Boys don´t cry

29.06.2007 um 23:05 Uhr

12. Tag

von: Ryan

(Gleich zu anfang: Ich bin kognitiv nicht auf der Höhe irgendwie gramatikalisch korrekt zu schreiben, die Qualität meiner Beiträge sinkt mit jedem weiteren Tag, an dem ich nicht genügend Schlaf bekomme und arbeiten muss. Schreibfehler werde ich aus Gründen der Bequemlichkeit nicht korrigieren.)

Es ist so gut wie vorbei - ich kann auch langsam nicht mehr. Ich hab Angst mir nen Burn-Out-Syndrom einzufangen. Wir lernen immer noch wie die Bekloppten, ich arbeite viel und hart (die Station ist mal wieder knackig-voll) und jetzt so 14 Tage ohne einen Tag frei ... dann kriecht man aufm Zahnfleisch nach Hause und denkt sich morgens schon, dass man keinen Bock auf den Tag hat. Einen Tag bin ich fast zusammengebrochen. Ich hab mich mit ner doofen Schülerin rumschlagen müssen, hatte morgens verschlafen, hab für jeden den Arsch hinhalten müssen und jeder, der schlechte Laune hatte, hat es irgendwie an mir ausgelassen. Zum Beispiel wurde ich von der OP-Schwester angepampt, weil der Anästhesie-Arzt keine Aufklärungsgespräche geführt hatte - ist das mein Fehler? - NEIN! - oder es ruft ne andere Station an und wollen die Information über eine Patientin und ich sag noch: "Tut mir leid, da kann ich nichts zu sagen, aber ich hol die Kollegin, die die Patientin betreut." - was kommt als Antwort: "Ihr seid ja scheisse organisiert ..." ... naja, ich war der Arsch für alle, die grade schlechte Laune hatten - und als ich dann noch vom Chirurgen zusammengebrüllt wurde, weil ne frische OP-Naht angefangen hat zu bluten - und das war der Fehler vom OP, weil die zuwenig Fäden benutzt hatten! ich hab alle Erst-maßnahmen getroffen, dokumentiert, Druckverband gemacht, hatte frühzeitig bescheid gesagt und drauf bestanden, dass jemand drauf guckt - und der Typ mich dann noch vor Patienten und Kollegen zusammenscheisst, war Feierabend bei mir. Ich hab ihm das Verbandsmaterial vor die Füße geschmissen, meinte, wenn er meine ich sei inkompetent, dann soll er doch seine Verbände selbst machen und bin türenknallender Weise raus ... ne andere Kollegin nur: "Wasn mit dir los?!" als die mich übern Flur stampfen gesehen hat und ich hab nur sowas gesagt wie: "Ich hab keinen Bock mehr, ich geh rauchen!" - Sie natürlich sofort hinterher und hat mich gefragt was passiert ist ... und beim Rauchen bin ich in Tränen ausgebrochen und hab ihr gesagt, dass ich für JEDEN der Arsch war, ALLE ihre schlechte Laune an mir auslassen, keiner sieht, dass ich mir den Arsch abarbeite und nebenbei lerne wie ein Bescheuerter - und dass ich eigentlich total verliebt bin und für das alles eigentlich gar keinen Nerv hab und mir trotzdem soviel Mühe gebe und nur Arschtritte kriege ... Fazit: Die Kollegin war super lieb zu mir, nach der Zigarette ging es mir auch sichtlich besser - ne andere Kollegin kam auch sofort super besorgt auf mich zu als wir zurück kamen und meinte, sie habe mich noch nie so erlebt, dass ich so ausgeklingt sei - ich bin echt nen ruhiger Mensch, aber da war sowas von Feierabend ...

Der Chirurg kam ne Stunde später nochmal an, hat sich zwar nicht entschuldigt direkt - aber indirekt und fragte so ganz vorsichtig: "Also Ryan, wie läufts mit dem Examen?" - und ich stand grade am Aktenwagen und meinte ohne ihn anzuschauen: "Tja ... ich arbeite 8 Stunden hier und lerne danach noch bis 10-11 Uhr abends und wenn ich mehr als 5 Stunden Schlaf kriege, bin ich zufrieden mit dem Tag." Er fragte dann: "Und, wissen Sie schon, ob Sie übernommen werden?" - "Nein." Gesprächspause und dann sagte er plötzlich: "Ich werde bei der PDL fragen, ob wir Sie für die Chirurgie haben können - wenn SIE chirurgisch arbeiten möchte ..." - Daraufhin war ich platt und sagte nur sowas wie. "Joah ... ich mag Chirurgie ..." Ich fass das mal als indirekte Entschuldigung von seiner Seite auf.

Ansonsten mein Privatleben besteht aus LERNEN und meiner Freundin. Aus dem ersten mehr als aus dem zweiteren und das ist eigentlich echt doof, weil wir so verliebt sind und soviel Zeit miteinander verbringen möchte, die wir beide gar nicht haben. Wir haben auch einen so gegensätzlichen Dienstplan, wie es nur geht. Ich hatte die Woche Frühdienst, sie hatte Spätdienst. Wenn ich Feierabend habe, fängt ihr Dienst an, wenn ihrer endet, schlafe ich schon. Und jetzt wo ich bald frei hab, geht sie in den Nachtdienst. Super Planung. Aber ich bin so froh, dass ich sie habe. Ich bin so begeistert von ihr und ich könnte vor Glück platzen. Ich mag alles an ihr, wirklich alles. Ich vermisse es neben ihr zu schlafen ...

Wir hatten neulich einen Frühdienst zusammen, allerdings auf unterschiedlichen Stationen und wir haben eine Patientin von ihrer Station übernommen, die Steffi vorher betreut hatte. Und wir haben telefoniert (dazu muss man sagen, Steffi war alleine im Dienstzimmer, sollte mir am Telefon ne Übergabe der Patientin machen und mir saßen 5 Leute im Nacken). Steffi ruft also an und ich konnte echt nicht offen sprechen. Und Steffi sagt so Sachen am Telefon nach der Übergabe wie: "Weisst du eigentlich, dass ich dich süß finde?" und ich nur: "Äh ja, seh ich grade inner Akte." - "Sind da grade Leute, die bei dir zuhören?" - "Ja genau." - Steffi lacht und sagt sowas wie: "Ich könnt dich grade knutschen." und ich nur: "Ja, Röntgen ist bereits angemeldet." - so ging das fast 10 Minuten lang.

Apropo geheimhalten (es geht mir ja richtig aufm Keks, aber muss halt ...) - nachdem ich da so abgedreht bin und mit der Kollegin eine geraucht hatte zum runterkommen, sprach sie mich nochmal inner ruhigen Minute an: "Ich dachte du bist Single - und du bist jetzt verliebt?" - "Ja, sehr sogar." - "Und sie? Oder er?" - "Nein sie ... SIE ist auch sehr verliebt in mich." - "Das hört sich doch großartig an! Wo hast du sie kennen gelernt?!" - Ryan duckst rum ... und dann irgendwann: "Also: Es ist Steffi!" - "Steffi?! Ist sie deine Freundin?!" - "Ja ..." andächtige Pause und dann fängt die Kollegin an zu grinsen und meint: "Oh mein Gott, ist das süüüß!!" Sie hat sich total gefreut - ist halt doof, wenn man sich verquatscht, sowas passiert mir leider öfter, ich muss mich echt zusammen reissen.


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