Wochenendanalyse.
Womit versaut man einem Mann den Tag? Klar, mit dem Satz: "Schatz, gehen wir shoppen?" Zum Glück habe ich ein sehr geduldiges Exemplar an meiner Seite, wie sich Samstag wiedermal zeigte Und das, obwohl der Herr ab 6 Uhr vor dem Fernsehgerät gesessen hat! (Autos, die im Kreis fahren... ) Nach diesem spannenden (*gähn*) Start in den Tag wurde noch etwas im Bett gefaulenzt, dann gefrühstückt und schon stürzten wir uns ins Getümmel.
Erster Punkt auf der Tagesordnung: Toys'R'Overpowered. Treue Leser erinnern sich: Wir wollten wenigstens einen fernsehfreien Abend in der Woche einführen. Wir beschlossen, es erstmal mit der Billigvariante zu versuchen, ein Puzzle-Abend. Mit Wein und schöner Musik, ganz gemütlich. Dazu brauchten wir ein Puzzle - ein Unterfangen, welches sich als gar nicht so einfach erwies. Wir hatten schon mehrere Warenhäuser unsicher gemacht, doch nicht das Passende gefunden. Einzige Erkenntnis: Im Puzzle-Bereich gibt es viel Kitsch. Und wir wußten nur, was wir NICHT wollten, nicht aber, was wir wollten. Wir wollten kein Bild aus einer Vampirserie, keine verkitschten, künstlichen Tierfotos und keine Trickfilmfiguren. Babybilder fallen auch raus, entschied Garfield, als ich sabbernd auf ein heruntergesetztes A*n*n*e-G*e*d*d*e*s-Puzzle deutete. Nagut, also auf zum Riesen-Spielzeug-Haus. Schon auf dem Parkplatz erhielten wir einen Vorgeschmack: Wir hatten noch nicht mal geparkt, da lief uns schon das erste Kind fast ins Auto. Eine ca. Zweijährige an der Leine. Mutti war noch mit dem Kofferraum beschäftigt und hielt die Leine nicht sehr stramm. Als Hundebesitzer weiß ich: Man muss seine Augen überall haben, die Leine muss locker durchhängen, aber man muss immer bereit sein, sie festzuhalten und man muss vor allem ALLES eher sehen, als der Hund. Hat diese Mutti alles nicht beachtet. Nebenbei bemerkt werde ich nie verstehen, warum Menschen ihre Kinder in so ein Geschirr stecken. Es mag ja praktisch sein, aber aussehen tut es... Ne! Auf dem Weg zum Eingang mußten wir mehreren spielenden Kindern und mit Spielzeug beladenen Erwachsenen ausweichen, was höchste Aufmerksamkeit erforderte. Trotzdem schafften wir es recht schnell in die Puzzleabteilung, denn wir ließen die Plüschtiere ebenso links liegen, wie die Modellautos. Bei den Puzzles angekommen, irritierten uns wiedereinmal die seltsamen Preissteigerungen: 1000 Teile kosten um die 10 Euro. 1500 Teile sind um die 20 Euro wert. Und für 2000 Teile berappt man ca. 25 Euronen. Das verstehe, wer will. Auch hier war die Auswahl nicht berauschend. Kitschige Tierfotos, Vampire und Cartoon-Figuren, wohin das Auge schaute. Wir fanden dann aber doch noch ein süßes Katzenmotiv ohne Kitsch, welches irgendwann mal sehr gut in unsere Küche passen wird. Erster Punkt auf der Liste abgehakt.
Nächste Station: Baumarkt. Samstag Vormittag. Rabattaktion. Horror. Es war voll! SEHR VOLL! Jeder, der auch nur einen Quadratzentimeter Garten besitzt, tummelte sich dort und schlich wahllos durch die Gänge bzw. blieb auf's Geratewohl stehen. Ich suchte nur eine Gartenschere, um meine Pflanzen zurückzuschneiden und neuen Scheibenreiniger für's Auto. Fanden wir alles recht schnell, standen dann aber eine gefühlte Ewigkeit an der Kasse. Wir wählten extra NICHT die kürzeste Schlange, denn erfahrungsgemäß ist das ja auch die langsamste. Trotzdem kamen wir nicht vorwärts, denn wir hatten den Azubi erwischt... Da standen wir also, während sich ständig Leute durchdrängelten, schubsten und ihre Kinder anschrien. Warum gibt's im Baumarkt eigentlich kein Kinderparadies?
Als wir den Baumarkt verließen, waren wir schon beide leicht genervt. Auf zum Shoppingcenter, in der Hoffnung, dass wir bereits sämtliche Einwohner der näheren Umgebung im Baumarkt getroffen hatten. Weit gefehlt, der übervolle Parkplatz versprach Shoppingvergnügen deluxe. Wer keinen Quadratzentimeter Garten besaß, tummelte sich hier. Zum Glück hatten wir eine Mission: Eine schwarze Jeans für Rosa. Und Frische-Einlegesohlen für Rosas neue Schuhe. (Sehr bequem übrigens!) Gleich im zweiten Laden: Glückstreffer. Schwarze Jeans scheinen gerade out zu sein, deshalb findet man kaum welche. Es sei denn, man möchte 'ne Röhre, die gibt's zuhauf. Leider sind meine Beine dicker als meine Arme, deshalb quetsche ich mich in solche Hosen nicht rein. Man muss seiner Umwelt ja nicht alles zumuten, so wie das einige tun. (Ganz ehrlich: Diese Hosen sehen an ganz, ganz wenigen Mädchen gut aus!) In diesem Laden gab es also eine preisgünstige schwarze Jeans. Auf dem Weg zur Kabine - fatal! Ein Wühltisch! Zwei Quadratmeter, drei Etagen, nur Jeans diverser Marken! Das Paradies! Meinem weiblichen Instinkt folgend fing ich sofort an zu wühlen. Zuerst nach schwarzen Jeans, klar. Es fand sich genau eine. Dann entdeckte ich eine Cordhose. Ich liebe Cordhosen. Ich wollte schon immer mal wieder eine. Also mitgenommen. Wenn man sich schonmal auszieht... Soll sich ja lohnen. Dann sah' ich, dass einige der Hosen für nur 10 Euronen zu haben waren. Also wurden auch blaue ins Visier genommen. Wenn man schonmal da ist... Garfield guckte mit, hielt meine Beute und sagte nichts. Ich sag's ja: Ein Musterbeispiel an Geduld. Ich selbst bin beim Einkaufen ja schnell genervt, habe dann keine Lust mehr und will ganz bald weg. Garfield dagegen... Alle Achtung!
Ich verschwand schließlich mit gefühlten tausend Hosen hinter dem Vorhang. Hose Nr. 1: Ziemlich eng. Was soll's, Garfield kann ja eine Größere holen. Hat er auch getan. Die passte hervorragend, wenn sie auch zu lang war. Aber das kenne ich ja. Dann die Cordhose: Verdammt, viel zu eng! Garfield, könntest du bitte... Natürlich, er suchte. Und fand. Und ich fand: Ne, viel zu weit ausgestellt, diese Beine. Danach die tolle schwarze Jeans. Leider noch enger. Bin ich wirklich so fett geworden? Garfield's hämischer Kommentar: "Wenn die zugeht, fresse ich einen Besen." Und dann: "Ich gucke mal, ob's die auch in größer gibt." Gab's natürlich nicht. Dafür wurde eine Verkäuferin auf den suchenden Mann aufmerksam und nagelte ihm eine Beratung an die Backe. In der Zwischenzeit probierte ich die erste der 10-Euro-Jeans an. Ne, die saßen ja furchtbar! Kein Wunder, dass die so extrem reduziert waren, die sahen einfach sch*** aus! Die Verkäuferin fand noch eine andere schwarze Hose für mich, eine von der völlig überteuerten Art weil hippe Marke. Die gefiel mir aber überhaupt nicht, die war nämlich sehr eng geschnitten. Letztendlich blieb es bei der ersten Hose: Garfield und Verkäuferin versicherten, dass die sehr gut saß. Garfield bestätigte: "Ja, Dein Po sieht darin sehr gut aus. Nicht so dick wie in der anderen Jeans." Ich blieb unsicher: "Macht die keine dicken Oberschenkel? Und ist die nicht am Knie zu eng geschnitten?" Garfield: "Nein, die sitzt prima. Sieht sehr gut aus." Zu seinem Leidwesen nahm ich die Hose trotzdem nicht. War ja erst das erste Geschäft von vielen! Ich ließ sie aber zurücklegen.
Als nächstes kamen ein paar dieser kleinen Läden, die ich eigentlich hasse. Ich gehe da nicht gern rein, denn erstens wird man sofort angequatscht und zweitens fühlt man sich so un-hipp, so fehl am Platz. Es gab dort auch nur Röhrenjeans. Dafür lag in einem dieser Läden ein sehr hübscher großer Hund rum. Ich frage mich allerdings, ob alle Kunden Hundehaare an ihrer neu gekauften Kleidung mögen...
In einem dieser Läden entdeckte ich dann doch noch Jeans, wie ich sie mir vorstellte: unten etwas ausgestellt, oben eng, aber nicht so tief sitzend, dass der halbe Hintern raushängt, tiefschwarz, richtiger Jeansstoff. Es gab sogar zwei von der Sorte! Ich probierte Nummer 1: Ja! Jaaa! Perfekte Länge! Perfekter Sitz! Garfield war auch begeistert. Modell Nr. 2: Zu kurz, obwohl eigentlich dieselbe Länge. Eine Nummer größer: Zu lang. Und überhaupt: Etwas eng war die schon. Also nochmal in Nr. 1 reingehüpft. (Und das meine ich wortwörtlich, denn neue Jeans müssen ja sehr eng sein. Wir wissen doch alle, wie sehr die noch nachgeben.) Die war es! Absolut! Wieder Garfield: "Dein Hintern sieht gut aus. Noch besser als in der anderen Hose. Also ich finde die hier schön." Hm... Hm... Ich ließ die Jeans reservieren, obwohl ich eigentlich die Nase voll hatte und überzeugt war, das passende Modell gefunden zu haben. Aber, man weiß ja nie. Und wie hatte Garfield vorher so schön gesagt, als ich in einem Laden keine Lust hatte, 15 Minuten auf eine Kabine zu warten? "Vielleicht ist das ja gerade DIE Hose?" Wir guckten also noch etwas weiter, kauften meine Frischesohlen und kehrten schließlich zu dem kleinen Jeansladen zurück. Wenn es passt, dann passt es einfach.
In meiner Begeisterung gab ich Garfield noch ein Eis bei McDoof aus, wo wir - natürlich - auch wieder ewig anstanden. Danach nur noch ab nach Hause und auf die Couch. Abends setzte ich mich durch und guckte Gottschalk's Sofa an. Eigentlich wollte ich nur Shakira sehen, doch dann blieb ich dabei. Sooo schlecht war's dieses Mal nicht, und auch wenn ich Frau Hunziker eigentlich blöd finde, muss ich doch sagen: Wie sie sich um die Wettkandidaten kümmert, ist schon irgendwie rührend und nett. Shakira war natürlich toll, was soll ich sagen? Diese Frau hat's einfach drauf und ich freue mich schon wahnsinnig auf ihre nächste Tour. Leider kommt sie im Fernsehen immer so dümmlich rüber. Und überhaupt sah sie mit den dunklen Haaren besser aus.
Sonntag wurde wieder ausgeschlafen, zumindest von mir. Garfield saß natürlich ab acht vor der Glotze und ärgerte sich. Nach einem späten Frühstück machten wir einen großen Spaziergang um uns dann die sonntäglichen Autosendungen anzusehen. Für's Abendessen waren Kartoffelpuffer geplant. (Reiberdatschi, Reibekuchen, Rösti - Wer jetzt immer noch nicht weiß, was gemeint ist: Google ist Dein Freund!) Garfield mag die nicht. Das versicherte er mir vorher. Und er wollte mir schriftlich geben, dass er maximal zwei essen würde. Ich verzichtete auf das Schriftstück, denn ich kenne ihn ja inzwischen ein bißchen. Als ich anfing, die Dinger zu braten, gesellte er sich dazu. Und übernahm die Herrschaft über die zweite Pfanne. Ich durfte mich nicht einmischen. Nach soviel Arbeit langte er natürlich ordentlich zu. Und verkündete stolz: "Also ich finde, meine schmecken doch noch etwas besser als deine. Die sind irgendwie krosser." Jaja, du mich auch ;-) (Ich find's übrigens toll, dass wir so oft zusammen kochen und dabei auch noch Spaß haben. Sowas habe ich mir immer gewünscht!)
Wir ließen den Abend vor der Glotze und mit einer gemeinsamen Dusche ausklingen. Ein wirklich schönes Wochenende. Völlig ohne Streit!