Boys don´t cry

31.08.2008 um 00:31 Uhr

Alone and depressed

von: Ryan

Zur Zeit sollte eigentlich alles entspannt sein - aber irgendwie tut mir meine zweite Urlaubswoche ganz und gar nicht gut. Ich hätte ja eigentlich die Zeit mit meinem leiblichen Vater und dessen Familie verbringen sollen - aber der gute Mann hat mich ja versetzt und irgendwie nimmt mich das diesmal mehr mit als sonst. Jedes Mal wenn ich abends in der Küche stehe und mir mein kleines Ein-Mann-Gericht zubereite mit einer Tasse Tee, bin ich stock depremiert und denke jedes Mal wie es wäre am Esstisch meines Vaters zu sitzen und mit denen zu Abend zu essen. Nein statt dessen verkrümmel ich mich mit meiner Schnitte Brot vor den Fernseher und bin depremiert.

Ich kann mich zu kaum was aufraffen. Dienstag war ich Kino, mehr ist in meiner Woche aber auch nicht passiert. Highlights: Wäschewaschen und Einkaufen. Jeder Konflikt, der mir begegnet ist zuviel, ich flüchte, verkrieche mich, weiche aus, bin super schnell überfordert, starre stundenlang den Fernseher an, ernähre mich von Chips, Smarties und Capri Sonne.

Es wird Zeit, dass ich wieder arbeite. Ich war heute mittag schon kurz davor anzurufen und zu fragen ob ich nicht vielleicht schon am Wochenende kommen könnte - aber das wäre ein Eingeständnis gewesen, dass ich alleine irgendwie nicht klar komme und das wollte ich dann doch lieber nicht. Also hocke ich weiter hier und warte bis es endlich Montag ist.

Meine Gedanken fahren Karussell - ich kann nicht klar denken, ich bin so empfindlich wie mich sonst nicht kenne und rauche soviele Zigaretten, als hätte ich schon ne Ersatzlunge auf der Organspendebank gekauft, kann nicht schlafen weil ich zu spät aufgestanden bin ... Gott wie kann man so durchdrehen, wenn man eine Woche unbeschäftigt ist?

24.08.2008 um 21:43 Uhr

Familienfrust vom Surfer-Boy

von: Ryan

So, es ist eine Woche später und ich bin zurück in Hamburg - und der Urlaub war wirklich klasse. Ich hab wirklich nicht einmal an die Arbeit gedacht - genau wie es sein sollte. Aber irgendwie ist Urlaub haben ja auch auf eine gewisse Weise stressig. Wir haben unheimlich viel unternommen, waren von morgen bis Abends unterwegs, waren viel am Strand, haben das Surf-Ding durchgezogen, auch wenn wir abends dann mit Muskelkater im Bett lagen. Wir haben viel Sonne abgekriegt, ich bin also echt knackigbraun - meine Freundin nennt mich immer nur "Surfer-Boy".

Und nun bin ich wieder zuhause und hab meinen Hintern heute schon den ganzen Tag vorm Rechner geparkt und versuche mich von meiner stressigen Woche zu erholen. Meine Schwiegereltern in Spä haben mich im übrigen beim kennen lernen nicht gefressen und mir auch sonst kein leid angetan, wie ich es befürchtet habe - nein, sie mögen mich sogar. Besser kann´s doch gar nicht sein.

Aber es ist mal wieder nicht alles klasse - ich bin zwar entspannt und erholt, allerdings war die nächste Woche mit meinem Vater verplant, den ich eh viel zu selten sehe - das letzte Mal vor 1 Jahr als er zufällig mal in Deutschland war - er lebt ja in Amerika. Und eigentlich hatte er mich eingeladen meine zweite Urlaubswoche in den Staaten zu verbringen ... ja die Flugtickets hab ich schon vor 7 Tagen stornieren können, weil ihm plötzlich einfiel, dass er doch beschäftigt ist und gar keine Zeit für mich finden wird. Aber er will ja in naher Zukunft nach Hamburg und mich besuchen ... ja ja ... das sind so einige seiner Sprüche, die er dauernd bringt und die am Ende doch noch heisse Luft sind. Und das schlimme ist, das macht er schon sein ganzes Leben lang mit mir.

Meine Mutter sagte schon "Na, ob du deinem Vater da so trauen kannst." - und ich ganz übermütig: "Doch, er hats ja versprochen!" und Mutti: "Naja, er verspricht immer viel ..." Und nun bin ich mal wieder echt enttäuscht. Dazu muss man vielleicht erklären, dass ich das Ergebnis einer heissen und fettigen Affäre bin und überhaupt nicht geplant. Meine Eltern haben sich geliebt, aber sie kannten sich kaum und dementsprechend ging die Beziehung schnell in die Brüche ... sie haben sich getrennt als ich wenige Monate alt war und ich glaube sie haben sich schon echt zusammengerissen wegen mir. Vielleicht wäre sie schon viel früher getrennte Wege gegangen. Und er ist eben immer unzuverlässig, verspricht viel und letztendlich kommt kaum was dabei rum. Und wnen wir uns dann mal sehen, versucht er alles in 3 Stunden gut zu machen, was er die letzten 24 Jahre versäumt hat. Er hat andere Kinder in Amerika, um die er sich scheinbar besser kümmert, aber die sind eben auch in seiner näheren Umgebung - und ich halt nicht. An meinen Geburtstag hat er dieses Jahr auch mal wieder nicht gedacht. Vielleicht ist mein Stiefvater, der jetztige Mann meiner Mutter noch mehr Vater gewesen, auch wenn er mich mehr oder weniger ablehnt. Aber er war da oder besser: anwesend.

Mir fällt jetzt erst auf, dass ich nie zu einem Mann "Papa" gesagt hab. Meinen leiblichen Vater hab ich beim Vornamen genannt, weil da irgendwie nie wieder "Vater-Sohn-Gefühle" waren oder sich entwickeln konnten und ich wollte immer schon sehr deutlich zeigen, dass mein Stiefvater nicht mein richtiger Vater ist und hab den auch beim Vornamen genannt.

Vielleicht bin ich auch deswegen so empfindlich in der Beziehung, weil ich grade ne Woche mit Steffis Eltern erlebt hab. Da stimmt natürlich auch nicht immer alles 100% aber es war total schön. Man hat richtig deutlich gesehen wie sehr sich ihre Eltern freuten, als wir zur Haustür reinkamen, gleich Kaffee und Kuchen aufm Tisch gestellt und "Jetzt setzt euch erstmal und erzählt mit uns" und "Schön, dass unsere große Tochter da ist und dass wir ihren neuen Freund endlich kennen lernen!" Ihre Eltern lieben sich noch, anders als bei meiner Mutter und meinem Stiefvater, die nur noch aus Gewohnheit zusammen leben. Das ist nicht so kompliziert wie bei uns, ich bin ja das einzige Kind meiner beiden Eltern, hab aber echt viele Halbgeschwister, die ich alle mehr oder weniger kenne, die auch wiederrum auch von anderen Frauen und Männern meiner Eltern sind. Das ist alles irgendwie schwer und meistens sogar ziemlich verwirrend und irgendwie bin ich auf Steffis Familie echt neidisch - aber ich kann in diese Familie ja einheiraten irgendwann.

Aber vielleicht ist das in unserer schnellebigen und modernen Welt so. Vielleicht sind die Menschen auch einfach immer verwöhnter und kaum noch zufrieden zu stellen mit dem was sie haben. Wer weiss. Früher war eh alles anders. Für meine Oma war das ne Katastrophe, dass ich geboren wurde, weil meine Eltern auf der Freien-Liebe-Schiene unterwegs waren und es ja einfach mal undenkbar ist, Kinder in die Welt zu setzen ohne verheiratet zu sein. "Naja, aber süß isser, der Bastard." hat Oma mal gesagt - Oma ist erzkatholisch. Ich mag Oma, sie ist ein lieber Mensch aber so ehrlich, dass es schon manchmal wehtut - das hab ich im übrigen geerbt.

Und was mach ich jetzt? Frustrierter Weise trink ich mal wieder abends Bier - Cheers!

16.08.2008 um 23:31 Uhr

Von Urlaub im Ossiland und Power-Shopping-Frustrationen

von: Ryan

Übermorgen gehts los - endlich hab ich meinen letzten Arbeitstag, bzw. meine letzte Arbeitsnacht hinter mich gebracht, bin heute morgen nach Hause geradelt, hab nach 2 Stunden Samstag-Morgen-TV 4 Stunden Schlaf gefunden und geniess jetzt nochmal nen Abend alleine bevor meine stressige Schwiegereltern-Kennenlern-Woche beginnt.

Und ich bin sehr aufgeregt - was redet man mit solchen Leuten? Ich hab (noch) keine Ahnung. Ich kenne diese Menschen ja noch gar nicht, ich weiss nicht wie sie auf mich reagieren, ob sie mich mögen oder was auch immer ... fies gesagt: Sie müssen mich akzeptieren und irgendwie müssen wir klar kommen, immerhin hängt ich - der "neue" Freund ihrer Tochter - ne ganze Woche bei denen rum. Aber ich bin zuversichtlich - wäre ich es nämlich nicht, würde ich bereits Amok laufen. Ich bin einfach sehr, sehr aufgeregt.

Um genauer zu sein: Es sind ja nicht nur meine Schwiegereltern in Spä, sondern alles andere auch. Ich darf eine ganze Woche in Steffis Heimatstadt leben, mit ihren Freunden abhängen, die frische Ostseeluft schnuppern - hab ich erwähnt, dass meine Freundin Ostdeutsche ist? Ich mag Ossis - nix gegen Ossis, meine besten Freunde sind Ossis - aber bis jetzt waren wir immer im Westen - ab Montag sind wir im OSTEN. Es ist nicht so, dass ich noch nie im Osten war, ich will auch nicht alte Vorurteile hochholen, ich bin immerhin ein äußerst toleranter Mensch - aber ... die sind dann in der Überzahl!!

Ich bin sehr gespannt - ich denke, es wird super. Nicht wie unser letzter Urlaub, wo wir tief enttäuscht schon am ersten Tag nach einem Ausflug in ein Provinznest an der Nordsee Biertrinkender Weise wieder auf der Couch saßen, weil das Super-5-Sterne-Hotel mit Blick auf die Nordsee sich als kleine Alt-Herren-Dorfkneipe 40km entfernt vom Wasser entpuppt hatte - mit idyllischem Blick auf die Baustelle ... die Baustelle darf man nicht vergessen. Ich glaube, wenn die nicht gewesen wäre, wären wir sogar ausm Auto ausgestiegen.

Nein, diesmal wird alles besser. Im Idealfall komme ich in einer Woche zurück: braungebrannt von der Ostseesonne, ein durchtrainierter Körper als Resultat von unserem Surf-Kurs, den wir gebucht haben und ne ganze Ecke warmherziger von der ostdeutschen Menthalität - und eventuell mit mehr schicken Klamotten, wir wollen nämlich einen Tag zum shoppen nach Polen.

Wo wir bei Shoppen sind: Ich war gestern Power-shoppen. Hatte ich zumindest vor ... und bin FAST weinend nach Hause zurück gekehrt. Einmal im Jahr oder seltener habe ich das Bedürfnis nach Veränderung und neuen Klamotten. Eigentlich bin ich shopping-faul und wenn ich mir sonst was neues kaufe, dann eher durch Zufall. Viele meiner Lieblingsklamotten sind Zufallseinkäufe. Und einmal im Jahr hab ich das dringende Bedürfnis nach neuen Klamotten - dann hebe ich so um die 50-100 Euro ab und bin auch bereit diese auszugeben - im übrigen bin ich geizig/sparsam oder so. Wie man es nennen mag.

Gut, ich also gestern mit Geld in der Tasche los ... Ziel: Neue schicke Hose. Und was soll ich sagen? Nach 2 Stunden Suche hatte ich keine Hose gefunden, aber wusste wieder warum ich niemals Hosen von der Stange kaufen konnte - eigentlich konnte ich das noch nie, aber irgendwie bildete ich mir ein, dass mir heute 10 Ausnahmemodelle in die Hände fallen. Problem: Ich bin zu klein - alle Hosen sind zu lang. Und alles was man hätte tragen können mit einmal Hosenbein umschlagen, war zu weit. Meine besten Hosen hab ich aus nem teuren Jeansladen - aber da ich nachtdienst-geschwächt aussah, wollte ich im Jeansladen eine persönliche Betreuung umgehen. Wie komme ich dann an Hosen? Ganz einfach: Gar nicht. T-Shirts fand ich nicht so geil, was grade so bei H&M so rumhängt. Ein weiterer Wunsch war nen helles Hemd und ne dunkle Weste. Find ich sehr schick zur Zeit, passte aber alles nicht, ich bin scheinbar zur Zeit zu schlank.

Und wenn der ganze Kram nicht passt, was machen Frauen? Sie gehen Schuhe kaufen. Ich hatte mir auch ein echt nettes Paar schwarze Lederschuhe ausgeguckt, gab´s aber leider nicht in meiner Größe. Das letzte Mal als ich so frustriert vom Shoppen nach Hause kam, wog ich 16 Jahre alt und stark übergewichtig. Und dann kam der Zeitpunkt, der meinen ganzen Tag gerettet hat: ich bin in einen kleinen SecondHand-Shop und finde ... tahhh taahhh tataaahh ... eine Lederjacke. Eine richtige Lederjacke. Ich hab schon eine, die ist aber aus dünnem Kunstleder, was echt böse abplatzt. Nein, diesmal eine richtige Lederjacke in schwarz - so eine von der Sorte, die man(n) rebellisch aussehen lässt. So eine, dass man nur denkt: "Hey, der hat bestimmt nen Motorrad" wenn so ein Kerl den Raum betritt. Gut ... ist jetzt in meinem Fall kein Motorrad, eher ein rostiges Mountainbike ... aber hey, das Fahrrad sieht neuerdings fiel besser aus, seitdem so nen geiler Kerl mit ner scharfen Lederjacke drauf sitzt.

Es hat im übrigen doch Vorteile, wenn man nur mit Frauen zusammen arbeitet. Meine Lederjacke wurde sofort meinen Kolleginnen vorgeführt und eine sagte sofort: "Du siehst aus wie´n Aufreisser - aber ich würd dich so nehmen." Ne andere sagte nur: "Schaaaarf." Die Jacke hat also den Bestandstest hinter sich und wird nun der breiten Öffentlichkeit vorgeführt. Die einzige Frau, die meine Jacke noch nicht bestaunen durfte, ist meine Perle, die seit 3 Tagen schon in Dunkeldeutschland rumlungert, aber das werden wir morgen mal nachholen. Und bis dahin geniesse ich noch etwas die Luft im goldenen Westen.