Nr. 3 und 4
Schüler Nr. 3, Noel, habe ich soeben kennen gelernt. Was für ein knuffiges Kerlchen! Geht in die 5. Klasse und ist so'n kleiner Schlaumeier. Der Junge LIEST! Freiwillig! *staun* Trotzdem hat er Probleme in Deutsch, deshalb braucht er mich. Diese Nachhilfe ist wirklich 'ne tolle Gelegenheit, verschüttete Sachen wieder auszugraben. Heute waren's die Satzglieder (Subjekt, Prädikat, Objekt. Weiß noch jemand, dass es Genitiv-, Dativ- und Akkusativobjekte gibt? Ich hatte das völlig verdrängt, muss ich gestehen.). Die Mama ist eine ganz nette und überhaupt macht die Familie einen sehr guten Eindruck. So richtig bilderbuchmäßig: Papa, Mama, drei Kinder. Und das Beste... der Junge ist Halb-Amerikaner! Papa ist aus Boston und der Sohnemann dementsprechend der Beste im Englischunterricht. Jetzt hoffe ich bloß, dass ich den Papa irgendwann auch mal kennen lerne. Ich nehme ja ganz stark an, dass der in derselben Firma arbeitet wie Garfield. Muss er mal checken morgen. Ich bin doch sooo neugierig und ziehe meinen Schülern ihr ganzes Leben aus der Nase.
Bei Schüler Nr. 4, Gustav, muss ich das gar nicht mehr. Zwar lerne ich den Jungen erst nächste Woche kennen, weiß aber jetzt schon, dass er "ganz a lieber, höflicher, umgänglicher Buab" ist. Seine Mama hat mir vorhin am Telefon dermaßen von dem Jungen vorgeschwärmt, dass ich sehr gespannt bin. Wahrscheinlich nimmt er Drogen und besäuft sich jeden Tag. ;-) Die Mama war wirklich sehr redseelig und hat mir nicht nur genau beschrieben, wie ihr Sohn so drauf ist, sondern auch wo seine Probleme liegen und welche Materialien in der Schule verwendet werden. Da kennt sich jemand wirklich gut aus im Leben seiner Kinder! Ungefragt hat sie mir auch noch auf die Nase gebunden, dass sie zur Zeit ihre zweite Chemo macht und den Kindern deshalb nicht selbst helfen kann. Bei solchen Infos habe ich immer gleich einen Kloß im Hals und weiß gar nicht, was ich sagen soll.
Man, dieser Job macht mir wirklich Spaß. Vielleicht ist doch eine gute Lehrerin an mir verloren gegangen? Wenn man das doch nur irgendwie Vollzeit und mit ordentlichem Einkommen machen könnte, diese Nachhilfegeschichte... *grübel*

Auf jeden Fall darauf eingehen, aber nicht auf die mitleidige Art. krebskranke Menschen brauchen den Austausch über ihre Krankheit und das Gespräch. Klar, wird es einem da immer erst mal blümerant, aber nicht wegschweigen, das tut den Betroffenen am meisten weh. Good Luck!