Boys don´t cry

30.11.2008 um 03:03 Uhr

Psycho friends - but most times i´m ok with it

von: Ryan

Musik: i´ve been searchin´

Vielleicht ist es unpassend, vielleicht sollte ich sowas auch nicht schreiben - aber es geht "mal wieder" um eine Frau - eine Freundin. Eine sehr gute Freundin. Mit der ich mich gestritten hab und die seitdem keinen Kontakt mehr haben möchte mit mir - bzw. Ich hab ihr zuerst an den Kopf geknallt, dass ich keinen mehr haben kann, wenn sie sich so verhält wie sie es getan hat ... und jetzt ist einige Zeit verstrichen ... und sie fehlt mir. Sie fehlt mir so sehr.

Das zwischen uns war irgendwie was sehr besonderes. Und sie fehlt mir. Sie fehlt mir sehr. Sie gehörte mit allem was sie ausmachte zu mir. Ich hab ihr viel erzählt, vieles was ich nicht so einfach von mir geben würde. Sie weiss viel über mich, vieles hab ich ihr anvertraut und nun ist sie "weg". Und ich trau mich nicht ihr zu sagen wie sehr sie mir fehlt, weil man im Streit immer Dinge sagt, die einem später leid tun, aber man, bzw. Ich mich schwer tue solche Zugeständnisse zu machen.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht mehr, ich konnte es nicht ertragen, die Situation, ihren zunehmenden Verfall - es ging ihr schlecht und sie liess sich nicht helfen oder besser: ich fühlte mich so machtlos und ausgebrannt, dass ich keine andere Chance sah als sie fallen zu lassen. Ich weiss nicht ob so noch einmal reagieren würde, vielleicht. Ich hab sie für meine Hilflosigkeit verantwortlich gemacht und bestraft. Das ist unfair. Ich weiss.

Aber das soll nicht das Thema sein. Das Thema ist: Sie fehlt mir. Sie fehlt mir mehr als ich es gedacht hätte. Sie fehlt mir sehr.

Und was mir mal wieder klar wird: Sowas passiert mir dauernd. Meine besten Freunde sind psychisch "nicht gesund" um es nett auszudrücken. Ich suche mir Menschen mit schildernden Persönlichkeiten. Menschen, die mich faszinieren, die ich lieb gewinne und dann passiert sowas und alles ist dahin. Und ich verliere diese Menschen, die mir soviel bedeuten.

Anderes Beispiel von einer anderen Freundin. Wir waren beste Freunde über 3-4 Jahre hinweg. Sie hatte es noch nie leicht, war Waise seit ihrem 13. Lebensjahr, hat sich so durchgeschlagen, trotzdem erfolgreich Abitur gemacht und studiert. Irgendwann brach der Kontakt so ab, ich meldete mich nicht mehr, sie auch nicht. Das ist nun 3 Jahre her, seitdem der Kontakt abgebrochen ist. Meine Ex ist ne sehr gute Freundin von ihr und von ihr musste ich erfahren, dass meine damals beste Freundin tief depressiv schon seit über nem halben Jahr in einer geschlossenen psychiatrischen Station irgendwo in Hamburg verwahrt wird nach nem halben duzend Selbstmordversuchen innerhalb von wenigen Tagen und das die Prognose schlecht aussieht, dass sie jemals wieder ihr Leben alleine regeln wird.

Oder mein damals bester Freund - so nen Nachbarsjunge. Unsere Mütter waren super gute Freundinnen. Wir haben unsere Kindheit und Jugend miteinander verbracht. Und obwohl er sich irgendwann als schwul outete, blieb er mein aller bester Freund. Wir haben alles zusammen durchgestanden. Und nun? Nun hat er die Diagnose "bipolare Störung", was genau übersetzt heisst: manisch-depressiv. Plus Angst- und Panikstörung. Wenn jemand dir sowas erzählt, was du hast, wie läuft dein Leben dann ab? Hast du überhaupt noch Zukunftspläne oder willst du einfach nicht mehr da sein? Das ist doch schrecklich.

Gegen Lungenentzündung gibts Antibiotikum, gegen Krebs kann man mit Bestrahlung und Chemotherapeutika arbeiten, aber was ist wenn dir jemand sagt: "Die Tiefe deiner Persönlichkeit hat ne schwere Störung und es wird sehr viel Kraft und Arbeit und Zeit erfordern, bis wir das halbwegs so in den Griff gekriegt haben, so dass Sie sich ohne fremde Hilfe versorgen können."

Selbst meine Exfreundin, mit der ich 3 Jahre lang zusammen war, hat sich aufgrund dieser Vorfälle zum Psychologen begeben und macht nun ne Therapie. Diagnose: Borderline-Persönlichkeit.

Als mir das alles vor wenigen Wochen klar wurde, musste ich erstmal schlucken. Verdauen kann ich das immer noch nicht. Und die Frage aller Fragen: Und was hab ich? Welche Diagnose würde mich erwarten? Borderline? Helfer-Syndrom? Auf mich würden viele Dinge zutreffen, wenn man mich fragen würde. Aber ich hab natürlich ne andere Sichtweise auf mich selbst als andere Außenstehende. Meine Mom ist immer noch der Meinung, dass ich was hab, was man "sentimentale, verletzliche Seele" nennt. Ich sei zu warmherzig. Aber meine Mom stellt viele Theorien auf nachm 2. Glas Wein. Daher verlasse ich mich auf solche Schreckenstheorien nicht. Obwohl meine Mom natürlich einmal bestätigt wurde: Meine kleine Schwester (17) hat ne leichte Autismus-Form und das Tourette-Syndrom, was ihrer Brüder aber nicht hindert, sie ne verwöhnte Göre zu nennen. Sicher hat sie zu kämpfen, aber ihr Autismus ist kaum wahrzunehmen (außer man kennt sie genau mit den Symptomen aus) und mit ihrer Ticksstörungen kommen alle gut klar. Sie weiss auch mittlerweile wann diese Ticks vermehrt auftreten und ihre Freunde sehen das scheinbar nicht mehr oder finden es nicht schlimm, denn sie hat viele Freunde und hatte auch schon diverse feste Boy-Friends. Eben so wie jedes andere 17. Jahre alte Mädchen.

Ich, ihr Bruder, bin aber 24. Ich hab erfolgreich ne eigene Wohnung seit über 4 Jahren, kann diese bezahlen, schaffe es meine Wäsche sauber zu halten, unabhängig zu leben, Freunde zu haben und mich selbst nebenbei nicht so runter zu wirtschaften, dass ich kaputt gehe. Noch ... manchmal denke ich ganz laut: NOCH ... vielleicht ist eine Arbeit ne neue Art der Selbstzerstörung. Ich arbeite soviel, bis ich kaputt bin. Ich weiss das und nehme es in Kauf. Auch jetzt wo meine Lebensgefährtin mir eröffnet hat, dass sie der Unterhalt für ihren Sohn und Kindsvater so ruinieren wird, dass wir auf mein Gehalt angewiesen sind. Also Zähne zusammen beißen und weiter arbeiten. Bis es nicht mehr geht? Was krieg ich für ne Diagnose? Burnout? Irgendeine Persönlichkeitsstörung, die ich ausgereizt habe bis sie ausbricht?

Solche Ängste erschüttern mich bis ins Fundamentalste. Wo sind meine Freunde, die mir helfen? Ach, ich vergass. Denen muss man ja helfen. Das ist fies, ich weiss. Ultrafies. Aber was mach ich jetzt? Ich bin halt da mit meinen Gedanken und meinen Überlegungen und überlege wen ich damit belästigen kann ... und mir fällt eigentlich niemand ein.

30.11.2008 um 00:23 Uhr

Lied

von: Ryan

Musik: I´ve been searchin´

I´ve been searchin´

for a long time

trying to find a girl

like you

 

Now that i found you,

I´m so happy

I don´t know what to do

it´s the first time in a long time,

I´ve been happy

in to feeling blue

29.11.2008 um 03:23 Uhr

Krank

von: Ryan

Es ist vorbei - das endlose Durcharbeiten. Endlich frei ... und was geschieht? Ich wache auf, voller Vorfreude auf meine freien Tage - die ich mit Tatendrang fühlen wollte - ich werde krank.

Nase zu, Niesen ohne Ende, Husten und ein Kopf, wie in Watte gepackt. Ist das unfair? Ja, das ist unfair! Ich wollte soviel unternehmen ... das einzige wozu ich im Stande war, ist mich durch den Supermarkt zu quälen und Lebensmittel einzukaufen, die ich auch essen kann in meinem angeschlagenem Zustand: Pudding, Buchstaben-Suppe, etwas Brot und Tee. Und natrürlich Orangensaft wegen dem Vitamin C. Oh ist das unfair! So unfair! Jetzt verbringe ich mehr oder minder 4 ganze Tage im Bett, totkrank ... oder wenigstens so, dass ich mich nicht gut fühle. Wenn ich Glück habe, kann ich Montag wieder arbeiten - und dann wieder 10 Tage durch ... und wieder 10 Tage ... ich hasse meinen Job. Wahrscheinlich hab ich mir die Grippe bei ner Lungenentzündungs-Oma abgeholt.

20.11.2008 um 23:51 Uhr

Blöd blöd blöd

von: Ryan

Mal wieder was von mir: Eigentlich passiert rein gar nichts - ich arbeite - dauernd und immer und mach mir halb kaputt. Rücken aua, müde, erschöpft - wie immer eigentlich. Unsere Chefs haben uns mit dem Personal zu runter reduziert, dass wir kaum unsere freien Tage nehmen können. Und das Schlimme bei der Sache: scheinbar sieht es im deutschen Gesundheitssystem überall so aus. Ich kenn diverse andere Krankenschwestern in anderen Krankenhäusern und die erzählen immer die gleiche Geschichte. Ähnlich miserable Zustände, nirgendwo scheint es besser zu sein. Alle meine Kolleginnen sind erschöpft und kriechen auf dem Zahnfleisch, bei allen ist die Motivation im Keller, alle fangen an ziemlich dumme Konzentrationsfehler zu machen, mich eingeschlossen.

Aber natürlich niemals den Patienten zeigen was los ist. Aber die sind ja auch nicht dumm, und beobachten, dass unsere Augenringe immer schlimmer werden oder dass wir scheinbar immer und dauernd da sind. "Haben Sie schon wieder Dienst?!" kommt dann oft. Ja ... hab ich ... und das wird sich noch ne ganze Weile nicht ändern ...

Ich weiss gar nicht wie ich dieses Jahr Weihnachtsgeschenke kaufen soll ... ich bin ja nachm Dienst oft müde und hab keinen Bock auf nix mehr. Meine Überstunden sind mittlerweile 3 stellig - ohne die Überstunden, die ich jetzt diesen und nächsten Monat mache. Eventuell knack ich die 200 Grenze am Ende des Jahres ... und ich hab ne Vollzeitstelle, also arbeite ich so ca. 120% anstatt 100%. Resturlaub ist auch gestrichen, muss ich eigentlich im Januar nehmen - da stöhnten auch schon wieder alle. "Kannst du dir deinen Resturlaub nicht als Überstunden anrechnen lassen?" Auf gar keinen Fall! Ich bin doch nicht doof. Meine Überstunden stecken mir in den Knochen und sind ne doofe Zahl aufm Blatt Papier und abbauen kann ich die scheinbar in den nächsten paar Monaten auch nicht. "Ja aber dann kannst du mal ne Stunde früher gehen." Ja klar ... ich gehe jeden Tag eine Stunde früher ... 6 Monate lang ... ich kann an einer Hand abzählen wann ich im letzten Jahr mal nur 10 Minuten früher rausgekommen bin.

Und dann das Wetter ... schon mal rausgeguckt? Es hagelt hier zeitweise, regnet eigentlich dauernd, ist stürmisch und eiskalt ... das macht so alles keinen Spaß.

19.11.2008 um 22:54 Uhr

Resume von Samstag

von: Ryan

Der Abend hat mich schon sehr nachdenklich gemacht - aber ich denke sowas ist vielleicht auch unheimlich gut und lehrreich - so konnte ich mir mittlerweile klar werden, wie schön das Hier und Jetzt ist und was ich in diesem habe - grade wenn man sich die Vergangenheit nochmal ne Ecke dichter anguckt, bzw. betrachten muss.

Ich hoffe das war verständlich.

15.11.2008 um 10:59 Uhr

Die alten Narben

von: Ryan

 

Folgende Geschichte: ich hatte Nachtdienst - bin gestern morgen rausgekommen, knapp 4 Stunden geschlafen, aufgestanden, einkaufen und so und dann Abends auf ne Party von meiner Ex - sie macht großartige Partys und wir sind ja nun auch schon seit über 3 Jahren auseinander und haben nen sehr freundschaftliches Verhältnis. Auch wenn wir uns sehr selten sehen, haben wir nen sehr gutes Verhältnis. Sie hatte zwischendurch auch schon wieder ne Beziehung, ist derzeit wieder Single.

Also folgende Geschichte: da war nen Kerl auf der Party, der sich scheinbar in sie verliebt hat - sie ist eigentlich lesbisch - also ich als Mann war eher so ne "Ausnahme". Sie hatte vor und nach mir eigentlich nur Frauen, ich war so der einzige Mann in ihrem Leben. Und nun ist da dieser andere Mann, der sich so die ganze Zeit recht eindeutig an sie rangemacht hat. Nun hab ich ja auch ne Freundin, die ich sehr liebe - aber als ich so diese Bild gesehen habe zwischen meiner Ex und diesem anderen Kerl, der wirklich hartnäckig dabei war Zärtlichkeit von ihr zu ergattern ... ich weiss auch nicht ... ich hätte ausflippen können ... ich konnte das nicht sehen. Ich war eifersüchtig, richtig heftig eifersüchtig. Ich war nicht mal eifersüchtig als ich damals sie mit ihrer neuen festen Freundin gesehen hatte. Aber bei dem Typen - vielleicht weil es nen Mann war, ich weiss es nicht, ich hätte den am liebsten rausgezogen aus der ganzen Veranstaltung.

Und es irritiert mich. Ich dachte wirklich nach all dieser Zeit, wäre ich längst drüber hinweg. Und dann kommt so nen wildfremder Kerl, krault ihren Nacken und ich flippe innerlich aus.

Da kamen so viele Gefühle in mir hoch, von denen ich nicht gedacht habe, dass sie noch da wären. Ich war eifersüchtig - richtig eifersüchtig. Das war MEINE Süße, er hatte sie nicht anzufassen. Okay, es WAR meine Süße, er guckte mich auch so an alla "Hey, du hast deine Chance gehabt" aber ... ich dachte nicht, dass ich nochmal so ne Gefühle entwickeln könnte, dass es mich innerlich halb zerreisst, wenn jemand sie so zärtlich berührt, wie er das getan hat. Eher so auf der "Du bist so verspannt, ich massiere deinen Rücken"- Methode, aber mit deutlichen Ambitionen ...

Ich hab sie drauf angesprochen was das so zwischen den beiden ist und sie sagte, er wisse wohl, dass sie Männern nicht so zugewandt sei, er sei aber trotzdem stark in sie verliebt und sie sagte so wortwörtlich: "Naja, ich nehm halt jede Zärtlichkeit, die ich so als Single grade kriegen kann." Wenn es ihr dann zu viel war, kam sie zu mir ... und hat sich an mich angelehnt oder in meine Arme gelegt ... und wieder doofe Gefühle in mir ...

... ich hatte vergessen wie sie riecht, wie es sich anfühlt, wenn sie in meinem Armen liegt ... und jetzt weiss ich es wieder. Und das ist nicht gut, überhaupt nicht gut - denn es ist so ... so vertraut ... ich dachte ich hätte all diese Gefühle "gelöscht" - unwiderruflich - scheinbar sind sie nur in den "Papierkorb" gewandert, lagen da ziemlich lange vergessener Weise rum und als diese ganze Geschichte mit er-krault-ihren-Nacken-und-sie-flüchtet-in-meine-Arme-Geschichte war, muss irgendwann in mir auf "Aktualisieren" gedrückt haben und KLACK und ich hab die ganze Scheisse und den emotionalen Mist vor mir.

Herrlich, "tolle" Erfahrung - hätte ich nicht gedacht, dass ich mal an dem Punkt stehe. Es ist als ob ich mich mit all diesen Gefühlen aus einer längst vergangen Zeit rumschlagen muss. Sie sind alle vor mir, in mir und ich muss das irgendwie ab arbeiten und ich könnte kotzen, weil ich mich so fühle und das muss.

Mein Kopf sagt: Das ist alles lange her, vergiss es, das ist jetzt halt so und ist bald wieder vergessen und weg, Steffi ist aktuell und Meike lange vergessen. Aber in meiner Brust fühlt sich alles ganz anders an - und ich weiss, dass Steffi mir niemals das geben kann, was Meike mir damals gegeben hat - mein Kopf sagt mir dann aber wieder, dass Steffi mir sicherlich auch was geben kann, was mir Meike nie geben können wird.

Ich versuche auf meinen Kopf zu hören, aber es ist schwierig - weil ich wie gesagt grade alles vor mir hab, negative aber auch sehr positive und schöne Erinnerungen, Eifersucht auf diesen anderen Kerl, dem ich grade die Pest und schlimmeres an den Hals wünsche. Und Sehnsucht ist da - und die Sehnsucht ist schlimm. Ich weiss gar nicht genau wonach, aber sie ist echt schlimm. Und Steffi sehe ich erst heute Abend wieder, da sie nen paar Tage weggefahren ist, da sie noch Urlaub hat und ich nicht. Ich hab sie seit 4 Tagen nicht gesehen ... und vielleicht spielt mir meine Psyche auch einfach nur nen ganz fiesen Streich. Vielleicht bin ich viel zu überarbeitet, weil ich schon wieder unmenschliche Schichten hinter mich gebracht habe, kaum mehr als 5 Stunden Schlaf die letzten paar Tage bekommen habe und sowieso echt Panik vor irgendwas psychisch "Gestörten" haben, was ausbricht aufgrund des Stresses. Alkohol, Schlafmangel und die Sehnsucht nach Schatzi kann ne Menge in einem auslösen - vielleicht sogar sowas. Vielleicht sogar, dass ich dann Gefühle auf meine Exfreundin übertrage, weil die halt grade aktueller ist als meine derzeitige.

Ich weiss es nicht - das einzige was ich weiss, dass es echt grade Scheisse ist mit dem umzugehen, was in mir vorgeht. Es verwirrt mich, aber ich muss damit jetzt fertig werden.

06.11.2008 um 23:38 Uhr

Berlin

von: Ryan

Ich bin zurück aus dem Berlin-Urlaub. Resumé: War klasse aber oberanstrengend. Im Moment bin ich sogar sehr froh, dass es vorbei ist. Arbeiten kann kaum stressiger sein. Aber es war auch sehr lustig. Hotel war klasse. Supergünstig aber trotzdem ganz klasse. Zwar auf´s nötigste beschränkt, was man so braucht eben. Ein Bett, Schreibtisch, kleiner Fernseher, Schrank, Licht hier und da, eigenes Badezimmer aber alles sauber und alles nett. Und von außen sah es wirklich sehr edel aus, so dass Steffis erste Reaktion war: "Bist du sicher, dass das UNSER Hotel ist?" Morgens immer riesiges Frühstücksbüffet - den ersten Morgen haben wir uns gleich so überfressen an Brötchen, Aufschnitt, Obst, Rührei und Bacon, dass wir uns nochmal ne halbe Stunde hinlegen mussten.

Und dann natürlich noch: Mein Dad. Großartig Zeit mit ihm verbringen zu können. Steffi hat sich auch ganz gut mit Händen und Füßen verständigt, wir haben eigentlich fast nur Englisch gesprochen - überall. Mir ist irgendwann nicht mal mehr aufgefallen, dass ich in deutschen Restaurants auf Englisch bestellt hab.

Ich war sehr aufgeregt vor dem ersten Treffen nach so vielen Jahren mit meinem Vater und meinem Onkel. Steffi und ich standen da vor dem Restaurant in dem wir verabredet waren und warteten - Wetter war im übrigen die gesamte Zeit richtig mies, bewölkt, nebelig aber bis auf wenige kleine Schauer hat es eigentlich nicht geregnet - naja wir warten da so auf die beiden. Und sie kommen uns entgegen - auf einer nicht all zu belebten Straße. Und mein Onkel: "That´s Ryan and his Girlfriend." und mein Vater: "No, that are two girls." und läuft weiter ... nen halben Meter an mir vorbei. Und ich guck ... mein Onkel schon stehen geblieben und freute sich wie doof mein Dad weiter läuft ... und er läuft ... und läuft ... ganz bequem, guckt hier und da ins eine und andere Schaufenster ... und ich nur irgendwann als er schon 40 Meter weiter gegangen war: "DAD!" er dreht sich um: "Ryan?!", freute sich dann aber, dass ich es war.

Dienstag hatten sich Dad und mein Onkel extra für uns freigehalten, also ging es los auf eine endlose Sightseeing-Tour durch die Stadt - mit meinem Vater als absoluten Berlin-Experten. Zumindest hat er so getan. Das ging so los, dass er erzählte, da sei ein Platz - großartiger Platz, wunderschön, MÜSSEN wir sehen! Wir also hin ... da war da nix außer ne kleine Betoninsel mitten in der Straße. Dann hatte er sich ausgerüstet mit diversen Berlin-Broschüren, Stadtkarten etc. und so weiter - brauchte aber immer ne halbe Stunde bis er unseren Standpunkt gefunden hatte, sah dann super wichtig mit seiner kleinen Lesebrille in die Karte und sagt: "I know where we are ... but ... oh no ... let me see ... mmh ..." Immer wenns mal wieder so weit war, mussten wir anderen drei nur grinsen. Mein Onkel verdrehte immer nur die Augen und flüsterte mir zu, dass er das Spiel von zur Genüge kennen würde und von Steffi kam so nen Spruch wie: "Na endlich weiss ich von wem du den Orientierungssinn wie ne Schrankwand hast!"

Wir sind dann so die Straße des 17. Juni langgelaufen und mein Vater sagte immer nur, dass das Brandenburger Tor ganz in der Nähe ist, gar nicht weit weg - lohnt sich nicht nen Bus zu nehmen. Mein Onkel grinste immer nur, stubbste mich an und zeigte auf die Schilder: Brandenburger Tor 6,8 km - aber GLEICH UM DIE ECKE. Auf diese Weise haben wir es auf jeden Fall geschafft das reichhaltige Frühstück zu verdauen und abzulaufen. An dem Tag hab ich mir auch dicke fette Blase gelaufen. Alles wurde abgelaufen, Siegessäule, Brandenburger Tor, Pariser Platz, Unter den Linden, Bebelplatz, sämtliche Kirchen, Alexanderplatz, Olympiastadium, Check Point Charly, Potsdamer Platz, Kuhdamm rauf und runter, Gedächniskirche, Holocaust Mahnmal (mein Vater auch lustig: "A Cemetery!"= "Ein Friedhof!"), Reichstag, Hauptbahnhof, West Side Gallerie und alles was irgendwie wichtig aussah, musste beguckt und fotografiert werden. Und da man in Berlin so einiges begucken und knippsen kann, waren wir echt im Stress. Pausen gab´s nur einmal zum Mittagessen oder mein Vater Starbucks erblickt hatte - er ist starbucks-süchtig und da Starbucks scheinbar grade die Weltherrschaft an sich reissen möchte - warum steht sonst ein Starbucks neben dem nächsten? - haben wir viel Kaffee getrunken zwischendurch.

Mein Dad ist echt so geil - unser persönlicher Berlin-Führer und Stadtguide. Er tat immer so, als ob er alles kenne, alles wüsste und stellte sich dann immer ganz demonstrativ vor uns und fing an mit: "Also, dass ist das Waxfiguren-Museum von Madam Tussaudes, das ist das einzige Waxfiguren-Museum in ganz Deutschland ..." - "Dad, in Hamburg haben wir auch eins." - "Ja das weiss ich, also: Das ist das einzige Waxfiguren-Museum in Deutschland außer dem von Madam Tussaudes in Hamburg." - "Dad, das ist in Hamburg ist nicht von Madam Tussaudes. Das ist das Panoptikum." - "Äh, ja ... auf der anderen Seite sehen wir ..." - Aber am geilsten war wie er uns versucht hat zu verklickern, dass die Niedersächsische Vertretung die Botschaft einer kleinen Stadt aus Luxemburg sei. Wir waren die meiste Zeit aber ganz brav und haben nur gegrinst und genickt, und heimlich die Informationstafeln gelesen, die mein Vater natürlich nicht gelesen hatte.

Ungesund gegessen hab ich ... vorwiegend frittierte und gebratene Lebensmittel. Currywurst ist in Berlin echt lecker, dazu Pommes - lecker, lecker. Eigentlich haben wir nur so nen Fastfood Zeug gefuttert. Und natürlich jeden Abend was trinken. Vorwiegend Bier und wenn´s schmeckt und man im Urlaub ist, auch mal eins übern Durst. Bis auf Dienstag mussten mein Vater und mein Onkel geschäftlich tagsüber einiges erledigen, aber wir haben uns fast jeden Abend getroffen - bis auf einen Abend, an dem mein Vater sagte, es würde länger werden, wir würden schon schlafen, wenn sie fertig seien. Steffi ist früh vorm Fernseher eingeschlafen und ich hatte noch Hunger und bin dann alleine zu nem Imbiss gestiefelt - und treff da prompt meinen Onkel, der auch Hunger hatte und grade ne Currywurst futterte. Und dann saßen wir da und haben so 2-3, vielleicht auch 4 Bier getrunken und geredet - das war echt klasse.

Und jetzt hab ich ne sehr, sehr anstrengende Woche hinter mir. Ich muss mal gleich die 300 Fotos sortieren, die ich geschossen hab. Am Wochenende gehts wieder zur Arbeit - kann ja nicht mal halb so anstrengend sein, wie diese Gewaltmärsche durch Berlin ...

02.11.2008 um 04:29 Uhr

Berlin, Papas, Onkels, Schatzis und sonst so

von: Ryan

Ich stehe dem ersten gemeinsamen Urlaub mit meiner Freundin bevor. Wir haben ja schon viel unternommen, und wir waren im letzten Urlaub auf Usedom ... gut, meine Freundin kommt von der Insel und dementsprechend hatten wir echt oft ihre Eltern um uns herum. Und von dem Urlaub, wo sich unter super geiles Wellness-Hotel als Dorfkneipe entpuppt hat ... davon reden wir nicht.

Diesmal wird es besser. Also Montag früh gehts los ... nicht mal so weiter weg. Einfach nur nach Berlin - die Stadt angucken. Ich war das letzte mal vor ... grübel ... vielleicht ... 7 Jahren in Berlin. Diese obligatorische Studienfahrt, die alle deutschen Schüler hinter sich bringen müssen. Damals ... es war halt ne Klassenfahrt ... hab ich nicht viel von Berlin gesehen, außer eben die langweiligen Teile, die man als Schulklasse eben so hinter sich bringen muss. Aber das ist Berlin! Ne geile Stadt mit super Flair, und ich will schon länger mal nach Berlin. Und da meine Herzallerliebste dort Freunde hat, liess sie sich überreden.

Gut, ich muss zugeben ... nicht nur wegen der Stadt. Nee ... mein Vater hat mir erzählt, dass er diesen Monat ne Woche in Deutschland ist ... zufällig ... in Berlin ... ZUFÄLLIG bin ich jetzt auch in der Woche in Berlin. Er weiss es schon, und er freut sich - sagt er. Und ich denke, egal wie unzuverlässig der scheiss Kerl ist, von dem ich meine Gene hab, aber aufm Bier werd ich ihn wohl zu fassen kriegen. Ich hab meinen Vater ewig nicht gesehen. Vier Jahre sicherlich. Öfter mal telefoniert, aber eben nicht GESEHEN.

Und was auch noch großartig ist: Mein Patenonkel kommt mit, der beste Freund meines Vaters, den ich auch sehr, sehr mag. Bei meinem Patenonkel hab ich damals, als ich das Austauschjahr in Amerika gemacht hab mit 17, gewohnt und hab ihm sicherlich auch zum eine oder andere graue Haar verholfen, weil ich in dem Alter echt schwierig war. Und er war damals echt wie ein Vater - total liebevoller Mensch so alla: "Egal, du lebst bei uns, du bist eins von meinen Kindern und ich behandele dich auch so." Und ganz ehrlich: Nachdem ich nach dem Jahr nach Deutschland zurück kam, merkte ich erst, dass in meiner eigenen Familien einiges nicht so läuft wie es laufen könnte ... weil ich in dem Jahr ne ganz großartige Familie erfahren habe.

Meine Euphorie ist mal wieder groß und ich laufe Gefahr tief enttäuscht zu werden, weil ich mir höchst wahrscheinlich was ganz anderes erwarte, als ich erleben werde - wie so oft. Aber ich glaube, es wird großartig diese beiden Menschen endlich wieder zu sehen. Und natürlich auch, dass meine Freundin die beiden endlich live kennen lernt.

Steffi bedeutet mir so viel und es ist was Besonderes, wenn sie auch den Rest meiner Familie kennen lernt, bzw. Menschen, die für mich eine besondere Bedeutung haben. Ich will dass sie alles von mir weiss. Es ist schon verrückt wie sehr ich sie liebe. Das war in meiner anderen langen Beziehung irgendwie nicht so. Ich hatte immer im Hinterkopf, dass das was wir hatten, irgendwann mal ein Ende haben würde. Ich wusste es irgendwie, auch wenn ich es nicht wollte, aber irgendwie wusste ich es. Intuitiv? Keine Ahnung. Ich habe diese Frau sehr geliebt, ich hab gelitten bei der Trennung, aber ich wusste es irgendwie. So ein Gefühl, ich kanns kaum näher beschreiben. Bei Steffi ist das anders. Sie ist ein toller Mensch und ich kann mir so viel mit ihr vorstellen. Wir sind wirklich gute Freunde, wir können albern sein, wir können ernst reden, wir geben uns gegenseitig Freiraum, Verständnis, Toleranz und lieben uns trotzdem wie Hölle. Und selbst wenn ich wen sehe oder whatever, den/die ich sehr attraktiv finde - vielleicht sogar attraktiver als meine Freundin - kommt mir der Gedanke: Aber Steffi kann dir viel mehr geben, das isses nicht wert. Und so stelle ich mir Liebe vor. Und es fühlt sich großartig an. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, in so kleinen unscheinbaren Momenten, in denen sie sich süß verhält oder etwas sagt, was ich toll finde, hab ich das Gefühl, ich würde mich neu in sie verlieben. Jedes Mal wieder.

Um so mehr freut es mich, dass Steffi auch gespannt ist auf zwei Menschen, die in meinem Leben ne große Rolle spielen. Meine Mama und meine Geschwister kennt Steffi ja mittlerweile zur Genüge, aber meinen Vater kennt sie nur von Fotos und meinen Erzählungen. Und nun kann sie sich ihr eigenes Bild machen.

Problem - aber das wird witzig, denke ich: Steffi spricht kaum Englisch. Ihr letzter Englisch-Unterricht war vor 8 Jahren. Mein Vater und mein Onkel sprechen beide nur sehr gebrochen wenige Worte Deutsch - mein Vater hat das wenige Deutsch von meiner Mama gelernt als sie damals vor 25 Jahren ne Affäre hatten und mich zeugten (und da haben die nicht wirklich viel geredet) - mein Onkel ist der Sohn eines amerikanischen Soldaten, der ein Jahr lang mit seiner Familie in Deutschland stationiert war (meine Onkel damals 5 Jahre alt) - naja, ich bin mal gespannt wie das abläuft - ob ich übersetzen darf oder ob das nonverbal auch gut funktioniert. Auf jeden Fall wird es aufregend. Und ich freu mich drauf. Großes Treffen geplant - wie sollte es auch sein - im Hard Rock Cafe.

Also nicht böse sein, wenn ich ne Woche lang nicht schreibe - wir fahren nach Berlin!