Psycho friends - but most times i´m ok with it
Musik: i´ve been searchin´
Das zwischen uns war irgendwie was sehr besonderes. Und sie fehlt mir. Sie fehlt mir sehr. Sie gehörte mit allem was sie ausmachte zu mir. Ich hab ihr viel erzählt, vieles was ich nicht so einfach von mir geben würde. Sie weiss viel über mich, vieles hab ich ihr anvertraut und nun ist sie "weg". Und ich trau mich nicht ihr zu sagen wie sehr sie mir fehlt, weil man im Streit immer Dinge sagt, die einem später leid tun, aber man, bzw. Ich mich schwer tue solche Zugeständnisse zu machen.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht mehr, ich konnte es nicht ertragen, die Situation, ihren zunehmenden Verfall - es ging ihr schlecht und sie liess sich nicht helfen oder besser: ich fühlte mich so machtlos und ausgebrannt, dass ich keine andere Chance sah als sie fallen zu lassen. Ich weiss nicht ob so noch einmal reagieren würde, vielleicht. Ich hab sie für meine Hilflosigkeit verantwortlich gemacht und bestraft. Das ist unfair. Ich weiss.
Aber das soll nicht das Thema sein. Das Thema ist: Sie fehlt mir. Sie fehlt mir mehr als ich es gedacht hätte. Sie fehlt mir sehr.
Und was mir mal wieder klar wird: Sowas passiert mir dauernd. Meine besten Freunde sind psychisch "nicht gesund" um es nett auszudrücken. Ich suche mir Menschen mit schildernden Persönlichkeiten. Menschen, die mich faszinieren, die ich lieb gewinne und dann passiert sowas und alles ist dahin. Und ich verliere diese Menschen, die mir soviel bedeuten.
Anderes Beispiel von einer anderen Freundin. Wir waren beste Freunde über 3-4 Jahre hinweg. Sie hatte es noch nie leicht, war Waise seit ihrem 13. Lebensjahr, hat sich so durchgeschlagen, trotzdem erfolgreich Abitur gemacht und studiert. Irgendwann brach der Kontakt so ab, ich meldete mich nicht mehr, sie auch nicht. Das ist nun 3 Jahre her, seitdem der Kontakt abgebrochen ist. Meine Ex ist ne sehr gute Freundin von ihr und von ihr musste ich erfahren, dass meine damals beste Freundin tief depressiv schon seit über nem halben Jahr in einer geschlossenen psychiatrischen Station irgendwo in Hamburg verwahrt wird nach nem halben duzend Selbstmordversuchen innerhalb von wenigen Tagen und das die Prognose schlecht aussieht, dass sie jemals wieder ihr Leben alleine regeln wird.
Oder mein damals bester Freund - so nen Nachbarsjunge. Unsere Mütter waren super gute Freundinnen. Wir haben unsere Kindheit und Jugend miteinander verbracht. Und obwohl er sich irgendwann als schwul outete, blieb er mein aller bester Freund. Wir haben alles zusammen durchgestanden. Und nun? Nun hat er die Diagnose "bipolare Störung", was genau übersetzt heisst: manisch-depressiv. Plus Angst- und Panikstörung. Wenn jemand dir sowas erzählt, was du hast, wie läuft dein Leben dann ab? Hast du überhaupt noch Zukunftspläne oder willst du einfach nicht mehr da sein? Das ist doch schrecklich.
Gegen Lungenentzündung gibts Antibiotikum, gegen Krebs kann man mit Bestrahlung und Chemotherapeutika arbeiten, aber was ist wenn dir jemand sagt: "Die Tiefe deiner Persönlichkeit hat ne schwere Störung und es wird sehr viel Kraft und Arbeit und Zeit erfordern, bis wir das halbwegs so in den Griff gekriegt haben, so dass Sie sich ohne fremde Hilfe versorgen können."
Selbst meine Exfreundin, mit der ich 3 Jahre lang zusammen war, hat sich aufgrund dieser Vorfälle zum Psychologen begeben und macht nun ne Therapie. Diagnose: Borderline-Persönlichkeit.
Als mir das alles vor wenigen Wochen klar wurde, musste ich erstmal schlucken. Verdauen kann ich das immer noch nicht. Und die Frage aller Fragen: Und was hab ich? Welche Diagnose würde mich erwarten? Borderline? Helfer-Syndrom? Auf mich würden viele Dinge zutreffen, wenn man mich fragen würde. Aber ich hab natürlich ne andere Sichtweise auf mich selbst als andere Außenstehende. Meine Mom ist immer noch der Meinung, dass ich was hab, was man "sentimentale, verletzliche Seele" nennt. Ich sei zu warmherzig. Aber meine Mom stellt viele Theorien auf nachm 2. Glas Wein. Daher verlasse ich mich auf solche Schreckenstheorien nicht. Obwohl meine Mom natürlich einmal bestätigt wurde: Meine kleine Schwester (17) hat ne leichte Autismus-Form und das Tourette-Syndrom, was ihrer Brüder aber nicht hindert, sie ne verwöhnte Göre zu nennen. Sicher hat sie zu kämpfen, aber ihr Autismus ist kaum wahrzunehmen (außer man kennt sie genau mit den Symptomen aus) und mit ihrer Ticksstörungen kommen alle gut klar. Sie weiss auch mittlerweile wann diese Ticks vermehrt auftreten und ihre Freunde sehen das scheinbar nicht mehr oder finden es nicht schlimm, denn sie hat viele Freunde und hatte auch schon diverse feste Boy-Friends. Eben so wie jedes andere 17. Jahre alte Mädchen.
Ich, ihr Bruder, bin aber 24. Ich hab erfolgreich ne eigene Wohnung seit über 4 Jahren, kann diese bezahlen, schaffe es meine Wäsche sauber zu halten, unabhängig zu leben, Freunde zu haben und mich selbst nebenbei nicht so runter zu wirtschaften, dass ich kaputt gehe. Noch ... manchmal denke ich ganz laut: NOCH ... vielleicht ist eine Arbeit ne neue Art der Selbstzerstörung. Ich arbeite soviel, bis ich kaputt bin. Ich weiss das und nehme es in Kauf. Auch jetzt wo meine Lebensgefährtin mir eröffnet hat, dass sie der Unterhalt für ihren Sohn und Kindsvater so ruinieren wird, dass wir auf mein Gehalt angewiesen sind. Also Zähne zusammen beißen und weiter arbeiten. Bis es nicht mehr geht? Was krieg ich für ne Diagnose? Burnout? Irgendeine Persönlichkeitsstörung, die ich ausgereizt habe bis sie ausbricht?
Solche Ängste erschüttern mich bis ins Fundamentalste. Wo sind meine Freunde, die mir helfen? Ach, ich vergass. Denen muss man ja helfen. Das ist fies, ich weiss. Ultrafies. Aber was mach ich jetzt? Ich bin halt da mit meinen Gedanken und meinen Überlegungen und überlege wen ich damit belästigen kann ... und mir fällt eigentlich niemand ein.
