Ein Tag für die Tonne
Ja, den hatte ich gestern wirklich.
Er begann mit einem Streit. Eben so, wie der Tag davor geendet hatte. Keine kleine Meinungsverschiedenheit sondern ein handfester, ernsthafter Krach mit allem drum und dran. Kein schöner Start in den Tag, aber manchmal hat man abends einfach nicht mehr die Kraft, den Kampf zu Ende zu führen und geht zerstritten ins Bett. Zu allem Übel hatte ich morgens auch noch einen wichtigen Termin beim Amt, so dass ich erstens nicht ausschlafen konnte und zweitens die privaten Probleme erstmal aus meinem Kopf streichen musste. Immerhin lief dieser Termin erwartungsgemäß und ich habe eine Sorge weniger.
Bei der Rückkehr nach Hause: Immer noch miese Stimmung. Das lag hauptsächlich an mir, denn da wir uns nicht wirklich vertragen hatten, wusste ich nicht so richtig, wie ich mich nun verhalten sollte. Ich war also eher ungesprächig. Garfield erwartete natürlich "normales" Verhalten - wie auch immer er sich das vorstellt - und so war der nächste Streit vorprogrammiert. Oder eher die Fortsetzung. Eine Diskussion endete mit heulen (ich - Geht im Moment, den Hormonen sei Dank, seeehr schnell!) und schreien (Garfield) und schließlich vertragen. Ich hatte nachmittags eine Schülerin, wir konnten uns also nicht ewig bekriegen. Wir schafften es auch tatsächlich, uns pünktlich wieder zu vertragen und Garfield schlug vor: Kein Streit mehr bis zum 19. Dezember. Da ist unser Jahrestag, deshalb gerade dieses Datum. In letzter Zeit hat es sich nämlich ziemlich gehäuft und wir wissen beide nicht so recht, warum eigentlich. Normalerweise kommen wir prima miteinander aus, sogar wenn wir nur aufeinander hängen, aber in letzter Zeit hatte fast alles Streitpotenzial. Das liegt sicher zum Einen daran, dass ich empfindlicher bin als sonst, aber auch an Garfield, der sich manchmal benimmt, wie die Axt im Walde. Null Einfühlungsvermögen, null Nachsicht. Nun ja, ab sofort heißt das Motto also: Deeskalation. Streit erkennen, noch bevor er losgeht und ihn dann verhindern. Oje, ich bin sehr gespannt, ob und wie das klappt, wäre aber sehr dankbar, falls es funktioniert. Diese Streits kosten einfach so viel Kraft, so viele Nerven und hinterlassen auch körperliche Spuren. Gestern zum Beispiel tat mir den ganzen Tag der Bauch weh. Das könnte natürlich daran liegen, dass Krümel gerade wieder wächst, aber ich vermute, dass auch meine psychische Verfassung einen gewissen Einfluss darauf hat, wie's mir geht. Wenn dann noch Hüfte und Rücken schmerzen, kommt man sehr leicht an seine Grenzen. Echt, schwanger sein ist manchmal, als wäre man um Jahre gealtert!
Nachdem im Hause Garfield-Maus alles wieder gut war, machte ich mich auf den Weg zu meiner Schülerin. 16 Uhr, stand im Kalender in der Küche. Ich war pünktlich da, nur die Schülerin nicht. Wer auch immer an der Gegensprechanlage war, schien sehr überrascht. *Schülerin* hatte noch Fahrschule. Ich war stinksauer, immerhin fahre ich zu diesem Mädel jedes Mal insgesamt fast 70 km. Und dann tat mir noch alles weh! Sehr wütend machte ich mich auf den Rückweg. Kaum auf der Autobahn, klingelte mein Handy. Garfield. Beim ersten Mal ging ich nicht ran, denn sowas mache ich einfach nicht. Ich rege mich ja auch immer über die Leute auf, die beim Fahren telefonieren. Beim zweiten Klingeln ging ich dann doch entnervt ran, denn kurz mal rechts ranfahren war gerade schlecht. Garfield meinte, *Schülerin* hätte angerufen und nach mir gefragt. Wo ich denn gerade sei? Noch nicht bei ihr? Ich erläuterte, dass ich sehr wohl da geWESEN wäre, *Schülerin* aber nicht. Kurz darauf rief auch *Schülerin* an. Ich verließ die Autobahn, suchte mir ein ruhiges Plätzchen und rief zurück. Sie war ziemlich aufgeregt und meinte, wir hätten doch 17 Uhr abgemacht. Ich war überzeugt von 16 Uhr, bot aber an, zurückzukommen. Immerin war ich noch nicht sehr weit gekommen. Als ich nach dem Telefonat in meinen Kalender schaute, wäre ich vor Scham gern im Boden versunken. Da stand es, blau auf weiß: 17 Uhr. Wie ich auf 16 Uhr gekommen war? Keine Ahnung. Schwangerschaftsdemenz. Ich drehte also um und wir hielten unsere Stunde ab. Die ging immerhin ganz gut.
Rückkehr zum Auto. Beim Einsteigen sah ich: Da klemmt was unter'm Scheibenwischer. Ein Strafzettel. 15 Euro, womit ich gestern quasi umsonst unterrichtet habe. Klasse, hatte mir gerade noch gefehlt. Wenn ich wenigstens absichtlich falsch geparkt hätte und das Risiko eingegangen wäre! Aber nein, ich war mir völlig sicher gewesen, korrekt zu parken! In der Straße sieht's immer schlecht aus mit Parkplätzen, deshalb nehme ich normalerweise die erste Lücke, die ich finde. Dann laufe ich eben ein Stück, tut mir auch gut. Beim zweiten Anlauf gestern hatte ich keine Lust mehr zu laufen, also fuhr ich bis vor's Haus, in der Hoffnung, dass vielleicht ausnahmsweise mal was frei ist. Und tatsächlich: Ganz vorne, fast an der Ecke, direkt vor einer Sperrfläche, stand keiner. Normalerweise steht da immer ein Auto, deshalb hatte ich keinen Zweifel daran, dass man da parken darf. In der Straße sind nämlich überall Sperrflächen aufgemalt und ich gehe dann davon aus, dass ich da, wo keine Zackenlinie ist, parken darf. Ja, man sollte trotzdem nach Schildern gucken... Aber, wie gesagt, wenn da sonst immer jemand steht... Ich wusste zuerst auch gar nicht, was ich falsch gemacht hatte. Ich stand nicht auf der Sperrfläche, ich stand nicht zu nah an der Kreuzung. Erst nach einigem Suchen fand ich das Halteverbotsschild - unter einem Baum, ziemlich versifft und vor allem: VOR der Sperrfläche! Was soll das? Wenn ich dank Markierung auf dem Boden weiß, dass ich da und da nicht parken darf, warum stellt man das Schild dann nicht dahinter auf??? Das wäre logisch!
Immerhin verlief der Abend harmonisch.
Und am Rande:
Neulich hat mich im Gesichtsbuch eine alte Freundin aus Frankreich kontaktiert. Wir waren mal sehr eng befreundet, ich habe sie in sämtlichen Semesterferien besucht, aber dann schlief der Kontakt ein. Jetzt startete sie also einen neuen Versuch, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe. Jedenfalls hat sie in den letzten Tagen auf ihrer Seite regelmäßig gepostet, an welcher Tanke man zu welcher Uhrzeit wieviel und welchen Sprit bekam. Das sah dann ungefähr so aus: "14h10, Carrefour-Tankstelle Bonneville, Benzin bis 40 Euro, kein Diesel." Man könnte meinen, sie schreibe aus einem Dritte-Welt-Land, aber nein, es ist nur unser lieber Nachbar Frankreich! Die spinnen, die Franzosen...

Ach ja.. und nach der Schwangerschaftsdemenz kommt die Stilldemenz ;-)
*lach* Anna, Du machst ja Mut! :o))