist ihm ja eingefallen, dass er sich heute früh blöd benommen hat?