Mission Prinz

30.06.2010 um 10:39 Uhr

Hochzeitsfieber

Ich hasse die Natur!

 

Ne, Spaß. Wir waren gestern Abend nochmal spazieren, wegen frische Luft schnappen und Bewegung und reden. Ich schlug den Weg durch den Wald vor, weil es da wenigstens schattig ist. Ganz böser Fehler! Wären wir mal bloß auf der Straße geblieben. Schon weit vor dem Waldrand fing es an: Viechzeug aller Größen. Ständig kribbelte und summte es irgendwo. Mücken und Bremsen fraßen uns auf, ich schlug nur so mit dem Schlüssel um mich. Das ist wirklich lästig und verleidet einem jeden Spaziergang. Naja, so sind wir immerhin mehr gewalkt als spaziert und das ist ja auch nicht so schlecht.

Dumm nur, dass man wegen der blöden Insekten keinen Blick für die Umwelt hat. Ist mal jemandem aufgefallen, wie schön es draußen gerade aussieht? Überall Blumen auf den Wiesen, das satte Grün der Bäume und dann kommen hier natürlich noch die Hopfengärten dazu. Das sieht so hübsch aus! Einmal hat der Hopfen ein herrliches dunkles Grün und dann verändern die drei Meter hohen Gärten die Landschaft natürlich völlig. Im Winter, wenn die Stangen so nackig da stehen, sieht das alles sehr trist aus, aber jetzt? Wow. Die aus dem Winter bekannten Wege sehen völlig anders aus, es ist wie eine neue Welt. Wenn ich so sehe, wie die Natur hier rundrum blüht, bin ich wirklich froh, nicht in der Stadt zu wohnen.

 

Das Thema "Hochzeit" ist hier ja zur Zeit sehr präsent, deshalb dachte ich, ich erinnere mich mal an die Hochzeiten, die ich mit meiner Anwesenheit beehrt habe. Derer gab es vier, wobei die erste nicht richtig zählt. Das war nämlich die Hochzeit meiner Eltern, ich war drei Jahre alt und erinnere mich dementsprechend nicht. Ich war aber Blumenmädchen!

Die zweite Hochzeit war die eines entfernten Cousins. Ich war 16 und sollte Brautjungfer spielen. Ich erinnere mich nur noch daran, dass es ziemlich langweilig war, vor allem, weil wir ja kaum jemanden kannten.

Die dritte Hochzeit war so ein richtig durchgeplantes Top-Event mit allem Pipapo. Mein Cousin heiratete seine Verlobte aus dem Westen, S., in ihrer Heimat, die gesamte riesige Familie musste also erstmal anreisen und untergebracht werden. Das war an sich schon ein Abenteuer, bis alle Tanten, Onkel, Omas, Opas, Cousins und Cousinen untergebracht waren. Die Hochzeit selbst war, wie gesagt, ziemlich opulent. Zuerst die Trauung in der Kirche, da die Braut katholisch ist. Für die Seite des Bräutigams war das sehr seltsam, da wir alle nix mit Kirche am Hut haben. Wir überlebten trotzdem und rächten uns draußen mit Reis.

Danach ging's zur Location - ein recht schickes Landrestaurant. Dort saßen wir dann von Mittag bis nachts und stopften eine Mahlzeit nach der anderen in uns rein. Mittagessen, Kaffee, Abendessen, Hochzeitstorte. Furchtbar. Wenigstens durfte nach dem Abendessen getanzt werden und das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Mein Cousin hatte einen befreundeten DJ angeheuert, der machte das einfach sensationell. Irritierend war nur die Seite der Braut: Die saßen den ganzen Nachmittag/Abend wie festgeklebt auf ihren Stühlen. (Daher in meiner Familie das Vorurteil von den "steifen, arroganten Wessis".) Ok, meine Familie kann etwas... hm... irritieren. Wir hatten uns zum Beispiel überlegt, der neu angeheirateten Familie die Bräuche unserer Heimat näher zu bringen. Dazu gehört nunmal die Anne*marie-Polka, die bei uns in der Disko genauso selbstverständlich gespielt wird wie im Altersheim. Dafür ist sich keiner zu cool. (Hab' leider nur dieses recht lange Video gefunden, da sieht's auch wesentlich langweiliger aus, als es ist. Wenn man nicht so viel Platz hat, wird das ein herrliches Kuddelmuddel, vor allem am Ende, wenn das Lied immer schneller wird.) Wir führten also, auf recht kleiner Fläche, die Polka vor. Durcheinander pur. Brautseite: Sonstige  Hintergedanke war, dass "die anderen" beim zweiten Durchgang mitmachen. Hat natürlich keiner gemacht, war klar. Wir hatten trotzdem Spaß und haben "Moskau" gleich hinten rangehängt. (Ist bei uns Familientradition und ich liebe es!) Dabei übernimmt meine Tante gern das Kommando, besonders, wenn sie schon ein paar Gläschen intus hat. Sie kreischt dann also alle paar Sekunden "REEECHTS" oder "LIIINKS". Ich glaube, ab dem Moment dachte die Brautverwandtschaft, die arme S. würde in einen Haufen Vandalen einheiraten. Wir tanzen aber auch recht wild, und bei einigen geht hin und wieder auch was zu Bruch.

Egal, die Party war fantastisch, zumindest von der Musik her. Ich habe nie vorher und auch nie wieder nachher so gut mit meinem Onkel getanzt, wie auf dieser Hochzeit. Normalerweise geht das die ganze Zeit: "Sei doch nicht so steif!", "Mach' doch mal die Hüften locker!", "Beweg' Dich doch mal!". Mein Onkel ist aber auch ein sehr wilder Tänzer ohne Pardon. Toilette? Essen? Wenn der Dich ins Auge gefasst hat, gibt's kein Entrinnen. Als Kinder hatten wir alle Angst vor ihm und ich habe teilweise ganze Familienfeiern mit meinen Cousinen auf dem Klo verbracht. 

Blöd war auch, dass man das Brautpaar regelrecht zum Tanzen und Mitmachen zwingen musste. Sowas von steif und unentspannt, echt. Die Feier war im Endeffekt zwar schön, aber doch recht lang(atmig) und, wie gesagt, viel zu durchgestylt. Sowas will ich niemals, das steht fest.

Das komplette Gegenteil war die Hochzeit eines anderen Cousins (andere Seite der Familie), aber davon berichte ich morgen. Das wird sonst hier echt zu lang. Nur ein paar Stichworte: Paris, Boot, Indien. DAS war ein Wahnsinns-Erlebnis!

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenPelegrina schreibt am 30.06.2010 um 14:08 Uhr:Muah! Polka. Brauch ich jetzt auch nicht so. Okay, ich war auf der letzten Hochzeit die Braut, ich muss umdenken: Als Gast hätte ich mich da dran gehängt. (Und hätte mich vor Deinem Onkel im Kühlschrank versteckt! *lach*)

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