Boys don´t cry

09.12.2004 um 14:00 Uhr

schlaflose Nacht

von: Ryan

Ich bin schon wieder mit so ziemlich allem überfordert, ich bin zu fett, ich trinken zu viel, bin zu launisch, hab Angst vor meinem Beruf und bin die Unsicherheit in Person ...

Es ist ziemlich schwer morgens aufzustehen und verantwortungsvoll ein halbwegs erfülltes und glückliches Leben zu führen.

Mir wurde gestern eröffnet dass sich jemand in mich verliebt habe. Ich schlucke und denk mir: "Wie geht das?" Und dann kommen so Gedanken wie: Was hab ich denn gemacht? Was hab ich für Reize ausgestrahlt?
Ich war ein einziges Mal unehrlich, aber wer weiss ob es nicht auch trotzdem passiert wäre. Für sowas kann niemand was, das passiert - Gefühle sind was unpraktisches.

Mir tut das so unendlich leid, ich bin ja wieder zu blöd und denk mir nichts. Auf diese ganzen Mann-Frau-Gefühlsgeschichten bin ich nie von alleine gekommen. Vielleicht ist das auch komplizierter für Frauen, ich weiss nicht.
Aber was soll ich denn machen? Aufhören nett zu sein? Obwohl nett-sein hört sich auch wieder nach ich weiss nicht was an. Ich hab sofort wieder tausend böse Assoziationen.
Ich hasse es schon wieder nen Kerl zu sein.

Mich hat die ganze Sache völlig durcheinander gebracht. Ich hab den ganzen Abend drüber nachgedacht und die ganze Nacht wach gelegen.
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Bin ich glücklich in dieser Beziehung? Wie glücklich kann man sein? Liebe ich meine Freundin so wie man jemanden lieben sollte, wenn man mit ihm zusammen ist? Ist es fair mit ihr zusammen zu sein, wenn ich mir eigentlich über nichts im klarem bin? Brauche ich sie "nur" als seelische Stütze? Bin ich nur mit ihr zusammen weil ich nicht alleine sein kann? Bin ich überhaupt beziehungsfähig oder wären wir alleine besser dran?
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Das alles sollte ich beantworten können, das sollte ich alles wissen wenn ich in mich tief rein horche und meine Gefühle überprüfen. Nur leider steht da nicht auf einer Tafel: "Liebe zu Schatzi: 70%" und ich denk mir, 70% sind klasse, alles bestens.

Statt dessen lieg ich die ganze Nacht wach.
Irgendwann hat sie sich zu mir umgedreht und meinte: „Du bist ja noch wach.“ – „Ich kann nicht schlafen.“ Sie legt den Kopf auf meine Schulter. „Liebst du mich?“ – „Sehr sogar.“ Sie lächelt und schläft wieder ein.
Und ich hab mich gefragt, ob das ehrlich war oder Gewohnheit. Ich sollte mich sowas nicht fragen.

07.12.2004 um 15:06 Uhr

Rainer M. Rilke

von: Ryan

Einsamkeit

Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen;
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.

Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen ...


So laß uns Abschied nehmen

So laß uns Abschied nehmen wie zwei Sterne
durch jenes Übermaß von Nacht getrennt,
das eine Nähe ist, die sich an Ferne
erprobt und an dem Fernsten sich erkennt.

02.12.2004 um 14:00 Uhr

Sehnsüchte

von: Ryan

Musik: Foo Fighters - Walking after you

Ich sehn mich so nach einem Menschen ... der mich in den Arm nimmt ... nach irgendwelcher Nähe ... nach Armen, die mich halten ... nach irgendeinem vertrauten Geruch ... nach Händen auf meinem Rücken ...

Fast unerträglich ...

Ich fühl mich auseinander gleitend ... und niemand ist da, der mich zusammen halten kann ... oder es wenigstens versucht.

Ich brauche keine schlauen Lösungen für meine Probleme, ich will nicht drüber sprechen - ich will eigentlich grade gar nicht mehr sprechen müssen.

Das passt nicht in mein Weltbild - irgendwelche Sehnsüchte ... sowas will ich nicht haben. Sowas kann man nicht fassen. Aber irgendwie ist sowas doch da. Und das frisst mich auf.

Ich reagier auf alles, das ist nicht fair. Auf jeden, der nen halbwegs breites Kreuz hat zum anlehnen und Arme in denen man sich wohlfühlen könnte oder nen Zentimeter Haut, der warm und weich sein könnte ... so anlehnungsbedürftig will ich nicht sein.