Boys don´t cry

08.05.2007 um 07:46 Uhr

Ich bin so tot ...

von: Ryan

Mich nervt das schon wieder an, dass ich neulich Nacht nen halben Nervenzusammenbruch hatte - ich hatte auch genug getrunken, muss man dazu sagen. Ich glaub ich hätt mir das auch nicht verziehen, wenn ich wirklich in so ner Situation plötzlich heulend bei irgendwem vor der Tür gestanden hätte ...

Was gibt´s sonst so neues? Ich bin tot - ich war heute Nacht wieder arbeiten, hatte wieder diese geniale Springerrolle und ... ich bin einfach nur tot. Völlig erledigt, mir tun die Füße weh, ich kann kaum denken und mein Rücken ... ich weiss nicht wie ich sitzen, stehen oder liegen soll. So heftige Rückenschmerzen hatte ich selten - und ich versuch schon so rückenschonend zu arbeiten wie irgendmöglich.

Ich geh jetzt in die Heia, schön schlafen ... hab schön gefrühstückt, damit ich nicht vor Hunger nach 3 Stunden aufwache. Gut Nacht ...

06.05.2007 um 06:34 Uhr

Ich könnt heulen - und ich tue es auch

von: Ryan

Es ist furchtbar  - alles irgendwie. Es macht mich fertig. Ich sollte schlafen, aber ich kann nicht ... mein Schlaf-Wach-Rhytmus ist völlig durcheinander von diesem Nachtdienst. Und ich wollte eigentlich grade ne Zigarette rauchen - die Letzte, bevor ich schlafen gehe und ...

Ich hab angefangen zu heulen. Ich weiss auch nicht warum. Doch, ich weiss warum ... wegen diesem ganzen Druck. Alle erwarten soviel von mir. Ryan ist gut, Ryan schafft nen gutes Examen auf der Intensivstation - Ryan kriegt das hin.

Nein! Ryan kriegt das nicht hin. Ich bin fix und fertig weil alle erwarten, dass ich das gut mache. Alle erwarten viel und ich selbst glaube nicht daran. Und wenn es nicht grade 6 Uhr morgens wäre, würde ich zu Steffi fahren und ihr sagen: "Ich kann nicht mehr. Ich schaff das nicht. Ich  schaff es nicht ihre Erwartungen zu erfüllen, ich kann nicht - ich kann das nicht."

Ich bin mit dem wenigsten Vorwissen in die Ausbildung rein und soll nun auf der schwierigsten Station Examen machen, weil alle denken, dass ich gut bin - alle denken das und ich bin der festen Überzeugung, dass sie sich irren. Ich kann das nicht, ich will das nicht - ich bin seit 10 Minuten nur am heulen, weil ich genau weiss, dass sie mich alle überschätzen.

Natürlich hat das nen Anreiz nen guten Schüler zu fordern - auf jeder anderen Station haue ich denen ohne Vorbereitung ne gute Prüfung hin, aber nicht auf Intensiv -  ich wurde so oft in dieser beschissenen Ausbildung ins kalte Wasser geworfen - und jetzt grade in der entscheidenen Prüfung wieder - und sie wollen alle, dass ich sie überrasche, wie gut ich das meister und kann - ich will nicht. Ich will nicht mehr, ich kann´s nicht ... ich könnte nur heulen. Lasst mich doch in eine Prüfung reingehen, ohne dass ich Angst haben muss die zu versauen - nein. Das gesamte Krankenhaus hat sich schon informiert wer dieses Jahr auf Intensiv Prüfung hat - alle anderen praktischen scheinen nebensächlich, hauptsache: Wer macht auf Intensiv? - ich ... und ich fühl mich völlig überfordert.

Wissen die überhaupt wen sie da hin stecken? Mich ... mich mit meiner Bulimie seit 8 Jahren, mich mit meinem selbstverletzenden Verhalten, dass meine Waden tiefst vernarbt sind, mich der sowieso leicht zu überfordern ist, mich der dazu neigt zuviel zu trinken, mich der seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat, sich entweder Monate lang gar nicht verliebt oder gleich in die falschen Menschen, mich den Angsthasen, der vor jeglicher Zurückweisung Angst hat, mich der noch gar nicht erwachsen ist ... ich werde dieses Jahr 23 Jahre alt - aber ich fühl mich noch nicht so. Ich will wieder 5 Jahre alt sein, bei Oma aufm Schoss sitzen und ihren Märchen lauschen, Worte wie "Depression" oder "Bulimie" nie gehört haben.

Nach außen muss ich ja furchtbar souverän wirken. So kompetent und toll ... nur ich weiss, dass ich das nicht bin und nicht schaffe - ich will das nicht.

06.05.2007 um 03:59 Uhr

Alles ganz fantastisch Scheisse

von: Ryan

Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll. Ich mag mein Leben eigentlich total gerne, und ich weiss auch ganz genau, dass ich keine Depression habe oder ähnliches - ich weiss ja immerhin wie sich sowas anfühlt - es ist nur alles grade so unendlich frustrierend und einfach fantastisch Scheisse. Und wenn ich meine Freunde nicht hätte - so wie Tanja und etc. - dann wüsste ich auch nicht weiter.

Ich hab auch den Verdacht, das ich grade etwas weniger belastbar bin als sonst, weil ich eben die ganze Woche Nachtdienst habe, keinen effektiven Schlaf bekommen habe und unter Schlafmangel bin ich definitiv ungeniessbar, heulig, unzufrieden und einfach motzig. Und vor allem heulig. Ich könnt heulen wegen allem.

1. Der Stress - wenn ich durch´s Examen fallen ist meine Leben zuende. Ich liebe meine Arbeit - nein ich fall ich nicht durch. Wenn ich lerne, krieg ich ne 1, wenn ich nicht lerne ne 3. So muss ich das sehen, sonst fall ich in ein tiefes Loch.

2. Intensivstation - man kann es mir nie einfach machen. Ryan hat was drauf, den fordern wir mal - und sie haben Spaß dran mich zu fordern. Und alle in meiner Umgebung sind davon überzeugt, dass ich das schaffe, dass es ein Privileg ist auf einer Intensivstation sein Examen abzulegen - und ich hab ANGST, ich habe unendlich große Angst. Ich weiss, dass ich gut bin, aber nicht so gut. Sie überschätzen mich. Ich hab das Gefühl als sei ich ein Blender - ich überzeuge alle von mir, alle sind begeister von meinen Leistungen und ich verdecke damit, was ich NICHT kann. Ich erwarte viel von mir und ich kann schon meinem eigenen Standart nicht gerecht werden - ich schaff es durch die Prüfungen, klar ... aber auf jeder anderen Station hätte ich locker ne 2 gemacht - auf der Intensiv werde ich nicht so locker durchkommen. Dadurch sind meine eigenen Erwartungen wieder ne Ecke hochgeschraubter und ... ich halt alleine den Druck, den ich mir selbst mache kaum aus und alle erwarten, dass ich da nen großartiges Examen hinlege. Aber ich weiss nicht mal annäherend soviel wie ich wissen sollte - ich fühl mich wirklich wie ein Blender. Wie kommen sie alle auf die Idee, dass ich SO gut bin? Ich versteh es nicht.

3. Die Mühe und die Kraft - ich hab soviel in die Ausbildung reingesteckt und es ist so frustrierend, dass andere Menschen belohnt werden. Gut, ich krieg vielleicht auch einen Vertrag, aber ... ich gönn es nen duzent Menschen mehr als der dummen Kuhl. Ich sollte ihr den Vertrag nicht missgönnen aber ... ich weiss, dass sich definitiv mehr Menschen Mühe gegeben haben als sie und es ist so unfair. Und ich versteh diese Welt nicht - es ist unfair, und es geht in meinem Kopf nicht rein. Unfair und falsch, nichts anderes. An was kann man noch glauben, als an die Fairness und das Gute im Menschen? Ich bin so enttäuscht und so frustriert. Ich geb mir Mühe, ich kenne nen Duzent Menschen die sich ebenso große Mühe geben und die blöde Hohlbratze darf sich sogar aussuchen auf welche Station sie gehen möchte ... dummdreist durch´s Leben kommen ... es ist so unfair.

Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Diese Tatsache, dass sowas möglich ist, hat men Weltbild erschüttert. Ich glaub ja an Ideale, so etwas wie: Wer hart arbeitet, wird auch belohnt - oder: Wer sich genug Mühe gibt, schafft alles ... und diese Ideale sind so über den Haufen gekehrt worden. Vielleicht muss ich sowas auch lernen in meinem jungen Leben ... aber es ist unfair. Es ist zum schreien unfair. Ich könnte echt in Tränen ausbrechen, dass es so ne Leute gibt, die alles zugeworfen kriegn und andere Menschen, die so hart arbeiten fallen auf die Nase. Ich könnte echt heulen über diese Ungerechtigkeit, wir lernen seit Januar wie die Bekloppten für das Examen, wir verbringen unsere Nachmittage über den Büchern, fragen uns ab ... und so ne Leute die dummdreist so ne Sprüche von sich geben wie: "Wieso lernt ihr denn JETZT schon?! Wir haben doch noch sooo viel Zeit." dürfen sich aussuchen wo sie arbeiten wollen ... und es ist einfac so ungerecht, soviel Arbeit (nicht nur von mir, sondern auch den anderen) und es zahlt sich nicht aus. Ich hab immer an eine Grundgerechtigkeit in dieser Welt geglaubt und ich muss das erste Mal mit meinen 22 Jahren feststellen, dass die Gerechtigkeit schläft ... und das erschüttert mich.

4. Ergeiz - egal wie ungerecht diese Welt ist, ich muss echt mehr wissen - ich hab mir vorgenommen der bestmöglichste Krankenpfleger zu sein, der ich sein kann und ich hab im Moment das Gefühl, dass ich nicht das schaffe, was ich leisten kann. Ich muss definitiv mehr leisten, aber ich erwarte von mir auch unglaublich viel und scheitere an meinen eigenen, viel zu hochgesetzten Erwartungen an mich selbst.

5. Die Liebe - Steffi ... sie sagte neulich zu mir: "Ich könnt mich dran gewöhnen neben jemanden morgens aufzuwachen." - ich mich auch ... ich war ja heute abend bei Tanja und hab ihr mal wieder mein Leid geklagt und sie sagte: "Ich kann mir euch beide gut als Paar vorstellen, ihr würdet gut zueinander passen." und wir haben ganz unverbindlich geträumt wie wir in einigen Jahren Pärchen-Urlaub in Dänemark machen und so nen Kram ... und als Tanjas Freund (den ich im übrigen sehr mag) sagte: "Ich glaub, Steffi verdient so jemanden wie dich." sagte ich: "Aber ob ich Steffi verdiene..." kam sofort: "Mach dich doch nicht immer so schlecht, du bist nen toller Mensch. ICH glaube, dass Steffi in dich verliebt ist - ich weiss es nicht sicher, aber ich glaube es."

Mir war es immer wichtig, dass der nächste Mensch mit dem ich eine Beziehung habe, eine große Bereicherung in meinem Leben darstellt - Maike (meine Ex) war ne sehr große Bereicherung, ich hab über sie soviele großartige Menschen kennen gelernt, wir haben soviel erlebt ... und die nächste Beziehung muss mindestens noch besser sein - ich glaube, Steffi kriegt das hin. Sie ist so großartig - so aufgeschlossen - sie strahlt soviel Positives aus. Sie man alles mit ihr machen, soviel erleben.  Ich hab ihr gestern geschrieben, nur kurz über ICQ: "Ich möchte nach Berlin im Urlaub, kommst du mit?!" - Ihre Antwort: "Klar, sag Bescheid wann." - mit ihr kann man soviel erleben - sie bringt mich zum nachdenken, zum lachen und einfach zum glücklich sein. Sie ist sehr toll.

Aber was soll ich mache: "Hey du, ich liebe dich. Sorry, aber ich musste das loswerden. Sei mir nicht böse." Neeee ... ich halte mich ja für einen furchtbaren Menschen, ich schwanke zwischen den Frauen/Männern  - ich hab neulich nen tollen Artikel gelesen zum Thema Bisexualität und wie Menschen drunter leiden können ... ja, ist nicht so einfach "100%" Auswahl zu haben. Bisexualität ist auch weniger akzeptiert als Homosexualität - finde ich. Wenn ich so ne Sätze wie: "Ein bisschen BI schadet nie." höre, krieg ich schon die Krise. Ich finde das schwer. Ich bin so wählerisch ... ich kann mich ja auch mit kaum jemanden indendifizieren. Ich bin nicht schwul und nicht hetero. Und anderen Leuten sowas zu erklären ... das spar ich mir, das geht auch irgendwie niemanden was an, der mich nicht näher kennt.

Aber kann man Steffi sowas zumuten? Meine größte Angst ist echt, dass irgendwer später zu recht sagen kann: "Tja, hätt sie mal die Finger von Ryan gelassen. Der ist eh so sprunghaft." - und dass ich sie quasi unglücklich mache. Ich hab mehr Angst davor sie unglücklich zu machen als mich. Und dann das Getratsche im Krankenhaus ... "Der Ryan ist mit der Steffi zusammen, wusstest du das schon?!" ....

Es ist so "besonders" zwischen uns - zumindest empfinde ich das im Moment so - vielleicht weil ich so verliebt bin. Ich hab das Gefühl als würde ich bei ihr finden, was ich immer gesucht habe. Was Bodenständiges, jemand der positiv denkt, wenn ich negativ bin, jemand der mich auf andere Gedanken bringt, wenn meine Gedanken in die falsche destruktive Richtung gehen. Ich kenne sie so lange schon, seit über 2,5 Jahren. Wir haben soviel schönes durchlebt, wir können über fast alles reden - nur eben nicht über unsere Gefühle für einander. Sie war der erste Mensch, den ich in der Ausbildungsklasse gesehen habe.

Ich weiss noch, wie ich zum ersten Tag kam und sie vor der Tür getroffen hab: "Machst du auch die Ausbildung hier?" - "Ja, erster Tag. Ich bin etwas aufgeregt." - "Ich auch." - "Ich bin Ryan." - "Ich bin Steffi." - "Dann kenn ich ja wenigsten jemanden so halbwegs bevor ich da rein gehe." - Und dieser Augenblick ist schon so lange her und ich weiss trotzdem noch wie das damals war. Und ich kann mir alles vorstellen mit ihr - vielleicht grade weil ich sie so gut kenne. Ich will sie so sehr, dass ich schon wieder Angst habe, dass ich nicht gut genug für sie bin. Dass sie einfach der bessere Mensch von uns beiden ist. Rational betrachtet dumme Gedanken, emotional: Es ist so. Sie hat alle meine Eskapaden mitbekommen. Meine Affären, meine Unentschlossenheit - sie war der Mensch, der mir Klopapier bei McDonalds geklaut hat, als der Mann mit dem komischen Namen mir sagte, dass er mich nicht liebt und ich am Boden zerstört war. Ich hab Rotz und Wasser an ihrer Schulter geheult wegen diesem Mann. Und sie war da für mich - sie war eigentlich immer für mich da.

Ich brauche dringend Urlaub - ich merke wie neurotisch ich werde und wie immer mehr Bereiche in meinem Leben aus dem Ungleichgewicht geraten. Und wie völlig panisch ich reagieren - nach außen wie immer soverän, aber sonst ... meine engeren Freunde haben mich alle schon drauf angesprochen wie angespannt ich sei. Klar, Examenszeit halt ... das kommt überall durch. Ich arbeite auch mal wieder mehr als ich sollte, immerhin fast kein Schüler mehr - wenn ich Zimmer alleine versorge im Krankenhaus, mache ich das sehr gut. Die Patienten sind zufrieden mit meiner Arbeit, meine Kollegen und meine Vorgesetzen auch ... und dann ist man mal 3 Nächte Springer ... mein Rücken hat da mal wieder sehr gelitten, ich hab Rückenschmerzen zu allem überfluss. Rückenschmerzen machen mir immer bewusst, dass ich meinen Beruf nicht länger als 10 Jahre ausüben können werde - obwohl ich ihn liebe. Aber erstmal ist das nächste halbe Jahr wichtig und wo ich danach lande.

Und gleichzeitig hab ich Schmerzen im Rücken - egal, ich muss fleissig sein. Natürlich nutzen sich die Wirbelkörper meiner Wirbelsäule ab, wenn ich permanent als Mann schwere Patienten drehe - aber ich will diesen Job da. Ich will nicht aus meinem geliebten kleinen Krankenhaus rausgerissen werden, ich mag die Leute, ich mag das Patientenkliente, ich mag da alles. Meine Arbeit und der Ort, wo ich gelernt habe, ist so ne Art Heimat geworden in den letzten 2,5 Jahren. Ich kenn da alles, die Leuten mögen mich, wie mich noch nie andere Leute gemocht haben. Ich hab da irgendwie nen völlig neues Leben angefangen und ich mag dieses Leben unglaublich gerne.

Und ich hab so Zukunftsängste, wenn das alles was ich kenne nicht mehr ist. Ich bin so ein Gewohnheitstier und ich fühl mich da wohl, wo ich jetzt bin. Ich will da nicht rausgerissen werden, aber ist in naher Zukunft absehbar. Ich bewerb mich auch nirgendwo anders ... was dumm ist. Ich brauche Arbeit um zu leben. Ich sollte alles nehmen, was ich kriegen kann auf dem heutigen Arbeitsmarkt. Aber ich will nichts anderes, zumindest kann ich mir nichts anderes vorstellen.

06.05.2007 um 02:00 Uhr

Ein bisschen betrunken

von: Ryan

Musik: Muse

Ich bin grade in einer Stimmung, die zu allem umschlagen kann. In Melancholie, Traurigkeit, aber auch in absolute Euphorie. Ganz komisch. Mein Tag war eigentlich ganz schön und sehr ausgefüllt. Erst war ich bei meiner Mama zum Essen, dann mit einer Freundin zum Eisessen verabredet, dann hab ich mit meinem Brüder Chris im Stadtpark rumgelegen und darauf war ich spontan noch bei Tanja und ihrem Freund. Natürlich gab´s ab dem Treffen mit meinem Bruder Bier, bei Tanja selbstverständlich auch – und da komm ich grade her. Ich bin ziemlich dicht – ich versuche mich wirklich über nichts zu ärgern – und ich hab genug Dinge, über die ich mich grade aufregen kann.

Und eigentlich hab ich gar keine Lust jetzt zuhause zu sitzen. Ich hab Lust noch was zu machen. Es ist 2 Uhr nachts – okay, da ruft man niemanden mehr an – aber irgendwie habe ich so grade eine Stimmung, in der alles möglich ist. Ich würde gerne tanzen gehen, auf der anderen Seite habe ich aber auch erkannt, dass ich in dieser Stimmung eigentlich sehr liebebedürftig bin. Ich brauch jetzt eigentlich jemanden, der mich in den Arm nimmt. In solchen Stimmung neige ich dazu mit jemanden "abzustürzen", dabei geht es wahrscheinlich weniger um Sex als um Nähe. Ich würd so gerne mit jemandem Knutschen, so tun als sei man schwer verliebt und furchtbar glücklich. Aus solchen Momenten resultieren meistens meine One-Night-Stands, die ich später tief bereue.

Ich hab wirklich überlegt noch aufm Kiez zu gehen, nur mal so gucken ob in "unseren" Kneipen jemand ist den ich kenne – aber was soll das? Bleib zuhause, Ryan, mach keinen Quatsch, das endet doch nur wieder so, wie du es nicht willst. Ich bleib zuhause.

05.05.2007 um 02:01 Uhr

Nachtdienstgespräche

von: Ryan

Nachtschicht - ich mag meine examinierte Kollegin echt gerne. Wir sind gleich alt, haben ähnliche Probleme und auch sonst viele Gemeinsamkeiten und ähnliche Probleme. Wir reden darüber, was wir nachm Dienst machen wollen. "Kennst du Steffi aus meinem Kurs?" frage ich. "Zu der gehe ich gleich und leg mich 2 Stunden ins Bett, und dann muss ich was in der Schule erledigen." - "Und was sagt Steffis Freund dazu, dass du bei ihr schläfst?" fragt sie. "Steffis Freund ist Geschichte. Wir haben so ne Art Kuschelbeziehung." Wir haben vorher über unser Beziehungsleben geredet und über furchtbare Dates und so. "Sowas braucht man auch. Nähe ist was wichtiges." sagt meine Kollegin. "Sowas geht immer so lange gut bis sich einer von beiden verliebt - dann wird es kompliziert." - "Ja." sag ich nur knapp und denk mir: Boah, hat sie recht ... "Aber wir haben ja beide gar nicht die Zeit dafür, wir sind beide mitten im Examen ..." füge ich noch schnell hinzu. "Aha." sagt meine Kollegin. "Aber sie wäre was für dich." Ich seufze nur. "Alles klar." Meine Kollgin grinst und sagt: "Jaja, bis sich einer verliebt ... ich freu mich auf eure Examensfeier." Ich mich auch ... ich mich auch ...

05.05.2007 um 00:32 Uhr

Fernweh

von: Ryan

Musik: Good Charlotte

Mich nervt im Moment alles so an. Ich bin so gestresst, ich setz mich auch selbst unter Stress, weil ich immer besser sein möchte als ich wahrscheinlich kann. Und dann das Arbeiten neben dem Lernen, ich arbeite ja immerhin wie eine Vollzeitstelle, muss nur nebenbei noch für mein Examen lernen. Und jetzt wo ich erfahren hab, dass eine Mitschülerin - die so stinkenfaul ist und so blöd - auch noch nen unbefristeten Vertrag gekriegt hat ... ich könnt heulen. Ich möchte echt enfach nur heulen. Das ist so unfair, dass ich mir soviel Mühe geben und sie ... sie kriegt das Glück vor die Füße geworfen. Ich weiss auch nicht wie es weitergehen soll, ich hab so Zukunftsängste. Was kommt nach dem Examen? Ich möchte so gerne bei uns im Krankenhaus bleiben. Natürlich nicht für immer, aber schon für die nächsten paar Jahre. Ich mag meine Arbeit zu gerne, ich mag meine Kollegen, ich mag die Patienten, ich mag die Umgebung, ich mag dieses kleine, familiere "Dorfkrankenhaus". Ich möchte nicht im  Altenheim arbeiten oder im ambulanten Pflegedienst - nee, ich möchte schon im Krankenhaus bleiben und in einer Großstadt isses wirklich nen Privileg im Krankenhaus zu arbeiten als Krankenpfleger. In andere Krankenhäuser kommt man ja nicht rein, weil die nur für ihren eigenen Bedarf ausbilden. Ich hab schon echt Angst da rausgerissen zu werden - ich hab soviel Kraft darein gesteckt, soviele Überstunden, hab soviel gelernt, um meine Arbeit bestmöglichst zu machen - und die blöde Hohlbratze kriegt nen unbefristeten Vertrag vor die Füße geworfen ...

Auf der anderen Seite: Wenn unser Chef so großzügig beginnt unbefristete Verträge zu verteilen, was heisst das? Brauchen wir etwa Personal? Wir brauchen, wie jedes Krankenhaus Personal, wir haben viele unbesetze Stellen auf jeder Station - seit Jahren. Es gehen auch viele Mitarbeiter in Rente ... vielleicht ist der "Plan" dahinter, dass eh viele Leute genommen werden sollen. Ich hoffe es zumindest ganz stark, aber ich glaube nicht fest dran. Ich erwarte ja grundsätzlich weniger, damit ich am Ende nicht enttäuscht bin.

Ich hab im Moment keine Lust mehr - auf nichts. Ich brauch Urlaub. Ich hatte seit über einem Jahr keinen Urlaub mehr - 4 Wochen muss ich noch durchhalten, dann hab ich Urlaub. Ich hab Lust RICHTIG Urlaub zu machen. Nicht nur einfach frei zu haben, sondern richtig wegzufahren. Ich war schon lange nicht mehr aus Deutschland raus. Das letzte Mal 2004 als ich meinen Vater in Australien besucht habe, das war kurz nachdem Abi. Ich möchte mal alles hinter mir alles, wirklich ALLES. Hamburg ist auch schön, hier kann man sich auch super entspannen, ich will hier auch nicht wegziehen - ich kann mir auch nicht vorstellen wegen einem Job hier wegzugehen - dafür bin ich auch zu ängstlich als dass ich meine Heimatstadt verlassen würde. Ich hab hier zuviel, was mich hält, zuviele liebe Menschen, ich liebe meine Stadt. Ich bin ein Gewohnheitstier - nur im Moment hab ich so die Nase voll von ALLEM. Ich muss weg im Urlaub.

Berlin - ich kenn kaum was von Deutschland - Berlin ist großartig, wollte ich schon immer mal hin. Für nen paar Tage, einfach nur die Stadt angucken. Ich muss Steffi schreiben, ob sie mit mir nen paar Tage nach Berlin fährt. Steffi ist im Moment der einzige Mensch, der mir wirklich nahe steht und ne Ruhe ausstrahlt, von der ich auch profitiere. Mit ihr kann man echt alles machen. Ich hab Steffi ganz selten schlecht gelaunt gesehen. Ich bin nen eher kühler Mensch - so typisch Nordlicht halt - aber wenn ich ausraste, dann richtig. Und Steffi ist der Mensch, der mich sofort wieder runterbringen kann - oder mich erst 10 Minuten schimpfen lässt und dann irgendwas sagt, wo ich dann denke: "Boah, von der Seite hab ich das noch gar nicht gesehen, du hast Recht."

Ich bin auch neidisch, wenn ich Weblogs ansehe, von Menschen, die sich getraut haben mal nen halbes Jahr irgendwo hinzuziehen. Amerika, China, was auch immer ... ich hab für sowas irgendwie nicht den Mut. Aber grade in diesem Moment hab ich total Fernweh. Ich will weg, weg von allem, was völlig Neues sehen. Aber auch wieder dahin zurück gehen können, wo ich hingehöre und das ist defintiv Hamburg. Hamburg, meine Perle ... aber im Moment erdrückt mich alles.

04.05.2007 um 20:03 Uhr

Dummheit gewinnt

von: Ryan

Ich sehe wieder Sonnenlicht ... ich hatte wieder die ganze Woche Nachtdienst und fühl mich total gerädert. Ich reagier auch total verlangsamt und hab das Gefühl ich brauche nachm Nachtdienst überdurchschnittlich viel Schlaf - wahrscheinlich weil der Schlaf tagsüber nicht so effektiv ist wie nachts. Mein Körper merkt das eben, dass am Tag nun mal nicht die Zeit zum schlafen ist. Mal davon abgesehen, dass ich von den 4 Nächten, 3 Nächte Springer für´s gesamte Krankenhaus war. Ich hab das Gefühl, ich hab doppelt soviel gearbeitet wie alle anderen Kollegen um diese Zeit. Es kamen auch immer so mitleidige Sätze wie: "Du bist Spinger heute nacht? Du tust mir leid."

Ich kam in der Zeit auch nicht zum lernen oder dazu soziale Kontakte zu pflegen. Einen morgen war ich mit ner Freundin frühstücken, aber richtig fit war ich eigentlich nicht.

Ansonsten nervt mich grade ALLES. Dass ich so wenig gelernt habe, dass die Prüfungen immer näher kommen und dass diese Welt ungerecht ist. Blödheit siegt. Ich hab ne Mitschülerin, die hatte neulich nen Gespräch bei unserem obersten Chef und der hat sie gefragt, wo sie denn arbeiten wolle nachm Examen und ob sie nicht gleich nen unbefristeten Vertrag haben wolle - wie bitte? Die ist strohdoof. Es gibt nun mal Leute, die kommen dummdreist durch diese Welt ... und sie ist genau so jemand. "Lernen? Brauch ich nicht, ich komm schon irgendwie durch. Ist Morphium wichtig? Ich glaub nicht ..." Ich krieg die Krise ... ich find das ungerecht, ich lern mir den Arsch ab um der bestmöglichste Krankenpfleger zu werden und so ne Leute müssen nur mit den Augen klimpern und kriegen nen Vertrag. Was ich mit dieser dummen Kuh schon inner Ausbildung erlebt hab ... "Wie war denn der Blutdruck?" - "Völlig okay. 60 zu 30." - "Äh, das ist nicht okay." - "Wieso?? Besser als zu hoch." - Ist klar ...

Ich fühl mich total schlecht, weil ich es ihr nicht gönne. Neid ist eine Totsünde. Aber ... wie kann es sein, dass jemand mit seiner dummdreisten Art IMMER wieder durchkommt? Ich versteh das nicht. Und dann darf die sich noch die Station aussuchen, wo sie arbeiten möchte. Was werden sie mit mir machen? WENN sie mich übernehmen, krieg ich doch garantiert höchsten nen halbjahres Vertrag und werd auf ne Innere oder Geriatrie gesteckt, wo ich als Pfleger verheizt werde.

01.05.2007 um 18:18 Uhr

Nachtdienst - schon wieder

von: Ryan

Musik: Johnossi - Man must dance

Ich bin müde und vor 2 Stunden erst aufgestanden. Ich hatte mal wieder Nachtdienst. Mittlerweile mag ich es nachts zu arbeiten. Die Kollegen kommen zum Dienst und man selbst darf nach Hause. Man darf müde sein - alle gähnen, der Frühdienst und die Nachtschicht, aber die Nachtschicht weiss: Man hat schon 9 Stunden gearbeitet, man darf richtig müde sein. Allerdings bin ich in der Bahn auch fast eingeschlafen. Eine Haltstelle vor meiner Endhaltestelle hab ich gemerkt wie mir die Augen zugefallen sind.

Was ist sonst so? Nichts eigentlich - meine Wohnung sieht aus wie sau, ich kann mich nicht aufraffen mal zu putzen, aber es wäre dringend nötig. Ich müsste dringend lernen ... aber ich hab keine Lust und schiebe es vor mir her. Und dicker werde ich auch wieder. Meine examinierte Kollegin und ich haben heute Nacht ne kleine Fressorgie abgehalten. Kein Wunder, wenn man den ganzen Tag nichts isst, nur schläft ... da kriegt man zwischen 23 und 24 Uhr nen kleinen Fressanfall.