Boys don´t cry

31.10.2009 um 18:17 Uhr

Faulheit und DVDs (back again)

von: Ryan

Ich hab mir vorgenommen wieder mehr zu schreiben. Ich merke doch stark, dass ich mein Tagebuch und auch meine eigenen Gedanken in den letzten Monaten stark vernachlässigt hab. Woran liegts? Puh, viele Faktoren. Der Stress, die resultierende Müdigkeit, ein gemütliches Wohnzimmer, auf deren Couch ích lieber liege anstatt mich nochmal an den PC zu setzen - und dann die Technik, die dann auch nicht so wollte wie ich ... mein PC will nämlich seit einigen Wochen nicht mehr hochfahren.

Aber jetzt soll (mal wieder) alles anders werden. Ich hab mir nen Netbook gekauft - oh ja, ich hab mir mal was geleistet und kann jetzt auch bequem auf dem Sofa liegen, Netbook auf den Knien und gléichzeitig Fernsehen schauen. Schlimm wie bequem man wird. Da brauche ich mich nicht mal mehr aufrecht hinsetzen um im Internet was zu schreiben und meine Gedanken der Welt mitzuteilen - oder ich brauch nicht mal aus dem Bett raus um philosophische Texte zu posten. Cool, wah?

Sonst bin ich eigentlich auch ziemlich faul. Meine letzten freien Tage habe ich damit verbracht mindestens 12 Stunden Schönheitsschlaf zu pflegen und bis spät in die Nacht DVDs zu schauen. Noch eine neue Bastion in meinem Leben: Nachdem ich mich nie viel aus DVDs und Fernsehen gemacht hab, wächst meine DVD-Sammlung und mein Hintern formt eine Sitzkuhle in mein Sofa. Vielleicht werde ich ja mit steigendem Alter ruhiger und auch etwas fauler.

01.10.2009 um 01:42 Uhr

Quatsch und Ruhe und anderes

von: Ryan

Ich heute bin ich glücklich. Das war die letzten Tage/Wochen nicht so. Gleich vorweg: meine klene unglückliche Verliebtheit war das was es war. Ein kleine dumme Schwärmerei. Ich sabber zwar immer noch wenn ich mit dem Kollegen arbeiten darf und gebe mir auch ein bisschen mehr Mühe als bei anderen Kollegen - aber es bleibt was ist ist, eine Schwärmerei. Nichts gefährdendes. Nichts tiefes, eigentlich ein großes kleines NICHTS.

Warum ging´s mir die letzten Tage nicht so gut. Ganz einfach: Erkältung. Aber drei Tage aufm Sofa im Liegen mit Tee und viel Vitamin C hat mich doch wieder auf die Beine gebracht. Das einzige was mir noch geblieben ist, ist Heiserkeit und eine dicke Schnoddernase. Aber Arbeit geht wieder. Geht halt rum, eine Sache, die ich halt nicht ändern kann, sondern nur aushalten muss. (Und AUSHALTEN hab ich gelernt, später mehr dazu).

Die letzten Wochen - ja, die waren schlimm. Ich hatte fiese Erschöpfungszustände. Nicht nur einfach nach Hause kommen und erschöpft sein und morgen gehts fit weiter, nein. Total erschöpft, dauer-müde, nicht-schlafen können, ganz fiese Geschichte. Ich bewege mich eh dauernd gefährlich auf ein Burn-Out-Syndrom hinzu, vor allem weil ich gut "brenne" und mich sehr schnell sehr stark begeistern lasse und dann auch sehr viel geben kann, wenn´s drauf an kommt. Ich hab eh schon nen katastrophalen Schlaf-Wach-Rhythmus durch den Schichtdienst und hab immer mal Nächte, in denen ich sehr wenig Schlaf bekomme, weil meine innere Uhr dem Schichtdienst nicht so schnell folgen kann - aber in den letzten Wochen war ganz, ganz schlimm. Ich konnte gar nicht mehr schlafen ... ich lag zeitweise 4-6 Stunden wach, obwohl ich in völligen Übermüdungszuständen ins Bett gewankt war und auch nichts anderes mehr wollte außer schlafen. Ich habe nur noch geschlafen, wenn ich zu erschöpft war um wach zu sein.

Und dann kam meine Weiterbildung. Ich will gar nicht lange abschweifen, nur soviel: War großartig, bzw. IST großartig - ich mach sie ja noch weiter (geht 1 Jahr lang berufsbegleitend), aber großartig neue Leute kennenzulernen, anderen Erfahrungen zu lauschen und ich hatte heute im Spätdienst die Möglichkeit einige neue Ideen umzusetzen - und was soll ich sagen: FUNKTIONIERT! Patient begeistert und der Pfleger noch viel mehr.

Was vor allem funktioniert und was ich versuche viel mehr umzusetzen: Ich bin ruhiger, ich bin irgendwie gelassener. Mir ist heute aufgefallen wie hektisch meine Kollegen sind - nix gegen meine Kollegen - alle samt tolle, großartige Menschen und super Pflegekräfte. Aber halt hektisch - das überträgt sich auf die Patienten, die automatisch mit wuschig werden und in null komma nix haben wir Rushhour - und zwar 9 Stunden am Stück. Ich hab heute mal ne andere Strategie gefahren: Ruhig sein, 10 Minuten mehr investieren um Leute glücklich zu machen, für jeden was spezielles bereit halten (das geht ja bei Kleinigkeiten los wie zum Beispiel Fruchtsäfte anstatt immer nur Tee und Wasser) und Flupp: Ruhe, alle Patienten glücklich und ruhig. Und schwupp war ich mit allem viel schneller fertig als meine Kollegin. Best Krankenpfleger in Town - so fühle ich mich grade, vielleicht bin ich deswegen heute auch mal wieder glücklich. Viel zu tun, Überstunden gemacht aber irgendwie alles doch sehr gut gewuppt und sehr zufrieden nach Hause gegangen.

Und was ich noch gelernt habe: AUSHALTEN. Bei einigen Dingen reicht es/ist es von nöten, dass man dabei ist und es aushält. Es ist keinesfalls schön, wenn jemand vor Schmerzen schreit, es ist auch nicht so schön, wenn man merkt die Tochter/Sohn des Patienten ist total niedergschlagen, weil Mutti/Vati bald sterben wird und an denen auch ne Menge Verantwortung klebt. Alles Dinge, die man auch mal mit guter Begründung von sich schiebt - aber ich hab gelernt (und ich setze es fleissig um) etwas auszuhalten. Nicht dieses: "Äh ich muss weg!" (kennt jeder, und ich bin Spezialist darin) sondern in der Situation - egal wie fies und unangenehm - jemanden nicht alleine lassen und dabei bleiben. Ich hör mich langsam ganz schön esoterisch an, finde ich zumindest grade.

 

Aber es ist auch alles etwas absehbarer als sonst. Ab Morgen hab ich ein paar Nachtdienste und danach ne Woche Urlaub, dann ein paar duzend Dienste und wieder 2 Wochen Urlaub. Also alles nicht so schlimm wie sonst.

Ansonsten läuft eigentlich andere auch ganz gut. Ich nehme soziale Kontakte war, war sogar mal wieder feiern, bin mal wieder verliebt in meine Freundin und bin recht stolz über meine eigene psycho-soziale Entwicklung. Jedes Mal wenn wir nen Patienten mit ner Esstörung auf Station haben, denke ich nur erleichtert: Wie gut, dass ich das hinter mir hab und das alles als "Quatsch" abtun kann - nicht "Quatsch" im lächerlichen Sinne, es ist ja definitiv ne ernstzunehmende Krankheit, sondern eher "Ich kann den Quatsch nicht nachvollziehen, ich ess lieber noch nen Keks"-Quatsch.