Boys don´t cry

29.09.2007 um 23:02 Uhr

Der kleine Brummelbär ist angepisst

von: Ryan

Musik: Delta Radio

Mein letzter Beitrag hier ist irgendwie verschwunden ... komisch.

Kurze Zusammenfassung: Je besser ich mich uaf der Station einlebe, desto besser komme ich klar. Steffi hat ihren heiss ersehnten anderen Job gekriegt - besser könnts ja nicht laufen.

Und ich bin chronisch müde. Ich hab diese WE frei und zu nix Lust. Gestern schon hab ich den Abend zwischen Rechner und Fernseher verbracht, heute sah der Tag ähnlich aus. Und nun hing Steffi mir in den Ohren alla: "Ich will so gerne was machen." - Ich hab versucht sie zu überreden mit mir auf der Couch zu landen - da kam prompt ne SMS von ner guten Freundin von mir, die sich auch mit mir verabreden will heute Abend. Steffi gleich hoch begeistert alla: "Ich wollte die immer schon kennen lernen, lasst uns doch mit ihrem Freund zusammen auf Kiez." Grade auf Kiez hab ich keinen Bock ... jetzt sind wir zu Cocktails verabredet - inner halben Stunde erst - und ich möchte schlafen, nur schlafen. Ich bin totmüde und lustlos.

Und garantiert knaulig. Ich werde schlechte Laune haben, ich weiss es jetzt schon. Total angefressen werden ich neben den Mädels und dem neuen Freund sitzen und gehässige Sprüche von mir geben. Ich hab Steffi sogar vorgewarnt, aber sie nimmt mich nicht ernst. Stattdessen kommt: "Och mein kleiner Brummelbär ..." - Der kleine Brummelbär ist ziemlich angepisst, aber da muss ich wohl durch. Ich bin dabei mir ne 2. Dose Red Bull reinzupfeifen, um nen halbwegs wachen und klaren Eindruck zu machen.

27.09.2007 um 22:50 Uhr

Lalala

von: Ryan

Langsam aber sicher werde ich zum examinierten Krankenpfleger - ganz langsam, aber es klappt. Meine Organisation wird besser, ich lerne einfache Aufgaben an die Schüler und Praktikanten abzugeben, also es läuft. Ich wachse in meine Aufgaben rein. Was zu organisieren ist, organisiere ich. Heute war zum Beispiel das erste Mal ein ENTSPANNTER Dienst, obwohl viel zu tun war.

UND: ich habe das erste Mal (noch anteilig) examinierten Gehalt gekriegt. Ich fühle mich grade so reich.

Unentspannter wird es für Steffi - sie hat den Job gekriegt. Ich freu mich für sie, sie kann sogar früher aus ihrem Vertrag als erwartet - dafür ist natürlich auf Station die Hölle los, weil sie uns jetzt im Dienstplan fehlt. Wenn sie noch ne Woche bleibt, kann ich meine freien Tage nehmen - wenn nicht muss ich ihre Dienste abdecken. Steffi war total platt deswegen und hatte fast schon Tränen in den Augen und meinte, dass ihr das so leid tut, dass grade ICH jetzt für sie arbeiten muss, weil sie weggeht. Aber was soll´s ... ich gönn ihr den neuen Job mehr als alles andere und das werde ich auch überleben. Ich bin sogar sehr, sehr froh, dass wir nicht mehr zusammen arbeiten.

Und die drei besonderen Worte fallen im Moment sehr häufig, sie liebt mich - schönes Gefühl.

25.09.2007 um 01:36 Uhr

Ich könnte heulen

von: Ryan

Was für ein furchtbarer Dienst ... ich kann dazu kaum was sagen und doch viel, ich muss mich mal kurz sammeln ... also: extrem viele Neuaufnahmen, ich hab dann versucht Abstriche zu ziehen wo ich konnte: Also meine Patienten notdürftig versorgen, Akten ausarbeiten (wo man auch dauernd rausgerissen wird) und dann war´s auch schon Abendbrotzeit - vorher die Azubis noch fix Pause machen geschickt, selbst keine Pause, kein Essen, keine Zigarette und nix ... zusehen, dass alle Patienten Essen haben, Medis gekriegt haben - weiter an die Akten, fix alle ins Bett schmeissen, Windeln erneuern, Vitalwerte messen und gucken bei der letzten Runde ob man irgendwas vergessen hat. Visiten und plötzlich war der Nachtdienst auch schon da und wollte ne Übergabe ... der Dienst ging so wahnsinnig schnell vorbei, dass ich immer nur dachte: "Ach du liebe Scheisse ist das schon spät!"

Meine Pause bestand aus nem Glas Wasser und ner Zigarette ... mehr war nicht drin. Zum dokumentieren brauchte ich noch ne Stunde ... und schwupp hatte ich ne 3/4 Überstunde für die ich mich morgen wieder rechtfertigen muss. Aber was soll ich machen? Es reicht schon, dass der Nachtdienst die Dinge tun muss, die ich vergessen habe ... da kann ich denen nicht noch die Dinge geben, an die ich denke ... und ich vergessen bestimmte ne Menge. Ich hab bis 24.00 alleine schon 3 Mal angerufen alla: "Hey, ich hab da noch was vergessen zu sagen inner Übergabe."

Und in alle Pflegeberichte konnte ich schreiben: "Patient ist desorientiert in allen Bereichen." - ich hätte heute nicht gemerkt, wenn mir einer abgehauen wäre ... ich hätte es einfach nicht gemerkt. Wir hatten zwei Azubis, die (glaube ich) meine ganze schlechte Laune abgekriegt haben, weil die sich STUNDENLANG bei den Patienten festgedaddelt haben alla: "Ich creme dem noch die Beine ein." und ich stand nur daneben alla: "Nee, keine Zeit. Gib Hakengas, Mädchen!" Nach der Übergabe hab ich aber mit beiden nochmal geredet und denen gesagt, dass es mir leid tut wenn ich mich im Ton vergriffen hab oder gehetzt wirkte. Und dann kam von denen, sie würden lieber mehr angeleitet werden und würden gerne mehr lernen und ich hab versprochen, dass ich morgen denen was zeige, wenn was anliegt, Verbände usw. und hab denen nochmal meine Sicht geschildert und dass ich auch nicht glücklich damit war, dass ich den ganzen Nachmittag am Schreibtisch saß - und ich glaube, das haben sie auch verstanden. Ist einfach scheisse - muss man so sagen - ich würde auch lieber mit denen in Ruhe am Patientenbett stehen und nen Verband machen oder ähnliches und erklären, aber es geht nicht ... Es ist echt zum kotzen, ich muss die Grundbedürfnisse meiner Patienten sichern und kann kein Stück mehr machen.

Und dann der Hammer: meine anderen examinierte Kollegin hatte Zwischendienst, d.h. ICH war HEUTE ALLEINE auf Station ... ich darf das ja, ich bin ja jetzt examiniert ... aber ICH WAR ALLEINE ... nur ne Stunde ... aber ... boah, ich darf das sogar ... ich raff das nicht ... ich durfte das noch nie ... und jetzt darf ich das, ICH DARF ALLEINE MIT NER SCHÜLERIN AUF STATION SEIN, ich bin EXAMINIERT. Super Gefühl eigentlich. Ich guck auch oft in den Dienstplan und denk: "Mmh, Sie hier (aus meinem Examenskurs) ist ja alleine mit ner Praktikantin .... ACH SOOO sie ist ja examiniert, sie darf das ja." Komisches Gefühl, muss ich mich noch dran gewöhnen.

Der einzige Bereich in meinem Leben, der grade richtig gut funktioniert, ist die Liebe - genau der Bereich, der 3 Jahre oder mehr nicht funktioniert hat. Und im Moment funktioniert alles andere nicht, aber die Liebe schon ... seltsam. Steffi und ich lieben uns wie verrückt - wir vermissen uns, wir zerfliessen vor Sehnsucht - wir unternehmen was, wenn wir beide halbwegs Zeit dazu haben. Am WE waren wir im Kino, Händchenhalten, Popcorn futtern - sehr schön. Wenn wir uns nicht sehen, wenigstens ne schmalzige SMS alla: "Ich vermiss dich so, ich wär so gerne bei dir." - Aber es ist so schön. Steffi hat mir auch das erste Mal letzte Woche gesagt, dass sie mich liebt. Vorher war immer nur "Ich hab dich so lieb" oder ähnliches, aber nie "Ich liebe dich." und sie hat´s gesagt - und ich habe mich furchtbar gefreut.

Endlich mal etwas was gut läuft - nicht nur gut, sondern perfekt. Ich liebe sie, sie ist großartig - WIR sind großartig. Wenn wir zusammen was unternehmen ist das wie Urlaub, und selbst wenn wir nur was kleines machen. Wir versuchen ins Kino zu gehen, essen zu gehen - ich liebe es ja essen zu gehen. Neulich waren wir beim Griechen und noch ne Woche vorher waren wir Sushi essen - ich liebe Sushi ... wir sind beide mit Bauchschmerzen und Übelkeit aus dem Suhsi-Restaurant raus, weil wir uns so überfressen haben. Ich liebe die Gespräche mit ihr, ich liebe es sie in meinem Arm zu haben, ich liebe alles an ihr, ihre Art, wie spricht - was ich nicht liebe ist ihr Dienstplan - obwohl ich auf der einen Seite auch nicht mit ihr zusammen arbeiten will - ich glaube wir würden uns ziemlich schnell auf die Nerven gehen und auf der anderen Seite ... naja es ist schwierig. Steffi hat eine sehr hohe Meinung von mir als Krankenpfleger, allerdings hat sie noch nie mit mir an einem Patientenbett gestanden und ich habe Angst sie maßlos zu enttäuschen alla "Ich dachte du wärst so gut, aber was ich da grade gesehen habe gefällt mir nicht." DENN SIE IST JA AUCH KRANKENSCHWESTER.

Morgen wieder arbeiten ... ich mag nicht. Ich hab Rückenschmerzen, großartig ... ich brauche dringend ne Arbeitsunfähigkeitsversicherung.

22.09.2007 um 05:19 Uhr

Resume des frisch examinierten Krankenpflegers

von: Ryan

Die erste Woche ist geschafft, ich bin seit exakt 8 Tagen Krankenpfleger und hab jetzt 5 Dienste als solcher gearbeitet. Was kann ich sagen?

Es ist schön examiniert zu sein und ich bin sehr, sehr stolz. ABER es ist auch extrem hart. Ich bin so ober konzentriert im Dienst aus Angst Fehler zu machen, dass ich die einfachen Dinge vergesse. Auf der anderen Seite: ich arbeite jetzt selbständig, und ich muss mein System noch finden. Heute morgen zum Beispiel hat mein System großartig funktioniert, gestern dagegen überhaupt nicht ... aber sowas sind Erfahrungswerte, die ich noch sammeln muss.

Ich könnte nach jedem Dienst erstmal 4 Stunden schlafen - aufstehen, was essen und wieder schlafen. Furchtbar - ich bin nur noch müde. Arbeiten, schlafen, arbeiten ... Wochenende zum Glück frei. Dementsprechend war ich mit nen paar Schwestern meiner Station heute aufm Kiez ... einfach um die mal privat kennen zu lernen und sowas eben, Anschluss finden und so ... naja, die Mädels haben ziemlich viel durcheinander gekippt, ich hab 3 Bier gehabt und war dementsprechend recht nüchtern, während die über Männer hergezogen sind und scheinbar jeden Mann angesprochen haben, der nur im entfernsten in deren Richtung geguckt hat. Ich hab mich um 4 Uhr morgens ausgeklingt, immerhin hatte ich schon Frühdienst, bin seit über 24 Stunden wach und hab schon ziemlich hart gearbeitet und davor die letzten 3 Nächte auch nicht mehr als 4-5 Stunden Schlaf gehabt. Meine Füsse tun weh bei jeden Bewegung und meine Hände spannen vom Desinfektionsmittel. Ich muss meine Hände dringend eincremen. Ich bin kein Fan von Handcremes, ich mag sie echt nicht ... aber wenn ich jetzt nicht drauf achte, reisst mir die Haut an den Fingergelenken auf. Also Handcreme nebens Bett stellen.

Meine Freundin seh ich auch nicht mehr - die hat immer entgegen gesetzt zu mir Dienst - den gesamten September und Oktober durchgehend. Großartig. Der eine hat Frühdienst, der andere Spätdienst. Und wenn der Spätdienst vorbei ist, schläft der Frühdiensthabende schon, um morgens um 4 wieder aufstehen zu können.

Und was mich auch noch furchtbar nervt: Seitdem wir auf einer Station arbeiten und uns eh nur noch bei den Übergaben auf Station sehen, reden wir nur noch über die Arbeit. Erste Frage grundsätzlich: "Wie war dein Dienst?" Wir kennen beide alle Patienten und dann wird erstmal diskutiert und erzählt und ... es ist furchtbar. Ich hab gestern bei Steffi geschlafen, sie kam vom Spätdienst und ich hatte Frühdienst und sie hat die neusten Neuigkeiten von Station ne Stunde lang breit getreten bis ich irgendwann sagte: "Können wir nicht über was anderes reden als über die Arbeit?!" Es ist wirklich furchtbar. Ich arbeite auch ganz anders im Frühdienst, weil ich genau weiss, dass Steffi diese Patienten im Spätdienst versorgt und versuche vorzuarbeiten, damit Steffi keinen Stressb kriegt und pünktlich Feierabend machen kann - was allerdingst innerhalb einer Woche keinem von uns gelungen ist.

Ich komm damit echt nicht klar, dass wir zusammen auf einer Station sind - ich weiss auch nicht. Es gibt viele Kleinigkeiten an denen ich das merke. Oder was großes: Mitte der Woche ist mir nen Patienten im Frühdienst verstorben. Ich hab mit dem Arzt den Patient noch reanimieren müssen, ich war bei den beiden Leichenschauen dabei und ich hab den Patienten für die Überführung an den Bestatter vorbereitet, ich war dabei als der Arzt der Ehefrau vom Ableben ihres Mann erzählt hat ... und Steffi kommt nachm Spätdienst zu mir und sagt, dass sie die Überführung an den Bestatter so mitgenommen hat ... da kann ich ihr doch nicht sagen: "Naja, also ich hab mit dem Arzt versucht den Mann noch ins Leben zu holen, ich war dabei als er gestorben ist, ich musste die Leiche waschen und musst der Ehefrau seelischen Beistand leisten - die Überführung an den Bestatter dauert nun echt 4 Minuten, das hätt ich locker gemacht, wenn ich das andere davor nicht hätte machen brauchen." - Nein, das kann ich nicht sagen, ich fühl mich dann schon irgendwie verpflichtet meine Freundin in den Arm zu nehmen und ihr beizustehen und zu zeigen, dass ich für sie da bin ... und ihr so Dinge zu sagen wie: "Ich kann mir gut vorstellen, dass die Überführung nicht angenehm war." ABER gleichzeitig hab ich andere Bilder im Kopf, wie wir reanimieren, wie die Ehefrau in Tränen ausbricht als der Arzt vom Tod des Mannes erzählt ... ich hab das Gefühl, dass ich Steffi stützen muss, auch wenn mein Tag mindestens genauso hart war wie ihrer, vielleicht noch härter ... aber damit kann ich sie ja auch nicht belasten, ich möchte ja auch gerne ne starke Schulter darstellen ... aber ich glaube, ich kann das gar nicht. Ich habs in dieser Beispielsituation runtergeschluckt, aber es ist mir schwer gefallen. Und es wird ja auch nicht leichter.

Steffi hat sich in einem anderen Krankenhaus beworben, Dienstag hat sie ein Bewerbungsgespräch - ich hoffe für uns beide, dass sie den Job bekommt.

17.09.2007 um 19:30 Uhr

Oh man ...

von: Ryan

Ich hab den ersten Dienst als richtiger Krankenpfleger überlebt ... und ich muss sagen: ich bin echt fertig. Ich musste an alles denken, aber auch wirklich an ALLES - und musste überall meine Augen haben, wo ich sonst meine Augen nie hatte, weil ich nie Krankenpfleger war, sondern immer nur Azubi - ich hab natürlich auch prompt diverse Dinge vergessen, die ich morgen nachholen muss und hab meine ersten 2 Überstunden hingekriegt, weil ich nicht durch kam und irgendwie so perfekt wie möglich sein wollte und ... meine anderen Kollegen auch irgendwie Stress hatten und ich dann Medis verteilen musste und keinen Patienten kannte ... furchtbar ... und mit Dingen zu tun hatte, die ich sonst noch nie gemacht hatte und plötzlich können sollte ... also theoretisch kannte ich sie, aber praktisch noch nicht ...

Aber ich habe mich eigentlich gut geschlagen - denke ich zumindest, obwohl mir zuhause noch einiges einfiel ... aber ich hab mir nen Zettel geschrieben, was ich morgen alles nachtragen muss ... ich hoffe, die Kollegen geben mir noch Welpenschutz - nicht, dass es morgen heisst: "Du hast dies und jenes aber vergessen!"

Meine ersten Nächte ALLEINE sind auch schon geplant, aber ich hab mich noch nicht getraut nachzugucken WANN ...

Und gleichzeitig fällt mit mal wieder besonders auf, wieviele unfähige Leute auf Station rumrennen - ich hab mich gleich schon mit den ersten angelegt, weil die einfach Dinge getan haben, die nicht in deren Aufgabenbereich lagen, sondern in meinem und die dann diese Dinge falsch ausgeführt haben ... auf dieser Station funktioniert sowieso einiges nicht, was im Krankenhaus funktionieren sollte ... oh man ... und ich muss da arbeiten ... da muss ich jetzt durch, Schnauze halten und durch ... das wird nicht leicht ... zwischendurch dachte ich nur noch: "Das darf doch alles nicht wahr sein, ich will nach Hause!"

Und morgen nochmal das Ganze ...

16.09.2007 um 21:30 Uhr

Erster Dienst

von: Ryan

Vielen Dank für die vielen Glückwünsche. Ich hab wirklich super gefeier mit großer Examensfeier mit allen examinierten Kollegen, die irgendwie daran beteiligt waren uns zu unserem Examen zu verhelfen, mit allen Ärzten, Lehreren und wen man sonst so kennt. Sehr schöne Feier - dementsprechender Kater. Das WE haben Steffi und ich dann miteinander verbracht, ziemlich ruhig mit Filme gucken, Essen gehen und so weiter.

Und heute Abend ist sie dann nach Hause gefahren, ich muss früh schlafen gehen - denn ich habe morgen meinen ersten Dienst als examinierter Krankenpfleger. Und ich bin sehr aufregt, auf dieser Station war ich noch nie und ich hab jetzt nicht mehr die Ausrede, dass ich noch Schüler bin - nein jetzt bin ich kein Schüler mehr. Jetzt hab ich ne Menge Verantwortung. Ich bin gespannt wie es läuft.

13.09.2007 um 19:34 Uhr

Es ist vorbei, -bei, -bei ...

von: Ryan

Liebe Leser,

gute Nachrichten: Es hat eine Ende. Heute Vormittag war der letzte (aber auch allerletzte Tag) meiner Examensprüfungen.

Und ich bin seit einigen Stunden:

EXAMINIERTER GESUNDHEITS- UND KRANKENPFLEGER

Es ist geschafft - endlich, endlich, endlich ... ich hab geheult, als sie mir mein Examen überreicht haben. Es war an und für sich alles sehr rührseelig und furchtbar tränenreich, weil von fast allen in dem Moment der Stress abfiel ... und es ist nen ganz großartiges Gefühl das alles hinter mir zu haben und genau zu wissen, dass ich ein super großes Ziel erreicht haben. Ich hab immerhin jetzt eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Im Moment bin ich auch noch beschwippst vom Sekt - und muss gleich weiter zum feiern und morgen wird auch gefeiert und für´s Wochenende sind wir auch schon verabredet - also nicht böse sein, wenn es die nächsten Tage nichts zu lesen gibt.

 

09.09.2007 um 05:15 Uhr

Zitat

von: Ryan

"Hab ich dir schon erzählt,

dass sich unserem Keller zwei Menschen fast zu Tode lieben?"

...

"Hast du davon gehört,

dass ich gegenüber einen Schuppen hab voll  mit Wahnsinn und mit Lügen;

hast du davon gehört,

dass meine Gedanken ganz langsam über ihre Ufer treten?

Mach die Augen auf,

und sieh:

du kannst mich nicht mehr verstehen."

(Finkenauer - Hab ich dir schon erzählt)

 

09.09.2007 um 04:24 Uhr

Mein Abend - meine Zeit

von: Ryan

"Abends in den Clubs versuche ich ständig zu lachen,

damit die anderen glauben, es wäre alles wunderbar,

aber spätestens nach den ersten Worten,

 die nichts bedeuten fällt man in sich zusammen,

vermischt man sich ungesehen unter all den anderen."

(Finkenauer - Zwischen den Gebäuden)

Ja, unter all den anderen. Meine Ex-ex-keine-Ahnung-wievielte Ex-zumindest-allerste-Freundin-die-ich-je-hatte-Ex hatte heute Geburtstag. Und irgendwie war diese kleine Feier ne großartige Abwechslung zum alltäglichen Stress. Ich mag sie echt gerne, wir sind gut befreundet seit Jahren - Steffi wollte trotzdem nicht mitkommen alla: "Ich wusste nicht, dass du mit ihr mal zusammen warst - und außerdem will ich heute lernen." Keine Ahnung ob ich da mal nachharken muss, ob sie beleidigt ist, dass sie nun weiss, dass ich mit ihr zusammen war (vor über 7 Jahren) oder ob sie wirklich lernen wollte. Ich werds morgen rausfinden.

Aber im Moment ist mir das egal, weil Sarah - das besagte Geburtstagskind eine meiner besten Freundinnen ist und es auch bleiben wird - fast alle ihre Freunde sind auch super gute Freunde von mir, weil wir gemeinsam Abi gemacht haben. Nur ihre Eltern lieben mich abgöttisch, weil ich scheinbar so ein großartiger Ex-Schwiegersohn war, bzw. bin. Mutti mochte sie auch super gerne, aber wie gesagt: 7 Jahre ist ne lange Zeit und sie war meine erste richtig feste ernste Freundin und es ging schief - und nun mag sie gerne und wir sind gut befreundet und sind beide Mitglieder des gleichen Freundeskreises, hatten schon diverse Partner in der Zwischenzeit und ihren neuen Freund mag ich auch gerne - naja wie auch immer. Fazit des Abends: war schön, super viele Freunde getroffen, nette Gespräche, Steffi nicht dabei und zuviel Bier - und ich bin schon seit Tagen "schief" drauf - aber heute war schön.

Rückblick auf die letzten Tage: Stress auf Station, Ausnahmesituationen, kaltes Wasser - was ich halt so kenne - nur Spätdienst, also 10 Stunden Schlaf nach der Schicht aber kein Stück ausruhen - Müsli vor der Schicht, während der Schicht keine Zeit zu essen, nach der Schicht zu müde zum essen - FAZIT: 4 kg runter seit Montag. Unglaublich - ich hab keinen Hunger. Ich esse - rational gesehen - viel zu wenig und habe keinen Hunger - durch die Stresshormone? Dann gestern Betriebsfeier - nix gegessen inner Schicht, zur Feier, 4 Bier und ich war voll - klar wenn man nix isst - dann mittags am nächsten Tag Frühstück bei Steffi - mehr als nen halbes Brötchen hab ich nicht geschafft - hause nix - Geburtstagsfeier wieder nen halbes Brötchen, nen paar Scheiben Mortadella und sonst nix - ich hab noch nicht mal Hunger ...

Hauptkalorienquelle BIER - naja, aber was will ich machen - aber hey: ich habe das Gewicht mit dem ich die Ausbildung angefangen habe - endlich wieder - aber ich verhalte mich anorektisch - unbewusst, wenn ich nicht das Bewusstein für ne Esstörung hätte - aber ich hab´s und nen Brötchen am Tag ist zu wenig - kein Wunder dass ich abnehme - es geht auch zu schnell, aber ich mag nicht essen ...

06.09.2007 um 23:40 Uhr

Pohlmann

von: Ryan

Auch wenn es scheint, das nichts gelingt,

wenn es scheint, dass nichts gelingt,

ist manchmal das,

ganz genau das,

was uns weiterbringt

06.09.2007 um 00:44 Uhr

Prognosen und Überlegungen

von: Ryan

Musik: Kaiser Chiefs Album

Ich hatte mal wieder Spätdienst und es war super viel zu tun - und ich versuche trotzdem die letzten Stunden auf der Intensiv zu geniessen - mit nem tollen Team und ner super Atmosphäre zum arbeiten - und VERNÜNFTIGE Hinweise, wenn man was vergessen hat und VERNÜNFTIGEN Antworten, wenn man ne Frage hat. Großartig wieviel diese Leute mir beigebracht haben. Auf "meiner" Station wird das nicht so sein - nein, ganz und gar nicht - aber wie das da abläuft, werde ich spätestens in 3 Wochen ausführlich schildern können, weil ich hier meinem Frust viel Luft machen werde ... alles ist bereit: Meine neuen Stationsschlüssel, mein neuer Arbeitsvertrag, meine neue Kleidung als examinierter Krankenpfleger ... nur ich selbst bin nicht bereit. Und seitdem ich auf diese Station soll, bin ich auch nicht mehr bereit examiniert zu sein - ich hatte mich drauf gefreut, aber jetzt ist das irgendwie gar nicht mehr so.

Super schöner Gästebucheintrag von Webreba mit nem ganz markanten Satz: "Und das jemand, der so klar über sein Leben schreibt, trotzdem so unklar in sich selbst ist."

Was positives: Meine Freundin. Ich hätte mich gedacht, dass mir ein Mensch soviel geben kann. Vielleicht war ich es auch nicht mehr gewohnt, weil ich so lange Single war und so lange mit mir selbst alleine. Gestern haben wir uns getroffen, ich hab gekocht und wir haben ne Dvd geschaut, Bier getrunken, gekuschelt - jedesmal wenn wir zusammen sind, ist das ein wenig wie Kurzurlaub. Da isses irgendwie doppelt schlimm, dass niemand wissen darf, DASS wir zusammen sind. Knapp 4 Monate ist der Tag her, an dem ich ihr gesagt hab, dass ich in sie verliebt bin. Eigentlich total niedliche Geschichte: "Ich bin in dich verliebt." - "Ich auch in dich." - Schweigen - "Und jetzt?" - "Öhm ... ja ..." - "Wir könnten uns küssen." - "Ja stimmt." - "... ich trau mich nicht ..." - "Ich auch nicht." Mittlerweile ist das natürlich nicht mehr so *g* Ich weiss noch wie heute als wir uns das erste Mal gesehen hab, standen beide doof vor der Krankenpflegeschule rum: "Machst du hier auch die Ausbildung?"

Ich hätte uns heute fast verraten - sie hat heute Nachtdienst und ich hatte Spätdienst, und ich hab nen Patienten hochgeschoben auf ihre Station und mach Steffi und ner anderen Schwester ne Übergabe, hab so unsere Intensivkurse in der Hand und zeig zu meinen Erzählungen so, wo sie die einzelnden Medikamentengabe nachvollziehen können. Um uns herum viele, viele Ärzte und andere Kollegen (die ich auch kenne, weil ich auch nen halbes Jahr auf der Station gearbeitet hab) und ich so: "Frau xy hat bei uns noch Dipidolor gekommen, insgesamt ne 3/4 Ampulle, je ne 1/4 da und da, und die Letzte vor 20 Minuten - deswegen kommt Frau xy auch jetzt erst hoch." - Steffi: "Wieso?" - Ich: "Weil ich Frau xy noch ne 1/4 Stunde am Monitor behalten wollte." - Steffi: "Ja und?" - Ich: "Weil sie das Dipidolor bei uns intravenös bekommt." - Steffi: "Warum gebt ihr das i.v.?" Und da wurde ich irgendwie grantig, was fragt die auch so doofe Sachen? "Weil wir die Intensivstation sind und die Leute am Monitor haben?!" und Steffi guckt mich an alla: versteh ich jetzt nicht und ich nur: "SCHATZI! Dipidolor macht atemdepressiv intravenös." und denk nur: SCHEISSE ... jetzt hast du sie Schatzi genannt - ist gottseidank niemanden weiter aufgefallen ... in nem anderen Kontext wäre das verherrender gewesen.

Wir haben uns überlegt für die Examensfeier: Wir sagen nicht: "Hey wir sind zusammen." sondern wir machen das dramatischer, schockierender und vor allem weniger offensichtlicher. Wir lassen es aussehen wie: "Wir sind betrunken und deswegen knutschen wir - und das haben wir natürlich NOCH NIE gemacht und werden es NIE WIEDER tun." - und die Leute die wir mögen, bzw. die Leute von denen wir auch wissen, dass die dicht halten, werden wissen, dass eigentlich nen Pärchen sind - aber die Leute von der Station wo wir bald zusammen arbeiten sollen es nicht wissen. Ich habe keine Lust auf die Lästereien oder was auch immer da kommen wird ... war halt ne schlechte Idee sich in ne Arbeitskollegin zu verlieben, bzw. sogar Mitschülerin. Und ich dachte doch ernsthaft, dass das vorbei sein wird, wenn wir keine Mitschüler mehr sind ... und jetzt sind wir enge Arbeitskollegen, wenn die Schule vorbei ist.

Aber ich hab mir viel vorgenommen für die neue Station:

  • ich werde mich raushalten aus Lästereien und doofe Bemerkungen - die sollen da wohl alle so drauf sein, dass die erst versuchen eine grundehrliche Meinung aus einem herauszuholen und dann hinterhältiger Weise das an die Stationsleitung weiter petzen - und ich hab ne große Schnauze und sage viel unüberlegt oder weil es raus muss, also:
  • Klappe halten und durch, sollen sie doch lästern, ich muss mich neutral verhalten
  • Nett sein - ich werde mich bemühen der netteste Kollege zu sein, den sie je hatten, so Kleinigkeiten wie Kaffeebecher für den nächsten Dienst hinstellen usw. Und vor allem: Nett sein zur Stationsleitung. Die muss der absolute Oberdrachen sein, einem dabei nett und freundlich ins Gesicht grinsen und gleichzeitig sagen: "Du hast gleich nen Gespräch bei der Pflegedienstleitung und holst dir ne Abmahnung ab."
  • Steffi ist auf der Arbeit meine Kollegin und nix anderes - was mir zuhause machen ist was ganz anderes
  • Dinge einführen, die es nicht NOCH nicht gibt: Da haben sich wohl so Verhaltensweisen eingeschlichen alla: Ich seh zwar, dass du dich heute kaputt arbeitest, weil deine Patienten so schwierig sind aber ich leg die Beine hoch und ignorier das. Nee, sowas gibt´s bei mir nicht.
  • Ich will fit bleiben - also mit dem Wissen was ich habe. Zum Beispiel ist mir aufgefallen, dass auf einer Station die angebrochenen Insulinpens im Kühlschrank gelagert werden. Das ist falsch, weil sich dann Luftblasen bilden können in den Ampullen ... meine JETZTIGE Station hat das auf meinen Hinweis hin nachgelesen und sagte: "Du hast recht, super dass uns das mal einer sagt, darüber sind wir nie gestolpert." - So ne Dinge und ähnliches werd ich auf der Station auch mal ansprechen und konsequent durchsetzen - und nebenbei weiterhin in die Bücher gucken und mich weiterbilden über die Krankheitsbilder, mögliche Komplikationen usw. Mir soll keiner nachsagen können, dass ich unsauber arbeite oder nicht-korrekt.

Eigentlich schon übel, dass ich mich so motivieren muss für diese Station und mir Dinge vornehmen muss, um mir da selbst nicht die Hölle auf Erden zu bereiten.

Ich habe jetzt schon Magenschmerzen und Nächte voller Alpträume, nur weil ich weiss, wo ich das nächste halbe Jahr verbringen werde. Vielleicht wird alles gar nicht so furchtbar wie ich es mir vorstelle, vielleicht aber doch ... wir werden sehen.

02.09.2007 um 21:14 Uhr

Abgrundtief beschissen

von: Ryan

Ich hab mal wieder ne Phase in der ich nur heule und es mir einfach nur schlecht geht. Irgendwie kommt im Moment auch alles zusammen.

Gestern Abend kamen Steffi und ich von ner Party und ich hab noch inner U-Bahn angefangen zu heulen und das hat sich bis heute mittag kaum gelegt. Den Tag hab ich im Bett verbracht, konnte mich zu nichts aufraffen und ... und es ist einfach im Moment alles so abgrund tief beschissen.

Ich bin so unendlich überfordert - ich weiss gar nicht wie ich morgen zur Arbeit gehen soll, geschweige denn die Schicht hinter mich bringen soll. Ich hab dauernd Magenschmerzen, schlafe schlecht, fühle mich dauernd müde und unausgeruht und vor allem: unausgeglichen und unzufrieden.

Es ist wie verhext im Moment: Alles läuft schief und im Moment gibt es da super viele Dinge, die in meinem Leben so rumstehen und mir sehr zu schaffen machen.