Boys don´t cry

29.05.2008 um 04:03 Uhr

Ich bin angetrunken und schreib da mal was auf

von: Ryan

Im Moment läuft alles echt gut - ich mag mein Leben echt gerne ... ich bin stolz darauf sagen zu können, dass ich mein Krankenpflegeexamen geschafft habe, dass soweit in allen meinen Lebensbereichen alles super läuft - ich hab ne schöne Beziehung, nen guten Arbeitsplatz mit super netten Kolleginnen ... und ich hab grade etwas viel Alkohol intus ... ja ich war feiern ... UNTER der Woche.

Ich hatte Spätdienst, bin dann noch zu ner Feier von ner Kollegin, hab da zuviel Hochprozentiges genossen, zuhause meine Freundin wachgeklingelt alla: "Ich wollt nur mal deine Stimme hören." - oh, wie ich sie vermisse. Schrecklich - aufgrund von Schichtdienst und dass sie zu ihren Eltern gefahren ist, sehen wir uns jetzt 7 Tage am Stück gar nicht ... ich weiss noch gar nicht wie ich das überstehen soll ...

Im Moment muss ich mich echt zusammenreissen hier nicht allzuviele Tippfehler einbauen, ich hab echt nen Tick zuviel getrunken ... Gott sei Dank hab ich morgen Nachtdienst, das heisst ich hab den ganzen Tag noch zum ausnüchtern. Und nachdem ich meine Freundin angerufen hab und 10 Minuten mit der telefoniert hab, hab ich noch ne Freundin angerufen, die grade Nachtdienst hat und hab mit der noch ne halbe Stunde gequatscht.

Im Moment haben wir echt ruhige Zeiten auf Station, das heisst ich habe mir vorgenommen mal ne Runde zu putzen und den ganzen Laden sauberer zu hinterlassen als ich ihn vorfinde im Nachtdienst. Alles ist siffig, klebt ... eigentlich bin ich nicht das Putztier, aber irgendwie stört mich das - oder bin ich einfach nur auf der neuen Station angekommen und fühle ich da so wohl, dass mein Instinkt mir sagt, dass es da sauber sein muss? Auf der anderer Station vorher war es mir schnuppe ... plötzlich nicht mehr. Ich hab den Wunsch dort zu bleiben, wo ich bin - mehr zu lernen und wie schon gesagt, mehr Zeit dort verbringen zu dürfen. Mit einem Mal putze ich, mit einem Mal sind mir bestimmte Dinge nicht mehr egal, die vorher nichtig waren, ich versuche das Beste aus mir rauszuholen und mich selbst zufrieden zu machen. Gut - was heisst "das Beste" - selbst die Freundin mit der ich telefoniert hab (mit der ich gelernt hab), sagt in nem Nebensatz: "Hey Ryan, du bist immer so überkorrekt und sauber in deiner Arbeit." - Perfektionismus, mein Antrieb und mein Feind.

Eigentlich ist es schlimm - ich hab eh schon so nen harten Job, der sowas von unterbezahlt ist ... und reiss mir so schon den Arsch auf ... und das reicht mir nicht und ich will noch mehr erreichen. Meine Oberschwester fragte mich letzte Woche, ob ich Mentor werden möchte. Mentor bedeutet, ich würde mich um die Krankenpflegeazubis kümmern, deren Zeugnisse schreiben, sie anleiten in Pflegemaßnahmen etc. Ich hätte eigentlich Lust dazu ... vor allem weil wir pro Station 2 Mentoren habe sollen und zur Zeit nur eine haben - die eine Mentorin hat heute Abend mit mir getrunken und findet die Idee großartig - aber es würde mehr Arbeit bedeuten für das gleiche Geld - 1 Tag mehr frei im Monat, aber kann ich den nehmen? Ich weiss es nicht ... aber heute Abend haben mir soviele Leute bestättigt, dass ich ein guter Mentor wäre, dass ich mich entschieden habe, dass ich mich um die Position bewerben werde. Ich, der Mentor ... seltsame Vorstellung ... bis vor nem 3/4 Jahr hatte ICH Mentoren, die auf mich aufgepasst haben ... und jetzt ich selbst einer ... seltsame Vorstellung, aber irgendwie macht mich das stolz, dass es Menschen gibt, die an mich glauben und mir das zutrauen.

Irgendwie ne doofe Situation, wenn man so ergeizig ist nen extrem guten Job machen zu wollen, medizinisch absolut fit zu sein und nebenbei dann doch jeden Tag alten Damen den Hintern abwischt, Stuhl - und Urinproben entnimmt, sich mit intelligenzgeminderten Patienten rumschlägt, sich beschimpfen lassen muss, sich selbst dabei erwischt wie man menschlich ein super Arschloch wird wegen dem ganzen Leid und Schmerz um einen herum (hey, ich steh in der Blüte meines Leben und ich hab am Tag 9 Stunden mit krebskranken oder schmerzgeplagten Patienten zu tun) - und wie man dann noch nebenbei Ergeiz behalten kann um wirklich das allerbeste aus sich selbst rauszuholen - ich weiss nicht wie ich das mache, aber ich mach´s. Ne destruktive Eigenschaft von mir? Keine Ahnung. Andere Leute sagen: "Hey, du musst eh das Beste aus dir rausholen, weil du mit Menschen arbeitest und deren Gesundheit!" Aber die wissen nicht unter was für einem Stress wir arbeiten, wie furchtbar Schichtwechsel sind ... wie angegriffen man sich fühlt, wenn nen Patient undankbar reagiert. Es gibt doch grade diesen Fall dieser Ärztin, die nem kleinen Franjo ne falsche Infusion angehängt hat und die auch noch zu lange laufen liess ... ich bete jeden Tag, dass mir sowas niemals passieren wird - und man kann nur beten, denn man ist nie sicher, dass sowas nicht wirklich passiert. Zu wenig geschlafen nach nem Schichtwechsel, Doppelschicht geschoben, zuviele Überstunden, 10 Leute, die dich nebenbei anquatschen während du ne Infusion vorbereitest ... und klack haste nicht gesehen WAS du das fertig machst. Oder mal ganz ehrlich: Wann mache ich Medikamente für die Patienten fertig? um 1 Uhr nachts im Nachtdienst ... bin ich das 100% fit? Nee ... vor allem nicht wenn ich schon 2 Nachtdienste hatte, weil man am Tag uneffektiv schläft - man kommt also verpennt und matschig auf Station an, und soll dann wichtige Dinge vorbereiten wie die Medikamentendispenser für den ganzen Tag ... meine Müdigkeit vs. den Menschenleben, die die Medis dann später nehmen müsse - und nicht alle Patienten sind so fit, dass sie sagen: Oh das sind aber nicht meine Medis!

Und was krieg ich für den ganzen Mist? 1,200 Euro wenn ich kaum Nachtdienste mache, 1,700 maximal wenn ich ca. 10 Nachtdienste im Monat ableiste und noch ne Menge Spätdienste bis knapp 22.00h. Eigentlich lohnt es sich nicht für 1,700 Euro pro Monat mit einem Bein im Knast zu stehen bei allem was man so macht ... oh man, ich krieg schlechte Laune, ich sollte echt aufhören. Ich trink mein Absacker-Bier noch aus, geh in die heia und versuche so lange wie möglich zu schlafen, um dann morgen ausgeruht und motiviert zum Nachtdienst zu erscheinen. Pfleger Ryan hat Nachtdienst ... ganz großes Tennis ...

25.05.2008 um 03:26 Uhr

Back from Party

von: Ryan

Heute war ein toller Tag - endlich mal wieder. Ich hab mich mal wieder meinem Alter entsprechend benommen - nicht so ernst, nicht so bedacht, einfach mal leben. Mit meiner Freundin im Bett gelegen bis 12 Uhr, Sex, duschen und dann los in die Welt - Flohmarkt, Sushi essen, um 16.00 nen Alsterwasser in der Sonne trinken, dann in die Innenstadt, da so durch die Gegend latschen, irgendwann bei nem bekannten Coffeeshop nen großen Latte-Eiskaffee-Dings-Bums Medium-mit-Sahne und nach Hause, wieder Sex, Pizza essen, Simpsons gucken, zu nem Kumpel, Schatzi verabschieden und ab zu ner Grillparty und da bis eben grade geblieben. Was für ein toller Tag - auf der Grillparty waren alle "jungen" Kolleginnen meiner alten Station - wie ich die Mädels vermisse - aber ich will nicht zurück - aber die Mädels von da sind toll. Ich mag sie alle so gerne und ich vermisse sie echt sehr.

"Ryan - wenn du keine Freundin hättest, ich würd mich an dich ran schmeissen." kichert eine Kollegin, die auf meinem Schoss sitzt. "Ich auch!" gröllt die nächste. Und ich versteh es nicht. Ich halte mich nicht für attraktiv.

"Du hattest was mit Tanja?" ruft eine befreundete Kollegin angetrunkend, nachdem ich die Geschichte betrunkener Weise preis gegeben habe. "Und warum hattest du nie was mit mir?" - "Was ja noch nicht ist, kann ja noch werden." lache ich - ich bin betrunken. "Steffi hat Nachtdienst." füge ich augenzwinkernder Weise hinzu. Natürlich wird aus sowas nichts - ich flirte gerne, ich weiss das auch, aber ... aber früher wurde aus sowas schnell mehr.

Heute wird aus sowas nicht mehr - es bleibt Spaß und ich weiss genau wo ich hingehöre. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell so "sesshaft" bezüglich Thema Beziehungen werde. Ich weiss auch nicht wieso, aber mit Steffi kann ich mir soviel vorstellen und es ist so ... so "besonders" - wir sind jetzt genau 1 Jahr zusammen und ich bin so verliebt und empfinde alles als so wertvoll - und möchte sogar weit in die Zukunft planen, obwohl man sowas nicht machen sollte. Aber wenn ich morgens aufwache, sie noch schläft, sie in den Arm nehme und sie sich schlafender Weise an mich randrückt, verspüre ich den tiefen Wunsch, dass es immer so sein soll.

23.05.2008 um 21:34 Uhr

Hässliche Dienste mit einem fiesen Typen

von: Ryan

Schreckliche Woche, hoffentlich schönes Wochenende. Die Arbeit kickt mich im Moment so sehr, es ist stressig chaotisch oder wie meine Oma (die olle Krankenschwester) immer sagte: "Ein hässlicher Tag."- jeden Tag wieder. 20.000 Sachen zu erledigen mit zu wenig Leuten, zuviele Patienten, zuviele Aufnahmen, zuviele Versorgungsprobleme, zuviele viel zu alte Leute, die viel zu krank sind. Zu wenig Ärzte, die zuviel Arbeit haben und noch weniger Schwestern, die zuviel organisieren und managen müssen. Zuviel was nicht klappt, zuviele Leute, die pampig reagieren und zuviel Telefon-Geklingele nebenbei.

Ich wusste heute morgen nicht, wie ich all die Dinge, die ich zu erledigen hatte, umsetzen sollte als ich meinen Dienst begonnen hab - aber ich hab´s gut gewuppt. Ich weiss nicht wie, aber es hat geklappt. Vielleicht ist auch genau DAS das Problem. Trotz Personalmangel laufen die Dinge irgendwie doch ganz gut, weil jeder all seine Energiereserven mobilisiert und Hackengas gibt. Über 8 Stunden lang voll durch powern - aber es hat geklappt.

Ich bin mal wieder unzufrieden - alle sind chronisch unzufrieden im Moment. Dank stark-koffeinhaltiger Getränken bin ich nicht all zu kaputt. Aber irgendwie muss sich was ändern - ich merke selber mittlerweile, dass ich so gnadenlos gereizt bin. Das ist mir heute echt ganz stark aufgefallen. Ich musste zu jedem Kleinscheiss, der nicht der rede wert ist, meinen unqualifizierten Kommentar dazugeben. Ohne nachzudenken, einfach Druck ablassen - boah, wie ich so ne Leute hasse und jetzt bin ich selber so. Zu den Patienten versuche ich wirklich immer nett und freundlich zu sein, aber sobald mich nen Kollege "anpickst", knall ich ab. Ich muss mich dringend zusammenreissen und nicht alles, was mir so über die Leber geht, darf ohne durch den Kopf zu gehen in meinen Mund gelangen. Ich hab so ein vorlautes Mundwerk gekriegt - gut, hatte ich schon immer - aber im Moment bin ich unüberlegt und ungerecht und echt fies.

In meinem Tag war heute irgendwie alles: Notfälle, zuviel Krankheiten, jammerige Omas, zornige Opas, zickige Mitarbeiterinnen - aber ich war die Oberzicke und mittlerweile bin ich auch einer, der das Feuer im "Hexenkessel" am lodern hält. Klatsch und Trasch, Lästereien, ich bin immer mitten drin und hab zu allem ne Meinung - ich könnt kotzen. Mein Perfektionismus macht den Rest - die Kollegen, die nicht so schnell und "vollständig" arbeiten wie ich, sind sofort doof, faul und keine Ahnung was. Ich ärger mich auch sofort wenn was nicht läuft, bzw. ne Kollegin das nicht zuende bringen kann, was ich angefangen hab zu organisieren. Oder noch schöner: Die Nachtschwester: "Der Spätdienst hat gestern sogar noch diese und jene Untersuchung organisiert." Ich hab empört aufgeschrien: "Nein, das war ich!" Ich bin sofort beleidigt und stinksauer. Wegen NIX. Ist doch scheiss egal ... hauptsache der Ablauf stimmt - nein, Ryan macht die oberbeleidigte Leberwurst für ne halbe Stunde wegen so nem Kleinviehmist. Macht mich die Arbeit zu dem fiesen Kerl oder bin ich einfach so ne gemeine Nudel von Natur aus? Ich bin froh, dass ich frei hab ...

Am Wochenende hab ich nur schöne Dinge geplant. Morgen ist grillen mit Freunden angesagt - ich freu mich so sehr darauf. Alle ewig nicht gesehen, tausend Sachen zu erzählen. Im Moment warte ich auf Steffi, die vom Spätdienst zu mir kommt - auch seit über 4 Tage nicht gesehen und noch viel, viel länger keine Nacht mehr neben ihr geschlafen. Ich fühle mich ausgehungert nach sozialen Kontakten, die über den Stationsalltag hinaus gehen. Ich brauche vernünftige und gesunde junge Menschen um mich herum. Und nen Bier. Ich freu mich auf nen kaltes Bier heute Abend.

Hab ich erwähnt, dass Steffi und ich genau 1 Jahr zusammen sind? Ja, es ist schon 1 Jahr her - ein ganzes Jahr wie im Flug vergangen.

Was macht mein "Buch"? Ich hab Ideen und ich hab mich sogar dazu durchgerungen einige Seiten zu schreiben - aber ich finde es beim wiederholten Lesen immer schrecklicher und verliere zunehmenst mein Selbstvertrauen, dass ich sowas wirklich auf die Reihe kriege und noch viel mehr: Es wirklich durchziehen. Ich werd´s erstmal als Freizeitprojekt betrachten - alles andere würde mich zu sehr unter Druck setzen Ich setze mich ja gerne unter Druck und dann klappt so nen Projekt wie "Selbstverwirklichung" erst recht nicht.

20.05.2008 um 12:52 Uhr

Unkreatives Genie

von: Ryan

Mal wieder ein unnützer freier Tag, den ich mit putzen verbringe. Nun ist meine Wohnung strahelnd sauber, ich hab Thomas Godoj ausreichend angeschmachtet, meine E-Mail gecheckt, ausführlich geantwortet und nun bin ich "arbeitslos" also zuhause - kurz: mir ist langweilig, ich weiss nichts mit mir anzufangen. Und mein Leben wirkt in so nem Moment mal wieder so unspektuär, dass ich irgendwie das dringende Bedürfnis habe irgendwas "Großes" zu machen. Irgendwas ganz tolles und irgendwie der Welt zu zeigen, was ich so drauf hab.

Ohne lächerlich wirken zu wollen, aber ich würde total gerne nen Buch schreiben. Die Idee hat sich jetzt schon länger in meinem Köpfchen festgesetzt, denn ich glaube von mir selbst, dass ich doch eigentlich ganz gut schreiben kann - nicht so, dass ich den Bestseller des Jahres verkaufen könnte, aber schon so, dass mein Buch irgendwann mal in irgendner kleinen Buchhandlung am Ende der Welt - oder wenigstens in meiner Stadt ausliegen könnte ... könnte ... ich könnte mich ja wenigstens mal dran setzen. Bisher hat mich meine Faulheit abgehalten oder der chronische Zeitmangel, unter dem ich mit der Schichtarbeit leide ... und jetzt hab ich mal Zeit und hab mich wirklich aufgerafft Word zu starten ... und sitz vor ner leeren Seite und hab nicht die leiseste Ahnung über WAS ich schreiben könnte. Es muss ja wenigstens nen Thema sein, was wenigstens MICH selbst interessiert, so dass ich den ganzen Kram auch zuende bringe ... aber ich weiss nichts. Kopf leer, meine Faulheit hat mich unkreativ gemacht. Kann man überhaupt auf Knopfdruck kreativ sein?

So ein langweiliges Leben hab ich ja eigentlich nicht geführt, als dass da gar nichts bei rumkommen könnte ... gut, im Moment isses langweilig, aber grade in so ruhigen Phasen könnte man sich besinnen und was ein besonnenes Projekt anfangen. Andere Künstler hatten in meine Alter ihre Sturm und Drang-Phase und ich fühl mich grade, als sei meine schon vorbei ... aber ich wollte doch noch was großes mit meinem Leben anfangen. Nicht nur dieses "Frau fürs Leben findet, heiraten, Kindern, arbeiten bla blubb sülz", nein ich möchte zu größerem bestimmt sein ... andere Leute gehen zu DSDS - könnte ich nicht, ich kann ja nicht singen - also was machen, was ich wenigstens halbwegs kann ... ich verzweifel bald ...

18.05.2008 um 02:09 Uhr

DSDS und Me

von: Ryan

Ja was gibt es neues? Kaum was interessantes und doch irgendwie was - ich hab mal wieder Spätdienst gehabt, Thomas Godoj - mein persönlicher Favorit - ist Superstar. Ich glaub ich hab wegen ihm auch nur DSDS geguckt - jahelanger DSDS Verweigerer - meine Exfreundin stand da so furchtbar drauf aber ich wollte es immer nicht mitgucken - kaum kommt ein Thomas Godoj, guck ich den Mist. Tja ... genau die Art von Mann, den ich mir immer rausgeangelt hab. Musiker - was für ein magisches Wort - auch wenn die Typen arbeitslos sind und der Rest der Umgebung sagt: "Oh Gott, den fütterste ja nur mit durch - und wahnsinnig toll sieht er auch net aus." Nein, er hat halt was ... hatten alle meine Männer - nicht zuletzt der Mann mit dem komischen Namen, den die Leser, die länger dabei sind noch kennen werden. Oder der Typ, in den ich so verknallt war, kurz nachdem sich meine langjährige Freundin von mir getrennt hatte. Arbeitslos waren sie alle irgendwie und hatten alle den großen Traum der Musikkarriere. Eigentlich keine tollen Typen, aber sie hatten alle was unwiderstehliches, die ich alle mit durchgefüttert hätte nur weil es eben so Typen mit dem gewissen Etwas waren. Thomas Godoj einschliesslich - wäre der schwul, nicht Superstar geworden und mir zufällig noch über den Weg gelaufen, würde ich ihn mit durchfüttern, mich kaputt arbeiten und ihn täglich erwürgen wollen - aber das gewisse Etwas würde mich hindern und ihn weiter mit durchfüttern ... ja ... so ist das eben mit den Männern ... *seufz*

Warum denke ich über sowas nach? Vielleicht weil ich für den neuen Superstar ein wenig schwärme - ja der ist heiss ... und da ich jetzt ja glücklich in der Beziehung mit Steffi bin, hatte ich wohl zu lange keinen Mann mehr ... *seufz* Ich liebe sie und ich würde sie nicht mit dem neuen Superstar tauschen wollen, aber man darf ja wohl noch schwärmen - mal davon abgesehen haben Schatzi und ich beide grade so unterschiedlich und beschissen Dienst, dass wir uns seit ner Woche nicht gesehen haben ...

Ich konnte noch nicht mal Superstars gucken, weil ich ja Spätdienst hatte - nur die Entscheidung. Naja ... während die Finalisten sich die Seele ausm Leib singen, grölle ich hinter meiner anderen examinierten Kraft hinterher (vonner Zeitarbeitsfirma) und sehe zu, dass er keine Scheisse baut und niemanden versehntlich umbringt. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass er mit dem ich heute Dienst hatte, sein Examen irgendwo gewonnen hat. Er kennt die einfachsten Medikamente nicht, verwechselt Patienten, dementsprechend auch ihre Medikamente ... ich war so alleine auf Station, so abartig fies alleine ... immer gucken, dass er keinen Mist baut, was tut er? Wobei muss ich ihm helfen? Was muss ich wichtiges bei seinen Patienten beachten? Und was machen meine eigenen Patienten eigentlich? Ich hätte nur kotzen können.

Als der diensthabende Arzt zu ihm sagt: "Der Patient muss SOFORT auf die Intensivstation." sagt er "Ja." und macht Pause - ne halben Stunde lang - bis der Arzt wutentbrannt mich anruft und mich halb am Telefon killt, weil der Patient immer noch nicht auf der Intensiv angekommen ist. Ich also mein Brot fallen gelassen, zum Patienten gehechtet und kam 20 Sekunden später auf der Intensiv an ... seine Entschuldigung: "Ich dachte, das hat Zeit." NEIN, HAT ES NICHT ... da dachtest du falsch ... aber es geht ja auch nur um ein Menschenleben ... kotz ... ich bin so erschöpft ...

Und während die DSDS-Finalisten also singen und aufgeregt sind, bin ich auch aufgeregt aber rocke keine Bühne sondern den Krankenhausflur, hab ne Blutdruckmanschette und nen Stetoskop um den Hals, frag meine alten Ladies ob alles in Ordnung ist, ob sie noch was brauchen zur Nacht, wünsche 15 Mal nen schönen Abend, wechsel meinen 20 kg leichten behinderten Patienten, der kaum älter ist als ich, die Windel, mache Musik für uns beide an, er freut sich, grinst mich an ... mein komischer anderer Zeitarbeitsfirma-Pfleger kommt rein: "Der Patientin juckt die Hand, soll ich den Arzt anrufen?" Ich voll entnervt: "Gehst du mit jedem Jucken zum Arzt?!" - er: "Nein, ich creme es ein." - Ich: "Crem ein und guck ob es besser wird! Wenn nicht, dann VIELLEICHT Arzt!" Er geht raus, kommt 10 Minuten später wieder rein und sagt: "Ich hab mal doch lieber den Arzt angerufen ..." Ich ruf den Arzt auch jedes Mal an, wenn der Patient gähnt ... boah ... der Arzt pampt MICH natürlich an, weil wir ihn wegen nix und wieder nix gerufen haben ... und ich ärgere mich halbtot, dass er mich bei der Pflege von meinem behinderten Patienten rausholt, weil ich mich um den Kleinen eh zu wenig kümmern kann, weil ich seine ganze Scheisse mit abarbeiten muss und meine Patienten zu kurz kommen.

Aufregender Tag ... anders aufregend als wenn ich DSDS gucken hätte können. Ich hab mich nur immer ab 20.15 gefragt wer grade singt, was sie singen ... naja, ich habs mir teilweise schon im Internet angeschaut aber es wäre doch schöner gewesen so live im Fernsehen. Ich rede später mit ner jungen Patientin, die ich überredet hab mit mir rauchen zu gehen, die Thomas Godoj auch süß findet und wir wetten. Sie sagt Fady gewinnt, weil nie der gewinnt für den sie ist, ich bin für Thomas - wir haben zwar nur um ne Kippe gewettet, aber das macht den Krankenhausalltag für uns beide erträglich. Ich werde sie morgen gleich begrüßen mit den Worten: "Wo ist mein Gewinn?!"

Zum Ende des Dienstes eröffnet mir Zeitarbeitsfirma-Heini, dass ihm das Arbeiten auf unserer Station so großen Spaß gemacht hat, dass er sich jetzt bei uns um ne Festanstellung bewirbt ... ich bin innerlich entsetzt und sage sowas wie: "Mmh." und hab sofort nen internen Brief an meine Stationsschwester geschrieben, dass ich dringend um ein Gespräch bezüglich einer Bewerbung bitte ... ich dreh durch ... die Nachtschwester, die ich sehr mag, versteht mich wenigstens ... ich schwinge mich dann nach Feierabend nachdem ich wieder meine Zivilklamotten an habe, auf mein Fahrrad und radel nach Hause. Ich komme genau richtig zur DSDS-Entscheidung und fieber mit, hab die Hauptshow aber im Krankenhaus arsch-ab-arbeitender Weise verbracht.

Die Entscheidung: die reinste Psychomasche: Leute ultraweich kochen, bis ihnen schon fast die Tränen kommen und dann noch mal richtig unter Druck setzen. Ich fands fies. Auf der anderen Seite kann ich ja auch oft genug Tränen runterschlucken, wenn einem eigentlich nach Heulen ist und dann aber grade nicht der Zeitpunkt ist und man weiter funktionieren muss und irgendwie gehts ja auch immer.

Ich hab noch nen Bier getrunken, was den Rest zu meiner Müdigkeit beiträgt und werde in spätestens 10 Minuten tot ins Bett fallen ...

15.05.2008 um 01:15 Uhr

Ich hab ne neue beste Freundin

von: Ryan

Mal wieder die Arbeit - es ist furchtbar - ich möchte am liebsten kündigen. Es überfordert mich, es überfordert meine Kolleginnen und mir wird jeden Tag klar, dass ich doch recht frisch in meinem Job bin - ich hab ja vor ca. 8 Monaten mein Examen gemacht und es gibt einfach noch ne Menge Dinge, die ich zwar weiss, aber in denen ich noch recht unsicher bin.

Ich muss ehrlich zugeben, im Moment geht es sogar. Ich schaffe meine Arbeit in der vorgebenen Zeit und kann sogar meinen Kolleginnen noch Arbeit abnehmen. Auf der anderen Seite laufen zur Zeit gewisse Dinge nicht, so wie sie laufen sollten. Viele Kollegen sind neu - überall, egal ob in der Röntgenabteilung, bei der Krankengymnastik oder was weiss ich ... und am schlimmsten sind die Ärzte zur Zeit. Ich sehne mich so sehr nach der Zeit, in der ich noch Krankenpflegeazubi war vor ca. 1 Jahr und wir echt tolle Ärzte hatten, mit denen ich mich gut verstanden hab, die zwar ihre Macken hatten aber bei denen alles korrekt lief und die ihren Kram einfach vollständig machen. Diese Ärzte haben gekündigt, zu einigen hab ich noch privaten Kontakt. Das Problem ist einfach, dass wir ein kleines Krankenhaus sind und unsere Ärzte leider nur einen begrenzten Lernbereich haben. Alle "exotischen" Untersuchungen werden woanders gemacht, also langweilig für nen jungen aufstrebenden Arzt.

Die meisten unserer neuen Ärzte sind nett - und das ist ein großer Vorteil - aber unerfahren - gut, kann man ändern mit der Zeit. Aber das stört natürlich den Ablauf, der schnell ablaufen muss. Ich kann ja auch nicht sofort springen, wenn einem was zu spät eingefallen ist, ich hab ja auch noch meine generelle Arbeit zu tun.

Und dann gibt es da diese eine ärztliche Kollegin. Ich nenne sie mal MSF = meine spezielle Freundin. Also Frau Dr. MSF ist nicht nur unerfahren, sondern auch arrogant. Vielleicht überspielt sie damit ihre Unsicherheit, vielleicht ist sie auch ne ganz Nette sobald sie das Gebäude verlassen hat und den weissen Kittel abgelegt hat - aber sobald sie die Station betritt ist sie die sprichwörtliche Göttin in Weiss. Sie rettet Leben - und das lässt sie uns auch alle spüren. Die Nase viel zu hoch über den Boden betritt sie das Dienstzimmer, beäugelt alles ganz genau, räuspert sich und fragt dann mit angehaltener Luft: "Ist der Blutdruck der Patientin schon gemessen?" Und ich: "Nein, ich bin grade erst zum Dienst gekommen." Frau Dr. MSF: "Sie wissen aber, dass das wichtig ist?? Die Frau kriegt CORTISON!" Ja ... was sagt man darauf? "Ja Frau Doktor, ich hab mein Examen ausm Internet gezogen, gut dass Sie mir das sagen!" oder lieber: "Ja entschuldigung, ich werde meinen faulen Arsch gleich mal ins Patientenzimmer schieben!"

So geht das in einer Tour ... alles muss SOFORT laufen. "Ich brauche den Urinstatus, JETZT!" oder Lieblingssatz: "Heute noch!" Einmal hab ich ihr nen Katheterset in die Hand gedrückt und gesagt: "Ja, wenn das so wichtig ist, dann müssen Sie den Urin abnehmen, ich muss Medikamente verteilen, das ist auch wichtig." da guckte sie ganz doof und ich noch obendrauf: "Oder verteilen Sie für mich Medikamente?!" und sie dann nach Luft schnappend: "Naja, vielleicht hat das ja auch noch bis morgen Zeit ..." Ach ... plötzlich hat das bis morgen Zeit ... herrlich ... ich krieg zuviel ...

Ich reg mich eigentlich jeden Tag über MSF auf, aber heute hatte sie schlechte Laune und bekanntlich fällt Scheisse nach unten ... das heisst, wenn jemand mit einem höheren Status schlechte Laune hat, lässt er das an jemandem aus, der einen weniger hohen Status in der Hackordnung hat ... Sie höher in der Hackordnung, weil sie ja nen Doktortitel hat, ich als kleiner Krankenpfleger weniger weit oben ... sie sabbelt mich so vonner Seite im Dienstzimmer an alla: "Bei Patient xy muss noch Blut abgenommen werden." Ich war nebenbei an ner Akte beschäftigt und ich nur so: "Ja, ist Arztaufgabe." - Sie: "In anderen Krankenhäusern ist das Schwesternaufgabe." und ich: "Hier ist das aber so geregelt, dass es DEINE Aufgabe ist - außerdem bist du nicht seit letzter Woche da, das hat sich doch mittlerweile bis zu dir rumgesprochen." - Sie: "Ich hab aber keine Zeit!" - "Ich auch nicht, frag deine Kollegin, ich mach es nicht! Selbst wenn ich dürfte!" Sie dampft beleidigt ab ... jetzt muss ich mich auch noch rechtfertigen, warum ich ihren Job nicht machen will, ich kriegt zuviel ... ich hab schon Kopfschmerzen gehabt im Dienst, weil ich permanent mit nem viel zu hohen Blutdruck durch die Gegend lief. Sobald ich sie nur gesehen hab - BOING!

Und sobald du irgendwas nachfragst, kommt sofort: "Weisst du das etwa nicht?" Ich komm mir so verscheissert vor von ihrer Ego-Masche. Ich hab mich mit nen paar Kolleginnen beraten und ich bin ganz kurz davor mein eigenständiges Denken komplett abzulegen und einfach nur zu sagen: "Bitte schreib mir haarklein auf was ich wann machen soll, am besten noch wo ich die benötigten Materialien finde und dann erfülle ich das Klische des dummen Krankenpflegers, der den ganzen Tag kranke Leute versorgt und von nix ne Ahnung hat."

Vielleicht wäre ich ne ganze Ecke glücklicher, wenn ich mich dumm stellen würde - einfach so tun als hätte ich den abwertenden Blick nicht gesehen, oder wäre zu dämlich ne Anspielung nicht deuten zu können.

Mal was ganz anderes und ein kleines Geständnis: Thomas Godoj (ja ich gestehe, ich hab mir DSDS angeschaut unter Zwang meiner Freundin) find ich heiss. Mit solchen latent verwahrlosten (schwulen), arbeitslosen Typen bin ich früher ausgegangen und hab mir unsere gemeinsame Zukunft ausgemalt, wie ich mich totarbeite um meine große Liebe durchzufüttern, weil ihn der ewige Traum vom Rockstar-sein vom bürgerlichen Arbeiten hindert.

11.05.2008 um 23:03 Uhr

Muttertag

von: Ryan

Eigentlich furchtbar ... Steffi und ich hetzen vormittags zu meinen Eltern, weil meine Muter uns zum Spagelessen eingeladen hat - inklusive aller meiner Brüder, neben mir sind 2 weitere Brüder gekommen, einer nicht und meine Schwester, die eben noch zuhause lebt. Der eine Bruder darf seinen Sohn wegen seiner durchgeknallten Ex kaum sehen und schon mal gar nicht mit zu Oma nehmen - der andere hat seine Frau und seine beiden Töchter dabei. Und ich eben meine Steffi.

Schöner Tag eigentlich - super Essen, super Stimmung, dank meinem Bruder und mir. Steffi O-Ton aufm Nachhause-weg: "Ihr habt oft das Gesoprächsthema an euch gerissen und ward Alleinunterhalter." - Ja das waren wir - aber das musste auch sein. Meine Mutter war gerührt, dass wir alle da waren, ihr ne Kleinigkeit zum Muttertag geschenkt haben, uns überschwenglich für das Essen bedankt haben ... und  mein Stiefvater hat getrunken und sich benommen. Zum Essen um 13 hat er ne Flasche Wein alleine getrunken, mein einer Bruder und ich je nen hlaben Schluck im Glas, er den Rest. Warum nehmen wir nen halben Schluck Wein um 13 Uhr? Damit er nicht alleine trinkt. Es ist trotzdem allen aufgefallen - grade meiner Freundin, die in unserem Familienschauspiel nicht recht eingeweiht ist, wie zum Beispiel die Ehefrau meines anderen Bruders - aber die kennt das ja schon länger.

Mein Stiefvater geht auffällig oft raus aus dem Raum in die Küche ... und kommt gut gelaunt wieder. In der Küche steht ne Flasche Wiskey, die auffällig schnell leer wird. Aber er hat gut Laune, das wichtigste. Er beteiligt sich an den Gesprächsthemen. Er stellt mich wieder als doof und sinnlos hin, ich ziehe dieses wieder ins lächerliche alla "Ja, ich bin der Bastard." und lache. Alle lachen, aber ich weiss, dass er es ernst meinte, trinke noch einen Schluck Wein um es erträglich zu machen - und es wird erträglich. Meinen beiden Brüdern gehts genauso. Ich kann mich sogar aufopfern ein oberflächliches Gespräch mit ihm alleine zu führen, was er wieder dazu verwendet wird in einer schlechten Zeit um meiner Mutter im Streit zu erzählen, dass er sich mit all ihren Kindern gut versteht. Sogar mit mir - dem Bastard (ich bin aus einer kurzen Affäre aus einem Mann entstanden, der zwar ein guter Mensch ist, sich aber nie um mich gekümmert hat, und mein Stiefvater findet es immer noch schrecklich, dass er mich "durchfüttern" musste mit SEINEM Gehalten).

Fazit: Schöner Tag - wie gesagt: Er hat sich benommen - er kann auch ganz anders. Wenn die Stimmung annähernd in eine Richtung ging, die meinem Stiefvater nicht gefallen hätte oder gereizt hätte, haben meine Brüder und ich sofort die Stimmung in eine andere Richtung gelenkt. Er trinkt und bleibt gut drauf, das ist wichtig. Irgendwann trinken wir auch und gehen nach Hause und zu versuchen alles zu vergessen, was einmal war. Schläge, Drohungen und ein armer alter Mann, der dem Alkohol zu abhängig ist und darunter verrückt geworden ist und sich als unser Vater aufspielt, nur weil er meine Mutter geheiratet hat und einige Jahre unserer Kindheit anwesend war, aber mehr auch nicht. Eigentlich sind wir alt genug, dass wir ihm klar machen könnten, dass er nur "geduldet" wird - aber wir integrieren ihn, damit er uns die Stimmung nicht kaputt macht in seinem Suff.

Und was mach ich? Ich mach mir nen Bier zuhause auf. Kein Stück besser. Cheers!

05.05.2008 um 02:17 Uhr

Two Beers later

von: Ryan

Es ist alles mal wieder ganz abgrundtief scheisse ... ich hasse meine Arbeit und ich hasse das Leben, was ich fgrund meiner Arbeit führe. Ich arbeite und arbeite - wahrscheinlich liegt es auch ganz stark daran, dass ich irgendwie nur Spätdienste und Nachtschichten schiebe und drum rum nicht viel von meinem Leben habe - außer schlafen. Wenn ich Spätdienst hab, komme ich abends nach Hause und bin zu müde um noch was produktives zu machen, ich seh fern bis 2 Uhr nachts, gehe ins Bett und schlafe bis 11 Uhr um dann zu duschen und wieder zur Arbeit zu gehen. Nachtdienst - noch schlimmer ...

Ich hab meine Leitung drauf angesprochen und von ihr kam nur so eine seufende Begründung alla: "Naja, du bist der einzige Mann zur Zeit im Team. Du hast keine Familie oder Kinder, und wir müssen auf die Kolleginnen mit Kindern Rücksicht nehmen." Super - aber warum muss ich immer Rücksicht nehmen? Ich hab mal ganz fett in den Wunschdienstplan geschrieben: "FRÜHDIENSTE!!" Mal schauen ob sie drauf reagiert.

Meine Überstunden häufen sich ohne Ende ... gestern dachte ich wirklich mal, ich könnte pünktlich abhauen - Pustekuchen. Fremde Nachtwache vonner Zeitarbeitsfirma, die erstmal alles erklärt und gezeigt kriegen musste. Dann als ich grade dabei war mich abzumelden ... Neuaufnahmen ... also hab ich die auch noch gemacht. Wieder 2 Stunden meines Lebens, die ich unnötig auf der Arbeit rumgelungert hab. Mit meinem Gewissen kaum vereinbar einfach alles fallen zu lassen und zu sagen: "Ich hab jetzt Feierabend, sieh zu wie du fertig wirst!" Meine Kollegin meinte heute zu mir, als ich mich etwas bei ihr ausgekotzt hab: "Ryan, das musst du aber. Wenn hier alles glatt läuft, nur weil du dich aufopferst, sieht niemand wie doof hier alles läuft." - Und sie hat recht. Aber da ist ja noch mein Gewissen ... und die Patienten, die in dem Moment nicht versorgt sind.

Wir arbeiten alle im Moment überdurchschnittlich lange und viel. 10-16 Dienste am Stück ohne einen Tag frei. Diesmal hab ich "nur" 10 Dienste, ich hab jetzt 6 gearbeitet und Montag Abend geh ich in meinen 4-Nächte-Turn. Ich hab keine Lust auf Nächte - ganz alleine auf der Station sein, alle Patienten versorgen, für neue Windeln sorgen, alle Medikamente stellen (und die kriegen alle ne riesen Latte an Medis), und alles Organisatorische managen, aufräumen was im Tagdienst übrig geblieben ist ... nach Hause fahren, wenn alle anderen zur Arbeit erst gehen und den halben Tag schlafen bei dem schönen Wetter. Ich bin immer müde im Nachtdienstturn, egal zu welchen Zeit. Es ist wider der Natur Nachts wach zu bleiben und tagsüber zu schlafen und das macht mein Körper mir immer sehr schnell klar. Ich bin dauermüde in der Zeit, trinke Kaffee, Energydrinks etc. ohne Ende und bin nie wirklich konzentriert, weiss nicht welcher Wochentag ist und häng einfach nur durch für ne ganze Woche. Morgen um diese Uhrzeit arbeite ich noch und ich bin super unmotiviert.

Und einfach mal krank machen? Geht auch nicht, da kommt wieder mein schlechtes Gewissen durch, denn wenn kurzfristig einer ausfällt, heisst das für die anderen Kollegen Doppelschichten schieben und das will ich auch niemanden antun.

Mal was schönes aus meinem Leben: ich hab in den ersten Mai gefeiert, wohl das erste Mal in meinem Leben, mit einigen Kolleginnen, die auch Spätdienst hatten ... am nächsten Tag waren wir alle seeeehr müde, aber glücklich. "Weisste noch gestern Abend ..." sehr geil, das hat mir gut getan.

Und meine Freundin, sie tut mir so gut und ich liebe sie so sehr. In 3 Wochen feiern wir unsere Einjähriges - 1 ganzes Jahr sind wir dann zusammen - und ich bin immer noch sehr verliebt. Manchmal beschleichen mich Gedanken, dass sie zu gut für mich ist, dass sie vielleicht irgendwann jemanden mit mehr Ausstrahlung und Energie findet und mich dann links liegen lässt - jemand der nicht dauernd Überstunden macht und sich stunden lang über die Arbeit aufregt, wenn er nach Hause kommt. Sie sagt, sie hat Angst, dass mich die Arbeit kaputt macht - und ich kann noch nicht mal sagen: "Nein, Schatz, das ist nicht so." denn sie hat recht - ich hab diese Angst auch. Es ist unglaublich was ich für sie fühle und wieviel ich mir mit ihr zukunftstechnisch vorstellen kann - das war noch nie so - mit keinem Menschen mit dem ich zusammen war. Mittlerweile schaue ich regelmäßig nach Wohnungen, weil wir beide "nicht abgeneigt sind zusammen zu wohnen". Unglaublich ... ich kann mir vorstellen mit einem Menschen zusammen zu leben ... selbst mit meiner Exfreundin, mit der ich 3 Jahre zusammen war, konnte ich mir das nicht vorstellen. Aber mit ihr ist das alles anders. In meine Kopf spiele ich Szenarien durch, wie wir in 50 Jahren uns noch gegenseitig ärgern oder im Park mit unseren Enkelkindern spazieren gehen.

Vielleicht werde ich nur einfach erwachsener und vorraus planender. Vielleicht liegt es auch daran, dass meine Umgebung älter wird - die ersten Freunde bekommen Kinder oder heiraten - oder beides. Um mich herum gründen Gleichaltrige Familien und vielleicht will ich das auch. Aber vielleicht kann ich mir das auch nur vorstellen, weil ich einen Menschen gefunden hab, mit dem das alles auch umsetzbar wäre ... nicht nur so für den Augenblick oder fürs nächste halbe Jahr, sondern so für IMMER. Für immer und immer. Auf der einen Seite verstehen wir uns so gut, wir können immer reden, über alles, sie hört zu, ich hör zu, wir können albern sein - und dann manchmal schaue ich sie an und denke mir nur einfach: "Gott, sie ist schön - so hübsch - und das ist deine Freundin." und dann bin ich sprachlos - also für mich selbst - weil ich sie so schön finde und hab wirklich Angst, dass jemand anderes sie auch so schön und hübsch finden könnte, wie ich es tue und sie mir "wegschnackt". Ich bin von mir selbst überrascht wie schnell ich doch bereit bin so viel zu geben in einer Beziehung - meine Freiheit alleine zu leben und das alles, mich so stark zu öffnen und der Wunsch sovieles in Zukunft noch mit ihr teilen zu wollen.

Gut - zum schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich ca. 0,7 Liter Bier intus hab (meine Kollegin: "Trink mal nen Bier, wenn du zuhause bist, das tut dir mal ganz gut." Jupp) und irgendwie sehr tiefgründige, angetrunkene Gedanken grade von mir gebe.