Mission Prinz

15.02.2012 um 16:52 Uhr

Die Mauer im Kopf

... Ist sie noch da?

Hm, irgendwie schon. Keine richtige Mauer, aber schon so eine gewisse Trennung. Man, nein, ich denke in den Kategorien: "aus dem Osten", "aus dem Westen". Und viele aus dem Osten sind mir - begegne ich ihnen in der Fremde - spontan sympathischer. 

Ich bin ja ein DDR-Kind. Als die Mauer fiel war ich aber gerade mal acht, verbinde mit diesem Staat also nicht viel. Bisschen Jung*pionier, bisschen Altpapier sammeln, das war's im Großen und Ganzen schon. Ach ja, und dieser traumatische erste Schultag im September (?) 1989, als ich mein Pionier*tuch vergessen hatte. War das ein Schreck! Ich weiß es noch heute. Und, dass ich Glück hatte: Meine Cousins wurden an diesem Tag in meiner Schule eingeschult und ich bekam von der Pionier*leiterin bei dieser Gelegenheit ein Leih-Tuch.

Wenig später fiel die Mauer und ich brauchte kein blaues Tuch mehr am ersten Schultag.

Elf Jahre später ging ich nach Frankreich, wo ich bewusst zum ersten Mal einen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland machte. Dort begegneten mir ja viele Deutsche und so im ersten Moment, ganz spontan, waren mir die aus dem Osten immer sympathischer als die aus dem Westen. Natürlich suchte ich danach nicht meine Freunde aus, es geht hier nur um den ersten Eindruck. Letztendlich hatte ich Freunde aus ganz Deutschland und mein erster fester Freund kam aus dem Schwarzwald. Das Komische ist nur diese Unterscheidung, die ich machte: In der Fremde ist man ja froh über jeden Landsmann, den man trifft. (Vorausgesetzt es handelt sich nicht um ein besonders peinliches Exemplar.) Das geht nicht nur Deutschen so, sondern auch Holländern, Spaniern, Italienern, etc. pp. Nur wir Deutschen, also ich und auch andere, wie ich aus Unterhaltungen weiß, wir machen nochmal eine Sonderunterscheidung: Kommt derjenige aus dem Osten oder Westen? Und ich kann von vielen Ossis, die ich dort kennen lernte, mit Sicherheit sagen, dass sie sich spontan mit anderen Ossis wohler fühlten. Blöd, oder? Wir sind doch alles Deutsche! Leider habe ich keine Ahnung, wie die Wessis das sehen. Fühlen die sich unter ihresgleichen auch erstmal wohler?

Interessant ist auch, dass ich diese Unterscheidung nicht nur innerlich machte, sondern auch anderen gegenüber erwähnte. Sprach ich mit französischen, spanischen, italienischen, was-auch-immer Freunden über deutsche Bekannte, so floss gerne mal ein: "Die/der kommt auch aus dem Osten." ein. Der Vater einer französischen Freundin fragte mich mal, wieso wir diese Unterscheidung machen, es wäre doch ein Land und überhaupt wäre ich doch so jung gewesen, als die Mauer fiel... Tja, ich konnte es ihm nicht erklären, nur sagen, dass es ein Gefühlsding ist.

In der Ausbildung und später an der Uni ging das übrigens genauso weiter. Ich habe im Osten studiert und Kommilitonen aus den alten Bundesländern wurden erstmal kritischer beäugt und schneller (vorschnell?) als unsympathisch, eingebildet oder arrogant eingestuft.

Und jetzt lebe ich im Westen. Und worüber freue ich mich am meisten? Was zaubert mir beim Einkaufen ein Lächeln ins Gesicht? Wenn die Kassiererin im R*ssmann sächsisch spricht! Oder auch, dass meine Friseurin aus Dresden kommt. Da fühlt man sich sofort... hm... heimatlich?

Wie ich darauf jetzt komme? Ist doch gar kein Jahrestag oder sowas?

Ich habe mir heute die zweite potentielle Tages*mutter für meinen Zwerg angeguckt.

(Sidekick:

Die erste war vor einigen Wochen "dran". Sie war mir spontan nicht so sympathisch, wir wurden irgendwie nicht warm. Sie ging zwar sehr nett mit meinem Kind um und die Lage der Wohnung war toll (Spielplatz, Tiergehege in der Nähe, Garten), aber es passte nicht. Die Wohnung war außerdem irgendwie dreckig, versifft und die Dame wirkte auf den ersten Blick ungepflegt. Ich hielt mich schon für überanspruchsvoll bis...

Sidekick Ende)

... ich heute Cindy traf. Schon bei dem Namen (natürlich geändert) dachte ich spontan, "Na, ob die mal nicht aus dem Osten kommt." Dann das erste Telefonat - mein Verdacht erhärtete sich. Das klang überhaupt nicht bayerisch, eher... ostdeutsch. ;-) Als mir die Dame heute die Tür öffnete, fand ich sie spontan einfach nur sympathisch. Es passte sofort. Relativ schnell traute ich mich, nach der Herkunft zu fragen und siehe da - es ist ein neues Bundesland. Da hatte ich mich vom Gefühl her zwar schon für Cindy entschieden, aber ich frage mich doch, wieviel Einfluss ihre Herkunft hatte. Sehr viel, glaube ich. 

Bin ich intolerant? Bin ich eine von den ewig gestrigen? Haben die in der Kindheit oft genug gehörten Sprüche von den "Besser-Wessis" mich so geprägt, obwohl ich sonst so weltoffen bin?

Und: Geht es anderen auch so?

(Die wichtigste und tollste Info gab's jetzt nur am Rande, aber sie ist hoffentlich trotzdem angekommen: Wir haben eine tolle Tages*mutter gefunden und ich kann mir nun endlich einen Nebenjob suchen! Jetzt brauchen wir nur noch ein neues, zweites Auto... )

03.02.2012 um 10:37 Uhr

Irgendjemand...

... hat hier verdammt mieses Karma!

Wenn es sowas gibt, dann muss mein Freund in einem früheren Leben ein sehr, sehr schlechter Mensch gewesen sein.

Heute sollte eigentlich ein richtig toller Tag werden, denn heute hätte mein Liebster den Schlüssel zur Freiheit bekommen. Zur Erklärung: Mein Freund hasst seinen Arbeitgeber, der hat ihn krank gemacht und sorgt für ständige Niedergeschlagenheit und Versagergefühle. Das geht seit Jahren und hätte eigentlich noch anderthalb Jahre so bleiben müssen. Nun hatte Garfield aber einen Antrag auf Verkürzung gestellt, der - entgegen aller Hoffnungen - bewilligt wurde. Heute sollte er den Wisch unterschreiben. Kann sich jemand vorstellen, um wie vieles leichter wir uns fühlen?

Er musste früher los als sonst, aber dafür macht man das ja gern. Ich lag mit dem Junior noch im Bett, hörte die Tür ins Schloss fallen, wollte mich nochmal umdrehen, da klingelte es Sturm. Ich schlüpfte eilig in Hose und Hausschuhe - wenn es schnell gehen soll, ist's ja immer schwieriger - und stolperte zur Gegensprechanlage. Es klingelte immer noch. Ich dachte, Garfield hätte vielleicht was vergessen und klingelt so aggressiv, weil er Angst hat, ich könnte es nicht hören. Aber nein, als ich den Hörer abhob sagte er nur: "Mach' auf, der ** wurde geklaut!" 

Die Sternchen stehen für Garfields Auto, die Bestie, seinen Augapfel, seinen ganzen Stolz. Ein sehr auffälliger, knallroter Sportwagen. Mit der Farbe irgendwie prädestiniert für einen Diebstahl, aber wir dachten, hier passiert doch nie was, in diesem Kuhdorf. Andererseits ist man in fünf Minuten auf der Autobahn gen Osten. Nun ja, es ist passiert, die Karre ist weg. Und das ausgerechnet an dem Tag, der das Potenzial hatte, zu einem der schönsten in Garfields Leben zu werden.

Schicksal, Du bist ein Arsch!

Obwohl... Wenn ich so darüber nachdenke... Wie gesagt, der Arbeitgeber hat Garfield krank gemacht. Heute nun wäre er ihn noch nicht los geworden, aber immerhin wäre fest gewesen, dass er ihn schon in zwei Monaten los ist. Garfield ist fest davon überzeugt, dass seine Krankheit mit "denen" gekommen ist und mit "denen" auch wieder gehen wird. Das Auto war immer fester Bestandteil der Krankheit, da wurde ein riesen Bohei drum gemacht. Nix durfte da ran kommen, Garfield war in ständiger Sorge, guckte und kontrollierte alles und immer wieder. Die Karre war gleichzeitig große Freude und große Pein. Und nun verschwindet sie einfach so aus seinem Leben, ausgerechnet heute. Wenn das mal kein deutliches Zeichen für einen Neuanfang ist! Und Garfield hat es erstaunlich gut aufgenommen. Kein Toben, keine Wut, nur etwas genervt wegen des Papierkrams. Und natürlich hofft er, dass der Wagen nicht wieder auftaucht. Ansonsten... hm, Erleichterung? So ein kleines bisschen?

Schicksal, Du bist entweder ein riesen Arsch oder aber verdammt clever!