23.01.2009 um 01:38 Uhr
20.01.2009 um 21:13 Uhr
Massenpanik - in mir
Ich bin fix und alle - und im Gefühlschaos. Ganz schrecklich - ich hab zwar grade frei, aber ... puh ... ich dreh durch (mein Lieblingssatz zur Zeit). Wo fange ich an? Ich muss mich selbst erstmal ordnen.
Es geht um UMZUG. Neue Wohnung suchen, die alte ist ja gekündigt und ich bin leider obdachlos, wenn ich mich nicht drum kümmere. Schatz sagt, ich mach total Stress, wir hätten EWIG Zeit, aber meine Zwangsneurosen und alltäglichen Ängste hauen mich grade um. Ich dreh wegen jeder Kleinigkeit durch. Zum Beispiel: Wenn wir dann zusammen gezogen sind, haben wir ja zwei DvD-Player. Eigentlich kein Problem. Wir gucken welcher besser ist und verkaufen den anderen dann - bei e-Bay oder so. Nein, Ryan krieg riesige Panik und dreht am Rad, liegt die ganze Nacht wach und macht sich Gedanken wegen dem einen DvD-Player, der zuviel ist. Am nächsten Morgen stehe ich wie gerädert auf, habe schlechte Laune und drehe wegen Übermüdung noch mehr am Rad als sonst schon.
Ende vom Lied: ich bin heute morgen richtig durchgedreht, hab geweint, weil Schatz dachte sie tut mir nen großen Gefallen und hatte ihren Toaster mitgebracht, damit wir Toast essen können zum Frühstück. Ryan gleich am durchdrehen. Oh Gott, ein Toaster, noch ein Elektro-gerät um das man sich kümmern muss ... ich bin in Tränen ausgebrochen und hab sie angeschrien. Tat mir auch sehr leid, aber ich konnte nicht mehr. Schatz dachte schon, sie hat nen ganz tollen Tag vor sich, wie sie mich halb heulend durch die Wohnungsbesichtigungen schleift und nebenbei die Hälfte absagt, weil man mich in dem Zustand nirgendwo mit hin nehmen kann.
Gut, Ende vom Tag und abschliessendes Fazit von dem Wohnungsbesichtigungsmarathon (wir haben bestimmt 15 Wohnungen in den letzten 3 Tagen gesehen): Viele dabei, die überhaupt nicht wegen verschiedenster Kriterien in Frage kommen (da hab ich schon ne Nacht wieder wach gelegen vor Panik, dass uns nie eine Wohnung gefallen wird), ganz wenige die wirklich in Frage kommen und EINE einzige, die wir heute gesehen haben, die so verdammt geil ist, dass ich sie unbedingt haben will. Schatz im übrigen auch. Wir standen in dieser Wohnung, zähneknirrschend sagte der Makler: "Ich dachte sie wird fertig ..." Kein Putz an den Wänden, kein Fussboden drin aber geil. Irre geil. Mehr über die geile Wohnung, wenn wir sie haben. Ich bin abergläubisch und glaube fest dran, dass es unglück bringt, wenn ich zu sehr von ihr schwärme. So war es zumindest immer mit meinen Männern in der Vergangenheit.
Nun dachte Schatz: Jetzt hat er wegen der schönen Wohnung sicher gute Laune. Nein, Ryan schiebt die Oberpanik, dass wir die Wohnung nicht kriegen. DIE EINZIG WAHRE Wohnung.
Gut, mittlerweile hab ich mich halbwegs gefangen ... halbwegs, denn mehr als die Selbstauskunft gründlich ausfüllen und alles andere organisieren, was die sonst noch so sehen wollen, können wir grade nicht. Aber heute Nacht werde ich gut schlafen - auch wenn ich nicht soviel trinken sollte, weil ich vor lauter Stress schon wieder Magenschmerzen (mein altes Leiden) wie Hölle habe - ich werde gut schlafen, with a little Help from Mister Johnny Walker.
Die letzte Wohnungsbesichtigung steht aber noch bevor: Die von meiner eigenen Wohnung. Aber da brauche ich ja Gott sei dank nicht das Haus verlassen oder nen guten Eindruck machen.
08.01.2009 um 20:35 Uhr
Ein neuer Beruf für Ryan
Schlimm wird´s nur, wenn die Station mal wieder zuläuft mit pflegebedürftigen Patienten. Ohne Untertreibung: Heute Nacht hatte ich 15 Patienten, die das Bett seit Jahren nicht verlassen haben und auch noch richtig krank waren. Wir leihen von allen Stationen Infusionsständer, weil wir zu viele Patienten mit Infusion und zu wenig Ständer haben. Bei drei Patienten hing die Infusionsflasche schon an nem Nagel in der Wand - erinnert mich nen bissle an die alte Soldatenserie M*A*S*H, die im Koreakrieg spielt und die Patienten versorgt wurden mit viel Improvisationstalent und noch mehr dummen Ideen, um auch Nichts irgendwas zu machen.
Die anderen 20 Patienten, die noch zu rumlagen, sind zwar nicht voll bettlägerig aber dennoch scheinbar kaum in der Lage sich selbst zu versorgen. Ein grottendementer Mann fiel 4 Mal in der Nacht ausm Bett und hat die ganze Station terrorisiert, in dem er seinen Stuhlgang überall hinschmierte und im 10 Minutentakt immer "Hilfe! Hallo!!" schrie. Selbst unter Beruhigungsmittel war der kaum zu ertragen. Nen anderer psychisch angeschlagener Mann hatte die Nacht nichts anderes zu tun als dauernd zu klingeln und mir zu erzählen wie schlecht wir sind, das Essen wäre doof, die Bettwäsche kratzt und sowieso sind ja nicht mal hübsche Krankenschwestern da - zumindest nicht seinem Typ entsprechend. Und man selbst steht daneben, nickt brav und denkt: warum erzählt der mir so nen Mist?!
Dann zieht sich irgendeiner nen Venenzugang, blutet alles voll, dann laufen Infusionen nicht, irgendwer macht sich nen wichtigen Verband ab ... du kommst in Zeitdruck weil du die Hälfte deiner Dienstzimmerarbeit noch nicht erledigt hast und eigentlich schon wieder lagern musst, weil die sich sonst alle nach maximal 4 Stunden Druckstellen liegen oder die Windeln nach 4 Stunden garantiert schwimmen ... dann dreht in dem Moment der demente Opa noch richtig auf, rutscht in seinem eigenen Stuhlgang aufm Flur aus und flucht: "Wer war das denn? So ne Sauerrei! Pfleger! Machen Sie das weg!" ... ich muss ganz ehrlich sagen, ich wachse jeden Tag über mich hinaus an dem ich solche Leute nicht einfach packe, schüttel und schreie: "HÖR AUF! BITTE HÖR AUF! ICH KANN NICHT MEHR!"
Im Moment bleibt auch wieder extrem viel Arbeit übrig - meine Kolleginnen sind alle fleissig und super und sie lassen Arbeit nur ungern liegen, aber irgendwann ist auch Schluss und dann lässt man was liegen. Mit nem flauen Gefühl im Magen, entschuldigt sich, aber es geht nicht anders. Und da ich die Nachtschicht mit ner Azubiene hatte, wurde mir erst richtig klar, dass ich eigentlich 2 Stunden lang nur nachgearbeitet hab, was der Spätdienst nicht geschafft hat.
Ich hab ne Liste gemacht mit Vor- und Nachteilen für unser Krankenhaus - massig Nachteile natürlich und mir wurde klar: Es geht nicht nur um mein Krankenhaus, es geht um den ganzen Pflegeberuf. Ich brauch nen neuen Job.
05.01.2009 um 00:17 Uhr
2009
Musik: Amy McDonald
Und ansonsten hab ich frei und versuche zu lernen wie es ist, so die Zeit ohne Arbeit rum zu kriegen - und es ist nicht leicht, wenn man erst so lange jeden Tag was vor hatten - nämlich arbeiten und dann plötzlich mal Zeit mit sich selbst verbringen muss. Ich hab die Zeit genutzt um Dinge zu tun, zu denen ich sonst nicht komme. Hab Computerspiele rausgekramt, DvDs geguckt und viel geschlafen. Oder einfach mal mit ner Pakcung Chips vorm Fernseher versacken - hab ich auch schon ewig nicht mehr getan. Morgen Abend gehts dann wieder in den Nachtdienst, meine Kolleginnen unterstützen im unermüdlichen Kampf gegen die Krankheiten des älteren Volkes. Im Kampf gegen volle Schutzhosen, alte empfindliche Haut, die nur darauf wartet aufzugehen und zu stinkenden, nicht abheilenden Wunden werden zu wollen. Im Kampf gegen zuviele Patienten in zu wenig Zeit, Im Kampf gegen die Akten (alles was nicht schriftlich irgendwo steht, ist nicht gemacht), der Kampf gegen die eigene Müdigkeit und Erschöpfung - aber ich hatte jetzt ja genug Zeit um mich selbst ausführlich zu pflegen.
Ja, wieder mal ein Jahr vorbei und die Zeit rennt und rennt ... mittlerweile wird mir meine eigene Vergänglichkeit um so gegenwärtiger. Neulich hat ich mich mit ner Freundin unterhalten - sie ist im gleichen Alter - und mir stachen ihre Krähenfüße ins Auge. Keine schlimmen Falten, eher diese Art von Falten, die sich sehr früh in ein Gesicht einbrennen und die bedeuten, dass man einfach nur gerne lächelt mit dem ganzen Gesicht. Aber sie sind mit das erste Mal so deutlich und so ausgeprägt bei der Freundin aufgefallen. Selbstverständlich hab ich ihr das nicht gesagt - sondern stattdessen mein eigenes Spiegelbild um so genauer betrachtet - und bei mir gehts auch los. Seitdem creme ich wie ein Bescheuerter meine Augenpartie ein mit der kleinen Hoffnung, dass mich teure Anti-Aging-Cremes davor bewahren mein eigenen Älterwerden im Spiegel mit ansehen zu müssen.
Oder neulich meine Freundin. Sie sagte, sie freue sich darauf mit mir zusammen zu ziehen - und wenn alles gut läuft, könnten wir ja weiter schauen ... was meinen Frauen, wenn sie sagen "Weiter schauen?" Mir dämmert da was aber ich trau mich kaum drüber nachzudenken. "Ich werde dieses Jahr 26" sagte sie seufzend. "Ich kann mir nicht mit 30 überlegen, dass ich 4 Kinder haben möchte." Und sie hat recht.
Aber es erschreckt mich. Ich hab das Gefühl, es ist erst nen halbes Jahr maximal her, als ich mit 16 mit meinen Kumpelinnen über die Reeperbahn gelaufen bin nächtelang. Scheiss drauf was morgen ist. Jetzt geht das nicht mehr. Schwupps isses 10 Jahre später, ich muss fit für meinen Job sein, um Geld zu verdienen und mein jugendlicher Leichtsinn ist dem erwachsenen Verantwortungsgefühl gewichen. Ich freu mich, wenn ich nach nem Red Bull kein Herzflattern krieg oder nachm 4. Bier umfalle - das hab ich alles früher literweise zu mir genommen ohne Herzflattern oder aufsteigende Müdigkeit. Man wird halt älter ...
Und was hab ich erreicht? Nicht viel - zumindest kommt es mir so vor. Ich hab nen Job, der mir mittlerweile keinen Spaß mehr macht, der mich am Rande zum Burn-Out-Syndrom bringt und ansonsten hab ich auch nichts worauf ich wirklich stolz sein könnte. Ich hab immer noch nix gelernt, worauf ich wirklich stolz sein könnte, ich hab immer noch keine Kunstausstellung gehabt oder ein Buch geschrieben - aber mein Job blockiert mich und meine Zeit auch zu sehr, als dass ich meine Fähigkeiten in irgendeiner Weise ausbauen könnte.
Also was hab ich mir für dieses Jahr vorgenommen: Etwas ändern!
04.01.2009 um 00:29 Uhr
Olli Schulz und der Hund Marie - Wenn das Leben dich beisst
Betrunken in der S-Bahn fährt er vor sich hin
Er isst einen Döner, die Sauce klebt am Kinn
Zug fährt in den Tunnel, Scheiben spiegeln sich
Er schaut nur kurz hinein und denkt mein Gott, das bin ja ich
Ne Frau sitzt gegenüber, fühlt sich alt und leer
Zweiundvierzig Jahre fährt sie hier schon hin und her
Sie wollte es ganz anders, das Schicksal aber nich'
Es blieb was auf der Strecke und sie weiss, das bin wohl ich
Sie ist dreiundzwanzig und merkt es läuft was schief
Der Typ haut immer ab, nachdem er mit ihr schlief
Leiht sich etwas Geld, hält nicht was er verspricht
Einer wird belogen und sie weiss, das bin wohl ich
Eine Wohnung weiter, ein kleines Kind am leiden
Die Eltern hassen sich, und es muss sich entscheiden
Hilflos steht es da, sieht wie seine Welt zerbricht
Einer wird bezahlen und er weiss, das bin wohl ich
Früher oder später, merkt jeder irgendwann
Was es wirklich heißt, wenn das Leben dich beißt
Früher oder später, merkt jeder irgendwann
Was das Leben wirklich wert ist, Hauptsache man merkt es
Früher oder später, merkt jeder irgendwann
Was es wirklich heißt, wenn das Leben einen - küsst
