Boys don´t cry

26.12.2005 um 23:56 Uhr

Wunder und so

von: Ryan

Musik: Dieser Film auf RTL 2 im Hintergrund

Mein Tag war heute seltsam. Ich bin aufgewacht und hatte eigentlich keine Motivation aufzustehen. Eigentlich hatte ich auch nichts zu tun, nichts wofür es sich hätte lohnen können. Wir haben gestern nen Spieleabend gemacht, Pizza bestellt ... ich hab heute morgen erstmal die Rest verdrückt und gleich Vormittags nen Deprianfall gehabt wegen meinem Körper.

Eine sehr weite Hose ist plötzlich sehr eng. Ich hab danach irgendwie nicht viel gegessen. Ne heisse Tasse ... naja um 18.30 saß ich vorm Fernseher, hab Pizza gefressen, den Fressteller von gestern geplündert und hab geheult bei Sissi. Großartig ... ich hab dann gekotzt. Mir tut der Hals weh und ich hasse es. Aber ich hab meinen Körper noch mehr gehasst.

Ich hab so Kleinigkeiten erledigt, Wäsche gewaschen und aufgehängt, Geschirr abgewaschen, aufgeräumt und sowas.

Meinem Mitbewohner geht’s total schlecht, er hat wahnsinnig Rückenschmerzen. Halbstündlich kriegt er ne Wärmflasche von mir. Ich hab ihn noch nie so gesehen.

Dann hab ich mich mit Tee vor den Fernseher gesetzt und es kam "Der 1. Ritter" mit Richard Gere. Der war super. Um 21 Uhr steht plötzlich meine beste Freundin vor der Tür. "Ich bin so alleine, tut mir leid, dass ich vorher nicht angerufen hab ..."

Wir haben langsam und gemütlich ein Bier getrunken, das heisst 1 Bier in 3 Stunden, gekuschelt, diesen Ritterfilm geguckt, nicht viel geredet, außer so Sachen wie: "Guck mal, jetzt hat der Ritter die Königen geküsst, aber der König ist Sean Connery ... uuuh."

Jetzt sind wir beim zweiten Bier, sie liegt mit meiner Schlafhose aufm Bett und wir gucken irgendwas auf RTL2. Sie ist wahnsinnig hübsch und mein bester Kumpel. Es ist echt schön. Das was ich mir irgendwie immer wünsche.

Jetzt geht’s mir wahnsinnig gut, ich fühl mich wohl. Sie schläft bei mir und nur dass sie da ist und mich versteht und mir sehr viel gibt, ist das mein größtest Weihnachtswunder.

26.12.2005 um 01:36 Uhr

Mal wieder ein bisschen Selbstreflektion

von: Ryan

Ich hatte mal wieder nen ganz netten Abend mit Freunden und hatte gleich wieder Panik, dass ich diese Freunde ewig lange nicht sehen würde, wegen was für Umständen auch immer. Ich hab großen Verlustängste, ich denke sogar größere als normale Menschen. Wir haben viel gelacht, nen großes Fressgelage gemacht und ich hab wieder mal mehr erwartet. Ich will feiern, ich will meine Zeit nutzen, ich will Menschen kennen lernen. Irgendwie ist dieses Bedürfnisse, diese Sehnsucht grade sehr groß in mir.

Ich hab mir grade überlegt was meine Persönlichkeit ausdrückt.

Ich versuchs mal:

 

Was ich mag

  • ehrliche Menschen - das erfordert sehr viel Mut und "Ehrlichkeit"; das besitzen die meisten Menschen nicht - ebenso können die wenigsten wirklich glaubhaft sagen was sie denken und was in ihnen vorgeht - ich mag das
  • eine SMS von meiner besten Freundin: "Ich hab grad an dich gedacht, ich weiss nicht wieso, aber ich wollte es dir nur mal mitteilen."
  • Tütensuppen oder diese Heisse Tasse-Dinger, ich liebe es im Moment
  • schwarzer Tee mit viel Milch und Zucker
  • Lichterketten, Duftkerzen und so nen Zeug
  • Menschen, die sich mit Herz und Seele für was einsetzen und sich wirklich für twas einsetzen von dem sie überzeugt sind, auch wenn die ganze Welt nicht davon überzeugt ist
  • irgendwelche seltsamen Gürtel - ich steh grade total auf Gürtel, ich versuch seit Tagen nen Gürtel bei Ebay zu ersteigern mit schwarz-rotem Plüsch-Zebra-Muster
  • Menschen, die einem in die Augen schauen
  • Menschen, die man ein halbes Jahr nicht gesehen hat, man ruft sie an, sie freuen sich wie Sau und reden mit dir als wäre nie diese Zeit zwischen einem gewesen
  • schwarz-weiss Fotos/Videos
  • Kalender, ich mag es zu planen
  • Californischen Rotwein
  • diese Old-School Pin-Ups aus den 20-30er Jahren, die haben was, nicht zwingend erotisch aber irgendwas
  • Sterne
  • Elfen
  • Tomte: "Ich sang die ganze Zeit von dir."

Was ich nicht mag

  • Menschen, die sich selbst überschätzen alla "Ich weiss viel mehr als du aufgrund meiner Persönlichkeit und weil ich einfach toll bin." Ich hab grade so ne spezielle Freundin, die 10 Wochen Praktikum im Krankenhaus macht und mir schon erzählen wollte, dass ich von nix ne Ahnung hab ... grade ich. Mir hat das total gut getan dann mit Fachwörtern um mich zu schmeissen, und ihr Pflegeprozesse so kompliziert wie möglich zu erklären
  • Friede-Freude-Eierkuchen SMS von wegen "Frohe Weihnachten, wir wünschen euch ganz tolle Geschenke bla bla" meist von Menschen, wo man sich eh denkt, ach steck dir diese geheuchelte SMS sonst wohin, ruf mich lieber mal an und interessier dich für mich
  • unabgewaschenes Geschirr in meiner Küche - ich möcht so gerne zaubern - Hex hex und weg isses
  • Menschen, die sich mit wenig genügsam zeigen - ich kenn soviele Menschen, die sich mit soviel abfinden obwohl sie endlos unglücklich sind "Ich hab zwar nen lieben Freund, mit dem ich zwar nicht wirklich glücklich bin, eine Arbeit die mich ankotzt - aber was zu ändern wäre viel zu ansträngend."
  • "Last Christmas ..." woah, ich könnt ausrasten
  • Menschen, die einen mittem im Satz unterbrechen
  • Pickel - meine Haut ist zur Zeit eine Katastrophe - ich versuchs mit Peelings, Gesichtsmasken, Waschgel, Heilsalbe ... es funktioniert irgendwie kaum was und ich weiss nicht worans liegt - Spiegel der Seele oder so?
  • den Winter - ich bin ein Sommerkind, definitiv
  • keinen MP3 Player haben, meiner hat den Geist vor 2 Tagen aufgegeben, U-Bahnfahrten sind unerträglich ohne Musik
  • Spiegelei
  • viele unerledigte Dinge vor sich zu haben

 

25.12.2005 um 00:13 Uhr

Hansen Band - Keine Lieder über Liebe

von: Ryan

Irgendwie berührt mich dieses Video/Lied im Moment wahnsinnig. Ich glaub ich habs mit in den letzten 24 h schon 20.000 mal angesehen.

Hansen Band - Keine Lieder über Liebe

 

Ich liebe die Hansen Band im Moment abgöttisch. Das Video hab ich gestern mal so durch Zufall im Internet gesehen und irgendwie ... ich weiss nicht, kennt ihr dass wenn jemanden etwas sofort berührt und an was erinnert?

Ich mag Jürgen Vogel wahnsinnig gerne, ich finde das Video ist wahnsinnig ECHT. Hört sich doof an. Vielleicht macht es das für mich auch so echt, weil ich auch in dieser Stadt wohne, ich kenne die Stelle, wo die U-Bahn lang fährt und er auf dem Balkon steht. Das ist typisch meine Stadt, auch die Art der Wohnung.

Autentisch mag ich es vielleicht noch nennen. Ansonsten ... ich weiss nicht was ich noch dazu sagen kann, es berührt mich und löst viel in mir aus, aber ich kann und mag es schwer in Worte fassen.

25.12.2005 um 00:02 Uhr

Nach-Weihnachtliche Gedanken

von: Ryan

Weihnachten war dieses Jahr ganz okay. Nicht der Knüller, aber das hab ich nicht erwartet.

Ich kam um 15 Uhr bei meinen Eltern an, und nachdem ich meiner Mutter anfing in der Küche zu helfen, truddelten meine Brüder so nach und nach alle ein und halfen (wer hätte es gedacht) alle mit. Dann Weihnachtsessen, Raclett. Steh ich gar nicht so drauf, aber mein Bruder hatte ne Sauce gezaubert, wo selbst ich als Mensch, der kein Fleisch mag, sogar Fleisch gegessen hat.

Dabei Rotwein, danach Rotwein. Irgendwann sind meiner einer Bruder und ich kurz raus, so von wegen "Wir gehen mal mit dem Hund." Und haben ne Verdauungszigarette geraucht.

Danach waren wir alle irgendwie gut angetrunken, vollgefressen und mein einer Bruder hat schon gemault: "Öh, ich muss noch arbeiten (Kneipenbesitzer auf St. Pauli), ich weiss gar nicht wie ich noch hochkommen soll."

Dann Beschehrung. Ich bin gut weggekommen. Alle haben sich über meine Geschenke gefreut, und ich hab eigentlich auch total schöne Sachen bekommen. Ich hab von meinen Brüdern ne Lawalampe gekriegt, total geil.

Meine Brüder mit Ehefrauen sind schon gleich danach abgedampft, so von wegen: "Wir müssen noch bei den Schwiegereltern feiern."

Mein Kneipen-Bruder und ich sind so bis 10.00 geblieben, haben von Mutti noch Essen ohne Ende mitgekriegt. "Komm Ryan, geh nochmal in die Küche und nimm dir was zu essen mit. Ich weiss doch dass du kein Geld hast. Und Christopher, hier hast du Kekse, die sind selbstgebacken. Wollt ihr noch ne Flasche Rotwein mitnehmen? Ryan, hast du Brot zuhause, guck mal, ich hab noch nen ganzes Brot übrig."

Ja und irgendwie ist uns aufgefallen, dass nur meine Brüder und ich plus Mutti gesabbelt haben. Mein Vater und meine Schwester waren wahnsinnig ruhig und zurückhaltend. Vielleicht weil wir alle irgendwie starke Persönlichkeiten sind und viel zu erzählen haben und wahrscheinlich auch keiner dazwischen kommt, wenn wir erstmal am sabbeln sind.

Mit meinem Bruder hab ich noch nen Bier getrunken und jetzt bin ich zuhause, hab meinen Mitbewohner beschenkt und morgen wollen wir frühstücken. Und nebenbei ne Menge SMS an Freunde und Bekannte geschrieben, ob sie nicht die Woche mal Zeit hätten. Und nebenbei geheimnisvoll erwähnt, dass ich ab Januar nicht mehr in Hamburg bin.

"Wieso?" Ich hab leider immer die Wahrheit gesagt. Ich frage mich, was für Reaktionen gekommen wären, wenn ich was geschrieben hätte wie: "Ich hab letzte Woche eine tolle, gepiercte, tätowierte Frau geheiratet, die ihr nicht mögen würdet, sie ist schwanger, ich hab die Ausbildung geschmissen und wir ziehen nach Bayern um neu anzufangen."

23.12.2005 um 23:12 Uhr

Weihnachten und was es mit mir macht

von: Ryan

Musik: Mia - Kill for you

Ich denke viel nach und ich reflektiere auch sehr stark. Ich glaube nicht, dass mir ein Psychotherapeut helfen könnte. Der soll mir helfen mir mein Verhalten vor Augen zu führen – das wiederrum kann ich selber sehr gut.

Im Moment denke ich wieder verstärkt drüber nach, warum ich diese ganzen selbstschädigenden Dinge ausübe. Warum meine Bulimie in voller Blüte steht, obwohl ich so lange kotzfrei war. Warum mein Gewicht mein Leben bestimmt und warum es mir nicht einfach egal sein kann. Ich hasse dieses kotzen, ich hasse es auf Essen zu verzichten und mich nach jedem Keks schuldig zu fühlen.

Ich hab mir gestern Nudeln mit Tomatensauce gegönnt, und scheisse war das lecker und gut. Ich war richtig satt, seit Wochen das erste Mal richtig satt. Ich hab gemerkt wie mein Magen es verdaut hat und es war gut. Mir war nicht mehr kalt. Heut ... Knäckebrot ... Suppe ... dieses ganze kalorienarme Zeugs von dem ich mich seit Monaten ernähre und trotzdem nicht wirklich abnehme.

Und dieses Kotzen und Hungern ist doch auch nur Selbstmord auf Raten. Ich könnte auch sagen, ich leb mal 3 Wochen so wie ich will und bring mich danach um. Nein ich lebe permanent in so nem Wechselzustand. Jeden Tag gut dosiert ein bisschen. Was mich auf Jahre hinweg nicht umrbingen wird, aber irgendwann dann doch.

Bald leb ich mit meinen Klassenkameraden zusammen im Schwesternwohnheim. Und ich bin sicherlich einer von denen, der ab und an ein Bier trinken wird. Und vielleicht auch ein Bier zuviel. Ich kenn mich doch.

Und grade wenn ich getrunken hab, werde ich sehr redseelig und sehr offenherzig. Und ich würde mir aus Erfahrung einfach mal zutrauen, dass ich irgend nem Kollegen meine ganze Psychohygiene vorheule, die gar nicht so rein ist, wie sie sein sollte.

Es kommt vor, dass wir über Menschen reden, die sich selbst verletzen. Im Unterricht oder auch so. Es wirkt, als seien meine Kollegen davon irgendwie fasziniert und schockiert. So alla: "Warum tut ein Mensch das?"

Ich tue dann interessiert und informiert. Ich werfe wichtige Argumente ein: "Diese Menschen brauchen das wahrscheinlich irgendwie um sich selbst zu fühlen. Irgendwie kann das ja auch ein Wiederbelebungsversuch sein, weil diese Menschen über eine gestörte, verminderte Körperwahrnehmung verfügen."

Gut, dass da so einer unter ihnen ist, der genau solche Narben auf der Wade hat, befürchtet keiner. Ahnt auch keiner, weil ich mich nach außen wahrscheinlich irgendwie anders gebe.

Eine einzige Kollegin hat 3 Narben aufm Unterarm, die ihr peinlich sind und die sie mit folgenden Worten erklärt: "Es ging mir schlecht."

Sie hat 3 Narben, ich hab die gesamte Wade voll. Ich werde nie wieder ne kurze Hose tragen können.

Und ich weiss ganz genau, wenn ich 24h mit diesen Leuten zusammen sein werde und dann noch 2 Bier intus habe, und irgendwer auf ein melancholisch-depressives Thema schwenkt, irgendwas von sich beichtet, dann kann auch ich meine Klappe nicht halten.

"Ich hab Bulimie – ich hab mich Jahre lang selbst verletzt und tu es auch jetzt noch alle Jubeljahre." Und ich werde es bereuen, dass ich sowas gesagt hab. Definitiv.

Ich will nicht dass irgendwer das über mich weiss und schon gar nicht die Leute, die mit mir arbeiten und mich als humorvollen, starken Kollegen schätzen. Ich will mich nicht im Suff um Kopf und Kragen reden. Mal davon abgesehen, dass wir nen paar Leute unter uns haben, die die Klappe einfach nicht halten können. Irgendwer im Krankenhaus hört das immer und erzählt es weiter. Und dann bin ich ganz schnell nur noch Psychoboy auf der Arbeit.

Meine Gedanken und Befürchtungen in den letzten Tagen bezüglich, der nächsten 3-4 Monate ... und dann ist doch tatsächlich morgen wieder Weihnachten. Und ich hab da so keinen Bock drauf. Ich muss morgen mit Mutti Weihnachtsessen vorbereiten. Essen, Bescherrung und ne Menge Wein zwischendrin. Juhuu ... ich seh mich abends schon zuhause mit meinem Frustbier. Und das wird das Highlight meines Tages sein.

Weihnachtsessen nachmittags, frühabends Bescherrung. Danach werden meine Brüder alle abhauen und mit den Familien ihrer Ehefrauen feiern oder woanders feiern. Mein einziger Single-Bruder muss arbeiten, klar, Kneipenbesitzer auf St. Pauli, da muss auch Heiligabend gearbeitet werden.

Meine beste Freundin geht nachher noch zu meiner Exfreundin und geht mit der feiern. Ich hab vorhin mit ihr telefoniert und sie über meine Sorgen und Befürchtungen bezüglich Weihnachten informiert. Und sie meinte: "Komm doch zu uns." – "Nein, meinst du wirklich ich pass da rein? Grade mit meiner Ex?" – "Ja warum denn nicht?" – "Ich glaube nicht, dass ich da rein passe. Und ob sie so begeistert sein wird. Ob sie mich grade Weihnachten schon sehen will oder ich sie."

Fest der Liebe – so schon kaum ertragbar. Aber als Single ... Vorletztes Jahr bin ich danach zu meiner Ex gefahren mit Geschenken unterm Arm. Wir haben uns beschenkt und danach bin ich von ihr aus aufm Kiez gefahren mit der Begründung "Ich geh mal nen Döner holen, soll ich dir was mitbringen?" Letztendlich hab ich mich mit meinen Brüdern und ner Palette Bier getroffen, und wir haben unseren gesamten Frust runtergespült über das Weihnachtsfest, an dem meine Eltern so betrunken waren, dass wir ins Bett bringen mussten.

Scheisse aber erleichtern.

Und letztes Weihnachten bin ich erst zu meinen Eltern und später zu den Eltern meiner Ex. Aber ich wusste wohin ich gehe wenn der schlimmste Teil überstanden ist. Morgen weiss ich nicht wohin ich gehe. Nach Hause zu meinem Bier.

Großartig.

Ich brauche dringend einen Menschen, der mich aus meiner selbstmitleidigen Phase rausbringt, indem er einfach da ist und mich in den Arm nimmt, Sex mit mir hat und mir das Gefühl gibt, dass ich irgendwem was bedeute. Okay, klar kann man das den Menschen sagen und schreiben, ich brauch das körperlich. In dem Sinne bin ich völlig auf Entzug.

23.12.2005 um 15:04 Uhr

Vorweihnachtliche Frustration

von: Ryan

Musik: Kettcar

Weihnachten steht vor der Tür und die gesamte Menschheit dreht durch.

Ich war grade mal einkaufen und wurde an jeder Ecke mit Weihnachtsangeboten, Tannenbäumen und kitschiger Deko erschlagen. Eigentlich wollte ich nicht einkaufen, aber irgendwie sah meine Küche so leer aus. Irgendwie muss man ja essen über die Weihnachtstage.

Und jetzt grade ärger ich mich mal wieder besonders über meine Freunde, die sich kein Stück mehr melden. Irgendwie will ich darüber aber nicht nachdenken.

Mit meinen Kollegen war ich Mittwoch nochmal aufm Kiez und haben vor Weihnachten noch mal richtig die Sau rausgelassen. Dabei hab ich 2 männliche Kollegen untern Tisch gesoffen, und die Mädels haben mich untern Tisch gesoffen.

Und dann wieder das Ryan-Phänomen: Wir kamen in ne Kneipe rein und innerhalb von 30 sek noch aufm Weg zur Bar hatte Ryan neue Freunde gefunden.

Am nächsten Morgen in der Schule kam dann sofort: "Es ist unfassbar, man ist 30 sek irgendwo drin und Ryan wird schon von irgendwelchen Mädels angesabbelt." Mal wieder nen Schub fürs Ego.

Mein Mitbewohner macht sich gleich auf zu seinen Eltern und kommt dann erst am 1. Weihnachtstag wieder. Am Wochenende also Wohnung für mich alleine, was mir eigentlich grade gar nicht gut tut. Ich hab mir mal ne Flasche Baileys geleistet. Weihnachten, die Flasche Baileys und Ryan alleine ... hört sich großartig an. Ich hoffe das Fernsehprogramm ist gut.

Ich glaube – so rein selbstreflektorisch betrachtet – dass ich nicht unbedingt ein langweiligeres Leben hab als andere. Aber irgendwie höhere Erwartungen. Am liebsten würde ich jeden Tag was großartiges erleben. Ich bin sehr beschäftigt mein Leben mit tollen Erlebnissen zu füllen. Aber die Menschen in meiner Umgebung scheinen nicht diesen Drang zu haben.

Vielleicht liegt das auch daran, dass wir grade sehr viel Krankenheitslehre machen und mir irgendwie klar ist, dass ich nicht den Großteil meines Lebens gesund sein werde. Wieviele zigtausend Krebsarten gibt es bitte? Ne Menge und ich lerne grade, dass die meisten davon schnell verlaufen. Und dann biste irgendwann totkrank, kotzt dir die Seele ausm Leib, bist zu schwach um überhaupt noch vor die Tür zu kommen und irgendwann dann kalt.

Und ich hab jetzt schon das Gefühl, dass mein Leben an mir vorbei rennt. Na gut heute mal nicht, da vergeht die Zeit quälend langsam.

Ich schätze ich wird gleich ne Runde fürs Zwischenexamen lernen, man hat ja sonst nicht viel zu tun und im Fernsehen läuft um diese Uhrzeit auch nichts weltbewegendes.

18.12.2005 um 07:52 Uhr

Das trarurige heute ...

von: Ryan

... ist, dass ich viele Dinge gemerkt habe.

Ich möchte so sein, wie ich nicht bin. Vielleicht doch, aber vielleicht ... aber ich gehe angetrunkenen mit einem Kollegen in eine Szene, in der ich gerne sein möchte unter dem Vorwand "Ich will mal gucken wie es da ist."

Ja es war cool, und ja, meine Brüder sind in der Szene. Punk rock, Tattooos, harte Musik, feiern bis es keinen morgen mehr gibt. Billiges Bier, gute Musik, irgendwie stylische Lokations mit Oma-Tapetten und Lichterketten.

Ja da fühl ich mich wohl. Und ja, ich kann ein Teil dieser Szene sein, auch wenn ich es nicht war. Ich kenne Menschen, die dort beliebt sind. Meine Brüder, tätowiert, freiheitsliebend. Wir lieben die gleiche Musik.

Ich weiss nicht ob wem was der  Begriff Tubrojugend sagt. Aber das so in etwa.

So war ER, der in den ich verliebt war/bin. An den ich viel zu oft denke. Ich weiss nicht ob ich ihm nachrenne, hoffe ihn irgendwo zu sehen oder mich einfach nur in dieser Umgebung wohlfühle. Ihn mochte, weil er das signalisierte, wonach ich mich sehnte. Oder ich mich nach ihm sehne und alles damit verbinde.

Ich weiss es nicht, und es macht mir Angst. Ich hab nie so an einen Menschen gehangen. Mein Verstand war immer stärker. Aber ich träume seit mehr als 3 Monaten von ihm. Ich kann ihn zu gut verstehen, weil ich selbst 2 Menschen vertossen hab, die sich in mich verliebt haben und für die ich nichts empfunden hab. Ich war ehrlich zu ihnen wie er zu mir. Das ist okay.

Gefühle kann man nicht erzwingen. Träume kann man nicht auslöschen. Warum auch immer. Ich fühle (denke nicht) dass er mein persönliches Alphamännchen ist. Warum auch immer. Ich hasse meine Hormone dafür, dass sie mir das antun.

18.12.2005 um 07:05 Uhr

nächtliche Geständnisse

von: Ryan

Ja mein Abend ... wir sind grade nach Hause gekommen.

Was ist heute passiert? Wir haben uns getroffen, der Kollege und ich, haben was getrunken, waren nen Döner essen und ein Bier trinken. Dann inner nächsten billigen Kneipe noch 2 Bier getrunken, haben uns bestens unterhalten. Danach aufm Kiez, wir haben uns so ne komische Band angeschaut, die Astra Boys hiessen die oder so.

Irgendwie war ich sehr beleidigt, weil mich an dem Abend niemand so beachtet hat, wie ich das gerne hätte. Ich hab versucht zu flirten, aber nichts wurde erwiedert.

Danach sind wir losgezogen um unbekannte Kneipen der Reeperbahn zu erforschen. Und irgendwann sind wir wo gelandet, wo auch ganz nette Musik gespielt wurde ... und plötzlich steht meine Schwägerin hinterm Tresen und knutscht mich vor Freude ab ... und mein Kollege nur: "Hä? Woher kennste die denn?"

2 Minuten später stehen 2 meiner Brüder hinter mir und ich werde wild geknuddelt. Die Welt ist schon seltsam. Man landet im abgefucktesten Rockschuppen auf der ganzen Reeperbahn und trifft seine Geschwister, die zufällig mit dem Besitzer super gut befreundet sind und plötzlich hat man den ganzen Abend Freibier. Mein Kollege war begeistert.

Maik hat uns dann noch nach Hause gefahren, meinen Kollegen abgesetzt, bei mir haben wir noch nen Bier getrunken, er fragte wie es mir denn wirklich ginge ... ich offenbarte ihm mein Seelenleben. Wirklich so alles, dass ich mich leer fühle seit der Trennung, die meiste Zeit jedoch gut rumkriege, dass ich wieder kotze und Angst vor Heiligabend mit unseren Eltern habe ... und er hörte mir zu und nahm mich ernst. Er war einfach da, und hörte mir zu. Und nahm mich dann in den Arm.

Keine blöden Sprüche oder Ratschläge. Er war nur da, hat zugehört und mit mir meine Gefühle ausgehalten.

Genau das hab ich gebraucht. Nicht mehr und nicht weniger.

17.12.2005 um 20:32 Uhr

Umschwung

von: Ryan

Musik: Kettcar - Wäre er echt

Irgendwie war mein Tag ... langweilig. Ich hab geputzt, abgewaschen, Brot gebacken, gelernt. Mir war es ziemlich egal ob ich Kaffeeflecken aufm Tshirt hab oder nicht.

Niemand meldete sich, keine Menschenseele rief an, obwohl eigentlich die ganze Welt heute feiern wollte. Dann um 19 Uhr steht plötzlich ein Kollege von mir vor der Tür: "Mir ist so langweilig ... lass uns was machen. Gehen wir nachher aufm Kiez?" – "Klar."

Seitdem hab ich irgendwie wieder Motivation. Ich hab endlich geduscht, mich rasiert, Klamotten rausgesucht, die ich heute Abend anziehen möchte. Das Kaffeeflecken Tshirt ist im Wäschekorb gelandet und ich freue mich darauf das Haus zu verlassen.

16.12.2005 um 23:36 Uhr

Nächtliche Philosophie

von: Ryan

Musik: Kettcar - Money left to burn

Ich philosophiere und spekuliere was mir fehlt um ein glückliches, ausgeglichenes Leben zu führen. Vielleicht kann man das in meinem jungen Alter auch noch nicht.

Ich bekomme Komplimente, dass ich sehr reif sei. Zumindest fasse ich sie so auf. Ich denke, meine Reife hab ich wohl im letzten Jahr erlangt. Die Arbeit im Krankenhaus bringts wohl mit sich. Und selbst wenn ich in einem Jahr Ausbildung so einen Fortschritt gemacht hab, ich fürchte mich davor, dass es mich in wenigen Jahren noch weiter bringt und letztendlich verbraucht.

Aber was fehlt zum glücklich sein? Es könnte alles so schön sein. Als Single bin ich unglücklich, meine Beziehung hat mich auch nicht erfüllt.

Mir fällt immer öfter auf, wie unzufrieden eigentlich jeder Mensch ist. Und grade wenn ich da Menschen sehe, die ich als beeindruckend empfinde, merke ich wie sehnsüchtig sie sind. Aber wonach? Irgendwas sucht man, und man fällt in Melancholie, weil man es nicht findet – auch wenn man nicht mal ahnt was es sein könnte. Vielleicht verlieren wir uns alle auch nur in Unzufriedenheit. In Unvollkommenheit.

Meine Strategie war: Ich muss finden, was mir fehlt. Jetzt hab ich eigentlich alles was ich brauchte. Meine eigene Wohnung, einen Job den ich mag und gut kann, gute Leistungen, meine Wäsche ist sauber, ich mag meine Kleidung und größtenteils mag ich mich auch selbst.

Und trotzdem fühle ich mich leer und unausgefüllt.

Mit materiellen Dingen könnte man das ausfüllen. Klar, ich könnte mir all die Dinge kaufen, die mich äußerlich besser aussehen lassen, die meine Persönlichkeit angeblich wiederspiegeln. Ich glaube, ich hab was ich brauche zum leben.

Liebe – ich dachte, ich sei erfüllt, wenn ich nur irgendwen hätte. Irgendwen um zu wissen, da ist jemand, der mich liebt, der mir Selbstbewusstsein gibt. Und als man mir sagte, dass man sich in mich verliebt hätte, war da nix.

Vielleicht war derjenige auch nicht meinen Ansprüchen entsprechend perfekt genug. Aber sagt mir bitte nicht, dass diese Sehnsucht daraus besteht unter passendes Alphamännchen oder –weibchen zu suchen. Die ganze Quälerei nur wegen Fortpflanzung? Kann ich mir nicht vorstellen. Oder doch, wäre aber extrem simpel eine frustrierende Antwort auf die entscheidenden Fragen des Lebens in meinem Alter.

Aber vielleicht gehört das alles dazu, um irgendwann mal glücklich zu sein. Schule, Ausbildungszeit, gegen Dinge zu kämpfen, unzufrieden und wütend zu sein, Menschen zu verlieren, die man lieb hatte, Menschen kennen zu lernen, flüchtige Bekanntschaften, One Night Stands, über sein Leben nachdenken, Trennungen mit Tage langen Heulen, sich selbst suchen, merken, dass da kein Platz ist für den Quatsch den man kennt und sehnsüchtig zu sein.

16.12.2005 um 20:44 Uhr

Hetero und männlich, blass und arm, weil wir bleiben wie wir warn

von: Ryan

Musik: Kettcar - 48 Stunden

Mir fällt die Decke auf den Kopf. Mein Mitbewohner ist nicht da. Irgendwie sind alle verplant für heute Abend, und wirklich Motivation mich nochmal loszumachen hab ich auch nicht.

Ich hab zuviel Zeit und zuviel Langeweile. Ich bin unzufrieden mit mir und meinem Gewicht. Ich hab mir einen Fressanfall "erlaubt" und dann gekotzt. Ne Stunde später hatte ich wieder so einen Kohldampf, dass gleich noch ein zweiter folgte.

Und nun fühle ich mich kaputt vom kotzen, meine Augen sind angeschwollen, mein Hals brennt, mein Magen grummelt, unangenehmer Druck im Kopf.

Ich hab überlegt warum ich das mache. Ich bin eigentlich ganz glücklich. Ich hab eigentlich alles andere sehr gut im Griff. Meine Wohnung ist super, ich bin in letzter Zeit eigentlich nur noch gut drauf, kann einsame Abende auf dem Sofa gut alleine geniessen. Von meinen Mitmenschen bekomme ich nur positive Reaktionen. Ich bin beliebt, man lacht über meine Witze, ich verstehe mich mit allem und jedem sehr gut, ich hab immer was zu erzählen ... ich bin gut auf der Arbeit, ich hab letzte Woche ein wahnsinnig gutes Zeugnis ausgestellt bekommen. Selbst meine Lehrerin meinte verblüfft, das wäre in Noten ausgeschrieben ne 1+++. Mir fällt das Lernen leicht - ich brauch mich eigentlich nicht beschweren.

Ich hab keine Probleme Menschen kennen zu lernen, ich kann Menschen von mir begeistern (wären sie wahrscheinlich weniger, wenn sie diesen Abend mitgemacht hätten).

Und trotzdem kann ich heute nicht mit mir alleine sein. Mir fällt wirklich die Decke aufm Kopf. Das Fernsehprogramm ist mittelmäßig, ich halts auch irgendwie vorm Fernseher nicht lange aus.

Ich mag niemanden anrufen, irgendwie mag ich nicht reden. Heute ist ein Tag, an dem ich meine Exfreundin vermisse. Einfach jemand, der da ist, dem man nichts großartig erklären muss, der einen in den Arm nimmt. Einfach nur aufm Sofa kuscheln und es ist einfach okay, dass derjenige weiss, dass ich heute mal nicht das blühende Leben bin und vielleicht sogar im Laufe des Abends anfange zu heulen oder sowas. Keine Ahnung.

Ich versuch irgendwie das Beste draus zu machen. Schlafhose, Plüschhausschuhe, Duftlampe, mein Sofa mit den tausend Kissen und meiner Decke, unter der ich mich jedes mal eingekuschelt wie ein Kleinkind fühle. Ja ich bin heute irgendwie sehr klein und liebebedürftig.

Es ist anstrengend erwachsen zu sein, auch wenn ich das die meiste Zeit gut hinkriege.

13.12.2005 um 21:44 Uhr

Liedtext von Tomte - Träume

von: Ryan

Draußen wird es langsam Herbst
den Sommer hab ich mir wohl verscherzt
es wird sich wieder mal beklagt
Jetzt sitz ich hier und resümier
dazu gibtt's wahrscheinlich Bier
doch hab ich's nie so hinterfragt:
Was ich wollte, wird nie sein
die Träume bleiben leer und klein
wann seh' ich das endlich ein?
Und es wäre wirklich schön
würden sie erst mit mir schlafen gehen
doch sie sind längst fort, während ich erst gähn...

Draußen wird es langsam kalt
für Wärme wird ab jetzt bezahlt

Jetzt sitz ich rum und bleibe stumm
und ich weiß nicht mal, warum
doch mir ist jetzt endlich klar:

Was ich wollte, wird nie sein
mein kleines Königreich stürzt ein
am Ende bleibst du ganz allein
Und es wäre wirklich schön
würden sie erst mit mir schlafen gehen
doch sie sind längst fort, während ich erst gähn...

Jetzt sitz ich hier und resignier
dazu gibt's wahrscheinlich Bier
Scheiße, ich wollte, DU wärst hier!
Und es wäre wirklich schön
könntest Du mit mir schlafen gehen

11.12.2005 um 04:50 Uhr

Tage und Nächte

von: Ryan

Musik: Tomte

Mein Tag war heute eigentlich ganz okay. Meine Nacht davor war irgendwie furchtbar.

Also ich trinke seit Tagen sehr wenig, bzw. gar nicht. Ich hab letzten Sonntag nen halbes Bier getrunken, dann 6 Tage gar nicht, gestern nochmal nen halbes Bier und ich hatte das Gefühl, ich könnte davon nicht schlafen. Ich bin um 1 Uhr ins Bett, und um 2.30 aufgewacht. Ich hab was sehr seltsames geträumt (und ich hab diesen Traum ab und zu).

Ich lag im Bett und ich hab die Berührungen von jemanden gespürt, sehr real. Dieser jemand hat meine Hände festgehalten, lag direkt über mich und irgendwie wusste ich (oder hab vermutet), dass ich träume. Ich bin so in Panik ausgebrochen, dass ich versucht hab zu schreien. Aber ich konnte nicht. Ich hab den Mund aufgemacht und hab krampfhaft versucht zu schreien, aber es ging nicht. Und so geht das meistens eine Ewigkeit, dass ich das Gefühl hab, ich liege im Bett, jemand ist ganz sicherlich da, jemand der mir gefährlich wird und ich brauche jetzt sofort Hilfe. Und ich versuche um mein Leben zu schreien, aber kann nicht.

Ich weiss nicht ob ich dann wirklich im Schlaf schreie, meine Exfreundin meinte ich würde sowas machen und seltsamer Weise immer passen zu solchen Träumen. Als ich aufgewacht bin, saß ich senkrecht im Bett und hatte sicherlich nen Puls von 120 oder höher.

Es hat dann fast 2 Stunden gedauert bis ich wieder eingeschlafen bin.

Mein Tag dagegen begann gut. Ich bin um 11 aufgestanden, hab geduscht, gefrühstückt und bin losgefahren in die Stadt um endlich Weihnachtsgeschenke zu kaufen. 6 Stunden später, völlig erschöpft und abgenervt hatte ich dann wirklich alle Weihnachtsgeschenke zusammen. Und diesmal sind es nicht nur solche Verzweiflungskäufe, sondern wirklich Geschenke, die ich stolz überreichen kann. Dafür bin ich jetzt etwas ärmer.

Und ich hab mal wieder etwas wichtiges dazu gelernt. Auch wenn ich jetzt alle Geschenke zusammen hab: Ich geh nie wieder an einem Samstag in der Adventszeit einkaufen. Die Innenstadt war völlig überfüllt.

Da war ja ganz Hamburg unterwegs. Ich bin teilweise in Geschäfte reingegangen ... und hab aufm Absatz kehrt gemacht, als ich gesehen hab, wie viele Menschen sich darin tummeln. Alles wird einem aus der Hand gerissen, dauernd stehen Menschen vor den Regalen, die interessant sind, oder der Drehständer wird schon vom nächsten weitergedreht, obwohl du selbst noch am gucken bist. Rücksicht gleich null.

Dauernd rempelt dich einer an, aufm Weihnachtsmarkt (da hab ich das Geschenk von Mutti gekauft) war echt kein Durchkommen mehr. Jeder Glühweinstand war selbst um 14.00 schon völlig zugeprobt mit Menschen, die sich auch keinen Zentimeter bewegen, wenn du mal durch willst. Andere schlendern gaaanz gemütlich über den Weihnachtsmarkt. Ich wollte nicht schlender, ich war auch nicht gemütlich, ich wollte meine Geschenke zusammen kriegen. Aber das störte irgendwie meine Mitmenschen nicht. Also bin ich augenverdrehend hinter diesen Leuten hergetrottet, hab mir genervt ne Zigarette angezündet und dachte: "Super, das kann ja dauern bis ich 10 Meter weiter bin."

Zuhause hab ich meine 10.000 Einkaufstüten entleert, nachdem ich mir ne Pizza (als Belohnung) in den Ofen geschoben hab. Und da waren doch echt einige Sachen dabei, bei denen ich dachte: "Mmh, wieso hast du gekauft? Was hast du dir dabei gedacht? WEM wolltest du das hässliche Ding denn schenken?"

Zum Beispiel eine Gel-Kerze in so nem Sektglas. Wieso hab ich die gekauft? Kann man sowas überhaupt verschenken? Meine Umgebung hat eigentlich Geschmack, also was will ich damit? Beim Blick auf den Preis hab ich gesehen, dass sie nur 30 Cent gekostet hat, also nicht so ganz dramatisch. Naja, jetzt hab ich was für jemanden, der mir unerwarteter Weise was schenkt, den ich nicht mag. Hier bitte, ne schöne Kerze für dich.

Der Wille zählt dann und Hauptsache derjenige denkt, dass ich mir damit Mühe gegeben hätte.

Dann lagen die Geschenke alle auf meinem Bett – keinen Bock gehabt sie einzupacken, naja muss ich ja auch nicht – ich bin erstmal mit dem Telefon in die Küche, hab fast 1,5 Stunden mit Schatzi telefoniert. Das war schön. Ich hab mich über Gott und die Welt ausgekotzt, und irgendwie hat sie viel gelacht. Ich muss sehr ironisch und zynisch sein, wenn ich mich "auskotze". Ich find dann auch kein Punkt und Komma, übertreibe viel, mache Stimmen nach ... war super.

Dann hab ich meinen Bruder angerufen, der hat heute Geburtstag und hab ihm gratuliert. Seltsamer Weise war er noch nüchtern. Mit dem kann ich eigentlich auch immer super reden. Montag sind wir bei meinen Eltern verabredet, Mutti will ihn und uns alle zum Essen einladen. Meine anderen Brüder wissen noch nicht ob sie kommen, weil mein Stiefvater auf jeden Fall dabei sein wird. Aber mein Geburtstags-Bruder will seinen guten Willen zeigen und das durchziehen. Also zeig ich auch meinen guten Willen. Das hab ich mir sowieso vorgenommen mehr guten Willen meinem Stiefvater gegenüber zu zeigen. Aus irgendeinem Grund muss er wohl drunter leiden, dass wir ihn alle so hassen – was er selbst verschuldet hat.

Aber man Mutti so glauben mag, ist er wohl sehr stolz auf uns alle – was er uns nie gezeigt hat. Angeblich schwärmt er von mir – warum auch immer. Vielleicht weil er die meiste Zeit meiner Kindheit mitgemacht hat und ich dann quasi ein Sohn für ihn bin – mal endlich.

Ich hab mich die letzten Jahre immer geweigert ihm was zu schenken. Dieses Jahr kriegt er was.

Auch wenn ich nicht weihnachtlich im Sinne von Kling Glöckchen Kling eingestimmt bin, vielleicht ist das der Sinn, dass man sich bemüht.

10.12.2005 um 00:23 Uhr

Aktuell

von: Ryan

Musik: Kettcar - Im Taxi weinen

Heute musste ich mich mal wieder vor der Welt verstecken. Irgendwie war das letzte Wochenende zu heftig. Man darf sowas eigentlich nicht erzählen. Um 13 Uhr geht Sie, um 19 Uhr schneit der nächste bei mir rein, der ebenfalls bei mir und mit mir schläft.

Obwohl ich eigentlich meinte, ich mag nicht, aber irgendwie ... naja, wir sind jung.

Ich selektiere immer noch sehr stark und scheine auf der naiven Suche nach dem Partner meines Lebens zu sein. Und wenn es nur so Kleinigkeiten sind, die mich an ihm/ihr stören, z. B. wenn man mir die Decke klaut nachts oder wie tot neben mir liegt.

Irgendwie erwarte ich bestimmte Dinge. Zum Beispiel bekuschelt zu werden. Nicht die ganze Zeit (das kann auch kein Fehler sein, weswegen der/diejenige durch mein Schema fällt), aber irgendwie doch.

Ich hab ganz bestimmte Vorstellungen. Es ist als ob ich einen Kriterienkatalog im Kopf abharke. Und das letzte Kriterium ist dann wohl, wie verhält er/sie sich nachts im Bett. Nicht beim Sex, obwohl das auch eine eher wichtige Rolle spielt, aber danach. Was ist danach? Ist da überhaupt was? Werde ich bekuschelt oder ist mein Partner wie tot und schnarcht? Übernachtet er/sie wegen mir, oder weil es zu ansträngend ist nach Hause zu fahren?

Meldet er/sie sich danach?

Dem kann wahrscheinlich niemand gerecht werden.

Vielleicht bin ich vorsichtig geworden? Immerhin wurde ich 2 Mal in den letzten 3 Monaten sehr verletzt. Vielleicht verschenkt man dann seine Gefühle nicht mehr an Menschen, die es nicht wirklich 150% wert sind.

Ich hasse meine eigene Berechnung.

Meine Nierenbeckenentzündung war auch ... großartig. Ich bin mit Fieber aufgewacht und dachte ich kann mich vor Schmerzen nicht mehr bewegen. Mutti hat mich abgeholt, ich bin zum Arzt, dann wieder zu Mutti, die mir Suppe und Tee gemacht hat.

Dann hat sie mich nachmittags nach Hause gefahren, ich hab den ganzen Tag vorwiegend geschlafen, ab und zu schaute mein Mitbewohner und sein Freund rein, haben Fieber gemessen, mir selbst gebackene Kekse gebracht und Tee, sich zu mir ans Bett gesetzt und mit mir geredet ...

Und irgendwie wurde mir da was fundamentales klar. Vielleicht ist es auch gar nicht so fundamental, aber das war so ne persönliche weiterführende Erkenntnis:

Egal mit wie vielen Menschen ich schlafe, es kriegt keiner von denen mit, wenns mir schlecht und ich mit Fieber im Bett liege. Selbst wenn ich mir jetzt 3-4 Affären (im schlimmsten Fall) aufrechterhalten würde, wer würde sich an mein Bett setzen, wenn ich völlig kacke aussehe und es mir richtig schlecht geht? Keiner.

Ansonsten ist eigentlich alles ne Katastrophe. Ja, ich heule wieder unnötig ... meine Haut ist eine Katastrophe, jeder Pickel entzündet sich, jedes Stück Schokolade und jedes Gramm Fett spiegelt sich in meinem Gesicht wieder.

5 kg zuviel und zuviele Liebhaber in zu kurzer Zeit. Wie lange ist die Trennung von meiner Ex her? 3 Monate ... ich hatte in der Zeit 5 andere Menschen im Bett. Super Bilanz, ich bin überhaupt nicht stolz drauf.

Und ich bin bald weg. Ja, ich werde einen Außeneinsatz in nem Krankenhaus in einer anderen Stadt haben. Ich weiss nicht ob und wie oft ich nach Hause komme. Ich bin ca. 10-12 Wochen weg aus Hamburg.

Wem wird es auffallen? Gut meinem Mitbewohner sicherlich, der wird mich vermissen, genauso wie Mutti. Aber wem noch? Meiner Exfreundin? Nee, das ist die Letzte, der das auffallen würde oder die es interessiert.

Freunde? Die sich nicht melden? Die sich auch in den 4 Monaten garantiert nicht melden werden? Genauer betrachtet ist es zum kotzen.

Ich wünsche mir eigentlich jemanden, der mich besucht, weil er meine Abwesenheit nicht aushält. Aber wer? Ich möchte auch für jemand etwas ganz besonderes sein.

08.12.2005 um 19:13 Uhr

Fortsetzung zum großartigen Wochenende

von: Ryan

Musik: Turbonegro - City of Satan

Es kam eigentlich so wie ich es nicht haben wollte. Samstag Nacht mit einem Mädel geschlafen, Sonntag Abend kommt schon der Nächste. Mein Mitbewohner hat also innerhalb von 24 Std 2 meiner Liebhaber/innen kennen gelernt.

Man bezieht das Bett von der ersten Nacht und kann am nächsten morgen schon wieder das Bett beziehen. Irgendwie eigenartig. Ich brauch das. Das macht mein Bett wieder zu MEINEM Bett. Keine fremden Gerüche oder irgendetwas anderes, was mich daran erinnern könnte.

Fürs Wochenende haben sich auch schon 3 Leute angemeldet, die mit mir was machen wollen. Ob ich das so recht will, weiss ich noch nicht.

Und seit vorgestern lag ich mit ner Nierenbeckenentzündung und hohem Fieber im Bett. Da ich Antibiotika nehmen muss am Wochenende und nicht trinken darf, ist das nochmal ne Überlegung zuhause zu bleiben. Womöglich fällt mir dann noch mehr auf, wie sehr ich ausselektiere.

Ich schätze ich bin jetzt sowieso fürs nächste halbe Jahr völlig beziehungsunfähig - emotional.

04.12.2005 um 15:38 Uhr

One Night Stand Nummer ... ich weiss es nimmer

von: Ryan

Musik: Kettcar - Mein Sakteboard bekommt mein Zahnarzt

Ich hab das Mädel von Donnerstag gestern gesehen, wir waren was trinken, gut angetrunken ... irgendwann haben wir uns geküsst und wir sind zu mir gefahren. Knutschend in der U-Bahn ...

Zuhause Klamotten vom Leib gerissen und es kam wie es kommen musste. Mein Mitbewohner hat sie erstmal begutachtet und fand sie sehr nett.

Und ich sitz hier wie nen Schluck Wasser inner Kurve, hab nur 2 Stunden geschlafen - und bin heute Abend schon wieder mit wem verabredet.

Ich befürchte schon, dass ich mich bald nimmer aufm Kiez blicken lassen kann, weil mir überall Menschen entgegen kommen, mit denen ich was hatte. Mein Mitbewohner hat schon amuisiert vorgeschlagen, ob ich nicht Callboy werden möchte. Dann würd ich nebenbei sogar noch Geld verdienen.

Ich bin nicht so wahnsinnig stolz drauf.

Ich freu mich schon auf die Frage: "Wie war dein Wochenende?" - "Großartig ..."

Seltsamer Weise ist mir aufgefallen, dass alle Menschen, mit denen ich mich getroffen hab (und mehr oder weniger geschlafen) irgendwie immer die gleichen Gemeinsamkeiten hatten. Irgendwie ... unheimlich. Oder neigt man dazu sich solche Menschen auszusuchen? Aber die haben irgendwie alle mich angesprochen, nicht umgekehrt.

01.12.2005 um 19:53 Uhr

Und das Leben geht immer weiter ...

von: Ryan

Musik: Internetradio - Radio Wazee

Ja ich lebe irgendwie von Tag zu Tag. Aufstehen, Frühstücken, Duschen, Kaffee, zur Arbeit ... nach Hause kommen, schlafen, aufstehen ...

Mir tut es gut meine Kollegen zu sehen. Aber ich habe gemerkt wie gehemmt ich bin. Ich fühle mich fett. Ich versuche abzunehmen, irgendwie klappt es nur sehr langsam. Und wenn ich dann mal nen Tshirt anhab und vorm Spiegel stehe, denke ich mir nur: "Oh Gott, der Bauch, die Hüften ..." und irgendwie schäme ich mich dafür. Obwohl ich im Moment nicht so nen heftigen Hunger hab, wie es nur noch vor nen paar Wochen war.

Gestern war ich mit nem Kollegen was trinken, irgendwie haben wir uns inner Kneipe verhangen, und es war eigentlich sehr nett. Ich war natürlich wieder overstylt. Er guckte mich nur und meinte: "Was willst du denn heute aufreissen? Jetzt seh ich schlecht aus neben dir."

Und es hat irgendwie gefunzt. Die Barkeeperin hat mit mir geflirtet und dann waren da zwei junge Mädels neben uns, die schon verdächtig rüberschauten. Irgendwann kam eine rüber, stellte mir nen Tiquilla hin und meinte: "Ich will mit dir anstossen."

Ende vom Lied war, dass ich von der anderen die Telefonnummer abgestaubt hab, die "Schüchterne" von beiden. Mein Arbeitskollege hat sich köstlich amuisiert, das ging morgens auf der Arbeit auch erstmal so los: "Ryan hat gestern nacht Weiber klar gemacht!" - "Echt? Erzähl."

Um halb 2 mit 4 Bier intus ins Bett, einen Liter Wasser noch draufgeknallt und morgens um 6.30 wieder hoch. Dementsprechend saßen wir auch im Unterricht. "Zustand nach Kiez."

Der restliche Tag war so lala, einkaufen, genervt sein vom Chaos meines Mitbewohners in der Küche, zuviel Lebkuchen gegessen, Fernsehen gucken. Mehr war da eigentlich nicht. Und ne SMS von dem Mädel von gestern.

Eigentlich ganz schön ... ich weiss nicht. Ich treff mich im Moment mit sovielen Menschen. Und ich denke eigentlich immer noch an ihn und halte ihn für den einzige richtigen Mann in meinem Leben. Der einzige, der jemals 100% passen würde. Aber ich denke, da spielen meine Hormone mir einen Streich. Zumindest rede ich es mir ein. Ich denke viel zu oft an ihn und das tut mir nicht gut. Ich versuche mich abzulenken, versuche die Dinge zu tun, die ich anderen geraten hab. Ich hab nie so an jemanden gehangen. Selbst die Trennung von meiner Ex hab ich besser überlebt - wahrscheinlich WEGEN ihm, aber egal.

Ich unterteile seltsamer Weise, die Menschen mit denen ich Dates hab in besser und schlechter. Zum Beispiel das Mädel, mit dem ich letzte Woche was hatte ist eindeutig was, womit ich mir nichts weiter vorstellen kann. Irgendwie sind da zuviele Dinge, die mich an ihr stören. Der Kerl mit dem ich mich letzte Woche auch getroffen hab, hatte zum Beispiel weniger Dinge an sich, die mich gestört haben, aber der melden sich natürlich nicht mehr - sie dagegen meint mir jetzt jeden Tag 2 SMS mindestens schreiben zu müssen.

Vielleicht tut mir das gar nicht gut, dass ich Leute date. Vielleicht tue ich es, weil ich zwanghaft suche was ich verloren habe.

Vielleicht brauch ich auch diese Selbstbestättigung um mich lebendig zu fühlen. Im Moment gibt es einfach kaum etwas, was mir dieses Gefühl gibt. Ich kann mich für nichts begeistern, die Weihnachtszeit und das kalte Wetter depremieren mich zusätzlich. In vielen Andeutungen meiner Mitmenschen sehe ich Ablehnung, obwohl ich genau weiss, dass das wohl eher meiner kranken Fantasie entspringt als den Tatsachen.

Ich versuche damit umzugehen bis es vorbei ist. Aber es dauert schon ziemlich lange an. Irgendwie gehts weiter.