Mission Prinz

26.02.2010 um 09:20 Uhr

Paris... s'éveille

Hach, bei dem schönen Wetter gestern wurden Erinnerungen wach. Damals, die ersten Frühlingstage in Frankreich...

... Das Winterwetter in der Gegend um Paris ist so richtig sch***, muss man wissen. Es regnet eigentlich ständig, und wenn nicht, ist es trotzdem irgendwie feucht. Außerdem ändert sich das Wetter im Minutentakt. Man kann aufwachen, rausgucken: Sonne scheint. Eine Stunde später geht man zum Bus: es schifft "comme la vache qui pisse". So richtig kalt ist es auch nicht, nur eben meistens bewölkt und nass. Um so mehr freut man sich über den Frühling, der dort recht früh Einzug hält. Anfang Februar hatten wir die ersten sonnigen Tage, an denen man schon keine Winterjacke mehr brauchte. Ein dicker Pulli reichte. War das schön!  Die ersten Blüten an den Bäumen, Frühblüher guckten aus der Erde, die Vögel zwitscherten.

Ich erinnere mich an den Valentinstag damals: Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel herunter und meine Mitbewohnerin und mich hielt es (trotz Spätschicht) nicht mehr im Bett und vor allem nicht drinnen. Wir machten vor der Arbeit also einen Ausflug ins Outlet-Village - ganz schniekes Ding! Mitbewohnerin deckte sich mit Klamotten ein, ich erstand einen Pulli, auf den ich schon länger geschielt hatte. Wir assen ein Eis, saßen in der Sonne. Es war einfach herrlich! Ich erinnere mich an dieses Gefühl, als wäre es gestern gewesen. Danach ging's zur Arbeit, wo mir mein Kollege eine Rose schenkte und gestand, dass er sich in mich verliebt hatte... Ok, das war im Nachhinein betrachtet nicht so toll, aber trotzdem war es ein sehr schöner Tag.

Oder ein Jahr später, bei meinem zweiten Aufenthalt. Wieder kam der Frühling sehr früh und die Sonne weckte meine Unternehmungslust. Ich arbeitete beim "Dinner" und damit immer abends. Meine Schicht begann jeden Tag halb fünf und endete halb eins. Nach der Arbeit musste man erstmal runterkommen, also saß ich meist noch eine Weile im Wohnzimmer und las, bevor ich ins Bett ging. Oder aber ich verbrachte noch zwei Stunden bei meinem Kollegen Flo, wo wir DVDs guckten, oder eben die Winterolympiade. Wenn man erst zwischen drei und vier, oder noch später, ins Bett geht, steht man natürlich nicht vor zwölf auf. Man verschläft die erste Hälfte des Tages komplett, quält sich irgendwann gegen zwei doch raus, frühstückt in Ruhe, macht sich für die Arbeit fertig und nimmt halb vier den Bus. Wenn noch Zeit ist, macht man vielleicht noch die Wäsche oder räumt ein bißchen auf oder putzt das Bad, aber das war's schon. Weil meine Mitbewohnerinnen jeden Abend groß kochten, wusch ich meistens auch am nächsten Tag ab. Sie ließen immer alles stehen und ich konnte das nicht leiden. So plätscherte der Winter dahin, entweder ich schlief oder ich war arbeiten. 

Dann aber kam die Sonne und mit ihr die Lust auf mehr. Dank Ostfenster weckten mich die Sonnenstrahlen schon vormittags und ich sprang aus dem Bett. Das Aufstehen war eine Freude, keine Qual, wie sonst immer. Ich zog mich an und machte mich auf den Weg zum Supermarkt. Zwanzig Minuten Fußmarsch bei schönstem Wetter. Dort angekommen, kaufte ich ein warmes, duftendes Baguette, "eingepackt" nur mit einer Serviette, damit man es tragen konnte. Wieder zuhause gab es dann frisches Baguette mit Nutella zum Frühstück. Das ist ohnehin unglaublich lecker, aber wenn man vorher schon ein Stündchen an der frischen Luft war, schmeckt es nochmal so gut. Hmmm... was gäbe ich für ein original französisches Bäcker-Baguette... Wenn ich so früh aufstand, hatte ich vor der Arbeit natürlich viel mehr Zeit für andere Dinge. Ich konnte ein bißchen durch die Geschäfte bummeln, Freunde bei der Arbeit besuchen, draußen sitzen, die Sonne genießen und die Gäste beobachten. Wenn ich frei hatte, konnte ich das den ganzen Tag machen und mir nachmittags eine heiße Schokolade (mit Sahne und Schokostreuseln und Schokostange!) und einen Cookie gönnen. Das machte ich im ersten Jahr oft mit meiner Mitbewohnerin. Wir fuhren Achterbahn, bis wir nicht mehr konnten, sahen uns die Shows zum hunderttausendsten Mal an, bestaunten wiedermal die Parade und lachten über die Gäste. Kamen wir früher aus dem Bett, fuhren wir nach Paris. Die Stadt hat unglaublich schöne Parks, die wir in der Frühlingssonne erforschten. Wir spazierten durch die Stadt, entdeckten süße kleine Läden, bestaunten die Sehenswürdigkeiten, saßen auf einer Bank und genehmigten uns einen "Fraîcheur"*. Im zweiten Jahr war ich meist allein unterwegs, denn meine Mitbewohnerinnen hatten ganz andere Arbeitszeiten und andere freie Tage. So machte ich Paris allein unsicher, was auch sehr schön ist. Man kann dort soviel entdecken und hat trotzdem längst nicht alles gesehen.

Ganz ehrlich, diese Zeit war noch viel schöner als der Sommer! Sollte hier jemand planen, mal nach Paris zu fahren: Fahrt im Frühling!!!

*Es gibt in Frankreich eine Bäckerkette namens "Chez Paul". Normalerweise esse ich keine belegten Brötchen beim Bäcker, aber die haben ein vegetarisches. Auf dem "Fraîcheur" ist Ei und eine leckere Remoulade und Salat und Tomate. Dazu ist das Brötchen  selbst wahnsinnig lecker. Knusprig und locker und irgendwie herzhaft. Ich sterbe für so einen kleinen Erfrischer! Leider sind die oft ausverkauft und es gibt sie nicht in jeder Filiale.

25.02.2010 um 14:41 Uhr

*Jubel*

FRÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜHLING!!!

Die Sonne scheint, der Himmel strahlt im schönsten blau, es ist warm. Was will man mehr? Und die Frühlingsgefühle stellen sich auch pünktlich ein. Schade nur, dass der Mann arbeiten ist... Nun ja, dann gehe ich eben spazieren und werde zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit keine Winterjacke anhaben, sondern nur ein hauchdünnes Fleecejäckchen. Und auf den Ohren: Eine Abenteuergeschichte, die im Himalaya spielt.

Ist das schön!

24.02.2010 um 09:46 Uhr

Konflikte zum 3.

Ich frage mich, warum ich so konfliktscheu bin. Woran liegt es, dass ich jedem Streit aus dem Weg gehe und meinem Ärger nie Luft mache? (Höchstens mal schriftlich, aber das ist feige und lächerlich.) Warum kann ich niemanden anschreien?

Ich weiß, dass es schon immer so war. Meine beste Freundin in Teenie-Zeiten beschwerte sich immer, dass man sich mit mir nicht streiten könne. Ich gab entweder sofort klein bei oder aber ergriff die Flucht. Bei uns zu Hause wurde eigentlich nie gestritten. Nur meine Schwester rastet(e) regelmäßig aus. Sie ist sehr launisch und kann sich sehr schnell über etwas ganz furchtbar aufregen. Sie faucht einen dann ein paar Minuten an, was bei ihrer Größe schon wieder lustig wirkt. Giftzwerg, haben wir sie früher gern genannt. Wenn man sie dann eine Weile in Ruhe lässt, hat sie sich wieder beruhigt und den Ausraster vergessen. Deshalb war Flucht bei ihr immer die beste Deeskalationsstrategie. Gegenargumente wollte sie eigentlich gar keine hören. Mein Papa regt sich genauso schnell auf, haut dann einen Kraftausdruck raus und gut ist. Mein Bruder... Hm, habe ich mich jemals mit ihm gestritten? Ich kann mich nicht erinnern. Mein Bruder ist die Ruhe in Person, lässt sich eigentlich nie zu irgendwas hinreissen. Bei einem Streit ist er der Erste, der sich verdrückt. Keine Ahnung, wie das bei ihm in einer Beziehung läuft. Schlimm ist meine Mama. Nach außen hin ruhig, aber innerlich kann es schon sehr brodeln. Da kommt vielleicht mal ein ärgerlicher Kommentar, aber mehr sagt sie nicht. Sie wendet bei meinem Papa seit 27 Jahren die Schmoll-Technik an. Der Ärmste! Sie ist sauer, lässt es alle merken, aber keiner weiß so richtig, warum. Schon gar nicht die betreffende Person. Das ist ziemlich gemein und absolut nicht nachahmenswert. Leider habe ich das zumindest in meiner letzten Beziehung hin und wieder auch probiert. Dummerweise war ich an einen Mann geraten, der das genauso gut konnte, wie ich. Merke: Probleme aussitzen, oder eher ausschmollen, ist nicht sinnvoll.

Fazit: Zu Hause habe ich nie gelernt, richtig zu streiten. Argumente auf den Tisch packen, sich richtig ärgern, und sich wieder vertragen. Dazu kommt, dass ich offensichtlich immer mit Samthandschuhen angefasst wurde. Wie sonst lässt es sich erklären, dass ich bei jedem etwas lauteren Wort beinahe in Tränen ausbreche? Wahrscheinlich hat mich als Kind nie jemand wirklich angemeckert, weil ich immer so lieb war. Und so klein. Wenn es dann doch mal passierte, war das für mich mein persönlicher Weltuntergang. Harte Worte eines Lehrers... Alptraum! Oder mein Fahrlehrer. Der musste sich recht oft über mich ärgern, und ich zuckte jedesmal zusammen und war den Tränen nahe.

Ich erinnere mich an eine Situation an der Uni - ich war mindestens 23! Ich musste ein Referat halten, hatte aber keine Ahnung vom Thema. Wie so oft, stückelte ich meinen Vortrag am Vorabend erst zusammen. Leider blickte ich bei dem Thema immer noch nicht durch und verstand überhaupt nicht, was ich da sagte. Ich konnte also nur zitieren und so tun als ob. Natürlich durchschaute die Dozentin das sofort und sagte das auch sehr deutlich. Mein Vortrag wäre grottenschlecht gewesen, kein Uni-Niveau, sie sei enttäuscht. Blabla, keine Ahnung, was sie genau gesagt hat. Ich wurde puterrot und wollte am liebsten losheulen, hab's mir vor der gesamten Seminargruppe aber verkniffen. Immerhin sagte mir eine Kommilitonin danach, sooo schlecht wäre ich nicht gewesen und sie verstünde Dr. ***-***s Ausbruch gar nicht. Peinlich war's trotzdem. Dabei sollte sowas einem doch am Arsch vorbeigehen, vor allem, wenn das Seminar einem nicht wirklich wichtig ist und man eigentlich nur bestehen will.

Sidekick: (Ich danke Pelegrina für die Einführung dieses stilistischen Mittels!) Der Frau Doktor mit dem unsäglichen Doppelnamen habe ich es dann noch gezeigt. Für die Endklausur habe ich den ganzen Tag und die halbe Nacht gelernt. Habe mir aus diversen Lexika alles zu den Themen kopiert, Kärtchen geschrieben und gepaukt. Obwohl mich die Themen (Literaturtheorie... bäh!) kein bißchen interessiert haben, war ich zur Klausur fit und habe eine eins geschrieben. Natürlich habe ich das Zeug genauso schnell wieder vergessen, braucht man ja nie. Aber ich habe was Wichtiges gelernt: Man kann alles lernen, wenn man nur die richtige Motivation hat! (In dem Fall: Rache!)

Ich weiß, wäre ich nicht so verdammt empfindlich und könnte ich richtig streiten, wären die Streits zwischen mir und Garfield bei Weitem nicht so schlimm. Wir würden uns ein paar Minuten anfauchen und dann wahrscheinlich lachen, weil wir uns selbst blöd vorkommen. (Obwohl Garfield auch nicht der große Streiter ist. Bei ihm zu Hause wird alles totgeschwiegen. Auch nicht schön.) Wäre das schön!  Richtig schlimm sind unsere Streits ja nur, weil ich schweige und Garfield sich dadurch provoziert fühlt. Klar, sowas wirkt sehr überheblich. Da fühlt sich der Gegenüber sofort im Unrecht und irgendwie veralbert oder nicht ernst genommen. DAS ist es, was unnötig Öl ins Feuer gießt und die Sache so dramatisiert. Och Mensch, es könnte alles so einfach sein! Vielleicht sollte ich mal einen Aggressionskurs machen. Einen, wo man lernt, aggressiv zu sein. Oder Kampfsport? Ich werde das mal googeln.

Jetzt aber mal endlich ein Themenwechsel:

Wir waren gestern mal wieder schwimmen. Weil uns die nächstgelegene Schwimmhalle immer zu voll ist, haben wir vor einiger Zeit mal eine andere ausprobiert. Etwas weiter entfernt, aber immer noch machbar. Diese Schwimmhalle ist zwar etwas teurer, aber nicht so voll. Und sie bietet ein besonderes Feature: Zwischen sieben und acht machen die dort das Deckenlicht aus. Dann kommt das Licht nur noch von ein paar Lampen unter Wasser. Das ist soooo romantisch! Wunderschön... Leider haben wir das gestern fast verpasst, weil wir zu spät dran waren. Viel geschwommen sind wir auch nicht, wir sind nämlich beide nicht die großen Schwimmer. Stattdessen tauchen wir uns gegenseitig unter, ziehen uns an den Badehosen, spucken und spritzen uns an. Wie die Kinder. Altersgerecht wollte ich meinen Liebsten danach auf ein Eis bei McFress einladen. Ich selbst freute mich auf einen Schokomilkshake.(Wegen Krätze am Mund und eingerissenem Mundwinkel finde ich Sachen mit Strohhalm gerade sehr gut!) Wir machten also den Umweg, standen am Tresen, bestellten und... erfuhren, dass die Eismaschine kaputt ist! Kein Eis, kein Shake! Wir haben uns dann was Süßes beim Café gegönnt, aber es war nicht das Gleiche. So ein Reinfall! Pfffft, McFress kann uns in Zukunft gestohlen bleiben.

PS: Zwei Tage ohne Streit!

 

23.02.2010 um 12:05 Uhr

Streitkultur

Huch, da ist es gestern aber ganz schön mit mir durchgegangen. Was habe ich denn für ein schlechtes Bild von Garfield gezeichnet? Zum Glück weiß er das nicht. Oder, vielleicht würde es ihm ja sogar gefallen, schließlich provoziert er gern. Deshalb eckt er auch oft an und passt überhaupt nicht in seine Firma - da steht eine eigene Meinung nämlich überhaupt nicht hoch im Kurs. Natürlich ist mein Freund kein bornierter Rassist und Ewiggestriger, sonst wäre ich nicht mit ihm zusammen. Aber er provoziert gern, vor allem mich. Er weiß ganz genau, womit er mich auf die Palme treiben kann und macht das mit Genuss. Haut er ein paar Stammtischparolen raus, bin ich sofort auf 180. Oder wenn er meinen Glauben an das Gute im Menschen in Frage stellt. Ich bin nämlich so naiv, zu denken, dass es "das Gute" gibt. Überall. Die Erfahrung sagt mir, dass ich bisher nur schlechte Ärzte getroffen habe. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es auch welche geben muss, die sehr gut in ihrem Beruf sind. Für Garfield sind Ärzte Quacksalber und überbezahlte Angeber. Das ist also eins dieser Themen, wo er mich richtig schön provozieren kann. Mir fehlen nämlich meistens die Argumente, weil ich emotional an Sachen herangehe und auf mein Gefühl höre. Garfield dagegen kommt mit Argumenten. Ein ungleicher Kampf, denn Glauben kann man ja bekanntlich nicht beweisen. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Garfield wirft gern mal mit Dingen um sich, nur um andere Menschen zu provozieren. Macht er natürlich erst, wenn er diese Menschen gut kennt. Einem guten Freund gegenüber - er ist Anästhesist - hat er sich noch nicht getraut, seine Meinung über die "Halbgötter in weiß" kundzutun. Meinem Psychologie studierenden Bruder gegenüber hat er auch noch nicht erwähnt, was er von Psychologen hält. Ja, da ist er feige ;-) Jedenfalls hatten wir am Wochenende diese Politik-Diskussion und Garfield hat mich provoziert ohne Ende. Ergebnis: mein Erguss von gestern. Das Gute daran: Garfield zwingt mich, über Dinge nachzudenken, die mich eigentlich nicht so doll interessieren, mir Argumente zu überlegen, Stellung zu beziehen. Das ist ziemlich gut für meinen Kopf und fordert mich vor allem immer wieder heraus. Wer will schon jemanden, der einen ständig bestätigt. Auch so ein Punkt, für den ich den Mann liebe.

À propos Liebe... In letzter Zeit streiten wir sehr viel. Eigentlich ständig. Meistens über Kleinigkeiten, völlig sinnlos. Wir schaffen maximal zwei Tage ohne Streit, dann geht's wieder los. Das kostet Kraft, raubt mir (und ihm) sehr viel Energie. Vor allem, da wir so gar keine Streitkultur haben. Normalerweise läuft das so ab:

Garfield ist sowieso ständig frustriert, denn bei der Arbeit fühlt er sich ungerecht behandelt. Diesen Frust bringt er mit nach Hause, versteckt ihn aber ganz gut. Dann aber passiert irgendeine Kleinigkeit, etwas in meinen Augen völlig unbedeutendes. Ich drängle mich beim Händewaschen vor, ich mache eine blöde Bemerkung, im Prinzip kann alles ein Auslöser sein. Garfield überschüttet mich dann mit Vorwürfen. Ich, konfliktscheu bis zur Selbstaufgabe, bin überrascht und überrumpelt, weiß nicht, was ich sagen soll. Fühle mich auch ungerecht behandelt, klar. Garfield wird lauter und bekommt diesen sarkastischen Tonfall, ich bin eingeschüchtert. Wenn jemand mir gegenüber auch nur ganz leicht die Stimme hebt, bin ich das berühmte Kaninchen wenn's donnert. Ich kann nichts mehr sagen, kann demjenigen nicht mal ins Gesicht gucken, will mich nur noch verkriechen. Mein Schweigen und vor allem das Weggucken provozieren Garfield aber so richtig, denn in seinen Augen ist es ein Zeichen, dass ich ihn nicht respektiere. Klar, ich sollte jemanden ansehen, wenn ich mit ihm rede. In diesen Momenten aber kann ich das nicht. Ich kann ja nicht mal klar denken, stottere, verheddere mich, widerspreche mir selbst. Um einen Gedanken in Worte zu fassen, brauche ich ewig und Garfield hat nicht die Geduld, zu warten. Ich kämpfe also mit den Tränen und suche das nächste Mauseloch. Irgendwann finde ich es auch und ergreife die Flucht. Leider provoziert das Garfield noch mehr und er kommt hinterher. Er gibt dann aber auch keine Ruhe, steigert sich rein, schießt aus allen Rohren - auf einen Spatz. Zur Besinnung kommt er erst, wenn ich weine. Und erst dann wird das Gespräch wirklich konstruktiv. Am Ende liegen wir uns in den Armen und Garfield entschuldigt sich - wiedermal. Ich weiß natürlich schon in dem Moment, dass diese Entschuldigung hinfällig ist, denn der nächste Streit kommt bestimmt. Und er wird wieder genauso laufen.

In letzter Zeit nun häufte es sich etwas. Ich sah darin kein großes Problem, denn die guten Zeiten, die schönen Momente, überwogen ja immer noch. Ich ging einfach davon aus, dass es sich um eine Phase handelt, die auch vorbeigeht. Garfield aber machte es doch sehr fertig, vor allem, da er ja in 90% der Fälle der Auslöser ist. Da brauchen wir nichts beschönigen. Sonntag also stritten wir mal wieder, schlossen dann Frieden und fingen, kaum im Bett, wieder an. Oder besser Garfield, der mal wieder einen Grund fand, sich schlecht behandelt zu fühlen. Im Grunde wollte er nur mit mir darüber reden, dass ihm die Entwicklung, die sich häufenden Streitereien, Sorgen machen. Gesagt hat er natürlich was ganz anderes. Es kamen nur Vorwürfe, es lief wie immer. Nur dass ich dieses Mal wenigstens kurz versuchte, mich zu wehren. Das bewirkte natürlich fast nichts, denn da hätte ich ihn schon anschreien müssen. Das kann ich aber mal so gar nicht. Wenigstens führte es dazu, dass wir halbwegs zivilisiert diskutierten und Garfield auf das eigentliche Problem zu sprechen kam: Die ständigen Streitereien. Irgendwann meinte er dann, er hätte einen Vorschlag, wie wir das Problem lösen können: Wenn es nicht besser wird, müssen wir uns eben trennen. Das sagte er mir genau so. Ich war schockiert, bekam keine Luft mehr, konnte nichts mehr sagen. Allein der Gedanke! Dass er daran überhaupt dachte! Natürlich hat er irgendwo recht, denn auf Dauer geht das so nicht. Es macht mich nicht glücklich und ihn auch nicht. Trotzdem war ich schockiert, denn in meinen Augen ist es nur ein winziger Schritt vom Gedanken zur Umsetzung. Und dann redete er so nüchtern, so rational darüber, als würden wir einen Toaster kaufen. Ich konnte nicht viel dazu sagen, musste erstmal meine Gedanken ordnen und schlief schließlich ein.

Gestern nun griff ich das Thema wieder auf. Ruhig, über jedes Wort nachdenkend. Ich versuchte, Garfield klarzumachen, dass und warum ich so schockiert gewesen war. Er betonte immer wieder, dass es ja nur eine Idee gewesen wäre, dass er das auf keinen Fall wolle und alles tun werde, damit es eben nicht so kommt. Meine Reaktion, oder eher meine Nicht-Reaktion am Abend hatte ihn genauso schockiert. Es war dunkel gewesen, er hatte mein Gesicht nicht sehen können, hatte nur gemerkt, dass ich (wiedermal) nichts zu sagen hatte. Er hatte doch tatsächlich gedacht, es wäre mir egal. Klassisches Missverständnis, denn ich wollte eigentlich nur in den Arm genommen werden und hören, dass er sich NICHT trennen WOLLTE, sondern nur verzweifelt nach einer Lösung suchte. Wir sollten eben nicht mehr im Bett streiten... Das ist sowieso eine Unart, sowas macht man nicht. Was mir im Gespräch gestern nach und nach klar wurde: Garfield wollte mit seinem Vorschlag eigentlich nur sich selbst die Pistole auf die Brust setzen. Er hat sich bereits hundertmal entschuldigt, mir immer wieder versprochen, nicht mehr so wegen Kleinigkeiten abzugehen, und trotzdem passiert es immer wieder. Um sich zu ändern, braucht er den Druck, er muss Konsequenzen fürchten. Genau diesen Druck wollte er erzeugen, mehr nicht. Und umsetzen wollte er seinen Vorschlag schonmal gar nicht. Dummerweise habe ich ihm gesagt, dass ich das auch nicht will und vor allem nicht in der Lage sein werde, konsequent zu sein. Jedenfalls nicht so bald. Ich kann ganz schön lange leiden, bevor ich aufgebe. Und vor allem gebe ich nicht auf, ohne ernsthaft gekämpft zu haben.

Da haben wir also das Dilemma: Einen Mann, der sich ändern will und doch immer wieder in dieselben Muster zurückfällt. Und eine Frau, die sehr leidensfähig und sehr inkonsequent ist. Prima Konstellation. Und es gibt nicht viele Möglichkeiten, dieses Muster zu durchbrechen. Entweder ich raste endlich mal aus (Und, seien wir ehrlich, das wird nie passieren.) oder Garfield schafft es, sich unter Kontrolle zu bringen. Er braucht eine innere Sperre, einen Punkt, an dem ihm klar wird, dass er gerade ganz große Sch*** baut. Natürlich hat er diesen Punkt schon, allerdings springt der momentan noch zu spät an. Das muss früher geschehen, viel früher. Die dritte Möglichkeit wäre... nein, darüber will ich gar nicht sprechen.

Es ist doch wirklich ein Kreuz: Als Single möchte man unbedingt in eine Beziehung, weil man denkt, dann wäre alles perfekt. Man vergisst dabei aber, dass dann auch Probleme auf einen zukommen. Probleme, die man allein gar nicht hätte. Mit mir selbst habe ich mich nie darüber gestritten, wer zuerst duschen darf.

22.02.2010 um 12:01 Uhr

Heute mal Politik

Wie wichtig ist Politik in einer Beziehung? Oder eher: Wie bedeutsam ist eine einheitliche politische Einstellung?

Ich bezeichne mich gern als apolitisch. Politik interessiert mich nicht besonders, sie langweilt mich sogar. Ich weiß, sowas darf ich nicht sagen. Gerade als Akademikerin und überhaupt als halbwegs klar denkender Mensch schubse ich mich damit in eine Ecke... Nun, jedenfalls eine, die mir nicht behagt. Natürlich kenne ich die deutschen Parteien und weiß auch ungefähr, wofür sie stehen. Alles, was darüber hinausgeht, ist mir schon zu kompliziert. Ich identifiziere mich mit niemandem, denn ich finde, alle haben ein bißchen recht aber keiner so ganz. Deswegen fällt es mir bei Wahlen extrem schwer, irgendwo mein Kreuzchen zu machen. Trotzdem war ich immer wählen. Nur im September nicht. Der 27. September 2009 war ein sehr stressiger Tag, ich hatte einfach keine Zeit, in eine Schule zu latschen und dort eine scheinbar wichtige Entscheidung zu treffen. Natürlich wußte ich das vorher, ich hätte also per Brief wählen können. Habe ich aber nicht. Und ich hatte deswegen auch keine schlaflosen Nächte. Alle haben auf mich draufgehauen, von wegen politischer Verantwortung, Demokratie, Bürgerpflicht. Aber was bringt denn mein Kreuz? Hätte ich DIESEN Außenminister verhindert? Nein!

Ich hätte einfach gar nicht gewußt, wen ich wählen soll. Traditionell wähle ich grün, aber von denen war ich schwer enttäuscht. Die Umwelt ist mir wichtig, aber ich will nicht, dass Benzin extrem teuer ist. (Mit solchen Argumenten kommt mir mein Freund...) Ich finde es richtig, auf erneuerbare Energien zu setzen, auch und gerade, was Autos angeht. Da muss einfach mehr gemacht werden. Allerdings würde ich mir kein hässliches Elektroauto kaufen, da bin ich wieder inkonsequent. Ich finde, dass es mehr und bessere Betreuungsangebote für Kinder geben muss und auch sonst könnte man im sozialen Bereich eine Menge verbessern. Ich bin für Chancengleichheit und gegen Lobbyismus. Ich gebe zu, meine Vorstellungen von der Welt sind utopisch und meine politische Einstellung naiv. Deshalb apolitisch, deshalb kein Interesse. Was ändert es denn, ob ein Herr Steinmeier oder eine Frau Merkel "an der Macht" ist? Politik wird doch ganz woanders gemacht und die Politiker sind nur Marionetten. Das ist einer dieser Sätze, die mein Freund von sich gibt. Er sagt auch: "Lieber eine Diktatur, als eine Schein-Demokratie, wie wir sie jetzt haben."

Mein Freund geht auch nicht wählen, niemals. Aus Überzeugung. Weil er die obigen Sätze verinnerlicht hat, weil er nicht daran glaubt, dass die Bürger irgendeinen Einfluss haben. Weil er sich von diesem Land verarscht fühlt - zu Recht. In einer Hinsicht hat dieses Land ihm übel mitgespielt. Kann man es deshalb komplett ablehnen, verurteilen? Ich sage dann gern: "Nicht aufregen, besser machen. Geh' in die Politik und mach' dir selbst ein Bild." Er lacht mich dann aus.  

Garfields politische Einstellung ist in meinen Augen gefährlich weit rechts, manchmal. Einige seiner Äußerungen lassen mich schlucken. Er sagt, er wäre konservativ-national. Er findet einige Dinge, die es im Dritten Reich gab, gut, andere nicht. Er differenziert da schon. Trotzdem macht er mir manchmal Angst, mit seiner Intoleranz und seiner Arroganz. Geht es zum Beispiel um Jugendliche, die gewalttätig sind und respektlos, so sagt Garfield: "Gäbe es den Reichsarbeitsdienst noch, gäbe es sowas nicht." Ja, möglicherweise gab es damals noch mehr Disziplin und Respekt in der Jugend. Aber es sind ja nicht alle so. Außerdem hatten Menschen mit schlechten Ambitionen in der damaligen Zeit ganz andere Möglichkeiten. Da hätte ein U-Bahn-Schläger sich ganz offiziell beruflich ausleben können. Der hätte damit sogar Karriere gemacht, nicht wahr? Natürlich rege auch ich mich auf, wenn Jugendliche wahllos Menschen zusammenschlagen. Aber tun sowas nur Jugendliche? Was wird ihnen denn vorgelebt? Natürlich, die "schlechte Kindheit" und "der Ärmste, was er nur durchgemacht hat", wecken bei mir weder Mitgefühl noch eine Entschuldigung, denn jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Das ist moderne Gefühlsduselei, so eine Art Generalabsolution, da stimme ich Garfield sogar zu. Trotzdem glaube ich nicht, dass im Dritten Reich solche Verhaltensweisen obsolet waren. Sie wurden nur anders genutzt, in bestimmte Bahnen gelenkt.

Natürlich bin auch ich entrüstet, wenn solche Übergriffe von Jugendlichen mit "Migrationshintergrund" ausgehen. Aber verurteile ich damit alle Ausländer, so wie Garfield es gern tut? Klar, wer hier lebt und Leistungen kassiert, der hat sich anzupassen. Ich toleriere es nicht, wenn Menschen hierherkommen, aber nicht ankommen. Sich nicht einmal bemühen! Vielleicht sogar Deutschland und die Deutschen hassen! Hat man alles schon gehört, angeblich wird sogar genau das in bestimmten Moscheen gepredigt. Aber kann man deshalb alle Ausländer über einen Kamm scheren? Es gibt doch auch die anderen, die, die sich anpassen, die, die sich integrieren (lassen). Nicht jeder Türke in Berlin, lebt in einer türkischen Enklave und kann kein Deutsch. Garfields bester Freund stammt aus Rumänien. Die Familie ist perfekt integriert, sogar der Opa hat noch Deutsch gelernt, zu Hause wird Deutsch gesprochen. Garfield kennt das Paradebeispiel für Integration, vielleicht regt er sich deshalb so sehr über das andere Extrem auf. Aber kann man denn von anderen Menschen etwas erwarten, was man selbst nicht zu 100 Prozent erfüllt? Ich denke da an den viel zitierten deutschen Touristen, der durch Spanien stolziert und erwartet, dass alle Deutsch sprechen und ihm Eisbein servieren. Solange es diese Art Menschen in unserem Land gibt, können wir uns doch kaum über die türkische Oma beschweren, die in einem Berliner Viertel so lebt, als wäre sie noch in der Türkei.

Ich sage, ich bin weltoffen. Das ist meine politische Einstellung. Ich sage auch, dass man sich nicht von Vorurteilen leiten lassen darf und niemanden wegen seiner Herkunft, Hautfarbe etc. diskriminieren oder diffamieren. Natürlich habe auch ich Vorurteile, eine ganze Menge sogar. Schneidet uns auf der Autobahn ein polnisches Auto, habe ich eine entsprechende Bemerkung parat. Trotzdem bin ich die Erste, die sich über Vorurteile aufregt, wenn die Nachbarn nach dem Garageneinbruch sofort sagen: "Das waren die Polen." Inkonsequent, ja. Aber dazu stehe ich. Ich nehme mir heraus, da mitreden zu können, denn ich habe bereits im Ausland gelebt. In einer kleinen internationalen Enklave, einer künstlichen Blase, zwar, aber ich leite aus dieser Erfahrung mein Weltbild ab. Ich war selbst Ausländerin und ich hatte damals Kollegen und Freunde sämtlicher Hautfarben und sehr vieler Nationalitäten. Ich habe niemanden wegen seiner Herkunft vorverurteilt, sondern bin allen offen gegenüber getreten. So, wie sie mir. 

Garfield sagt: "Leute aus südlicheren Gefilden sind faul. Wer den halben Tag Siesta hält, kann nicht vorankommen ergo sind die Leute selbst Schuld an ihrem Elend." 

Ich sage: Stimmt, dort wird eine Mittagspause gehalten. Das ist klimatisch bedingt auch gut so. Faul sind diese Menschen aber nicht. Ich habe mit Spaniern, Italienern, Marokkanern etc. zusammengearbeitet und kann nicht behaupten, dass sie faul sind. Ich würde es eher entspannt nennen. Sie nehmen die Arbeit nicht ganz so wichtig. Das entspricht, nebenbei bemerkt, genau meiner eigenen Einstellung. Was mir aufgefallen ist: Der deutsche Ordnungssinn ist keine Legende. Ging es darum, seine Arbeit zu organisieren, zu planen, vorausschauend zu arbeiten, war ich immer die Frau der Stunde. "Die Anderen" (ausnahmslos alle) waren da eher chaotisch und dachten immer nur von einer Minute auf die andere. Das mag manchmal anstrengend sein und nervig, aber es ist bestimmt keine Faulheit. Denn gearbeitet haben all diese Kollegen genauso hart. Übrigens gehe ich hier nicht nur von mir aus. Diese Beobachtung haben so ziemlich alle meine deutschen Kollegen ebenfalls gemacht. Darf ich nun aus dieser Erfahrung heraus sagen, dass südlicher lebende Nationen sich weniger gut organisieren können? Ich denke schon. Ich glaube aber auch, dass es Ausnahmen gibt. Garfields Meinung dagegen fußt allein auf Vorurteilen, sowas kann ich gar nicht leiden.

Genauso, wenn er farbige Menschen mit dem N-Wort bezeichnet. Das klingt abwertend, und das ist oft auch so gemeint. Ein bekannter Rennfahrer ist für ihn "der Neger". Er kann ihn nicht leiden, weil er einfach furchtbar viel Glück hatte. Das missgönnt Garfield ihm, hätte er doch gern selbst diese Karriere hingelegt. In diesem Fall also eine klare Abwertung. Andererseits hatte Garfield in seinem Fußballverein auch einen dunkelhäutigen Spieler, mit dem kam er prima klar. Auch hier differenziert er also. Trotzdem schlucke ich, wenn er Sachen sagt, wie: "Die sehen alle gleich aus." oder "Da ist die Verwandtschaft zum Affen noch am deutlichsten zu sehen." Ich weiß, dass er mich mit solchen Äußerungen ärgern will, ich weiß, dass er da einiges von zu Hause mitbekommen hat und ich weiß, dass er es nicht so meint. Trotzdem will ich ihm dann eine reinhauen, denn ich hatte in Frankreich auch Freunde afrikanischen Ursprungs. Die beleidigt er in diesem Moment, auch wenn er einen Spaß macht. Ich verstehe da keinen Spaß, denn diese Sätze klingen mir einfach zu rechts. Konservativ? Dass ich nicht lache! Ja, auch ich finde, dass der amerikanische Präsident ein überbewerteter und überschätzter Messiasverschnitt ist. Das hat aber nichts mit seiner Hautfarbe zu tun. Ganz ehrlich, ich finde es eigentlich peinlich und blöd, dass man damals so abgefeiert hat, weil "ein Schwarzer" Präsident wurde. In einer wirklich toleranten Welt, wäre seine Hautfarbe völlig bedeutungslos gewesen. Darum so einen Hype zu machen, zeugt schon wieder von einer gehörigen Portion Rassismus.

Thema Israel bzw. Juden: Garfield ist der festen Überzeugung, das "Weltjudentum" hätte die eigentliche Macht. Denke da nur ich an einen gewissen Österreicher? Ich gehe ja mit Garfield mit und sage auch, dass das, was Israel im Nahen Osten abzieht, alles andere als ok ist.  Und ich frage mich auch, warum keiner etwas dagegen tut. Garfield hat seine ganze eigene Erklärung - siehe oben. Ich denke: Wenn man jahrhundertelang verfolgt und angegriffen wurde, entwickelt man sicher eine gewisse Sturheit in Bezug auf das eigene Handeln. Man sieht sich im Recht, auch wenn das Unrecht so offensichtlich ist. Kampfhubschrauber gegen Kindergärten? Da schreie ich innerlich auf. Wie kann man nur so verbohrt sein? Wie kann mein Heimatland sowas auch noch unterstützen? Der Konflikt "da unten" ist nicht lösbar, denn keine Partei wird jemals klein beigeben. Beide haben Recht und auch Unrecht, ich habe Verständnis für beide Seiten. Wofür ich kein Verständnis habe: Dass die eine Seite in allem unterstützt wird, dass ein ganzes Land, eine ganze Welt , buckelt. Kann man als Deutscher offen sagen, dass man Israels Politik sehr fragwürdig findet, ohne in die rechte Schublade gesteckt zu werden?  Nein. Immer noch nicht. Ich glaube, das ist es, was Garfield am meisten ärgert. Dieses kollektive Schuldbewußtsein, welches ein ganzes Land daran hindert, offen seine Meinung zu sagen. Garfield ist der Meinung, als Deutscher müsse er sich immer verteidigen, wäre immer der Dumme. Und müsse vor "den Juden" zu Kreuze kriechen. Ich sage: So ist es nicht. Während meiner Zeit in Frankreich wurde ich nie darauf angesprochen, musste mich auch nie dafür entschuldigen, Deutsche zu sein. Das Einzige, wofür sich die Menschen vielleicht mal interessiert haben, war die Wiedervereinigung. Kein Wort über Hitler, kein Wort über Nazis. Darüber hinaus hatte ich eine jüdische Kollegin. Esthers Familie stammte aus Lybien und war irgendwann nach Italien gegangen. Esther war/ist der netteste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Ich habe nie wieder jemanden getroffen, der anderen Menschen so vorurteilsfrei, so offen, so völlig ohne Argwohn gegenübertritt. Nein, Garfield, es sind nicht alle Juden rechthaberische, sture Besserwisser! Nur weil dieser Staat nach außen so auftritt, kann man doch nicht davon ausgehen, dass alle hinter dieser Politik stehen! Du willst doch auch nicht als Deutscher in eine bestimmte Schublade gesteckt werden!

Garfield sagt, ich bin links. Sehr weit links. Nun ja, wenn er das so sieht. Ich weiß immerhin, dass ich einige linke Ideen gut finde. Allerdings ist mir durchaus bewußt, dass diese Ideen Utopien sind und nicht verwirklicht werden können. So sind die Menschen einfach nicht. Gleichheit? Ein tolles Ideal, aber niemals erreichbar, weil jeder Mensch erst einmal sein eigenes Vorankommen im Blick hat. Da gebe ich Garfield sogar recht: Jeder Mensch denkt in erste Linie an sich selbst, auch wenn er es nicht zugeben will.

Was mich so sehr stört: Garfield kann stundenlang über Deutschland wettern. Er regt sich über die Politiker auf, über die Wirtschaft, über alles. Ich kenne diese Litanei inzwischen. Ich frage dann: Wenn Dir so wenig an diesem Land liegt, warum regst Du dich dann auf? Mir würde es nie einfallen, mich über diese Dinge zu echauffieren. Ganz im Gegenteil. Gefällt es mir hier nicht, gehe ich halt woanders hin, sobald das möglich ist. Wenn Garfield national denkt, denke ich international. Oder überhaupt nicht in Nationen. Mir persönlich ist es völlig egal, in welchem Land ich lebe, solange mir mein Leben dort gefällt. Im Moment lebe ich in Deutschland - reiner Zufall. Wer weiß, wo ich in ein paar Jahren leben werde? Für mich gilt nur ein Grundsatz: Ich passe mich dem Land, in dem ich lebe, an. Ich bin kein Patriot, ganz und gar nicht. Ich finde, dieses Land hat gute Seiten, aber auch schlechte. Ich schäme mich nicht für seine Geschichte, bin aber auch nicht stolz auf irgendwelche Leistungen. Für mich ist es ein Land, wie jedes andere. Rein zufällig mein Heimatland. Und ja, ich nehme die Vorteile, die es mir bietet (Sozialleistungen) gern an. Und schäme mich dafür nur ein ganz kleines bißchen. Lieber wäre es mir, ich bräuchte diese Vorteile nicht, aber ich bin sehr glücklich darüber, dass es sie gibt. Vielleicht bin ich genauso ein Schmarotzer, wie Menschen aus anderen Ländern, die hierher kommen, nur um Leistungen zu beziehen, die sie zu Hause nicht bekommen. Vielleicht. Ich glaube aber, würde ich, sagen wir mal, in der Karibik auf einer schönen Insel leben und hätte das Meer vor der Tür, fände ich das genauso toll, wie das sichere deutsche Sozialsystem. Blöder Vergleich, naiv, aber ich wollte nur ausdrücken, dass jedes Land, jede Lebenssituation, ihre Vorteile hat, die man natürlich nutzt. Man wäre ja schön blöd, würde man es nicht tun.

Was ist nun also mit der Beziehung und den politischen Meinungsverschiedenheiten? Ich bin das weltoffene, umweltbewußte, sich leicht nach links lehnende Dummchen. Keine Ahnung von Politik, kann nicht wirklich mitreden, hat aber seine eigene Meinung. Auf der anderen Seite ein hochintelligenter junger Mann, enttäuscht vom Leben, ausgestattet mit Stammtischparolen. Ja, so ist es leider. Der große Vorteil: Garfield lässt mir meine Meinung, er versucht nicht, mich zu überzeugen. Wir diskutieren, das macht ihm Spass. Immerhin suggeriert ihm das, dass er mit einer gebildeten Frau zusammen ist, mit der er sich auf gleicher Ebene trifft. Und noch ein Vorteil: Im Gegensatz zu meinen Überzeugungen, fußen seine nicht auf persönlichen Erfahrungen. Er ist also durchaus lernfähig. Ein Jahr im Ausland, und er wird ganz anders denken. Soweit die Theorie...

18.02.2010 um 10:17 Uhr

Valentinstag für Fortgeschrittene

Achtung: Dieser Eintrag ist auch für Singles geeignet!

Unser Valentinstag begann 11h. Am Abend vorher hatten wir gefeiert. Fasching. Wir hatten den Samstag irgendwie vertrödelt, haben uns gestritten, und hatten am Ende mächtig Stress. Trotzdem sahen wir beide faschingsmäßig toll aus. Als wir am Treffpunkt - Haus von Schusselchens Eltern - ankamen, waren die Mädels natürlich noch nicht fertig. Wir saßen also erstmal in der Küche rum und glühten mir selbstgemachtem Kirschschnaps vor. Hatten wir im Stress vorher natürlich total vergessen. Irgendwann waren doch alle fertig, wir konnten los und stürzten uns ins Getümmel. Ich hatte mich von Anfang an als Fahrer angeboten, denn Garfield sollte soviel Spaß wie möglich haben. Dafür benötigte er natürlich die Lizenz zum Saufen, welche ich großzügig erteilte. Während des Programms - bis auf wenige Höhepunkte wie immer langweilig - genehmigte ich mir einen Sekt. Zum warm werden und weil's schnell wirkt. Danach das obligatorische Gruppenfoto, ein Diesel für mich und dann wurde gefeiert. Ab dem Moment bei mir nur noch mit Cola. Aber was soll's, ich kann auch ohne Spaß Alkohol haben. Oder so ähnlich. Die Fete war toll, wir haben getanzt bis zum Umfallen, sogar Garfield. Sogar allein! Die Band war klasse, die haben wirklich was drauf. Gegen drei machte die Band Schluss und auch in der Disco war es ruhig, also gingen wir. Ich lieferte die Mädels zu Hause ab und machte mich dann mit dem gar nicht so betrunkenen Garfield auf den langen Weg nach Hause. Er hatte sich absichtlich nicht ganz so doll abgeschossen, denn wir hatten Sonntag ja was vor. Umzug! Helau!

Um elf klingelte der Wecker, denn ich musste noch in Erfahrung bringen, wann wir am Treffpunkt einlaufen sollten. Der war bei Tante Eins, die praktisch nur 250m vom Ort des Geschehens entfernt wohnt. Vor allem pippitechnisch ist das von großem Vorteil. Tante Eins eröffnete: "12, halb eins, das reicht." Ich liebe solche Ansagen. Ich will eine genaue Zeit, verdammt! Ich warf Garfield aus dem Bett, sprang unter die Dusche, wir frühstückten und machten uns tatsächlich 12h15 schon auf den Weg. Der Umzug sollte 13h beginnen und ich ahnte, dass wir keinen Parkplatz finden würden. Den fanden wir doch, sogar in annehmbarer Nähe zu Tante Eins' Domizil. Dort fanden wir eine kleine Runde vor: Tante Eins, klar, Tante Zwei und Tante Drei (Die eigentlich gar nicht meine Tante ist.) nebst Mann. Die Damen schlürften schonmal Sekt, ich schloss mich an. Ich merke an: Ich hasse Sekt. Schmeckt mir einfach nicht. Aber ich trinke mit, wenn es welchen gibt, denn erstens bin ich höflich und zweitens wirkt nichts anderes so schnell. Und da an diesem Tag ich die Lizenz zum Saufen hatte... Irgendwann trafen Bernard und Bianca ein, eine Freundin von Tante Eins nebst Partner. Der ist irgendwie dämlich, aber eigentlich ein Netter. Es gab mehr Sekt. Gegen halb zwei zogen wir endlich los. Die anderen machten sich "faschingsfein", setzten also lustige Hüte und Perücken auf. Garfield und ich hatten nichts dabei, deshalb zauberte Tante Eins zwei potthässliche bunte Hüte hervor. Die vergaßen wir leider, denn sie waren unglücklich hinter ein Sofakissen gerutscht und damit aus den Augen...

Halb zwei standen wir an der Strecke, der Zug war noch nicht angekommen. Ich hatte bereits ein Glas Prosecco und ein Glas Sekt intus. Meine letzte richtige Mahlzeit lag 24 Stunden zurück, seitdem hatte ich einen Neg Mohr Schokokuss und zwei Brötchen gegessen. Kaum angekommen, drückte mir Bernard einen Plastikbecher in die Hand, den er in den folgenden zwei Stunden stetig mit Sekt füllte. Ich kann nur sagen: Mein Becher war nie leer. Es stießen Tante Vier mit passendem Onkel zu uns, sowie Onkel Eins, der direkt von der Arbeit kam. Der Zug begann, ich hielt artig meine Tüte auf, bekam schöne Dinge (Regenschirm, Rotkohl, Mousepad, süße Getränke, Gewürzgurke, Blumensamen, Süßkram) und trank. Neben meinem Sektbecher reichte mir Tante Eins eine Dose mit Prosecco? Sekt? Und kleine Fläschchen. Kirschlikör, Sahnelikör, immer alles rein. Rosa kann einfach nicht nein sagen. Nach einer Weile drückte die Blase und ich machte mich auf den Weg zu meiner Cousine. Ich lief, nennen wir es mal, beschwingt. Und ich war schnell. Hätte ich mich nicht bei meiner Cousine festgequatscht, hätte ich den Wagen der Heimatstadt nicht verpasst und vor allem einen Freund gesehen, der immer mit uns feiern geht. Tja... Garfield hat ihn gesehen, aber ganz sicher NICHT enthusiastisch gewinkt. Gewunken? Egal.

Kaum war ich zurück, zogen wir um. Onkel Zwei ist ein wichtiges Karnevalstier, Elferrat und so, und hatte uns an der Ehrentribüne ein Plätzchen freigehalten. Tante Zwei hatte dort nicht von Anfang an stehen wollen, denn dort ist auch die Fernsehkamera positioniert. Nach einem Liter Sekt war ihr das offensichtlich egal. Wir fanden unseren Platz, Onkel Zwei freute sich riesig und servierte Glühwein. Rosa trank jetzt also abwechselnd: Sekt aus ihrer eigenen Piccolo-Flasche, Glühwein und kleine Fläschchen. Taktisch klug wäre es gewesen, zwischendurch eins der zugeworfenen Süßgetränke zu  vernichten oder wenigstens einen Tee zu nehmen, so wie Garfield. Doch Rosa war nicht klug, sondern sprach freudig dem Alkohol zu. An der Tribüne angekommen, waren wir bei Wagen 50 von etwa 80. Wir hatten mächtig Spass, kamen in Großaufnahme ins Fernsehen, sangen, tanzten und tranken. Mein Tüte hielt ich nicht mehr auf, die baumelte funktionslos an meinem Handgelenk. Ich erinnere mich dunkel daran, dass Tante Drei versuchte, mir ein Wurstbrot oder sowas in den Mund zu schieben. Ich wehrte mich erfolgreich. Außerdem versuchte sie mehrmals, mit dem nüchternen (!!!) Garfield zu tanzen. Dabei schüttete sie ihren Glühwein auf seine Jacke statt in ihren Mund. Er war "not amused". 

Plötzlich war der Zug vorbei. Wir waren alle dicht, bis auf Garfield. Bernard und Bianca legten sich in den Schnee, ich hielt mich am Geländer fest, denn alles drehte sich. Tante Eins und Zwei glaubten, ich würde mir die Sache nochmal durch den Kopf gehen lassen und es folgte eine Diskussion darüber, wer wann alles wieder raus lässt. Und ob überhaupt. Denn "Ich kotze nie!!", wie ich immer wieder und lauthals betonte. Das hat mir Garfield am nächsten Tag erzählt. Außerdem versuchte ich die im Schnee liegenden Damen mit dem Handy zu fotografieren. Erfolglos. Jedenfalls habe ich keine Fotos in meinem Handy gefunden. Meine Welt war ein schwankendes Irgendwas, die meiner Familie wohl auch. Es war noch nicht einmal dunkel. Wer so eine Familie hat, braucht keine Feinde!

Irgendwann verabschiedeten sich alle und wir taumelten in unterschiedliche Richtungen davon. Garfield und ich hatten eigentlich noch was vor: Wir wollten uns was vom Türken holen, wegen Valentinstag und so. Ich konnte nicht mehr geradeaus gehen und hätte mich mehrmals fast hingelegt, Garfield war dementsprechend sauer. Oder eher enttäuscht. Damit hielt er nicht hinter dem Berg und fuhr mich an. Was machte Rosa? Heulte los. Auf offener Straße. Peinlich, peinlich. Es gibt nichts schlimmeres, als sich peinlich zu verhalten und es auch noch zu merken. Mir war ja klar, dass ich den Abend ruiniert hatte und dass Garfield mich in diesem Moment hassen musste. Das sagte ich auch, immer wieder. Und heulte. Er war genervt und wollte auf das Essen verzichten. Ich aber bestand darauf, also zerrte mich Garfield zum Türken. Ich war verheult und wollte deshalb lieber draußen warten. Ich stand also schwankend und heulend vor dem Lokal. Hoffentlich hat mich niemand erkannt!

Auf dem Weg zum und auch im Auto heulte ich weiter. Ich konnte nicht aufhören und Garfield war mit der Situation hoffnungslos überfordert. Immerhin schaffte ich es, aufzuhören, als wir zuhause ankamen. Es reichte schon, dass ich meinen Eltern volltrunken entgegentreten musste. Zum Glück sparte sich meine Mutter jeglichen Kommentar. Wir aßen, oder eher Garfield. Ich saß unentschlossen vor meinem Döner, auf den ich mich seit Wochen gefreut hatte. (Ja, es sind eben die einfachen Dinge...) Ich probierte ein Stückchen Gurke und beschloss, dass es keinen Sinn hatte. Erstens war ich motorisch nicht in der Lage, dieses Ding zu essen, und zweitens bekam ich nichts runter. Was für ein Reinfall! Garfield vernichtete also meine Portion und ich ging ins Bett. Es war Sonntag, 18h30. Bravo.

Am nächsten Morgen entschuldigte sich Garfield für das Anmeckern und ich mich für meinen Totalausfall.  Nach dem Frühstück sahen wir uns die Wiederholung des Zugs im Fernsehen an. Wir wollten doch sehen, ob wir zu sehen waren. Waren wir! Oh je... Unseren Freund verpasste ich übrigens wieder ganz knapp, denn als ich den Fernseher anschaltete, war er gerade durch. Gna! Hmpf! 

Den Valentinstag holten wir übrigens Dienstag nach. Wir gingen fein saunieren und taten böse Sachen im Ruheraum. DER Tag war dann wirklich schön!

Und um es nochmal festzuhalten: Nein, ich habe kein Alkoholproblem. Ich mag es, leicht beschwipst zu sein, denn dann ist alles so leicht und entspannt. Tanzen zum Beispiel, oder französisch reden. Ich hasse es aber, so betrunken zu sein, dass sich alles dreht. Das ist ein ekliges Gefühl, welches ich eigentlich vermeide. Normalerweise kann ich Alkohol auch gut ab, aber ich nehme an, dass in dem Glühwein noch was drin war. Außerdem hatte ich ja kaum was gegessen. Eine Verkettung unglücklicher Umstände also, die mir unendlich leid tat. Jedenfalls gibt es für mich erstmal keinen Alkohol mehr, auch wenn es mir am nächsten Tag überraschend gut ging.

12.02.2010 um 12:42 Uhr

Und tschüss!

Frau Maus verabschiedet sich in den Faschingsurlaub! In zwei Stunden geht's los, Mittwoch Abend sind wir wieder da. Ich freu' mich auf meine Eltern, meinen Hund, die Katze, das Dorf, die Familie und die Party natürlich!

Morgen Abend geht's zur jährlichen Faschingssause mit der ganzen Mischpoke. Ich habe zum ersten Mal einen Mann dabei, brauche also keine Handtasche, wie ich vorhin beim Packen freudig feststellte. "Kostüme" habe ich schon rausgesucht und eingepackt. Leider sind wir nicht richtig verkleidet, denn beim Thema "Karibik" fällt einem zuerst Urlaub ein und dann ist es zu verlockend, einfach nur Sommerklamotten anzuziehen. Ich habe also Bikini, Top und Pareo rausgesucht, für den Herrn gibt es kurze Hosen und ein T-Shirt. Vielleicht finden wir im Schrank meines Papas ja noch ein urlaubsmäßiges buntes Hemd für ihn. Vervollständigt wird unser Aufzug mit Blumenketten. Das muss reichen.

Ich hätte ja viel lieber schöne Kostüme ausgeliehen, aber erstens, hätte ich da ständig Angst, etwas kaputt zu machen oder zu bekleckern, und zweitens werden wir morgen nichts mehr bekommen. Es ist schließlich Faschingssamstag und am Sonntag findet bei uns ein sehr großer Umzug statt. Da gehen wir ebenfalls hin, auch wenn Garfield noch nicht so davon überzeugt ist. Er will sich morgen Abend nämlich komplett abschießen. Anders wird er das auch nicht ertragen, denn er ist ja nicht so der Party-Typ. Trotzdem kommt er mit, was ich toll von ihm finde. Ich freu' mich so! Endlich wieder tanzen, die Sau raus lassen, lachen, trinken (Naja, für mich weniger, denn ich fahre.), einfach nur Spaß haben. Jedenfalls wird Garfield, wenn alles nach Plan läuft, am Sonntag völlig verkatert sein. Ob er dann in der Lage ist, ab zwei in der Kälte zu stehen und einem Umzug zu folgen... Wir werden sehen. Ich habe meinen Tanten jedenfalls gesagt, dass wir auf jeden Fall mitkommen und sie uns beim Einpacken diverser kleiner Fläschchen berücksichtigen sollen. Sonntag Abend holen wir uns zur Feier des (Valentins)Tages noch was vom Türken und Montag gehen wir saunieren. Die paar Tage Urlaub und Erholung bzw. Ablenkung werden Garfield gut tun.

In diesem Sinne: *Heimatstadt* helau!!!

11.02.2010 um 12:34 Uhr

Ich wär' so gerne Millionär...

Gestern abend konnte ich nicht einschlafen, also tat ich etwas, was ich besonders gut kann: Panik schieben. Ich kann mich da so richtig reinsteigern und will dann von einem Moment auf den anderen mein ganzes Leben umkrempeln.

Gestern Abend ging's ums liebe Geld. Nein, ich bin kein Steuersünder, der sich Sorgen um seine Schweizer Konten macht, sondern ich habe schlicht und einfach keins. Mein Konto zeigt sich kurz vor Monatsende gern in rot, ungeplante Ausgaben bringen mich an den Rand des Wahnsinns. Und ungeplant ist bei mir alles, was über Miete und Telefon hinausgeht. Denn auf der hohen Kante habe ich nichts. Ich hatte mal eine hohe Kante, die allerdings ging für die Einrichtung meiner Wohnung drauf. Wie blöd! Für nur anderthalb Jahre Geld in eine Wohnung zu stecken. Hätte ich nicht die Zeit bei meinen Eltern bleiben können? Bestimmt. Aber hätte ich dann Garfield kennengelernt? Immerhin wäre das mit den Besuchen sehr kompliziert geworden. Und überhaupt... Nein, die eigene Wohnung war kein Fehler, ich brauchte das. Bestimmt hätte man bei der Einrichtung sparen können, aber ich wollte mich nunmal wohl fühlen, in meinen ersten eigenen vier Wänden. Abgehakt, es bringt nichts über verlorene Kohle zu heulen.

Zurück zum Grundproblem: Ich habe kein Geld. Und keinen Job. Ja, da besteht eine gewisse, nicht zu verleugnende, Relation. Natürlich ist es keine Schande, mal arbeitslos zu sein, vor allem in diesen Zeiten. Aber bei mir dauert das schon viel zu lange. Auf jeden Fall länger als geplant. Es ist kein schönes Gefühl, vom Staat zu leben, und mit dem Geld kommt man auch auf keinen grünen Zweig. Nicht, dass das wünschenswert wäre, denn das ist ja nicht Sinn und Zweck der Sache. Will ich mehr Geld zur Verfügung haben, muss ich arbeiten gehen. Vor allem, wenn ich Pläne habe. Und die habe ich!

Garfield und ich haben dieses Jahr noch was Großes vor, dafür wäre ein sicherer Job von Vorteil. Außerdem will ich nicht langfristig von meinem Freund abhängig sein. Und, Hauptproblem, das liebe Auto muss auch noch in diesem Jahr ersetzt werden. Horst, so nenne ich den Auto-Opa jetzt mal, hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und auch eine Menge Macken. Im August muss er wieder zum TÜV und es ist jetzt schon klar, dass das nichts mehr wird. Ja, man könnte einiges investieren, aber das lohnt sich nicht wirklich. Obwohl seine Besitzer, Garfield und Bruder, noch am überlegen sind. So richtig trennen wollen sie sich nicht, denn Horst hat Charakter. Und ja, ich mag ihn doch auch. Aber ich hätte auch gern was Moderneres, Flotteres und vor allem: Weniger Macken! Es wird mir also nichts anderes übrig bleiben, als spätestens im Dezember ein anderes Auto zu kaufen. Dafür spare ich, oder versuche es zumindest. Ohne Job werde ich bis Dezember nicht besonders viel angespart haben. Zwar will Garfield mir Kredit geben, aber trotzdem... Schöner wäre es schon, ich könnte mir mein Auto selbst kaufen. Außerdem wäre das dann ja mein Auto und ich würde auch die Versicherung bezahlen. Ich gucke auch schon, was mir so gefällt und habe direkt ein paar Modelle im Auge. Nein, ich will gar nichts blau-weißes und einen Stern oder vier Ringe brauche ich auch nicht. Ich bin da eher bescheiden unterwegs. Richtig gut gefällt mir der Se*at Le*on. Der wäre toll. Auch der Maz*da 3 hätte was. Und mir gefällt der Sci*rocco. Garfield macht sich regelmäßig lustig und verdreht die Augen, wenn ich sage, was mir so gefällt. Aber, es wäre ja MEIN Auto, er muss damit nicht fahren. Am Wochenende haben wir mal geguckt, was ich für einen Se*at oder Maz*da so einplanen müsste und ich war, gelinde gesagt, geschockt. Irgendwie habe ich völlig utopische Vorstellungen von Gebrauchtwagenpreisen. Mit soviel hatte ich nicht gerechnet! Für mich bezahlbar wären nur sehr alte Modelle, aber ich liebäugele ja eher mit den jüngeren. Es bleibt also dabei: Ich brauche dringend mehr Geld bzw. einen richtigen Job.

Schlimm ist, dass ich in dieser Hinsicht nicht wirklich in die Puschen komme. Zuerst konnte ich ja noch warten, bis ich mein Abschlusszeugnis hatte, denn ohne machten Bewerbungen nicht ganz so viel Sinn. Prima Entschuldigung vor mir selbst. Jetzt habe ich das Zeugnis aber schon seit drei Wochen und wieviele Bewerbungen sind rausgegangen? Eine. *kleinlaut* Wenn ich nur nicht so verdammt wählerisch wäre! Ich bin eine naive Idealistin und will meinen Traumjob - darunter mach' ich's nicht. Ich will, dass mir das Geldverdienen Spaß macht. Ist das wirklich so utopisch? Garfield sagt: "Geld stinkt nicht." Und: "Man muss auch mal was machen, was vielleicht nicht so toll ist." Ich habe bisher gesagt: "Nein, das, das und das will ich einfach nicht machen." Und habe mich nur auf Jobs beworben, bei denen ich sofort dachte: "Das ist es, das willst du machen." Das waren nicht viele. Von dieser Sorte trudelt nämlich nur alle paar Monate mal einer bei mir vorbei. So wird das nie was, jedenfalls nicht in nächster Zeit. Ich muss also umdenken und Garfield Recht geben: Geld stinkt nicht. Außerdem bin ich doch diejenige, die immer gesagt hat: "Solange das Arbeitsklima gut ist und ich mich mit den Kollegen verstehe, kann ich alles machen." Warum handel ich jetzt nicht danach? Mir fehlt doch dieser Austausch mit den Kollegen, das Kennenlernen neuer Leute, der Umgebungswechsel! Mir fällt hier die Decke auf den Kopf, ich habe kein Geld und ich lerne niemanden kennen. Drei gute Gründe, endlich in die Puschen zu kommen und sich mehr zu bewerben. Auch auf Jobs, die nicht so meine Welt sind. Ich muss das ja nicht für ewig machen, man kann sich immer wieder umorientieren. Außerdem fiele mir eine Pause viel leichter, wenn ich nicht gerade in meinem Traumjob arbeite und Karriere machen will. Und eine Pause wäre in naher Zukunft durchaus nötig bzw. möglich, denn Kinder sind ja geplant. Im Grunde wäre es also sogar dumm, sich jetzt zu sehr auf den Job zu fixieren. Meine Traumkarriere, die sollte ich lieber für später anvisieren und stattdessen jetzt einfach nur Geld verdienen.

Also Rosa, du vergisst jetzt mal Verlage und Redaktionen. Viel zu schwer ranzukommen, viel zu wenige freie Stellen. Es gibt bestimmt auch andere spannende Tätigkeiten. Wie schlimm kann es denn in einer Unternehmensberatung sein? Ich sollte Nanni mal fragen, was sie da genau macht. Nein, ich will immer noch keine Versicherungen verkaufen und überhaupt niemandem am Telefon irgendwas aufschwatzen. Aber Callcenter machen ja auch andere Sachen, deshalb sollte ich sowas nicht völlig ausschließen. 

Ich glaube, bei mir setzt da gerade ein Umdenkprozess ein. 

Das wollte ich vorhin übrigens gleich nutzen und habe wiedermal eine Jobbörse durchforstet. Dieses Mal habe ich nicht nach einer bestimmten Branche gesucht, sondern mir einfach alle Jobs im Umkreis von 50km anzeigen lassen. Ergebnis? Nichts. Es war NICHTS dabei, gar nichts. Ist das zu fassen? Da würde ich schon so ziemlich alles machen und dann ist doch nichts für mich dabei? *heul* Immerhin habe ich mich gleich mal auf einen Nachhilfejob beworben - das wäre zumindest war für's erste. Trotzdem bin ich deprimiert. Ist die Lage im Moment wirklich so bescheiden? Suchen denn nur Banken und Versicherungen Leute? Beides Branchen, in denen ich mir mich nun so gar nicht vorstellen kann. Es muss doch auch was anderes geben! Hier also ein Aufruf:

Falls hier jemand liest, der was im Münchener Raum weiß oder jemanden kennt der jemanden kennt, bitte bitte melden!!! Ich bin flexibel, teamfähig, neugierig, anpassungsfähig, lerne schnell und besitze vor allem ausgeprägte interkulturelle Kompetenz. Irgendjemand muss doch jemanden wie mich brauchen! Ich bin toll, jeder meiner bisherigen Chefs hat mich geliebt. Ganz ehrlich! Und mit anderen Menschen, seien es Kollegen oder Kunden, kann ich prima. Auch mit Kindern. Und Tieren. Ich habe Erfahrung in der Gastronomie und im Verkauf. Ich bin eloquent und ziemlich schlau. Und hässlich bin ich auch nicht, obwohl das kein Einstellungskriterium sein sollte.  Ich spreche fließend Englisch und Französisch, ein bißchen Spanisch und war schon im Ausland beschäftigt.

Irgendjemand interessiert?

 

10.02.2010 um 15:03 Uhr

Die Weisheit des Tages:

Die Welt ist ein Dorf!

Ich habe mich heute bei so einer Karriere-Netzwerk-Dings-Plattform angemeldet. Wer weiß, vielleicht kann man da ja tatsächlich nützliche Kontakte knüpfen. Rosa registriert sich also, lädt ein Foto hoch, gibt ein paar Sachen ein und guckt dann erstmal, ob die ortsansässigen Firmen vertreten sind. Ich gebe *den großen Arbeitgeber in der Region* ein und wer springt mir quasi ins Auge??? Der Stiefbruder meines Ex! Na, so ein Zufall!

Zufälle gibt's nicht? Wie wär's damit: In just dieser Firma arbeitet auch mein liebster Garfield.

Hey, Schicksal, Universum oder wer auch immer hier die Fäden in der Hand hält! Findest du das lustig? Ich nämlich nicht, ü-b-e-r-h-a-u-p-t nicht. 

10.02.2010 um 09:43 Uhr

It's the end of the world...

Wir haben gestern abend geredet. Lange und intensiv. Es begann mit dem (leidigen) 6-Thema und endete schließlich bei unseren Exen - seiner und meinem. Garfield befürchtet, meine Beziehung zu ihm wäre weniger intensiv, als es die zu meinem Ex war. Weniger bedeutsam, weniger wichtig. Natürlich stimmt das nicht, denn in meinen Augen ist jede Beziehung anders. Die zu meinem Ex war in einigen wenigen Punkten besser, ja, aber in sehr vielen schlechter. Wenn man das überhaupt so sagen kann. Es ist ja immer schwer, sowas zu vergleichen. Und eigentlich sollte man das auch gar nicht.

Wie Garfield darauf kommt? Ich meinte, dass ich während meiner letzten Beziehung eine Trennung für das Ende der Welt hielt. Ich war so dumm und naiv, dass ich mir nicht vorstellen konnte, das Ende dieser Beziehung auch nur einen Tag zu überleben. Und ich war so blöd, dies meinem damaligen Freund auch mitzuteilen. Er meinte daraufhin, dass das Blödsinn sei. Genauso wie Sätze à la "Ich werde nie wieder jemanden so sehr lieben wie Dich." oder "Ich kann mir nicht vorstellen, jemals mit jemand anderem so guten 6 zu haben/so vertraut zu sein." J. meinte, man denkt oder sagt das immer, merkt aber im Nachhinein, dass es doch geht. Er wußte das aus Erfahrung. Mir fehlte diese Erfahrung zu diesem Zeitpunkt noch, deshalb war ich ein naives Dummchen, das sich an seinen Freund klammerte als gäbe es kein Morgen. Dann zerbrach die Beziehung. Ich war am Ende, ja, aber ich überlebte. Und wurde, wider Erwarten, auch wieder glücklich. Ich verliebte mich neu, habe den besten 6 meines Lebens und schmiede Zukunftspläne mit einem anderen Mann. Es geht also und eine Trennung ist nicht das Ende der (meiner) Welt. Weil ich das nun weiß, gehe ich entspannter an die Beziehung zu Garfield heran. Ich genieße sie, ohne Frage, klammere mich aber nicht so extrem daran. Ich weiß eben jetzt, dass man auch eine Trennung überlebt, und sei sie noch so schwer und schmerzhaft. Das habe ich, dank J., gelernt.

Garfield meint nun, dass dieses Gefühl etwas mit der Intensität der Beziehung zu tun hat. Je intensiver die Beziehung, desto weniger vorstellbar ist ein Leben nach der Trennung. Ich sage, dass das eine Frage der Erfahrung ist. Aus der Tatsache, dass ich nicht glaube, dass mein Leben ohne ihn keinen Sinn hätte, leitet Garfield ab, dass die Beziehung weniger intensiv ist als die zu J. Denn damals glaubte ich das. Ich verstehe seinen Punkt, bleibe aber dabei: Es ist eine Frage der Erfahrung und sagt nichts über die aktuelle Beziehung aus. Oder stehe ich mit dieser Meinung allein da?

Weil es gerade so gut passte und ich es endlich loswerden wollte, erzählte ich Garfield gestern abend vom Schusselchen und meinem Ex, von ihrem Treffen, meiner Wut, meiner blöden Mail. Eigentlich hatte ich schon beschlossen, ihm davon nichts zu erzählen, um ihn nicht unnötig zu beunruhigen. Allerdings fühlte sich das nicht gut an, ich hatte das Gefühl, ihn zu betrügen. Also erzählte ich und - Überraschung - er verstand. Er verstand meinen Ärger, aber er verstand auch das Schusselchen. Wen er nicht verstand, das war mein Ex. Nun gut, das tun wir alle nicht. Müssen wir auch nicht. Wir haben sehr intensiv darüber diskutiert, warum mich diese Geschichte so aufgewühlt hat. Garfield war unheimlich verständnisvoll und lieb, wenn er eifersüchtig war, so versteckte er es gut. Er war froh, dass ich ihm davon erzählte, und ich war es ebenfalls. So erleichtert! Endlich ist es raus und ich habe keine Geheimnisse mehr vor ihm. Natürlich ist das albern und man sollte dem Partner nicht immer alles erzählen, aber in dieser Sache war es eben doch wichtig, dass er davon erfährt. Er nahm es völlig ruhig und objektiv auf, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Mein lieber Schatz, danke, dass du für mich da bist und wir immer über alles reden können. Dafür liebe ich dich!

Irgendwie kamen wir auch wieder darauf, dass ich immer sage, mein Ex wäre eigentlich ein netter Kerl, hätte sich eben nur teilweise wie ein A*** verhalten. Garfield kann das nicht verstehen, denn er kennt ja nur meine Version der Geschichte. In seinen Augen ist J. der größte Mistkerl der Menschheitsgeschichte. Und der größte Idiot, weil er mich hat gehen lassen. *rotwerd* Garfield sagt, sollte er dem Kerl jemals begegnen, würde er ihm zuerst eine reinhauen und sich dann bei ihm bedanken. Der Schlag wäre für das, was er mir angetan hat, die fiese Trennung, die Feigheit. Der Dank wäre dafür, dass J. mich vertrieben und so für ihn, Garfield, frei gemacht hat. Aber ich schweife schon wieder ab. Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Man liest (hier) immer wieder von Frauen, dass ihr Ex sich völlig daneben benommen hat oder auch immer noch benimmt. Man denkt und sagt: So ein Arsch! Und die Frau sagt: Nein, er hatte auch nette Seiten. Oder auch: Im Grunde ist er aber ein feiner Kerl. In irgendeinem Blog gab es dazu schonmal eine Diskussion. Verklären wir im Nachhinein so sehr? Verdrängen wir alles Schlechte oder beschönigen es? Oder wollen wir nur vor uns selbst rechtfertigen, dass wir uns in so jemanden verliebt haben? In meinem Fall weiß ich ja ganz genau, dass J. durchaus ein ganz Netter ist. Das Schusselchen ist nicht ohne Grund seit Jahren mit ihm befreundet. Wahrscheinlich ist er einer dieser Männer, die als Freund (Kumpel) toll sind, als Freund (Geliebter) aber versagen. Warum auch immer. In diesem Fall wahrscheinlich, weil ich einfach nicht die Richtige für ihn war. Wäre ich es gewesen, hätte er sich anders benommen. So einfach ist das manchmal.

09.02.2010 um 17:16 Uhr

Umfrage

Nachdem sogar einige teilgenommen haben (Lob!), hier das Ergebnis meiner Umfrage zum Thema:

Wissen die Menschen in Deiner Umgebung von Deinem Blog?

Gut die Hälfte von Euch macht kein Geheimnis aus seinem Blog und lässt bestimmte Leute aus dem Bekanntenkreis sogar mitlesen. (53%)

Fast ein Drittel dagegen sagt: Nein, mein Blog ist meins! (29%)

Der Rest ist ausgeglichen. Jeweils 6% lassen den Partner mitlesen bzw. jeden, der will. Weitere 6% haben zwar Jemandem von ihrem Blog erzählt, lassen den- oder diejenigen aber nicht mitlesen.

Wo ordne ich mich ein?

Hätte ich mit abgestimmt, hätte ich mein Kreuz bei "Ja, aber es darf keiner lesen," gemacht. Garfield, also mein Partner, weiß von der Mission Prinz, denn ich habe ihm am Anfang dummerweise mal davon erzählt. Das war blöd und ärgert mich im Nachhinein sehr. Denn Garfield versprach zwar, nie danach zu suchen, wurde aber trotzdem neugierig. Er suchte, fand und las. Leider war er zu dumm, um sein Wissen vor mir zu verbergen. Ich war sehr wütend über den Vertrauensbruch und Garfield versprach hoch und heilig, nie wieder einen Blick hier rein zu werfen. Ob ich ihm in dieser Hinsicht traue? Nicht ganz. Ein gewisses Misstrauen bleibt. Immerhin folgte die Strafe für Garfield auf dem Fuße, denn die kleinen Sünden...

Meiner besten Freundin habe ich ebenfalls vom Blog schreiben erzählt, ganz am Anfang, als das alles noch so neu und ich so enthusiastisch war. Sie hat nie weiter nachgefragt und ich hoffe sehr, dass sie diese Info vergessen hat. Wahrscheinlich hat sie, denn es war nie wieder Thema. 

Im Grunde halte ich es so, wie 29% von Euch: Das hier ist ganz allein meins, hier hat niemand was zu suchen. Ich genieße die Anonymität und die damit verbundene Freiheit, Dinge niederzuschreiben, über die ich normalerweise wohl nicht einmal reden würde. Es ist schön, dass man hier Gedanken loswerden kann, die im Kopf ihre Kreise drehen. Und das Beste daran ist, dass man auch mal die Meinung anderer dazu hört. Das rückt einem manchmal den Kopf zurecht, bestätigt einen aber auch oft. Und man fühlt sich mit seinen Problemen weniger allein. (Genau hier liegt meiner Meinung nach der Hauptunterschied zum traditionellen Tagebuch: Man teilt seine Gedanken und dreht sich eben nicht nur um sich selbst.)

Dieses Blog ist nun schon anderthalb Jahre alt und in diesen 18 Monaten ist eine Menge passiert. Bei mir, aber auch bei anderen. Blogigo ist in dieser Zeit ein fester Bestandteil meines Lebens geworden, den ich eigentlich nicht mehr missen möchte. Ich nehme Anteil am Leben der anderen Blogger und freue mich über neue Einträge manchmal genauso, wie über die Mail einer Freundin. Ich freue mich mit und leide mit. Und ich erwische mich ganz oft dabei, dass ich, schon während ich etwas erlebe, im Kopf formuliere, wie ich es wohl aufschreiben könnte. Das ist einerseits natürlich schon irgendwie verrückt, andererseits aber eine prima Methode um sich selbst mit etwas Abstand zu betrachten. Ja, ich glaube, dies ist der größte Vorteil des Bloggens: Es fällt mir viel leichter, mein Leben, meine Probleme etc. mal von außen zu betrachten und die Dinge so entspannter anzugehen. Natürlich könnte das Bloggen auch ein Ausdruck extremer Egozentrie sein, denn man beschäftigt sich schon sehr mit sich selbst, wenn man Erlebtes - ob wichtig oder unwichtig - noch einmal aufschreibt und breit tritt. Andererseits interessiert einen das Leben der Anderen ja genauso, weshalb an die Stelle des "Ego" lieber ein "Wir" rücken sollte. Ja, das hier ist meine kleine Parallelwelt, in der alle ähnliche Probleme haben, sich gegenseitig trösten, anfeuern und beglückwünschen. Schön ist auch, dass ich hier auf Menschen treffe, mit denen ich im wahren Leben wohl nie zu tun gehabt hätte.

An dieser Stelle mal ein herzliches Danke an alle Leser - die stillen und auch die, die ihren Senf dazugeben!

Und für die nächsten 18 Monate kann ich schonmal soviel verraten: Es bleibt spannend! Wird Rosa Maus jemals einen Job finden? Was haben sie und Garfield Großes vor, worüber sie immer und immer wieder sprechen? Wann wird Rosa ihren ersten Marathon laufen und was wird aus dem alten Autochen? Wird es bald neue Freunde geben und was wird aus den alten?

09.02.2010 um 12:22 Uhr

*schnarch*

Vier verschiedene Counter, vier verschiedene Ergebnisse. Ich bin maximal begeistert. Was mich aber noch mehr irritiert: Bereits erwähnter Leser "IE8 f.k.a. IE7" scheint munter zwischen den Versionen des Explodiereres hin- und herzuwechseln. Einer der Counter nennt mir die komplette IP, also weiß ich, dass es immer derselbe Leser ist. Eine IP entspricht doch einem bestimmten Computer, oder? Wieso also wird da als Browser mal Version 7, mal Version 8 angezeigt? Sehr seltsam. Das Internet ist ein Mysterium.

Und nochwas: Mir gefällt mein Menü nicht. Alles so eng aneinandergeklatscht. Weiß zufällig jemand auf Anhieb, was ich da ändern bzw. hinschreiben muss, damit die Abstände zwischen den einzelnen Menüpunkten größer werden? Ich könnte rumprobieren, aber vielleicht weiß es ja jemand aus dem FF.

Mehr is' heute nicht, ich fühle mich ausgebrandenburgt. Antriebsschwach, trist, kann mich zu nichts aufraffen. Schilddrüsenunterfunktion? ;-)  Eher die sinkende Hormonkurve.

Morgen ist hoffentlich alles wieder besser!

08.02.2010 um 10:24 Uhr

Zeitreisen

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie das Fernsehen - oder Filme im Allgemeinen - einen zu Zeitreisen inspiriert. Da wird man mir nichts dir nichts Jahre zurückkatapultiert.

Im Moment häufen sich im TV Filme, die ich mit meinem Ex in Verbindung bringe. Filme, die damals im Kino kamen, die wir gesehen oder auch nicht gesehen haben.

Gestern kam zum Beispiel "I am L*gend" - dieser Film, der in der Vorschau so interessant, und in echt dann so gruselig war. Den haben wir bei unserem letzten Date gesehen. Wir wohnten damals schon seit ein paar Wochen zusammen und beschlossen, aus diesem Kinobesuch eine richtige Verabredung zu machen. Sowas kommt ja immer zu kurz, wenn man erstmal zusammen wohnt. Ich holte vorher Karten und wir trafen uns vorm Kino, weil J. direkt von der Arbeit kam. Weil der Film so gruselig war (Ja, ich bin ein Weichei bei sowas!), musste ich mein Gesicht oft in J.s Pulli kuscheln. Und als der Hund starb, habe ich fast geheult. Nach dem Film holten wir uns noch was bei McFress - klar, zu einer Verabredung gehört auch was zu essen ;-) Ich weiß noch, dass damals wiedermal Schweizer Wochen oder sowas waren und ich unbedingt diesen einen Burger probieren wollte. Und als wir dann nach Hause kamen, wartete im Briefkasten etwas auf J., was den Abend perfekt machte. Die Tage vorher waren nämlich ziemlich anstrengend gewesen, denn J. hatte seinen fast neuen PC abgeschossen. Das vorinstallierte Betriebssystem hatte ihm nicht gefallen, also stieg er auf ein älteres um. Leider funktiontierte der PC dann gar nicht mehr. Oder nicht richtig. Das weiß ich nicht mehr so genau. Ich weiß aber noch sehr genau, wie sauer J. war und wie sehr dieser blöde Computer die Stimmung trübte. Vor allem, als J. feststellte, dass man nicht zu den Werkseinstellungen zurück konnte. Dafür hätte man direkt nach Kauf eine Reboot-CD erstellen müssen. Schön, dass man sowas erst dann merkt, wenn man es braucht. J. musste also beim Hersteller anrufen und sich so eine CD schicken lassen. Die kam an besagtem Abend. Nun ja, unser gemeinsames Essen war damit natürlich gestorben, denn J. hüpfte ständig zwischen PC und Tisch hin und her. Aber er war glücklich, denn der PC funzte wieder und er konnte endlich wieder seine bl besch unheimlich interessanten Ballerspiele spielen. Komisch, wie man sich an manche Details erinnert... (Ich frage mich gerade, ob J. den Film gestern gesehen hat. Und ob er sich dabei an mich erinnert hat. Weiß er noch, dass er den mit mir gesehen hat?)

Gestern kam auch "Beim ersten M*l". Dieser Film lief gerade im Kino, als wir unser zweites Date hatten. Wir haben ihn uns nicht angesehen, weil das doch etwas zu - hmmm - offensichtlich war, für den Anfang. Stattdessen sahen wir uns "Von Frau zu Frau" an. Der kommt auch diese Woche irgendwann. Ich erinnere mich, dass ich den Film furchtbar anstrengend fand. Es war leider der einzige, auf den wir uns hatten einigen können. Ich wollte ihn wegen Lauren Gra*am sehen (aus "G*lmore G*rls"), die finde ich toll. J. war wohl der einzige Mann im Kino, aber immerhin mag er M*ndy Moo*e und hatte so auch etwas zu gucken. Vorher hatten wir ewig auf der Couch rumgeknutscht, was mir sehr unangenehm gewesen war. Zuviel Nähe, zuviel auf einmal. Und im Kino tatschte er auch dauernd an mir rum. Mich nervte das ganz furchtbar und ich fühlte mich völlig fehl am Platz. Bereute sogar schon, dass ich bei ihm übernachten wollte. Am nächsten Morgen wollte ich nur noch ganz schnell weit weg. Fluchtreflex... hätte mir eine Warnung sein sollen. Trotzdem kam ich eine Woche später wieder - den Fluchtreflex ließ ich zu Hause.

À propos "G*lmore G*rls". Ich liebe diese Serie! Ich habe jede einzelne Folge gesehen, nur die letzte nicht. An dem Tag, als sie im deutschen Fernsehen lief, hatte J. mit mir Schluss gemacht. Normalerweise hält mich nichts vom fernsehen ab, denn gerade wenn es mir schlecht  geht, tauche ich mit Vergnügen für ein zwei Stunden in diese Parallelwelt ab. An dem Tag aber gab es Wichtigeres und ich vergaß die Girls einfach. Mir fällt gerade auf, dass ich seitdem keine einzige Folge mehr gesehen habe. Bewußt oder unbewußt? Ich weiß es nicht.

Mir fällt gerade ein, dass J. damals ganz schön mutig war. Ab dem Moment, als er die Beziehung beendete, war ich einen ganzen Tag und eine ganze Nacht allein in seiner Wohnung. Ich hätte sonstwas anrichten können! Er wußte vorher, wie sehr er mich verletzen würde, dieser Brief im Badezimmer. J. konnte nicht wissen, ob meine Trauer nicht vielleicht in Wut umschlagen würde. Ich hätte seinen geliebten Computer zerstören können. Oder all seine Klamotten zerschneiden. Das Geschirr zerschlagen. Vielleicht hätte ich sowas sogar tun sollen, vielleicht wäre es mir dann besser gegangen. Was tat ich stattdessen? Verließ die Wohnung in einem picobello Zustand. Sogar mein Bett habe ich abgezogen! Wie blöd kann man eigentlich sein...

Jetzt aber genug zurückgeblickt! Und: Ja, so war das damals...

05.02.2010 um 09:10 Uhr

Nanni

Heute gab's schon ein Mysterium. Oder besser, gibt es immer noch. Als ich vorhin im Bad war, klingelte hektisch das Telefon. Ich dachte mir, dass es Garfield sein wird, und sprang natürlich nicht vom Klo auf um ranzugehen. Den rufe ich später zurück, dachte ich mir. Doch das Telefon meldete sich wieder, noch bevor ich im Bad richtig fertig war. Ich ging ran und es war tatsächlich der Liebste. Er fragte, ob nachts das Telefon geklingelt bzw. jemand auf Band gesprochen hätte. Ich guckte nach - das Lämpchen blinkte. Ich fragte, ob ich die Nachricht abhören soll, er meinte, ne, lass' mal, ich mach' das dann. Und legte auf. Jetzt mache ich mir natürlich so meine Gedanken. Ein Anruf in der Nacht bedeutet nie was Gutes. Bestimmt irgendwas passiert, in seiner Familie? Erfahren werde ich es erst heute nachmittag, wenn der Herr nach Hause kommt. Bis dahin muss ich mich beherrschen und nicht auf den Knopf drücken, obwohl er mich herausfordernd anblinkt. Ich hasse sowas!

Morgen gehen wir auf den 30. Geburtstag einer Freundin, die ich seit August 2006 nicht mehr gesehen habe. Ich bin nervös, aufgeregt, leicht panisch. Und ich sollte weiter ausholen:

Nanni war meine Mitbewohnerin damals in Frankreich. Die fremde Umgebung, die fremde Sprache, die vielen gemeinsamen Erlebnisse - das schweißte uns zusammen. Sie war eine gute Mitbewohnerin: wir kochten zusammen, lasen dieselben Bücher, unternahmen viel gemeinsam, waren sogar ein paar Tage im Urlaub. Und wir redeten natürlich über alles. Nanni war dort meine Stütze, mein kleines Stückchen Deutschland in diesem großen internationalen Meer. Sie hat - nach meinen Arbeitskollegen - den größten Teil dazu beigetragen, dass ich mein Heimweh ganz schnell vergaß.

Nachdem wir beide wieder in Deutschland waren, hielten wir den Kontakt. Wir telefonierten mindestens alle zwei Wochen, jeweils zwei bis drei Stunden lang. Wir besuchten uns gegenseitig, wir waren sogar einmal gemeinsam im Urlaub. Es gab aber so Punkte, die mich an Nanni extrem störten. Punkte, die ich in der Fremde akzeptiert hatte, die mich später aber nur noch nervten. Ihre mangelnden Manieren beim Essen, zum Beispiel. Auf Schmatzen und mit offenem Mund kauen reagiere ich allergisch. Auch, wenn jemand so mit seinem Kaugummi katscht. Außerdem mischte sich Nanni grundsätzlich in alles ein, organisierte, plante, machte. In Frankreich war das gut, denn so sah ich viel. Aber in meiner Heimat, bei mir zu Hause, nervte das unendlich. Ich hatte Ferien, ich wollte meine Ruhe.

Im August 2006 kam Nanni wiedereinmal zu Besuch. Wir hatten eine Weile weniger Kontakt gehabt, denn sie hatte ein Auslandssemester in Nordamerika eingelegt. Sie hatte mir nicht sonderlich gefehlt. Nun also war sie da, schmatzte und katschte und redete und nervte mich einfach nur. Meiner Familie gegenüber waren mir ihre Essgewohnheiten peinlich, schließlich regen sich alle immer über meinen Papa auf. Im Vergleich zu Nanni schmatzt der aber fast gar nicht. Und überhaupt nervte mich in den zwei Wochen alles an ihr. Sie lachte zu laut, sie redete zu viel, sie wollte ständig was von mir.

Dann kam das große Stadtfest und Nanni war immer noch da. Im Jahr zuvor war es ganz großartig gewesen, denn ich hatte bei einer Freundin übernachtet, alle hatten gemeinsam gefrühstückt, die Stimmung war toll gewesen. In diesem Jahr hätte ich es gern wieder genauso gemacht, aber ich hatte ja Besuch. Also fuhren wir hin und nach der Party wieder zurück. Hmpf. Mir entging dadurch der beste Teil - das nahm ich Nanni übel, auch wenn sie eigentlich gar nichts dafür konnte. Ich hasse es nunmal, mit jemand Fremdem bei Freunden aufzukreuzen, denn ich fühle mich dann immer gezwungen, mich um diesen Menschen zu kümmern, der ja niemanden kennt. Nanni ist eigentlich gar nicht so, dass sie ständig betüdelt werden will, aber ich fühle mich in solchen Situationen trotzdem unwohl. Nicht frei, weil ich eben nicht tun und lassen kann, was ich will. Das trifft nicht nur auf Nanni zu, sondern wäre bei jedem so. Ein bißchen ist es auch so, wenn ich Garfield irgendwo dabei habe.

Nun war Nanni also dabei und vermieste mir irgendwie das Fest. Meine Freundin Schusselchen hat mit sowas überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil. Sie scheint sich nur wohl zu fühlen, wenn sie möglichst viele Leute einlädt und anschleppt. In jenem Jahr hatte sie zwei Kommilitonen mitgebracht. Die eine, A., kannte ich schon von einem Geburtstag. Den anderen kannte ich nicht, fühlte mich aber sofort von ihm angezogen. Flirten war aber nicht, denn, Nanni war ja dabei. Und überhaupt bin ich bei sowas ja total ungeschickt. Am ersten Abend fuhren wir den jungen Mann sogar "nach Hause", weil er keine Lust mehr auf Party hatte und wir ohnehin gehen wollten. Auf dem Weg versuchte ich, ein Gespräch anzufangen, aber er war irgendwie gehemmt und nicht sehr gesprächig. Naja, Nanni war ja dabei. Und hatte ihn, wie ich im Nachhinein erfuhr, sogar ungeschickt angebaggert! (Alle tanzten paarweise, nur die Beiden nicht, also forderte sie ihn auf. Er lehnte ab, denn sie war ihm unsympathisch. Außerdem ist Nanni Jungs gegenüber sehr unsicher. Sie wirkt dann völlig albern. Ich schiebe das darauf, dass sie an einer Mädchenschule war und nie gelernt hat, mit Jungs umzugehen.)

Als Nanni ein paar Tage später wieder abreiste, war uns wohl beiden klar, dass unsere Freundschaft eine Pause brauchte. Sie hatte natürlich gespürt, wie unzufrieden ich war und wie sehr sie mich nervte. Sie konnte mir eben nichts recht machen, was wahrscheinlich gar nicht an ihr lag. Ich war einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden. Danach hatten wir keinen Kontakt mehr.

Kurze Zeit danach fand ich den Job in dem Schmuckladen, im Jahr darauf kam der Kommilitone wieder mit und ich verliebte mich, hatte eine kurze aber heftige Beziehung mit ihm, lebte kurz in Berlin, arbeitete dort, wurde verlassen, kam wieder zurück, zog in eine eigene Wohnung, hatte eine Affäre mit meinem Ex, lernte Garfield kennen und lieben, beendete endlich mein Studium und zog nach Bayern. Drei Jahre, in denen bei mir unheimlich viel passierte. Alles ohne Nanni. Manchmal fehlte sie mir, aber nicht oft.

Kurz bevor ich nach Bayern umzog, fanden wir uns im Gesichtsbuch. Sie wurde mir immer wieder als Freundin vorgeschlagen, ich weiß allerdings nicht mehr genau, wer den Anfang machte. Wir tauschten kurz Infos aus und ich erzählte, dass ich bald wieder nach Bayern ziehe. Nanni wohnt in München. Kurz nach meinem Einzug hier, schrieb sie mir eine Willkommenskarte, mit dem Hinweis, dass man sich ja mal treffen könne. Immerhin sei es nur eine halbe Stunde bis München... Ich ging nicht darauf ein, denn ich wußte nicht, ob ich diese Freundschaft wirklich wieder so aufleben lassen wollte. Zu Weihnachten schrieb Nanni ebenfalls. Und dann kam die Einladung zu ihrem Geburtstag. Ich überlegte lange, ob ich hingehen sollte. Immerhin hatten wir uns seit dreieinhalb Jahren nicht gesehen... Garfield sagte, er komme mit, wenn es was zu essen gäbe. Typisch! Schließlich entschied ich mich für die Party, denn erstens kann ich hier dringend ein paar Kontakte gebrauchen und zweitens muss ich mal wieder unter Leute. Außerdem soll man als Jobsuchender möglichst viele Netzwerke aufbauen. Bei dieser Feier werden Menschen aus den verschiedensten Bereichen dabei sein, wer weiß...

Lange gegrübelt habe ich über das Geschenk, denn was schenkt man jemandem, den man früher mal gekannt hat? Ich habe mich für einen Gutschein über einen "Weibertag" entschieden. Hübsch verpackt. Nanni soll irgendwann herkommen, dann fahren wir zusammen in die Therme. Nach meiner Erfahrung ist dies der perfekte Zeitvertreib mit Freundinnen, denn man hat viel Zeit zum reden und tut auch noch was für sich. Mit dem Schusselchen gehe ich wahnsinnig gern in die Sauna, mit Nanni war ich vor Jahren einmal dort. Ich schenke ihr also einen Tag, an dem wir uns wieder besser kennenlernen können. Ist das eine gute oder völlig bekloppte Idee?

À propos Freundinnen: Das Schusselchen hat endlich geschrieben. Sie fühlt sich zwischen den Stühlen, sie hatte durchaus Bedenken. Ihr war nicht klar, dass da bei mir noch soviel unterwegs ist. Aber sie betont, dass ihr beide Freundschaften wichtig sind und sie sich nicht entscheiden wird. Ob unsere Freundschaft weitergeht, liege bei mir. 

Liebes, liebes Schusselchen! Natürlich geht unsere Freundschaft weiter! Ich ärgere mich doch selbst darüber, dass ich Dir überhaupt Vorwürfe gemacht habe. Was war ich wiedermal dumm! Ich habe mich doch längst beruhigt und arbeite an dem Schulterzucken.

Leute, ich muss eine Mail beantworten!

 

04.02.2010 um 17:19 Uhr

Nachtrag für heute

Sodele. Ich war bei der Bank, genauer bei Herrn Boss. Der war zum Glück da und gleich verfügbar. Und nett war er auch wieder. (Hatte ich erwähnt, dass er ziemlich gut aussieht?) DER duzt mich nicht! Und weil er so nett zu mir war, seinen Fehler gleich eingeräumt und alles wieder gut gemacht hat, habe ich mir den Kommentar "Beim letzten Mal wurde ich aber unfreundlich behandelt..." gespart. Mein Sparkonto wurde aufgelöst, Geld müsste morgen auf dem Giro sein und dann kann ich mal gucken, wo ich die Moneten hinbringe. Garfield schwört ja auf Gold. Jedenfalls alles unspektakulär oder auch verdächtig einfach.

Auf dem Weg zur Bank ist mir aber was passiert...

Rosa parkt und schlägt den Weg Richtung Innenstadt ein, als sie ein junger Mann mit Kamera anspricht. Oh Gott, denke ich, da ist er. Der Moment, auf den ich mein ganzes Leben gewartet habe. Ich werde entdeckt! Jetzt und hier! Neben dem Parkplatz! (Höhö. Natürlich habe ich das nicht gedacht und auch niemals nicht gehofft.)

Der junge Mann sprach mich also an: "Guten Tag *brummelbrummel* Praktikum beim *Hintertupfinger Kurier/Honoluluanzeiger/Grevenbroicher Tagblatt/popelige Tageszeitung deiner Wahl* *blabla* Umfrage."

Bevor ich antworten konnte, deutete er schon auf die Kamera: "Wäre aber mit Foto..."

Seltsamerweise blieb ich entspannt und sagte ja. Normal hasse ich fotografieren und mich auf Fotos sowieso. Aber hier kennt mich keiner, also egal. Außerdem tat mir das Bürschchen leid und noch außerdemer hatte ich mich bei just dieser Zeitung für ein Volontariat oder Praktikum beworben. Gab natürlich eine Absage, das wollte ich aber nicht an dem Jungen auslassen. Sollen die doch mal sehen, was für eine Granate die da abgelehnt haben! Leider gab das Umfragethema wenig eloquente Äußerungen her. Es war: "Winterspiele in Vancouver" Ja, stimmt, da war was. Ist ja bald, oder? Ob ich mich drauf freue, wollte der Junge wissen. Nun ja, meinte ich, freuen ist wohl das falsche Wort. Ich fiebere dem nicht so entgegen, werde aber reinschauen, klar. Lieblingssportart wollte er auch noch wissen. Ich wurde rot und murmelte: "Eiskunstlaufen. Das gucke ich mir da gern an." Jaja, ich habe jedes Klischee bestätigt. Aber ich gucke mir das wirklich gern an! Ich find's toll, wie kreativ manche die Musik interpretieren. Da gab's mal so'n finnisches Pärchen... Ich schweife ab. Das Bürschchen notierte sich alles und fragte noch nach deutschen Favoriten. Häh? Hab' ich nicht. Ich kenne mich bei Wintersport null aus, ist auch nicht so meins. Das steckte ich dem Jungen auch noch, ungefragt. Ich bin eher so der Typ für die Sommerspiele, da fiebere ich mit, da gucke ich. Leichtathletik, Schwimmen, Turnen, Kanu-Slalom (War das geil in China! Immerhin kannte ich zwei der Olympioniken persönlich!!! Leider haben die beiden im Finale kläglich versagt... Aber Freunde im TV zu sehen, neben den ganzen berühmten Sportlern bei der Eröffnungsfeier, das war schon was.) und was sonst so kommt. Ich fragte das Bürschchen dann aus rein professionellem Interesse nach den Rahmenbedingungen seines Praktikums. Aha, Schülerpraktikum, Realschule, 9. Klasse. Süß! Habe ich damals auch bei der Lokalzeitung gemacht. Ich wünschte ihm dann noch viel Glück und flog davon. Ich bin morgen oder so in der Zeiheitung! *sing*

Zum Thema Winterolympia fallen mir eigentlich nur drei Sachen ein: Frankreich, Salt-Lake-City, mein Schwarm. Damals guckten wir jede Nacht nach der Arbeit bei ihm DVDs und als Olympia lief, eben Olympia. Er mochte Biathlon und *trommelwirbel* Eiskunstlaufen! Ein Mann, mit dem man das gucken kann, der nicht schwul ist! Ein Traum wurde wahr! Damals war auch noch dieses tolle französische Pärchen dabei... Hach, das waren Zeiten... Habe ich diese Film- und Fernsehnächte je genutzt? Nein, natürlich nicht. Er hatte eine Freundin (angeblich) und ich zierte mich. Immerhin wollte ich nicht schon wieder die Schlampe der Nation sein und was mit einem Arbeitskollegen anfangen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich sowieso nur drei Monate blieb. Aber toll war er schon, der Flo. Wir konnten nächtelang reden und Pastis trinken. Ich mochte ihn sehr, als Freund. Dass da bei mir auch mehr sein könnte, merkte ich erst, als ich ging. So ist das manchmal.

04.02.2010 um 10:41 Uhr

Wenn's um Geld geht...

Spinne ich jetzt? Gestern abend noch IE8, jetzt wieder IE7? Verbergen sich dahinter zwei Leser??? It's a miracle!

Ich muss über die Spar*kasse herziehen - auch wenn das ein alter Hut ist. 

Eigentlich wollte ich nie zu dem Verein, denn ich hatte schon viel Schlechtes gehört. Da werden Adressänderungen nicht ernst genommen, man kann alles nur lokal machen und überhaupt sind die doch teuer in der Kontoführung. Anfang Dezember bekam ich vom Amt eine feine Nachzahlung und entschied: Das wird gespart. Und überhaupt wird jetzt jeden Monat ein bestimmter Betrag gespart, denn das alte Autochen hält nur noch bis November durch, dann brauche ich was neues. Außerdem wollte ich ein Konto für mein Patenkind einrichten. Ich kenne mich doch: das Geld auf dem Girokonto ist zu verfügbar, das ist ganz schnell alle. Aus den Augen muss es sein und aus dem Sinn. Ich recherchierte also ein bißchen im Netz nach guten Sparkonten, konnte mich aber nicht so richtig entscheiden. (Ja, ich weiß, Sparkonto ist absolut oldschool und nicht mehr zeitgemäß, ich wollte aber trotzdem sowas. So.) Als ich ohnehin in die nächste größere Stadt musste, nahm ich mir vor, mich dort bei einigen Banken direkt beraten zu lassen.

Die erste Bank, die mir begegnete, war eine Spar*kasse. Ich ging rein, voller Vorbehalte. Aber ich hatte auch im Hinterkopf, was mir Garfield über Einlagensicherungen gepredigt hatte. Da ist das Geld bei dieser Bank wohl verhältnismäßig sicher. Ich wurde von einem netten jungen Mann im Anzug beraten. Er beeindruckte mich, mit seinem schicken Anzug und auch mit seinem höflichen Auftreten. Ich bekam etwas zu trinken, er fragte nach meinen Wünschen, ich fühlte mich gepampert. Was mir der junge Mann, nennen wir ihn Herrn Boss, erzählte, klang gar nicht mal so schlecht. Außerdem verwirrten mich die ganzen Zahlen und Papiere. Und ich hatte gar keine gesteigerte Lust, mir dieses Gelaber nochmal bei einer anderen Bank anzuhören. Es kam wie es kommen musste, ich unterschrieb. So groß werden die Unterschiede ja wohl nicht sein, dachte ich mir. Allerdings waren mir zwei Dinge wichtig:

1. Ich wollte jetzt (16. Dezember) einen Grundbetrag einzahlen, die Sparbeiträge sollten aber erst ab 1. Januar eingezogen werden.

2. Es musste möglich sein, kurzfristig an das Geld zu kommen. (Ich hatte dem jungen Mann ja die Situation mit dem Auto erklärt.)

In beiden Punkten versicherte mir Herr Boss, dass das so klar ginge. Alles kein Problem. 

Ich war fast ein bißchen stolz, als ich mit zwei absolut altmodischen Sparbüchern aus der Bank marschierte.

Einige Tag später warf ich einen Blick auf meine Kontoauszüge und erschrak. Da fehlte mehr Geld, als vorgesehen!  Des Rätsels Lösung fiel mir ebenfalls sofort ins Auge: Bereits am 17. Dezember hatte die Spar*kasse den ersten Sparbeitrag abgezogen. Genau genommen, zwei Beiträge. Ich war wütend. Was fällt denen ein? Hatte Herr Boss nicht eindeutig gesagt, ab 1. Januar? So vor Weihnachten passte mir das gar nicht ins Budget, also machte ich mich wieder auf den Weg in die Filiale.

Natürlich war Herr Boss nicht anwesend, aber eine andere Dame. Sie duzte mich. Sie spielte mein Problem herunter. Offensichtlich war ihr nicht einsichtig, dass 100 Euro bei manchen Menschen den Unterschied zwischen rot und schwarz ausmachen können. Frau Doofkopp nahm mich nicht wirklich ernst und meinte: Ja, da hätte der Kollege wohl einen Fehler gemacht. Man könne das jetzt aber nicht mehr rückgängig machen. Ich solle doch bis Januar gucken, wie ich mit dem Geld klar käme und dann nochmal vorbeikommen. Sollte es gar nicht gehen, kündigen wir das Konto eben wieder und eröffnen ein neues. Das hatte mir schon Herr Boss erklärt: Wenn ich das Sparguthaben anrühre, erlöschen die supertollen Konditionen. Dann ist es besser, ein neues Konto dieser Art zu eröffnen.

Als ich Garfield zu Hause davon erzählte meinte er nur, ich hätte direkt bei Frau Doofkopp kündigen sollen. Einfach nur, weil sie so unfreundlich war. Habe ich natürlich nicht getan, denn ich kann mich gegenüber Respektspersonen nicht durchsetzen. Ich bin da eingeschüchtert und mir fällt nix ein. Frau Doofkopp wirkte sehr souverän hinter ihrem Schalter, außerdem duzte sie mich konsequent und guckte verächtlich. Ich war soooo klein mit Hut und ging, ohne auf den Tisch gehauen zu haben.

Nun wird das Geld aber doch knapp, denn neulich kam eine (erwartete) Nachforderung. Außerdem hasse ich es, jeden Monat so jonglieren zu müssen. Die läppischen 100 Euro, die einmal zuviel abgezogen wurden, fehlen einfach. Ich werde Herrn Boss also heute Nachmittag einen Besuch abstatten und mein Konto leer räumen. Und KEIN neues eröffnen, sondern zu einer anderen Bank mit besseren Konditionen gehen. Mal sehen, was Herr Boss dazu sagt. Im Vertrag steht leider nix zum Thema "Verfügbarkeit", das gibt mir zu denken. Ich wollte mich deshalb nochmal im Internet dazu informieren, aber weder auf der Homepage der Spar*kasse, noch auf der genau dieser Filiale, wird mein Konto überhaupt erwähnt. Mich wundert nichts mehr, aber eins weiß ich: Wenn ich heute Nachmittag nicht mit einem ganzen Batzen Geld diese Bank verlasse, dann ist Polen aber sowas von offen!

Und noch eine Information für den treuen Stamm-Leser: Gestern kam meine gewonnene CD der Firma be*be. Sieht auf den ersten Blick ganz nett aus und die Lieder sind ok. Ich kenne nicht alle, muss nachher im Auto erstmal Probe hören. Aber gleich das erste Lied ist "Hamma" von Culcha Candela - eine CD die so beginnt, kann nur gut sein. Das ist mein Lied, da muss ich einfach tanzen. Da zucken meine Hüften sogar, wenn ich im Bett liege. (Holt Eure Gedanken aus der Gosse*, das war absolut bildlich gemeint!)

 

Aufreger der Woche: Ich habe neulich ein Bewerberprofil bei der job*börse eingerichtet. Alles sehr nett gemacht, wenn auch etwas umständlich. Nur eins geht ja wohl mal gar nicht: Man kann nur ein einziges Studienfach angeben! Wann wird die Welt kapieren, dass man als Magister mindestens zwei Fächer hat??? Die nicht mal unbedingt was miteinander zu tun haben! Gebe ich da "Anglistik" ein, findet mich kein potenzieller Arbeitgeber, der einen Romanisten sucht. Andersrum genauso. Und genau genommen, müsste "Amerikanistik" da auch noch mit rein. Sowas regt mich auf! Hat mich schon beim VZ aufgeregt, aber an dieser Stelle wäre es nun wirklich mal wichtig.

 

Lichtblick der Woche: Die Sonne scheint. Der Himmel strahlt im schönsten Blau. Kein Schneeregen in Sicht. Das Thermometer zeigt 14,3°C. (Frau Sonne scheint genau auf den Dings, wie heißt das?) Halleluja!

 

 

* Insider für die Fans der Verzweifelten. War das nicht herrlich gestern? "Mike stößt gerade einer Frau ihr Rohr frei."

03.02.2010 um 18:33 Uhr

Irritiert...

bin ich. Kann es sein, dass IE7 jetzt IE8 ist? Update?

Und, ich möchte Lob, Applaus, Huldigung: Ich war heute allein laufen. Zum zweiten Mal in dieser Woche. Ich Sportmuffel. Trotz Schneeregen von oben und Schneematsch von unten. Meine Schuhe waren nach den ersten 10 Minuten nass, weil ich in eine unter dem Schnee versteckte Pfütze trat. Nun ja, schlimmer kann es nicht mehr werden, dachte ich. Weit gefehlt! Das Ende "unserer" Strecke hielt ein besonderes Schmankerl für mich bereit: 200 Meter feinster Matsch. Meine Schuhe waren komplett mit Wasser vollgesogen - auch schön. Ich kam nach Hause, klatschnass, aber glücklich, weil ich mich überwunden hatte. Merke: Die Dusche danach ist das Beste am Joggen.

(Und ich will keine Werbung machen, aber: Bei solchen Aktionen trennt sich doch die Spreu vom Weizen. Meine Fleecejacke einer bekannten Sportmarke mit R... hat absolut dicht gehalten. Ich bin maximal begeistert, obwohl sonst nicht so markenbewusst.) 

03.02.2010 um 10:06 Uhr

Der Leser, das unbekannte Wesen

Manchmal frage ich mich, wer das hier eigentlich liest. Und warum. Weil ich mir diese Frage in letzter Zeit öfter stelle, habe ich mir mal meinen Counter genauer angesehen. Ich habe ihn seit Einrichtung kaum beachtet, doch jetzt sehe ich, dass mir die Statistiken doch einiges verraten.

Gut die Hälfte der Besucher sind Bloggianer - das fällt sofort auf. Ich sehe zum Beispiel eine IP aus Hessen und weiß, das ist Pele. Bei Palma denke ich an Tom. Bei denen ist klar, warum sie hier sind. Wer selbst schreibt, liest wohl auch gern bei anderen. Ich nehme an, bei ihnen läuft es so ab wie bei mir: Man hat Favoriten, bei denen man regelmäßig liest. Irgendwann fällt einem in den Kommentaren jemand auf. Sei es ein besonderer Name oder interessante Kommentare - irgendetwas erregt die Aufmerksamkeit. Man wird neugierig und guckt, was derjenige "bei sich" so schreibt. Man wirft einen ersten Blick auf die Einträge und wird entweder noch neugieriger oder stellt fest, dass es einen nicht so sehr interessiert. Im ersten Fall macht man es sich gemütlich und bleibt erstmal, im zweiten geht man wieder. Blöd nur, dass ich, wenn es mir gefällt, den Ehrgeiz habe, dieses Blog ganz von vorn zu lesen. Das kostet Zeit und ist manchmal recht anstrengend, wenn es sich um sehr alte Blogs oder sehr schreibfleißige Blogger handelt. Das kann dann unter Umständen ganz schön dauern. Aber ich will eben nichts verpassen und genau wissen, wer wer ist. Einfach so mittendrin anfangen? Nicht mit mir. Ich fange ja auch keinen Roman in der Mitte an zu lesen.

Ja, ich nehme an, so oder so ähnlich wird es bei den meisten sein.

Dann folgen eine ganze Reihe Besucher, die über diverse Suchanfragen hier gelandet sind. Eine kleine Auswahl gefällig?

verliebtheits test    

test ist er verliebt in mich    

bin ich verliebt test
   
bin ich verliebt oder nicht test
       
verliebtheits test für jungs

verliebtheits probleme

test verliebt    
   
partnerketten    

übergangsbeziehung    
    
verliebtheits zauber    

partnerketten ich liebe dich    
    
ist sie verliebt in mich test    
    
partnerkette puzzle teile
    

Das sind die häufigsten Anfragen: entweder geht es um Verliebtsein (bzw. den Test dafür) oder um Partnerschmuck. Seit wann bin ich eigentlich Expertin für sowas? Beides wurde jeweils nur ein einziges Mal erwähnt, scheint bei G*o*o*g*l*e aber ein Dauerbrenner zu sein. Nun ja, immerhin war ich schon verliebt und habe einige Zeit in einem Schmuckladen gearbeitet. Zweimal passierte beides sogar gleichzeitig. Vielleicht macht mich das ja zur ultimativen Expertin auf diesen Gebieten.

An dritter Stelle kommen die eigentlich interessanten Besucher. Sie sind weder bei Blogigo eingeloggt, noch wurden sie von einer Suchmaschine hierher geschickt. Sie kommen direkt auf diese Seite, wollen also ganz offensichtlich wirklich zu mir, Rosa Maus.

Da ist zum Beispiel dieser Unbekannte aus dem Berliner Zentrum. Du kommst jeden Tag, manchmal mehrmals. Nur am Wochenende nicht - zumindest warst du am letzten Wochenende nicht da. Weiter zurück kann ich irgendwie nicht gucken. Mein Tracker sagt mir, dass du mit dem Internet Explodierer 7 surfst, deshalb nenne ich dich jetzt IE7. Ich könnte auch einsehen, welches Betriebssystem du benutzt, welche Bildschirmauflösung oder welche Farben. Uninteressant. Was mich eigentlich interessiert: Warum bist du hier? Wie bist du hierher gekommen und warum kommst du immer wieder? Was bringt dich dazu, jeden Tag einen Teil deiner kostbaren Zeit mir zu opfern? Ist das, was ich schreibe so interessant? Oder hast du andere Gründe? Und warum wird bei dir kein Referrer angezeigt? Das ist nur bei ganz wenigen Besuchern der Fall.

Vielleicht fühlt sich IE7 ja angesprochen und möchte einen Kommentar da lassen? Oder eine Nachricht?

02.02.2010 um 09:52 Uhr

Der Erklärbär

Ich habe mir eben nochmal die Mail an meine Freundin durchgelesen. Ja, ich war so dumm, sie gestern mittag noch zu schreiben. Ich sollte endlich lernen, erst zu denken, dann zu schreiben. Oder erst laufen zu gehen - das hat gestern sehr geholfen. Aber nein, manchmal kommt der Widder in mir durch und dann schreibe ich bevorzugt gemeine Mails. Mein Mailprogramm habe ich den Rest des Tages jedes Mal mit einem sehr mulmigen Gefühl geöffnet. Was, wenn sie alles als Angriff versteht? Was, wenn sie mir die Freundschaft kündigt? Nicht daran denken, bloß nicht an sowas denken!

Vorhin im Bett habe ich mich dann entschlossen, zurückzurudern. Ich bin ein Schluffi. Ich schreibe Menschen gemeine Mails in denen ich sie mit Vorwürfen überschütte ohne wirklich nachzudenken, und rudere im nächsten Moment zurück. Dieses Blog sollte mich eigentlich daran hindern, so zu handeln. Weil ich mir angewöhnt habe, zuerst hier meine Gedanken zu ordnen. Aber manchmal kann man eben nicht anders, weil man Dinge unbedingt los werden muss. Und zwar an eine bestimmte Adresse. Auf dieses kurze Gefühl der Befriedigung folgt bei mir sofort das schlechte Gewissen und die Angst, zu weit gegangen zu sein. Dann schicke ich gern eine Mail hinterher, in der ich mich entschuldige. Das habe ich beim Schusselchen früher schon hin und wieder so gemacht. Und mein Ex kann bestimmt ein Lied davon singen. Garfield hat auch schon die eine oder andere überstürzte Mail von mir erhalten. Wenn er mich dann darauf ansprach, war die Hälfte der geschriebenen Dinge schon nicht mehr wichtig für mich. Garfield nervt das, sehr sogar. Seiner Meinung nach bin ich sprunghaft, vermeide klare Ansagen, entscheide mich ständig um. Eben noch habe ich ihm auf dem Sofa eindeutige Avancen gemacht, eine halbe Stunde später, im Bett, läuft nichts mehr. Weil ich nach dem Duschen plötzlich müde bin. Oder einfach keine Lust mehr habe. Eben noch erkläre ich ihm, dass ich irgendwo gar nicht hin will, im nächsten Moment will ich doch. Wir hatten letzte Woche einen fiesen Streit deswegen. Es fing Donnerstag Abend an, war Freitag kurz Thema, ging Samstag früh weiter - kurze Pause als der Besuch aufgestanden war - und fand am Nachmittag sein Finale. Ein würdiges Finale, oh ja. Wir haben fast drei Stunden gestritten, ich habe nur geheult - so schlimm, wie seit Jahren nicht mehr. Seit zwei Jahren, um genau zu sein. Unser Problem: Wenn Garfield sich angegriffen fühlt, feuert er aus allen Rohren. Sowas verunsichert mich, weil ich nicht kontern kann. Ich sehne mich eigentlich nur nach dem Moment, wo der Streit zu Ende ist und er mich in die Arme nimmt. Außerdem fange ich sofort an zu heulen. Ja, ich bin das perfekte Opfer, was Garfield noch mehr anstachelt. Äußerst schlechte Konstellation, das. Wir können beide nicht gut streiten, sollten das aber dringend üben.

Bevor ich nun die Entschuldigungsmail an Schusselchen schrieb, las ich mir meine Mail von gestern nochmal durch. Ich kam zu dem Schluss: So schlimm ist es gar nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, das Schusselchen wird mich verstehen. Ich mache auch nicht wirklich ihr Vorwürfe, sondern eher meinem Ärger über meinen Ex Luft. Also lasse ich das mit dem zurückrudern und warte erstmal ab.

Natürlich habe ich mich gefragt, warum mich diese ganze Sache so mitnimmt. Warum ist mir nicht egal, dass das Schusselchen sich mit einem alten Freund trifft, der zufällig mal mein Freund war? Ich könnte das doch mit einem lässigen Schulterzucken zur Kenntnis nehmen und ansonsten ignorieren. Ja, ich habe gesagt, ich wünsche mir eine Klärung, einen würdigen Abschluss. Doch was würde es mir eigentlich bringen, wenn er mir jetzt noch alles erklärt. Was hätte ich davon, jetzt zu erfahren, warum ich vor zwei Jahren schlecht behandelt wurde? Es würde doch im Nachhinein nichts an dem Schmerz ändern, also kann man die Sache genauso gut ruhen lassen, oder?

Nein, kann man nicht. Ich jedenfalls nicht. Ich bin nämlich ein Erklärbär, die Königin der Erklärungen. Ich liebe es Dinge zu erklären, gern in epischer Breite. Auch wenn es völlig unwichtig ist, Frau Maus kann es erklären. Und macht das dann auch, sehr zum Leidwesen ihrer Familie und ihres Liebsten. Von meiner Familie kommt schon wenn ich auch nur ansetze der Satz "Jaja, du kannst ja immer alles erklären...". Garfield hat sich das abgeguckt und sagt es in letzter Zeit ebenfalls recht häufig. Wir sollten da nicht mehr hinfahren... ;-)  Zurück zum Thema: Ich erkläre gern, warum ich was wie wann warum mache. Im Gegenzug erwarte ich das auch von anderen. Jemand meldet sich ewig nicht bei mir? Ich will wissen warum. Jemand behandelt mich schlecht? Ich will wissen wieso er das getan hat. Natürlich sind das völlig überhöhte Erwartungen, denn die meisten Menschen belassen es bei einem einfachen "Das ist eben so.". Damit gebe ich mich aber nicht so richtig zufrieden, ich will es genauer wissen. Warum hast du mich schlecht behandelt? Warum hast du nicht eher den Mund aufgemacht? Warum dies, warum das. Eine Arbeitskollegin nannte es mal mein "natürliches Bedürfnis immer mehr zu erfahren". Damals, während der Arbeit im Ausland, war das eine sehr nützliche Eigenschaft, denn sie führte dazu, dass ich viel lernte. Im normalen Leben allerdings nervt es andere Menschen eher, denn irgendwie erinnert es ja an ein kleines Kind. Ja, vielleicht habe ich in dieser Hinsicht nie das Alter von 10 Jahren überschritten. Möglich. Und man kann das bestimmt tiefenpsychologisch erklären. Störung in der oralen Phase, oder so ähnlich. (Nein, ich mache mich nicht darüber lustig. Psychologie ist eine ernsthafte Wissenschaft, auch wenn mein Freund das nicht so sieht. Ich spiele aber nunmal gern mit meinem Halbwissen auf diesem Gebiet.)

So, darum also will ich auch nach zwei Jahren noch wissen, warum mir ein gewisser jemand sehr weh getan hat. Was er sich dabei gedacht hat. Wie er das konnte, wo er doch eigentlich ein sehr anständiger Kerl ist. Ob er ein schlechtes Gewissen hatte, ob er sich noch Gedanken darüber macht. Warum er es so und nicht anders gemacht hat. Warum er so feige war.

Dumm, ja. Aber das bin eben ich.

So, und jetzt muss ich zum Friseur. Warum? Das könnte ich jetzt lang und breit erklären. Könnte ich wirklich! Ich wäre in der Lage, einen dreiseitigen Bericht zu verfassen. Das spare ich mir jetzt aber mal, denn ich habe es eilig.

01.02.2010 um 17:55 Uhr

50 gute Gründe

Dieses Gejammer! Wollten wir davon nicht weg? Genau. Deshalb Schluss damit. Und weil durch meinen letzten Eintrag der Eindruck entstanden sein könnte, ich wäre fremd-interessiert, hier eine kleine Liebeserklärung an meinen Liebsten. Er wird es zwar nicht lesen, aber der Gedanke zählt. Außerdem sollen alle wissen, dass ich sehr wohl sehr genau weiß, wo ich hingehöre. Ex hin oder her.

Ich liebe Garfield weil...

1. ... er mich liebt, und mir das auch jeden Tag zeigt.

2. ... er nicht nur mein Essen mag sondern sich auch mal für mich an den Herd stellt.

3. ... er bedingungslos zu mir steht und mich bei allem unterstützt.

4. ... er mir von seinen Problemen erzählt, auch wenn er Angst hat, ich könnte ihn für schwach halten.

5. ... er mich begleitet. Zu Familienfeiern, Geburtstagen von Freundinnen, die ich selbst seit drei Jahren nicht gesehen habe, und auch Parties, um die er normalerweise einen riesigen Bogen machen würde.

6. ... er meine Freunde akzeptiert.

7. ... der Sex einfach fantastisch ist.

8. ... er immer er ist, egal, was andere von ihm denken.

9. ... er meine Familie mag und jederzeit gern dort zu Besuch ist.

10. ... er sich an Zusagen hält.

11. ... er abends mit mir auf der Couch kuschelt, obwohl er es im Sessel allein viel bequemer hätte.

12. ... er sich meine Erklärungen anhört.

13. ... er mich triezt, wenn ich mal wieder nicht in die Puschen komme.

14. ... er jeden Abend mit mir löffelt.

15. ... er mir nachts in den Bauch kneift. (Wir löffeln, seine Hand liegt auf meinem Bauch. Oft hat er im Schlaf Zuckungen und kneift mich dadurch.)

16. ... er mich mit einem Blick auf die Palme bringen kann und mit einer Umarmung wieder herunterholt.

17. ... er seinen Prinzipien treu bleibt. Immer.

18. ... er dieselben spießigen Zukunftspläne hat wie ich.

19. ... mich dazu bringt, Sport zu treiben. Ich und joggen? Jaha!

20. ... er Hunde genauso mag wie ich.

21. ... er abends mit mir Tee trinkt, auch wenn er den gar nicht mag.

22. ... er morgens das Frühstück macht ohne zu murren.

23. ... ich mich immer hunderprozentig auf ihn verlassen kann.

24. ... er sehr oft für mich über seinen Schatten springt.

25. ... er sich ernsthaft für mich interessiert. Für alles an mir.

26. ... er meine Verhütungsmethode mitmacht und unterstützt. Und sich abends von mir aus Fachbüchern vorlesen lässt.

27. ... ich seine Familie mag und mich dort ziemlich wohl fühle.

28. ... ihm meine Heimat gefällt und er sich tatsächlich vorstellen könnte, dort zu leben.

29. ... er Hogwarts "Hoggeldoggel" nennt und mich mit seiner Willy-Imitation immer zum Lachen bringt.

30. ... er jeden Tag mit mir spazieren geht.

31. ... er mir, ohne zu überlegen, sein Auto überlässt.

32. ... er jederzeit bereit ist, mir Dinge zu erklären.

33. ... er nichts sagt, wenn ich im Auto singe.

34. ... er mir jeden Abend den Rücken eincremt.

35. ... er mit mir um die Wette rülpst.

36. ... er mich nie gehen lässt, wenn wir streiten und ich die Flucht ergreifen will.

37. ... uns nie die Gesprächsthemen ausgehen.

38. ... er ein guter Vater sein wird, wenn wir unseren Plan endlich in die Tat umsetzen.

39. ... er meine Zickereien erträgt.

40. ... wir nach einem Jahr immer noch zusammen duschen.

41. ... er Mittwochs mit mir die Hausfrauen anguckt, auch wenn das sonst nicht so seins ist.

42. ... wir essenstechnisch dieselben Dinge mögen. (Sowas wird oft unterschätzt, ist aber enorm wichtig!)

43. ... er immer daran denkt, mein Glas mit ins Wohnzimmer zu nehmen.

44. ... er mir Komplimente macht, hin und wieder. Er weiß, dass ich bei sowas verlegen werde, deshalb macht er's nicht so oft.

45. ... er gestern mit mir "Harry Potter" angesehen hat. Und Samstag "Tarzan". Obwohl beides so gar nicht sein Ding ist.

46. ... ich ihm auf langen Autofahrten aus Jan Weiler vorlesen darf.

47. ... er bei jeder Gelegenheit Filme zitiert - genau wie ich. Und dafür ein fantastisches Gedächtnis hat.

48. ... er Probleme immer anspricht, wenn sie mit uns zu tun haben.

49. ... er sich so wunderbar aufregen kann.

50. ... wir über dieselben Dinge lachen können.

Wow! Ich muss diesen Mann wirklich lieben! Und das Beste daran: Ich WEISS, dass es so ist!