Boys don´t cry

29.12.2007 um 18:51 Uhr

Silvesterplanung, Pärchen und Rauschgift

von: Ryan

Ich hab mir grade den Eintrag vom 1. Januar 2007 angesehen ... und erinnere mich mit Schrecken, dass ich es letztes Jahr versetzt wurde von all meinen Freunden, die entweder irgendwo nach Hause gefahren sind (die wenigsten kommen aus Hamburg), mir kurzfristig abgesagt haben und ich es nicht geschafft habe irgendwo anders unterzukommen als bei meiner Mama ... dieses Jahr bin ich ganz anders organisiert. Ich hab keine Lust wieder um 2 Uhr nachts alleine in meiner Wohnung zu hocken und mich zu fragen, ob mich irgendjemand vermisst oder mitkriegt, dass ich ganz alleine bin.

Ich hab mich überall bei sämtlichen Freunden erkundigt, was die so vor haben, aber ich muss sagen: irgendwie haben alle meine "alten" Freunde irgendwas vor mit "neuen Bekanntschaften", die ich nicht kenne oder eigenartig finde. Andere Freunde ziehen es wieder vor aus Hamburg zu verschwinden und mit dem letzten trödeligen Rest feiern meine Freundin und ich nun Silvester - zumindest ist es so geplant.

Meine Freundin hat allerdings beschlossen heute an ihrem ersten freien Tag mal in die "Zone" zu fahren - ja ich liebe eine Ostdeutsche - und sich da mal blicken zu lassen bei ihrer Verwandtschaft. Dementsprechend ist es jetzt meine Aufgabe die ganze Geschichte zu organisieren, die Leute abzutelefonieren, den Ort zu bestimmen, wo wir uns treffen, was wer zu essen und zu trinken mitbringt ... damit hab ich mich heute den ganzen Tag geschäftigt - allerdings lag meine Hauptbeschäftigung darin meinen nicht-zuhause-anwesenden-Freunden Nachrichten auf den Anrufbeantworter zu sprechen oder SMS zu tippen, die scheinbar im NICHTS verschwunden sind.

Obwohl es unsere gemeinsamen Freunde sind, kam von Steffi gestern Abend mal kurz der Satz: "Vielleicht werde ich auch eingeschneit im Osten, dann kann ich leider nicht kommen." Ich darauf: "Auf die Idee kommst du nicht! Du lässt mich nicht alleine mit diesen Menschen sitzen!" Zur Erklärung: Wir haben vor mit anderen Pärchen zu feiern - Steffi und ich sind eigentlich absolute Anti-Pärchen-Abend-Gänger, nachdem wir beide sehr lange Single waren und gemeinsam rausgefunden haben, dass Pärchen eine sehr abnormes Verhalten an den Tag legen. "Hasi?" - "Ja Schnäuzelchen?" - "Ich wollt dir nur sagen, wie sehr ich dich liebe, meine Zuckerhäschen!" - "Ich liebe dich auch, Putzelchen!" *kotz* Wenn ich Steffi ärgern will, dann erfinde ich sülzige Spitznamen und sprech sie damit an. Zum Beispiel neulich im Supermarkt (mir war langweilig und Steffi kauft immer mit so einer Ernsthaftigkeit ein, damit sie jaaaa nichts vergisst, aber Einkaufszettelschreiben findet sie albern). Und ich dann so (ich stand 4 Meter von ihr entfernt): "Schnääääkchen?!" Steffi ignoriert mich. "Schnääääkchen?!!" Sie ignoriert mich weiter. "Zuckerschnäääkchen?! ... Hasilein?? ... Schaah-aatz-iii??" Steffi super angepisst: "WAS?!" - "... nix ..."

Zurück zur Silvesterplanung: Also wir werden uns mit Pärchen treffen - und die sind noch nicht anstrengend im einfachen Pärchen-Level, sondern die sind schon im "Wir-sind-verlobt"-Masterlevel, was den Schwierigkeitsgrad sie zu ertragen erhöht. Steffi fiel vorhin noch auf der Autobahn ein: "Ryan, denkst du dran, dass wir genug Bier organisieren? Können wir ja Montag morgen mit dem Auto holen." Steffi hat nicht so optimalen Empfang und ich sag: "Ja klar und Freuxenet brauchen wir auch." Steffi: "Was?" (Empfang wurde schlechter) Ich: "Freuxenet!" - Steffi: "Was? Rauschgift?!"- Ich: "Nein, FREUXENET!" - Steffi empört: "So schlimm sind unsere Freunde nun auch nicht!" - "Nein, der SEKT!" - "Aachsooo."

27.12.2007 um 18:15 Uhr

Zukunftsplanung

von: Ryan

Erster freier Tag und schon wieder nix zu tun - eigentlich "nix zu tun". Ich hab ausgeschlafen, war mal wieder einkaufen, hab meine Wohnung 2 Stunden lang geputzt, alle rumfliegenden wichtigen Zettel wegsortiert, aufgeräumt ... und jetzt sitze ich über dem hamburger Stellenmark in Hamburg und gucke mir freie Arbeitsplätze in hamburger Kliniken an ... und merke: ÜBERALL sind Stellen frei.

Letzte Woche kam da so ein unscheinbarer Brief von meinem Krankenhaus alla: "Wir sind dazu verpflichtet, Sie darauf hinzuweisen, dass ihr Arbeitsverhältnis in 3 Monaten beendet ist." und dass sie mich daraufhin hinweisen müssen, dass mich a) arbeitslos melden muss und b) um ne neue Stelle kümmern muss.

Nur so nebenbei: Ich bin zu fast 80% davon überzeugt, dass sie mich weiterbeschäftigen werden. Ich bin einer der wenigen Vollzeitkräften, ich hab über 50 Überstunden, die ich an so Tagen wie heute abbummeln muss, ich bin dauernd da und ohne mich bricht der ganze Laden zusammen. Ich gelte als fleissig und fit, die Leute kennen und mögen mich. Zudem bin ich der Hahn im Korb - neben mir arbeitet grade mal ein einziger anderer Pfleger auf meiner Station (aber der nicht in Vollzeit). Und grade in der Zeit, wo wir viel Umschwung haben (Station zieht um, neue Stationsleitung, Teamzusammenlegungen, ärztlicher Leitungswechsel) kündigen viele Kollegen, die keinen Bock auf diese Veränderungen haben oder die zwangsversetzt wurden ... joah ... meine Leitung sagte, sie rechnet damit, dass ich weiter angestellt werden würde.

ABER will ich das? Ich weiss es nicht ... ich arbeite dauernd, ich mach mich kaputt und ich weiss genau: Auf dieser Station werde ich verheizt. Da arbeite ich noch maximal 5 Jahre und dann ist Feierabend. Entweder ich dreh durch oder ich werde zum Alkoholiker oder sitzt da mit nem kaputten Rücken. Egal wie kinästethisch ich arbeite, wie hoch ich mir die Betten stelle und wenn ich immer darauf achte, dass ich nie alleine mobilisiere oder hochziehe ... die Omas hängen sich trotzdem dauernd unerwartet an mich ran und meine weiblichen Kollegen schieben viele schwergewichtige Patienten auf mich ab, weil ich ein Mann bin.

Und ich bin unzufrieden mit der Gesamtsituation: Wir haben echt doofe Regeln auf Station, und zwar so ne Art Regeln, die jegliches Aufmucken im Keim ersticken sollen. Zum Beispiel: "Geht nicht - gibts nicht". Wir haben teilweise soviel Arbeit, dass wir die Grundversorgung kaum gewährleisten können und kriegen dann noch nen Anranzer, warum wir die Blumen vernachlässigen ... ich bin nur noch müde, wenn ich nach Hause komme. Und kotz mich mindestens 1 Stunden pro Tag bei meiner Freundin, meiner Mutter oder sonst wem aus, wie scheisse meine Station ist. Wir sind ja ne Altersreha ... und wir kriegen teilweise soviele Patienten, mit denen man gar keine Reha machen kann, weil einfach kein Potential übrig geblieben ist - grade über Weihnachten hatten wir fast nur Versorgungsprobleme aufgenommen. Beispiel: Familie will tyranische Oma nicht zuhause haben - also lassen wir uns mal 3 Wochen tyranisieren und tun so als würden wir ihr das Laufen wieder beibringen wollen. Tyranische Oma hat aber keinen Bock auf Laufen und sagt das auch bei jeder Visite wieder aber kein Mensch reagiert darauf - außer mir (ich mach ja viel zu oft den Mund auf), ich nur: "Dann kann sie ja entlassen werden, wir kommen hier nicht weiter." Dann kam nur: "Ach Ryan ..." so alla: "Denk doch mal an das Geld, natürlich bleibt die hier." Also wasche und windel ich weiter brav die tyranische Oma, schmiere ihr das Brot und diskutiere bei jeder Medikamentengabe mit ihr, bis ich nach 2 Stunden Diskussion sie doch davon überzeugt habe, dass ihre Herzmedis wichtig sind - oder entnervt dokumentiere, dass sie ihre Medikamente mal wieder abgelehnt hat.

Oder Gomers (hat jemand House of God gelesen?) - bei uns landen dauernd Gomers - und was macht man auf ner Rehastation mit nem Gomer? Nix! Aufpassen, dass er isst, trinkt, Infusion kriegt, die Braunülen liegen bleiben, waschen, windeln und zusehen dass er/sie nicht abhaut. Wir sind ne Station für LADs im GAZ (liebe alte Dame im guten Allgemeinzustand), aber wir kriegen ja alles.

Und dann gibt´s dauernd nur aufm Deckel: "Ryan, warum ist der Patient xy weggelaufen?" (ein Gomer) Ich wieder viel zu ehrlich: "Weil die Tür nicht abgeschlossen sein darf und ich alleine mit 28 anderen Patienten zu tun hatte." - "Ryan, sowas DARF nicht passieren!" - "Gib mir ne Pflegekraft mehr pro Schicht und sowas passiert nicht mehr!"  Und dann kommt wieder: "Ach, Ryan ..." und das bedeutet soviel wie: "Wovon träumst du Nachts?!"

Mal davon abgesehen davon: Mir wird langsam klar, dass ich in unserem kleinen Krankenhaus nicht mehr viel dazu lernen kann ... ohne arrogant zu sein: Aber ich kann alles, was ich bei uns können muss - und noch ein bisschen mehr. Ich bin einer, der handvoll fitten Kollegen auf unserer Station. Besser gesagt: Fit = kompetent. Zum Beispiel gibt es Kollegen, die wundern sich warum ich als Spätdienst den Leuten Einlagen in die Windeln mit reinlege. "Warum hastn du das gemacht?" - Pfleger Ryan: "Naja, ist dir mal aufgefallen, dass die Leute mehr pinkeln nachts?" - "Ja, aber das machen die doch, weil denen langweilig ist nachts, oder?" - "Nee ... der hat die Herzinsuffizienz, seine Niere arbeitet nachts effektiver als tagsüber ..." - "Oh, das hört sich logisch an." und sowas muss ich Leuten mit mehr als 5 Jahren Berufserfahrung erzählen ... *kopf auf die Tischplatte hau* Oder neulich ist ne Kollegin in Panik ausgebrochen, weil da ein Patient mit einer geklammerten OP-Naht ankam ... super Panik: "Wie krieg ich die Klammern raus? Das macht doch ein Arzt oder?" - Ich hab dann nur geseufzt und gesagt: "Ich kümmer mich drum." und ich wurde angeguckt als könnte ich zaubern, als ich sagte: "Ich hab die Klammern gezogen." Zur Erklärung für die Nicht-Mediziner: Klammern ziehen ist einfacher als Kaffeekochen.

Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt mir was anderes zu suchen. Mal was völlig anderes machen, vielleicht auch nicht immer mit alten Leuten arbeiten - ich hab zwei Stellen rausgekramt auf ner Säuglingsstation - hätte auch was. Oder Unfallchirurgie oder ... es sind soviele offene Stellen in Hamburger Krankenhäuser.

27.12.2007 um 00:07 Uhr

Weihnachten überstanden

von: Ryan

Endlich ist Weihnachten für dieses Jahr vorbei - ich durfte ja mal wieder arbeiten ... Heiligabend und 1. plus 2. Weihnachtstag und ein paar Tage davor ... und jetzt bin ich ziemlich fertig und müde. Schatzi muss noch 2 Tage mehr arbeiten, dann haben wir endlich wieder ein paar Tage zusammen frei - Memo für später: niemals wieder ne Freundin, die auch im Schichtdienst arbeitet.

Eigentlich war es auf der Arbeit recht ruhig ... bis auf das kleine Problem: Noro Virus. Alle Patienten kotzen, haben Durchfall und wenige Tage befällt es auch alle Kollegen. Irgendwie bin ich allerdings resistent ... und durfte dementsprechend einspringen, hab mal nen paar Spätdienste alleine geschoben, weil alle meine Kollegen zuhause lagen ... naja ... positiv: Station gesperrt und 2/3 der Betten leer, also entspannte Dienste ... so entspannte Dienste werde ich die nächsten paar Jahre nicht mehr haben.

Was hab ich Weihnachten gemacht? Vormittags mit Schatzi im Bett verbracht und geschlafen, gekuschelt, danach arbeiten, spätabends zu meinen Eltern und Brüdern - inklusive Schatzi. Alle sind begeistert von ihr und mögen sie.

Es ist ja immer so ein wenig heikel, wenn man seine Freundin das erste Mal mit zu seinen Eltern bringt ... wie reagieren die Eltern? Wie reagiert die Freundin? Wie reagieren meine Brüder und deren Frauen? Aber die Gesprächsthemen und der Rotwein sind nicht ausgegangen und der Abend war gerettet. Geschenke gab es auch von allen Seiten ... mein Weihnachtsmann war dieses Jahr überaus fleissig.

Jetzt ist erstmal wieder nen Jahr Ruhe.

19.12.2007 um 23:46 Uhr

Von Kino, Männern und Frauen und Ärzten

von: Ryan

Musik: Die Ärzte - Wir sind die Besten

Eigentlich gibt´s nicht viel neues - ich vertreibe mir die freien Tage mit shoppen, einkaufen, putzen, meine Freundin treffen, zuviel schlafen und sowas eben.

Aber ich möchte meine Blogleser auf einen tollen Film hinweisen, den ich gestern im Kino gesehen hab (typischer Weise mit meiner Freundin): "Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können." Schöne Dialoge und einfach ein wunderbarer Dokumentarfilm über die unterschiedlichen Welten von Männern und Frauen ... schöne Randgeschichte, was gestern im Kino wirklich passiert ist: Eine Darstellerin stellt sich vor mit dem Namen "Angie Lutschmund" - ich (als primitiver Mann) finde das komisch und fang an zu brüllen vor lachen - leider nur ich ALLEINE - meine Freundin rechts neben mir sitzend, schlägt nach links - wo ich dann halt sitze so alla: "Lach nicht! Das ist peinlich, wenn nur du lachst!" - 30 Sekunden später fällt noch mal der Name "Angie Lutschmund" und der ganze Kinosaal bricht in schallendem Gelächter aus, inklusive meiner Freundin ... tja, wer hat den Witz schon ne halbe Minute früher gerafft und wird dafür geschlagen?? ... ganz großartiger Film muss ich sagen - seitdem sind mir viele Unterschiede zwischen Frauen und Männer bewusst geworden. Unter anderen, dass Männer nur begrenzt multitasgingfähig sind - und ICH als Mann in einem Frauenberuf, in dem ich oft gezwungen bin mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, habe erkannt, dass ich trotzdem meine Ressourzen (wie wird das Wort geschrieben??) bereits ausgeschöft habe ... meine Freundin und ich zum Beispiel heute aufm Weihnachtsmarkt - ich habe eine Zigarette geraucht, meine Freundin an der Hand gehalten, uns beide durch die Menschenmassen gelotst, sollte nach Glühwein Ausschau halten UND ihr zuhören ... das Letzte war für mein männliches Gehirn zuviel. Sie erzählt und ich hab nur soviel mitgekriegt: "Und dann hat die doofe Kuh auf der Arbeit ... bla bla bla ... blub ... bla bla ... und das Schlimmste: Bla bla bla ... bla bla blub bla bla ..." und ich immer: "Ja ... ja ... mmh ... ah ja ..." und dann irgendwann von ihr: "RYAN?! Hörst du mir eigentlich zu?!" - "Ja klar!" - "UND? Was sagst du dazu?" - "Ähh ... kannst du den letzten Satz nochmal wiederholen?!"

Noch was schönes aus der Unterhaltungsmedienwelt, was mich sehr begeistert: "Jazz ist anders" von den Ärzten - großartiges Album.

17.12.2007 um 16:35 Uhr

Es weihnachtet ...

von: Ryan

Überall sind Lichterketten aufgebaut und ich bestaune jedes Mal eine riesige beleichtete Tanne auf dem Weg zur Arbeit ... allerdings muss ich dazu sagen: Ich habe frei ... und das tut mir grade sehr gut.

Ich hab am Wochenende viele Freunde gesehen, die ich lange nicht gesehen hatte, war auf Partys, hab meine Wohnung mal wieder geputzt (sie hatte es dringend nötig), den Kühlschrank gefüllt, ausgeschlafen und sonst so Dinge gemacht, zu denen ich sonst nicht komme - zum Beispiel einfach mal 3 Stunden im Bett liegen und irgendwelchen Mist im Fernsehen schauen. Meine Freundin war dann gestern noch da - ja, das Leben kann schön sein, wenn man nicht arbeiten muss. UND: ich war endlich beim Frisur, ich bin wieder vorzeigbar.

Im übrigen hab ich im Internet geguckt nach freien Stellen in großen Krankenhäusern ... und es ne Menge frei. Irgendwie kann ich mich aber nicht durchringen wirklich ne Bewerbung zu schreiben - nicht mal nur so zum "Spaß", denn ich weiss: ich werde sie dann auch abschicken und mein Schicksal besiegeln. Und dann bin ich da raus, wo ich jetzt bin - und ich hasse Veränderungen, auch wenn ich genau weiss, dass man Veränderungen braucht, um weiter zu kommen. Auf der anderen Seite: Wer nimmt mir das ab? Niemand. Ich muss selbst den Arsch hochkriegen. So siehts aus.

Auf der anderen Seite hab ich am WE wieder was gelernt: Freitag zum Beispiel hab ich mich mit ner sehr guten Freundin getroffen (vor 6 Jahren waren wir nen Jahr zusammen) und war mit der Kaffee trinken, shoppen - Samstag war ich dann bei meiner anderen Exfreundin (die mit der ich 3 Jahre lang zusammen war) und war mit der feiern - und es war komisch, denn obwohl ich so gelitten hab bei den Trennungen, denke ich im Nachhinein: Schöne Zeit gewesen, aber besser so, es ist alles so gelaufen, wie es laufen sollte, denn sonst wäre ich jetzt nicht mit meiner jetztigen Freundin zusammen. Und wäre wahrscheinlich einige Lebenserfahrungen ärmer ... ich mag die Mädels echt gerne und ich unternehme auch gerne was mit ihnen, aber alles intensivere ist schon lange vorbei. Auch wenn sich das komisch anhört, aber in einer gewissen Weise sind da trotzdem Gefühle - aber ganz andere als für Steffi - eher solche: Ich-weiss-noch-wie-es-ist-dich-zu-lieben-Gefühle und bei Steffi isses eher was ziemlich akutes, so in etwa wie: Ich-kann-mir-nicht-vorstellen-dich-nicht-abgöttisch-zu-lieben-und-zu-vermissen.

Ansonsten: Weihnachtsstress ist erstmal gebannt - ich habe nämlich alle Weihnachtsgeschenke zusammen. Und sie sind bereits eingepackt und jetzt kann Heiligabend ruhig kommen. Heiligabend wiederrum wird nicht ruhig ... erstmal arbeite ich, und dann auch noch im Spätdienst, weil ja ALLE anderen Kolleginnen Kinder haben und UNMÖGLICH nachmittags und abends arbeiten können an diesem Tag ... irgendwie ist da das Los auf alle kinderlosen Kollegen gefallen, auf der anderen Seite mag ich meine kinderlose Leidensgenossin sehr gerne - wir machen uns das sehr nett. Steffi hat auch den Heiligabend-Spätdienst abgegriffen. Danach müssen wir zu meinen Eltern, Weihnachtsessen, Bescherrung usw. Und danach sind wir verabredet mit ein paar kinderlosen, heiligabend-Spätdienst-arbeitenden Schwestern. Und danach isses für dieses Jahr erstmal geschafft.

13.12.2007 um 22:07 Uhr

Wo führt das hin?

von: Ryan

Mal wieder Thema Arbeit - es gibt ja auch sonst nicht viel in meinem Leben. Mein Sozialleben leidet extrem, hab ich erkannt in den letzten paar Wochen und war damit auch unglücklich. Nun versuche ich Freunde, Familie oder vor allem meine Steffi zu treffen, versuche mein Leben neben der Arbeit zu leben - auch wenn das bedeutet, dass ich total kaputt bin.

Zum Beispiel Dienstag: Ich hatte Frühdienst, und hab danach trotzdem meinem Bruder beim renovieren seiner neuen Wohnung geholfen - bis 21.00 abends. Zurt Erläuterung: Wenn ich Frühdienst habe, muss ich um 4.30 aufstehen, dann nachm Frühdienst sofort los und durchgeackert - zwischendurch kurz nen Energy-Drink-Zeug und ne Flasche Cola gekauft und dann Attacke ... und als Steffi mich abgeholt hat, hab ich gezittert vor Erschöpfung. Vielleicht war´s das ganze Koffein, was mich hochgepuscht hat Stunden lang - aber Steffi hat sich echt erschrocken und meinte, das ginge so nicht weiter, das ist nicht normal WIE kaputt ich bin nach der Arbeit. Und der Zustand in dem wir seit Wochen arbeiten, ist auch nicht mehr normal. Und da gibt es so einiges, was mich wahnsinnig macht, ich zähl mal einiges auf:

  • Unterbesetzung, d.h. auf 34 Patienten 2 examinierte Pflegekräfte im Frühdienst, plus 4 Schüler, wobei es dabei auch drauf ankommt, wie fit die Schüler sind.

Apropo Schüler: Schöne Geschichte heute morgen: Mich hat heute ne Schülerin wahnsinnig gemacht. Sie, 25, gescheiterte Medizin-Studentin, jetzt im 1. Kurs und möchte Krankenschwester werden. Diese junge Dame hatte mit mir heute morgen Frühdienst und fing schon um 7.30 an ne sehr demente ältere Patientin anzuschreien, wo ich dann echt hin zu den beiden und die Schülerin angepfiffen hab, sie solle die Patientin mit Respekt behandeln und ihren Ton ne Nummer runterschrauben. Den Anpfiff fand die Schülerin nicht so gut ... in der Pause hat sie mir dann erstmal erklärt, dass sie fachlich ja um Lääängen besser wäre als ne Krankenschwester ... fragt aber trotzdem ganz banale medizinische Fachausdrücke nach ... naja ... mittags fing sie an zu jammern alla: "Das ist ja so anstrengend, ich brauch ne Auszeit." Und dann diese unmotivierte, unfreundliche Flappse, die sie immer gezogen hat ... und so Geschichten wie: "Kannst du der Patientin nen Kakao machen?" - Ich: "Wieso?" - "Ich weiss nicht wie das geht ..." und ich nur: "Das willst du mir nicht im ernst erzählen ..." Da hab ich erstmal ne Anleitungsstunde in Kakao-machen eingelegt ... und NACH dem Frühstück seh ich ausm Augenwinkel wie sie ne Tablette wegschmeisst. Ich: "Halt, stop! Von wem war die und was war das?" - "Ja so ne kleine Tabletten von der Patientin da, die wollte sie nicht nehmen." Da musste ich ihr erzählen erklären, dass sie UNS (den examinierten Schwestern) bescheid sagen muss, wenn einer seine Tabletten nicht nehmen will ... "War die Tablette den wichtig?" - "JAAAA, das war nen Herzmedikament!" - Lustig ... und beim Mittagessen hat diese gewisse Schülerin mir ins Tablettentablet gegriffen alla: "Ich kann die ja auch verteilen." Und dann hat die sich erstmal nen Text von mir abgeholt alla: "Ich EXAMINERT, du SCHÜLER, du nix Tabletten verteilen." - "Aber ich hab Medizin studiert ..." Daraufhin hatten wir ein kleines Streitgespräch ... ich hab ihr ruhig erklärt, dass sie das offiziell von der Krankenpflegeschule aus nicht darf ... sie: "Woher weisst du das?!" - "Weil ich selber erst seit September mein Examen habe und die Schule sich immer angestellt hat, wenns um Medikamente ging!" Ende vom Lied: Wir sind keine Freunde mehr ... und sie hasst mich.

Ich lässter mal weiter über die Station allgemein:

  • Knalltüten-Kollegen - wir haben da echt Kollegen, die kaum arbeiten, bzw. so überfordert sind, dass nix läuft. In meinem ersten Frühdienst musste ich aufarbeiten, was die Knalltüte vor mir nicht geschafft hat. Ich bin auch der Erste, der nen Dekubitus 3. Grades dokumentiert hat.
  • Überstunden - ich habe abartig viele Überstunden im letzten Monat gesammelt ...
  • Man kriegt nur aufm Deckel ... keiner steht hinter dir, nicht die Stationsleitung, kein Arzt und nix ... ich hab gestern soviel gemacht, ich hab wirklich alle Patienten so tiptop gepflegt und versorgt, hab die Hälfte mit ner Schülerin geduscht, die Verbände waren tiptop, die Zimmer aufgeräumt ... und krieg von meiner Stationsleitung irgendwann ne Din-A-5 Seite mit Stichworten in die Hand gedrückt mit großer Überschrift: Dinge, die laufen MÜSSEN, u.a. waren da so Sachen aufgezählt wie: Blumen waren nicht gegossen, 1 abgewetzte Zeitschrift lag in einem Zimmer ... das sind ja auch die Dinge, die wichtig sind ... ich dachte nur noch: "Du Arschkuh ..." Ich bin einer der wenigen, der die Verbände vernünftig und gewissenhaft macht und krieg was aufm Deckel wegen den BLUMEN ... wo Topfpflanzen im Krankenhaus eigentlich verboten sind ... aber die waren nicht gegossen und das war dann ganz dramatisch für meine Leitung ...
  • Man wird verheizt - nur verheizt ... 11 Schichten, kein Problem ... ich hab jetzt auch grade wieder 10 hinter mich gebracht ... ich habe grade 2 Stunden Feierabend, da ruft meine leitung an: "Du Ryan, kannst du heute Nachtdienst machen?" - ich nur total fassungslos: "Ich hatte heute schon Frühdienst!" - "Ja und? Dann geh doch jetzt schlafen und kommst um 21.00 wieder." Äh ... neee ... ich hab mich auf freie Tage gefreut und ich hab ihr dann gesagt, dass ich unter keinen Umständen Nachtdienst mache ... und von ihr kam dann nur sowas wie. "Kannst du dann morgen zum Nachtdienst kommen?!" und ich nur: "Du, ich hab 10 Tage durchgearbeitet, ich kann nicht mehr ... ich muss jetzt frei haben." und sie: "Ja, dann schlaf dich mal morgen aus, und dann biste doch fit oder?!" - "Nein, bin ich nicht! Ich brauche freie Tage!!" - Alleine, dass sie es wagt mich aus meinem Frei rausholen zu wollen nachdem ich 10 Tage gearbeitet hab, finde ich unglaublich unverschämt. Ich hab ja sonst nix zu tun in diesem Leben um auch noch an meinen freien Tagen zu kommen ...

Das war heute echt die Krönung und nach so nem Ding bin ich echt schwer am überlegen, ob ich mich nicht woanders bewerbe ...

09.12.2007 um 22:59 Uhr

Ohrwurm

von: Ryan

Stimmung: Sportfreunde Stiller

Tu nur das, was dein Herz dir sagt,

alles andere soll dich nicht stören,

doch mein Herz steckt im Kopf - und mein Kopf steckt im Sand,

darum kann ich mein Herz nicht richtig hören.

 

Den ganzen Tag auf der Arbeit hatte ich den Song im Ohr - und irgendwie hat er mich nen bissle gerettet. Es ist immer noch schlimm - wir arbeiten wie die Bekloppten, die Betten sind voll, wir haben von mittlerweile 35 Patienten 8 Oberschwerst-Pflegefälle, der Rest ist trotzdem noch hilfebedürftig. Ich weiss gar nicht, was die bei uns sollen ... immerhin sind wir ne Geriatrie. Aber mittlerweile haben wir auch Patienten, die auf ner Inneren, ner Intensiv oder im Hospiz wesentlich besser aufgehoben wären. Oder Psychiatrie ... mit depressiven Omas können wir uns auch zuschmeissen.

Im Frühdienst sind mal wieder die Kollegen, die ich liebevoll als "Knalltüten" bezeichne, weil die entweder zu faul, zu ausgebrannt oder zu inkompetent sind um ihren Job vernünftig zu machen, d.h. die erste Stunde arbeite ich eigentlich nur das auf, was meine Vorgänger nicht getan haben, bzw. nicht tun wollten.

Ich mache Überstunden ohne Ende, mein Kühlschrank bleibt leer und ja ... das Sozialleben bleibt auch ziemlich auf der Strecke. Ich versuche mich mit Freunden zu treffen und die mal zu sehen, aber ich bin meistens zu müde. Ich komme nach Hause, bin totmüde, kaputt und erschöpft, hab Kopfschmerzen, weil ich zu wenig trinke während der Arbeit, Rückenschmerzen oder ganz beliebt neuerdings: Wadenkrämpfe. Meine Hände spannen, weil sie ganz trocken sind vom Desinfektionsmittel. Und ich bin wirklich total demotiviert jetzt nachm 5. Spätdienst - wann hab ich eigentlich das letzte Mal Pause gemacht im Dienst? Keine Ahnung ...

Netter Nebeneffekt: Ich komm ja auch nicht zum Essen, ich hab abgenommen und wiege jetzt wieder genauso viel, wie so früher (vor über 2 Jahren) mein Wohlfühlgewicht war - danach hab ich ja leider 12 kg zugenommen. Aber die sind jetzt runter. Ich passe wieder in alle meine Klamotten, d.h. ich habe keine alte Jeans mehr im Schrank, wo ich sagen muss: "Mensch, da hab ich mal reingepasst." Nein, ich PASSE darein. Selbst Steffi sagte, sie würde es toll finden, dass ich mein "Wohlstandsbäuchlein" weggekriegt hätte.

Dafür das letzte Mal im Oktober beim Friseur und muss jetzt mal wieder dringend hin, denn die Haare hängen mir in den Augen und wenn das so weiter geht, muss ich irgendwann nen Zopf machen auf der Arbeit. Meine Freundin mag das ja, wenn ich lange Haare hab, aber selbst die fragt mich schon, wann ich mal wieder gehen würde ...