Mission Prinz

06.10.2010 um 15:00 Uhr

Urlaubsträume

Mein heutiger Nachhilfetermin ist spontan ausgefallen, also habe ich ja jetzt Zeit, einen kleinen Urlaubsbericht zu verfassen.

Kurzfassung: Es war einfach nur traumhaft! Das Meer, das Wetter, das Hotel, alles toll, toll, toll.

Und jetzt für die, die es ausführlicher mögen:

Die Bedenken, welche ich vorher wegen des Fluges hatte, waren völlig unbegründet. Beim Check-in fragte ich jedesmal - mit Verweis auf die Schwangerschaft - nach einem Gangplatz. Wer viel trinkt, muss schließlich auch öfter mal wohin und will dann nicht jedesmal eine ganze Reihe hochjagen. Alles kein Problem. Beim Hinflug hatten wir dann sogar die komplette Reihe für uns allein, weil das Flugzeug nur halbvoll war. Beim Securitycheck dann sagte ich gleich ganz am Anfang, dass ich schwanger bin und schon musste ich nicht durch diese Dinger gehen. Ich wurde dann halt manuell abgetastet, nicht mal das Handpiepsding haben sie benutzt. Interessant, wo doch überall im Internet (selbst auf der Seite meiner Krankenkasse!) steht, die Kontrolle sei völlig unbedenklich... Wieso nur wird man dann mit Bauch sofort an der Seite vorbeigewunken?  Ich gebe zu, ein bisschen peinlich war's mir ja schon, immer diese Extrawurst zu verlangen. So, als würde ich mich besonders wichtig nehmen. Aber was soll's, wenn es doch für das Krümelchen sicherer ist.

Das Hotel war super - ich habe mich zum ersten Mal in einem Hotelzimmer relativ wohl gefühlt. Normalerweise hasse ich fremde Betten, Bäder etc., aber dieses Mal ging's. Alles war sehr sauber und gemütlich eingerichtet, so dass man sich abends problemlos dort aufhalten konnte. Wir waren schließlich am Arsch der Welt, wo man abends nicht noch groß weggehen konnte. Unser "Urlaubsort" bestand aus zwei Hotels (Von denen eins glücklicherweise schon zu war. Ich hatte da in den Kritiken was von "überwiegend italienischen Gästen", "extremer Lautstärke" und "nervtötend lauter Animation" gelesen.), drei Restaurants, einer Bar, drei kleinen Läden und einem Appartementhotel. Das alles angeordnet an einem kleinen aber feinen Sandstrand. Ich gebe zu, optisch war die ganze Anlage nicht so der Bringer, aber von innen war unser Hotel dann eben doch sehr nett. Eben so, wie vorher in den Bewertungen beschrieben. Auch die Freundlichkeit des Personals war zu Recht gelobt worden - die geben sich dort echt viel Mühe. Wir haben sogar für alle Trinkgeld dagelassen, und das will schon was heißen. Dumm nur, dass alle Angestellten prima Deutsch konnten. Am ersten Tag habe ich mich noch bemüht, den Zimmerschlüssel auf Spanisch zu verlangen, aber die Zahlen kamen mir so schwer über die Lippen und die Leute an der Rezeption verstanden es ja auch auf Deutsch... Man wird so faul, wenn man sich nicht anstrengen muss. Auch das Essen war ziemlich lecker, jedenfalls habe ich immer was gefunden und Garfield hat sich sehr bemüht, die 18 Euro, die das Buffet laut Aushang kostete, abzufuttern. An mir verdient ja jedes Hotel, weil ich fast nur die Beilagen esse. Dafür habe ich jeden Abend das Dessertbuffet geplündert, was sich jetzt sicher figurtechnisch bemerkbar macht.

Am ersten Tag haben wir den Ort und den Strand erkundet sowie die Preise in den drei Läden verglichen. Unglaublich: Auf hundert Metern "Strandpromenade" variierte der Preis für ein und dasselbe Eis um 1,20! Unfassbar, dass die sich so gar nicht absprechen. Der Strand war wirklich prima und das Wasser hatte perfekte Badetemperatur. Klar, große Wellen darf man am Mittelmeer nicht erwarten, aber wir hatten trotzdem viel Spaß beim Planschen.

Abends saßen wir auf dem Balkon und lauschten dem Meeresrauschen. Wir tranken Eistee (Ich hätte ja so gern Sangría gehabt, aber geht ja nicht... ), redeten und genossen einfach nur. Wir beobachteten die Fledermäuse, die stromernden Katzen am Pool und die Boote in der Bucht. Wir schliefen zum Meeresrauschen ein und wachten damit auf. Genau so hatte ich mir das vorgestellt. Man hörte absolut nix anderes.

Am zweiten Tag "wanderten" wir zweieinhalb Kilometer auf der Serpentinenstraße zur nächsten Bucht, denn dort gab es einen FKK-Strand. Der war fast leer, nur leider ging die Sonne recht schnell weg. Trotzdem ist nackig irgendwie immer noch am besten ;-)

Am dritten Tag mieteten wir ein kleines Auto, um uns die Insel anzusehen. Wir entschieden uns für die preiswerteste Variante - Typ Twin*o, bekamen aber, warum auch immer, einen Peu*eot 207 zum gleichen Preis.  Ich fand den süß, Garfield hat natürlich nur gemeckert. Klar, auf den bergigen, kurvigen Straßen ging die "französische Dreckskarre" "mal gar nicht" und der Herr vermisste seinen M*3 schmerzlich. Trotzdem brachte uns der kleine Löwe überall hin. Wir hatten uns vorher eine Route entlang diverser, angeblich sehenswerter, Strände ausgeguckt.

Strand Nr. 1: Laut Reiseführer ein Südseetraum, ständig von Werbefilmern belegt. Nun ja, wir fanden's eher... nicht so. Packten nicht mal unsere Badesachen aus und fuhren nach kurzem Fotostopp weiter.

Strand Nr. 2: Auch ein Paradies, wo eine abgedrehte deutsche Sängerin vor Jahren sogar geheiratet hat. Wir fanden's jetzt nicht so besonders und sprangen nur kurz in die Fluten um zu pieseln ;-).

Nachdem wir uns durch die nächste größere Stadt gekämpft hatten (Reiseführer sind in ihren "Tourbeschreibungen" aber auch sowas von unpräzise!), kam ein wirklich schöner Küstenabschnitt. Natürlich längst nicht mehr so unberührt, wie im Buch beschrieben, aber nach wie vor sehr schön. Trotzdem aßen wir nur ein Eis und machten Fotos, denn dort war es uns einfach zu laut und zu voll. Müssen diese Cafés eigentlich immer den ganzen Strand mit Musik beschallen?

Strand Nr. 4 ließen wir spontan aus, denn es wurde immer später und wir wollten noch zu einem "ganz besonders beliebten und schönen" Strand und dort dann auch richtig baden gehen. Nr. 5 war dann tatsächlich toll: Lang, ganz heller, feiner, weicher Sand und... jede Menge Leute! Und laute Musik! Allein die Suche nach einem Parkplatz war purer Stress, und dann die Angst, dass was geklaut wird. Wir nahmen nur das Nötigste mit an den Strand und vergruben dort den Autoschlüssel unauffällig unter unseren Handtüchern. Übrigens 'ne prima Taktik! Bis auf die laute Musik und die Strandverkäufer ("COCOOOOOOS! ANNNNNANAS!") war es dann auch wirklich sehr schön dort und wir vergaßen die Zeit völlig. So machten wir uns natürlich erst sehr spät auf den Rückweg, obwohl wir ja noch einen Supermarkt suchen wollten. Wir fanden tatsächlich einen L*dl, um nochmal Wasser zu kaufen. Was für ein versifftes Teil! Aber das Wasser war wesentlich billiger als bei uns am Hotel.

Am Tag darauf bestand ich auf einem Stadtbummel: Wenigstens kurz wollte ich gucken, was es so gibt. (Dabei hatte ich schon ein paar nette Dinge im Laden direkt neben dem Hotel entdeckt.) Wir besuchten also einen als recht schön beschriebenen Ort und wurden nicht enttäuscht. Auf unserer Rundfahrt am Tag zuvor hatten wir ja die reinen Touristenhochburgen gesehen. Grausam! Dieser Ort war wesentlich netter gemacht. Als erstes fanden wir überraschenderweise ein Mitbringsel für das Krümelchen. Ich hatte ja vorher schon gesagt, dass ich auf jeden Fall was für das Baby kaufen will und hatte mir das wesentlich stressiger vorgestellt. Aber nein, wir beide verliebten uns gleichzeitig in die handgemachten Holzfiguren, die man an einer Feder aufhängt. Wir entschieden uns für einen sehr witzigen Pelikan, der dann über den Wickeltisch kommt. In einem anderen Laden entdeckten wir lustige Tiergeldbörsen und ich konnte Garfield überreden, eine Kuh für unser Haushaltsgeld zu kaufen. Unser bisheriges Haushaltsgeldportemonnaie (Was für ein Wort!) ist nämlich sehr klein und unpraktisch. Da bleiben die Scheine immer im Reißverschluss hängen. Dann fand ich noch ein sehr schönes weißes Kleid. Lang und bestickt. Sehr hübsch, sehr preiswert. Ich überlegte, ich schaute, Garfield gefiel's, aber ich nahm's trotzdem nicht. Ich kenne doch diese indischen Sachen - sowas war's nämlich, die kann man nicht ordentlich waschen. Und nächsten Sommer haben wir, na was, immer dabei? Einen sabbernden, sich und seine Umgebung bekleckernden Säugling. Wann sollte ich denn da bitte schön ein weißes Kleid anziehen? Das würde ich mir doch sofort für immer versauen! Also kein Kleid. Wir schauten uns dann noch den Hafen an, erstanden eine Luftmatratze für die folgenden zwei Strandtage (liebevoll Luffi genannt), aßen ein Eis und hatten genug Stadtluft geschnuppert. Bloß weg zum Nacktstrand!

Den Tag darauf verbrachten wir am Pool. Von dort waren es nur drei Schritte zum Strand, so sparte man sich die Liege dort. Wir pendelten also den ganzen Tag zwischen Pool und Meer, lasen Zeitschriften und ließen uns die Sonne auf die Bäuche scheinen. Und wir hatten viel Spaß mit Luffi! Es gibt tatsächlich mehr als zehn verschiedene Arten, zwei Menschen auf einer Luftmatratze zu verteilen! Zwischendurch gönnten wir uns noch ein Eis und kauften weitere Mitbringsel: Schnapps für Papa Garfield, der uns mitten in der Nacht zum Flughafen gefahren hatte, und eine Metalleidechse für unsere Flurwand. Ich verliebte mich auch spontan in ein großes Tuch mit Eidechsen drauf, zögerte aber bis kurz vor der Abreise. Ich wollte es als Bettüberwurf nutzen, allerdings machen wir doch nie unsere Betten. Garfield war deshalb skeptisch, als ich aber abends beim Duschen immer noch davon sprach, entschied er, dass wir das Teil am nächsten Tag noch kaufen.

An dem Abend gab's auch zum ersten Mal Programm in unserem Hotel: Drei junge Männer, die turnten. Laut Plakat. Wir suchten uns also gleich nach dem Abendessen einen Platz in der Bar um die Show zu bestaunen. Ich steuerte zielstrebig auf einen Tisch gleich am Rand der "Bühne" zu - alles andere war schon von den vielen Rentnern besetzt, die das Hotel bevölkerten. (Furchtbar! Liegen den ganzen Tag am Pool und unterhalten sich lautstark über ihre Wehwehchen! Und rauchen! Den strengen deutschen Nichtraucherschutz habe ich dort echt zu schätzen gelernt!) Garfield meinte noch: "So weit vorne? Nicht, dass wir mitmachen müssen... " Ich war aber der Meinung, dass die Turner wohl kaum mit dem Publikum interagieren würden und sah keine Gefahr.

Die Show begann. Zwischen den Akrobatiksachen gab es immer mal was Komisches. Und plötzlich steuerte einer der jungen Männer auf mich zu und bat mich auf die Bühne. Ah, immer ich! Ich musste dann mit einem menschlichen Roboter tanzen. Peinlich. Und Garfield hat mich noch den ganzen Abend ausgelacht.

Der letzte Tag war kurz, denn nach dem Sachen packen und auschecken hatten wir nur noch drei Stunden für Pool und Strand. Die vergingen leider viel zu schnell, genau wie die Tage davor. 

Und das Krümelchen? Dem hat der Urlaub unglaublich gut getan, glaube ich. Jedenfalls ist es spürbar kräftiger geworden, und das von Tag zu Tag. Die Tritte wurden immer deutlicher - wahrscheinlich hat das tägliche morgendliche Rührei zur Stärkung beigetragen. Natürlich wird nur getreten, wenn Mama gerade ruhig auf ihrer Liege liegt und Zeitung liest. Während sie durch's Wasser tobt verhält man sich ganz ruhig und genießt das Schaukeln. Am fünften Tag lag ich so schön am Pool, informierte mich über die neuesten Diäten und Rezepte ;-), als ich plötzlich das Gefühl hatte, die Tritte wären wesentlich kräftiger als vorher. Ich legte meine Hand auf den Bauch und spürte die Bewegungen tatsächlich durch die Bauchdecke. Ich flüsterte zu Garfield rüber, er solle mal ganz schnell rüberkommen. Der war in seine Autozeitung vertieft und wollte erstmal nicht. "Warum denn?" muffelte er nur. (Später erklärte er, er hätte gedacht, ich wolle nur lästern.) Ich daraufhin: "Jetzt komm' schon! Schnell!" Schließlich erhob er sich, machte einen Schritt und ich flüsterte ihm zu, er soll seine Hand genau da hinlegen, wo meine lag. Zuerst war Krümelchen schüchtern, aber dann bewegte es sich doch nochmal und Garfield konnte es ganz leicht spüren. Ein wahnsinnig schöner Moment!

Alles in allem war's ein perfekter kleiner Urlaub, an dem einfach alles gepasst hat. Und mit Bauch Urlaub zu machen ist gar nicht schlimm. Zwar fühlt man sich manchmal schon wie ein Wal, vor allem wenn die etwas gediegeneren Klamotten, die beim Abendessen gewünscht werden, so gar nicht mehr bequem passen wollen. Aber der Bauch ist noch nicht so groß, dass er stört und man macht im Bikini noch eine halbwegs gute Figur. Irgendwie entspannend, nicht den Bauch einziehen zu müssen, sondern ihn einfach stolz rausstrecken zu können. Was mir im Nachhinein auffällt: Ich habe nur Dinge für die Wohnung oder das Krümelchen gekauft. Nix für mich. Früher habe ich Taschen, Schmuck oder Klamotten aus dem Urlaub mitgebracht, dieses Mal nicht ein einziges Souvenir nur für mich. Ich glaube, ich werde erwachsen... 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSarah_Marwing schreibt am 06.10.2010 um 20:25 Uhr:OH Mann, kaum lese ich hier länger nicht, passieren wunderbare Dinge! Auch wenn mit Verspätung: Ich gratuliere Dir ganz ganz herzlich! WUNDERBAR!
  2. zitierenAnna_Kurz schreibt am 10.10.2010 um 11:49 Uhr:Öhh....bist Du schon wieder da?
  3. zitierenRosa26Maus schreibt am 10.10.2010 um 13:45 Uhr:Ja, waren doch leider nur sechs Tage... Viel zu kurz und Erholung schon wieder vergessen...

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