Boys don´t cry

28.02.2007 um 01:46 Uhr

Ich bin so böd

von: Ryan

Trotz Angeschlagenheit meiner Grippe gehe ich mit meinen Kollegen was trinken, und nicht nur so "Ich gehe dann um 10 um genug Schlaf zu kriegen", nein ich bleibe mit dem harten Rest um mir ein Taxi bestellen zu müssen, obwohl ich extrem ungern Taxi fahre.

Gut, es war ein wunderschöner und bereichender Abend für mich. Muss ich zugeben und ich hätte ihn auch keine Minute eher verlassen wollen, obwohl ich um 6 aufstehen muss, was im Klartext bedeutet 4 Stunden Schlaf obwohl ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen bin. Aber was soll´s?

Und dann kam irgendwann das Thema auf die Geschichte mit dem Mann mit dem komischen Namen und die Trennung und wie mich eine anwesende Kollegin vorm Selbstmord gerettet hat. Natürlich von meiner Seite etwas humoristier erzählt als ich sie damals wahrgenommen habe. Immerhin war ich am Boden zerstört, ich hätte mich ohne diese Kollegin (besser: Freundin) vor die nächste S-Bahn geschmissen, aber ... nun ja, das war die Kollegin, die in mich verliebt war/mittlerweile wirklich WAR ... ihre Mitbewohnerin fragte so im feucht-fröhlichen Gespräch: "Und? Was ist nun mit euch beiden?" und ich hätte so gerne gesagt: "Ja, sie ist eine der tollsten Frauen die mir je über den Wegb gelaufen sind, und sie ist attraktiv und ich verstehe mich mit mehr als großartig und sie ist lieb und gleichzeitig stark und ich mag sie so unglaublich gerne, dass ...." aber irgendwie wurde das Gespräch noch bevor ich sowas in der Art äußern konnte, von einem anderen Thema gelenkt ... und ich befürchte, dass die tollste Frau, die jemals in mich verliebt war, so an mir vorbei gegangen ist ohne dass ich es bemerkt habe oder gleichzeitig fixiert war, auf das Großartigeste, was mir wahrscheinlich eh nicht begegnen wird. Und dass sie immer da war, wenn´s mir schlecht ging, aber ich nie da war, wenn es ihr so ging. Ich mag sie sehr gerne, aber in letzter Zeit haben wir eher weniger Kontakt ... und das ist irgendwie schade. Vielleicht war sie auch mein ultimatives Glück in Sicherheit und Geborgenheit, was ich immer gesucht habe.

Zumindest: Ich habe nicht mehr soviel Zeit zum schlafen, deswegen: Good night lovers (Zitat Depeche Mode)

26.02.2007 um 19:27 Uhr

Murphys Law

von: Ryan

Heute läuft irgendwie alles strange, was komisch laufen könnte. Nebenbei erwähnt: ich hab seit Freitag ne dicke, dicke Grippe. Also war ich Samstag mal so klug und bin einkaufen gegangen, um mir nen neuen Wasserkocher zu besorgen. DENN Trinken ist bei fast allen Erkrankungen das A und O. Und damit ich mich dann schön mit heissen Tee in mein Bett verkrümmeln konnte, wollte ich mir eigentlich ne neue Thermoskanne kaufen, weil meine alte schon so siffig aussieht. Allerdings musste ich mit Schrecken feststellen, dass die günstigen Thermoskanne irgendwie alle ... naja, also ich bin ja ein Mensch, der viel Wert auf´s Äußere legt ... und die Deluxmodelle gehen so ab 35 Euro los, was mir dann auch eindeutig zu teuer ist. Und bevor ich ne hässliche Thermoskanne habe, kauf ich dann lieber gar keine. Also hab ich aus Frust nen neuen Wasserkocher gekauft, weil mein alter langsam aber sicher kontinuierlich Wasser verliert.

Also zuhause alten Wasserkocher entsorgt, neuen aufgebaut - alles wunderbar. Heute fiel mir auf, dass der neue ebenfall Wasser verliert und zwar in einem viel größerem Ausmaß als der alte. Gut ... die Verkäuferin hatte was von Garantie gesagt - mit Kassenbon natürlich. Bin ich ein Mensch, der Kassenbons aufgewahrt? NEIN ... ich weiss sogar noch, dass ich mir dachte: "Och, wenn der Wasserkocher 2 Jahre hält, bin ich schon glücklich und kauf mir einfach nen neuen" als ich den Kassenbon in die Mülltonne gepfeffert hab. Wer konnte wissen, dass der Wasserkocher nur 2 Tage hält? Müll durchgekramt nach dem Kassenbon, ebenso nach der Verpackung gesucht und postwendet zurück ins Kaufhaus um mir dann folgenden Spruch von einer genervten Verkäuferin abzuholen: "Ach der Wasserkocher verliert Wasser? Soll er das denn nicht?" - Ha ha, selten so gelacht ... aber jetzt liegt der Kassenbon gut sichtbar in meiner Küchenschublade. Wenn das Ding die nächsten 5 Tage nicht überlebt, hol ich mir nen teueren.

Und noch was: es geht um diese Frau, mit der ich letzte Woche eine Nacht verbracht habe. Ich hab mich Samstag mit diesem Kumpel nochmal herzlichst über sie ausgelassen. Und er meinte so ganz nebenbei: "Tja, also sie hat mir gestern gesagt, dass das zwischen uns nix wird, weil sie wen anderes kennen gelernt hat." So wie ich die Sache einschätze, lernt die laufend neue Männer kennen ... aber an wen schmeisst sie sich vermehrt ran? An MICH ... großartig. Ich weiss echt noch nicht wie ich die Geschichte bewerten soll oder gar damit umgehen?

Und ansonsten schlepp ich mich jetzt erstmal weiterhin mit verquollenem Gesicht, tränenden Augen, wundgeputzter, knallroter Schniefnase durch die Gegend und huste so schlimm, dass Mütter im Supermarkt ihre Kinder aus meinem Umkreis reissen, weil sie wahrscheinlich befürchten, dass ich Tuberkulose hab oder schlimmeres.

21.02.2007 um 21:41 Uhr

Hoppla

von: Ryan

Also ich hab dann jetzt mit meinem Kumpel telefoniert und ihm die neusten Ereignisse mitgeteilt - erst etwas rumgedruckst: "Also wir haben uns jetzt getroffen und war ganz nett." - "Ja ich hab mich auch mit ihr getroffen und es war nett." - "Hast du auch das Gefühl, dass sie zugenommen hat?" - "Oh ja, die hat sich ganz schön was angefressen." - "Und was habt ihr so gemacht?" - "Wir waren was trinken." - "Wir auch." - "Hast du ihre Wohnung gesehen?" - "Jepp, wir haben noch nen Wein getrunken bei ihr." - "Ja, haben wir auch."

Schweigen - "Habt ihr geknutscht?" - "Jepp." - "Ja wir auch. Sie kann ganz gut küssen." - "Stimmt." 

Wieder schweigen - "Und ... seid ihr weiter ... mh du weisst schon ..." - "Öhm ja." - "Ihr Bett ist ja nicht so bequem, find ich." - "Ja find ich auch." - "Und habt ihr ...?" - "Jepp ... volles Programm." - "Ja ... also ich auch." - Hoppla ...

"Du bist jetzt aber nicht böse auf mich oder?" - "Nee, du auf mich?" - "Nee, also sie ist ja diejenige ... du weisst schon." - "Jepp, ich hab mir da jetzt auch nicht soviel bei gedacht." - "Nee ich hab mir auch keine Hoffnungen gemacht." - "Dann ist ja gut, würdest du wieder wenn sich die Gelegenheit ...?" - "Keine Ahnung ... ich muss auch ganz ehrlich sagen, vielleicht lag´s auch an mir, aber ... so toll fand ich sie nicht." - "Echt? Genau das gleiche dachte ich auch." - "Das beruhigt mich jetzt irgendwie total." - "Ja mich auch."

"Ob sie weiss, dass wir uns kennen?" - "Sie weiss, dass wir mal zusammen zur Schule gegangen sind und sie hat mich nach dir gefragt." - "Und was haste gesagt?" - "Ja, dass wir kaum noch Kontakt haben und uns so gut wie nie sehen." - "Das stimmt aber doch gar nicht." - "Aber das muss sie ja nicht wissen."

Ich hatte noch nie in meinem Leben so ein seltsames Telefonat. Aber wir sind Kumpels - trotzdem - irgendwie ist das ganz schön seltsam. Sex-and-the-City Geschichten gibt es also auch im wirklichen Leben.

21.02.2007 um 17:26 Uhr

Der Weiberheld

von: Ryan

Ach ja ... was soll man sagen ... ich hab ja großkotzig erzählt ich würde mich in Abstinez wahren ... und dann trifft man sich mit jemanden auf nen Drink. Drei Gin Tonic später beschliesst man noch auf einen Absacker zu ihr zu gehen. Eine Flasche Wein später sitzt man dann knutschend aufm Sofa und noch ein wenig später liegt man zusammen im Bett und beginnt an der Kleidung des anderen rumzunästeln. Und da ich dazu neige solche Situationen zu bewerten, tue ich das auch gleich mal: Irgendwie war es nicht so leidenschaftlich wie sonst. Das war halt irgendwie Sex, nicht mehr und nicht weniger. Beim Gin Tonic hatte man ja immerhin Zeit seine Standpunkte klar zu machen, bezüglich Beziehung, Zukunftsplanung etc.

Und jetzt sitz ich zuhause, bin total übermüdet, weil wir zu wenig geschlafen haben - obwohl ich glaube, dass sie deutlich mehr geschlafen hat als ich, ich bin es nicht gewohnt neben jemanden zu liegen, der schnarrcht - hab Rückenschmerzen von ihrer viel zu weichen Matratze, hab notdürftig geduscht und kurz das Nötigste eingekauft. Das heisst in meinem bulimischen Verständnis: Getränke. Cola Light, Tee, fettarme Milch und Bier.

Im übrigen war das der erste Beischlaf seit dem Mann mit dem komischen Namen, weil ich in meine romantischen Ader dachte, es hätte was zauberhaftes sagen zu können: Den letzten Menschen, mit dem ich Verkehr hatte, hab ich sehr geliebt. Aber mittlerweile bin ich drüber weg und der Mann mit dem seltsamen Namen ist irgendwie vergessen und schnuppe. Natürlich habe ich vor meinem inneren Auge trotzdem Vergleiche angestellt: Ein anorektischer, durchtrainierter, kleiner Mann gegen eine minimal übergewichtige, minimal größere (als ich) Frau. Das ist irgendwie kein Vergleich. Äpfel und Birnen kann man nicht vergleichen, ebenso wenig wie weibliche Rundungen mit männlichen Muskeln.

Und dann fällt mir noch was ein - das Komplizierteste bei dieser unkomplizierten Nacht: Nen Kumpel von mir steht auf die Frau und wir hatten damals abgemacht, dass wir uns melden, wenn irgendeiner von uns sich mit dieser Dame trifft. Wir wollten uns das auch nicht übel nehmen und uns austauschen, denn unserer Freundschaft sollte so eine Frau nichts anhaben können. Ich sollte ihm trotzdem schonend beibringen, dass da schon ne ganze Menge mehr war ... ich denke ich werde ihn mal anrufen, er neigt dazu leicht überzureagieren und einem vor zu halten, man habe doch versucht es zu verstecken, nur weil man die Geschichte nicht brühwarm überliefert ... und er ist auch ziemlich sensibel und ... ich glaub der reisst mir den Kopf ab, ich bring´s lieber gleich hinter mich.

19.02.2007 um 23:39 Uhr

Spätdienst

von: Ryan

Heute war ein netter Tag: Erstmal geschlafen bis ich wirklich aufstehen musste, zur Spätschicht und gaaanz viele Kollegen, die ich sehr gerne mag getroffen. Mal irgendwo runter auf ne andere Station auf ne Zigarette, hier mal nen Knuddler, da mal nen Schnack. Es war auch echt nicht so viel zu tun, ich hatte mehr zu tun mit der Pflege zwischemenschlich-kollegialer Beziehungen als mit der meiner Patienten. In den wenigen Momenten, in der meine Kompetenz dann gefragt habe, habe ich mit dieser natürlich geglänzt und sonst ist eigentlich auch alles ganz okay.

Bis auf mein Singleleben - auf der einen Seite ganz angenehm. Ich habe keine Verpflichtungen, niemand geht mir aufm Keks und trotzdem ... naja, ich habe diese Woche ein Date, welche ich umlegen muss, weil mein Dienstplan sich mal wieder geändert hat, bzw. ich benutze dies als Ausrede. Hört sich immerhin ziemlich gut an, wenn man sagt: "Ich kann nicht, ich muss morgen arbeiten." Eigentlich müsste ich mich bei dieser Frau melden, aber ... ich schieb´s vor mir her. Ich glaube sie ist nett. Nicht begeisternd, aber nett. Könnte ein sehr netter Abend werden. Wenn es das nicht wird, habe ich Angst enttäuscht zu sein. Wenn es mehr als nett wird, könnte das kompliziert werden, denn am Ende verliebt man sich und das kann ich grade gar nicht gebrauchen. Auf der anderen Seite weiss ich auch nicht, ob ich mein Single-Leben so klasse finde. Gut, ich hab mich dran gewöhnt und alles hat irgendwie seine Vor- und Nachteile.

Ich bin mal wieder sehr entscheidungsfreudig. Ansonsten habe ich keine Probleme. Mein Dienstplan wurde umgestellt aufgrund von Krankheitsfällen - LEIDER LEIDER LEIDER kann ich diese Woche keinen Spätdienst mit meiner Lieblingskollegin Schwester Christiane machen, die morgen wahrscheinlich mit tränenerfüllten Augen auf den Dienstplan schauen wird - sie hatte sich so gefreut mit mir morgen Spätdienst zu machen. Aber wer weiss, was sie sich einfallen lässt - aber die Stationsleitung (eine äußerst sympatische junge, übergeschminkte Dame) ist auf meiner Seite. Sie schaute auf den Dienstplan und sagte: "Wieso hat Christiane denn den Dienstplan umgeschrieben? Was soll das?!" - Kollegin: "Tja, die ist scharf auf den Lernpfleger." und daraufhin kam nur ein: "Aha ..." welches soviel bedeutete wie: "Das kann die sich abschminken. Meinen in nächtelanger, mühevoller Arbeit geschriebenen Dienstplan schreibt die dumme Kuh nicht einfach um."

18.02.2007 um 22:01 Uhr

Ich weiss nicht, warum ich mir das antue

von: Ryan

Noch vor wenigen Wochen hab ich gemault, weil ich mich unbeliebt und vor allem ungeliebt gefühlt habe. Mittlerweile isses ins genaue Gegenteil umgeschlagen. Mein Wochenende war klasse. Ich kam Freitag von der Frühschicht, hab nen bissle Wäsche in die Waschmaschine geschubst, Schlafen gelegt für 2 Stunden, weil ich Donnerstag noch Besuch hatte und dementsprechend wenig geschlafen hatte von Donnerstag auf Freitag. Wäsche kurz aufgehängt, zu meinem Kneipenbruder in die Kneipe - dort Freunde getroffen, weitersaufen aufm Kiez.

Um 8 Uhr morgens erst zuhause, weil eine sehr gute Freundin der Meinung war, sie wolle nicht alleine sein. Sie war sturz besoffen, hatte zuhause schon gekifft und war dementsprechend drauf ... also mal wieder den seelischen Mülleimer gemacht. Samstag morgen nach 4 Stunden Schlaf zu meinem Bruder mit dem Tattoostudio, welches renoviert werden sollte. Also da alle Sachen zusammen gepackt, in den Keller geschleppt, gemalert, Pizzapause, alles wieder hochgeschleppt und ausgepackt - dann um 19 Uhr panischer Anruf von meinem Kneipenbruder, ihm seien zwei Kollegen krank geworden, ob ich aushelfen kann - klar. Also ab in die Kneipe und den Barkeeper gespielt für 5 Stunden. Und das ist aufm Samstag Abend echt stressig. Nach 5 Stunden tun einem die Füße weh wie nach ner 8 Stunden Schicht im Krankenhaus.

Um 3 Uhr morgens nach Hause um dann um 10 wieder aufzustehen und beim nächsten Umzug zu helfen. Und dann haben wir auch von 11 bis 19 Uhr durchgeackert, 2 Bier getrunken, nach Hause und Wohnung aufgeräumt, weil noch zwei Frendinnen kommen wollten. Die sind jetzt grade erst gegangen, weil die auch müde waren von der Woche - was ganz gut war. Und jetzt bin ich irgendwie total kaputt. Nicht vom Kopf her aber körperlich merk ich das doch echt. Ich hab Rückenschmerzen und merke, dass ich am Wochenende zuviel geraucht habe. Irgendwie hatte ich auch überhaupt keine Zeit für mich. Bis auf die zwei Stunden Mittagsschlaf am Freitag (und die Zeit jetzt), hatte ich keine Minute Zeit, in der ich nur das gemacht hab, was ich wirklich wollte. Und ich hab nen schlechtes Gewissen, weil ich keine Minute gelernt hab - wie auch? Ja, und morgen gehts wieder zur Arbeit, Gott sei dank nur Spätdienst - mit meiner Lieblingskollegin, fällt mir grade ein. Das hatte ich schön verdrängt bis heute.

Die hat Freitag auch wieder nen Hammer gebracht. Ich stand im Dienstzimmer und hab sie gefragt, wo ich denn Visitenblätter finden würde, ich hab grade ne Akte ausgearbeitet und ich kenn mich ja bei deren Ordnung nicht aus ... gut, sie beugt sich runter, öffnet ne ganz untere Schublade, holt nen Blatt raus, grinst mich breit an und sagt: "Hast du mir grade auf den Arsch geguckt?" - ich nur: "Äh ... öhm ..." (ich bin echt nicht auf die Idee gekommen, da irgendwie irgendwo auf ihren Körper zu gucken - ich war irgendwie sehr perplex). Sie gibt mir das Visitenblatt, steht dabei näher als eigentlich nötig, ein tiefer Blick in die Augen - kommt noch nen Schritt näher und haucht mir schon fast zu: "Gefällt dir was du siehst?" - Super Situation - 3-4 lange Sekunden verstrichen bis das Telefon geklingelt hat und ich da echt wie nen Bekloppter hingehechtet bin. Wie sollen denn dann erst die Nächte mit ihr werden? Ich muss mich dringend outen – schwul ist noch zu wenig. Ich muss transsexuell werden. Ich glaube, ich kauf mir morgen rosa Haarspangen, Wimperntusche und verlange von meinen Kollegen, dass sie mich Rita nennen.

15.02.2007 um 00:24 Uhr

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

von: Ryan

Ich muss mich mal wieder aufregen. Diese gewisse Kollegin macht mich fertig mit ihrer nervig-freundlichen Art. Sie ist so nen Mensch, der irgendwie schwer zu ertragen ist für einen Menschen wie mich. Sie hat zu allem und jeden einen Kommentar und findet sich dabei sehr lustig. In der Übergabe hab ich mich schon extra nicht neben sie gesetzt - nein, sie kam hinterher gerückt. Mein Lösungsversuch für dieses Problem sieht wie folgt aus: Ignorieren, konsequent. Kein Wort mehr sprechen als nötig. Aber das geht gar nicht, sie sabbelt mich zu: "Du hast aber ne hübsche Schrift - ach du trinkst schwarzen Tee, also ich mag ja auch keinen Kaffee - hast du dich schon gut eingelebt?" - "Jupp." - "Das ist ja schön, unsere Schüler fühlen sich hier auch immer sehr wohl, wie alt bist du eigentlich?" Ich guck hoch, sie blinkert mich an, sitzt an der äußersten Stuhlkante, 5 cm noch und sie hätte auf meinem Schoss gesessen. "22 bin ich" antworte ich knapp, sie strahlt mich an: "Ich bin 26, das sind ja nur 4 Jahre Unterschied!" Okay, sie kann rechnen, großartig ...

Die Übergabe war dann auch echt toll. Ich hatte irgendwie überhaupt keinen Platz zum schreiben, weil sie mir halb aufm Oberarm hing. Und irgendwie hat sie nur mit mir die Übergabe gemacht, die anderen Kollegen waren kaum präsent. "Der Patient hatte einen Apoplex, Ryan, weisst du was ein Apoplex ist?" - "Jepp, ich mach die Ausbildung schon ne Ecke länger." Mit einem Mal fängt die an zu lachen als hätte ich den Witz des Jahrhunderts gerissen und sie sagt dann noch halbkichernd: "Das ist total toll, dass du da bist und auch noch so fit bist." - "Naja, sollte ich, wenn ich kurz vorm Examen stehe ..." Da fängt die blöde Kuh wieder an zu affektiert zu lachen ... boah ... die anderen Kollegen guckten auch nur ganz kritisch schweigend. Dann irgendwann strich sie mir ganz zärtlich über den Oberarm und fragte mit kindlicher Stimme: "Du Ryan, kannst du mir einen groooßen Gefallen tun und dich um die Diabetiker wegen dem Blutzucker heute kümmern?" - "Jepp." - "Oh Ryan, das ist sooo lieb von dir." Nee, das ist mein Job ... das hätte ich auch ohne ihre Ansage gemacht, aber ... *seufz*

Ob das schon sexuelle Belästigung ist? Sie nervt mich auf jeden Fall mit ihrer Art und ich bin auch noch grade das Opfer, dem sie besonders viel von ihrer Aufmerksamkeit schenkt. Als sie dann endlich abdackelte, weil ihr Dienst zuende war, standen zwei Kolleginnen und ich im Dienstzimmer, schauten ihr nach. Kaum war die Aufzugtür zu, sofort die eine: "Boah, Christiane dreht ja voll am Rad. Die hat sich ja total in dich verknallt ..." - "Ich befürchte es." und die andere Kollegin: "Die hat vorhin angefangen den ganzen Dienstplan umzuschreiben, damit sie mit dir Nachtschichten hat ..." *schluck*

14.02.2007 um 00:46 Uhr

Ach ja

von: Ryan

Mein Leben läuft so vor sich hin. Es ist stressig, ich habe viele Dinge zu erledigen und ich tue sie auch, weil sie eben getan werden müssen. Auf der anderen Seite weiss ich selbst, dass ich maule wenn ich unterfordert bin und sobald ich es mal nicht bin, bin ich gleich überfordert. Glaube ich zumindest.

Ich bin nicht unglücklich und im Grunde genommen habe ich tausend Kleinigkeiten, über die ich mich aufregen könnte, was ich aber nicht tue, weil ich mir denke: "Ach ja.", schulterzucke und das war´s irgendwie. "Kannst du mir beim Umzug helfen?" - "Klar." Wo waren sie bei meinem Umzug?, "Kannst du am Wochenende Spätdienst machen?" - "Klar." Wieso fragt man immer mich, ob ich Dienste tauschen kann? Ich sag bei sowas auch schnelle "Ja" als ich denken kann, weil ich wohl im Grunde meines Herzens ein guter Mensch sein muss.

Zu dem Stress um mich herum denke ich mir auch nur seufendes "Ach ja." Ich arbeite grade auf einer Neurologie - ist schon sehr interessant was im Gehirn eines Menschens vorgehen kann, und obwohl es schwere Erkrankungen sind, hat man nicht viel zu tun außer Medis stellen, Akten ausarbeiten und nen bissle mit den Patienten quatschen. Ich hab heute aus lauter Langeweile angefangen andere Stationen zu fragen ob ich denen nicht irgendwie helfen kann. Irgendwen waschen - obwohl ich waschen hasse.

Dann haben mich heute abend zwei Freundinnen besucht, die (wie immer) meinen Alkohol leergesoffen und meine Zigaretten geraucht haben - und nebenbei ihren Seelenmüll bei mir abgeladen haben. Die beiden sind mal wieder furchtbar unglücklich verliebt - ich versteh es nicht wie oft man sich verlieben kann - und die beiden tun das lustiger Weise immer paralell - versteh ich nicht ... aber naja ... was soll man schon sagen zu sowas?

Im Moment habe ich echt eine sehr gesunde neutrale Einstellung. Ich bin wie die Schweiz. Die Konflikte anderer interessieren mich nicht und ich hab auch keine Aktien bei sowas. Ich leb friedlich für mich selbst, kriege zwar diverse Einblicke in andere Welten aber lasse mich nicht beeinflussen. Ich versteh mich mit jedem gut und Ende. Ich mag meine Einstellung zur Zeit obwohl sie gleichgültig wirkt. Aber gleichgültig wirkt wohl noch zu extrem, ich bevorzuge doch eher neutral. Es geht mir weder gut noch schlecht, keine Tendenz zu einer Seite, komplette 0-Stellung.

Im übrigen ist Valentinstag morgen, bzw. in 4 Minuten - und ganz ehrlich: scheiss Kommerztag. Okay, ich bin Single, was soll ich anderes sagen als etwas negatives? Aber wäre ich glücklich mit dem Stress einer Beziehung als mit dem Stress Single zu sein? Im Moment begnüge ich mich mit dem "Prä-Examens"-Stress. Reicht doch oder? Erstmal was berufliches aufbauen und dann kommt alles andere. Das war´s auch zum hier und jetzt.

Was ist in der vergangenen Zeit passiert? Wir haben die 7. Woche, in der ich kotzfrei bleiben wollte - hat gestern nicht geklappt - Rückfall. Finger in den Hals ... und ja ... irgendwie konnte ich es nicht aushalten. Aber was nützen Vorwürfe? Ich schaff´s lange durchzuhalten ohne und die nächste Phase wird noch länger als 7 Wochen. Ich bin wirklich zuversichtlich trotz Rückfalls. Ich weiss, dass ich es kann.

Noch was ganz Spektakuläres am Wochenende: Mein Bruder und ich waren mit seinem Auto unterwegs zu Freunden ... Glatteis und uns ist natürlich prompt ein Auto reingeditscht ... total spektakulärer Unfall (vorsicht: KEINE Ironie). Ich bin echt froh, dass uns nicht mehr passiert ist. Ich hab nur nen riesen Hämatom an Schulter, Ober- und Unterarm. Mein Bruder hatte nen leichtes Schädel-Hirn-Traum. Das Auto: Totalschaden. Die gesamte Beifahrerseite war geknautscht, die Tür hat man nicht mehr aufgekriegt (und ICH war der Beifahrer). Naja, wir sind irgendwie beide noch ganz eigenständig aus dem Auto gekommen, mein Bruder hat sich nur tierisch aufgeregt und ist fast auf den anderen Autofahrer losgegangen. Ich war eher so alla: "Komm runter, ist ja nix passiert." Aber ich hab das auch nicht gerafft in dem Moment, ich war ziemlich ruhig bis zu dem Moment wo der Polizist unser Auto angeguckt hat und meinte: "Dass da nicht mehr passiert ist ... wir rufen mal doch nen Krankenwagen." Und ich nur: "Ach quatsch, ich bin Krankenpfleger." und der Polizist: "Okay, halten Sie mal die Hände ruhig ausgestreckt." Und obwohl ich mich innerlich total ruhig gefühlt hab, haben meine Hände gezittert. Und ich meinte dann nur: "Okay, ich ruf kurz Freunde an, die uns eigentlich erwarten." Ich hatte das Handy schon in der Hand und mein Bruder die ganze Zeit: "Boah, ich hab irgendwie Kopfschmerzen." Und ich WOLLTE noch sagen: "Na besser wenn du doch noch mal nen Schädel-CT kriegst." aber das konnte ich nur noch denken ... und bin kollabiert. 1A umgekippt. Wie im Film - sagte mein Bruder - Augen verdreht und Beine weggesackt. Das nächste was ich wieder mitbekommen hab, wie ein Sani mir in die Pupillen geleutet hat und mich nach meinem Namen gefragt hat. Also Unfallklinik, 3 Stunden rumgesessen (man hätte ja auch in der Zeit ne Hirnblutung schieben können, aber denen war das wohl egal ...) kurz durchgecheckt und dann durften wir wieder nach Hause. Der Tag war dann auch irgendwie gelaufen. Spektakulär hab ich den Unfall aber nicht empfunden (obwohl mir ganz anders wird, wenn ich Fotos vom zerknautschen Auto sehe). Mir gings ja eigentlich gut, ich bin nur einmal umgekippt - und der Arm tut weh.

Ich denke, ich gehe ins Bett und langweile niemanden weiter mit meiner derzeitigen Lebenslage, immerhin bin ich so neutral wie man grade nur sein kann. Und ich muss morgen vorm Dienst noch Alkohol kaufen - für nach den Dienst ... ich hab mit einer Kollegin Dienst, die ich irgendwie ... das kann man gar nicht beschreiben wie die drauf ist. Zum einen: Sie baggert mich an, zum zweiten: Ich bin der Meinung, sie ist bekloppt. Nicht flappsig gemeint, sondern ernsthaft. Die kam heute an: "Ryan, schau mal wie schön das Aktenblatt aussieht, was ich grade geschrieben hab." (Sie ist nen Jahr jünger als ich aber schon examiniert) und ich sagte nur: "Ja stimmt, sehr ordentlich." und dachte aber gleichzeig: "Hä? Was soll das?" Und irgendwie ist sie auch so .... uninteressant (freundlich ausgedrückt), nicht als Frau aber so rein menschlich.

Sie lächelt IMMER, aber eher ein verdeckendes Lächeln. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen wie ein ehrliches Lächeln bei ihr aussehen würde. Sie wirkt einfach durch und durch affektiert. Und gleichzeitig wirkt sie als bräuchte sie immer jemanden der neben ihr steht und sagt: "Ey super, dass du den richtigen Namen aufs richtige Blutröhrchen geklebt hast." Und sie macht sich wie gesagt an mich ran, sie sitzt dauernd neben mir, sucht irgendwie dauernd Körperkontakt, beim Frühstück, bei der Übergabe, aufm Flur, in der Küche ... dauernd ein "zufälliges" Tätscheln an meinem Arm, meiner Schulter, sie schaut dauernd in meine Richtung und guckt, ob ich nicht zufällig gucke. Am geilsten war noch als ich im Dienstzimmer saß, was geschrieben hab, sie kommt rein, macht die Tür zu und sagt: "Hu, wir ganz alleine im Dienstzimmer ... wenn jetzt einer kommt ..." und kicherte ganz komisch, so dass ich nicht wusste, ob ich sagen sollte: "Sag mal hackt es bei dir?" oder: "Liebe Christiane, möchtest du ein bisschen Diazepam um von deinem komischen Trip runter zu kommen?"

Ich mein, ich leb ich echt schnell überall ein und wenn mir jemand sympathisch ist, alber ich auch total schnell mit den Leuten rum - aber angemessener Weise. Und diese Frau mag ich nicht und sie sagt auch irgendwie solche Dinge immer in den falschen Moment und in einer Art, die ich echt nicht ab kann. Wir kennen uns keine 3 Tage und sie tut als hätten wir ne dicke Affäre ... nebenbei ist sie auch als Krankenschwester irgendwie ... naja ... sie rennt dauernd durch die Gegend und hat irgendwie zu nix Zeit, wenn man sie um was bittet - aber was produktives hat sie in der heutigen Schicht auch nicht geschafft. Hauptsache man tut so als sei man beschäftigt.

Lösungsmöglichkeiten für die nächste Schicht mit meiner geliebten Schwester Christiane: 1) ich betrinke mich ausgiebig danach, 2) Ich melde mich krank - ich hab den Noro Virus, die Cholera, die Pest oder schlimmeres, 3) ich oute mich ausführlich und eindeutig. Mit abgespreizten kleinen Finger an der Kaffeetasse werde ich während der Pause ihr gegenüber sitzen, mit überschlagenen Beinen leicht wippend und eine Tonlage höher als sonst höher werde ich von meinem (imaginären) Verlobten schwärmen und ihr von den Problemen aus der Sicht eines durch und durch schwulen Mannes erzählen. Ich hoffe das ist ein Schock für sie oder sie ist wenigstens ein wenig schwulenfeindlich ... ansonsten hab ich für die nächsten 5 Wochen die Cholera oder Tuberkulose und kann leider nicht arbeiten.

09.02.2007 um 01:10 Uhr

Von rosa Türen, Koffeinsucht und verwirrten Brüdern

von: Ryan

Ich überlege mich ernsthaft bei den Anonymen Koffeinjunkies anzumelden - oder wahlweise bei den Anonymen Narkoleptikern (Narkolepsie = Schlafkrankheit). Ich hab mich gewundert, warum ich die letzten 2 Tage so unendlich müde war ... Ich hab bis fast 12 geschlafen, bin zur Arbeit, nach Hause und tot ins Bett. Mittlerweile habe ich rausgefunden, dass mein Zustand aufgrund meines reduzierten Koffeinkonsums herrührt. Ich hab die letzten WOCHEN schon ziemlich viel Cola Light und schwarzen Tee getrunken. Kaum tut man das mal nicht, ist man totmüde und könnte jede Sekunde schlafen. So müde, dass ich aufm Sofa vorm Fernseher fast eingeschlafen wäre und mir nur mit größter Überwindung nochmal die Zähne putzen konnte, bevor ich dann wie tot in mein Bett gefallen bin.

Diese Erkenntnis macht mir Sorgen und ich überlege meinen Koffeinkonsum langsam auszuschleichen - auf der anderen Seite bin ich auch gerne wach. Also werde ich wohl weiterhin Cola Light und schwarzen Tee auf meiner Grundnahrungsmittelliste behalten.

Noch was Seltsames: In meinem Hausflur klebte schon die ganze Woche ein Zettel: "Die Maler kommen, der Flur wird neu gestrichen." Dieser Zettel ist mir bis HEUTE nicht aufgefallen. Ich hab ihn erst bemerkt, als ich vor einer pastell-rosa gestrichenen Haustür stand und erstmal 10 Sekunden verdattert davor stand und überlegt hab, ob ich in nen falschen Hauseingang gelaufen bin ... nee, da war mein Name an dieser hässlich-rosafarbenden Tür ... gut, der Hausflur wirkte schon eher unfreundlich mit der vorherrschenden Beton-grauen Farbe. Aber jetzt wirkt er unheimlich in diesem Teletubby-fröhlichen Farben. Vielleicht sind das aber auch nur das psychotische Erleben durch meinen Koffeinentzug der letzten Tage. Aber ich befürchte eher, dass die Tür wirklich rosa bleibt, egal wie viel Kaffee ich trinke.

Und dann gab es noch ein Erlebnis vor meiner Schicht. Heute "morgen" um ca. 11.00 riss mich das Telefon aus meinem Entzugsschlaf und mein Bruder war dran. Dazu muss man sagen, dass er damals relativ spät Abi gemacht hat, weil er 2 Extrarunden in der Schule schieben durfte, dann hat er nen bissle hier und dort gearbeitet, Aushilfe in ner Bäckerei, Kellner und sowas eben, was er nie lange durchgehalten hat, weil das ja alles Scheiss-Jobs waren. Zwischendurch war er mal in der Uni eingeschrieben, hat den Hörsaal aber nie von innen gesehen. Und aus wem nichts wird, der wird Wirt. Er ist jetzt 26, arbeitet jetzt seit 2 Jahren mit nem Kumpel in deren gemeinsamen Kneipe auf St. Pauli und hatte genau heute Morgen einen "Ich muss mein Leben ändern und muss was lernen"-Anfall.

"Ryan, ich hab mir was überlegt."

Heiseres "Mmh?" von mir.

"Hab ich dich geweckt? Wieso schläfst du denn noch um diese Uhrzeit?!"

"Ich hab Spätdienst ..."

"Achso, also egal: ich hab mir was überlegt, ich möchte nen Job, bei dem ich anderen Leuten helfen kann. Glaubst du, Krankenpfleger passt zu mir?"

"Du hast doch nen Job."

"Ja, nee, ich arbeite in ner Kneipe, das ist kein Job. Außerdem möchte ich am Wochenende auch mal frei haben. Feiern und so."

"Äh ... du feierst JEDES Wochenende."

"Ja aber auch mal mit Freunden."

"Deine Freunde sind deine Kunden."

"Ja stimmt ... also egal, aber ich kann ja nicht mein Leben lang in einer Kneipe arbeiten. Das macht meine Leber in schon 10 Jahren nicht mit."

"Krankenpflege macht dein Rücken in 10 Jahren auch nicht mit."

Schweigen am anderen Ende und dann nach einer etwas längeren Pause: "Stimmt ... aber man kann in ner Kneipe auch keine Kinder großziehen, stell dir mal vor ich werde Vater ..."

"Ey, wie lange bist du jetzt mit dieser Annette zusammen? 3 Wochen?"

"Ach, Annette ..." Schaufen "Vergiss den Namen Annette, ist nicht mehr aktuell ..." mein Bruder wie er leibt und lebt ... "aber guck mal, Mama ist total stolz auf dich, weil du ja ganz kurz davor bist ne Berufsausbildung abzuschliessen und du bist der EINZIGE von uns Kindern, der bald ne abgeschlossene Berufsausbildung hat!"

"Äh, Steve ist Rechtsanwalt ..."

"Das zählt nicht, er war immer das intelligenteste Kind. Aber ich suche meine Stärken im zwischenmenschlichen Kontakt, ich möchte Menschen zuhören ..."

"Tust du was anderes in deiner Kneipe?"

"Heilerzieher! Kennst du meinen Kumpel Björn? Der ist Heilerzieher, kennst du Heilerzieher?!"

"Heilerzieher?! Mama bringt dich um, wenn du das machst."

"Egal, ich war immer schon der Rebell."

"Heilerzieher sind nicht rebellisch ..."

"Egal, es ist eh mal an der Zeit, dass in meinem Leben etwas mehr Ruhe einkehrt. Tee trinken und so verrückten Kram machen, Birkenstock statt Sneakers - das könnte spannend werden. Wie sind die Heilerzieherinnen?! Den Job machen doch nicht soviele Männer oder? Was macht man eigentlich als Heilerzieher? Wo arbeiten die?"

"In Behinderten-Wohngruppen und ..."

"Also ich mag eigentlich auch gar keinen Tee - passt Medizinisch Technischer Assistent zu mir? So Lebensretter alla Emergency Room?"

"Nee, ICH arbeite bei Emergency Room als Krankenpfleger. Du bist als MTA der Typ, der die Leute röntgen muss."

"Ja, nee ... aber alte Ladys waschen will ich auch nicht ... das ist irgendwie eklig ... Kindergärtner hab ich ja auch überlegt, aber ich glaube Kinder können auch mal sabbern und ich komm da irgendwie mit sabbernden Menschen nicht klar ... Ich könnte auch was Wichtiges werden, wie Steve Anwalt oder so."

"Dir ist klar, dass du dann nen Anzug tragen musst?"

"Dann werde ich ein rebellischer Anwalt mit Tattoos und Lederjacke."

"Wolltest du nicht grade noch, dass Ruhe in dein Leben einkehrt, Tee, Birkenstock und so?"

"Ryan - das ist mein Leben ... Musiktherapeut! Ich mag Musik und spiele Gitarre!"

"Da kannst du aber nicht nur mit Punk Rock arbeiten."

"Wieso?"

"Ach ..." Ryan verzweifelt. "Du ich muss auch langsam duschen und zur Arbeit."

"Hehe, ich hatte heute frei und muss morgen erst wieder. Kommst du morgen Abend vorbei aufm Bier? Das wird bestimmt lustig."

"Klar ..."

Ich geb mir echt Mühe in dieser Welt normal zu bleiben. Und ich wundere mich warum ich exessiv Koffein zu mir nehme ...

04.02.2007 um 01:30 Uhr

Die Vorzüge eines ruhigen Wochenendes

von: Ryan

Was kann ich heute schreiben? Ich bin immer noch sehr motiviert. Ich wollte heute morgen eigentlich früh aufstehen, war auch um 10.00 wach und lag dann so in meinem warme, weichen Bett und war plötzlich gar nicht sooo motiviert aufzustehen. Fernseher an, diese Sendung geschaut, jene ... gefrühstückt ... und dann begann "Scrubs" - ich liebe diese Sendung. Die zwei Samstags-Folgen musste ich natürlich sehen, und dann noch "Grey´s Anatomie" und dann war es doch später als ich mir vorgenommen hatte. Mein großes Problem ist halt meinen Arsch aus dem Bett zu bewegen. Ich könnte den ganzen Tag im Bett liegen/sitzen, Fernsehen, dösen, schlafen, mich in meine Bettdecke kuscheln ...

Ich war dann allerdings doch ganz produktiv als ich mich endlich unter die Dusche gequält hatte. Ne große Tasse schwarzen Tee und eine Tafel Schoki haben mir sehr geholfen das Thema Infektionskrankheiten durchzuarbeiten. Eigentlich hatten mich Freunde gefragt ob wir heute aufm Kiez gehen ... aber ich hab nicht so wirklich Lust. Ich muss mir nicht mehr jedes Wochenende die Kante auf der Reeperbahn geben. Mal davon abgesehen bin ich überhaupt nicht der Stimmung angesprochen oder angeflirtet zu werden. Ich empfinde ne Tafel Schokolade im Moment befriedigender als nen One Night Stand, den man morgens wieder aus seiner Wohnung schmeissen muss. Und es schont den Geldbeutel und meine Leber, dass ich zuhause geblieben bin.

Ich bin im Moment ganz ausgeglichen und zufrieden mit mir. Allerdings bin ich überhaupt nicht müde - liegt vielleicht an den 2 Liter schwarzen Tee heute abend. Die Playlist für heute sieht so aus:

  • Jan Delay - Feuer
  • Rock kills Kids - Paralyzed
  • Olli Schulz & der Hund Marie - Küss mich schnell bevor du platzt
  • Sunrise Avenue - Fairytale gone bad
  • The blood Arm - Stay put!
  • The Fratellis - Chelsea dagger und Creeping up the backstairs

02.02.2007 um 19:11 Uhr

übermotiviert und gut drauf

von: Ryan

Ich hatte heute ein furchtbar traumatisches Erlebnis, allerdings im positiven Sinne ... wir haben uns so unterhalten wie lange es noch bis zum schriftlichen Examen ist ... "Ach wir haben noch maaaaassig Zeit, ist ja erst im Sommer" aber wie schnell kommt der Frühling und plötzlich steht man in sommerlicher Atmosphäre vor den Fragen und wünscht sich, man hätte früher angefangen. Den Knüller hab ich nämlich beim Abitur gebracht, ich hab drei Wochen vorher angefangen zu lernen und das ist ganz schön schief gegangen. Mehr schlecht als recht bin ich durchgekommen - das wird jetzt nicht passieren beim Examen.

Ich hatte schon die Horrorvorstellung vor meinem inneren Auge, wie alle ihr Examen entgegen nehmen, nur ich gehöre zu den Auserwählten, die durchgefallen sind. Und bei diesem Gedanken beginnt mein Herzschlag auf fast pathologische 220 Schläge die Minute zu steigen, ich bekomme Atemnot, Schweissausbrüche und wenn ich keine Berufserlaubnis bekomme, ist mein Leben eh vorbei.

Es ist nicht so, dass ich schlecht bin, ich bewege mich notentechnisch im oberen Drittel, ABER man muss es ja auch nicht provizieren so eine große, entscheidende Prüfung zu versemmeln.

Gut, Entschluss gefasst: Ich lern mir jetzt den Arsch ab - ich werde durch diese bescheuerte Prüfung kommen. Und nicht nur das: Ich werde sie sehr gut bestehen. Ich werde einer der besten Krankenpfleger überhaupt. Das ist ne ganz tolle Taktik, die ich mir da überlegt habe. Damit unterbuttere ich meinen inneren Schweinhund nämlich automatisch mit meinem arroganten Ergeiz. Ich finde meine Einstellung großartig, meine Panik ist seitdem wie weggeblasen.

Und ich habe prompt genau heute angefangen zu lernen - ich hab mich jetzt 4 Stunden lang durch die spannenden Herzerkrankungen gequält - Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, alloplastische Kunstherztranplantationen, Herzstenosen, Koronare Herzkrankheit, Herzscheidewanddefekte und so weiter und so fort ... ich bin grade sehr stolz auf mich. Jetzt muss ich mich nur noch weiterhin motivieren mein Lernnivau zu halten.

Auf der anderen Seite: ich bin ledig, jung, aufnahmefähig, wissenhungrig und hab eigentlich nichts besseres zu tun. Ich werde starke Einschränkungen in meinem Leben haben: weniger Fernsehen (ich bin ein verwöhntes Wessi-Kind, ich schaue chronisch zuviel Fernsehen), am Wochenende nicht so viel feiern und saufen, dass man danach nen ganzen Tag krank im Bett liegt, ich werde nicht mehr aus Langeweile essen oder sinnlos durch irgendwelche Webseiten streifen. Und eigentlich mag ich es beschäftigt zu sein.

Fazit: Ich bin motiviert und ich stelle mir nicht mehr die angstbesetze Frage OB ich das Examen überhaupt schaffe, sondern die Frage ob ich ein guter oder ein sehr guter Krankenpfleger werde. Und jetzt muss ich dringend Verliebt in Berlin schauen - ich hab mein Leben lang Sopas systematisch und konsquent boikottiert - aber das ist wie mit Sekten: einmal drin, kommt man nicht mehr raus. 

01.02.2007 um 21:59 Uhr

Ein Tag, der kickt

von: Ryan

Heute war nen seltsamer Tag. Obwohl ich dachte, ich wäre in einer stabilen Lage, hab ich heute wieder festgestellt, wie schnell sich dies ändern kann. Eine kleine Erinnerung hier und ein Wort zu viel reicht aus, dass mir die Tränen in die Augen steigen. Aber: Boys don´t cry. Tränen runterschlucken und warten bis sich die Anspannung im Körper löst. Nicht weiter drüber nachdenken woher man kommt und dass man nicht das ist was man zu sein scheint für seine Umwelt. Nicht ins Gedankenkarussel einsteigen, Augen zu und durch. Und irgendwann wurde es auch besser.

Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass es mir wahnsinnig nachhängt wie ein Kater nach einer durchsoffenen Nacht. Ich bin wieder in meiner unendlichen Unzufriedenheit drin. Ich möchte am liebsten heulen und schreien, weil ich mich so einsam und alleine fühle. Und vor allem: irgendwie ungeliebt. Gut, mich mögen viele Leute, aber vieleicht ertragen sie mich auch nur, weil sie nicht anders können. Es ist eigentlich unpassend sowas über seine Freunde zu denken, aber ich bin so wahnsinnig empfindlich. Ich mag mich selbst so wenig, dass ich es kaum für vorstellbar halte, dass es jemand anderen anders geht als mir. Vielleicht male ich im Moment auch nur deswegen soviel, weil ich mir unterbewusst erhoffe, dass jemand mich zu wertschätzen weiss, wenn er merkt, dass ich halbwegs Talent habe. Ich arbeite so hart, damit meine Kollegen mich aufgrund meiner Arbeit zu wertschätzen lernen. Ich achte deswegen so auf mein Äußeres, damit die Leute mich nicht noch aufgrund dessen hassen können. Ich achte auf mein Essverhalten, damit niemand sagen kann: "Ryan ist aber ganz schön in die Breite gegangen." Zumindest kommt es mir im Moment alles so vor. Als ob ich ein Nichts wäre, nichts könnte und es nichts liebenswertes an mir geben würde. Und genau auf diese Behauptungen bin ich heute gestossen, als ich in meine Vergangenheit blicken durfte. Mir wurde das Jahre lang erzählt und niemand hat mir gesagt, dass das alles nicht wahr ist und nur die dummen Behauptungen eines Alkoholikers, der alles und jeden runterputzen muss, um sein kleinen Rest Selbstachtung zu behalten.

Super viele Leute sagen immer, dass ihre Kindheit wahnsinnig schön war, unbeschwert, man muss sich um nichts Sorgen machen. Die Probleme fingen dann erst mit der Verantwortung und dem Erwachsenwerden an. Ich hab nen sehr guten Freund, der immer mal wieder seufzend in melancholischen Momenten sagt: "Ich wäre so gerne nochmal Kind."

Bei mir ist das anders, ich würde nie wieder in meinem Leben Kind sein wollen. Zumindest nicht das Kind unter den Umständen wie es früher war. Ich war unglücklich, ängstlich, allen lässtig, alleine und völlig verlassen. Und es war schön erwachsen zu werden und zu merken, dass ich unabhängig von dem ganzen Familienchaos sein kann. Und dass ich mir selbst helfen kann, wenn es schon kein anderer tut. Die einzig schöne Zeit in meinem Kindheit war als meine kleine Schwester geboren wurde. Da war irgendwie mal alles ganz harmonisch - für ne kurze Zeit.

Und um nochmal was positives zu sagen heute: Obwohl mir echt elend war und ich mich bedrückt und furchtbar klein und ungeliebt fühle, hab ich irgendwie geschafft den Tag "normal" durchzustehen. Ich hab zuviel gegessen, vor allem von meiner Schokolade und mein Marmeladenglas - und ich fühlte mich so elend und fett und mir war echt so nach Kotzen wie lange schon nicht mehr ... und ich dachte mir: "Nee, ein Rückfall und du bist wieder drin. Du willst das nicht, das geht nicht mehr, du willst gesund sein, ich will´s nicht." An den meisten Tagen fällt es mir leichter normal zu essen und nicht zu kotzen, und heute fiel mir beides extrem schwer. Aber ich will´s schaffen.

Und mir wird heute mal wieder klar, warum ich diesen Blog führe - weil ich das Gefühl habe, dass ich mit niemanden reden kann. Alle halten mich für so selbstbewusst, offen, freundlich, humorvoll und bla bla und ich hab Angst, dass ich Freunde verliere, wenn ich mit "meiner persönlichen Wahrheit" rauskomme. Nen bisschen hab ich auch Angst, dass ich dann zu sehr in Selbstmitleid verfalle, wenn ich so nen Rückblick bewusst veranstalte. Ich zwinge mich schon sehr die meiste Zeit nach vorne und nicht in mich hinein zu blicken. Und andere Leute, die mehr von mir wissen geben mir ständig das Gefühl, dass sie es nicht ertragen, wenn ich die Frage "Wie geht´s dir?" wahrheitsgemäß beantworte. Oder sie fangen sofort an mit: "Also bei mir ..." und ich funktioniere wieder als seelischer Mülleimer. Und dann krieg ich so Sätze an den Kopf geschmissen wie: "Und mir gehts gut, oder was?" - und ich möchte in solchen Moment ein einziges Mal richtig explodieren und sagen: "Es geht hier mal NICHT UM DICH!" Es geht immer um die anderen - weil sie es von mir erwarten - weil ich es so gewohnt bin und mein Selbstbild sich nicht in einen totunglücklichen, selbstmitleidigen, egoistischen Idioten verwandeln soll, der sich jeden Tag dreimal fragt wie sein psychischer Zustand ist um ihn dann auch genau für alle definieren zu können. Nein - auf der anderen Seite hab ich das Gefühl, ich höre allen immer nur zu und ich bleibe selbst sehr auf der Strecke - aber es fällt mir unglaublich schwer bei dieser Sache einen Mittelweg zu finden.

Soviel dazu ... Blogigo, die seelische Müllhalde für verkappte Spinner wie mich ... ich hab grade beschlossen mir ein hochkalorische Bier der Marke Astra aufzumachen, dieses zu trinken, obwohl wir Donnerstag Abend haben und ich keine Zeit mehr habe die überschüssigen Kalorien abzubauen ... und dann werde ich ganz einfach nur schlafen gehen - und morgen sieht mein Leben wieder ganz anders aus.