Mission Prinz

29.01.2010 um 13:40 Uhr

Frau Maus und die Leute in rosa

Es war am 10. Dezember 2009. Ich erinnere mich genau an das Datum, weil wir am nächsten Tag zur Taufe meines Patenkindes gefahren sind. Abends klingelte mein Handy. Ich erschrecke mich immer zu Tode, wenn mein Handy klingelt, denn normalerweise tut es das nicht. Mich ruft nie jemand auf dem Handy an, denn alle wissen, dass ich es entweder nicht bei mir habe oder nicht höre, weil es sich in einem anderen Raum befindet. An diesem Abend nun klingelte es plötzlich, als wir zufällig in der Küche waren, wo es tagsüber meistens wohnt. Der einzige Mensch, der mich konsequent auf dem Handy anruft, ist meine ehemalige Chefin. Ein Blick auf die Nummer bestätigte, was ich bereits ahnte: Sie war es nicht. Nach dem ersten kleinen Schock wegen des Klingelns folgte der zweite, denn ich erkannte die Berliner Vorwahl. Mein erster Gedanke war mein Ex. Nicht dass ich mir einen Anruf von ihm wünschen würde, aber das war nunmal meine erste Assoziation. Dass meine Schwester auch in dieser Stadt wohnt, hatte ich glatt vergessen. Vorsichtig drückte ich das Knöpflein und hauchte:

"Hallo?"

Eine fröhliche Stimme trällerte mir ins Ohr:

"Guten Tag. Können Sie sich erinnern, dass Sie mal an einem be*be-Gewinnspiel teilgenommen haben?"

 

Ich erinnerte mich tatsächlich dunkel. Vor Monaten (!!!) war ich mal gelangweilt durch die Drogerie meines Vertrauens geschlichen. Ich hatte noch Zeit vor der Arbeit und nix zu tun. Mir fiel ein Aufsteller besagter Firma ins Auge, auf dem für ein Gewinnspiel geworben wurde. Ich habe keine Ahnung mehr, was man gewinnen konnte, aber ich hatte Langeweile und schickte die geforderte SMS ab. Normalerweise mache ich sowas nicht, aber in diesem Fall sollte man durch die SMS ein Handydesign bekommen. Dummerweise stehe ich tierisch auf solche Spielereien. Ich benutze mein Handy zwar fast nie zum Telefonieren, höre damit aber leidenschaftlich gern Audiobooks, spiele damit oder style es eben. Man findet wirklich tolle Sachen im Internet. Da ich idiotischerweise mein Handy als Teil - oder eher Spiegel - meiner Persönlichkeit ansehe, soll es immer nach mir aussehen. Damals interessierte mich eigentlich nur, wie dieses Design wohl aussehen mochte. Auf meine SMS kam keine Reaktion: keine Antwort und auch kein Design. Ich war sauer und vergaß das Gewinnspiel.

 

"Sie haben ein Sofa gewonnen!" tönte die Frau aus Berlin.

Ich bekam große Augen. Ein Sofa? Wir haben ein Sofa, ein tolles Sofa. Aus Leder und alt. Keine Schönheit, aber sehr gemütlich und extrem praktisch, weil abwischbar. Garfield und ich sind nämlich echte Trampel und richtige Kleckerheinis. Wenn einen Tag lang keiner von uns beiden etwas verschüttet, den Boden mit Schokolade vollkrümelt, die Küchenwand bespritzt oder ein Glas umwirft, dann stimmt was nicht. (Meine Eltern sind sehr froh, dass ich in dieser Hinsicht den perfekten Gegenpart gefunden habe. Jeden anderen würde es sicher sehr stören, wir aber bleiben völlig entspannt, wenn die halbe Kakaotasse vor dem Küchenschrank landet und nicht, wie geplant, in der Mikrowelle.)

Ich überlegte also fieberhaft, wo wir 1. dieses Sofa unterbringen sollten und 2. ob wir es überhaupt gebrauchen konnten. Ich fragte also erstmal nach:

"Gibt es einen Alternativpreis, wenn ich das Sofa nicht möchte?"

"Eine Mix-CD", meinte die Dame. Ich musste mir das Lachen verkneifen. Eine CD??? Anstelle eines Sofas wollten die einem eine läppische CD andrehen?

Garfield hörte natürlich alles mit und gab mir Zeichen, mehr Informationen einzuholen.

"Wie sieht das Sofa denn aus?"

"Das weiß ich nicht", meinte Frau be*be, "wahrscheinlich rosa, wie in der Werbung."

"Hm," machte ich, "wird mir das dann vor die Tür geliefert?"

"Ja, wir machen einen Termin aus und dann kommt das zu Ihnen. Das läuft alles."

Ich überlegte kurz, dass haben besser ist als nicht-haben und erbat mir Bedenkzeit. Die Dame gestand mir zu, über's Wochenende darüber nachzudenken.

"Soll ich Sie dann Montag nochmal anrufen, unter dieser Nummer?" fragte ich sicherheitshalber.

Die Dame gab mir dafür grünes Licht und ich legte auf.

 

Wir diskutierten erstmal, denn Platz haben wir keinen für ein zusätzliches Sofa. Andererseits, wenn man schonmal was gewinnt... Außerdem war Garfield überzeugt, dass man das Ding zur Not auch zu Geld machen könnte. 

Wir nahmen an, dass es sich bei dem Sofa um ein Stück aus der be*be-WG in der Werbung handelte und verbrachten am nächsten Tag eine geschlagene Stunde damit, es im Netz zu suchen. Wir durchforsteten die Firmenhomepage, wir sahen uns gefühlte tausend Werbespots an, doch nirgends tauchte ein Sofa auf. Trotzdem entschieden wir uns, das Teil zu nehmen. Erstmal haben.

 

Am Montag rief ich in Berlin an. Ich brachte mein Anliegen vor und stieß auf Unkenntnis. Die Dame am Telefon wußte von nichts und erklärte mir schließlich, sie seien ja nur das Callcenter, ich solle mich doch an die Firma direkt wenden. Ich war etwas sauer, denn das hätte mir die andere Dame am Freitag schon sagen können. Am nächsten Tag suchte ich auf der Firmenhomepage nach einer Kontaktmöglichkeit und fand ein Mailformular. Verdammt, ich wollte mein Sofa! Ich beschrieb mein Problem und sagte klipp und klar, dass ich meinen Gewinn gern antreten möchte. 

Ich hatte es eigentlich erwartet und wunderte mich so nicht, als keine Reaktion kam. Gar keine. Nicht mal eine Bestätigungsmail, dass meine Anfrage angekommen war und bearbeitet wurde. Was für eine Sch***-firma, dachte ich und vergaß die Sache. Obwohl ich zugebe, dass ich noch manchmal wehmütig an mein Sofa dachte...

 

Gestern abend nun klingelte mein Handy wiedereinmal. Dieselbe Überraschung, dieselbe Panik. Nur dieses Mal eine mir völlig unbekannte Vorwahl. Ich ging selbstbewußt ran und vernahm eine mir vertraute Ansage:

"Hallo. Erinnern Sie sich, dass sie vor einiger Zeit bei einem Gewinnspiel der Firma be*be teilgenommen haben? Sie haben eine CD gewonnen und ich hätte jetzt gern Ihre Adresse, damit wir Ihnen die zuschicken können."

Ich musste lachen und sagte frech:

"Eigentlich habe ich ein Sofa gewonnen."

Die Frau staunte, ich erklärte die ganze Geschichte und erwähnte auch meine Mail. Die Dame war sichtlich verwirrt und wollte mehr Informationen. Natürlich hatte ich keine Kopie der Mail - wie auch?  Die Dame am anderen Ende der Leitung wirkte schuldbewußt.

Garfield hörte wieder mit und gab mir ein eindeutiges Zeichen: "Nimm' die CD!" fauchte er mich an. "Wir brauchen kein Sofa!"

Ich erbarmte mich also und flötete ins Telefon: "Wissen Sie was, ich nehme die CD. Eigentlich brauche ich ja gar kein Sofa."

Die Dame wirkte sichtlich erleichtert, denn nun konnte sie sich die aufwendige Forschungsarbeit sparen und mußte nicht mehr herausfinden, wer da was verschlampt hatte.

Ich gab also meine Adresse durch und freue mich nun auf eine CD. Was auch immer da drauf sein mag. Angeblich kommt sie nächste Woche. Ich bin gespannt. Garfield meinte nur: "Toll. Jetzt haben Sie deine Adresse." Ganz genau, toll. Jetzt schicken Sie mir vielleicht ganz viele Pröbchen! Garfield verdrehte die Augen und ich freute mich. Muss ich dazusagen, dass ich die Produkte dieser Firma sowieso seit Jahren benutze?

 

Das Ende vom Lied lautet jedenfalls: ICH HABE ETWAS GEWONNEN!!!

26.01.2010 um 09:40 Uhr

Besuch, Bilder und Bewerbungen

Heute mal ein  bißchen von allem.

Erstmal: Hurra, es schneit wieder!!! Ich bin maximal begeistert und freue mich auf meinen nachmittäglichen Spaziergang. SO muss Bayern aussehen, so und nicht anders!

Dann freue ich mich riesig aufs Wochenende, denn wir bekommen Besuhuch! *jubel* Meine beste Freundin, das Schusselchen, und eine andere Freundin kommen vorbei, da sie nach München zum Nickleback-Konzert fahren. Da bietet es sich an, hier zu übernachten. Angeboten hatte ich das schon vor einiger Zeit, gestern nun kam die Panik-SMS: Jupp, wir würden ja gern bei euch schlafen, wenn's geht... Klar geht's! Und wie! Ich bin jetzt schon sowas von aufgeregt und freue mich, das gibt's gar nicht. Wir bekommen nie Besuch, merkt man, oder? Das Problem ist: Ich kenne hier noch niemanden. Noch nichtmal die Nachbarn. Die sind irgendwie nie da, jedenfalls habe ich noch nie jemanden von denen gesehen. Die Wohnung über uns ist gerade frei geworden und ich hoffe auf ganz nette neue Nachbarn, die man auch mal kennenlernt. Wegen des Besuchs am Wochenende (und weil's sowieso geplant und dringend nötig war), muss ich nun fleißig die Wohnung auf Vordermann bringen. Heute ist erstmal das Bad dran, morgen dann der Rest der Hütte. Ich muss vor allem diese ganzen Müllecken beseitigen. Bei meinen Eltern steht eine Kommode gleich neben der Küchentür - sehr praktisch um alles darauf abzulegen. Und das tut man, ganz automatisch. Das Ding sieht immer aus wie Sau, auch wenn man's gerade erst geputzt hat. Da stapeln sich Briefe, Süssigkeiten, Handys, Ladekabel, Kugelschreiber, Zettel etc. Ich habe mir immer vorgenommen, sowas niemals nicht irgendwo hinzustellen, denn alles, was auf Augen- oder Handhöhe ist, wird zugemüllt. Natürlich habe ich den Fehler doch wiederholt: Nach der Umgestaltung des Wohnzimmers hatten wir einen halbhohen Aktenschrank übrig. Von der Farbe und Größe her passte er genau in die Küche, also kam er dorthin. Es schien mir auch sehr praktisch, in der Küche einen Schrank für Kerzen, Geschenkpapier, Dekokram etc. zu haben. Allerdings kam es, wie es kommen musste: Das Ding sieht nie ordentlich aus. Eigentlich sollen darauf nur eine Schale mit Süßigkeiten und unsere Kleingeld-Kuh stehen, in der Praxis stapeln sich dort aber Briefe, Bewerbungsunterlagen, Schnürsenkel, Rechnungen, Kaugummis, Computerzubehör. Ich könnte kotzen! Meine erste Aufgabe ist es also, diesen ganzen Papierkram wegzuräumen. Ein ganz ähnliches Chaos herrscht auf meinem Nachttisch. Und unter dem Wohnzimmertisch. Was noch ganz dringend aufgeräumt bzw. komplett umgestaltet werden müsste: die Abstellkammer. Das schaffe ich diese Woche aber nicht mehr, die ist demnächst irgendwann dran. Denn neben dem ganzen Aufräumen wollte ich auch die Flurgestaltung endlich beenden. Oder überhaupt erstmal anfangen. Bei mir ist das so: Ich habe von Anfang an tolle Ideen für die Wandgetaltung, weiß schon beim Einzug, wo welches Bild hinkommen soll. Dann bleiben die Bilder aber erstmal liegen. Und liegen. Und liegen. In meiner letzten Wohnung habe ich mich im Februar daran gemacht, die Bilder aufzuhängen. Eingezogen war ich im Juni. Hier sieht es ganz ähnlich aus: Die Tüte mit den Bildern stand bis letzte Woche in der Kammer. In einem Anfall von Aktionismus holte ich sie ins Wohnzimmer, sah mir alle Bilder an, legte sie auf den Sessel und ließ sie dort liegen. Immerhin konnte ich Garfield am Wochenende überreden, meine Idee für den Flur abzusegnen. Ich habe irgendwann mal einen Kalender mit ganz tollen Fotos aus Namibia gewonnen. Einige von diesen Bildern will ich auf Pappe kleben und an die Flurwände hängen. Der Flur ist ziemlich lang und braucht dringend ein paar Hingucker. Gestern abend habe ich immerhin schon zwei von den Rückwänden ausgeschnitten, heute mache ich den Rest. Die anderen Bilder hänge ich dann auch noch auf - denke ich. Mal gucken.

Themenwechsel.

Nachdem ich nun also ganz offiziell mit dem Studium fertig bin und ein Zeugnis besitze, kann ich endlich Bewerbungen schreiben. Eine habe ich immerhin schon geschafft seit ich das Zeugnis habe - bravo! Bisher kamen auf alle meine Bewerbungen Absagen, also musste ich mich auf Fehlersuche begeben. Einen Tipp gab mir schon der Herr vom Amt: Viel zu lang! Meine Anschreiben gingen immer über zwei Seiten, waren schön formuliert und ausführlich geschrieben. Ich kann mich eben nicht kurz fassen und dachte mir, gerade wenn man sich irgendwo bewirbt, wo's ja auch ums Schreiben geht, kann das nicht schaden. Kann es wohl doch. Mit so langen Anschreiben landet man sofort auf dem "Absagen"-Stapel, weil kein Personaler Lust hat, Romane zu lesen. Nun ja. Ich habe dazu eine andere Meinung, aber die interessiert in dem Fall ja nicht. Jedenfalls habe ich mich dieses Mal wirklich kurz gehalten. Garfields Kollege bewirbt sich auch gerade und kennt einen Personaler, der ihm ein paar Tipps gegeben hat. Netterweise stellte mir der Kollege seine Bewerbung zur Verfügung, so dass ich mal gucken konnte. Fazit: Das Anschreiben muss quasi ein Werbespot für mich sein. Keine langen Erklärungen, was man wann wie und warum gemacht hat, sondern kurz und knapp schreiben, wer man ist und was man kann. Das fiel mir überhaupt nicht leicht, denn ich neige zu langen Erklärungen. Mein Lebenslauf ist ein kleines Chaos: Abi, Auslandsaufenthalt, angefangene Ausbildung, nochmal Ausland, ewig langes Studium. Dazwischen diverse Nebenjobs. Das will man erklären, oder ich zumindest. Ich will mich quasi rechtfertigen, für meine mangelnde Zielstrebigkeit und den fehlenden roten Faden in meinem bisherigen beruflichen Leben. Und natürlich dafür, dass ich mit fast 30 immer noch nicht richtig arbeite. Dieses Mal habe ich mich wirklich kurz gefasst und vor allem alle Infos weggelassen, die man im Lebenslauf sehen kann oder mit dem Job gar nichts zu tun haben. Ich bin gespannt, wie ich ankomme. Vielleicht klappt's ja dieses Mal... Schön wär's, denn der Job wäre klasse. Und nicht so weit weg. Nachher bringe ich die Bewerbung zur Post und dann heißt es wiedereinmal: Warten und Daumen drücken.

Nun denn, ich sollte mich ans Bad machen. Die Mail von der Krankenkasse ist endlich da, darauf habe ich nämlich gewartet, während ich dies hier schrieb. Kurz vor Ablauf meines Nachsendeauftrags ist mir doch noch eingefallen, dass ich meine Krankenkasse nicht über meine neue Adresse informiert habe. Das werde ich gleich noch tun, ich brauchte nur erst ein neues Passwort. Man ist ja so selten im "persönlichen Bereich" seiner Krankenkasse, dass man sowas vergisst. Ich hoffe nur, dass ich da auch meine Adresse ändern kann.

Und es geht spannend weiter! Lesen Sie morgen an dieser Stelle: Warum Rosa Maus nicht mehr einkaufen gehen kann.

20.01.2010 um 12:57 Uhr

Kann mir mal bitte...

... einer sagen, wie man mit einem Mann zusammen leben soll, der gefühlte 80% des Tages darüber nachdenkt, wie er sich wo schmutzig machen könnte? Der jedem Dreck (auch dem, den er sich einbildet) am liebsten aus dem Weg gehen möchte? Der einen Riesenaufstand macht, weil er eine Jalousie am Badfenster anbauen soll - welches sich neben dem Klo befindet? Der sich da so richtig einen abspinnen kann, dass es fast schon wieder lustig ist? Ehrlich, es ist manchmal so anstrengend!
Ja, der Mann ist irgendwie krank und kann nichts dafür, aber trotzdem! (Vor allem, wenn ich mich am liebsten totlachen möchte, er mich aber bitterernst anguckt und richtig sauer wird, wenn ich auch nur grinse.)
Manchmal kann ich nicht mehr... Ich erwische mich sogar hin und wieder dabei, dass ich denke: Wäre es allein nicht manchmal einfacher?

19.01.2010 um 09:50 Uhr

Küss' die Hand, Frau Magister

Ich verkünde stolz: Hier schreibt nun ganz offiziell eine Magistra Artium! Hört sich doof an? Stimmt. Trotzdem bin ich stolz wie Oskar, weil ich es nun endlich schwarz auf weiß habe. Klar, den Abschluss habe ich theoretisch wahrscheinlich schon seit Monaten, praktisch halte ich das Zeugnis aber erst jetzt in der Hand. Wäre ich Österreicherin, könnte ich mich jetzt mit diesem Titel schmücken. Am Klingelschild stünde "Rosa Maus, M.A." und am Telefon würde ich mich mit "Magistra Maus" oder so ähnlich melden. Man würde mich im Hotel mit "Frau Magistra" anreden. (Ich weiß das aus erster Hand von meinem Cousin, der in Wien wohnt. Sollten sich hier Österreicher rumtreiben, die es besser wissen, Hand hoch!) Hach... aber hier ist nicht Österreich und wir sind nicht so versessen auf Titel. Bei uns ist ein Magistertitel irgendwie nicht so anerkannt, habe ich das Gefühl. Mit dem Diplom schmückt sich jeder gern, der Magister wird lieber unter den Tisch gekehrt. Warum eigentlich? Gut, wir müssen nix verteidigen, aber ansonsten ist es doch gleichwertig, oder? Und das alte Klischee, dass man mit dem Magister nur Taxi fahren kann, stimmt ja wohl auch nicht (mehr). Obwohl... wir werden sehen. Jetzt heißt es bewerben, bewerben, bewerben. Und was mache ich? Wahlweise bei blogigo schreiben oder lesen. Ich bin so ein faules Stück!

Ach so, meine Note? Gut. Schlechter als erhofft, aber besser als befürchtet. Und nur 0,1 Punkt schlechter als mein Abitur. Bestätigt eigentlich mein Bild von mir: Nicht der absolute Überflieger, aber ganz gut in den meisten Dingen, die ich anpacke. Kein Dummkopf, aber leider etwas faul. Deshalb auch nicht "sehr gut". Aber mit wenig Aufwand wenigstens im guten Bereich von "gut" (1 vor'm Komma) zu landen, ist doch auch eine Leistung. Also, ich finde das gut. (Etwas zu oft, das Wort "gut" verwendet? Ich gelobe Besserung!) 

Und es gibt noch eine erfreuliche Meldung: Frau Maus ist lernfähig! Beispiel gefällig? Bitte schön:

Gestern abend kam Garfield nach Hause - schlecht gelaunt. Passiert Montags öfter, ist nix Besonderes. Die Arbeit... Bisher habe ich seine schlechte Stimmung immer sofort auf mich bezogen, ihn darauf angesprochen, nicht locker gelassen und so schlussendlich einen dicken Streit provoziert. Ich konnte den Herrn nicht einfach schlecht gelaunt sein lassen, obwohl ich im Grunde genau wußte, dass es nicht an mir liegt, sondern an seinem Job. Und ich wußte, dass er bestimmt nicht darüber reden möchte. Aber, Frau Maus muss ja immer alles hinterfragen und ist außerdem unglaublich dumm. In der Vergangenheit gab es deswegen öfter Streit. Nicht so gestern.

Gestern blieb Frau Maus, zum ersten Mal, cool. Sie ignorierte die offensichtliche schlechte Laune einfach, machte sich keine Gedanken darüber und bezog sie vor allem nicht auf sich. (Jedenfalls nicht offen. Ihr könnt mir glauben, innerlich brodelte es schon.) Ich redete ganz normal mit Garfield, auch wenn er sehr wortkarg war. Ich erzählte, was ich erzählen wollte, auch wenn er sehr kurz angebunden reagierte. Ich nahm die Situation einfach so hin und wehrte mich nicht dagegen. Der Erfolg gab mir recht: Zwischendurch besserte sich Garfields Laune immer mal wieder und der Abend verlief harmonisch. So muss das sein!

Natürlich kam ich nicht umhin, mich zu fragen, warum ich seine schlechte Laune, auch wenn der Grund so offensichtlich nichts mit mir zu tun hat, immer persönlich nehme. Letzte Woche hatten wir deswegen mehrmals Streit und Freitag kam die Erkenntnis: Mein Päckchen ist Schuld. Das Päckchen, das ich noch von meinem Ex rumtrage.

Rückblick:

Januar/Februar 2008. Ich bin gerade bei meinem Freund in Berlin eingezogen und überglücklich. Ich habe das Gefühl, dass mein Leben endlich in die richtige Richtung läuft. Ich gebe mir wirklich viel Mühe, trotzdem habe ich immer öfter das Gefühl, der Mann an meiner Seite ist nicht ganz so glücklich. Er zieht sich schrittweise zurück, unsere Beziehung - oder eher er - verändert sich. Es gibt weniger Körperkontakt, weniger Zärtlichkeiten, weniger Gespräche. Er arbeitet meistens lange, und wenn nicht, trifft er sich noch mit Freunden oder Kollegen. Ich bin die meiste Zeit allein und leide darunter. Oft fühle ich mich komplett von ihm ignoriert, denn er unternimmt auch nichts mehr mit mir. Am Wochenende streife ich allein durch Berlin und erobere mir die Stadt, während er zu Hause auf der Couch liegt oder sportelt. Ich Dummchen merke das alles, nehme es mir auch zu Herzen, beziehe es aber nicht auf mich. Ich schiebe die Schuld auf seinen Job: Wahrscheinlich ist er unzufrieden, weil Experimente nicht so klappen, wie er sich das dachte, weil er mit seiner Doktorarbeit nicht vorankommt, weil Dinge versprochen und nicht gehalten wurden. Ja, das muss es sein. Nicht einmal gestehe ich mir ein, dass es möglicherweise an mir liegt, dass ich vielleicht der Grund dafür bin, dass er sich zurückzieht. Nie bekomme ich Zweifel an der Beziehung. Blöder Fehler, denn so trifft mich seine Bitte, wieder auszuziehen, völlig unvorbereitet. Und auch die Trennung kurze Zeit später. 

Heute ist es genau umgekehrt: Tatsächlich ist der Job schuld an der schlechten Stimmung manchmal, ich aber suche die Gründe bei mir. Gebranntes Kind eben. Finde ich mir bekannte Muster, reagiere ich mit Gelerntem. Der Mann ist schlecht drauf, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt? Kann der Job schuld sein? Nein, viel zu einfach! Beim letzten Mal unterlag ich da einem Irrtum, also gehe ich jetzt mal per se davon aus, dass ich schuld bin. Wahrscheinlich ist er genervt von meiner ständigen Anwesenheit. Überlegt vielleicht sogar schon, wie er mich am besten wieder los wird.

Ja, ich weiß, ich bin eine Idiotin. Eine Idiotin mit Uni-Abschluss, aber trotzdem unglaublich blöd. Und das nur, weil der Herr nicht jeden Abend reinkommt, mich in den Arm nimmt, mit mir durch die Küche tanzt und mir freudestrahlend erklärt, wie unglaublich glücklich er ist, wieder bei mir zu Hause zu sein. (Bin ich blöd? Sowas machen Männer doch nur im Film!)

Aber, ich lerne. Gestern bin ich cool geblieben und ich werde dies auch in Zukunft so handhaben. Denn wir haben das geklärt, am Freitag. Garfield hat mir hoch und heilig versprochen, dass er nicht wie mein Ex ist. Er wird nicht schweigen und abwarten, sondern mir sagen, was los ist, wenn es was mit mir zu tun hat. Wie schön, dass wir Menschen sind und damit eine höhere Lebensform. Eine, die aus ihren Fehlern lernt. Toll! Danke Evolution!

Alles wird gut.

14.01.2010 um 13:32 Uhr

Eine Zeugnisgeschichte

Da macht man EINMAL die Tür nicht auf, weil man noch im Bett liegt, und dann sowas!

Rückblick:

Vor fast einem Jahr, am 5. Februar 2009, händigte ich meine Abschlussarbeit dem Prüfungsamt aus. Es war eine wirklich schwere Geburt gewesen und ich war heilfroh, endlich fertig zu sein. Damit war mein Studium nämlich endlich abgeschlossen. Ich rechnete mit maximal einem halben Jahr Wartezeit, bis ich mein Zeugnis endlich in der Hand halten könnte. Witzig! Ich wußte natürlich, dass der Prof, den ich mir ausgesucht hatte, etwas lahm ist. Dafür ist er aber sehr nett, hilfreich und vor allem hatte ich bei ihm bereits mehrere Seminararbeiten geschrieben und jedes Mal 'ne gute Note kassiert. Das schien mir Rechtfertigung genug, außerdem ging ich davon aus, dass ihm das Prüfungsamt ja im Nacken saß. Denkste! Bei der Abgabe frage ich noch, wie lange die Korrektur so in etwa dauern würde.

Prüfungsamttante (Im Folgenden kurz PAT): "Der Dozent bekommt das jetzt und hat dann 8 Wochen Zeit."

(Acht Wochen? Das schafft der nie, dachte ich so bei mir.)

Rosa Maus: "Und wenn er dann nicht fertig ist?"

PAT: "Dann bekommt er ein Schreiben von mir."

Gut, dachte ich, die bleiben da also dran.

Es vergingen zwei Monate, drei Monate, ich hörte nix. Weder vom Prof noch von der PAT. Ich machte mir erstmal keine Sorgen und vertraute auf die Uni. Immerhin machen die bei den Studenten auch ordentlich Druck bei Abgabeterminen, Anmeldefristen etc. 

Im Juni oder Juli fragte ich, auf Drängen Garfields, bei der PAT telefonisch nach. Das war gar nicht so einfach, denn man bekommt Frau Merkel leichter ans Telefon als die PAT meiner Uni. Entweder es ist besetzt oder es geht keiner ran. Man kann im 10-Minuten-Takt mit verschiedenen Nummern anrufen - erfolglos. Während und außerhalb der Sprechzeiten, bei verschiedenen PATs, bringt alles gar nichts. Irgendwann hatte ich die PAT dann mal an der Strippe, nur um zu erfahren, dass noch nichts da wäre.

Rosa Maus: "Machen sie dem Prof denn jetzt Druck?"

PAT: "Da arbeiten wir den Stapel von oben ab."

Rosa Maus: "Aha....... Kann ich die Sache denn irgendwie beschleunigen?"

PAT: "Reden Sie doch mal mit dem Prof."

Gute Idee. Allerdings hatte ich etwas Angst. Was, wenn ich ihm Druck mache und sich das dann negativ auf die Note auswirkt? Ich bin ein schüchterner Mensch und telefoniere gar nicht gern mit Fremden, also schob ich das wichtige Telefonat raus.

Zwischenzeitlich war ich natürlich exmatrikuliert worden und konnte mich (Endlich!) beim Arbeitsamt melden. (Als Student ist man nämlich der letzte Arsch und bekommt vom Staat nix.) Das Amt wollte natürlich Bewerbungsinitiativen sehen. Ich bewarb mich also auf ein, zwei Stellen und merkte schnell: Ohne Zeugnis gucken die meine Bewerbung nicht mal an. Also wuchs der Leidensdruck, denn ich wollte ja auch arbeiten! Ende August schließlich beschloss ich, den Prof endlich anzurufen. Zufällig hatte er am nächsten Tag Sprechstunde, also nix wie los. Das Gespräch verlief nett:

Rosa Maus: "Hier ist Rosa Maus. Ich wollte mal nachfragen, ob sie meine Arbeit schon gelesen haben."

Prof: "Ach, schön dass Sie anrufen. Ja, die ist lange fertig. Ich hätte sie aber noch eine Weile liegen lassen, wenn Sie sich nicht gemeldet hätten."

Rosa Maus: ???

Prof: "Ich mache das Gutachten fertig. Rufen Sie mal in zwei Wochen meine Sekretärin an, die gibt dann weitere Instruktionen."

Rosa Maus: ??? (Wenn er es schon fertig hat, wieso braucht er dann jetzt zwei Wochen für das Gutachten??? Egal, ich stimmte zu und war froh.)

Zwei Wochen später, Telefonat mit Sekretärin Frau A. Eine ganz, ganz liebe!

Rosa Maus: "Ich rufe wegen meiner Abschlussarbeit an. Prof *** wollte das Gutachten fertig machen und Ihnen geben."

Frau A.: ??? (Stimmt eigentlich. Warum sollte ich sie nochmal anrufen, das Ding geht doch eh' ans Prüfungsamt.) "Nö, hier ist nix."

Toll! Ganz, ganz toll! Sie wollte aber nachfragen und ich sollte nochmal anrufen.

Einige Tage später versuchte ich es wieder und erfuhr: Gutachten unterwegs zur PAT! Juchu, es geschehen noch Zeichen und Wunder.  (Leider hatte Frau A. vergessen, die Note in ihren Computer einzutragen, deshalb konnte sie mir die nicht sagen. Das verzieh' ich ihr aber.) Ende September, immerhin mehr als SIEBEN Monate nach Abgabe, war mein Zeugnis so gut wie fertig!  Ich fragte nochmal nach, ob ich noch irgendwas tun müsse, aber nein, meinte Frau A., das läuft jetzt alles und die PAT meldet sich dann bei mir. Bald würde ich mein Zeugnis haben und konnte mich endlich ernsthaft bewerben.

Ich Optimist ich!

Einige Wochen später rief ich bei der PAT an. Ich hatte nichts von denen gehört und wollte mal nachfragen. Natürlich erreichte ich niemanden. Ich versuchte es eine Woche lang, mehrmals täglich, ohne Erfolg. Dann vergaß ich es im Umzugsstress wieder.

Im Oktober fiel es mir wieder ein - da war doch noch was. Ich also wieder ans Telefon. Selbes Spiel wie immer. Schließlich versuchte ich es über die Zentrale, doch auch so ging keiner ran. Immerhin erfuhr ich bei der netten Dame von der Zentrale, dass die PATs IMMER schwer zu erreichen sind, selbst bei internen Anrufen. Ich wollte mich schon beim ASTA beschweren, fand aber im Netz die Möglichkeit, der PAT eine Mail zu schreiben. Das tat ich. Ich erörterte mein Problem, denn in erster Linie hatte ich Angst, dass mein Zeugnis durch den Umzug irgendwie verloren geht. Immerhin hatten die meine neue Adresse und Telefonnummer nicht. Überhaupt wollte ich gern wissen, in welcher Form man informiert wird, wenn das Zeugnis fertig ist. Ich schrieb also eine lange Mail und, siehe da, bekam eine Antwort! Von einer neuen PAT! Die schien ziemlich auf Zack und zumindest bemüht, mir zu helfen. Sie schrieb, sie hätte jetzt mal mein fehlendes Zweitgutachten rausgesucht (Hä? Wieso fehlte das???), meine Adresse aufgeschrieben und vermerkt, dass ich das Ding zugeschickt haben möchte. Sie kümmere sich jetzt darum, aber es könne eine Weile dauern, bis alle Unterschriften da wären. Ich war erleichtert und bekam kurz darauf (11.11.09) sogar einen Brief von der PAT. Man bescheinigte mir den erfolgreichen Abschluss des Studiums und kündigte mir an, ich könne mein Zeugnis in ca. drei Wochen abholen. Ich rechnete nach und erwartete mein Zeugnis Anfang/Mitte Dezember.

Es kam nichts. Der Briefkasten blieb leer. Selbst mit Kulanz für die lahme Post, hätte ich mein Zeugnis Weihnachten haben müssen. Ich war sauer, sparte mir aber den Annruf (Weihnachtsferien) und verschob das Problem ins neue Jahr. 

Montag versuchte ich, die PAT anzurufen. Ohne Erfolg. Immerhin: Es gibt jetzt eine Bandansage, in der man den Anrufer auffordert, außerhalb der Sprechzeiten anzurufen. Ich ersparte mir das und schrieb lieber gleich eine Mail an die nette PAT. Sie antwortete am nächsten Tag und erklärte mir Folgendes:

Man hatte die Studierenden unter den PATs neu aufgeteilt, so dass diese PAT nicht mehr für mich zuständig war. Die andere PAT hatte mein Zeugnis zwar in meine Akte gelegt, dabei aber übersehen, dass ich das Ding geschickt bekommen möchte. (An dieser Stelle wollte ich meinen Kopf in den Backofen stecken, ist aber leider kein Gasherd.) Mein Zeugnis wartete also in einem Regal, 600km entfernt, auf mich. Die nette PAT war aber so nett, sich nochmal darum zu kümmern und mein Zeugnis abzuschicken. Das sollte gestern geschehen, ich erwartete also heute oder morgen Post.

Heute morgen nun kam ich nicht aus dem Bett. Garfield hatte den Wecker ab 6h im 10-Minuten-Takt klingeln lassen, bis er 7h45 schließlich aufstand. Ich war dementsprechend gerädert und schlief noch etwas, nachdem der Herr das Feld geräumt hatte. Ich überlegte gerade, wie ich mich jetzt am besten aus dem Bett schubse, da klingelte es. Im Pyjama an die Tür? Niemals! Ich dachte es sei der Vermieter, der wieder irgendwas will. Oder aber der Postbote, der meinen wahrscheinlich recht großen, wichtig aussehenden Brief nicht in unseren Mini-Briefkasten stecken wollte. Sonst legt er sogar Pakete einfach vor die Tür, ich machte also nicht auf. Soll er das Teil doch vor die Tür legen oder beim Vermieter abgeben, ich bin jedenfalls noch nicht vorzeigbar.

Vorhin brachte ich den Müll raus, in Erwartung eines Briefes für mich auf der Treppe oder im Briefkasten. Was hatte ich drin???

Einen blauen Zettel! Das Ding war per Einschreiben gekommen! Traurig (Morgen kommt der Postmann nochmal und dann werde ich aber sowas von bereit sein, aufzumachen. Auch wenn ich gerade aus der Dusche komme oder auf dem Pott sitze!)

Die Moral von der Geschichte übrigens: Es ist durchaus möglich, nur 11 Monate nach Abgabe seiner Abschlussarbeit sein Zeugnis in Händen zu halten. (Und jetzt drücken bitte alle mal ganz doll die Daumen, dass es sich bei dem Einschreiben tatsächlich um mein Zeugnis handelt, und nicht um irgendwelchen Sch*** vom Amt. Ich schwöre, wenn auf dem Brief nicht das Logo meiner Uni prangt, erwürge ich den Postboten!)

13.01.2010 um 11:16 Uhr

Guckst du rechts unten!

Achtung: Neue Umfrage!

Musste erst ein bißchen rumbasteln, dass man was lesen kann. Dieses CSS überfordert mich immer noch. Am besten nix mehr anfassen ;-)

13.01.2010 um 10:18 Uhr

Die Firma

Gestern wollte ich noch einen Jammereintrag verfassen: Wie langweilig doch mein Leben gerade ist. Kein Streit, keine Abenteuer, kein Stress. Die Strafe für solche Gedanken folgte auf dem Fuße - gestern abend hat's mal wieder so richtig gekracht. Auslöser war, wie in 80% der Fälle, Garfields Job. Und weil dies wohl unser Streitthema Nr. 1 bleiben wird, lasse ich mich mal etwas darüber aus.

Garfield ist ein sehr ehrgeiziger, strebsamer Mensch. Ich kann ihn mir gut in der Schule vorstellen: der Oberstreber, immer der Beste, immer der Erste. Ich hätte ihn bestimmt nicht leiden können, auch wenn er wohl keiner war, der mit seinen Leistungen angegeben hat. Er brauchte das eher für sich, definierte sich darüber. Erziehungssache. Wenn man von den Eltern immer wieder hört, dass man "mit einer drei gar nicht erst nach Hause" zu kommen braucht, zeigt das irgendwann Wirkung. Überraschenderweise hat Garfields zehn Jahre jüngerer Bruder eine ganz andere Erziehung genossen. Wahrscheinlich haben sie doch irgendwann gemerkt, dass da was falsch läuft. Bei Garfield hatten sie diese Einsicht noch nicht, leider. Er hat sicher viel verpasst, wenn er die Wochenenden, die Abende, die Nächte, die Ferien lernend verbrachte. Daneben gab es noch den Fußball, das war's. Schule war für ihn extrem wichtig und der Erfolg dort lebensnotwendig. Irgendwie muss man ja die Aufmerksamkeit der Eltern erringen, vor allem wenn man mit zehn nochmal einen kleinen Bruder bekommt. Das spielt da sicher auch mit rein. Wahrscheinlich kann man sich gegen so einen süßen kleinen Fratz nur behaupten, wenn man überall der Beste ist. Darunter ging gar nichts. Und da kein Lob kam - höchstens Zurkenntnisnahme (In dieser Familie wird nicht gelobt. Es wird sich ja auch nicht bedankt, aber das ist ein anderes Paar Schuhe.) - wurde Klein Garfield zu immer weiteren Höchstleistungen angespornt. Es folgte: Jahrgangsbester beim Abi, mit allem drum und dran. Beim Studium setzte sich die extreme Leistungsorientierung fort: Garfield war immer und überall der Beste. Natürlich steckte hinter der ganzen Anstrengung ein Plan: Irgendwann sollte es sich rentieren, er würde einen tollen Job bekommen, tun können, was ihm Spass macht, es sollte einen Lohn für die Mühen geben.

Ha. Ha.

Was hat ihm die ganze Schufterei gebracht? Was hat er nun davon, dass er überall der Beste war? NICHTS! Er sitzt auf einem Posten, auf dem er mehr als unterfordert ist. Er sitzt seine Zeit ab und hat im Grunde nichts zu tun. Er muss Leuten gehorchen, vor denen er keinen Respekt hat, weil sie einfach nur blöd sind. Er muss zusehen, wie Kollegen befördert werden, die viel dümmer sind und viel weniger leisten. Er dreht den ganzen Tag Däumchen, wird nicht gefordert und verdummt peu à peu. Das macht ihm zu schaffen, sehr sogar. Er ist es gewohnt, Leistung zu bringen, sich anzustrengen, und dafür belohnt zu werden. Aber dieses Schema funktioniert in seinem Job nicht. Wenn er sich anstrengt interessiert das genauso wenig, wie wenn er sich keine Mühe gibt. Im Prinzip ist es völlig egal, ob er was macht oder nicht. Er ist frustriert, fühlt sich verarscht. Vom Leben, aber auch von der Firma. Und das Schlimmste: Er kommt da nicht raus, jedenfalls nicht in nächster Zeit. Ein paar Jahre muss er noch absitzen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Klar, er könnte sich freikaufen. Für eine völlig utopische, aus der Luft gegriffene Unsumme, die die Firma angeblich in seine ach so tolle Ausbildung investiert hätte. Seltsam, so besonders kann die Ausbildung nicht gewesen sein, wenn man sie jetzt so brach liegen lässt. Mal ganz davon abgesehen, dass Garfield etwas ganz anderes werden sollte. Aber da wurde er ja schon zum ersten Mal verarscht. Nach ein paar Jahren wurden die Einstellungsbedingungen einfach geändert, so dass er ohne längere Verpflichtung eben nicht mehr das werden konnte, wofür er ursprünglich mal unterschrieben hatte. Gemein, fies, unfair. Ich würde diesen Verein auch hassen. Tu ich auch, einfach nur, weil er meinen Freund so fertig macht.

Dummerweise ist Garfield auch kein Arschkriecher und lässt die Menschen um ihn rum merken, wie unzufrieden er ist. Damit macht er sich natürlich nicht gerade beliebt und legt sich selbst Steine in den Weg. Denn er hat ja Alternativvorschläge, wo er überall besser eingesetzt wäre. Nur müssen seine Vorgesetzten zustimmen, und das werden sie niemals tun. Sie wollen ihn ja schön ärgern, so wie er sie. Also sitzt er da und hat den ganzen Tag Zeit, darüber nachzudenken, wie sch*** sein Leben ist. Abbauen kann er den Frust natürlich nicht, denn er hat ja nix zu tun. Dann kommt er nach Hause und schafft es eben nicht immer, den Ärger in einer Kiste zu verstauen. Er bricht einen Streit vom Zaun, macht mir wegen irgendwelcher Kleinigkeiten Vorwürfe, ich springe darauf an, wir streiten uns ganz herrlich bis ich heule, er sieht ein, dass er ein Idiot ist, entschuldigt sich und schwört Besserung. Die kann aber nicht kommen, solange Garfield in diesem Job gefangen ist. Es ist ein Teufelskreis und es gibt keine Lösung. Das ist frustrierend, auch für mich. Denn normalerweise ist Garfield ein ganz wunderbarer Mensch! Es hat schon seinen Grund, dass wir uns in den zwei Urlaubswochen so wunderbar verstanden haben. Es ist dieser Job, der ihn launisch, depressiv und unberechenbar macht. Er gibt sich Mühe, versucht, es zu verstecken, aber das klappt eben nicht immer. Ab und zu muss er Frust abbauen, dann bin ich eben der Blitzableiter. Schlimm ist dabei nur, dass ich diese Streits viel zu ernst nehme. Ich muss endlich lernen, damit enspannter umzugehen. Und Garfield braucht dringend eine Herausforderung außerhalb des Jobs. Etwas, was ihn ausfüllt. Aber was soll das nur sein???

08.01.2010 um 09:47 Uhr

Weiße Pracht!

Huch, das ging aber schnell! Gestern noch beschwert, heute schon das Ergebnis!

Als ich gestern hier ankam, war ich mehr als enttäuscht. Kein Schnee, nix, nada, niente, nothing, rien. Wie jetzt? Bei meinen Eltern im Nordosten zwanzig Zentimeter, sogar bei Garfield zu Hause - wo es sonst fast nie schneit - immerhin fünf, und hier, in Bayern (!!!) fast nichts. Ein paar weißliche Flecken, das war's. Und jetzt schneit es in dicken Flocken und soll bis morgen so weitergehen. Wahnsinn! Allerdings habe ich jetzt ein bißchen Schiss vor den zwanzig Kilometern, die ich nachher fahren muss... Man wird sehen, wie ich damit zurechtkomme. So richtig Routine habe ich im Winter- bzw. Schneefahren nicht, schon gar nicht mit Heckantrieb. Mal gucken. Garfield hatte mir mal was erklärt, diesbezüglich, aber es ist, wie so vieles, schon wieder vergessen. Ich sollte wirklich besser zuhören bei sowas! (Vorsatz für's neue Jahr!)

Und der Aufreger des Tages: Ich habe einen Katalog von B*onprix bekommen. Die schicken mir schon seit Jahren regelmäßig ihr Blättlein, unermüdlich, obwohl ich noch nie was bei bestellt habe. Ich dachte, nun sei Schluss damit. Neue Adresse und so. Gestern nun kam doch was. Wie jetzt? Woher bitte schön haben die meine Adresse? Ich dachte immer, Sch*wab oder Trois*Suisses geben die weiter, aber da habe ich mich wohl geirrt. DIE haben meine neue Adresse nämlich nicht, weil ich seit dem Umzug nix bestellt habe. Meine neue Adresse bekamen bisher: das Amt, die Stadt (klar), die Uni, ein Antiquar in Leipzig, der Chillishop, die lokale Tageszeitung. und natürlich die Post (Nachsendeauftrag). Das war's. Jetzt möchte ich echt mal wissen, wer von denen fleißig Adressen unter die Leute bringt!

07.01.2010 um 22:54 Uhr

Rübergerutscht

Erstmal jammern: Ich bin heute ganz allein in eine leere, kalte Wohnung zurückgekehrt. Ich muss ganz allein die Nacht verbringen - zum ersten Mal seit drei Monaten. Und: Ich schlafe zum ersten Mal allein in dieser Wohnung! Es fühlt sich komisch an und nicht richtig, so allein zu sein. Es ist nur ganz kurz schön - dieses Gefühl von Freiheit und tun zu können, was man will - dann kommt die Einsamkeit. Ich bin also gerade allein und das kam so:

Heiligabend sind wir zu Garfields Familie gefahren. Seltsam, diesen Abend nicht mit der eigenen Familie zu verbringen, aber interessant. Statt Wiener mit Kartoffelsalat gab es Lasagne, statt Tannenbaum gab es TannenbäumCHEN, statt gemeinsamem Singen (Jupp, richtig gelesen. Meine Eltern bestehen darauf: Vor der Bescherung wird gesungen. Was willste machen, beide im Chor...) gab es Kirche. Und statt feierlicher, ausgedehnter Bescherung gab es... hm, nennen wir es: Geschenke verteilen. Nun ja, Kirche war... gewöhnungsbedürftig bis langweilig. Aber ich muss zugeben, als zum Schluss alle zusammen in der nur mit Kerzen beleuchteten Kirche "Stille Nacht" sangen, das war schön. Irgendwie. Danach wurde ein Zwischenstopp bei Oma und Opa eingelegt, das war anstrengend. Es gab einen "super-guten" Wein nach dem anderen - alle waren eklig. Der erste war ein sehr teurer Eiswein - bäh! Der Zweite roch (und schmeckte) nach Schwefel. Der Dritte schmeckte wie Essig. Ich probierte brav und gab mein Glas dann unauffällig an Garfield weiter. Das ganze fand in einem extrem überheizten Wohnzimmer statt, wo wir in Jacken rumstanden. Ich war sehr froh, als wir relativ schnell wieder draußen in der Kälte standen. Geschenke gab's natürlich auch: mein f*i*l*o*f*a*x ist einfach wunderhübsch und riecht sooo lecker nach Leder. Der Pyjama, den ich von Mama Garfield bekommen habe, sieht ok aus. Eine tolle Überraschung hatte mein Schwager in spe: Er tönte schon vorher, dass er ein Geschenk für uns hätte und wir rätselten. Was wollte der uns schenken? Uns BEIDEN? Es war... *tusch*... ein Autoradio! Mit CD! Für das alte Autochen. Das hat(te) zwar ein Radio, aber das war so alt wie das Gefährt und funktionierte nicht mehr richtig. Einige Knöpfe hatten den Dienst quittiert und Sender waren gelöscht, sobald die Zündung länger als zehn Minuten aus war. Bei unserem vorletzten Besuch hatte Schwager mitbekommen, wie wir darüber redeten, auf dem Schrottplatz ein neueres Radio zu besorgen. Was für ein Mann! Hat sofort reagiert und uns so ein high quality-Teil ersteigert. Nur zur Info: Das Ding kostet neu soviel wie 25% des Autos. Der Einbau gestaltete sich etwas schwierig und amüsant - mit Löten und so - aber jetzt funzt es und ich kann Radio UND CD hören beim Fahren. Luxus pur sag' ich Euch!

Am Ersten Feiertag ging es ab zu meinen Eltern, einmal quer durch Deutschland. Nun, es gibt Schöneres, als diesen Tag halb auf der Autobahn zu verbringen, aber es hat sich gelohnt. Wir blieben nicht, wie zunächst geplant, eine Woche, sondern ganze zehn Tage. Und es war sooo schön! Wir hatten Schnee ohne Ende, Familienidylle, Geschenke, leckeres Essen. Wir gingen jeden Tag mit dem Hund spazieren, lieferten uns Schneeballschlachten (Mit Einseifen! Fies!), spendierten dem Autochen eine neue Batterie, waren shoppen, kochten, bowlten, spielten, redeten, lernten die neue Freundin meines Bruders kennen (Netter als die alte. Nicht so'n Püppchen. Dafür riesig! Ich fühl' mich neben ihr wie ein Zwerg. Garfield zum Glück auch.), aßen viel zu viel und stritten natürlich auch. Aber nur zweimal, das ist ein guter Schnitt. Immerhin hingen wir zwei Wochen lang ständig aufeinander. Trotzdem kein Anzeichen von Überdruss oder Nerverei. Silvester mit der Familie war so lala. Nicht DIE Knallerparty, aber lustig und schnell vorbei. Ich war hundemüde, wäre am liebsten schon vor zwölf ins Bett gegangen. Zum Glück verabschiedeten sich die Gäste alle gegen zwei, so dass wir - nach Aufräumaktion - schon gegen drei im Bett lagen. Nicht einen Moment lang hatte ich das Gefühl etwas zu verpassen, obwohl ich wußte, dass meine Mädels wieder in Berlin Party machen. Es war alles gut, so wie es war. Das Highlight des Abends: Peles Kartoffelbrot! Ich habe es anlässlich der Party ausprobiert, weil ich dachte, es könnte gut zu den Suppen passen. Es war der Hammer! Sowas von lecker! Und alle, alle, alle wollten gleich das Rezept. Ich denke, das wird unser neuer Chilli-Begleiter ;-)

Nachdem die Abreise zweimal verschoben worden war, hieß es am Montag schließlich Abschied nehmen. Das war hart, nach über einer Woche in der Heimat. Aber wir wollten ja noch ein paar Tage bei Garfields Eltern verbringen und vor allem seinem Bruder beim Umzug helfen. Der zog zwar nur vom ersten Stock in den Keller, eine Menge Schlepperei war's aber trotzdem. Als wir Montag Abend dort ankamen, teilte uns Papa Garfield mit, dass der Opa in der Nacht gestorben sei. Ich war geschockt, ich kann mit sowas nicht umgehen. Bei mir kommen in solchen Momenten sofort die Erinnerungen an den Tod meiner Oma vor zehn Jahren hoch. Sie starb völlig unerwartet, war der Fels in der Familienbrandung und ein wahnsinniger Verlust. Sie fehlt immer noch. Garfield reagierte... irgendwie gar nicht. Er nahm es zur Kenntnis und ging dann zur Tagesordnung über. Männer sind komisch! Papa Garfield nagelte mir gleich darauf ungefragt einen Monolog über die Erbangelegenheiten an die Backe. Das fand ich etwas gewöhnungsbedürftig: Der Opa noch nicht mal kalt, wird schon über das Erbe spekuliert. Das Thema kam in den folgenden Tagen übrigens noch öfter auf. War meine Familie damals wie eingefroren gewesen durch den Schock, ging das Leben bei Garfields eigentlich normal weiter. Nicht mal Mama Garfield schien wirklich aufgewühlt, zumindest sah man es ihr nicht an. Wenn ich da an meine Mutter denke, damals... Irgendwie war alles ganz normal, nur dass sich die Tischgespräche mal um Sargpreise und Beerdigungskosten drehten. Ich fasse das irgendwie immer noch nicht, denn eigentlich stand man sich schon sehr nahe. Ich überlege, ob diese extreme Gefasstheit etwas mit dem Glauben zu tun hat. Mama Garfield ist ja sehr gläubig und geht deshalb vielleicht ganz anders mit dem Tod ihres Vaters um. Sie nimmt ihn an und fragt nicht nach dem Warum. Sie hadert nicht damit. Falls es so ist, finde ich das beneidenswert. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Tod nicht völlig unerwartet kam. Dem Opa ging es schon ein paar Tage schlecht, es kündigte sich an. Übrigens wurde dies Garfield am Telefon erzählt, als wir bei meinen Eltern waren. Erwähnt hat er's mir gegenüber aber nicht. Fand er es nicht erwähnenswert? Oder wollte er es mit sich ausmachen? Nochmal: Männer sind seltsam, was sowas angeht. Jedenfalls findet morgen die Beerdigung statt, deshalb bleibt Garfield einen Tag länger als ich bei seinen Eltern. (Zum Glück muss ich mich morgen beim Amt zurückmelden, so erspare ich mir die Beerdigung. Ich ertrage sowas nicht, schon gar nicht unter Fremden.)

Tja, und so kommt es, dass ich heute abend und nacht allein bin. Ich bin nach dem Mittagessen losgefahren, habe auf dem Weg noch etwas eingekauft und war so gegen vier hier. Dann habe ich eine halbe Stunde das Auto ausgeräumt. Man, was haben wir nicht alles mitgeschleppt! Wir sind ja schon vollgepackt losgefahren (Als wir los sind, muss unser Vermieter Angst bekommen haben, wir würden uns absetzen, so viele Taschen und Tüten haben wir ins Auto gepackt!), aber in den zwei Wochen hat sich das Zeug gefühlt verdoppelt! Auto auspacken also eine halbe Stunde. Dann habe ich mit der Wäsche angefangen (Die dritte Maschine läuft gerade und es ist kein Ende in Sicht... *stöhn*) und danach bis sechs die diversen Koffer und Taschen ausgeräumt. Was für ein Akt! Ich stelle fest: Nächstes Mal wird nur das Nötigste mitgenommen. Und: Unsere Süßigkeiten reichen mindestens bis Ostern! Meine Mutter hat sich da wirklich ins Zeug gelegt. Geschwächt von der ganzen Auspackerei habe ich gegessen und dann gebadet. Rundumprogramm: Schlammmaske (Nebenbei: Ich musste mir aus dem OSTEN Heilerde mitbringen, weil es hier nirgends die für die äußere Anwendung gibt. Ich war in diversen Drogerien... nada. Es gibt immer nur die zum Einnehmen. Dabei handelt es sich um ein WESTPRODUKT! Sowas!), endlich Beine rasieren, entspannen. Danach fernsehen und zwischendurch immer mal wieder Wäsche raus aus der Maschine, Wäsche rein, aufhängen. Vorausschauend wie ich bin habe ich mir sogar eine Wärmflasche ins Bett gelegt, schließlich fehlt mir heute mein menschliches Heizkissen. Mal sehen, ob's was gebracht hat.

Man, ich will schlafen gehen, wann ist diese blöde Waschmaschine endlich fertig?

Tja, so habe ich den Nachmittag/Abend rumgebracht, mal gucken, wie die Nacht wird. Wie schnell man sich an manche Dinge gewöhnen kann..: Mir fehlt der Mann an meiner Seite! Obwohl, oder vielleicht auch gerade weil, wir uns gerade zwei Wochen ununterbrochen gesehen haben. Wir haben gekuschelt, geknutscht, uns geliebt, diskutiert. Wir sollten jetzt mal eine Pause brauchen. Zumindest bei mir aber Fehlanzeige. Garfield fehlt mir mehr als je zuvor. So'n Mist, ich bin ein richtiger Klammeraffe geworden!

Ich glaube, die Maschine ist fertig. Noch schnell aufhängen, das Zeug, und ich kann endlich schlafen. Gute Nacht allen da draußen!