Mission Prinz

14.01.2011 um 22:08 Uhr

Vom Leben gelernt...

Ich habe heute etwas wichtiges gelernt. Vom Leben. Eine Lektion vom Leben persönlich. Das Leben ist besch***! Es f*** Dich, wo immer es geht, Dinge gehen meistens schief, Pläne und Vorfreude sind Blödsinn.

Bisher war ich ein grundpositiver Mensch. Ich habe immer an das Gute im Menschen und im Leben geglaubt. Egal, wie blöd es lief, ich war mir sicher, dass am Ende alles gut wird. Ich habe gedacht, das Leben ist gerecht und schön. Dann traf ich Garfield, den ich immer als ollen Miesepeter bezeichnet habe, wegen seiner grundnegativen Einstellung. Er hielt das Leben schon immer für ungerecht und ganz sicher nicht für schön. Er erwartete immer den worst case. Ich versuchte oft, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Ich wollte ihm zeigen, dass das Leben schön ist und lebenswert. Heute habe ich gelernt: Er hatte die ganze Zeit Recht. Wie naiv und blöd kann man eigentlich sein? Ich habe mein ganzes bisheriges Leben in einer rosa Blase verbracht, die heute geplatzt ist. Jetzt muss ich sehen, wie ich mit der harten Realität zurecht komme.

Was ist passiert? Es war einer dieser Tage, an denen ich einen Plan hatte. Und der Plan ging schief - aber sowas von!

Heute war beim Geburts*vorbereitungskurs der Termin mit Partner. Ich wusste natürlich, dass das nicht so Garfields Ding sein wird. Auf einer Matte rumturnen und weichgespültes Gelaber anhören - ne, da gibt's Besseres für ihn. Ich selbst bin ja auch nicht so dafür zu haben, hatte mir wesentlich mehr von dem Kurs erhofft. Ab und zu tröpfeln mal ein paar brauchbare Infos durch, ansonsten ist es stundenlanges Geplänkel. Jedenfalls wollte ich unbedingt, dass Garfield heute abend gut drauf ist. Ich war mir sicher, dass das sonst ganz sicher kein Vergnügen für uns beide wird. Im Klartext bedeutete dies: auf keinen Fall streiten und einen schönen Tag haben. Das mit dem Streit machte mir keine Sorgen, denn das hatten wir erst vorgestern und erfahrungsgemäß geht es dann ein paar Tage ganz sicher gut. Und was den schönen Tag angeht, hatte ich mir das so vergestellt: Vormittags ein kurzer Ausflug in die Stadt, um noch ein paar Besorgungen zu machen (Rosa brauchte Oma-Schlüppis für's Wochenbett. Seehr sexy!), dann Wochenendeinkauf. Gegen Mittag, dann ist der Supermarkt nicht so voll und wir sind beide entspannter. Wieder zu Hause wollte ich einen Kuchen für meinen Schatz backen (Er hat da noch einen Gutschein aus dem Advents*kalender.), dann gemütlich Kaffee trinken und schließlich ganz entspannt zum Kurs aufbrechen. In meiner Vorstellung war das alles perfekt, Garfield würde abends absolut entspannt sein.

Bis zum Stadtbummel klappte alles, nur dass unser Parkticket plötzlich nicht mehr lesbar war und wir deshalb ewig rumrennen und dann natürlich auch noch mehr bezahlen mussten. Ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Auf dem Weg zum Supermarkt aber passierte folgendes:

Wir warteten als drittes Auto an einer Ampel. Der ganz vorne blinkte rechts, wollte also abbiegen, unser Vordermann und wir wollten geradeaus. Die Ampel schaltete auf grün und alle drei fuhren an. Auto Nummer eins musste anhalten, um Radfahrer und Fußgänger rüber zu lassen, Auto Nummer zwei blieb ebenfalls stehen. Aha, hatte zwar nicht geblinkt, wollte aber trotzdem rechts rum. Natürlich mussten wir ebenfalls anhalten, denn wir konnten ja schlecht vorbei. Als der Weg endlich frei war, warf Garfield noch einen Blick auf die Ampel, die er aus den Augenwinkeln gerade so noch sehen konnte. Immer noch grün, aber wir waren ja eigentlich auch schon dran vorbei. Garfield gab Gas und auf der anderen Seite der Kreuzung... blitz. Ich wurde noch nie geblitzt und habe mich tierisch erschrocken. Vor allem aber hatten wir keine Ahnung, wieso es geblitzt hatte. Wie gesagt, die Ampel hatte noch grün gezeigt, mal ganz davon abgesehen, dass wir die Haltelinie schon überquert hatten. Kurz bevor es bei uns blitzte war aber ein LKW hinter uns rechts abgebogen. Genau diesen LKW hatten wir kurz zuvor schonmal dabei beobachtet, wie er bei rot gefahren war (und dann die halbe Kreuzung blockiert hatte. So ein Idiot!). Es war also gut möglich, dass der Typ den Blitzer auslöste, als er eventuell wieder bei rot fuhr. Getroffen hat es aber uns, weil wir uns - dank der Bummelei unserer Vordermänner - immer noch auf der Kreuzung befanden. Nur so können wir uns das Ganze erklären.

Fakt ist: Wir haben nix falsch gemacht, sind absolut vorschriftsmäßig bei grün gefahren. Und trotzdem wurden wir geblitzt. Was das heißt, brauche ich niemandem zu erklären: Fahr*verbot, Geldstrafe, Punkte. Und Garfield stinkesauer. Absolut verständlich, nahm ich ihm nicht übel. Ich war ja selbst wütend wegen dieser Ungerechtigkeit. Einmal, weil wir nichts falsch gemacht hatten und trotzdem bestraft wurden, und dann natürlich weil mein ganzer schöner Plan ins Wasser gefallen war. Wiedereinmal war etwas völlig Blödes, total Unerwartetes passiert und hatte alles versaut. Ich habe das Gefühl, das häuft sich bei uns. Als mir das so nach und nach klar wurde, hätte ich nur noch heulen können. Ich brachte den Einkauf hinter mich und die Tränen liefen schon. Dazu Garfield, der so sauer war. Tolle Konstellation. Ich versuchte, Garfield zu erklären, dass meine Welt - oder besser, mein Weltbild - gerade zusammengebrochen war. Er hatte immer Recht gehabt: Das Leben IST sch***, uns passiert immer nur Mist! Was machte Garfield? Bezog mein Weinen auf sich, obwohl ich versuchte, ihm zu erklären, dass ich nicht auf ihn sauer war. Er wurde noch wütender, es kam zum Streit, alles schaukelte sich auf... Und dabei hatte meine Gefühlslage wirklich nichts mit meinem Freund zu tun, sondern einfach nur damit, dass ich von der Welt restlos enttäuscht war. 

Überraschenderweise fand Garfield sich dann recht schnell mit der Blitzergeschichte ab, wir gingen zum Kurs (Wie erwartet, langweilig.) und essen. So, wie geplant. Er hat die Sache irgendwie schon abgehakt, bzw. einen Plan gefasst. Widerspruch und sowas, das ganze Prozedere. Ich dagegen habe gar nichts abgehakt. Ich bin nach wie vor wütend über diese Ungerechtigkeit und enttäuscht von diesem Tag, der so gar nicht nach Plan verlaufen ist. So wie so viele vor ihm. Nämlich immer dann, wenn ich dachte: Heute auf keinen Fall streiten, weil dieses oder jenes ansteht! Immer dann passierte sowas Blödes. Garfield hatte eben immer Recht: Das Leben ist unfair und NICHT schön.

Was lerne ich daraus? Ich muss meine Sicht auf die Dinge ändern. Keine Pläne machen, keine Vorfreude - man wird sowieso enttäuscht. Lieber abwarten und vorsichtig sein, dann kann man wenigstens noch positiv überrascht werden, wenn dann doch alles gut wird am Ende. Super, nach 29 Jahren als überzeugte Optimistin wechsle ich nun ins feindliche Lager und lebe frei nach dem Motto: Was schief gehen kann, wird auch schief gehen. Positiv denken? Das Leben annehmen und das Gute daran entdecken? Alles bullshit.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierentrinidad schreibt am 17.01.2011 um 10:40 Uhr:ich bin sicher, jetzt wo das wochenende vorbei ist, denkst du schon nicht mehr so. das leben ist scheisse? euch passiert nur mist? hm. ihr seid beide gesund und erwartet eine kleine rosa, alles andere sind nunmal anekdoten, die gibts, machen das leben aber bestimmt nicht scheisse. ausserdem 'planst' du irgendwie dinge, die nicht planbar sind. 'wir werden nicht streiten' kannst du nicht planen. planen kannst du nur dinge, für die du alleine verantwortlich bist (ich werde heute keine schokolade essen), sobald mehr parteien in ein plan involviert sind, steigt die wahrscheinlichkeit rasant an, dass etwas eben nicht wie geplannt abläuft ;)
  2. zitierenHedera schreibt am 18.01.2011 um 15:17 Uhr:hört sich aber eher nach einer guten portion "schwangerschaftsüberreizung" an. Ich erinnere mich dunkel, dass ich als ich schwanger war sehr sehr nah am Wasser gebaut und alles aber auch alles ging mir nahe. auch ich sehe mich eigentlich eher positiv und werde immer wieder vom gegenteil überzeugt. was anderen in den schoß zu fallen scheint, muß ich mir mühsam erkämpfen um dann zuzusehen, wie ich trotzdem wieder 2 schritte zurückgehen muß. ich bin es manchmal auch leid trotzdem wieder den elan aufzubringen nach vorne zu wollen. leben ist kein ponyhof - jedenfalls für die meisten von uns ...einzig, irgendwie doch tröstlicher gedanke.
  3. zitierenPelegrina schreibt am 19.01.2011 um 11:29 Uhr:Weißte, meine Lebenseinstellung ist: Drehe alles so lange, bis Du eine gute Seite daran findest.
    Das ist jetzt kein gnadenloser Zweckoptimismus oder Verblendung, ich schaffe es einfach damit besser mit bestimmten Dingen zurecht zu kommen. Und: Es funktioniert immer!

    Dich jetzt ändern zu wollen, von der positiven Optimistin in eine griesgrämige Misanthropin, wird sowieso nicht funktionieren. Du willst Dein komplettes Wesen ändern? Läuft nicht. Mach eine Haken dran, war ein Scheißtag. Finito.
  4. zitierenAnna_Kurz schreibt am 19.01.2011 um 11:55 Uhr:Leben ist das was paassiert, während man damit beschäftigt ist Pläne zu machen!

    Geht zum Anwalt wegen der Blitzersache. ich bin sicher, dass Ihr keine Strafe bekommt!
  5. zitierenHedera schreibt am 19.01.2011 um 15:06 Uhr:rosa? biste noch da????
  6. zitierenAnna_Kurz schreibt am 19.01.2011 um 22:58 Uhr:Ich hoffe sie hat das wehenauslösende Sitzbad noch nicht gemacht;-)
  7. zitierenPelegrina schreibt am 20.01.2011 um 17:44 Uhr:AH! Dann werden wir Onkel!
  8. zitierenAnna_Kurz schreibt am 20.01.2011 um 22:34 Uhr:Ähhh...Pele, oder sollte ich sagen Mrs.Parple, wie kommst Du nun auf Onkel???
  9. zitierenPelegrina schreibt am 21.01.2011 um 11:28 Uhr:Sie bekommt doch einen Sohn! Wäre es ein Mädchen, wären wir Tante geworden. Ist doch logisch, oder? ;-)
  10. zitierenAnna_Kurz schreibt am 23.01.2011 um 13:01 Uhr:Ist es denn amtlich, dass da was zwischen den Beinchen baumelt???
  11. zitierenPelegrina schreibt am 24.01.2011 um 10:26 Uhr:Ich meine wohl. Es sei denn, da wurde mit Fingern oder so geschummelt. :-)

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.