Ich habe ja noch gar nicht von meinem Montag erzählt! Die Woche fing nämlich schon prima an...
Montag früh hatte ich einen Arzttermin. Vor einiger Zeit hatte ich nämlich beschlossen, mir hier endlich einen Hausarzt zu suchen. Sowas kann man ja immer mal brauchen, außerdem fehlten mir ein paar Impfungen. Ich warf also einen Blick ins Telefonbuch und fand eine vielversprechende Ärztin, die auch Naturheilverfahren und Akkupunktur anbietet. Prima, dachte ich, wenn jemand sowas auf sein Schild schreibt, ist er bestimmt nicht so medikamentenversessen.
*Sidekick*
Ich hatte bisher Pech mit meinen Hausärzten. Die vorletzte war zwar sehr nett, sehr gesprächig, aber hatte fachlich keine Ahnung. Die konnte nur stundenlang mit ihren Patienten über Privates quatschen. Deshalb war sie bei den Älteren sehr beliebt. Wenn man allerdings keine Lust hatte, trotz Termin ewig im Wartezimmer rumzusitzen, war man da fehl am Platze. Irgendwann ging ich da nicht mehr hin. Vor circa drei Jahren fing meine Mutter an, über meinen Blutdruck zu meckern. Jedes Mal, wenn ich vom Blut spenden kam, guckte sie in meinen Ausweis und schimpfte: "Dein Blutdruck ist zu hoch für dein Alter." Und dann kam noch hinterher: "Das kommt von der Pille." und "Lass' das mal untersuchen." Schließlich fruchteten die Bemerkungen und ich beschloss, dies zum Anlass für die Suche nach einer neuen Ärztin zu nehmen. Ich fand eine recht resolute Dame gleich bei meiner Arbeit. Keine Schwätzerin - das war mir irgendwie sympathisch. Sie kontrollierte meinen Blutdruck, untersuchte Blut und Pippi, ließ mich monatelang regelmäßig messen und fand... keine Ursache. Trotzdem verschrieb sie mir Tablettchen dagegen. Meinen Einwand, dass vielleicht die Pille Schuld sein könnte, wischte sie vom Tisch. "Auf gar keinen Fall, die neuen Pillen sind ja sooo nebenwirkungsarm... blablablubb." Eine Zeit lang nahm ich brav die Tabletten, obwohl sie mich träge machten. (Noch träger, als ich ohnehin schon bin!) Nach ein paar Wochen reduzierte ich die Dosis eigenmächtig. Dann nahm ich das Zeug gar nicht mehr. Zeitgleich setzte ich die Pille ab, um zu sehen, ob es einen Zusammenhang zwischen Pille und Blutdruck gibt. Dass mit der Pille sagte ich meiner Ärztin, woraufhin ich einen Anschiss bekam. Na toll, mit meiner Anämie, und dann ohne Pille! Irgendwie war die Dame der Meinung, ohne Pille würde ich einmal im Monat schier verbluten. Hä? Dass ich ihre tollen Blutdrucksenker nicht mehr nahm, verschwieg ich natürlich. Und ging da nicht mehr hin. Das war vor zwei Jahren. Jetzt also ein neuer Versuch mit einer anders ausgerichteten Ärztin.
*Sidekick zu Ende*
Ich war am Montag pünktlich in der Praxis und musste auch nicht lange warten. Pluspunkt! Die Ärztin war mir sofort sympathisch. Sie lobte meine DDR-Kindheit, weil da "ordentlich geimpft" wurde. Sie wollte 'ne Menge wissen, schrieb sogar auf, wo mein Liebster arbeitet. Wozu sie diese Info braucht, keine Ahnung. Sie schwatzte mir keine FSME-Impfung auf, obwohl ich jetzt im Risikogebiet wohne. Ich solle ruhig erstmal einen Sommer abwarten, ob die Zecken mich überhaupt mögen. DAS wollte ich hören! Sie blätterte meinen alten DDR-Impfausweis durch und stellte fest, dass meine letzte Tetanusimpfung 13 Jahre her ist. Die sollte ich also gleich bekommen. Weil ich meinen Blutdruck erwähnte, ordnete sie an, auch den zu überprüfen. Und Blut für die Überprüfung des Röteln-Titers sollte auch abgenommen werden. Das alles sollten "ihre Damen" machen.
Die Dame war nett. Sie stellte mich zuerst auf die Waage. Das fand ich nicht so nett. Dann prüfte sie meinen Blutdruck. War ok. Ich sollte 15 Kniebeugen machen. Wieder Blutdruck messen. Keine Ahnung, wie der dann war, aber ich habe ganz schön gehechelt. Kniebeugen... Und das, nachdem wir zwei Wochen lang keinen Sport gemacht hatten! Dann ging's ins Labor, hier auch Folterkammer genannt. Ich erhielt zuerst meine Impfung, das tat, entgegen der Ankündigung, nicht sehr weh. Dann wurde mein Arm abgebunden, ich sollte die Hand zur Faust ballen und die Dame klopfte auf meiner Armbeuge herum. Also ich sah da nix, vertraute aber der erfahrenen Arzthelferin Dank jahrelanger Blut- bzw. Plasmaspende bin ich das Prozedere ja gewöhnt. Allerdings weiß ich daher auch, dass mein rechter Arm besser geeignet ist. Die Dame blieb aber bei links und ich vertraute ihr, als sie beherzt zustach. Ich konnte zwar keine Vene erkennen, ging aber davon aus, dass sie wußte, was sie tat. Sie wußte es nicht. Zwar tat der Stich nicht weh, aber es kam kein Blut. Große Augen, Nadel rausziehen, nochmal zustechen. Wieder kein Blut. Die Dame wurde nervös und fing an, die Nadel unter der Haut zu justieren. Sie fand eine Vene und, verdammt, das tat jetzt richtig weh!!! Mir wurde heiß und kalt, aber ich hielt tapfer durch. Als ob das noch nicht genug Quälerei wäre, schlug auch die Impfung voll ein. Leichter Muskelkater im Arm? Das ich nicht lache! Im Laufe des Montags wurde mein Oberarm dick und heiß und schmerzte bei jeder Bewegung oder Berührung. Das hält bis heute an. Garfield lacht mich dafür aus und nennt mich eine Pussy. Außerdem tat mir Montag abend alles weh, wie bei einer Grippe. Die Beine, der Rücken, der Arm - ich wußte gar nicht, wie ich liegen sollte. Dann kam noch Schüttelfrost dazu. Ich lag in Garfields Armen und zitterte so sehr, dass er mich zwang, sein Schlafanzugoberteil über mein sexy Nichts zu ziehen. Merke: So 'ne Impfung ist eben kein Spaß. Aber jetzt habe ich ja wieder zehn Jahre Ruhe.
Montag nachmittag hatte ich meinen ersten Termin beim neuen Nachhilfeschüler. Ich hatte vorher mit der Mama telefoniert, die machte einen netten Eindruck. Sie wollte mir noch erklären, wie ich zu ihnen finde, aber ich winkte ab. Ich finde das schon, keine Sorge. Ich vertraute, wie immer, auf die Gockelkarten und Zettel. Nach dem Arztbesuch suchte ich mir also bei Gockel die Strecke raus und schrieb Garfield: "Alles kein Problem, das ist einfach." Ha. Ha.
Ich machte mich überpünktlich auf den Weg. Ich fand den Ort ohne Probleme. Ich fand die Straße nicht. Laut meinem Zettel sollte ich kurz nach dem Ortseingang rechts in die Schnullerichstraße einbiegen, dann die zweite rechts nehmen - die Mustangstraße - und dann wäre mein Ziel in der dritten Straße links - Guckstdustraße. Ich fand die Mustangstraße ohne Probleme, aber es gab keine Guckstdustraße, die links abging. Ich fuhr auf und ab, ich fluchte, ich guckte. Keine Guckstdustraße. Da waren Wohngebiete, also fragte ich jemanden. Einen Opa mit Fahrrad. Er kannte keine Guckstdustraße, fragte aber, wen ich suche. Ok, hier kennt man sich wohl. Diese Leute kannte er aber nicht. Ich fragte eine Dame mit Fahrrad und erfuhr: Ich befinde mich gar nicht im richtigen Ortsteil. Ich verfluchte Gockel und seine Karten. Ich suchte mir ein stilles Plätzchen und rief die Familie, welche mich erwartete, an. Es war inzwischen 15h und ich sollte genau jetzt eigentlich dort aufschlagen. Der Vater ging ran und erklärte mir, wie ich fahren sollte. Wie immer, wenn mir jemand sowas erklärt, hörte ich nicht richtig zu. Ich schrieb auch nicht mit. Ich war verzweifelt. Immerhin bekam ich mit, in welche Richtung ich mußte. Da war ich schonmal gewesen, war durch eine kleine Unterführung gefahren und hatte dann angesichts der Einöde gedacht, dass es hier nicht weiter geht. Falsch gedacht, denn die Mustangstraße ging genau hier lang weiter. DAS hatte ich bei Gockel so nicht erkannt! Und die Straßenschilder sagten einem nicht wirklich, dass die Mustangstraße abbog und nicht geradeaus weiterging.
An der nächsten Kreuzung wußte ich schon nicht mehr, wo lang. Links war in einiger Entfernung ein Ortsschild zu sehen. Und ein Neubaugebiet. Ich fuhr trotzdem geradeaus. (Als ich die Strecke abends bei Gockel recherchierte, stellte ich fest: Geradeaus wäre richtig gewesen. Und dann erst links. Das war genau die Strecke, die mir Gockel gezeigt hatte.) Nach ein paar Metern entschied ich, dass ich doch lieber hätte abbiegen sollen, also drehte ich um. Dabei fuhr ich ein Stück auf's Feld und kam beim ersten Versuch nicht auf die Straße zurück. Ich hätte heulen können! Wie peinlich war das denn? Zuerst findet sie den Weg nicht und dann fährt sie sich noch im Feld fest? Zum Glück klappte es beim zweiten Mal, ich fuhr zurück und atmete auf: Das Schild zeigte, dass ich endlich im richtigen Ortsteil war. Wenigstens ein kleiner Erfolg! Leider wußte ich wieder nicht, wie es weiter ging, fuhr also auf's Geratewohl ins Wohngebiet rein. Natürlich: Keine Guckstdustraße. Ich fuhr ein paar Runden und beschloß, jemanden zu fragen. Mal wieder. In einem Garten spielte ein Mann mit seinen Söhnen Fußball, also hielt ich an. Der Mann war nett, kannte die Straße aber auch nicht. Trotzdem wollte auch er den Namen der Familie wissen. Der sagte ihm aber nichts.
Ich war schon zwanzig Minuten zu spät und hatte keine Ahnung, wo ich war. War ich überhaupt in der Nähe der Straße? Ich wollte heulen und nach Hause fahren. Das wäre aber sehr unerwachsen gewesen, also riss ich mich am Schlüpper. Auch wenn es noch so peinlich war, beschloss ich, den Vater meines Schülers nochmal anzurufen. Auf der Suche nach einem kleinen Parkplatz sah ich auf einmal das Schild: Guckstdustraße! Ich jubilierte und fuhr vor Schreck links- statt rechtsrum. Links hieß die Straße schon wieder anders, also nochmal drehen, zurück und... Juchu! Ich hatte das Haus gefunden! Der Vater wartete mit dem Telefon in der Hand vor dem Haus auf mich und fuhr erst weg, als ich wirklich da war. Man, war mir das alles peinlich!
Mein Schüler war dann aber sehr nett. Ein 13-jähriger mit schlimmer Akne. Ich sollte Englisch und Deutsch geben, hatte mich aber auf Englisch vorbereitet und Deutsch völlig vergessen. Ich hatte Wörterbücher und alte Hefter dabei. Natürlich wollte Kevin lieber Deutsch machen. Und natürlich war er Hauptschüler. Ich hatte beim Anruf der Nachhilfeagentur nicht richtig verstanden, auf welche Schule der Junge ging und dann vergessen, nochmal nachzufragen. Auch während des Anrufs bei der Familie vergaß ich, diese Info einzuholen. Ich sollte mir vorher den Lehrplan für das entsprechende Schuljahr ansehen, und weil der für die Hauptschule so kompliziert war, lud ich mir nur die für Realschule und Gymnasium runter. Hauptschule schloss ich einfach mal kategorisch aus. Und nun saß ich neben einem Hauptschüler und hatte keine Ahnung, was der können sollte. Nun ja, wir machten sowieso Kleinkram. Zusammenfassungen. Seine Rechtschreibung ließ sehr zu wünschen übrig. Und der Stil... Furchtbar. Die Ursache fand sich schnell: Der Junge liest einfach nicht. Wie so viele Männer... Das wird ein hartes Stück Arbeit. Spaß hat es trotzdem gemacht und ich freue mich auf den nächsten Termin.
Auf der Heimfahrt verfuhr ich mich übrigens mal wieder. Ich nahm die falsche Abfahrt von der Bundesstraße. Wem das bekannt vorkommt: Ja, das ist mir auch gestern passiert. Ich habe einfach ein Talent dafür. Und statt bei Bemerken des Fehlers sofort umzukehren, wurschtel ich mich lieber so durch. Ich fahre Runden durch unbekannte Orte und gelange irgendwann von hinten durch die Brust ins Auge doch noch an mein Ziel. Manchmal bin ich eben dämlich. Oder eher ziemlich oft.
PS: Ich bin noch soviel schuldig! Meine Schmetterlingstorte, die ich extra fotografiert habe! Und eine Story vom Einkaufen! Ferien sind scheiße, weil man nicht zum Bloggen kommt!