Boys don´t cry

29.07.2009 um 11:21 Uhr

Jenseits

von: Ryan

Nach langer Zeit ein Eintrag von mir. Was hab ich gemacht in der Zeit? Ich war im Krankenhaus, bei meiner Freundin, bei meinen Eltern, mal hier, mal dort, ein paar Freunde wiedersehen, die ich lange nicht gesehen hatte und ich war einige Zeit auch ziemlich jenseits von Gut und Böse.

Ich war ne ganze Weile ziemlich weit weg, also nicht körperlich, sondenr irgendwie psychisch. Nicht so schlimm, dass ich eingewiesen werden musste, nein nein ... so schlimm isses noch nicht. Aber ich war unzufrieden - mit der Gesamtsituation, mit dem Job und vor allem mit mir selbst. Und dann kam eine Phase, in der wurde ich noch unzufriedener. Eigentlich hatte ich mich sehr bemüht Dinge zu erledigen und abzuarbeiten, die ich ewig vor mir herschiebe - und in genau dieser Zeit, passieren mir nur blöde Sachen. Unter anderem wurde mir mein Rucksack geklaut mit samt Handy, Geld etc. Und dann hatte ich wieder ne Woche länger schlechte Laune. Lieblingssonnenbrille kaputt - schlechte Laune. Fahrradreifen geplatzt aufm Weg zur Arbeit - noch mal schlechte Laune. Und das ganze potenzierte sich irgendwann so sehr, dass ich irgendwann anfing mit dem Hübschen nachm Dienst was trinken zu gehen - den ersten Abend war es ein Bier, den zweiten Abend zwei Bier - und am dritten war´s kein Bier mehr sondern sein Bett. Und das in einer Zeit, in der meine Freundin eigentlich täglich das Thema Kinder anschneidet.

Und warum mach ich immer wieder die gleichen Fehler? Warum rutsche ich in meiner Stimmungslage noch immer so weit runter, dass mir Kleinigkeiten unendlich schwerfallen und ich mich irgendwie durch den Tag schleppe? Ich muss mich in Zufriedenheit üben. Ich hab alles was brauche. Ich hab ne tolle Freundin, ihre Familie mag mich, meine Familie mag sie, wir haben eine tolle Wohnung, wir verstehen uns super, wir haben genug Geld, sicher Arbeitsplätze, Freunde, die zum Frühstück oder auf ein Bier vorbeikommen. Was fehlt? Bin ich zu empfindlich, so dass ich gleich abstürze sobald meine Sonnenbrille kaputt geht und ein Fahrradschlauch platzt? Oder war das wirklich ein wenig zu viel Unglück für mich?

Oder bin ich einfach nicht gemacht dafür, nur glücklich und zufrieden sein zu können? Vielleicht fehlt mir die Übung darin.

01.07.2009 um 03:23 Uhr

Never enough

von: Ryan

Nachdem ich mich etwas erholen konnte von meinem "Todesengel"-Image und jetzt mal einige Tage kein Krankenhaus von innen sehen musste, keinen alten Menschen freiwillig helfen mussten (zivil mache ich sowas ganz, ganz selten) und mich auch sonst nichts an Tod und Krankheit erinnert hat in den letzten Tagen, ich ausreichend Schlaf nachholen konnte, gehts mir besser.

Ich geniesse meine freien Tage - ja ich kann sie wirklich mal endlich geniessen. Selbst als meine Freundin neulich sagte sie wolle mit mir an irgendeinen Ostsee-Strand fahren, habe ich ich ohne Maulen und Widerworte zugesagt, und wir haben uns wirklich 2 Stunden in die Sonne gelegt, auf den der Schabeutzer Strand gestrahlt hat und ich bin braun geworden. Und konnte es sogar geniessen.

Um so schlimmer, dass ich merke, dass mir sowas zur Zeit schwer fällt, und um so begeisterter ich bin, wenn mir Menschen wie meine Freundin sowas Gutes angedäuen lassen und ich es auch mal endlich zulasse. Woran liegt das, dass ich sonst so unzufrieden und griesgrämig durch die Welt gehe? Im Grunde erschreckt mich das. Eigentlich ... oder besser vor einigen Jahren war es noch so, dass ich relativ naiv und gutgläubig durch die Welt gelaufen bin. Am Freitag Abend hatte ich x-tausend SMS auf meinem Handy und konnte mich zwischen 5 Partys entscheiden, die ich so antreten wollte oder auch nicht. Mittlerweile ist das nicht mehr so. Die meisten meiner Freunde wissen, dass ich am WE meistens arbeiten muss. Ich verabrede mich nicht mehr mit irgendwelchen Menschen, die ich irgendwoher kenne - meine freien Wochenenden sind rar und kostbar.

Dann muss ich auch noch immer eine gewisse Zeit als Erholungsphase einrechnen ... man kann nicht 10 Höllenschichten arbeiten, 3 Tage durchfeiern und weiterarbeiten als ob man erholt wäre ... nee, das geht leider nicht. Ich bin ja keine 18 mehr ... dann noch die Familie, die auch noch am Leben teilnehmen möchte ... und dann noch die feste Freundin, die auch viel zu oft zu kurz kommt, denn nebeneinander auf der Couch Fernsehen ist keine effektive Beziehungszeit.

Und wenn man dann noch - wie ich - Überstunden schiebt, teilweise 11 Stunden auf der Arbeit ist, trotzdem wegen Personalmangel grade so das nötigste im Vollgas geschafft hat - was bleibt einem dann eigentlich dann vom Leben übrig? Das frage ich mich oft - sehr oft.

Und trotzdem ... neulich hatte ich Spätdienst. Und ich hab mir ne Raucherpause erkämpft. Und ich stand draussen vor dem Haupteingang, die Abendsonne schien noch auf Hamburg, kurz vorm Untergehen, kurz vor meiner Abendrunde, in der ich nochmal alles geben müsste, um alle noch mal zu betten und windeln. Und die Sonne schien, ich rauchte meine Zigaratte in den 3 Minuten Pause, die ich mir erkämpft hatte - und ich sah mein Spiegelbild in der Glastür und dachte: "Eigentlich hast du keinen Grund dich zu beschweren.

Du hast ein gutes Leben. Du wohnst eigenständig ohne deine Eltern - so wie du es wolltest. Du hast Kontakt zu ihnen wenn du es möchtest - so wie du es wolltest. Du hast dein Abitur bestanden, du hast ein Staatsexamen, du bist ein guter Krankenpfleger - deine Kollegen achten dich. Deine Kollegen mögen dich sogar. Mit einigen bist du sogar sehr gut befreundet. Du bist beliebt. Du hast großartige Freunde, und eine super Freundin, die dich sehr liebt egal was du machst. Du hast eine wunderschöne Altbauwohnung im Zentrum von Hamburg. Du hast Klamotten, von denen du vor 5 Jahren nur träumen konntest. Du siehst nicht schlecht aus. Du verdienst genug Geld zum Leben, genug Geld dass du zufrieden bist. Du bist gesund. Es ist doch alles in Ordnung - warum bist du so unzufrieden??"

Warum bin ich so unzufrieden? Ich weiss es selber nicht. In dem Moment, in dem ich das dachte und mich selbst betrachtete in der Abendsonne kam es mir alles so unsinnig vor, so naiv unzufrieden zu sein obwohl ich soviel erreicht habe, obwohl ich sovieles mein eigen nennen kann. So unglaublich blöd noch mehr zu wollen als ich schon habe. Und ich weiss nicht mal was ich noch will.