Frustabbau
Eins vorweg: Garfield ist ein toller Vater. Er kann prima mit dem Kleinen, kümmert sich sehr liebevoll um ihn, bespaßt ihn, füttert ihn. Ich vertraue ihm voll und ganz. Gestern konnte ich mich völlig entspannt fast fünf Stunden "rumtreiben", weil ich das gute Gefühl hatte: Zu Hause wird sich gut um mein Baby gekümmert. Alles ganz toll. Aber manchmal, da könnte ich echt aus der Haut fahren. In erster Linie, wenn es um Erziehungsfragen geht.
Eigentlich hatte ich mich darauf verlassen, was überall gesagt und geschrieben wird: Im ersten Jahr braucht (und kann) man sein Baby noch nicht erziehen. Umso überraschter bin ich, dass es nun schon Diskussionen und Streit deswegen gibt. Garfield hat da so Ansichten...
Erstmal ist er mit nichts zufrieden! Dabei ist der Krümel wirklich sowas von pflegeleicht und lieb! Wenn ich daran denke, was ich schon von anderen gehört habe... Der Krümel schreit insgesamt allerhöchstens 'ne Stunde pro Tag - eher weniger. Er lässt sich aber auch meistens recht leicht beruhigen, also alles halb so wild. Er lässt sich problemlos ablegen, macht also kaum Theater, wenn man ihn in seine Tasche legt, um sich um andere Dinge zu kümmern. Dann schläft er oder guckt in der Gegend rum. Auch nachts schläft er prima, wenn man ihn nach der letzten Mahlzeit in seine Wiege legt. Dann wird noch ein Viertelstündchen gequietscht und gequäkt und schon ist Ruhe. Klingt für mich alles toll und für andere auch. Nur der Papa, der ist unzufrieden!
Anfangs wollte der Kleine nicht in seinem Bettchen schlafen, sondern verbrachte jede Nacht bei uns im Bett. Das gefiel Garfield überhaupt nicht. Ich ging darauf ein, blieb konsequent und seit einigen Wochen schläft der Krümel die ganze Nacht in seiner Wiege. War Papa zufrieden? Nein. Jetzt störte ihn, dass der Kleine nachts so oft wach wurde. Oft? Ist einmal stillen pro Nacht oft? Ich glaube nicht... Wie auch immer, zweimal hat der Kleine jetzt schon sieben Stunden und damit die ganze Nacht geschlafen. Ist Papa jetzt endlich zufrieden? Natürlich nicht! Der Kleine soll noch länger schlafen! Ja, was hat sich Garfield denn vorgestellt? Dass so ein Baby von Anfang an zehn Stunden pro Nacht schläft, nie schreit, nie quengelt? Da geht es dem Kleinen wohl genau wie mir: Man kann es Garfield einfach nicht recht machen, immer hat er noch was auszusetzen!
Und dann das Thema Schreien. Wie gesagt, ist eh' nicht sehr oft, aber wenn, dann gibt's meistens 'ne Diskussion. Garfield ist eher Anhänger der alten Schule: Schreien lassen, bis er müde ist und von selbst aufhört. Ja, ich weiß, unsere Eltern haben das so gemacht. Die haben ihre Kinder nachts in ein anderes Zimmer verfrachtet und da plärren lassen. Weil sie der Meinung waren, die Kleinen schreien einfach nur, um ihre Eltern zu ärgern. Garfield scheint das auch zu denken, ich halte das für Blödsinn und die Vorgehensweise für unmenschlich. Ich glaube eher den neueren Auffassungen, nämlich, dass ein Baby immer einen Grund hat zu schreien. Ob wir den begreifen oder nicht, es schreit nicht grundlos. So ein kleiner Kerl kann ja noch nicht sprechen, er hat also nur eine Möglichkeit uns mitzuteilen, dass etwas nicht stimmt: Schreien. Und er ist darauf angewiesen, dass wir ihn verstehen. Als Eltern sollten wir dann auch die Geduld aufbringen, das wenigstens zu versuchen. Klar, wenn die Hauptgründe (Hunger, Bauchweh) ausfallen, wird es manchmal schon schwierig, aber sollten wir deshalb gleich aufgeben und den Kleinen seinem Schicksal überlassen? Es gibt ja noch so viel mehr, als nur Hunger oder Schmerzen! Sehnsucht nach Nähe, Langeweile, Müdigkeit, Überforderung, vielleicht einfach nur Frust.
Für Garfield scheint es nur zwei legitime Gründe für's Schreien zu geben: Hunger und Bauchweh. Kann er diese beiden Dinge ausschließen, fehlt ihm die Geduld oder das Interesse, weiter zu forschen. Dann kommt der von mir so gefürchtete Satz: "Lass' ihn einfach schreien!" Dürfte der Krümel das auf meinem Arm tun, mit Trost von Mama, wäre das ja noch ok. Aber Garfield schlägt allen Ernstes vor, ihn in ein anderes Zimmer zu legen und dort allein zu lassen. "Das macht ihn müde und dann schläft er später schön." heißt es dann immer. Mir tut das aber in der Seele weh! Ich will meinen Kleinen nicht allein lassen, wenn ihn eh' schon was quält. Er soll doch wenigstens wissen, dass wir für ihn da sind! Aber Garfield ist da echt stur und interessiert sich null für das, was ich möchte oder eben nicht möchte. Und wenn ich die Befürchtung äußere, die Seele des Krümels könnte Schaden nehmen - sowas hört und liest man ja überall - dann werde ich ausgelacht.
Natürlich sollte ich darüber mit meinem Freund reden, statt es hier aufzuschreiben. Leider ist das nicht so einfach, denn Garfield reagiert sehr empfindlich auf Kritik. Und das wäre ja Kritik an seinen Erziehungsmethoden und der Art, wie er mit seinem Sohn umgeht. Er wäre beleidigt und sauer und würde mir garantiert wieder vorwerfen, ich wüsste eh' alles besser und solle doch gleich alles allein machen. So ein dummer Vorwurf! Als ob ich irgendwas besser wüsste! Für mich ist das alles doch auch Neuland! Ich habe keine Ahnung, was richtig und was falsch ist, aber ich habe meinen Instinkt, der mir manchmal eine Richtung vorgibt. Und auf den will ich hören dürfen, ohne dass man(n) mir Vorwürfe deswegen macht. Ist das denn so schwer?

Was macht Mann also? Er sucht sich den kleinsten Anhaltspunkt um zu Meckern, es besser zu wissen oder versuchen, seine Vorschläge anzubringen. Und dann kommt er mit 'Schreien lassen' um die Ecke. Wenn seine Eltern das so gemacht haben - bitte schön, sein Problem. Heißt doch nicht, dass DU das so machen sollst. Ich habe Lilly auch nicht verhätschelt, aber Schreien lassen habe ich sie nie. Resultat: sie heult und quäkt nicht bei jedem Shice rum ..
Du hast jetzt die Wahl: entweder Du sitzt das aus und nickst seine nett gemeinten Ratschläge ab oder ihr diskutiert, bis ihr nicht mehr könnt. Am Ende wird dabei raus kommen, dass Du weiterhin nach Bauchgefühl 'arbeitest' und es laufen lässt ..
Oder Du verprügelst Deinen Mann ;)))
Du Ärmste. Ich drück Dich einfach mal. Das wird schon noch!
Ich denke, dass dein Garfield doch damit überfordert ist.
Ich muss aber mal eine Bresche für meinen Liebsten schlagen: Als ich den Eintrag verfasst habe, war ich sauer, weil es am Abend zuvor diese Situation/Diskussion gegeben hatte. Ich war dann duschen gegangen und hatte Garfield machen lassen. Ich hatte den Krümel schreien gehört und war davon ausgegangen, dass Garfield seinen Plan durchzog. Als ich aus dem Bad kam, lag der Kleine in der Wiege und war ruhig. Was ich nicht wusste: Geschrien hat der kleine Mann bei Papa auf dem Schoß. Als letztes Mittel (und um das Fläschchen warm machen zu können) hatte Garfield ihn dann in der Wiege abgelegt, wo er sich - seltsamerweise - sofort beruhigte. Garfield hat sich also doch an MEINE Wünsche gehalten! (Und hätte er mir das sofort gesagt, hätten wir uns einen kleinen Streit erspart...)