Rosa im Wunderland

11.08.2014 um 11:04 Uhr

Huch, lange nichts geschrieben!

Am nächsten Abend kann ich mich auf Besuch freuen. Der Don hat versprochen, nach der Arbeit vorbei zu kommen. Um mich zu begrüßen. Ich bin ganz hibbelig, kann es gar nicht abwarten. Irgendwann kommt er tatsächlich und wir begrüßen uns, als hätten wir uns Jahre nicht gesehen. Minutenlang hänge ich an seinem Hals, während er mich drückt. Er hat sogar ein Geschenk dabei. Eine CD. Das Lied, schreibt er dazu, erinnere ihn immer an mich. Das hat mit einem running gag zwischen uns beiden zu tun. Es ist das wunderbarste Geschenk, das ich je erhalten habe. CD und Zettel habe ich immer noch. Viel Zeit habe ich leider nicht für den Don, denn es herrscht Hochbetrieb. Wochenende, Adventszeit. Wir beschließen, bald zusammen etwas zu unternehmen. Außerdem verspreche ich, ihn bald bei seiner neuen Arbeit zu besuchen.

Zwei Wochen später haben wir am gleichen Tag frei und treffen uns an einer Pariser Metrostation. Wir wollen zusammen ins Musée d'Orsay. Bisher hatten wir immer nur Spaß zusammen, nun gehen wir ins Museum. Das sind ja ganz neue Seiten. Es ist lustig, denn mit dem Don habe ich immer und überall Spaß, aber auch interessant. Dabei gucke ich mir sonst nicht gern Bilder an. Danach machen wir einen ausgedehnten Spaziergang an der Seine, wir reden und reden. Stundenlang. Bis es schließlich Zeit ist, die Freundin des Dons von der Arbeit abzuholen. Sie arbeitet in der Nähe des Eiffelturms, also sind wir bis dahin spaziert. Ich kenne sie nicht, merke aber sofort, dass sie mich nicht mag. Ich spüre ihre latente Eifersucht und finde sie wenig sympathisch. Zusammen gehen wir bis zur U-Bahn, wo wir uns verabschieden und in unterschiedliche Züge steigen. Die Erleichterung der Dame, mich endlich los zu sein, spüre ich noch Minuten später. Ich frage mich, was der Don an dieser Frau findet. (Irgendwas muss es aber sein, denn die Beiden sind inzwischen über zehn Jahre verheiratet und haben zwei Kinder.)

Ich bin traurig, dass der Don nicht mehr zu meinen Kollegen zählt, aber das neue Team ist auch nicht schlecht. Wir verstehen uns alle gut, und vor allem mit Flo verbindet mich bald etwas. Abends nimmt er mich im Auto mit und auch nachmittags fahren wir manchmal zusammen zur Arbeit. Wir lachen und reden viel. Ich mag ihn. Genauso mag ich inzwischen Line, die verklemmte Französin, und sogar mit Steph bin ich warm geworden. Das entschädigt dafür, dass ich überhaupt keinen Draht zu meiner Zimmergenossin finde. Mit den anderen beiden Mädels unterhalte ich mich wenigstens hin und wieder, aber mit Caro wechsle ich kaum ein Wort. Dabei schlafen wir in einem Zimmer! Sie ist aber auch verschlossen.

Drei Wochen nach meiner Ankunft findet die Fernsehshow statt, zu der wir alle eingeladen wurden. Ich gehe mit Nicole-la-Folle und einigen ihrer zum Teil nicht-deutschen Kollegen hin. Ich weiß, wir werden viel Spaß haben. Bereits am Eingang, als wir unsere Tickets abholen, werden wir mit Merchandising-Produkten überschüttet. Wir bekommen eine Mütze, ein Sitzkissen, Akkreditierungen, Pins. Auf dem Weg zum Veranstaltungsort – eine der Bühnen – kommt uns ein Tross Leute entgegen. Mitten drin: der Moderator. Ich hätte ihn gar nicht gesehen, aber das Mädel neben mir, eine etwas naive Deutsche, sieht ihn und ruft ganz lässig: „Hallo Kai, wie geht’s?“ Und Kai winkt und lacht. Danach ist das Mädel so erschrocken und aufgeregt ob seiner eigenen Courage, dass es zum nächsten Telefon stürmt und seine Mama anruft. Die Story, wie sie den bekannten Moderator ganz cool begrüßt hat, muss sie einfach erzählen!
Nicole-la-Folle und ihre gute Laune ist ansteckend, deshalb sind wir alle sehr ausgelassen, als wir unsere Plätze einnehmen. Wir sind eine große Gruppe, laut und lustig. Man könnte uns für betrunken halten, aber wir haben keinen Tropfen Alkohol intus. Als der Warm-upper die Bühne betritt, begrüßen wir ihn mit frenetischem Jubel. Der Typ ist gut. Er heizt die Stimmung an, klärt aber auch ein paar Basics. So fragt er zum Beispiel ins Publikum, was wir an diesem Tag so gemacht haben. Alle rufen: „Arbeiten!“, woraufhin der nette junge Mann uns erklärt, dass dies die falsche Antwort ist. Immerhin würde die Sendung an einem Sonntag ausgestrahlt, da gehen die meisten eben nicht arbeiten. Das Publikum schreit daraufhin umso lauter, dass wir alle durchaus sonntags arbeiten gehen, denn fast alle sind Castmember. Das sorgt für viele Lacher, trotzdem werden wir gebrieft, auf mögliche Fragen so zu antworten, als wären wir Durchschnittsdeutsche, die an diesem Sonntag Spaß im Park hatten. Als der Warm-up-Typ nach besonderen Talenten fragt, schreit Nicole-la-Folle neben mir, ihr Kollege könne einen Salto. Der Kollege kann zwar kein Deutsch, aber dank Nicoles Einsatz darf er auf die Bühne und sein Können zeigen. Nun sind wir noch ausgelassener. Als Kai schließlich die Bühne betritt – noch vor dem Beginn der Aufzeichnung – begrüßen wir ihn wie einen Rockstar. Der Typ ist ausgesprochen sympathisch, locker und lustig. Zumindest, solange die Kameras noch aus sind. Dann mutiert er leider zum handzahmen Schwiegermutterliebling. Die Sendung wird dann recht langweilig, einziger Höhepunkt ist der Auftritt von A*nastacia. Nach der Show aber stürmen wir die Bühne und holen uns Autogramme. Dieser Kai ist wirklich eine verdammt coole Socke!

Nach der Show bin ich so aufgekratzt, dass ich nicht sofort nach Hause kann. Ich gehe also ins Restaurant, damit meine Kollegen etwas von meiner guten Stimmung abbekommen. Es ist ruhig, ich quatsche mit Jeanne, zeige meine ganzen Sachen von der Show und als die Schicht vorbei ist... steige ich wie selbstverständlich zu ihr ins Auto. Sie bringt Nelson zum Bahnhof, damit er den Zug schafft. Ohne nachzudenken, fahre ich mit ihm mit. Im Nachhinein kann ich mir nicht erklären, wieso ich das getan habe. Ich bin nicht scharf auf ihn, ich will eigentlich auch gar nicht bei ihm übernachten, aber ich bin so guter Stimmung... Er ist natürlich überglücklich und fühlt sich wie der Größte. Ihm ist nicht entgangen, wie gut ich mich mit Flo verstehe und wie viel Zeit wir miteinander verbringen. Er ist unheimlich eifersüchtig, und mich heute Abend abzuschleppen, ist ihm ein Bedürfnis. Ich bin zum ersten Mal in seiner Wohnung und ziemlich überrascht. Es ist sehr ordentlich und auch sehr ansprechend eingerichtet. Wir essen Pizza und verbringen die Nacht zusammen. Keine denkwürdige Nacht, denn ich bin eigentlich gar nicht bei der Sache. Ja, mir ist es sogar lästig. Wieso ist dieser Kerl so anhänglich? Am nächsten Morgen gibt er sich sehr viel Mühe, mich mit einem tollen Frühstück zu verwöhnen, aber ich bin trotzdem sehr froh, als ich endlich abhauen kann. Nelson denkt, mit dieser Nacht hat er unsere „Beziehung“ neu belebt, für mich aber ist klar, dass die Sache hiermit beendet ist. Ich habe einfach kein Interesse (mehr) daran. Von nun an halte ich ihn auf Abstand.

Weihnachten kommt und geht. Ich mag nicht wirklich mit meinen Mitbewohnerinnen feiern, deshalb bin ich froh, dass ich über die kompletten Weihnachtstage arbeiten muss. Mit den Kollegen ist es doch am Schönsten. Wieder wichteln wir. Dieses Mal soll es mir nicht peinlich werden. Ich ziehe Ismael und bin sehr froh drüber. Er lässt sich von mir gern ein bisschen Deutsch beibringen, also besorge ich ein Bilderwörterbuch Deutsch für ihn. So eins für Kinder. Dazu schreibe ich eine nette Karte, in der ich die Anfangsbuchstaben seines Namens mit Attributen versehe. Netten Attributen, versteht sich. Denn Ismael ist ein toller Kerl, ich habe ihn sehr gern. Er freut sich wahnsinnig über mein Geschenk, ja, ihm kommen Tränen der Rührung als er meine Karte liest. Was für eine Steigerung gegenüber dem letzten Jahr! Ich selbst bekomme von Jeanne einen afrikanischen Kerzenständer, der auch heute noch in unserer Wohnung steht. Peinlich wird es nur für Nelson. Er bekommt ein Geschenk von unserem schwulen José, welches wir nie zu Gesicht bekommen. Wir Mädels. Die Jungs schon, denn José übergibt es in der Umkleide. Von Flo erfahre ich, dass es sich um eine Schneekugel mit einem Penis handelt. Wir alle lachen uns schlapp, Nelson ist sauer. José hat genau ins Schwarze getroffen. Pikant ist, dass ausgerechnet Nelson ein Geschenk für Flo besorgen musste. Überraschenderweise nutzt er die Gelegenheit nicht, um seinen Konkurrenten auszustechen oder bloßzustellen, sondern schenkt Flo einen richtig schönen, hochwertigen Schal. Flo überrascht das am Allermeisten. Offensichtlich glaubt Nelson, nach unserer gemeinsamen Nacht bei ihm zu Hause, wäre Flo quasi „aus dem Rennen“. Dabei habe ich an Flo doch gar kein Interesse, ich mag ihn einfach als Freund. Zumal er eine Freundin hat, wie ich inzwischen weiß. Ich habe sie einmal gesehen, als ich ihn abgeholt habe. Ein farbloses blondes Ding ohne jede Ausstrahlung.

Silvester nähert sich und damit die große Sause. Dieses Mal setzt Petra auf meine Erfahrung, denn immerhin habe ich gerade in einem Fünf-Sterne-Hotel gearbeitet. Dort habe ich drei Monate lang nichts anderes getan, als Veranstaltungen zu betreuen, also setzt sie mich natürlich beim festlichen Dinner ein. Schade, ich hätte gern wieder einen ruhigen Abend im Restaurant verbracht. Auf servieren und Getränkeservice habe ich eigentlich gar keine Lust. Wenn schon, hätte ich gern am Eingang den Begrüßungsposten gemacht, aber den bekommt Line. Immerhin werden mir die letzten beiden Tische zugeteilt und dort tauchen nicht mal alle Gäste auf. Letzten Endes habe ich also doch einen relativ ruhigen Abend. Aber lang wird er, denn bis wir alles aufgeräumt haben... Erst gegen drei sind wir fertig und da nun kein Bus mehr fährt, bietet Ismael an, uns Mädels allesamt nach Hause zu bringen. Maria, Line, Esther und ich passen gerade so ins Auto, allerdings klemmen die hinteren Türen. Wir müssen also alle vorn einsteigen und dann nach hinten klettern. Wir haben nur mit ein bisschen Sekt auf's neue Jahr angestoßen, trotzdem ist die Stimmung ausgelassen. Ein schöner Jahresbeginn.

Ein paar Tage später komme ich nach der Arbeit mit Flo in der Residenz an. Als wir aus dem Auto steigen fragt er mich, ob ich Lust hätte noch einen Film anzusehen. Spontan gehe ich auf das Angebot ein. Flo hat eine umfangreiche DVD-Sammlung UND einen Ausweis für die Videothek. Er ist ein großer Filmfan, so wie ich. Der erste Film, den wir zusammen gucken, ist „G*ladiator“. Ich lümmel auf seinem Sofa, er sitzt im Sessel. Zuerst mag ich den Film nicht sehen, weil er mich nicht besonders interessiert. Flo versichert mir aber, dass er mir gefallen wird, also gucken wir. Am Ende heule ich fast. Nebenbei trinken wir Pastis und danach reden wir. Ich erfahre so einiges über Flo und er über mich. Wir verstehen uns einfach. Das nächtliche Filme gucken wird zur Tradition zwischen uns, meist bin ich erst gegen vier im Bett. Als die Olympischen Winterspiele beginnen, entdecken wir, dass wir beide Eiskunstlaufen mögen. Die Übertragungen aus Salt Lake City laufen nachts, so dass wir zusammen gucken und fachsimpeln können. Fast jede Nacht bin ich nun bei Flo und bei der Arbeit hängen wir auch ständig zusammen. Nelson bleibt dies nicht verborgen.

07.07.2014 um 15:18 Uhr

Neue Gesichter


Es gibt tatsächlich einen neuen Manager, denn Carole hat sich vor kurzem bereits in den Mutterschutz verabschiedet. Thierry heißt der Franzose im besten Alter, der erst seit kurzem den Laden leitet.


Ich habe nicht per se ein Autoritätsproblem. Nein, ich akzeptiere Autorität durchaus, wenn sie begründet ist. Fachlich zum Beispiel. Ist der Chef ein Genie auf seinem Gebiet, hat er richtig was drauf, dann respektiere ich ihn ohne Wenn und Aber als Vorgesetzten. Fehlt ihm das Know-How, dafür ist er menschlich ein toller Kerl, ist das für mich gleichwertig und verdient ebenfalls Loyalität und Respekt. Natürlich neige ich dann dazu, die fachliche Lücke zu nutzen, um mich selbst zu profilieren und unentbehrlich zu machen, aber ich zweifle nicht an der Autorität des Chefs.

Thierry besitzt leider weder fachliche noch menschliche Qualitäten. Er ist einer dieser Menschen, die schon von Weitem Dummheit ausstrahlen. Aus jeder Pore trieft die Inkompetenz, allerdings gepaart mit völliger Selbstsicherheit. Der Mann ist Chef, aber nicht, weil er irgendwas besser kann, sondern einfach durch Glück. Oder Beziehungen. Und er lässt es raus hängen, was hier gar nicht gut ankommt. Zwar gibt es hier natürlich Hierarchien, wie überall, aber die werden nicht überbewertet. Dass alle irgendwie gleich sind gehört zum Unternehmensethos, deshalb spielt sich hier auch kein Chef auf wie ein machtgeiler Feldherr. Selbst der Hoteldirektor guckt uns Normalos nicht von oben herab an, schon allein durch das Geduze fühlt man sich irgendwie ebenbürtig. Carole war ein Kind dieses Geistes. Sie war zwar Chefin, auch autoritär, aber ebenso eine von uns. War viel zu tun, räumte sie Tische ab, ohne eine große Sache daraus zu machen. Und sie stand loyal zu ihrem Team. Auch gegen den Gast. Thierry dagegen schleimt vor den Gästen was das Zeug hält. Und lässt er sich tatsächlich einmal dazu herab, einen Handgriff im Restaurant zu tun, so geschieht das eher zu Demonstrationszwecken. „Seht her, so macht man das.“ Ist er gar an einem Abend MOD, also diensthabender Universalmanager, läuft er dermaßen wichtig durch die Gegend, dass man sich regelrecht für ihn schämen muss. Ja, wir können uns sehr gut einen riesigen Maus-Luftballon vorstellen, der über seinem Kopf schwebt und unentwegt „MOD MOD MOD“ blinkt.

Dabei hat Thierry auch noch so eine kumpelhafte Art, mit seinen „Untergebenen“ umzugehen, die aber gleichzeitig irgendwie von oben herab ist. Eine ganz unsympathische Mischung, die den Mann eigentlich nur als Volltrottel dastehen lässt. Leider ist er nunmal der Chef. Und als solcher hat er ein Problem: Es ist eine Sache, nicht gerade die Kompetenz in Person zu sein, aber eine ganz andere, wenn auch noch sämtliche Angestellten mehr Ahnung haben als man selbst. Und wenn nun so ein Volltrottel einem Team vorangestellt wird, welches teilweise seit Jahren zusammen an genau diesem Ort arbeitet, sich also wirklich bestens in sämtlichen Abläufen auskennt, dann muss sich der Volltrottel irgendwie behaupten. Ein kluger Chef würde das Wissen seiner Angestellten nutzen und vor allem wertschätzen. Aber Thierry ist nicht klug. Thierry spielt lieber den absoluten Chef – l'état c'est moi! - und unterschätzt seine Untertanen in einer Tour. Denn das ist fast das Schlimmste an so einem Chef: Sich seiner eigenen Unwissenheit völlig unbewusst, kann er sich auch nicht vorstellen, dass jemand der unter ihm steht schlauer ist. Das Beste für so einen kleinen Möchtegern-König sind natürlich neue Angestellte. Die, die aufgrund ihrer Neuheit noch weniger wissen als er. Bei denen kann er glänzen und sich groß fühlen.

Ich bin die erste Neue unter Thierry, aber ich bin eben anders. Ich bin nicht wirklich neu, ich kenne mich aus, man kennt und schätzt mich bereits. Thierrys Unvermögen muss mir natürlich sofort auffallen und das tut es auch. Der Mann ist einfach nur lächerlich, man kann ihn eigentlich nicht ernst nehmen. Aber genau das macht ihn gefährlich, denn er scheint sich dieser Tatsache durchaus bewusst zu sein. Also versucht er alles, um mich unten zu halten, mir meinen Platz zu zeigen. Mein bereits vorhandenes Wissen ignoriert er völlig, stellt mich dafür als dumm hin. Als ich nach zwei Wochen immer noch nicht an die Kasse durfte, frage ich nach. Thierry verweist auf die Euro-Schulung, denn die Währungsreform steht bevor. Ich besuche also diese Schulung, lerne alles über die neue Währung und arbeite während des Kurses natürlich auch mit der Kasse. Alles kein Problem. Danach lässt mich Thierry immer noch nicht an die Kasse, sondern besteht auf einem erneuten Kassenkurs. Ich flippe fast aus, denn mein letzter Kurs ist erst circa ein Jahr her und danach habe ich sechs Monate an dieser verdammten Kasse gearbeitet. Ich bin doch nicht völlig bescheuert! In Thierrys Augen schon, also meldet er mich für die zweitägige Schulung an. Ich habe natürlich keine Lust darauf, aber was soll ich tun?

Das Blöde an diesen Kursen ist einerseits die Zeit, denn wenn man durch die ständige Spätschicht einen anderen Rhythmus hat, ist es tatsächlich unglaublich schwer, morgens um acht zu einer Schulung zu erscheinen. Ja, man bekommt immer noch das Gratis-Frühstück in der Lobby der University, aber das entschädigt weder für das frühe Aufstehen, noch für das, was folgt. Ich sagte es bereits an anderer Stelle: Die hiesigen Schulungen sind für absolute Schwachmaten konzipiert. Alles wird elendig langsam erklärt, zwölftausendmal wiederholt, zwanzigtausendmal probiert und dann nochmal erklärt. Ganz klar, bei der Erstellung der Kursunterlagen hat man sich am schwächsten Glied orientiert. Und das sind hier im Wunderland vermutlich Schwarzafrikaner, die soeben aus einem Dorf im Busch gekommen und nicht mal auf Grundschulniveau gebildet sind. Ja, solche Menschen gibt es hier durchaus, aber die besuchen doch diese Kurse nicht. Mit ihrem schlecht verständlichen Französisch und den fragwürdigen Umgangsformen „versteckt“ man diese Leute im Abwasch oder in der Putzkolonne. Eben da, wo sie garantiert keinen Kontakt mit Gästen haben werden. An die Kasse kommt so jemand im Leben nicht, also braucht er auch keine dieser Schulungen. Dummerweise gibt es in jedem einzelnen der von mir besuchten Kurse mindestens einen Kollegen, der genau dieses Tempo braucht. Und nein, dieser eine kommt nie direkt aus dem Busch.

Erst nachdem ich diesen zweiten Kassenkurs absolviert habe, lässt Thierry mich kassieren. Damit ist die Form gewahrt und er fühlt sich groß und wichtig.

Von Thierry lerne ich eine Menge. Über das Chef-sein und über Führungsqualitäten. Er hat mein Bild von einem Vorgesetzten nachhaltig geprägt. Sollte es mich irgendwann im Leben doch noch an die Spitze verschlagen, weiß ich, dank Thierry, was ich alles NICHT tun werde.


Doch Thierry ist nicht das einzige neue Gesicht. Das Ausbildungsprogramm, welches mir meinen Don „geklaut“ hat, brachte drei junge Franzosen ins Team. Allein das hat Seltenheitswert, denn noch nie war der Anteil Einheimischer in diesem Restaurant so hoch. Adeline, Stephanie und Florent sind allesamt nur wenig älter als ich selbst. Stephanie kann ich nicht richtig einschätzen. Sie wirkt recht zugeknöpft und, ja, irgendwie bösartig. Sie grüßt artig, spricht ansonsten aber nicht viel mit mir. (Wer hätte gedacht, dass wir zwei noch richtig gute Freundinnen werden und diese Freundschaft sogar bis heute anhält? Über zehn Jahre später besteht immer noch ein Gesichtsbuchkontakt. Und führe ich morgen nach Frankreich, ließe sich unsere Freundschaft von einer Minute auf die andere wieder in eine „persönliche“ umwandeln – da bin ich mir sicher.) Das komplette Gegenteil ist Adeline. Sie ist eine Quasselstrippe, lebhaft und emotional. Wie sie Dinge dramatisieren kann... herrlich. Mit ihrer riesigen Brille und der Ponyfrisur wirkt sie sehr prüde und brav, was sie auch irgendwie ist. Durch sie mache ich meine erste indirekte Erfahrung mit dem französischen Schulsystem. Gleich am ersten Abend verkündet mir Adeline stolz, dass sie in der Schule Deutsch gelernt hat. Sieben Jahre. So lange habe ich Französisch gelernt, wir sind also ebenbürtig... Sind wir nicht. Adeline schafft keinen Satz, geschweige denn ein Gespräch auf Deutsch. Klar, sie ist eine Weile raus, aber in ihrem Kopf sind tatsächlich nur einzelne Vokabeln. Ich bin fassungslos, sie irgendwie auch. Sie erklärt mir, wie in Frankreich der Unterricht aussieht – auch in den Sprachen: Frontal, eher schriftlich. Freies Sprechen? Fehlanzeige. Referate, Diskussionen? Niemals. Ich frage mich, wie man so eine Sprache lernen will. Also, sie wirklich zu sprechen. Ich sehe Adeline an und weiß: Gar nicht.


Und dann ist da noch Flo, Florent. Er hat was von einem Hobbit (Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß, denn erst durch ihn werde ich mit diesem Thema bekannt gemacht.): Er ist nicht groß, hat ein verschmitztes Grinsen und sieht irgendwie mehr aus wie ein Engländer mit seinen rotblonden Haaren. Und dabei kommt er auch noch aus dem Süden! Gleich am ersten Abend bilden wir ein Team, denn wir werden zusammen für die Extension eingeteilt. Wir sehen die Sache ähnlich: Solange kein Gast in der Extension ist, reißen wir uns kein Bein aus. Immerhin sind andere für die restlichen Bereiche zuständig, und wir haben später noch genug zu tun. Der Saal ist riesig und mit den langen Tischen unheimlich schlecht sauber zu halten. Also postieren wir uns am Eingang des Neben-Saals, bewachen eisern das Trenn-Seil und quatschen. Flo weist mich in seine erprobte Extension-Technik ein: Er bleibt genau hier am Übergang stehen und sobald das Restaurant voller wird, lässt er vereinzelte, ausgewählte Gäste durch. Keine großen Gruppen, keine Kleinkinder. Damit drüben kein Chaos entsteht und die Arbeit schön übersichtlich bleibt. Ich bin ganz bei ihm, wir verstehen uns auf Anhieb blendend. Der Kerl hat einen wunderbaren Humor, ziemlich bösartig, und nimmt kein Blatt vor den Mund. So weist er mich - einigermaßen charmant, denn er ist ja immer noch Franzose – auf die Tatsache hin, dass vor meiner Ankunft über mich geredet wurde. Und ich hätte da so einen Ruf... Ach herrje, wie konnte ich das nur vergessen? Natürlich reden die Jungs miteinander! Mit drei von ihnen war ich im Bett, also haben sie logischerweise über mich geredet, sobald mein Name auf dem Einsatzplan auftauchte. Flo sagt es nicht direkt, aber ich höre raus, dass alle sich fragen, mit wem ich als nächstes... Ich beeile mich also zu versichern, dass dieses Mal alles anders ist. Dieses Mal werde ich brav sein, sage ich ihm, denn die Zeiten, in denen ich die „salope“ des Restaurants war, die sind vorbei. Ich weise ihn damit von vornherein in die Schranken, was einerseits gut, andererseits aber schlecht ist. Wir haben so einen wundervoll entspannten, freundschaftlichen Start miteinander. Aber später macht es die Dinge auch schwieriger. Später...

Passenderweise wohnt Flo in meiner Residenz und hat ein Auto. Für mich heißt das, ich werde sehr oft eine Mitfahrgelegenheit haben und muss nicht den Bus nehmen.


Mein zweiter erster Abend im Restaurant ist großartig. Ich habe viel Spaß mit Flo, was Nelson eifersüchtig macht. Das sehe ich ihm an. Und ich fühle mich so wunderbar zu Hause. Wie konnte ich nur jemals hier weggehen?

30.06.2014 um 14:03 Uhr

Ankommen

Es ist wirklich erstaunlich: Zweimal die gleiche Situation, aber so unterschiedlich erlebt. Vor einem guten Jahr bin ich das erste Mal in Paris angekommen. Verängstigt, eingeschüchtert durch die schiere Monumentalität meiner Reise, allein, verloren. Ein Reh. Und jetzt? Mutig. Unglaublich froh. Stark. Selbstbewusst. Orientiert. Eine Tigerin. Ja, da ist wieder das schwere Gepäck und der bevorstehende Kampf mit den Öffentlichen, aber ICH bin ein völlig anderer Mensch. Einer, der sich zu helfen weiß, auch hier. An diesem Morgen lerne ich den unschätzbaren Wert des „Hier kenne ich mich aus“-Gefühls wirklich zu schätzen. Denn es stimmt: Ich kenne mich aus. Weiß genau, wo ich hin muss und wie ich dort hin komme. Weiß, was auf mich zu kommt. Fühle mich nicht fremd, sondern irgendwie zu Hause. Angekommen. Nur mein Gepäck, das ist so schwer... Die große Tasche, der Koffer. Wie soll ich das ganze Zeug jemals durch die Metro bis zum Zug bringen? Doch Hilfe naht, denn ich werde von einem schwarzen jungen Mann angesprochen. Das ist keine Überraschung, denn das werde ich immer und überall. (Es sind immer dieselben jungen Männer, egal ob in Paris oder gar hier, in dem kleinen Ort am See. Ich muss irgendwas an mir haben, was diese Männer anzieht.) Ich kenne das also bereits, habe schon gelernt. Vor einem Jahr hätte ich mich verschüchtert der Situation entzogen oder wäre völlig offen und ehrlich gewesen. Zu schüchtern um zu lügen. Jetzt aber gehe ich auf den Kerl ein, spreche mit ihm. Als er hört, wo ich hin will (Ich nenne natürlich nicht das Endziel, sondern erzähle, ich wäre Studentin.), bietet er von ganz allein an, mich bis zur Bahn zu begleiten und meine Tasche zu tragen. Fantastisch. Ja, ich bin eine Schlampe. Der Typ macht sich wahrscheinlich wirklich Hoffnungen und ich nutze ihn aus. Und gebe ihm dann beim Abschied eine falsche Handynummer. Aber was soll's, selbst schuld. Was DENKEN sich diese Männer eigentlich, wenn sie Frauen auf der Straße anquatschen? Und die tun das wirklich notorisch!

Ich sitze also irgendwann im Zug Richtung Wunderland und habe ein kleines schlechtes Gewissen. Ich beschließe, dass dies meine letzte „schlampige“ Aktion war. Dieses Mal will ich alles richtig machen, will nicht die Teamschlampe werden, die mit jedem mal was hat. Ich nehme mir ganz fest vor, dieses Mal NICHTS mit einem Kollegen anzufangen. Und ich hoffe inständig, dass Nelsons Gefühle für mich sich inzwischen verflüchtigt haben.


Im Wunderland angekommen, suche ich das Personalbüro auf, unterschreibe meinen Vertrag und werde von dem für die Deutschen zuständigen Personalfuzzi persönlich in die Residenz chauffiert. Meine größte Angst stellt sich als unbegründet heraus, denn ich werde in der schönsten und besten der Residenzen einquartiert. Der „Baiserie“, wie sie gern genannt wird. Nicht ohne Grund. Unterwegs erzählt mir Markus, dass demnächst, also kurz vor Weihnachten, eine deutsche Fernsehshow im Wunderland gastieren wird. Leider haben sich nur sehr wenige Menschen entschlossen, ein Ticket für diese Sendung zu kaufen und extra dafür hierher zu fahren. Deshalb lädt man nun die Angestellten ein. Gratis. Man braucht ja händeringend Zuschauer, wie sähe das sonst aus, im Fernsehen? Wir müssen nur eine Nummer anrufen und die gewünschte Anzahl Tickets reservieren, schon sind wir dabei. Es gibt sogar einen internationalen Stargast. Ich beschließe sofort, dort hinzugehen, auch wenn ich die Sendung noch nie vorher gesehen habe.

In der Residenz angekommen, erwartet mich eine Überraschung. An der Rezeption sitzt Calixte. Er hat die Stelle gewechselt und erkennt mich sofort. Unsere letzte Begegnung – nicht so freundlich – hat er wohl vergessen, denn er strahlt mich fröhlich an. Ich hinterlege die Kaution, unterschreibe den Mietvertrag und werde zu meiner Wohnung geleitet. Ein Viererappartment, dessen eine Bewohnerin sogar da ist. So lerne ich Mandy kennen. Ein lebenslustiges, zupackendes, freundliches Mädel aus Thüringen. Sie erzählt mir auch gleich von den anderen: ihre Zimmergenossin ist eine Schulfreundin. Katja. Die Beiden sind vor zwei Monaten gemeinsam hergekommen. Meine Zimmergenossin ist Caro aus Dresden. Die ursprüngliche Vierte im Bunde hat nach sechs Wochen das Handtuch geworfen und ist wieder nach Hause gefahren. Und nun komme eben ich. Keine optimale Konstellation, denn die vier waren bereits ein eingeschworenes Team. Seltsamerweise macht mir das nicht viel aus, denn ich habe ja schon Freunde. Ich kenne meine Arbeitsstelle, meine Kollegen, das ganze Drumherum. Das ist auch für meine neuen Mitbewohnerinnen irgendwie seltsam. Vielleicht ist es das, was sie auf Abstand hält. Ich bin zu selbstsicher.

Ich richte mich ein, lerne noch am gleichen Tag die anderen Mädels kennen und freue mich immer noch riesig. Am nächsten Tag werde ich bei der Arbeit erwartet.

Natürlich ist mir klar, dass es nicht mehr genauso sein wird. Das Team wird sich verändert haben. Der Don ist weg, das weiß ich. Ebenso Laura. Sicher gibt es Neue. Aber das Stamm-Team, soviel weiß ich, ist noch immer gleich. Jeanne und Chantal, der verrückte José, Maria und Esther, Javi. Florence, unsere Wochenendhilfe ist auch noch da. Meine Verflossenen: Enrico, Gregory, Nelson. Und die Anführer: Petra und Ismael. Aber vielleicht gibt es ja einen neuen Manager? Jetzt, wo Carole schwanger ist?


Am nächsten Morgen kümmere ich mich ersteinmal um den Einkauf, damit ich etwas zu Essen habe. Die anderen Mädels kochen sich jeden Abend opulente Mahlzeiten (und lassen das Geschirr dann stehen – was mich bald sehr nerven wird!) und kaufen deshalb gemeinsam ein. Da ich aufgrund meiner Abendschicht quasi nie bei diesen Essen dabei sein werde, lohnt es sich für mich nicht, beim gemeinsamen Haushalt mitzumachen. Vielleicht kommt auch das nicht so gut an. Am Nachmittag steige ich frohen Mutes in den Bus – ach, ist das schön. Dieses vertraute Gedrängel. Das Stimmen- und Sprachengewirr. Ich bin zu Hause. Als ich nach bekannten Gesichtern suche, finde ich ich keine. Komisch. Zumindest Esther oder Maria müsste ich doch im Bus sehen. Dieses Rätsel löst sich, als ich im Restaurant eintreffe. Alle sind bereits umgezogen und bei der Arbeit. Man hat die Anfangszeit inzwischen eine halbe Stunde nach vorn gelegt, was mir aber niemand mitgeteilt hat. So komme ich gleich an meinem zweiten ersten Arbeitstag zu spät, was Ismael mit Humor nimmt. Ich kann ja nichts dafür. Aber das soll nicht die einzige Überraschung sein...

23.06.2014 um 11:27 Uhr

Der Plan

Vielleicht lag es am Don. Er hatte kurz nach meiner Abreise die Stelle gewechselt und arbeitete nun im Park. Als ich ihn an dem Wochenende dort besuchen wollte, war er nicht da. Der Schuft hatte frei. Ihn nicht zu sehen, hinterließ ein zutiefst unbefriedigendes Gefühl. Vielleicht war auch meine generelle Unzufriedenheit mit der Ausbildung schuld. Auf jeden Fall fiel die kurze Zeit im Wunderland, das Wiedersehen mit vielen Kollegen und Freunden, auf fruchtbaren Boden. In meinem Kopf rumorte es wie wild und innerhalb kürzester Zeit war ein Plan entstanden. Eventuell konnte man das so machen... Vor der Abreise am Sonntag lief ich noch einmal kurz zu „meinem“ Restaurant. Ismael war schon bei der Arbeit, also besprach ich mich kurz mit ihm. Ich erläuterte meinen Plan und bat ihn um Hilfe. Er war spontan begeistert und gab mir die Faxnummer des Büros. Der Abschied fiel mir leicht.

Wieder in München und zurück bei der Arbeit kam mir alles plötzlich noch blöder vor. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Im Internet-Café schrieb ich meinen Lebenslauf – das war die Zeit, bevor ich einen Laptop besaß – und ließ ihn vom EDV-Center des Hotels nach Frankreich faxen. Dazu eine Nachricht für Petra. Meinen Plan behielt ich erstmal für mich, nur Hanna war eingeweiht und ein bisschen neidisch. Ich hatte beschlossen, die Ausbildung mit Ende der Probezeit abzubrechen. Im April würde ich ein Studium beginnen, ich musste mich nur noch für das Wo und das Was entscheiden. Allerdings hatte ich eine Idee. In der Zwischenzeit wollte ich noch einmal ins Wunderland – Geld für's Studium verdienen. Ich hatte ein wahnsinnig schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber, hatten sie doch gerade erst meinem Umzug hierher gestemmt. Es war klar, dass ich den Abbruch des Ganzen allein bewältigen musste. Ich beschloss also, mich von meinen paar Möbeln zu trennen und den Kleinkram komplett bei Hanna einzulagern. Die wohnte inzwischen in einer eigenen kleinen Wohnung, die ihre Eltern gekauft hatten. Es gab Unternehmen, die Möbel gratis abholten, also hatte ich nicht viel Aufwand. Ich musste nur meine Wohnung kündigen – was bei der Immobilienlage wirklich kein Problem war – und die Ausbildung. Das wollte ich mir für den letzten Tag der Probezeit aufheben. Filmreif wollte ich ins Personalbüro spazieren und sagen: „Ich kündige.“ Ein paar befreundete Kollegen wussten von meinem Vorhaben, aber für die Vorgesetzten wäre es eine Überraschung. Nicht, dass mir das ein schlechtes Gewissen bereitet hätte. Verpflichtet fühlte ich mich nur gegenüber meinen Eltern, deshalb wollte ich die Sache mit dem Studium unter Dach und Fach haben, bevor ich es ihnen sagte. Ich entschied mich für ein Lehramtsstudium der Sprachen an einer Uni in meinem Heimatbundesland. Infomaterial wurde geordert, Kontakt zur Uni wurde aufgenommen. Von Frankreich aus würde ich nicht allzuviel ausrichten können, deshalb musste vorher alles klar sein. Anfang November hatte ich ohnehin Urlaub, ein Besuch bei meinen Eltern war für diese Zeit geplant. Dann würde ich es ihnen sagen...

Auch ein Brief aus dem Wunderland traf recht schnell ein. Ismael hatte sich um alles gekümmert und schickte mir meinen Vertrag. Wie gewünscht bekam ich einen Zeitvertrag vom 1. Dezember bis zum 15. März. Das Studium würde am 1. April beginnen und so hatte ich noch zwei Wochen Zeit, mich vorzubereiten. Den Antrag für das Wohnheimzimmer würde ich erst von Frankreich aus abschicken können, dafür war es jetzt noch zu früh.

Am letzten Oktobertag übergab ich meinem Vorgesetzten die Kündigung. Sofort wurde ich zum Personalchef gebeten, der mich nach meinen Gründen fragte. Ich erklärte, dass ich lieber studieren möchte, erwähnte aber auch die schlechte Stimmung im Team und dass ich mich als Azubi manchmal recht allein gelassen gefühlt hatte. Der nette Herr hatte Verständnis und wünschte mir viel Glück. Später erfuhr ich von einer Freundin, dass meine Kündigung für ganz schönen Wirbel gesorgt hatte. Der Personalchef hatte meine Vorgesetzten und Teamleader zum Gespräch gebeten, um herauszufinden, ob sie sich gut um ihre Azubis kümmern bzw. wie es um die Stimmung im Team bestellt wäre. Immerhin hatte ich in der Abteilung gearbeitet, die bei den Auszubildenden als beliebteste galt, wegen des guten Teams. Dass ich mich gerade dort nicht wohl gefühlt hatte, kratzte wohl ganz schön am Image.

Zwei Tage später fuhr ich auf Elternbesuch nach Hause. Tagelang schleppte ich mein Geständnis mit mir rum, wartete auf die richtige Gelegenheit. Schließlich sagte ich es meiner Mutter, als wir zusammen in der Stadt waren. Sie nahm es erstaunlich gut auf, immerhin hatte ich einen Alternativplan. Direkt danach trafen wir zufällig meinen Onkel, was mir in die Karten spielte. Mein Cousin hatte vor kurzem ebenfalls in meinem Hotel angefangen, erstmal bei mir gewohnt, nach drei Tagen aber hingeschmissen. Er war mit dem Zug wieder nach Hause gefahren, und hatte meinen Hausstand so auch etwas vergrößert. Meine Tante hatte ihm so einiges mitgegeben, was nun ebenfalls bei Hanna lagern würde. Jedenfalls hatte mein Onkel vollstes Verständnis, immerhin hatte sein Sohn sich in dem Hotel ja auch nicht wohl gefühlt. (Ich glaube ja eher, dass meinem Cousin seine Freundin gefehlt hat. Die beiden hatten bis dato immer zusammen gearbeitet.) Mein Vater war weniger verständnisvoll, sogar ziemlich enttäuscht. Aber ich war erwachsen und in der Lage, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Das akzeptierte er.

Wieder zurück in München bereitete ich alles für meine Abreise vor. Hanna war wieder eine große Hilfe. Sie half mir beim Packen, zusammen brachten wir alles in ihren Keller, und auch bei der – stressigen – Wohnungsübergabe war sie an meiner Seite.

Da ich nun schonmal in München war, wollte ich auch genauso komfortabel ins Wunderland fahren, wie Hanna das damals getan hatte. Per Bus, der einen direkt vor dem gewünschten Hotel absetzt. Das Internet offenbarte mir, dass an meinem gewünschten Termin – zwei Tage vor Arbeitsbeginn – kein Bus fuhr. Ich stiefelte trotzdem zum nächsten Reisebüro und fragte nach. Die Dame war äußerst nett, bestritt die Internet-Infos und verkaufte mir ein Busticket für den 29. November. Sie erklärte mir auch noch, wo der Bus abfuhr und wünschte mir eine gute Reise.

Hanna war genauso irritiert wie ich. Wir waren uns relativ sicher, dass an diesem Tag kein Bus Richtung Paris fahren würde. Jedenfalls nicht laut Winterfahrplan. Und wir hatten ja eindeutig Winter. Aber ich hatte mein Ticket, also begaben wir uns am 29. November nachmittags zum ZOB. Dort stellten wir fest, was wir geahnt hatten: Kein Bus. Nicht heute. Ich war unglaublich sauer und rief in dem Reisebüro an. Zum Glück war die Dame, die mir das Ticket verkauft hatte, da, und sie war unglaublich erleichtert, als ich anrief. Sie meinte, sie hätte ihren Fehler schon vor Tagen bemerkt und mich anrufen wollen, aber da ich nicht im Telefonbuch stand... Jedenfalls ging ja heute Abend ein Zug, der war noch zu schaffen. Sie wollte mich am Bahnhof treffen und mir dort mein Geld erstatten. Und noch eine kleine Entschädigung für den ganzen Ärger. Also nochmal durch die ganze Stadt mit dem schweren Gepäck. Am Bahnhof kaufte ich das Zugticket und traf mich dann mit der Dame vom Reisebüro. Es war ihr sichtlich unangenehm. Sie übergab mir das Geld für das Ticket und noch eine stattliche Summe dazu. Es reichte fast für die Zugfahrkarte, so dass ich quasi gratis fuhr. (Und da ich die Fahrkarte ohnehin vom Wunderland erstattet bekam, gewann ich doppelt.) Natürlich würde ich nun wieder in Paris am Bahnhof ankommen und musste dann die Öffentlichen bis zum Wunderland nehmen, mit schwerem Gepäck. Das hatte ich eigentlich vermeiden wollen, aber nun ging es eben nicht anders. Ich verabschiedete mich von Hanna, steig in den Zug und freute mich. Riesig.

16.06.2014 um 15:42 Uhr

Post Scriptum

Nach einer turbulenten Busfahrt landete ich am nächsten Morgen am Berliner ZOB, wo mich meine Eltern in Empfang nahmen.

Sidekick: Es war meine erste Fahrt in einem „Überlandbus“ gewesen und ich war nicht gewillt, das so schnell zu wiederholen. Der Fahrer hatte seine Frau dabei gehabt, beide äußerst unfreundlich und latent ausländerfeindlich. Wie passend, als Fahrer eines international verkehrenden Busunternehmens... Einige Fahrgäste waren schwarze Franzosen gewesen, die hatten die ausschließlich deutschen Ansagen natürlich nicht verstanden und waren nach einer Pause folglich zu spät wieder am Bus angekommen. Es hatte sich eine heftige Diskussion angeschlossen, die damit geendet hatte, dass der Herr Busfahrer betonte: Mein Bus ist deutsches Hoheitsgebiet, also bestimme ich. Ich hatte mich in meinem Sitz sehr klein zusammen gerollt und wäre vor Scham gern im Boden versunken. Sidekick Ende.


Meine Eltern düsten noch am selben Tag in den Urlaub, so dass ich am Wochenende eine Überraschungsgrillparty für meine Freundinnen geben konnte. Es war seltsam: Ich tauchte einfach so wieder in mein altes Leben ein. Völlig problemlos. Natürlich war es komisch, sich nach neun Monaten alleine und eigenverantwortlich leben wieder in eine Familie einzufügen, aber es ging. Ich telefonierte regelmäßig mit Hanna, die mir bereits eine Woche später erzählte, ihre Eltern hätte sie überraschend besucht. Hatten nicht nur den Großteil ihres Gepäcks gleich im Auto mitgenommen, sondern auch meinen Rest. Ich würde ja ohnehin bald nach München ziehen, also hatte sich das angeboten. Der Grund für die Reise mit meinem Bruder war damit entfallen, aber wir beschlossen, trotzdem zu fahren. Wann würde sich diese Gelegenheit wieder bieten?

Drei Wochen, nachdem ich wieder in Deutschland angekommen war, saß ich also schon wieder im Zug nach Paris. Es war eine lustige, aufregende Reise. Dieses Mal war ich Gast, Tourist, auch wenn ich mich nicht so fühlte. Mein Bruder war zwölf und ein lieber Kerl, der perfekte Reisebegleiter. Er hatte gerade mal ein Jahr Französisch hinter sich, aber ich zwang ihn, seine Sprachkenntnisse auszuprobieren, woimmer es ging. Er „durfte“ die Busfahrkarten kaufen, im Supermarkt bezahlen, all solche Sachen. Der Ärmste. Wir hatten viel Spaß.


Majo hatte ihr Praktikum inzwischen beendet und war abgereist, so dass Hanna bereits zwei neue Mitbewohnerinnen hatte. Zwei sehr lebhafte Italienerinnen... die brachten Leben in die Bude. Ich merkte Hanna gleich an, dass sie ihre eigene Abreise herbeisehnte. Die beiden Damen brachten einfach viel Unordnung und viel Lärm in die Wohnung. Da das große Zimmer also belegt war, mussten mein Bruder und ich mit bei Hanna schlafen. Melli und Annelies waren Abel ebenfalls los geworden, hatten aber noch niemand „Neues“. Das dritte Bett war also frei und wir liehen uns kurzerhand die Matratze aus. Ich zeigte meinem Bruder „mein“ Restaurant (wo er prompt ein Kompliment von Javi, dem schwulen Spanier bekam... ), den Park, Paris. Als ich Nelson im Restaurant begegnete war ich spontan sehr froh über die Anwesenheit meines Bruders, denn er war der beste Grund ein „privates“ Treffen abzulehnen. Nelson war sehr enttäuscht, aber ich konnte ihn mit Mühe auf Abstand halten. Was hatte der sich denn erhofft?

Als Hanna am Tag unserer Abreise morgens schnell ihre Post an der Rezeption holen wollte, traf sie auf einen sehr, sehr bösen Calixte. Der, der immer so freundlich gewesen war, funkelte uns wütend an. Er erzählte uns, er hätte in Appartment XY (Melli und Annelies) das Fehlen einer Matratze festgestellt. Was er dort gewollt hatte? Keine Ahnung. Jedenfalls hatte er dann einige andere Appartments besucht und schließlich bei Hanna eine zusätzliche Matratze gefunden. Er stauchte uns zusammen, was das solle, dass das so nicht gehe usw. usf. Wir versprachen die schnellstmögliche Rückgabe und sahen zu, dass wir Land gewannen. Was war dem denn für eine Laus über die Leber gelaufen?

Die Zeit verging viel zu schnell und nur einen gefühlten Augenblick nach der Ankunft saßen wir schon wieder im Zug.


Für mich begann nun eine aufregende Zeit, die „Ferien“ waren vorbei. Es war Ende Juni, am ersten August würde meine Ausbildung in München beginnen. Bis dahin musste ich eine Wohnung dort finden und natürlich umziehen. Das mit der Wohnung war dann doch einfacher als gedacht. Kaum war Hanna ebenfalls wieder zuhause, fuhr ich sie für ein paar Tage besuchen. Ich sah mir ein paar WG-Zimmer an, aber bereits am zweiten Abend hatte Hannas Mutter eine Wohnung für mich aufgetan. Ein Zimmer, Küche, Bad, Balkon, relativ groß, gute Lage, bezahlbar. Die Mutter einer Kollegin... Vitamin B eben. Ich war ein Glückspilz und konnte guten Gewissens nach Hause fahren. Der Umzug wurde für den Tag vor Ausbildungsbeginn festgelegt, den 31. Juli.


Die letzten paar Wochen vergingen rasend schnell. Ich war mitten in den Umzugsvorbereitungen, als mich ein Brief von Nelson erreichte. Er schmeichelte und jammerte, wie sehr er mich vermisse. Das Ganze in einer wirklichen schönen Schrift. Irgendwie tat das auch gut, so angehimmelt zu werden. Zumal es ja keinen Sinn mehr hatte, ich war weg. Im PS die Neuigkeit, dass Managerin Carole schwanger war. Ach, wie schön für sie. Irgendwie hatten wir alle das vorher vermutet, wieso auch immer.


Mein Umzug stand unter keinem guten Stern. An dem Tag sollte es wahnsinnig heiß werden, wer kriecht da schon gern mit einem Anhänger über die Autobahn?

Am Tag vorher beluden mein Papa und mein Cousin den Anhänger mit meinen paar Möbeln und diversen Kisten. Alle meine Habseligkeiten. Wir waren gerade fertig und saßen in der Küche am Tisch, als es draußen rumste. Wie konnten die Quelle des Geräusches nicht ausmachen, aber wenig später entdeckten wir unsere Katze, die sich Richtung Garage schleppte. Sie zog das Hinterteil nach. Oje, vermutlich hatte ein Auto sie angefahren! Augenblicklich verfrachteten wir die Ärmste ins Auto und fuhren in die Tierklinik. Abends. Mein Cousin kam mit, er wohnte ohnehin dort um die Ecke. Der Tierarzt stellte eine gebrochene Hüfte fest und erklärte, dass dies bei Katzen nicht so schlimm wäre und von allein wieder zusammen wachse. Nur Medikamente bräuchte sie eben. Meine Eltern würden mich am nächsten Tag nach München fahren und drei Tage dort bleiben, trotzdem entschied mein Papa, die Katze nicht in der Klinik zu lassen. Er fand, dass meine Schwester das schon schaffen würde. (Sie war danach ziemlich sauer. Der Katze die Medi zu verabreichen, war wohl kein Spaß gewesen und hatte ihr die paar Tage sturmfrei doch erheblich „versaut“.)

Am nächsten Morgen ging es früh los, aber dank Stau kamen wir doch in die größte Mittagshitze. Ich saß hinten und döste irgendwie vor mich in. Ich fühlte mich schrecklich. An einer Raststätte wurde ich gar ohnmächtig – sowas war mir vorher auch noch nicht passiert! Als wir endlich an meiner Wohnung ankamen war immerhin Hanna da und hatte ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Sie half beim Abladen und wir aßen alle gemeinsam. Viel schafften wir nicht mehr, denn ich musste früh raus und wollte ausgeruht sein. Während ich am 1. August Kennenlernspielchen, Hotelführungen und Putzaktionen absolvierte, richteten meine Eltern meine Wohnung her. Sie kauften Vorhänge, bauten Möbel auf und an, meine Mutter packte meine Kisten aus. (DAS wiederum war mir gar nicht recht!) Abends gingen wir zusammen mit Hannas kompletter Familie in einen Biergarten, damit meine Eltern noch etwas typisch Münchnerisches kennen lernten, bevor sie am nächsten Tag wieder abreisten.


Und dann war ich allein. Ich hatte meine Wohnung, ich hatte meine Arbeit. Nette Kollegen, ja, aber es war nicht wie im Wunderland. Allein der Führungsstil hier gefiel mir gar nicht. Alle taten so, als wären sie Wunder was, nur weil sie im H*lton arbeiteten. Dabei war es hier eigentlich nicht viel anders als in „meinem“ Zwei-Sterne-Schuppen im Wunderland. Ich hatte Hanna, wir sahen uns mindestens einmal pro Woche. Ich unternahm Dinge mit Kollegen. Ich ging in die Berufsschule – ein echtes Abenteuer. Dort kam ja alles zusammen, und so sah das dann auch aus, vom Niveau her. Die Klassenlehrerin gab allen Ernstes genau vor, wie wir die Unterlagen für die einzelnen Fächer aufzubewahren hatten. Ein Ordner mit so und so vielen Unterteilungen. Am nächsten Tag ging sie rum und kontrollierte, zählte nach, ob jeder genug Trennblätter im Ordner hatte. Der reinste Kindergarten! Ich knüpfte zarte Freundschaftsbande zu Kollegen und Mitschülern, da gab es durchaus Potenzial. Allein, ich fühlte mich nicht wohl. Die Stadt gefiel mir nicht, die Arbeit war „nur“ Arbeit und bei der Vorstellung, zweieinhalb Jahre so weiter zu machen, wurde mir ganz anders. Zudem sehnte ich mich danach, meinen Kopf zu benutzen, was weder im Hotel noch in der „Schule“ erforderlich war.


Dann kam der 11. September 2001. Ich hatte Frühschicht und bereitete mit ein paar Kollegen den großen Saal für eine Versammlung vor. Wir stellten Tische, verteilten Schreibutensilien und Getränke. Irgendwann kam der erste von der nächsten Schicht dazu und erzählte, ein Flugzeug wäre ins WTC in NY geflogen. Wir überlegten noch, wie sowas denn passieren konnte, als jemand anderes angerannt kam und von einem zweiten Flugzeug berichtete. Wir mussten natürlich weiter arbeiten, aber wir waren aufgeregt und völlig fertig. Die unmittelbare Chefin (eine sehr unsympathische Dame übrigens) meinte nur, mit Bush als Präsident würde nun der dritte Weltkrieg ausbrechen. Erst am frühen Nachmittag, kurz vor Schichtende, waren wir im Saal fertig und konnten raus. Unser Büro lag direkt an einer Art Lounge, welche sich elegant über der Lobby erhob. Dort standen Sofas und ein Fernseher. Vor diesem Fernseher hatte sich die halbe Belegschaft versammelt, in stummem Entsetzen. Wir konnten nur einen flüchtigen Blick auf den Bildschirm werfen, das Geschehen nicht mal ganz erfassen, da scheuchte uns die Chefin schon weiter. Während die meisten Kollegen wie angewurzelt vor dem TV standen, durften wir Azubis uns dort nicht aufhalten. Kurz darauf war meine Schicht zu Ende, ich schwang mich auf's Rad, fuhr im Eiltempo nach Hause, setzte mich vor meinen winzigen Fernseher und blieb für die nächsten zwei Tage dort sitzen. Ich hatte frei und brauchte die Wohnung nicht zu verlassen. Ich weinte, ich telefonierte mit meiner Mama, ich konnte mich nicht vom Bildschirm trennen. Verstehen konnte ich nicht, was dort passiert war. Sowas kann man nicht verstehen. Das Seltsame war: Meine Gedanken wanderten immer wieder ins Wunderland. Ich fragte mich, wie die Freunde dort wohl „davon“ erfahren hatten. Und Hanna und ich waren uns einig, dass dort ganz sicher die große Panik ausgebrochen war. Immerhin war es ein amerikanisches Unternehmen.

 

Ende September telefonierte Hanna mit Melli, die inzwischen ebenfalls „wieder da“ war und studierte. Sie hatte sich ein Auto gekauft und schlug vor, zu dritt für ein Wochenende ins Wunderland zu fahren. Von Mellis Heimatort aus war es gar nicht so weit, nur ein paar Stunden Fahrt. Anfang Oktober hatte ich tatsächlich ein ganzes Wochenende frei, also traf ich mich eines Freitags nach der Arbeit mit Hanna am Bahnhof. Wir fuhren mit dem Zug zu Melli, quetschten uns dort in ihren winzigen Fiat und los ging's nach Frankreich. Am frühen Morgen kamen wir an. Annelies war nun ganz allein in dem Appartment, hatte also genug Platz für uns. Noch vor dem Frühstück aber entdeckte sie eine riesige Spinne in der Küche, woraufhin sie solche Panik bekam, dass wir spontan beschlossen, im Hotel zu nächtigen. In dem, in dem Annelies arbeitete, mit Sonderkonditionen, wodurch es spottbillig war.

Abends gingen wir zum Essen in „mein“ Restaurant. Was für eine Überraschung für meine Ex-Kollegen! Und ich? Für mich war es wie nach Hause kommen. München, das Hotel, meine Wohnung – alles war auf einmal weit weg und unwichtig. Es war nur eine Frage von Augenblicken und ich wusste: Ich bin hier noch nicht fertig.