Boys don´t cry

31.08.2007 um 16:17 Uhr

Zukunftsprognose

von: Ryan

Im Moment ist alles ganz schrecklich, ich bin immer noch unglücklich über die Station und ich habe eigentlich MONATE lang das Ende meiner Ausbildung herbeigesehnt um ENDLICH Krankenpfleger zu sein ... und jetzt will ich das alles gar nicht. Keine Schule, die hinter mir steht, wenn es auf Station doof läuft ... nein, da muss ich jetzt alleine durch.

Vorgestern nachm Spätdienst bin ich zu meinem Bruder (der Typ mit der Kneipe) und hab dem mein Leid geklagt ... und nebenbei ne ganze Menge Bier und Mexicaner gekippt ... und meine Güte war ich betrunken. Ich bemitleide mich schon wieder so sehr, dass ich mich kranksaufe. Ich bin zwischendurch sogar vom Barhocker gekippt und hab mir erstmal schön das Knie aufgeschlagen. Ich bin gestern vormittag aufgewacht, hatte nen riesen Kater, nen dicken Kopf, mir war schlecht und mir tat das Knie weh. Außerdem hab ich mich gewundern warum meine Hose blutig war und dass ich keine Jacke mehr hatte ... gegen Abend hab ich mich mit meinem Bruder bei McDonalds getroffen (Gott sei dank hab ich die Jacke in seiner Kneipe liegen gelassen und nicht in der U-Bahn), der mir meine Jacke mitgebracht hat. Oh weih, oh weih ... und dann fragte er noch: "Wie gehts deinem Knie?" - "Woher weisst du von meinem Knie? Was hab ich da gemacht?" - "Du bist vom Barhocker gefallen und hast dir das aufgeschlagen." Aha ... peinlich, peinlich ... so betrunken war ich lange nicht mehr ... naja, der Cheeseburger bei McDonalds war auch das einzige was ich den ganzen Tag über essen konnte, weil mir ziemlich schlecht war.

Ich bin schon ziemlich unglücklich mit der Station, die man mir jetzt angedacht hat, aber ich muss dankbar sein, dass ich überhaupt was gekriegt hab und dass ich jetzt erstmal nen halbes Jahr nicht arbeitslos zuhause hocken werde ... wegen dem halben Jahr: Also ich wurde nur für 6 Monate übernommen, Vollzeit - scheiss Knebelvertrag ... besser als nix, ich sollte aufhören zu meckern. Aber ich muss mich auf harte 6 Monate einstellen: wir werden als frisch Examinierte sehr wahrscheinlich sehr schnell in die ersten Nachtdienste (ALLEINE!) geschickt werden, wir werden viel und oft arbeiten, damit das feste Team Überstunden abbauen kann.

Steffi und ich haben uns überlegt, wir sind dann eben sehr gute Freunde ... mehr nicht. Und wenn uns einer fragt, warum wir so oft zusammen hängen: weil wir so gute Freunde sind. Im Grunde genommen gehts ja keinen was an und wir werden auf Station ja nicht übereinander herfallen oder sowas - für sowas werden wir eh keine Zeit haben, so wie ich die da kenne. Oder nur entgegengesetzte Dienste oder sowas ... aber so wie ich mich kenne, werde ich eh mit einigen Leute fix aneinander rasseln. Steffi ist so nen Typ alla: "Lass die reden, mach deine Arbeit, ins eine Ohr rein, ins andere raus." Ich kann das nicht ... ich raste ja ganz fix aus. Ich komme nach Hause und muss mich erstmal 3 Stunden aufregen. Kennt ihr "The King of Queens"? Doug und Cary? Steffi issn bissle wie Doug so alla: "Das bringt mich doch nicht aus der Ruhe. Das ist mir jetzt zu anstrengend mich zubeschweren." und ich bin sofort: "Ich beschwer mich SOFORT, schon aus PRINZIP!" Und wenn ich auf dieser Station arbeite ... ich habe mir fest vorgenommen die Schnauze zu halten und nicht bei jeder Ungerechtigkeit an die Decke zu gehen und auch mal Dinge runterzuschlucken, auch wenn ich weiss, dass es anders laufen muss ... aber ich geb mich 2 Monate, vielleicht 3 Monate, wenn ich mich anstrenge ... aber spätestens dann hab ich Stress mit irgendwem oder mehreren oder allen ... wer weiss, vielleicht werde ich dann ja zwangsversetzt, das wäre natürlich sehr, sehr schade *g* Auf der anderen Seite, wenn man mich in den ersten 6 Monaten zwangsversetzt, ob das so gut ist, wenn über ne Verlängerung meines Vertrages nachgedacht wird? ICH würd meinen Vertrag dann nicht verlängern ... naja lassen wir uns überraschen.

Man soll ja nicht über ungelegte Eier diskutieren - aber mir macht das trotzdem Kopfweh was in den nächsten 6 Monaten auf mich zukommen wird. Nicht weil ich examiniert bin, sondern weil ich weiss, dass es eine Station ist wo jeder nur für sich kämpft und wenn einer nen Vorteil aus deinem Schaden ziehen kann, treten sie auch nochmal zu wenn du schon am Boden bist. Und wovor ich ganz große Angst hab: Das ich bei diesem Tyranei-Spielchen voll drauf einsteige und am Ende der Schlimmste von allen werde. Ich hab echt oft gesehen, wie sich einige Leute auf dieser Station verändert haben - Leute, die ich echt mochte und die sich so negativ entwickelt haben und es lag an diesem unzufriedenen Arbeitsklima - und ich will nicht so werden und mit einer Arbeitsmoral durch den Dienst gehen alla: "Tritt einmal zu, und ich tret zwei so zurück, dass du dich nie wieder traust." Das ist doch alles abartig ... mal davon abgesehen bin ich der einzige Mann auf der Station ... großartig ... und in zwei Wochen gehts schon los.

29.08.2007 um 00:56 Uhr

Geiles Ding

von: Ryan

Ich wurde übernommen ... keine Angst mehr arbeitslos zu sein, ich habe Arbeit für die nächsten 6 Monate. Ich werde Berufserfahrung haben - sogar im Krankenhaus.

Aber nicht auf ner Station, die ich wollte - ich komme auf die Station, die ich am allerwenigsten kenne - und am allerwenigsten wollte. UND auf die Steffi auch übernommen wurde. Mit Steffi gemeinsam auf einer Station - ich glaube, bzw. ich bin mir ganz sicher: Das geht schief. Entweder ich knall ab oder unsere Beziehung scheitert.

Wieder ein Grund unsere Beziehung zu verheimlichen. Ein sehr guter Grund sogar. So eine Scheisse ... wir wollten die Bombe bei der Examensfeier platzen lassen ... und jetzt ... und jetzt ist nix mit platzen sondern weiter reinfressen - und ich bin nen Mensch, dem das sehr schwer fällt. Sehr sogar. Ich bin so glücklich und will´s in die Welt hinausschreien - Aber das kann ich jetzt nicht mehr und das werde ich auf unbestimmte Zeit auch nicht dürfen. So eine Scheisse ... Steffi und ich - auf einer Station zusammen. Ich will nicht, dass irgendwer das "süß" findet, ich will auch nicht, dass hinter unserer beider Rücken gelässtert wird ... ich will nicht, dass unsere Beziehung Thema ist im Krankenhaus - und schon mal gar nicht auf der Station. Super Organisation, super ... ich geb uns 2 Monate ... entweder wir trennen uns weil wir uns zu oft sehen (Arbeit UND privat ist too much) oder ich raste auf der Station aus und werde zwangsversetzt, weil ich meine Klappe nicht halten kann bezüglich der Dinge, die da falsch laufen.

Großartige Aussichten. In 3 Wochen bin ich examinierter Krankenpfleger und die Welt pisst mir ans Bein ...

26.08.2007 um 00:52 Uhr

Big Frustration

von: Ryan

Ich weiss gar nicht was schreiben soll, um auszudrücken wie meine Lage derzeit ist. In wenigen Wochen ist meine Ausbildung vorbei ... nen großer und superwichtiger Abschnitt in meinem Leben neigt sich dem Ende zu und ich weiss nicht was danach kommt. Ich weiss gar nichts und ich hab das Gefühl völlig in der Luft zu schweben. Auf der einen Seite freue ich mich das hinter mich gebracht zu haben und ich bin stolz auf meine Entwicklung - aber alles was danach ist, ist noch so ungewiss, dass ich wirklich mit fundamentalen Ängsten zu kämpfen habe.

Ich freue mich darauf kein Schüler mehr zu sein, aber ich habe Angst vor dem Neuen, rausgerissen zu werden aus meiner gewohnten und auch irgendwie sehr geliebten Arbeitsumwelt. Ich mag dieses Krankenhaus, ich mag die Leute und ich will auch weiterhin zeigen was ich kann und was ich gelernt hab und ich habe einfach Angst, dass mein "Talent" in einem Pflegedienst oder Altenheim untergeht. Ich mag es zu lernen und mich weiterzuentwickeln und ich hab Angst, dass ich meine ganze Kompentenz verlerne oder stagniere, wenn ich nicht gefordert werde. Und dann diese Ungerechtigkeit ... ich dachte, wenn ich hart arbeite und alles aus mir raushole, wird das irgendwie zur Kenntnis genommen ... aber irgendwie ist das nicht so. Ungerecht ist diese Welt im Moment, furchtbar ungerecht. Das ist das passenste Wort dafür.

Im Moment gehe ich jeden Tag zur Arbeit und frage mich wofür. Ich arbeite viel, irgendwie mehr als alle anderen, hab nen scheiss Dienstplan, arbeite schon wieder am Wochenende und arbeite schon wieder eine pervers lange Zeit am Stück durch - und wofür? Ich weiss es nicht ... es ist einfach nur extrem unbefriedigend jeden Tag sein Bestes geben zu wollen unter scheiss Umständen und nicht zu wissen, ob es überhaupt irgendjemand registriert, der irgendwie in der Lage einem daraus einen Vorteil zu geben.

Das ist genauso wie folgender Fall, den ich seit einigen Tagen mit ner Patientin erlebe: Sie ist extrem fordernd - okay, man darf ihr zugestehen, dass es ihr extrem schlecht geht und grade weil es ihr so schlecht geht, nimmt man sich nen paar Minuten mehr Zeit und versucht alles so zu machen, wie sie sich es wünscht - und egal was man macht und egal wieviel Zeit man investiert, diese Patientin hält jegliche Mühe für selbstverständlich und es kommt kein einziges Mal das Wort "Danke" über ihre Lippen. Stattdessen nörgelt sie, dass das was man ihr gibt, noch zu wenig ist. Ich gebe mir Mühe ihr Abendbrot so hübsch wie möglich zu gestalten und es kommt so nen Satz wie: "Warum ist da keine Gurke dabei?" oder "Mit der Butter waren Sie aber sparsam ..." - und nach solchen Sätzen hat man schon Lust seine Arbeit auf das Minimalste zu beschränken - aber das kann ich nicht, weil ich irgendwie noch den Willen hab ... naja, nicht den Willen aber die Hoffnung, dass ich doch alles irgendwie gut mache und das irgendwie registriert wird, wieviel Mühe ich in meine Arbeit reinstecke.

Und genauso gehts mir grade mit der Leitung ... sieht jemand wieviel Mühe ich mir gebe? Ich müsste mir keine Mühe geben, ich könnte da auch ganz locker meine Stunden absitzen, so wie einige aus meinem Kurs das seit einigen Wochen halten ... aber so nen Typ bin ich nicht und irgendwie fühle ich mich schon extrem ausgenutzt. Ich habe Überstunden ohne Ende ... die Leitung hat Kollegen eingestellt mit extrem vielen Minusstunden ... muss ich das verstehen? Im Moment ist echt verkehrte Welt angesagt.

Und sonst so ... ich esse und esse und esse ... ich hatte so großartig abgenommen und ich bin endlich, endlich wieder im mittleren Normalgewicht ... und im Moment fange ich dieses aus-Langeweile-Essen wieder vermehrt an. Ich war heute Abend eigentlich auf 2 verschiedenen Feiern eingeladen ... aber ich konnte mich nicht motivieren und hab beide Veranstaltungen abgesagt. Völlig unmotiviert soziale Kontakte wahrzunehmen. Vielleicht auch zu müde, weil ich schon so lange arbeite und noch kein Ende in Sicht ist. Ich hab das Gefühl, ich lebe nur für die Arbeit.

Mein Schatz hat grade 4 Tage frei, sie ist zu ihren Eltern gefahren, die nicht wie wir in Hamburg leben und sie kommt morgen Abend wieder - und ich vermiss sie furchtbar und freue mich sehr auf morgen abend, wenn ich sie dann wiedersehe.

21.08.2007 um 21:46 Uhr

Strange Life

von: Ryan

Eigentlich gehts mir richtig, richtig gut ... heute hatte ich mal frei, aber irgendwie ist der Tag komisch. Ich daddel so vor mich hin und kriege nichts richtig gebacken ... und wenn ich unter Menschen will, gehe ich einkaufen, Gutscheine einlösen, die ich zum Geburtstag bekommen habe und sowas.

... und fange an nachzudenken .... über dies und jenes ... eigentlich doofe Dinge ... über die ich nicht nachdenken sollte. Erinnert ihr - liebe Leser - euch noch an den Mann mit dem komischen Namen, in den ich sehr verliebt war vor ca. 3/4 Jahr? Ich surfe so aus Langeweile getrieben durchs Internet ... und irgendwie falle ich über ihn ... und fang an ihn zu vermissen und beschäftige mich furchtbar viel mit ihm ... meine Güte, war ich verliebt ... aber meine Güte, war das ein Arschloch! Aber ein absoluter Traummann ... und nun hab ich meine absolute nicht-arschloch-Steffi, meine treue Steffi ... und nicht diesen Typen ... und trotzdem denke ich was wäre wenn und wäre ich nicht so glücklich mit ihm gewesen?

Auf der anderen Seite ... wie hätte das ausgesehen? Ich unsterblich verliebt und hätte mir alles von ihm gefallen lassen, hätte ihn verteidigt vor all meinen Freunden für die Dinge, die er mir antut ... wahrscheinlich ... too good to be true ... das war er.

Aber das nette bei der Geschichte: ICH weiss mittlerweile, wieviele Menschen hinter mir her waren und wenn er mich nicht haben wollte, selbst schuld. Seitdem ich doch erheblich abgenommen hab und endlich wieder im mittleren Normalgewicht bin, finde ich mich selbst umwerfend. Ich hab mir heute mal wieder nen neues Hemd und ne neue Hose gegönnt ... und meine Güte, was sehe ich großartig aus. Ich mag mich endlich mal selbst, steh vorm Spiegel und betrachte meine riesigen Problemzonen, die nun zu winzig kleinen Problemzonen geworden sind. Ich hab wirklich alleine durch 5 kg weniger ein größeres, gesunderes Selbstbewusstsein aufgebaut.

Und der Mann mit dem komischen Namen kann mich mal, er war wirklich Monate lang kein Thema ... aber er war so hübsch und ich war so abartig doll in ihn verliebt ...

21.08.2007 um 01:54 Uhr

Behauptungen

von: Ryan

Steffi und ich haben uns heute getroffen, um im Stadtpark Beach Club was zu trinken und den Sonnenuntergang zu beobachten. Und man redet so und sie sagt so: "Ich wär gern so stark wie du." Hö ... meine Freundin hält mich für stark ... grade mich ... ich weiss, dass man sich nie so sieht wie andere einen sehen ... aber mir haben selten Leute aus meinem Umfeld gesagt, dass sie mich für stark halten ... komisches Gefühl, aber es scheint so zu sein, dass ich stark  "rüberkomme".

Das Ding ist, dass Steffi bereits übernommen wurde und auf einer Station eingesetzt wird, die keiner so richtig mag und sie hat Angst - richtig doll Angst vor dem Teamdruck, der Verantwortung und dass sie ihre Arbeit nicht so machen kann wie sie von ihr erwartet wird ... und ich rede ihr gut zu ... und mehr kann ich auch nicht machen, weil ich diese Station auch kenne und es da einfach scheisse ist ... die Station hat eine wahnsinnig hohe Fluktuation an Mitarbeitern und ich hab Steffi auch gesagt, sie soll sich weiter "fremd" bewerben ... aber was will man sagen ohne all zu ehrlich zu sein? Wenn ich ehrlich wäre, würde ich ihr sagen: "Okay, es ist nen Job, aber du wirst jeden Tag unzufrieden nach Hause gehen obwohl du dir den Arsch abgearbeitet hast." Scheisse sowas ... stattdessen sag ich so Sachen wie: "Es ist nur für ein halbes Jahr." oder "Aber mit xy als Kollegin wird es doch ganz nett." oder "Zieh dein Ding durch, denk an die Patienten."

Ich weiss gar nicht, was ich sagen würde wenn man mir auf der Station nen Arbeitsplatz anbieten würde ... im Moment tendiere ich zu JA obwohl ich genau weiss, dass ich genau da nicht arbeiten will ... aber besser als nichts. Aber ne Versetzung auf diese Station war für viele Kollegen bereits nen Kündigungsgrund ... Steffi ist auf jeden Fall sehr niedergeschlagen und ich hab das Gefühl sie da irgendwie durchbringen zu müssen, weil nen halbes Jahr Berufserfahrung - auch auf so einer Station - besser im Lebenslauf ist als nix. Aber trotzdem beneide ich sie nicht um diesen Arbeitsplatz.

Und sonst so ... ja, und sonst so kriege ich viele Komplimente bezüglich meiner Arbeit: "Hey Ryan, wann kommstn du zu uns? Wir wollten dich doch als neuen Mitarbeiter haben." - "Die PDL darf dich nicht da und da hin versetzen, das wäre vergeudetes Talent." usw. am laufenden Band ... aber keine Resonanz von der PDL ob ich übernommen werde oder nicht ... das macht mich kirre ... wie soll ich im Oktober meine Miete bezahlen?

Noch was Neues: Mein Bruder hat sich verlobt mit seiner Langzeitfreundin und Mutter seiner 2 Jahre alten Tochter ... er hat mich gefragt ob ich als Trauzeuge herhalten kann, "Und Steffi bringst du auch mit oder?" kam sofort - meine Family kennt sie ja noch nicht ... ich bin ja gespannt auf die Hochzeit ...

Ich muss leiser tippen, Steffi liegt hier schon in 3 Meter Abstand in meinem Zimmer und versucht zu schlafen, bzw. war so müde, dass sie ins Bett gefallen ist ... unglaublich, dass ich nochmal sowas für einen Menschen empfinden kann - und so glücklich werden kann. Gebt mir noch nen Job und ich bin für´s erste absolute glücklich mit meinem Leben.

19.08.2007 um 19:49 Uhr

Ach ja ...

von: Ryan

Furchtbarer Tag ... ach ja ... ich könnt nur seufzen. Tierisch Stress auf der Arbeit, alle hektisch, 2 Aushilfen auf der Station inklusive einer examinierten Kollegin und mir. Dauernd musste ich den Aushilfen helfen, dauernd: "Wo finde ich das und jenes?" ... ach ja ... woher sollen sie auch wissen wo was auf der Sattion versteckt ist ... ach ja ... dauernd kam: "Kannst du mal gucken?" ... und dann noch meine eigenen Patienten, die versorgt werden wollen ... und dann noch diese Notfälle, die einfach krank werden, egal ob Sonntag oder Mittwoch, morgens oder nachts ...

Und dann mal wieder der Tod ... heute sind wir mal wieder mit einem Patienten weniger aus der Schicht rausgegangen, ohne dass dieser entlassen oder verlegt wurde ... und dann dieses unwürdige sterben ... ob man in Würde sterben darf, hängt immer sehr vom diensthabenden Arzt ab, ob man mit diesem wegen jeder Dosis Schmerzmittel diskutieren muss ... ach ja ...

Irgendwie bin ich furchtbar unzufrieden nach Hause gegangen ... ich hab gearbeitet wie ein Tier, mir tun die Füße weh, so dass ich mir ein paar Neue wünsche, ich musste mich heute mittag auch hinlegen und 3 Stunden schlafen. Meine Freundin arbeitet noch, die werde ich nachher von der Arbeit abholen - ich hab ihr nen gemeinsamen Abend versprochen ... aber jetzt überlege ich grade wie ich sie vonner Arbeit abholen soll, OHNE dass mich jemand von MEINEN Kollegen sieht.

Trotz ausgiebigen Mittagsschlaf bin ich müde und erschöpft ... sooo müde. Eigentlich müsste ich mal wieder anfangen zu lernen und mich auf die letzte Prüfung vorbereiten ... aber ich bin doch so müde und hab so die Schnauze voll vom Lernen ... ich hab sogar angefangen wieder "fremd zu lesen" - ich hab mir Monate lang keine Zeitung/Zeitschrift oder ähnliches gekauft, hab nie ein Buch mitgenommen, was nicht zu meinen Lehrbüchern gehörte. Jetzt hab ich mir mal die Neon von diesem Monat gegönnt.

Ach ja ... *gähn* ... dann werde ich mal mein kleines Täschchen packen mit dem Nötigsten um bei Steffi zu übernachten ... werde mit meinen müde Beinen zur U-Bahn laufen und darf nicht vergessen mir aufm Weg noch´n Energy Drink zu besorgen. Mir fällt in letzter Zeit eh auf, dass Krankenpfleger/-schwestern alle irgendwie nen unnatürlich hohen Bedarf von Koffein haben. Ach ja ... ich bin zu müde um mich über irgendwas aufzuregen ... ach ja, ach ja ...

17.08.2007 um 00:23 Uhr

Arbeit und Geld und so

von: Ryan

Heute war ein schöner Tag. Zum einen hab ich die Zusage vom Betriebsrat, dass die sich endlich hinter meine Bewerbung hängen und schauen, ob die nicht was drehen können, dass ich auch übernommen werde. Und dann war der Dienst auch irgendwie super entspannt und schön - ich hatte nur Dienst mit Leuten, die ich mag und mit denen man ziemlich viel Spaß haben kann - obwohl ich mit absoluter Null-Bock-Stimmung auf Station aufgetaucht bin und nur wieder zuhause in mein Bett wollte.

Und dann merke ich auch sehr deutlich, dass nach diesem praktischen Examen ziemlich viel Stress von mir abgefallen ist und ich eigentlich wesentlich entspannter bin. Ne Kollegin meinte auch, dass man mir das echt anmerkt, wie angespannt ich die letzten Wochen durch die Gegend gerannt bin und nun sei das total anders.

Und meine Highlight-Minuten des Tages: Ne Kollegin kam zu mir und meinte: "Du, Ryan, ich muss dir mal was sagen: Du bist nen Top-Krankenpfleger." Meine Güte war ich stolz ... nein, ich BIN stolz, unendlich stolz. Ich hab mich die ersten 2 Jahre der Ausbildung so "benachteiligt" gefühlt, weil ich wirklich nen Risiko-Kandidat war. Ich hatte kein Praktikum und ich hatte von nix nen Plan - wirklich von nix. Wenn ich an meine allerersten Dienste denke, wird mir echt heute noch schlecht wie planlos und doof ich aufm Flur rumstand und vor den Patienten Angst hatte ... und wieviel Angst ich vorm Waschen hatte - und vor behinderten Patienten - ich hab mich kaum in die Zimmer getraut und ich hatte eh von Tuten und Blasen keinen Schimmer. Und so ne Leute brechen meistens die Ausbildung wieder ab - bzw. bei uns im Kurs hatten wir 3 weitere Leute, die ohne Praktikum reingekommen sind und die haben auch nach dem halben Jahr Probezeit die Ausbildung geschmissen. Und jetzt sagt mir jemand, dass ich top bin und zu den besten Pflegern gehöre, die sie auf Station jemals hatten. Nicht SCHÜLER, sondern PFLEGER. Mittlerweile hab ich auch nen Problem damit noch Schüler zu sein, ich fühl mich schon wie nen Pfleger - gut, in knapp 30 Tagen bin ich das wahrscheinlich auch. Aber ich arbeite schon seit über nem halben Jahr so - komplett eigenständig und wenn ich nen Problem hab, ist das meistens eher ein Absprechen als ein Nachfragen, so alla: "Ich würde das jetzt so machen, bin mir aber unsicher, wie würdest du es machen?" oder sowas wie: "Ich hab die Visite ausgearbeitet, der Patient xy soll ne Ringer-Infusion kriegen, die hab ich fertig gemacht und angehängt, den Infusomaten eingestellt, du musst nur noch auf Start drücken."

Und die Kollegin mit dem Kompliment meinte weiterhin: "Wir hatten neulich ne Dienstbesprechung, wo wir besprochen haben welche Leute wir noch haben wollen im Team. Drei Leute haben sofort deinen Namen gesagt." - Wow ... unglaublich. Hätte ich nicht gedacht - mein Ego ist seitdem extrem groß. Meine Güte, was muss ich für nen toller Typ sein ... nee im ernst, ich fühl mich echt geehrt, dass ich so ne Resonanz kriege auf meine Arbeit - und ich würde echt gerne auf diese Station gehen - wirklich super gerne. Ich weiss auch nicht nach welchen Kriterien diese Pflegedienstleitung Leute einstellt. Die haben Leute eingestellt, die im Zwischenexamen durchgefallen wären ... ich hatte schriftlich ne 3 und Praktisch/Mündlich ne 1. Ich habe wenig Fehltage und bin im ganzen Haus gekannt und scheinbar auch noch beliebt. Wieso darf Klassenhohlbratze sich die Station aussuchen und ich ... soviel zu ungerechter Welt. Ich versteh im Moment echt vieles nicht mehr, was um mich herum abläuft.

Wie gesagt, ich bin eigentlich nen Mensch, der daran glaubt, dass gute Menschen für gutes Benehmen belohnt werden. Man bekommt die Rechnung oder den Preis für sein Verhalten ... und im Moment ist das in dieser Firma das genaue Gegenteil. Die Klassenhohlbratze kriegt den besten Vertrag. Null gelernt für´s Examen und fragt die einfachsten Dinge auf Station nach. "Was ist denn ein Thorax?" Das hat die wirklich letzte Woche gefragt ... die Frau hat in einem Monat ihr Examen, wenn alles gut läuft und weiss nicht was ein Thorax ist ... und so ne Leute dürfen Medikamente stellen und verabreichen ... da wird einem echt schlecht. Examen aufm Jahrmarkt geschossen ... naja. Aber die Welt ist im Moment ungerecht.

Neuerdings bin ich auch ziemlich knapp mit dem Geld ... ich schätze das liegt an meinem exessiven Raucherverhalten ... gut, ich hab Examen und viel Stress ... aber irgendwie ist mein Konto ungewohnt leer. Genau zu dem Zeitpunkt fallen plötzlich diverse Rechnungen an, GEZ usw. Mein Fahrrad ist zum Beispiel grade inner Reperatur ... weil ein Schlauch geplatzt ist. Ich bin völlig aufgeschmissen ohne Fahrrad, ich bewege mich als Fussgänger zu langsam. Ich schlepp mein Fahrrad überall hin mit ... und eigentlich müsste ne Menge dran gemacht werden. Ich hab kein Licht, die Kette ist völlig verrostet und die Gangschaltung funktioniert auch nur an guten Tagen. Ohne Fahrradständer lebe ich auch schon seit über 1,5 Jahren. Aber ich hab kein Geld. Sowas muss warten bis ich dann endlich von meinem Azubi-Gehalt zum Großverdiener aufgestiegen bin.

Und meine Freundin wollte ich zum essen ausführen - aber das mach ich nächste Woche noch, das muss irgendwie drin sein.

15.08.2007 um 22:31 Uhr

Treibsand und Examen

von: Ryan

Heute war die Praktische - ich weiss gar nicht wie es gelaufen ist. Ich hab gearbeitet wie immer die Prüfer dürfen (anders wie in den Jahren zuvor) KEINERLEI Kommentare zur Einschätzung sagen. Das ist meinem Prüfer sichtlich schwer gefallen. Er hätte mir gerne nen Feetback gegeben, aber das darf er ja nicht. Naja, verständlich - dann lieber gar nichts. Und ich kann meine Situation nicht einschätzen, ich hab gearbeitet wie immer, hab mir 80.000 Mal die Hände desinfiziert weil da mein Hauptproblem von meiner Seite lag - irgendwann hatte ich auch keine Lust mehr auf Vorbereitungen und hab es irgendwie gelassen - aber mir hat auch nichts gefehlt. Ich wollte es irgendwie nur hinter mich bringen.

Ich war auch irgendwie nicht aufgeregt, ich wollte es einfach nur hinter mich bringen - ich wusste ja, dass ich nicht durchfalle. Wie soll man durchfallen? Da muss man schon grobe Fehler machen und die mache ich nicht. Ich bin gut, es ging nur um die Note. 2 oder 1, und da hat sich wieder mein Ergeiz gemeldet - ich wollte die 1. Auf der Intensiv. Ne 1 auf ner Intensiv - das wäre die absolute Bestättigung gewesen an meine Kompetenz als Pfleger.

Und die Patienten waren nicht einfach - sowas nicht-einfach, dass es noch Überlegungen gab, ob man mir das zumuten kann und das durchzieht - oder die Prüfung verschiebt. Und ich hab mich aufgeregt, ich hab Blut und Galle gespuckt auf Station über die Prüferin, die mir die Patienten ausgesucht hat. Wir hatten großartige Prüfungs-Patienten - aber die hab ich nicht gekriegt. Stattdessen die immobilien, fremdaggressiven ... und die Beatmungspatientin, die da schon seit 2 Wochen in Sedierung mit Tubus im Hals liegt - ja toll ... aber ich hab mich nicht über die Patienten aufgeregt, sondern über die Prüferin und die Umstände. Ich bin ja nen beliebter Mensch und ich krieg ja so ziemlich alles mit, was abläuft - dementsprechend auch die Prüfungen meiner Mitschüler ... die wesentlich einfachere Patienten hatten ... mit der Begründung, man wolle im Examen ja niemanden reinreissen ... und ich?? Will man mich reinreissen? Kriegen andere ihr Examen aufm silbernen Tablett serviert und ich muss es mir nicht nur verdienen sondern drum kämpfen? Oder dachten sich meine Prüfer: "Naja, der ist so gut, den lassen wir was Interessantes machen, damit wir auch mal wieder in der Praxis was zum gucken haben." - Ich glaub Letzteres - sie wissen, dass sie mich fordern können ... bei allen anderen stand wärend der Praktischen auch nur Kursleitung der Schule plus Mentor im Patientenzimmer. Bei mir musste noch ein dritter Praxisanleiter dabei sein ... aus "Interesse". Sowas lässt einen nicht wirklich ruhiger werden, aber egal ... ich habs hinter mir.

Ich find die Sache eigentlich gar nicht so schlimm, aber mich nervt diese allgemeine Ungerechtigkeit. In den letzten Monaten ist die Welt ungerecht zu mir und einfach nur ... nur unfair. Im Moment erfahre ich nur "verkehrte Welt". Alles woran ich geglaubt hab, erfüllt sich vor meinen Augen ins Gegenteilige. Ich glaube, dass wenn man hart arbeitet und sich Mühe gibt, irgendwann belohnt wird. Ich arbeite hart und geb mich unwahrscheinlich viel Mühe und krieg nur Treibsand vor die Füße geschmissen, so dass all meine Bemühungen immer noch nicht reichen und ich es noch schwerer hab. Und gleichzeitig kriegen Leute mit extrem vielen Fehltagen und schlechten Zeugnissen (und menschlich absolute Egoisten) Verträge für Stationen, auf denen ich gerne arbeiten würde. Das ist das erste Mal in meinem Leben, wo ich das so erleben, dass die Welt SO DERMASSEN UNFAIR ist, von allen Seiten.

Aus nem anderen Blickpunkt betrachtet: genau zu dem Zeitpunkt bin ich großartig verliebt und hab endlich, endlich, endlich ne großartige Freundin - die ich zwar beruflich verheimlichen muss - also meine Station weiss, dass ich ne Freundin hab. Die fragen auch nicht so absolut neugierig nach wie der Rest des Krankenhauses, und denen sagt ihr Name auch nichts. Das ist dann eher so wie: "Wie war dein Wochenende?" - "Entspannt, ich war bei meiner Freundin." - "Das ist ja auch mal angenehm." und das war´s - ich hab auch nicht vor an die große Glocke zu hängen, dass meine Freundin nen Stockwerk über uns arbeitet. Worauf ich hinaus will: Endlich in Mensch, mit dem ich völlig zufrieden und glücklich bin.

13.08.2007 um 20:27 Uhr

Teil 2 meines Krankenpflegeexames - die Praktische

von: Ryan

Musik: Kate Nash - Foundations

Nachdem sich alle in meinem neuen Team furchtbar Mühe gegeben haben mich intensivmedizinisch so fit wie möglich zu machen, isses jetzt morgen soweit: 1. Tag meiner praktischen Prüfung, das bedeutet ich muss in einem vorgegebenen Zeitfenster ne Pflegeplanung für 2 Patienten schreiben und noch nen bissle was Informatives schriftlich dazu ... ich sitz seit ungefähr 4 Stunden daran und überlege mir, was da so am wichtigsten sein könnte - ich hasse diesen Schreibkram, auf der anderen Seite liebe ich es organisatorisch abgesichert zu sein ... mmh ... ich hab mir jetzt zumindest ne gute Struktur überlegt.

Übermorgen ist dann die eigentliche Praktische ... und wisst ihr was, liebe Leser? Ich freu mich drauf. Ich mag die Leute, ide mir die Prüfung abnehmen und ich weiss, ich bin gut - und ich hab jetzt endlich die Chance es auch zu zeigen. Ich hab mir vorgenommen da nen ganz großartiges Examen hinzulegen. Und selbst wenn es schwere Patienten sind - und das sind sie natürlich, die Intensiv ist so klein, ich kann mir jetzt schon an 5 Fingern ausrechnen wen ich hab - aber ich sag mir ganz arrogant und selbstüberzeugt wie ich halt bin: Ich schaff das, andere Schüler hätten das nicht geschafft, aber ich mach das.

11.08.2007 um 02:54 Uhr

Beziehungen und Familie in Zeiten der schlechten Laune

von: Ryan

Es ging mir heute echt nicht gut - und ich war sauer, weil meine heiss geliebte Freundin unseren heiss ersehnten gemeinsamen Abend einfach verplant hat ... ich war zwischendurch Nachmittags so sauer, dass ich hätte heulen können ... und ich hab dann auch ne ziemlich eindeutige SMS geschrieben alla: "Ich bin sauer." und sie rief dann auch (10 Min später als ich es hätte erwartet) an, von wegen: "Was ist denn?" Sie hatte es komplett verdaddelt ... und ich war sauer, weil sie es verdaddelt hat, hab ihr aber gesagt, dass sie sich mit den Mädels treffen soll und ich nicht sauer bin, WEIL sie geht, sondern weil sie unseren gemeinsamen Abend vergessen hat als sie zugesagt hat.

Und dann klingelt das Handy ... und mein Bruder ist dran: "Hey Kleiner, hast du Hunger?" - "Joah, geht so, wieso?" - "Wir kommen gleich mit ner Pizza vorbei, ist das okay?" - Ich nur: "Äh ja okay." ohne zu fragen WER. Und dann saßen plötzlich 7 Leute (meine Brüder komplett inklusive Frauen und einigen Kiddies) in meiner winzigen Wohnung, halb aufm Fussboden, Wäschekorb oder whatever und haben 2 Familienpizzen gefuttert - und 4 Flaschen Rotwein gesüffelt. Und das Zeug hatten die alle sogar mitgebracht ... ne ganz spontane Geschichte, aber sehr cool.

Alle wollten wissen wie mein Examen läuft, wo ich grade arbeite und wie es meiner neuen Freundin geht. "Hast du nen Foto von ihr?" fragte sofort eine Schwägerin in Spae. "Und wo ist sie eigentlich grade? Warum ist sie Freitag Abend nicht bei dir?"

Fazit: Schönen Abend gehabt, obwohl ich so angefressen war von Steffis "Ich verabrede mich und vergesse, dass wir nen Abend gemeinsam verbringen wollten"-Aktion  - irgendwie bin ich auch immer noch sauer, aber mittlerweile hab ich soviel Pizza gefutter und Rotwein gesüffelt, dass es ertragbar scheint - für mich zumindest ab einem gewissen Pegel.

Ich hab ihr zumindest jetzt (auf Anrat der Frauen, die mit meinem Brüdern zusammen leben) ne Nachricht geschrieben, dass ich wohl noch was Zeit mit ihr alleine an diesem Wochenende verbringen wolle und hab sie zum gemeinsamem Pizza-, bzw. Pizzabrötchen-Essen eingeladen. Ich bin gespannt ob sie sich meldet.

Das geht ja schon gut los ... keine 3 Monate zusammen und wegen sowas Stress.

10.08.2007 um 16:15 Uhr

Kompetentes Intensivpersonal von heute

von: Ryan

Musik: Maximo Park - Books from boxes

Ich bin mal wieder unausstehlich und furchtbar unzufrieden mit diesem Leben und allem was sich drum rum abspielt. Zum einen hab ich immer noch keinen Job - und zum zweiten hatte ich heute ne Hammerschicht. Man kann sich nicht vorstellen wieviel schief laufen kann, wenn man eine unfähige Person zuviel im Dienst hat, meine neue Lieblingsschwester ... boah, die Frau ist einfach so ... so unfähig. Super netter Mensch, aber scheiss Kollegin. Sehr erfahren und wirkt unendlich kompetent, aber faul - dauernd ist die zum rauchen oder essen verschwunden, wenn grade Highlife auf Station ist. Das ist doch irgendwie unkollegial? Dann musste ich dauernd bei ihren Patienten alles mitmachen ... sei es nur die Vitalzeichenkontrollen. Und dann dieses ewige Eingemische gleichzeitig bei meinen Patienten. Da kam sie dann strahlend auf mich zu: "Ryan, ich hab die alte Braunüle von Frau xy schon mal für dich gezogen, du sagtest, dass du das noch machen wolltest und sie ne neue kriegt." - Ja ... schade ... das war leider schon die NEUE, die sie gezogen hat. Dagegen hab ich dann auch eine bei ihr gezogen - nein, keine Revanche - ein Versehen, bzw. ein doofer Unfall ... der leicht passiert, wenn die Braunüle von der examinierten Kollegin KEINE ZUGENTLASTUNG oder VERBAND gekriegt hat ... und wer wird von der Ärztin angepampt? Ich ...

Oder noch so ne Geschichte: Ansage von ihr: "Ryan, bitte bring das Blut ins Labor." - ich guck und sehe VIELE Blutröhrchen, u.a. welche, die in ein anderes Labor gehen ... ich frage nach: "Wirklich ALLE in UNSER Labor?" - "Ja, die werden dann gegebenenfalls im Labor abgeholt." - Ich denk: "Alles klar, die examinierte Kollegin hat bestimmt recht." Stunde später pampt mich die Ärztin an, was ich mit dem Blut angestellt hätte. Ich sag, dass ich diese ins Labor gebracht habe ... und erfahre, dass die Blutröhrchen für´s andere Labor AUF STATION abgeholt werden sollten und NICHT IM LABOR. Supi ... Ärztin ist sauer, ich will fix die Röhren zurück holen und die Kollegin nur: "Nee Ryan, du kannst hier nicht weg, hier tobt der Bär." und geht gemütlich eine rauchen ... ich wäre fast ausgerastet, das kann doch nicht angehen. Da hätt sie ja auch sagen können: "Nee Ryan muss doch meine Arbeit machen."

Und WENN sie dann mal am Bett eines Patientens wirklich stand - mit mir zusammen - war erstmal lustige Fragestunde angesagt. "Ryan, woran würdest du eine Embolie erkennen? Welche Werte sind beim Herzinfarkt erhöht?" und so weiter und so fort. Beim Frühstück ging das ganze weiter und sie liess mich an ihrem breit gefächerten intensivmedizinischen Wissen teilhaben - nur damit mir später die Ärztin beim rauchen erzählt: "Du Ryan, sei mir nicht böse - aber vergiss das was du da drin grade gehört hat, die erzählt Scheisse." Genauso inner Übergabe, sie sagt: "Der Patient xy hat ne Hypokaliämie, da müsst ihr dann eventuell gleich noch Kalium anhängen." und ich: "Nee, der hat ne HYPERkaliämie." und sie: "Nee, hypo! Ich bin mir sicher." ich also raus, Laborzettel rausgekramt, geguckt - Ergebnis: HYPERkaliämie. Und das ganze Spielchen den ganzen lieben langen Dienst über ... ich könnt mir aus lauter Frust ne Flasche Wiskey reinknallen.

Und gleichzeitig lässt sie mich den ganzen Dienst über wie den allerletzten Deppen darstehen: Ryan hat ja das Blut falsch weggebracht, Ryan hat ausversehen die (nicht gesicherte) Braunüle gezogen usw. Während der Übergabe fiel dann noch so nen (im Spaß gemeinter) Spruch: "Typisch Schüler - machen nur Mist." Äußerlich hab ich gelacht und innerlich hätte ich zusammenbrechen können.

Naja, ich hab den Dienst überlebt und bin endlich zuhause - und schieb schlechte Laune wegen allem. Ich hab nicht mal Lust den Müll runterzubringen. Und eigentlich waren Steffi und ich für heute verabredet - wir wollten uns nen schönen Abend machen, weil wir ENDLICH mal nen gemeinsames freies Wochenende haben. Das hatten wir Dienstag abgesprochen, so mit ner schönen DVD und ich wollte kochen usw. Ich hab auch schon eingekauft und geguckt, was man so an Filmen ausleihen könnte und so ... am Rande hab ich heute beim rauchen mit anderen Schülern mitgekriegt, dass die verabredet sind und Weiberabend machen wollen, inklusive Steffi. Irgendwie bin ich ganz schön angefressen deswegen ... und eigentlich ist mir klar, dass ich nicht angefressen bin, weil Steffi feiern geht und Spaß hat, sondern weil ich genau weiss, dass ICH unzufrieden bin und im Moment alles nichts so leicht nehmen kann wie Steffi. Sie ist nen Mensch, der sich die Welt schön reden kann - ich nicht. Und sie kann abschalten und sie kann so gut wie fast immer überall mit jedem Spaß haben - auch das fällt mit schwer. Und ich weiss, wenn wir uns treffen, ich werde mich den ganzen Abend nur bei ihr auskotzen und sie hätte nen viel schöneren Abend, wenn sie sich mit den Mädels trifft - und ich werde eifersüchtig sein, weil sie Spaß haben wird und ich zuhause schlechte Laune schiebe. Das ist eigentlich die einzige Tatsache, die mir richtig aufm Senkel geht.

05.08.2007 um 01:38 Uhr

Das alltägliche Leben eben

von: Ryan

Hey ho,

 von mir gibt´s eigentlich nicht. Ich putze an meinem freien Tag und versuche Dinge zu tun, die man so tut, wenn man lange nicht mehr frei hatte, sprich: Wohnung aufräumen und putzen (das ist mittlerweile ein Großprojekt), die Stunden am neuen PC geniessen (joah, hab ich auch gut geschafft, werde ich morgen ausbauen), treffen und kochen für die Freundin - sie hat sich im übrigen sehr gefreut. Obwohl sie arbeiten musste an diesemn Wochenende (seltsamer Weise haben wir unsere Arbeitswochenenden immer versetzt - ich frei, sie arbeiten, sie frei, ich arbeiten) - aber sie hat sich sehr über Putenbrust mit Salat und Pellkartoffeln gefreut.

Zur Beziehung: Wir sind immer noch glücklich miteinander - es ist unglaublich, dass eine Frau alleine mich so glücklich und zufrieden stimmen kann. Selbst wenn ich unzufrieden bin - neulich hat ne Kollegin, die ich nicht ab kann, den Arbeitsplatz gekriegt, um den ich mich beworben hab - und ich gezehtert und gemault und geschimpft - und meine Freundin nur: "Warum regst du dich darüber so auf? Das würde ja nur heissen, dass du dich über XY aufregst und über die aufregen lohnt sich doch gar nicht. Was bringt es dich weiter in deinem Leben? Gar nicht, also lass es." - und - verdammt - sie hat recht. Sie hat so recht, und alleine für diese Erkenntnisse, könnte ich sie knutschen - und ich bin dankbar mit ihr zusammen sein zu dürfen. Sie ist ein großartiger Mensch - und alles ist einfach viel besser, wenn ich mit ihr zusammen bin - so soll es sein. Genau so. Genau sowas hab ich mir immer gewünscht.

Ich dachte lange, irgendwo ist da doch nen Harken. Alles kann nicht toll sein in einer Beziehung. Aber ... wenn ich so Resume ziehe ... wir verstehen uns großartig. Wir können rumalbern. Sie versteht sofort, wenn ich ernst werde und sie versteht auch, wenn ich ihr was ernstes erzähle - slebst, wenn sie das nicht nachvollziehen kann sagt sie so Dinge wie: "Ich kann das zwar nicht verstehen, aber ich weiss was du meinst." - das ist großartig - einfach großartig - und sie macht sich im Nachhinein auch Gedanken und sagt mir ihr Fazit dazu. Ich kann mit ihr Spaß haben - wir machen viel miteinander. Neulich hatten wir nen Tag zusammen frei und wir lagen nicht nur einfach im Bett, sondern irgendwann sagte ich: "Ich würd gerne nochmal rausgehen." und wir sind einfach nur spazieren gegangen, haben nen Eis gegessen, weiter spazieren und haben dann noch nen Cocktail getrunken, um dann wieder bei mir im Bett zu landen, aber es war zu keinem Zeitpunkt langweilig - gar nicht. Sie ist schon wirklich extrem toll - es wird echt nie langweilig mit ihr - ich bin auch nie genervt von ihr, wie von sovielen anderen Menschen auf dieser Welt, was mir leid tut, aber ... bei ihr ist das nie so.

Und ich mag, wie sie mich mag - wie sie ihren Arm um meine Hüfte legt, wenn ich sie beim Spazieren gehen in den Arm nehmen - ich liebe es. In diesem Bereich meines Lebens ist endlich mal alles perfekt. Großartige Freundin - meine Freundin - ich bin echt stolz drauf.

Wenn sie nur keine Arbeitskollegin wäre - mittlerweile hat sich das aber auch eingependelt - wenn wir uns im Krankenhaus sehen, schaltet mein Kopf sofort um von "Mein Schatz" auf "Arbeitskollegin" - neulich hab ich von der Intensivstation nen Patienten gebracht und hab Steffi sehr kompetent ne Übergabe zu dem Patienten gemacht, wo sie in dem Moment dachte: "Isser sauer auf mich?" und ich dachte: "Ich muss gleich wieder auf die Intemsiv, ich sag ihr nur fix die wichtigsten Sachen zu dem Patienten." Kein: "Oh Schatz, wie schön, dass du Dienst hast, ich hab dich sooo lieb." sonder: "Pat. Xy hat ne COPD, 2 Liter Sauerstoff verträgt er, bei 6 Litern isser uns vor 3 Tagen in ne CO2 Nakose gefallen ... usw." - aber ich finde (und Steffi findet das nach nem Gespräch auch), dass wir WENN wir zusammen arbeiten unsere Beziehung aufs berufliche beschränken müssen - aber das sehe ich soweit keine Probleme.

Und sonst so durchforste ich Windows Vista, vergesse mal wieder zu essen und schlafe zu lange. Montag wieder Frühdienst auf der Intensivstation - meine neue Berufung. Diese Intensivmedizinische Pflege ist so geil ... ich bin absolut begeistert. Ich hab schon diverse BGAs abgenommen, ZVKs gezogen, beim Legen eines ZVKs assistiert ... es ist einfach ne völlig andere Art von Pflege, und es ist geil - selbst 3 Reanimationen hatten wir schon alla Emergency Room - gut, die Reas waren nicht so geil und ich war ziemlich fertig, aber ich bin mir jetzt noch mehr sicher, dass meine berufliche Zukunft irgendwo zwischen Notfall- und Intensivmedizin liegen wird.

Intensivfachpfleger Ryan - das wäre schon sehr, sehr geil. Meine Freundin will ja eher in den psychiatrischen Bereich - aber das kann sie gerne machen. Aber ... Intensivstationspfleger Ryan ... boah, das wäre zu geil.

03.08.2007 um 21:34 Uhr

Ryan und sein neues Baby

von: Ryan

So, nachdem ich mcih ausreichend mit meinem neuen Computer vertraut gemacht hab, hab ich jetzt die Ruhe nen kleinen Eintrag zu schreiben. Irgendwie komisch, dass mein Laptop nicht mehr ist und stattdessen ich wieder auf ner Tastatur schreibe.

Scheinbar gibt es keine Rechner mehr, wo noch nicht Windows Vista drauf ist ... alles was ich von Vista jetzt gesehen hab war ... naja, es ist ziemlich bunt. Aber Bilder damit bearbeiten macht schon Spaß.

Und sonst so ... ja eigentlich nichts großartig neues. Ich hab ab Morgen endlich frei, das ganze Wochenende frei ... wow, was werde ich wohl mit soviel freier Zeit anfangen? Höhö, ich sitz garantiert vorm Rechner, aber das habe ich mir verdient. Meine Freundin ist auch außerhalb der Stadt, also werde ich völlig ungestört mit meiner neuen großen Liebe sein - obwohl ... ob es eine große Liebe wird, weiss man noch nicht ... aber sie begeistert mich zumindest.

Ich überlegte grade, was sonst so spannendes passiert ist ... ich hatte ja Geburtstag. Wieder ein Jahr älter, wie die Zeit rennt. Aber ich hab nur nen paar Leute auf nen Bier eingeladen, hab fleissig Geschenke kassiert und das war´s für dieses Jahr mit Geburtstag, nicht wieder so dick wie die letzten Jahre gefeiert - aber man wird ja älter und ruhiger.

Und jetzt guck ich mir mal an, was man mit Power Point alles anstellen kann - das ist hier nämlich drauf - ich fühl mich wie nen Kleinkind im Spielwarenladen.

03.08.2007 um 17:51 Uhr

Wieder online

von: Ryan

Es ist grade so großartig - ich habe mit meinem Geburtstagsgeld endlich einen neuen PC kaufen können und jetzt steht mein brandneues Baby vor mir aufm Schreibtisch und ich hab mich grade damit zum ersten Mal ins Internet einloggen können - ein großartiges Gefühl *g*