Auszeit
Ich möchte gerade etwas tun, was sich für eine Dreißigjährige nun wirklich nicht gehört. Ich möchte mich heulend in eine Ecke setzen, nix mehr hören und mich um nix mehr kümmern. Gerade fühle ich mich einfach nur überfordert. So ist das.
Und dabei ist es so lächerlich! Es ist NUR ein Nebenjob, für den ich heute den Vertrag unterschrieben habe! Ich werde schätzungsweise vier Mal pro Woche jeweils einen halben Tag arbeiten. Andere arbeiten Vollzeit UND haben KindER UND einen Haushalt! Und ich bekomme schon eine Panikattacke, wenn ich daran denke, dass ich nächste Woche gleich einmal bis 20 Uhr arbeiten muss. Die anderen Tage, Frühschicht bis 14 Uhr, das haut hin. Das klappt auch prima mit der Tagesm*tter.
Überhaupt funktioniert das super. Der Zwerg hat jetzt zwei Tage Eingewöhnung hinter sich. Am ersten Tag waren wir zusammen zwei Stunden dort, ich habe mich aber im Hintergrund gehalten. Und gestern habe ich ihn für zwei Stunden abgegeben und konnte in der Zeit was erledigen. Hat super gut geklappt, mein Kind vermisst mich kein bisschen! (Ehrlich gesagt, bringt mich das auch zum Heulen... ) Der hat gespielt und gelacht und geplappert und sich mit der TaMu pudelwohl gefühlt. An sich ist das wirklich toll, so soll es sein. Aber andererseits... Man fühlt sich als Mutter doch irgendwie blöd. Ich zumindest. Jedenfalls passt der Frühdienst super. Ich kann den Zwerg morgens dort abgeben und am frühen Nachmittag wieder abholen. Alles super, die TaMu hat nachmittags Zeit für ihr eigenes Kind. Aber der Spätdienst macht mir richtige Bauchschmerzen. Die Anfangszeit ist so blöd: 14 Uhr. Wann soll der Zwerg denn da essen und schlafen? Das schaffen wir nie vorher, aber nachher ist es zu spät. Und am späten Nachmittag muss Garfield ihn dann abholen und sich kümmern. Auch da habe ich Fragezeichen, ob das alles so klappt. Natürlich wird er es prima machen - er hat sich ja auch am Freitag, als ich zur Probe arbeiten war, ganz hervorragend um seinen Sohn gekümmert. Wirklich, ich war sowas von positiv überrascht, das gibt's gar nicht! Und auch das Abholen etc. wird klappen, aber trotzdem fühle ich mich... überfordert. Denn Garfield hat ja Bewerbungsgespräche, ich muss also diese Termine auch noch in meiner Planung berücksichtigen. Das hatte ich, als mein zukünftiger Chef vorhin mit mir den Plan gemacht hat, total vergessen. Erst im Auto fiel es mir ein, ich musste also anrufen, eine Spätschicht verschieben usw. Das hat mich so gestresst, das glaubt keiner. Und wieso? Ist doch alles eigentlich kein Problem!
Und dann die Tagesm*tter. Ja, es ist ihr Job, sich um mein Kind zu kümmern. Und ja, sie hat gesagt, ich soll erstmal bei den Arbeitszeiten "alles" angeben. Trotzdem fühle ich mich blöd, wenn ich ihr sagen muss: Du, nächste Woche dann gleich mal nachmittags. Das kollidiert bestimmt mit der Kita-Zeit ihrer Tochter und sicher fühlt sie sich überrollt... Verdammt, ist das mein Problem? Nein, SIE muss das organisieren, immerhin hat sie keine Zeiten von vornherein abgelehnt. Ich hatte ja EXTRA nochmal nachgefragt. Und trotzdem fühle ich mich auch hier irgendwie gestresst, obwohl es nicht mal wirklich mein Problem ist. Kann man das verstehen?
Ok, ich habe heute ein sehr dünnes Fell. Es war eine sehr, sehr kurze Nacht, mir fehlt der Schlaf. Und der Grund, warum die Nacht so kurz war - schlimmer Streit, mal wieder - steckt mir noch sowas von in den Knochen. An einem anderen Tag hätte ich wahrscheinlich überhaupt kein Problem, das "alles" zu wuppen. (Die Anführungszeichen bedeuten: Ich weiß, wie lächerlich das ist, weil ich echt wenig "zu wuppen" habe.) Obwohl... wahrscheinlich doch. Ich bin privat einfach sowas von unbelastbar und fühle mich schnell überfordert. Wieso bloß? Bei der Arbeit bin ich immer cool und lasse mich von nix aus der Ruhe bringen. Das steht sogar in meinen Bewerbungen, weil es wirklich stimmt. Aber privat? Das komplette Gegenteil! Gibt's sowas?
Mich überfordern oft kleinste Sachen: Ein Anruf, den ich unbedingt erledigen muss, ein Päckchen, das verschickt werden soll, ein Termin. Absolut lächerliche Kleinigkeiten von denen ich mich dann dermaßen unter Druck gesetzt und gestresst fühle, dass ich mich am liebsten irgendwo verkriechen möchte. Das ist doch nicht normal!
Puh, das tat gut. Ich glaube, ich gehe jetzt nicht heulen, sondern hole das Päckchen hoch, das der Postbote für uns dagelassen hat. Der Zwerg schläft endlich - klasse, 15 Uhr. Nachdem er 'ne Stunde im Bett rumgeturnt ist. Auch das hat mich heute unverhältnismäßig gestresst.
Manchmal fühle ich mich echt wie ein Wrack, und ich weiß nicht mal, warum.
