Beziehungstechnisch
haben wir diese Woche den absoluten Tiefpunkt erreicht. Tiefer geht nicht - hoffe ich zumindest. Und ich hoffe, dass wir damit über den Berg sind. Na, mal gucken, immerhin wurde heute nochmal ordentlich nachgetreten... Scheiß-Tag. Ich berichte lieber von unseren "Ferien".
Ostern war anstrengend. Ich hatte Garfield ja eine Woche Urlaub bei meinen Eltern aus dem Kreuz geleihert. Er ist da nicht so gern, wegen der Sauberkeit und weil er sich unnütz fühlt und ihm langweilig ist etc. Geht mir bei seinen Eltern ja nicht viel anders. Man sitzt rum wie Falschgeld. Ich hatte mir das dagegen so toll ausgemalt: im Garten faulenzen, draußen auf der Terrasse essen, Spaziergänge durch's Dorf und dabei viele Pläuschchen mit lieben Menschen an Gartenzäunen, Dinge mit Mama, Schester etc. unternehmen. Irgendwie hatte ich gedacht, es könnte alles so wie früher sein. Hab' da verklärte Erinnerungen, wie's aussieht. NATÜRLICH hätte ich vorher wissen müssen, dass es SO nicht wird. Stattdessen war es... durchwachsen. Ja, es ist immer schön, die Familie zu sehen und zu Hause zu sein. Es ist aber nicht schön, sich wieder wie ein (kleines) Kind zu fühlen. (Schon gar nicht, wenn man inzwischen selbst ein Kind hat!) Diese Ratschläge! Und immer muss man sich rechtfertigen! Und dann musste ich natürlich andauernd Garfield verteidigen, dem es momentan einfach nicht so gut geht und der eben nicht gerade ein Quell der Lebensfreude ist. Das nervt und strengt an.
Überschattet wurde das Ganze natürlich davon, dass ich nicht die Eier hatte, meine Familie bezüglich ihrer Hygienestandards anzusprechen. Ganz zu schweigen davon, dass das Garfield mächtig geärgert hat. Einen Versuch habe ich ja gestartet: Als ich meine Mutter quasi in flagranti erwischte und auf das Nicht-Händewaschen ansprach, stritt sie natürlich alles ab. Was soll man da noch sagen?!
Immerhin habe ich wiedermal eine ganz große Portion Familie getankt und bin jetzt froh, hier unten meine Ruhe zu haben. Außerdem haben endlich so ziemlich alle unseren Cäpt'n Kack kennengelernt, der inzwischen locker Kaiser Kack genannt werden könnte. Wir waren nämlich auf einer Familienfeier, wo der kleine Kerl seinem Namen alle Ehre gemacht hat. Wir waren noch keine halbe Stunde da, eigentlich noch beim Begrüßen, da hatte der Cäpt'n sich bereits bis zu den Schultern vollgesch***** und musste einmal komplett umgezogen werden. Großartig. Ansonsten zeigte er sich aber familienfeierfreundlich. Er pennte die meiste Zeit im Kinderwagen. (Mein Patenkind dagegen, hui, eine ganz schöne Zicke... und ein Organ! Aber hallo!)
Hinzu kam, dass der Kleine ab Ostern sehr, sehr unleidlich war. Viel Geheule, beruhigen nur bei Mama auf dem Arm (wenn überhaupt), ablegen war kaum möglich und abends Schwierigkeiten beim Einschlafen. Gerade das, was sonst immer so super klappte. Und dann diese Stimmungsschwankungen! Gerade noch lachte er einen an und "erzählte", dann verzog er urplötzlich das Gesicht und weinte los. Natürlich glaubte uns keiner, dass der Krümel sonst ein ganz Lieber, Geduldiger ist. Immerhin brachte uns der Osterhase ein schlaues Buch, aus welchem ich erlesen konnte, dass mein Kind "schubte". Alle Anzeichen sprachen dafür. Das änderte zwar nix an der anstrengenden Situation, aber immerhin wusste ich so, dass es nur eine Phase ist und auch wieder besser wird. Andere waren da nicht so zuversichtlich...
Ich hatte allerdings Recht, denn seit ein, zwei Tagen ist alles wieder besser. Der Kleine ist wieder ausgeglichener und schläft auch besser. Uhund... er hat mich gestern und heute morgen total überrascht! Nein, er fing nicht plötzlich an zu sprechen (Auch wenn er einen total süß anbrabbelt, wenn man sich mit ihm unterhält.) und auch laufen kann er nicht (Obwohl er sich mit Begeisterung auf meinem Schoß aus dem Sitzen ins Stehen hochzieht, wenn ich ihm meine Daumen dafür gebe. Der kleine Kerl steht quasi allein, wenn man ihn etwas stützt!). Er hat etwas viel tolleres entdeckt: Man kann morgens einfach so aufwachen, ohne Hunger zu haben! Gestern und heute wachte ich so halb acht rum auf und wunderte mich. Kein Krümelgequäke? Blick in die Wiege und da lag er - hellwach und betrachtete eingehend sein Mobile. (Kurzer Wink zu Anna, falls sie mitliest!) Das Ganze nach acht Stunden Schlaf. Ich bin begeistert.
Was gibt es sonst Neues?
Ich habe mir eine wunder-wunderschöne Tragehilfe gegönnt. Mein persönlicher kleiner Luxus, nach dem ich lange gesucht habe.
Seit vor Ostern gehe ich wieder "arbeiten". Das heißt, ein paarmal die Woche bin ich für zwei, drei, vier Stunden weg bei meinen Schülern. Auf den Krümel passt dann der Papa auf, gefüttert wird mit abgepumpter Milch. (Notiz an mich: Ich muss dringend einen Vorrat im Tiefkühlschrank anlegen.) Und auch wenn ich Garfield vollkommen vertraue und bis zu einem gewissen Grad froh bin über den Abstand, so vermisse ich meinen Kleinen doch wahnsinnig. Diese paar Stunden in der Woche reichen vollkommen. "Richtig" arbeiten, könnte ich mir momentan so gar nicht vorstellen. Ich bin wohl doch eine ziemliche Glucke. Es fällt mir unheimlich schwer, mich auf die Schüler zu konzentrieren, weil ich ständig an den Krümel denke. Und wenn er, wie gestern, schon bei meiner Abfahrt schreit - das zerreißt mir das Herz. Echt, ich bewundere alle Mütter, die schon nach drei Monaten wieder voll arbeiten gehen bzw. gingen. Früher war das ja sogar ziemlich normal. Chapeau!
