Mission Prinz

12.05.2010 um 11:41 Uhr

Nachtrag

Ich hatte Recht. Leider.

Anouschka geht es schlecht. Sehr schlecht. Sie hat sich Sonntag die Hüfte ausgerenkt. Die Tierärztin stellte fest, dass beide Herzkammern nicht mehr so arbeiten, wie sie sollen. Trotzdem sollte die Hüfte unter Narkose wieder gerichtet werden. Natürlich hat Anouschka die Narkose nicht gut vertragen und ihr Zustand verschlechtert sich zusehends. Husten, Wassereinlagerungen, Schwierigkeiten beim Atmen. Sie frisst nicht, nicht mal Leckerlis. Und dabei ist sie so verfressen! Meine Mutter leidet mit, sitzt bei ihr und hofft, dass sie einfach so einschläft. Tut sie aber nicht. Meine Eltern haben entschieden, den Hund nicht unnötig leiden zu lassen und wollten jetzt unser Einverständnis. Sollte es wirklich nicht mehr besser werden - und danach sieht es aus - wollen sie Anouschka einschläfern lassen. Sie soll sich nicht quälen müssen. Meine Mutter ist völlig fertig, wir haben beide am Telefon geheult.

Mein Hund stirbt. Und ich bin nicht bei ihr. Das ist wohl das Schlimmste für mich. Ich bin wieder nicht da. Ich habe vorgeschlagen, dass wir kommen, aber meine Mutter hat abgeraten. Anouschka sieht sehr schlecht aus, ich soll sie doch so in Erinnerung behalten, wie sie war. Außerdem schaffen wir es ja vielleicht gar nicht, das wäre richtig blöd. Ich habe gleich Garfield angerufen, der es zwar für keine gute Idee hält (gleiche Argumente wie meine Mutter), aber mitmachen würde. Wenn es für mich wichtig ist, fährt er mit mir die 600 Kilometer. 

Ich schwanke, ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich habe noch ein bißchen Hoffnung, vertraue aber meiner Mutter. Als Krankenschwester erkennt sie den Tod, wenn er sich nähert. Ich wäre gern bei Anouschka in den letzten Momenten, würde sie gern streicheln und mit ihr reden. Und vielleicht wartet sie ja auf mich... Ich möchte nicht in vier Wochen zu meinen Eltern kommen und dann ist sie einfach weg. Andererseits kommen wir vielleicht nicht rechtzeitig... Es ist eine schwere Entscheidung.

Ich habe jetzt erstmal meiner Tierarzt-Freundin eine SMS geschrieben. Anouschka wird in ihrer alten Praxis behandelt. Schade, dass sie nicht mehr dort arbeitet. Aber vielleicht kann sie ein paar Infos einholen und mir einen Rat geben.

Ich falle gerade ins Bodenlose. Man weiß ja, dass dieser Tag kommt. Man hat es ja schonmal durch. Und trotzdem ist es immer wieder schlimm.

Anouschka, ich liebe Dich. Du darfst gehen, wenn Du willst. Bitte quäle Dich nicht.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenPelegrina schreibt am 12.05.2010 um 12:50 Uhr:Ach, Du weh. Ich hab gerade das Wasser in den Augen. Wir mussten uns auch im letzten Jahr von Tobi verabschieden und kurz davor von Theo. Wenn jetzt noch was mit meinem Großen wäre, habe ICH erstmal vier Wochen Sonderurlaub. Das werd ich nie wegstecken können. Alles Gute Dir. Ich wünsch Dir, das Du es schaffst den Hund in Gedanken gehen zu lassen......

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