Boys don´t cry

30.03.2005 um 11:22 Uhr

Noch ein Tag in meinem Leben

von: Ryan

Musik: 2Raumwohnung - Nimm mich mit

Ich muss gleich zum Spätdienst und mein Leben ist eigentlich ganz schön. Ich überspiel vieles, kann mich ablenken, aber vielleicht muss das so sein. Ich muss wirklich versuchen weniger Alkohol zu trinken, ich trink viel zu regelmäßig.

Ansonsten was kann man neues sagen? Ich hatte mein Zwischengespräch mit meiner Mentorin ... sie hat mich so gelobt, ich krieg mich vor Freude gar nicht mehr ein.

Es ist auch nen ziemlicher Kick für mein Selbstbewusstsein, dass ich merke wie positiv ich auf die Menschen wirke. Das ist mir vielleicht vorher nie klar geworden, weil ich noch nie wirklich etwas gut konnte.
Und jetzt kommt es nur noch selten vor, dass ich eigentlich nichts zu erzählen hab, still bin oder so. Und wenn dann gleich morgens so ne Sätze kommen wie: "Wann haben wir mal wieder Dienst zusammen? Es macht Spaß mit dir zu arbeiten." ist das natürlich wahnsinnig schön.
Klein-Ryan entdeckt die große Arbeitswelt.

Ich hör im Moment dauernd "Paint it black". Im Trailer von Echoes kam das Lied und jetzt muss ich es immer hören. Mieke hat mir ansonsten "Opium fürs Volk" ausgeliehen, die kann ich mittlerweile auch auswendig.

Ich wieg immer noch 64,4 ... ich fress schon wie nen Idiot Diätjoghurt und hab meine Hauptmahlzeiten auf 2 pro Tag reduziert. Ich muss echt abnehmen, ich werd wahnsinnig mit diesem Gewicht. 62 kg ist genau das was ich akzeptieren kann und will, ich will nie wieder 70 kg wiegen müssen.
Mutti und 3 Kolleginnen meinten Weight Watchers solle ich ausprobieren ... oh man ... hmpf ich probiers erstmal mit FdH, das hat bei mir immer gut funktioniert.

Auf zur Arbeit, ich mag den Spätdienst eigentlich, auch wenn nicht viel zu tun ist. Ich schlaf bei Mieke und morgen früh müssen Mutti und ich dringend nach nem neuen Handy gucken. Das ist eigentlich mein Abi Geschenk gewesen und das möchte ich jetzt unbedingt haben.

27.03.2005 um 16:12 Uhr

Ostersonntag

von: Ryan

Musik: Westernhagen

Seltsam ... ich nutze meine freien Tage. Ich stehe morgens auf und denke mir: "Und was mache ich heute?!"

Gestern waren wir aufm Hamburger Dom, das absolute Volksfest hier. Wir sind einmal rüber gelaufen, Pizza und Pommes gefuttert, haben uns über Plüsch-Schnappi totgelacht und über das neue "Liebes-Dorf". Wie kommt man auf so bescheuerte Ideen?

Danach waren wir in Schnelsen beim Osterfeuer zusammen mit Basti. Basti und ich saßen natürlich sofort wieder rotweintrinkender Weise auf einer Bank und waren nur am gackern.

Für heute ist Pizza und DVD Abend geplant.

25.03.2005 um 16:49 Uhr

Update of my Life

von: Ryan

Musik: 2Raumwohnung - Sexy Girl

Ich weiss nicht wie es mir geht, ich könnte glücklicher sein aber es könnte mir auch schlechter gehen. Ich bin sehr gereizt ist mir aufgefallen ... und ich schlafe mehr als sonst.

Ich hab wieder ne Menge gearbeitet. Und wenn ich nach hause komme, hab ich nur die Arbeit im Kopf, ich esse, schlafe und muss schneller zur Arbeit als dass ich meinen ersten Arbeitstag hätte Revue passieren lassen können.
Ich glaube, es staut sich dann ne Menge an.
Und wenn ich mit wem rede, hab ich eben auch nur das Thema Arbeit. Aber wenn ich mit Kollegen rede, sprechen wir seltsamer Weise selten von der Arbeit. Oder es kommt mir so vor.

Ich gehe anders mit Menschen um. Ich versuche nicht irgendwer zu sein, ich bin wirklich ich. Ich rede mit Menschen über Dinge, die mir grade einfallen. Das ist sehr gut, grade die gegenteilige Situation hat mich früher gehindert zu sprechen und dementsprechend war ich leise.

Ich fühle mich mittlerweile ganz wohl auf der Station, auch wenn ich ab und zu noch ziemlich angeschissen werde. Aber das werden alle und irgendwie ... naja, man hat dann sofort den Rest der Schicht, bei denen man sich anheulen kann und die das verstehen.
Mit meinen Mitschülern, mit denen ich auf der Station bin, komm ich noch besser als vorher aus. Auch die aus nem anderen Kurs.

Und zu meinen Fähigkeiten:´
Ich musste neulich Röntgenbilder suchen ... bin also im ganzen Krankenhaus von Station zu Station gelaufen: "Ich bin von Station 2, habt ihr vielleicht unsere Röntgenbilder?"
Und dann guckte mich eine Schwester an und meinte: "Hey, du bist der Lernpfleger von dem xy so geschwärmt hat."
Ich: "Hö?!"
"Ja, sie meinte du wärst so weit und ziemlich gut, mindestens aufm Stand vom zweiten Ausbildungsjahr, du warst vorher KPH?" - "Äh ... nein ..."
Ich will ja nicht angeben ... aber ich bin so derartig glücklich, das gefunden zu haben was mir liegt, was ich endlich auf Anhieb kann und mir nicht immer und immer wieder die Zähne ausbeisse und doch nicht voran komme.

Im Detail meine Fortschritte: s.c. spritzen kann ich ziemlich gut. Clexane, Heparin und Co sticht man ja in den Bauch, und es gibt ne Menge Patienten, die nach einigen Tagen den Bauch voller blauer Flecken haben.
Mit einem Blick in die Akte kann man teilweise auch rausfinden wer wann gespritzt hat und dementsprechend sehen auch die blauen Flecken aus, oder das jemand gar nicht die Subcutis getroffen hat, sondern cutan gespritzt hat ...
Naja, ich hab meine Patienten beobachtet und irgendwie kriegen die von mir keine blauen Flecken (ich hab teilweise sogar die Einstichstelle makiert um zwei Tage später zu gucken). Und wir haben ne Krankenschwester als Patientin, die meinte ich mache das wirklich sehr gut.

Weiterhin darf ich jetzt:
- Braunüllen ziehen
- Fäden ziehen
- Wundverbände machen
- Klammern ziehen

Redonsziehen ist in Arbeit, soll ich aber nächste Woche auch noch zwei mal machen.

Heute abend geh ich zu ner Geburtstagsparty, geduscht bin ich schon, aber essen sollte ich dringend nochmal was.
Ich wieg immer noch 65kg, ist das zu fassen? Ich glaube ich hab Wasser eingelagert -.-

25.03.2005 um 13:31 Uhr

Nur so

von: Ryan

mood: müde, gleichgültig

music: "American Idiot" von Green Day

clothes: Jeans mit Schlag, Flip Flops, graues T-Shirt, Kopftuch (ich hasse meine Haare grade)

last talk: Real: Chris(topher), am Tel.: Anna, I-Net: Weiss ich nimmer, Ewigkeiten her

done: nach Hause gefahren, umgezogen, was zu trinken geholt

to do: Haus aufräumen, eine Aufgabe schreiben, später zu ner Party

last smile: Mieke

last sms: Elaine

book: "Dreizehn" von Wolfgang Hohlbein, aber ich habs seit gestern Abend durch, evtl. wollte ich Herr der Ringe mal anfangen zu lesen

eat / drink: Bitter Lemon, Wasser, gegessen noch nichts

weather: bedeckt, Nieselregen, aber warm

19.03.2005 um 02:35 Uhr

Von alten Freunden und anderen Welten

von: Ryan

Musik: Muse - Feeling good

Man ... ich hab so zugenommen ... der Knopf meiner Arbeitshose geht nimmer zu ... böses Zeichen ...

Ansonsten komm ich grad von ner Party ... naja so dolle war sie nicht ... ab heute wieder einige Tage Arbeiten durchgehend. Macht aber Spaß, ich lerne viel, eine Schwester mag mich sehr, wunderbar.

Und sonst so ... das übliche, in meinem Kopf kreisen die gleichen Dinge. Das ist nervig.

Ich hab heute Nacht geträumt ich sei in Australien, einige Leute kamen mich ab und zu besuchen, um zu schauen wie ich da so lebe. Ansonsten aber sehr abgegrenzt von meinem alten Leben. Und irgendwie kam ich da auch nicht zurück zu dem, was ich mal hatte. Der Traum trifft es sehr gut.
Vielleicht ist das einfach so, wenn man mit der Schule aufhört. Ich hatte heute auch sehr oft das Gefühle, dass einige Leute die gleichen bleiben. Sie studieren, sie jobben irgendwo und warten aufm Studienplatz, sie haben noch die gleichen Stärken und Schwächen ... aber ich bin irgendwie anders, in einer anderen Welt, in deiner anderen Umgebung. Irgendwie so.

16.03.2005 um 09:45 Uhr

Ich bin so müde ...

von: Ryan

Musik: Distillers - Love is paranoid

Mutti ist im Urlaub, ich hab grad Wäsche gemacht und wäre sicherlich um diese Uhrzeit noch net wach, hätte man mich net aus dem Bett geschmissen.

Ansonsten hab ich auch zu wenig geschlafen, weil Mieke gestern ankam mit "Bist du eigentlich glücklich mit mir?"
R: "Ich glaub schon ... und du mit mir?"
M: "Nein ... nicht mehr."
Und dann ging die Grundsatzdiskussion los, dass ich zu sehr auf der Arbeit eingespannt bin, die dann auch komplett im Kopf mit mir rumtrage ... ich glaube es wäre alles anders, wenn sie auch mehr ausgelastet wäre. Ansonsten haben wir einiges geklärt ... UUUUND wenn ich ganz viel Glück habe, krieg ich schon mitte April eine Wohnung, plus Mitbewohner, den ich eh schon abgöttisch liebe.
Internetanschluss ist auch schon dran (also ich bin dann nicht plötzlich weg), Parkettfussboden, Kellerraum, Einbauküche ... ach ich weiss net, die Wohnung ist einfach genial. Und eine Straße neben dem Krankenhaus, d.h. ich könnte Fahrrad fahren (was ich mir dann auch festvornehme).

15.03.2005 um 00:17 Uhr

Heute gehts mir wieder gut.

von: Ryan

Musik: Green Day - Minority

Ich mag die Spätschicht. Ich kann viele Zimmer alleine machen, mir wird gezeigt wie die OP Vorbereitungen ablaufen und die ersten Patienten haben sich richtig gefreut dass ich wieder da war.

Ich hab den kläglichen Versuch gestartet irgendwen übers I-Net kennen zu lernen, eigentlich nicht ernsthaft aber irgendwie versuchen kann man es ja mal, wo ich doch seit Wochen und Monaten nicht mehr feiern war.
Ich legs wirklich drauf an, furchtbar. Und dann auch noch armselig übers Internet *kopfschüttel* Und sowieso hab ich heute wieder gemerkt, dass diese Methode wenig Sinn macht oder man einfach sehr viel Ausdauer haben muss, wenn man wen vernünftiges kennen lernen will, der nicht noch 300 km weit weg wohnt.
Ich mag gar nicht drüber nachdenken, ich bin so blöd.

Heute war ein ITS-Pfleger bei uns oben ... oh ich musste mich so zusammen reissen, um nicht wie ein Honigkuchenpferdchen zu strahlen weil der so süß ist.
Der kam an mir vorbei, hat freundlich gegrüßt, sooo unglaublich niedlich mich angelächelt und ich stand da aufm Flur und dachte nur: "Scheisse, hör auf den so dämlich anzugrinsen!!!"

Ansonsten hab ich übermorgen frei und wir gehen feiern. Ich freu mich sehr drauf.

13.03.2005 um 14:32 Uhr

Sehnsucht

von: Ryan

Musik: Audioslave - Like a stone

Am Freitag kam ich von der Arbeit. 11 Tage in Folge gearbeitet, ich hab versucht mich auf mein Frei zu freuen aber da war irgendwie nichts. Eher so ein: "Oh ... ich habe frei ... was mach ich denn damit jetzt? Wie soll ich die Zeit füllen?"
Mittlerweile hab ich auch rausgefunden, dass es mir nicht viel hilft dauernd und immer beschäftigt zu sein. Ersten ich brech dann irgendwann zusammen und zweitens kommt es doch alles irgendwie durch.

"Ich hab das Gefühl du gehst ein." sagt ein Mensch, der mich kaum kennt.

Wie geht das alles weiter? Ich bin sehnsüchtig und fühl mich gleichzeitig zu leer um sie zu füllen. Statt dessen versuche ich es mit Wein, Kaffee, Zigaretten, Arbeit und Essen.

Ich hab Schreckensvisionen wie mein Leben weitergeht. Ich stumpfe immer mehr ab um nicht alles ganz so schlimm zu finden. Ich werde immer über die Arbeit jammern, aus Frust essen, somit langsam (wenn ich mich zurück halte) 20 kg in einigen Jahren zunehmen, mich dadurch noch mehr hassen. Wenn ich kein Alkoholproblem entwickel, werde ich sicherlich Lungenkrebs kriegen oder nen Herzinfarkt weil ich einfach zu wenig auf meinen Körper achte. Aber mir ist ja eh alles egal.
Ich werde Mieke heiraten, weil ich irgendwann an dem Punkt bin wo mir die Motivation fehlt mir wen neues zu suchen oder die Gefühle um mich nochmal auf wen einzulassen. Und weil ich net alleine sein will und mir ganz gut einreden kann dass die Sympathie zu ihr Liebe sein muss, heirate ich sie.
Sie schmeisst unser beider Leben, ich bin immer passiv solange bis sie ihrer Traumfrau übern Weg läuft, dann mit ihr zusammen in irgendeinem kleinen Häuschen wohnt und auf Okö-Lesbe macht.

Ich hab jetzt schon Selbstmordgedanken.
Natürlich hab ich mein Leben im Griff, natürlich achte ich darauf dass nichts brökelt, was ich den Leuten zeigen und mir selbst versuche einzureden, dass es wahr ist. Oder es ist einfach war und ich rede mir meine Depressionen oder was auch immer das sein mag ein.
Auf jeden Fall muss ich jetzt endlich irgendwas tun.

11.03.2005 um 16:40 Uhr

Kommt mir sehr bekannt vor

von: Ryan

Musik: Depeche Mode - Only when I lose myself

Depressive Episode

Hierbei handelt es sich um eine depressive Verstimmung, die meist mit Hemmung von Denken und Antrieb und Schlafstörungen einher geht. Das Ausmaß reicht von leicht gedrückter Stimmung bis zu einem schwermütigen "Gefühl der Gefühllosigkeit". Oft herrschen quälende Angst und innere Unruhe. Der Depressive erlebt die Umwelt als grau, häufig kommt es zu sozialem Rückzug. Das Selbstmordrisiko ist bei dieser Erkrankung sehr hoch, 40 - 80% der Patienten haben Selbstmordgedanken. Äußerlich ist bei Depressiven häufig mangelnde Mimik und Gestik und eine leise, zögernde Stimme zu bemerken. Aufgrund des Erscheinungsbildes unterscheidet man folgende Untertypen:

  • Gehemmte Depression: Diese Form ist gekennzeichnet durch reduzierte Aktivität, bis hin zur Bewegungslosigkeit.

  • Agitierte Depression: Sie zeichnet sich durch ängstliche Getriebenheit, Bewegungsunruhe und unproduktive Hektik aus.
  • Larvierte Depression: Bei dieser Erscheinungsformen stehen körperliche Beschwerden (z.B. Schwindel, Kopfdruck) im Vordergrund.


...


Dysthymia

Bei dieser Störung handelt es sich um eine chronische depressive Verstimmung leichten Grades. Zwar klagt der Betroffene über Müdigkeit, Unzulänglichkeit, Anstrengung, Schlafstörungen und den Verlust der Genussfähigkeit, ist aber in der Regel fähig, mit dem Alltag zurechtzukommen. Diese Form beginnt meist im frühen Erwachsenenalter. Folgende Sonderformen lassen sich unterscheiden:

...

  • Erschöpfungsdepression: Sie tritt auf nach einer Dauerbelastung oder wiederholten schweren Schicksalsschlägen.

09.03.2005 um 04:38 Uhr

Tag 8

von: Ryan

Augenränder, Kaffee, Blut, Betten beziehen, Leichen, kaputte Hände, Spritzen, Wäschesäcke, Handschuhe und Pflasterstreifen, hochansteckende Krankheiten, stundenlangen Wasch- und Cremeorgien, Urienbeutel, Schizophrenie und irgendwie gibt man mir eigentlich permanent das Gefühl, dass ich einfach für alles zu blöd bin ... und weil ich mir dann besonders Mühe geben will, werde ich unsicher, arbeite nicht wie immer, frage mich lapidare Dinge und bau Fehler rein.

Kleinigkeiten einfach ... wenn ich 6 Betten mache und in einem ist ne Falte, wird auf dieser Falte solange rumgeritten bis ich genau weiss, dass ich zu blöd bin um ein Bett zu machen.
Dann kommen dazu noch irgendwie widersprüchliche Dinge, die einen komplett verwirren und wahrscheinlich nur in dem Moment richtig sind, weil mal grade wer gute Laune hat.
Und das schlimmste mittlerweile: Am Anfang hab ich es mir noch so erklärt, dass ich auf Fehler "zu direkt" hingewiesen werde ... mittlerweile fühle ich mich nur noch vorgeführt, und ich bin mit meiner Meinung nicht alleine.

*wieder mal nur auskotzt*

07.03.2005 um 15:37 Uhr

Update:

von: Ryan


Wochenende gut überstanden, zu wenig geschlafen, zu wenig gegessen, zuviel Kaffee, Samstag schon vor Erschöpfung gekotzt, heute innerlich gekotzt ...

Boah, ich schmeiss da das ganze Wochenende eine Station alleine und heute konnte ich mir anhören, ob ich richtig Blutdruck messen könnte ... was soll das?
Oder so Sachen wie: Patient kollabiert fast, aber alle anderen haben Zeit zum Rauchen.

ABER alle Patienten mögen mich, 2 Pfleger haben bereits von sich aus gesagt, dass sie was in meine Bewertung schreiben wollen, dass ich positiv und äußerst korrekt in Stressituationen gehandelt hätte ... und dann kam heute der Satz, dass ich sehr, sehr viel drauf hätte.

04.03.2005 um 23:31 Uhr

Abends ...

von: Ryan

Hab ich heute gemeckert über 3 Leute auf 37 Patienten?

Morgen tut sich die Hölle auf ... erst stand ich ganz alleine aufm Dienstplan ... hallo? Jetzt kommt noch eine Kraft von ner anderen Station dazu (die im übrigen noch nie auf ner Chirurgie war, ist aber okay ... ich bete jetzt schon, dass der nicht so ist wie man mir gesagt ist.) Ich brech jetzt schon in Hektik aus, wenn ich nur dran denke ...

Es liegt ja nicht an der Station, die Leute die net krank sind, arbeiten auch grade schon ihren 15. Tag durch und so ne Scherze.

Darf man das eigentlich? Ne ganze Station zwei Leuten in die Hand drücken, wo sich einer net auskennt und der andere grade mal 2 Woche da arbeitet (mal davon abgesehen dass ich Schüler bin).
Dann haben sich irgendwelche Scherzkekse überlegt, dass am WE operiert wird ... die Frühschicht ist auch so unterbesetzt, dass die das nicht machen können. Rufbereitschaft kommt schon zur Frühschicht, es ist doch alles nicht wahr ...

Im Grunde genommen ist das alles grob fahrlässig, nicht nur dass wir da im Dauerstress sein werden, sondern auch, dass da ne Menge passieren kann. Ganz ganz anders wurde mir, als ich ne Liste gekriegt hab wen wir wiederbeleben müssen im Notfall und wen nicht ... das Arbeit liegen bleibt für die Nachtschwester oder dass ich länger da bleiben muss, ist eingeplant.
Sonntag hab ich dann ne Spätschicht, Montag die Frühschicht, dann lass mich mal Sonntag noch 2 Std länger da bleiben, dann brauch ich schon nicht mehr nach Hause gehen ... da hiess es schon: "Dann kannste mit der Nachtschwester in Ruhe alles fertig machen und dich in das eine leere Zimmer legen für nen paar Stunden, auf jeden Fall stell ich dir da das Bett schon mal rein falls das Sonntag wirklich lange dauern sollte."
Ich kann mir auch nen Zelt vorm Krankenhaus aufbauen, ist okay ... sag mal, ich werd bescheuert, seh ich so aus als würde ich 3 Schichten hintereinander schieben wollen?
Es kann nicht wahr sein, ich möcht nur noch schreien ...

04.03.2005 um 11:30 Uhr

Morgens

von: Ryan

Was kann man sagen ... mein Leben läuft ganz gut, bis auf die Tatsache, dass ich heute morgen extra früher aufgestanden bin, kein Kaffee da war und die Dusche besetzt (weil mein Vater das ist -.-)

Ansonsten - Spätschicht gefällt mir gut und die Leute mit denen ich die letzten paar Tage gearbeitet hab, sind echt super lieb gewesen und haben mir alles erklärt, und warum man was wie macht und bla bla. Dann fang ich auch automatisch an zu fragen bei jedem Scheiss "Wieso ist der Verband so und so? Wie machst du das? Was ziehst du da auf?"

Vor der Schicht treff ich alle im Keller, die grade Pause von der Frühschicht machen oder grade zur Spätschicht kommen, das ist immer lustig "Ach, du hier?"
Ich glaube das ganze Krankenhaus lernt sich im Keller kennen. Irgendwo da neben unseren Umkleiden sollen die Leichen gelagert werden ... seltsamer Weise ist niemand so scharf drauf rauszufinden wo genau das ist.

Die ersten unheimlichen Geschichten hab ich schon gehört, bzw. miterlebt. Aber das erzähl ich ein anderes mal, ich kann nur sagen, dass ich im Moment immer nen halben Herzkasper kriege, sobald ich nen Infusomator piepen höre ... Fortsetzung folgt.

11 Tage am Stück arbeite ich jetzt ... Heute ist Tag Nummer (... ich weiss es grad nicht *rechne*) Tag 4 muss es sein. Das WE arbeite ich noch durch bis zum Freitag und dann das WE hab ich frei.
Man verliert dieses Gefühl für Wochentage irgendwann. Ich hab gestern mit der Nachtschwester gerätzelt was für nen Wochentag überhaupt ist, sie sagte Mittwoch, ich sagte Dienstag, Blick aufm Kalender sagte: Donnerstag.
Dann ist heute Freitag ... ich fühl mich nicht wie Freitag. Ich darf da auch gar nicht so drüber nachdenken, ich krieg sonst nen Nervenzusammenbruch beim Gedanken an 11 Tage Arbeit ohne einen einzigen freien Tag.

Und die Psychatrie hat schon wieder angeklingelt ob sie nen Pfleger von uns haben können ... nein, wir sind so unterbesetzt, dass wir keinen schicken können (ich wär nämlich schon wieder der Idiot gewesen, der auf die Psych gemusst hätte, aber wir waren gestern schon nur 3 Leute auf 37 Patienten, heute sollen wir sogar 4 Leute sein, Starbesetzung.

-8 Grad sind draussen ... warum tut man mir sowas an?

02.03.2005 um 23:53 Uhr

Aha

von: Ryan

Ursachen für Selbstverletzendes Verhalten:

Um die Ursachen für SVV herauszufinden, betrachtet man die Zeit von Kindheit bis Pubertät. Verschiedene Gegebenheiten während dieser Zeit können zuverlässige Indikatoren für die Häufigkeit wie auch die Schwere der Verletzungen sein.
"... Vernachlässigung ist der stärkste Auslöser für SVV. Dieses deutet darauf hin, dass obwohl ein Kindheitstrauma ein starker Auslöser für den Beginn des selbstverletzenden Verhaltens ist, die Vernachlässigung dieses Verhalten aufrechterhält. Die, die sich nicht erinnern konnten, sich als Kind als etwas besonderes gefühlt zu haben oder von geliebt zu sein, waren am wenigsten fähig ihre Selbstverletzung unter Kontrolle zu bekommen."

Opfer von sexuellem Missbrauch neigen am ehesten von allen zum Schneiden. Je früher der Missbrauch anfing, desto eher griffen die Betroffenen zum Messer und desto tiefer waren die Schnitte.
Obwohl sexueller und physischer Missbrauch und Vernachlässigung SVV offensichtlich stark begünstigen, hält die Umkehrthese diesem nicht stand. Viele von denen die sich selber verletzen, haben in der Kindheit keinen Missbrauch erlebt.

Linehan (1993a) spricht darüber, dass Leute mit SVV in krankmachender Umgebung aufgewachsen sind. Während natürlich Missbrauch ganz sicher krank macht, so gibt es jedoch auch andere, ganz "normale" Situationen, die auch krank machen können.
Sie sagt:
"Eine Umgebung, in der der Mensch nicht beachtet und geachtet wird ist eine, welche persönliche Erfahrungen unstet, unangemessen oder extrem spiegelt. In anderen Worten ist das Formulieren von eigenen Erfahrungen nicht erwünscht; anstatt dessen wird es oft bestraft und/oder ins Lächerliche gezogen. Das Formulieren von schmerzvollen Erfahrungen wird abgelehnt. Die persönliche Auslegung des eigenen Verhaltens, inklusive der Erfahrung, mit welcher Absicht und Motivation etwas getan wurde, werden abgewertet..."

02.03.2005 um 11:42 Uhr

Vor der Schicht

von: Ryan

Musik: Green Day vs. Oasis - Boulevard of broken songs

Ich hab die Bestättigung ... ich bin nicht der einzige, der sich unwohl fühlt. Gestern wars aber ganz angenehm, wir haben zusammen die Augen verdreht, zusammen gemeckert wie furchtbar es da ist ...

... und die Altenpfleger sind wieder die Härte. Uns wurde doch allen ernstes vorgeworfen, wir würden den Beruf nur machen weil wir soviel Bock haben knietief im Blut zu wandern.
Tja, am ersten Tag kommt sowas nicht gut ...

Was kann man noch sagen? Ansonsten ist mein Leben wie immer, arbeiten, nach Hause kommen, Essen, ausruhen, schlafen.
Draussen schneit es immer noch, ich hasse es. Ich hab auch nicht wirklich Schuhe, die Schnee ab können.
Ich hab jetzt mal so ne ganz weite Karohose von früher aus meiner "dicken" Punkzeit an, die ist wenigstens warm auch wenn sich gleich zwei Personen kaputt lachen werden.

62,2kg ... waren wohl doch Wassereinlagerungen.