Manchmal...
... reicht ein Telefonat, um einem den Kopf wieder gerade zu rücken. Habe ich heute früh noch gedacht, wie gern ich mal wieder ausschlafen würde, so weiß ich jetzt: Nein, lieber nie wieder ausschlafen, als ein Leben ohne meinen kleinen Spatz. Manche Sorgen sind doch so klein, wenn man erstmal die der anderen kennt. Oder wenigstens erahnt.
Vorhin telefonierte ich mit meiner Mutter. Irgendwann kam von ihr die Bemerkung, sie hätte meine eigentlich beste Freundin im Krankenhaus getroffen. (Eigentlich, weil sich unser Kontakt momentan auf ein Minimum beschränkt. Leider. Vor zwei Monaten haben wir zuletzt telefoniert, uns im September das letzte Mal gesehen. Ich habe so gar keinen Anteil mehr an ihrem Leben, was mich sehr, sehr ärgert und traurig macht.) Weil wir mehrere mit diesem Namen kennen, habe ich erstmal nicht reagiert. Dann fragte meine Mutter, ob ich in letzter Zeit mal mit *Name* telefoniert hätte. Sie wäre so traurig gewesen. Da habe ich aufgeschalten und gefragt, wieso. Meine Mutter druckste rum, ich solle mich doch einfach mal bei *Name* melden und fragen, wie's ihr ginge etc. Natürlich will ich nicht in ein Wespennest stechen, ohne zu wissen, woher die Wespen kommen, deshalb drängte ich meine Mutter, mir zu erzählen, was los sei. Es fielen die Worte "Schwangerschaft", "Baby tot", "OP". Offensichtlich war *Name* schwanger und das Baby ist gestorben - in der 6. Woche, wenn ich das richtig verstanden habe.
Was sagt man zu so einer Freundin, zumal man selbst gerade glückliche Mama ist? Vor allem, wenn man nicht mal was von der Schwangerschaft wusste? Gerade die Freundin, bei der man nie damit gerechnet hätte, weil sie so gar keinen Draht zu Kindern hat - oder dies behauptet - und immer meinte, sie wüsste gar nicht, ob sie überhaupt Kinder will. Meine Mutter meinte, ich soll mich einfach melden und so tun, als wüßte ich nix. Finde ich doof. Nachdem *Name* meine Mutter getroffen und ihr was erzählt hat, erwartet sie sicher einen Anruf oder sowas von mir. Ob sie sich darüber freuen würde, ist die andere Frage. Sie ist sonst nicht so der kommunikative Typ, erzählt nicht viel von sich. Vielleicht hat meine Mutter sie in einem schwachen Moment erwischt, vielleicht will sie eigentlich gar nicht darüber reden. Und vielleicht schon gar nicht mit mir. Alles blöd, irgendwie. Ich wäre so gern für *Name* da, denn als es mir mal schlecht ging (Trennung), war sie mir eine große Hilfe. Und jetzt kann ich so gar nichts für sie tun...
Ich habe jetzt mal eine Nachricht geschickt. So in dem Sinne, ich wüßte von meiner Mutter grob, was passiert ist, wäre da, falls sie reden wolle, wüßte aber auch, dass ich dafür vielleicht genau die Falsche bin. Und jetzt warte ich auf irgendein Lebenszeichen...
Manchmal hasse ich es wirklich, so weit weg von allen zu wohnen.
