Rutschpartie!
Ich gebe es zu: In letzter Zeit wurde ich ziemlich verwöhnt. Garfield kutschierte mich letzte Woche überall hin - zu meinen Schülern, zum Kurs, zu Arztterminen. In der Wartezeit erledigte er den Einkauf und solche nervigen Kleinigkeiten. Ach so, chauffiert hat er mich zum Einen wegen des vielen Schnees - er hatte einfach Sorge, dass mir (oder dem Auto) etwas passieren könnte (Vor allem nachdem klar war, dass die neuen Ganzjahresreifen bei Eis und Schnee ziemlich versagen.), zum Anderen, weil er keine Lust hatte, allein zu Hause zu sitzen. Sagt er. Zu tun gehabt hätte er natürlich eigentlich genug...
Gestern nun waren die Straßen wieder ok, kein Schnee, kein Blitzeis, nur ein bißchen nass. Ich fuhr also mal wieder allein zu einer Schülerin. Und freute mich auch wirklich darüber, denn so schön es ist, chauffiert zu werden, allein im Auto hat auch was. Ich kann laut mitsingen, bin unabhängiger und muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn's bei einem Schüler mal länger dauert weil ich mich noch mit der Mutter verquatscht habe. Ich machte mich gestern also überpünktlich auf den Weg zu meiner aktuellen Lieblingsschülerin (Echt, so ein liebes Mädchen! Beneidenswert! Ich muss die Eltern mal fragen, wie sie das gemacht haben!) und zunächst lief auch alles gut. Im Kopf hatte ich Garfields Warnung: Fahr' bloß nicht in einen Schneehaufen, da kommst Du nicht mehr allein raus! (Ist ihm nämlich vorgestern passiert... ;-) )
Mehr als zehn Minuten vor der Zeit bog ich in die schnieke Vorstadtsiedlung ein und überlegte schon, was ich mit der gewonnenen Zeit alles machen konnte. Den SMS-Speicher meines Handys aufräumen, Termine im Kalender nachtragen, eine CD für die Rückfahrt raussuchen... (Garfield, die Gewaltsau, hat nämlich die Antenne abgebrochen, als er letztens den Kofferraum zumachte. Und weil der Radioempfang hier sowieso schon bescheiden ist, geht ohne Antenne natürlich gar nichts mehr. Deshalb gibt's jetzt nur noch CDs, bis wir 'ne neue Antenne haben.) So gingen meine Gedanken, während ich mich dem Haus meiner Schülerin in der, nennen wir sie mal Parkstraße, näherte. Zur Erklärung: Die Straße ist sehr schmal, deshalb parke ich immer halb auf dem rechten Gehweg. Um da perfekt hinzukommen, fahre ich einmal um den Block und von hinten ran.
Zuerst bog ich in die Parallelstraße ein. Die war ok, kein Schnee auf der Straße, nur riesige Haufen am Rand. Dann die nächste links... Schreck. Alles voller Schneematsch, nix geräumt, nur in der Mitte eine ausgefahrene (und auch schon ordentlich vereiste) Fahrspur. Na gut, das schaffst Du schon. Kann ja nicht so schwer sein, letztes Jahr bist Du ja auch mal im Schnee gefahren. Nur zur Erinnerung: Ich fahre ein bayerisches Modell, habe also Heckantrieb. Diese Autos rutschen einem leicht mal weg und reagieren dann etwas zickig. Außerdem hatten wir letzten Winter richtige Winterreifen drauf. Das macht schon einen Unterschied... Jedenfalls schlich ich die Straße entlang, immer bemüht, schön in der Spur zu bleiben. Zwei-, dreimal rutschte ich etwas, aber alles in allem kam ich gut voran.
Ich näherte mich der Parkstraße und schluckte beim Anblick der Einfahrt. Diese war als solche eigentlich gar nicht zu erkennen. Zwei schmale Fahrrinnen, ansonsten knöcheltiefer Schneematsch. Schon das Abbiegen brachte mich ordentlich ins Schwitzen, weil ich doch ganz schön rutschte. Ich sah mich schon in einem Zaun oder einem der am Rand geparkten Autos landen, bekam den Wagen aber doch wieder in den Griff. Nur befand ich mich jetzt nicht in der ausgefahrenen Fahrspur, sondern rechts davon. Hier hatte ich keinen Grip und befand mich gefährlich nah an den geparkten Autos. Der Versuch, in die Spur zu kommen endete natürlich in einer kleinen Schlitterpartie. Ich rutschte mehr als ich dass ich fuhr und erlebte vor dem Haus meiner Schülerin die nächste böse Überraschung: An Parken am Rand war hier nicht zu denken. Alles voller Schneematsch. Ich bog also wieder auf die "Hauptstraße", auf der verzweifelten Suche nach einer Parkmöglichkeit. Zehn Minuten schlich ich auf matschigen Straßen durch die Siedlung, immer darauf bedacht, die Spur nicht zu verlassen. Kam Gegenverkehr, endete dies für mich jedes Mal in einer Schlitterpartie am Rand. Zum Glück kam es wenigstens nicht zum Blechschaden. Einen Parkplatz fand ich aber auch nicht. Die Parkplätze weiter unten an der Straße waren nicht geräumt und damit unbenutzbar für normale PKWs. Am Rand ging's auch nirgends, denn erstens war da ja überall der tiefe Matsch und zweitens waren die Straßen durch den aufgeworfenen Schnee eh' schon so schmal. Schließlich stellte ich das Auto am Rand der einzigen wirklich geräumten Straße ab und musste noch ein ganzes Stück laufen. Zu spät war ich ja eh' schon. Die Gehwege waren natürlich auch nicht geräumt, also glich mein kleiner Spaziergang auch eher einer Gletschertour. Das Schlimme an der ganzen Sache: Das ist schon die dritte Vorstadtsiedlung, die ich in so einem Zustand vorgefunden habe. Irgendwie sind die Zuständigkeiten hier nicht so richtig geklärt, deshalb wird dort nicht geräumt. Eine Katastrophe! Und dabei habe ich den hiesigen Winterdienst letztes Jahr noch so gelobt...
Übrigens, als ich am Haus meiner Schülerin um die Ecke bog, war der Papa gerade dabei, den Schneematsch zusammen zu schieben. Damit ich besser rumkomme. Vielen Dank, sehr aufmerksam, aber leider zu spät... Obwohl ich eh' nicht nochmal freiwillig in diese Straße eingebogen wäre!
Und jetzt kommt das Beste: Morgen bekommen wir wieder neuen Schnee!
Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Straße und Parkplätze vor dem Krankenhaus aussehen, denn heute abend fahre ich selbst zu meinem Kurs. Vorher trinken wir noch entspannt Kaffee, essen unsere selbst gebackenen Plätzchen und P*ulsnitzer Lebkuchen. (Der Tag läuft also so, wie ich mir das letzte Woche schon gewünscht hatte... ) Die waren in einem riesigen Nikolauspäckchen, das heute von meiner Mama eintrudelte. So viele Geschenke! Süßigkeiten, Salami aus der Heimat und ganz viele Babysachen. (Sogar Windeln waren drin. Hä?) Ja, so ist das seit Neuestem: Wir bekommen nur noch Sachen für's Krümelchen geschenkt. Garfields Mama hatte auch ein Päckchen geschickt und Garfield meinte sofort: Da ist eh' nur was für's Baby drin. Ich daraufhin: "Quatsch, das ist doch UNSER Nikolausgeschenk!" Nach dem Öffnen fand ich dann zwei Schokoweihnachtsmänner und ein Geschenkpäckchen. Darin... ein Babyhandtuch und ein Buch für's Baby...
À propos Baby: Morgen früh haben wir unseren Termin beim Pränatalspezialisten, können also sämtlich Blogigo-Daumen sehr gut gebrauchen!

Zu den Strassenverhältnissen, schweige ich mal. Hier schauts aus, wie in der Schweiz. In der Schweiz, ganz oben.