Mission Prinz

09.06.2010 um 13:12 Uhr

Wie gewonnen, so zerronnen

Freitag Abend. Das alte Auto hat seine neuen Schuhe bekommen, außerdem einen neuen Auspuff und neues Öl. Für die Probefahrt drücken alle die Daumen. Wird das Vibrieren weg sein? Waren am Ende tatsächlich die Schlappen schuld? ... Sie waren. Der Wagen läuft völlig vibrationsfrei und viel leiser. Ich bin begeistert, die Jungs auch. Andererseits fragen sie sich, wieso sie darauf nicht schon eher gekommen sind. Seit einem Jahr doktern sie an dem Problem rum...

Am nächsten Tag soll der Auto-Opa noch gewaschen werden, denn sein letztes Bad fand vor dem Winter statt. Gemeinsam mit Garfields Bruder düse ich zur Do-it-yourself-Waschanlage. Garfields Bruder überlegt sich, dem Auto noch was Besonderes zu gönnen und verpasst ihm auch unter der Haube ein Vollbad...

Auf der Rückfahrt geht das Auto an der ersten Ampel aus. Panik im Gesicht meines Schwagers in spe. Wir spielen das Motor-an-Motor-aus-Spielchen. Zwar springt unser Auto-Opa zuverlässig immer wieder an, aber den Druck auf's Gaspedal quittiert er mit Ignoranz. Erst beim dritten oder vierten Versuch können wir weiter fahren, allerdings tritt das Problem noch ein paarmal auf. Wir sind ernsthaft besorgt und fragen uns, ob der Wagen uns vielleicht die Reinigung seiner Intimzone übel nimmt. Zuhause angekommen müssen wir Garfield beichten, dass es - wieder - Probleme gibt. Ein neues Zipperlein. Wie erwartet ist Garfield begeistert und möchte "die Dreckskarre" am liebsten anzünden. Und seinen Bruder gleich mit ;-) Bis zur Waschaktion lief das Auto ja einwandfrei. Und Garfield hatte vorher seine Zweifel daran angemeldet. Ein altes Auto überall zu waschen, hatte er für eine saublöde Idee gehalten, ließ seinen kleinen Bruder aber machen. Die Quittung stand nun vor uns: Ein Auto, das zwar nicht mehr vibrierte und beim Starten auch nicht mehr die ganze Stadt weckte, dafür aber immer mal wieder aussetzte. Muss ich sagen, dass Garfields Bruder mehr als sauer auf sich war?

Die Jungs fingen also wieder an, zu überlegen. Die Vermutung lag nahe, dass sich irgendwo Wasser gesammelt hatte, also wurden erstmal sämtliche Stecker überprüft. Tatsächlich fanden sich diverse nasse Teile, die auch getrocknet wurden, die Aussetzer aber blieben. Es wurden Teile aus- und wieder eingebaut, es wurde im schlauen Buch geblättert, es wurde geguckt und gerätselt - vergeblich. Fies war nämlich, dass unser Opa sehr unzuverlässig aussetzte. Mal lief er, dann wieder nicht. Völlig ohne erkennbares Muster. Wir hielten erstmal an der "Wasser an nicht guter Stelle"-Theorie fest und ließen das Auto stundenlang in der prallen Sonne stehen. Bekanntlich verdunstet Flüssigkeit ja bei Hitze, also ließen wir der Natur ihren Lauf, während wir Garfields Noch-Auto auf Hochglanz polierten. (Übrigens keine besonders schöne Tätigkeit in der schlimmsten Nachmittagshitze.) Tatsächlich schien diese Taktik zu helfen, denn als Garfield abends eine Testrunde drehte, machte der Wagen keine Mätzchen.

Am nächsten Morgen hatte Garfield den Termin beim Autohaus, auf den er seit knapp zwei Jahren hinfieberte: Rückgabe seines Autos. (Der Wagen hat ihm nach eigenen Aussagen nur ca. 5 Minuten Spaß gemacht. Ich frage mich, warum er ihn je genommen hat... ) Ich fuhr im Auto-Opa hinterher und hatte Bammel. Ich wußte zwar, was zu tun war, sollte der Wagen ausgehen, aber so richtig wohl war mir nicht. Schon nach wenigen Metern begann ich aber, die Probleme zu vergessen und genoss nur noch das vibrationsfreie Dahingleiten. Herrlich. Und der Motor lief wie ein Weltmeister. Ein kurzer Abstecher zur Waschanlage (Garfields Auto! Der Alte bekommt nie wieder eine Wäsche!) und weiter ging's zum Autohaus. Ähm, oder besser, es hätte weitergehen sollen. Bereits nach zwei Metern verweigerte mein Opa nämlich die Gasannahme und ging aus. Ich drehte den Zündschlüssel, einmal, zweimal, dann lief das Auto wieder. Nach dem Termin beim Autohaus wiederholte sich das Spielchen. Wir wussten nicht mehr weiter, denn mal abgesehen von dieser Kleinigkeit, läuft der Wagen wie eine Eins.

Garfields Bruder klemmte in seiner Not schließlich die Batterie ab und nach einigen Stunden wieder an. Bei den bisherigen Probefahrten stellte sich das bekannte Problem nicht ein, aber das hatten wir ja schon mehrmals. Dafür sind jetzt zwei Anzeigen tot. (Drehzahl und Temperatur) Aber wer braucht die schon...

Alte Leute... denken sich ständig ein neues Zipperlein aus und interessant zu bleiben!

Heute also Rückfahrt und ich habe Angst. Was, wenn das Auto mitten auf der Autobahn plötzlich nicht mehr vorwärts geht? Gestern abend funktionierte es einwandfrei, ich hoffe also sehr, dass das Problem sich endlich erledigt hat. Irgendwie. Nun, zur Not ist Garfield ja hinter mir und passt auf. ICH habe nämlich meinen persönlichen Bodyguard und Spur-Freihalter dabei. Ich bin ja nicht so routiniert, was Autobahnen angeht und sehr schüchtern, was das Überholen angeht. Ich bin mir nie sicher, ob eine Lücke groß genug ist, traue mich dann nicht, rauszufahren und krieche lieber ewig hinter einem LKW her. Typisch Frau eben. Garfield ist da ganz anders, der nutzt jede Lücke und fährt beneidenswert vorausschauend. Wenn wir mit zwei Autos unterwegs sind, fährt er also immer hinter mir und wenn er denkt, ich sollte mal überholen, fährt er rüber und hält mir die Spur frei. Das ist äußerst praktisch, daran könnte ich mich gewöhnen.

Anfangs macht es mich immer furchtbar nervös, die ganze Zeit das Katzengesicht von Garfields Auto im Rückspiegel zu sehen. Meine Hände sind ohnehin feucht und zittern (Was bei dem zitternden Lenkrad bisher nie auffiel.), zumindest die erste halbe Stunde. Vor allem auf den dreispurigen Abschnitten. Und dann noch der Liebste direkt hinter mir! Jedes Mal, wenn ich etwas Blödes mache, mich zum Beispiel ganz dämlich hinter einem LKW einklemmen lasse, gucke ich ängstlich nach hinten und stelle mich auf eine spätere Standpauke mit Belehrung ein. Aber, Überraschung, es kam noch nie was. Garfield hat noch nicht ein einziges Mal hinterher irgendwas gesagt. Der fährt absolut geduldig hinter mir her und lässt mich machen. Nun ja, mal gucken, ob er das heute auch schafft, mit dem neuen Auto, oder ob es ihn doch packt. Und ich, ich muss mich umgewöhnen. Keine schwarze Katze mehr hinter mir, sondern ein silberner... Ja, was eigentlich? Ich habe nachher zwei Stunden Zeit, mir genau das zu überlegen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAquarius schreibt am 14.06.2010 um 00:06 Uhr:Darf ich klugscheissen? Nach der Motorwäsche immer den Zündverteiler öffnen und trocken machen. Das ist eine bekannte Schwachstelle.
  2. zitierenRosa26Maus schreibt am 14.06.2010 um 17:47 Uhr:Klugscheissen ist hier mehr als erwünscht!

    Und: Der Zündverteiler war's leider nicht...
  3. zitierenAquarius schreibt am 14.06.2010 um 22:48 Uhr:Schade, aber ein Versuch wars wert ;-)
  4. zitierenPögi schreibt am 17.06.2010 um 13:45 Uhr:Motorwäsche nur wenn nötig! (Z.B. zuviel Öl für neuen TÜV)
    Danach gibts immer Ärger.

    Manchmal muss anschließend auch schon mal ein Zündkabel erneuert werden ...

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