Boys don´t cry

31.03.2010 um 23:11 Uhr

The Hole

von: Ryan

Ich bin traurig und schwer. Heute auch ein wenig flatterig. Fühlt sich furchtbar an.

Bei Grey´s Anatomy hab ich nur geheilt die ganze Zeit. Es ging um genau dieses Traurig- und schwer-sein. Um Kummer und Leid. Wie komm ich da raus? Ich fühl mich wie unter einer schweren, schwarzen, dicken Decke. Alles fällt mir schwer. Ich fühl mich wahnsinnig klein. Irgendwie in mir selbst verkrochen. In mir selbst versteckt, unscheinbar.

Wenn ich in den Spiegel sehe, finde ich mich selbst furchtbar. Augenringe, trockene, fleckige fahle Haut. Irgendwie knochig. Ich hab viel abgenommen. Ich hab kaum noch Appetit. Und obwohl ich mich mit Schrott vollstopfe wie Chips und Haribo, esse ich nicht genug. Dauernd Kopfschmerzen. Chronisch verspannt.

Morgen ist der Termin beim Therapeuten. Ich hab geträumt, dass ich mit einer Psychologin reden dürfte und nur weine. Mir die Hand auf den Mund presse und nur weine, weil alles aufgestaute plötzlich hochkommt, weil irgendwer mir zuhört. Weil der erste Schritt der Schlimmste ist. So wird es sicherlich nicht. Aber ich bin sehr aufgeregt.

Danach werd ich kurz einkaufen. Wein und Chips. Für das lange Osterwochenende. Eigentlich wollte ich arbeiten, Frühdienst über Ostern. Ich hab mich mit meiner Lieblingskollegin eingetragen. Und nun kommt doch mal wieder alles anders.

Wenn ich an mich selbst denke, kommen mir so Worte wie "Mängelexemplar" (Buch von Sarah Kuttner) oder "kaputt", "Scherbenhaufen" oder "Macke" ein. Ja, ich stecke tief im Selbstmitleids-Loch. Hoffentlich nicht lange. Hier ist es dunkel, düster, traurig und unheimlich.

Es wundert mich zu was für Abgründen meine Seele fähig ist. Oder alleine eine gestresste Seele. Meine Kolleginnen und ich haben oft gescherzt, dass bei all dem Stress nochmal einer kaputt geht, dass wir alle mal Patienten auf der Psychiatrie sein werden und dass unsere Station blanker Selbstmord sei. Ich dachte nicht, dass es wirklich mal so sein würde.

30.03.2010 um 03:15 Uhr

It´s better to burnout as to fade away

von: Ryan

Mein Zustand nervt mich schrecklich. Ich hab langsam keine Lust mehr auf krank geschrieben sein und Burn-out und den ganzen Quatsch. Ach, ich untertreibe, ich bin super ober angepisst von mir und meinem Seelenzustand. Es nervt, es ist scheisse, ich mag einfach nicht mehr. Ich hatte mal grade zwei gute Tage, in denen Steffi und ich viel unterwegs waren- und jetzt ist alles wieder wie vorher. Ich habe aus dem Nichts heraus Panikattacken und weiss nicht wohin mit mir. Es fällt mir schwer einkaufen zu gehen, es fällt mir schwer Anrufe zu tätigen. Ich möchte am liebsten den ganzen Tag nur schlafen, damit ich sowenig wie möglich mitkriege. Abends trinke ich, damit ich wenigstens ein paar ruhige Stunden am Tag habe, in denen ich nicht ober angespannt und doof in der Gegend rumlaufe.

Neulich ist mir ein Zitat besonders aufgefallen. Von Kurt Cobain: It´s better to burn out as to fade away. Mein ganzes Leben lang hab ich den Ausspruch unterschrieben. Ich kann brennen, ich kann mich sehr begeistern, ich kann fast schon mit manischer Freude etwas tun und viel investieren usw. Und es fühlt sich gut an, wenn ich so bin. Aber ich hätte nicht gedacht wie sehr es wehtut ausgebrannt zu sein.

Ich ertrag so wenig. Mich selbst auch kaum noch. Ich lenke mich dauernd ab, meistens funktioniert es. Aber irgendwie daddel ich doch nur rum. Ich hab Internet-Spiele für mich entdeckt und verbringe jetzt echt zuviel Zeit vorm PC. Aber was hab ich sonst? Ich hab nix, zumindest fühlt sich das so an. Im Moment schaffe ich es sogar mich dauernd mit meinen Mitmenschen zu streiten. Gut, die einzigen beiden Mitmenschen, die an mich rankommen: Steffi und mein Bruder Chris. Vom Rest kapsel ich mich ja ab. Wir waren ja neulich bei Ikea und ich wollte unsere neue Kommode aufbauen, bin aber ziemlich schnell an meine Grenzen gestossen. Zum einen bin ich eh überhaupt nicht handwerklich begab, zum zweiten hab ich mich unter Druck gesetzt "mal wieder der Mann im Hause zu sein". Ich kann sowas nicht so gut und ich hab manchmal das Gefühl, ich müsse Steffi was beweisen. In ihrer Familie sind die Männer die Handwerker. Ihr Vater ist Schweißer, ihr einer Bruder Elektriker, der andere KFZ-Mechaniker.

Ihr Vater und ihr Onkel haben ihr Elternhaus mit ihren eigenen Händen gebaut. Und ich kann sowas einfach nicht. Ich bin musisch veranlagt. Ich kann Schlagzeugspielen, ich kann malen, aber ich brauche leider doppelt solange ne simple Ikea Kommode zusammen zu bauen als andere. Zu meiner Schande muss ich sogar gestehen: Alle Lampen in unserer Wohnung hat mein Bruder angebracht, sämtliches Werkzeug in unserem Haushalt gehört Steffi. Ich bin schon massiv überfordert in der handhabung eines Akku-Schraubers. Naja, nachdem ich immer lauter fluchte beim Kommode zusammenschrauben, schickte Steffi irgendwann Chris zu mir, er solle mal gucken ob er mir helfen könnte. Natürlich hatte ich am anfang noch nen fatalen Fehler reingebaut, ein blöder Spruch von Chris (keinesfalls böse gemeint), Steffi lacht noch drüber und was passiert? Ich flipp entnervt total aus. 

Gut, sie haben mir beide schnell verziehen, aber es ärgert mich selbst so sehr. Übermorgen hab ich den Termin beim Therapeuten. Ich stell mir so nen Termin total anstrengend vor. Also emotional anstrengend, wenn man solange übber den Abgrund seiner Seele sprechen muss. Mal sehen. Aber es wäre toll, wenn ich in Stück weiter raus aus meinem Loch komme. Ich will nicht mehr so eine zerbröselte Persönlichkeit sein. Ich will wieder aufstehen können ohne mich zu fragen wann die nächste Panikattacke kommt oder was meine Psyche heute für doofe neue Symptome für mich auf Lager hat. Einfach nur aufstehen und Kaffeetrinken. 

Mittlerweile muss ich zugeben, bin ich zunehmen paranoid. Ich kann kaum einschlafen, weil ich dauernd denke, ich müsse bald sterben. Ich fühle nen kleinen Strich im Bein und denke sofort: Ich hab eine Thrombose. Ich denke es nicht nur, nein, ich weiss es. Ich habe eine Thrombose, und wenn ich aufstehe lockert sie sich, wandert in meine Lunge und ich muss sterben. Sobald ich irgendwo in meinem Körper ein Kribbeln fühle, checke ich sofort ob ich nen Schlaganfall hatte. Ich kontrolliere mehrmals täglich meinen Puls, ob ich Herzrhythmusstörungen hab. Ich weiss, dass es Schwachsinn ist. Ich bin jung, mein Körper ist gesund. Aber ich weiss nicht, was ich gegen die Angst machen soll. Sie ist dann da und auch sehr real. 

Gibts gegen sowas Tabletten? Ach, selbst wenn ich Tabletten nehme, krieg ich Angst vor nem anaphylaktischen Schock oder sonst was für schweren Nebenwirkungen. Aber es wäre doch super einfach eine Kapsel zu nehmen und alles wäre wie vorher. Eine glücklich-mach-Tablette und fertig. Ich könnte arbeiten, ich könnte Freunde treffen, ich könnte wieder auf die Sonnenseite des Lebens. 

27.03.2010 um 01:20 Uhr

Abwechslung

von: Ryan

Heute zur Abwechslung mal ein ganz anderer Tag. Ich lieg zwar schon im Bett, bin müde, warte auf meine Freundin, die auch mal so langsam kommen sollte, Laptop auf der Bettdecke ... und wollte nur mal eben sagen: heute war endlich, endlich mal ein ziemlich guter Tag. Überraschend gut.

Morgens aufgestanden, zum Arzt gedackelt wegen neuer Krankschreibung und bis dahin sah es noch gar nicht so gut aus. Aber irgendwie ... keine Ahnung, ich hab erstaunlich viel geschafft und fühle mich heute auch nicht annähernd so erschöpft wie sonst.

Ich hab einiges an Hausarbeit erledigt, unter anderen die Fenster geputzt - ja, man kann jetzt sogar rausgucken aus meiner Wohnung. Später dann bisschen Computer gedaddelt. Ich hab nen neues Online-Spiel entdeckt und hab es inbrünstig solange gespielt, bis ich den Rekord von meinem Bruder getoppt hab. Hat ne Weile gedauert, war aber ein Siegertänzchen wert.

Ja und sonst so hab ich beschlossen, dass ich mein Leben wieder etwas bereichern werde. Ich möchte unbedingt wieder ein Tier haben. Hund und Katze sind ausgeschlossen in unserer kleinen Wohnung, demenstprechend wird es wieder auf nen Nagetier hinauslaufen. Also war ich heute schon 3 Stunden unterwegs, hab mir Käfige angeschaut, 2 Bücher gekauft und hab ziemlich genaue Vorstellung von meinen kleinen, pelzigen neuen Mitbewohnern. Ratten sollen´s wieder sein. Ich war viele Jahre Rattenpapa, hatte es dann aber satt, als mir sämtliche Ratten ziemlich ehlendig gestorben sind. Am liebsten hätte ich sofort ne halbe Rattenkolonie in nem riesigen Käfig - aber Steffi sagt, zwei Tiere in nem mittleren Käfig reichen doch auch erstmal für den Anfang.

Ja mein Herz brennt wieder ein wenig. Fühlt sich gut an.

Und morgen ist Ikea geplant - mit großen Menschenmassen und Kaufhäusern hab ich zur Zeit ja so meine Probleme, aber ich bin recht zuversichtlich. Gute Nacht.

24.03.2010 um 22:17 Uhr

Nerv

von: Ryan

Ach eigentlich isses ganz gut. Ich hab keine Kopfschmerzen heute, es ist eigentlich ganz erträglich heute. Aber irgendwie dann doch nicht. Von "glücklich" bin ich noch weit entfernt. Halbwegs ruhig bin ich heute, dafür bin ich schon mal ganz dankbar.

Aber gut ist was anderes. Ich bin antriebsarm, ich bin manchmal schon froh, wenn ich im laufe des Vormittags aus dem Bett komme und duschen kann. Und dann daddel ich mich so durch den Tag und hoffe, dass er irgendwann vorbei ist, damit ist neuer und besseres Tag kommen kann. Es nervt mich alles so. Ich möchte soviel, aber entweder mir fehlt die Kraft, ich bin mal wieder totkrank oder mir fehlt der Antrieb. Ich versuche es und dauernd stosse ich an meine Grenzen. Und meine Grenzen sind leider echt schnell erreicht.

Es nervt!!

23.03.2010 um 18:35 Uhr

headache

von: Ryan

Meine Mandeln sind mittlerweile besser geworden, dafür meldet sich ein alter bekannter zurück: Migräne. Seit drei Tagen gehts jeden Abend los und ich brauch Schmerzmittel. Im Moment noch nicht in rauhen Mengen, aber trotzdem nervt mich das, dass ich jeden Tag irgendwas schlucken muss. Außerdem hat mir mein Hausarzt Penicillin aufgeschrieben, was ich jetzt ne ganze Weile nehmen muss, damit meine Mandeln bloß nicht auf die Idee kommen wieder Quatsch zu machen in nächster Zeit.

Ansonsten hat sich an der Therapiefront was getan. Ich hab jetzt nen Psychotherapeuten. Ich bin jetzt nicht der Mensch, der auf seiner Lebens-To-Do-Liste jemals ne Psychotherapie draufstehen hatte oder besonders gerne seine harte Kindheit breit latscht (noch dazu vor fremden Leuten), aber jetzt muss es wohl sein. Ich hab dem Kerl heute mal die Hand geschüttelt, meine Überweisung vorgezeigt und nächste Woche gehts richtig los. Soweit wieder Sonne am Horizont. Aber heute hab ich erstmal wieder Kopfschmerzen. Schlafen tue ich im Moment auch nicht so gut, ich liege nachts dauernd wach oder hab Panik oder kann wache nachts auf oder habe Alpträume. Seufz. Es nervt psychisch krank zu sein. Vor allem ist es sehr anstrengend und Anstrengung kann ich grade nicht gebrauchen. 

Meine Mama hat mich zum Therapeuten gefahren, sie sorgt sich sehr um mich. Ich dachte nicht, dass sie das alles so gut aufnimmt. Ich habs ihr auch ziemlich spät erzählt was los ist - wobei ich vermute dass mein Mitbewohner-Bruder vorher schon was erzählt haben muss. Meine Mama ist so nen Mensch, der sich immer viel durchgebissen hat, eine starke Frau. Sie hat 6 Kinder groß gezogen und nebenbei immer noch gearbeitet, Freundschaften gepflegt usw. So ne richtige Power-Frau eben. Und auch noch Krankenschwester - und das auch noch bei mir im Krankenhaus. Meine Mama hat uns beigebracht die Zähne auch mal zusammen zu beissen und sich zusammen zu reissen. Aber jetzt ist Mama richtig liebevoll und fürsorglich. Kein: "Jetzt reiss dich zusammen und sitz nicht nur zuhause" nein, meine Mama ist plötzlich sehr weich und ... ja, einfach liebevoll. Nicht, dass meine Mama nicht liebevoll sein kann, aber sie ist es nur selten. 

Und sonst so bin ich heute das erste Mal nen Abend alleine. Wird mir auch gut tun. Steffi arbeitet und mein Bruder hilft irgendwo bei nem Kumpel beim Renovieren. Ich hab mir grade schon ne Pizza bestellt. Pizza ist wirklich was sehr gutes. Abgenommen hab ich eh ziemlich viel in letzter Zeit. Im Moment ess ich nen Joghurt morgens, tagsüber nichts und abends nen kleinen Teller von was auch immer Chris oder Steffi kocht. Und die Mandelentzündung hat ihr übriges dazu getan, dass ich noch mehr Gewicht verloren hab.

Mittlerweile nervt es mich, dass ich hier nur rumjaulen kann. Aber wirklich erfreuliche Nachrichten gibt´s kaum in meinem Leben. Ich freu mich drauf, wenn ich wieder lustige Einträge schreiben kann, in denen ich mich über die tagtäglichen Anekdoten meiner Mitmenschen auslasse. Ich hoffe, die Zeit kommt bald wieder. Mein Therapeut wird es schon irgendwie richten.

20.03.2010 um 19:17 Uhr

Mandeln Teil 2

von: Ryan

Es ist richtig schlimm geworden, mit Fieber und allem drum und dran. Ich hab dauernd Temperaturen um die 38 bis 39 Grad, fühle mich natürlich demenstprechend krank. Ich schlafe den halben Tag und liege fast nur im Bett, wahlweise auf dem Sofa.

Und mein Hals bringt mich fast um. Ich hab so heftige Halsschmerzen. Ich nehm dauernd Schmerzmittel und mein Speiseplan besteht aus kalten Tee und Buttermilch.

Und dabei hatte ich mich eigentlich aufs Wochenende gefreut. Ich wollte mit Freunden ins Kino, wollte bei nem Umzug helfen und ne Menge Bier trinken. Das funktioniert ja jetzt gar nicht.

18.03.2010 um 20:55 Uhr

Ich hab Mandeln

von: Ryan

Ich bin müde, erschöpft und sehr reizbar - schon den ganzen Tag. Meine Freundin hat zur Zeit frei, ist dementsprechend immer zuhause und alleine dieser einzige Kontakt ist mir schon fast zuviel. Die Sonne hat heute geschien, wir hatten in unserer schönen Hansestadt 15 Grad, wundervoll. Alle Winterdepressionen sind wie weggeblasen - nur nicht meine.

Ich hab den halben Tag damit verbracht Psychiater rauszusuchen und die andere Hälfte alle mal abzutelefonieren. Aber ich bin nicht aggressiv genug. Ich frag immer freundlich, ob ich mit meiner Überweisung in der Praxis richtig sei und ob ich einen Tag haben könnte. Und dann kommt meistens: "Ja, aber wir sind grade recht voll, im Juli hätte ich was frei." Möööp - im Juli bringt mir das ja nichts. Dann hab ich meiner Freundin das Telefon übergeben und - flupp - hatte ich plötzlich nen Termin für den nächsten Monat (und zwar bei dem gleichen Psychiater, der mir erst nen Termin im Juli anhängen wollte). Aber es überwiegt der Frust. Eine Sprechstundenhilfe (unfreundliche Frau) verwiess mich gleich an ne akut Psychiatrie. Wenns mir schlecht gehen würde, müsste ich in ne Notaufnahme und mich aufnehmen lassen. Steffi dazu - von Beruf Krankenschwester in einer psychiatrischen Notaufnahme: "NEEEE, da willst du nicht hin. Vor allem willst du nicht mit dem Patientenklientel zusammen liegen. Da gehste kranker raus als rein!"

Und sonst so? Ich bin heute morgen aufgewacht und gleich: Halsschmerzen. Oh wie witzig. Wozu mach ich ne Immunkur?? Eine Woche nehm ich das Zeug schon und was passiert? Meine Mandeln sind so groß wie Wassermelonen. Diesmal sogar richtig schlimm, so dass ich kaum schlucken kann. Brötchen heute morgen ging gar nicht, statt dessen ernähre ich mich von Joghurt, Weissbrot und Suppe. Ich hab nen großen Topf Kartoffelcreme-Suppe alla Ryan gemacht (alle finden sie lecker, vor allem Steffi und ich) - davon ernähre ich mich die nächsten Tage. Ach ja und Eiscreme, viel Eiscreme. Ich hatte heute schon 3 mal Eis aufm Speiseplan. Das ist gar nicht mal so toll wie es sich anhört.

Mein Hausarzt sagte vor nem Jahr: "Jung, wenn die Mandeln sich weiter so häufig entzünden, dann müssen wir die mal wegmachen." Gut ... das war vor einem Jahr. Wie häufig hatte ich in der Zwischenzeit Mandeln? Ja ... nicht häufig ... nur alle 8 - 10 Wochen. Das ist leider häufig. Was macht der klever Jung? Einfach nicht zum Arzt gehen und mit Mandelentzündung arbeiten gehen. Ja ... nächste Woche muss ich eh mal zu meinem Dok und mit ihm wegen neuer Krankmeldung quatschen - und ihm nebenbei mal stecken, dass meine Mandeln dauernd Quatsch machen.

Und sonst so? Ich bin pampig, hab dolle Halsschmerzen und bin sauer auf Psychiater und außerdem läuft nix Gutes in der Glotze ...

17.03.2010 um 21:42 Uhr

Versagt

von: Ryan

Es ging nicht. Ich habs nicht geschafft. Nicht mal 24 Stunden hab ich es ausgehalten - im Urlaub, bei meinen Schwiegereltern. Ich wollte morgens schon gar nicht mit. Steffi sagt, ich muss mit, ich brauch Ablenkung. Es würde mir besser gehen, wenn wir an der Ostsee spazieren gehen. Sie hatte unrecht.

Es wurde wieder richtig schlimm. Herzklopfen, zittrige Hände, Angstattacken am laufenden Band, dauernde Erschöpfung, ich schlafe auf jeder noch so kurzen Autofahrt sofort ein. Und vor allem heulen. Ich hab dauernd geheult. Selbst beim Zähneputzen. Also sind wir wesentlich früher zurück, haben nicht mal die Hälfte der Leute gesehen, die wir sehen wollten. Es tut mir alles so leid, aber ich kann zur Zeit nicht anders. Selbst reden strängt mich an. Meine Stimme wird irgendwann sehr leise und ich bin kurz angebunden.

Ich muss morgen echt dringend den Psychiatern was vorheulen. Es geht so nicht weiter, es ist im Moment echt schlimm. Ich kann das nicht aushalten. Ich erinnere mich an einen ärztlichen Kollegen, ganz toller Mann, viel gearbeitet, ein ganz toller Mann fachlich, und auch menschlich. Immer da, viele Überstunden, durch Personalkürzung hat er viele Aufgaben übernommen, hat nie NEIN gesagt. Und eines Tages war er nicht mehr da. Krank geschrieben. Über ein Jahr lang. Burnout. Und dann Selbstmord. An den muss ich im Moment viel denken.

Steffi ist nicht böse. Sie sagt, es ist halt so. Und ich soll aufhören (und die Metapher finde ich sehr passend) am Topfboden rumzukratzen. Mein "Kraft"-Topf ist leer, aber ich versuche dennoch sehr verzweifelt noch irgendwie was rauszukriegen und kratze und kratze und kratze dauernd am Topfboden. Das Beispiel hab ich irgendwo schon mal gehört, scheint so ne Psychiatrie-Metapher zu sein.

Heute bin ich sehr müde, sehr erschöpft, ziemlich gebeutelt. Neurotisch werde ich auch langsam. Ich mache mir dauernd Gedankenn, was passiert wenn. Diese Worst-Case-Fälle. Wenn ich Monate-Jahrelang krank geschrieben bin, ohne Arbeit, ohne Freunde, pleite. Natürlich isses noch lange nicht so weit, aber es hilft mir sicher nicht, wenn ich dauernd diese Gedankenkreisel im Kopf hab. Irgendwas muss sich ändern, irgendwer muss mal was machen mit mir. Ich bin ja selbst zu erschöpft um 3 Tage Urlaub durchzuhalten.

15.03.2010 um 21:59 Uhr

Wir wollen Sommer, wir wollen Sommer, wir wollen Sommer ...

von: Ryan

Im Moment isses ganz gut. Ich fühl mich sogar fit morgens und versuch nen bisschen was zu schaffen in meinem Leben. Zum Abend hin werde ich dann immer etwas erschöpfter, aber dieser Zustand ist ja jetzt nix neues für mich. Ich bilde mir sogar ein, dass mir die Immunkur etwas hilft - auch wenn sie ziemlich teuer ist. Ängste überwiegen abends häufig. Ich sitz dann aufm Sofa und krieg plötzlich total unrealistische Ängste. Dass ich vielleicht bald sterben muss, weg bin, einfach ausgeschlöscht. Der Gedanke ist ziemlich unerträglich. Erst dann wird mir wieder bewusst wie unbedingt ich am leben bleiben will. Wie sehr ich mir wünsche meine Zukunft zu erleben, Steffi heiraten, Kinder bekommen, ein Haus abbezahlen, meinen Enkeln beim Spielen zugucken. Das alles will ich dringend noch erleben bevor ich sterbe.

Zweite Angst: Die nahe Zukunft. Ich weiss immer noch nicht genau wie es weitergehen soll. Ich glaube, mein Arbeitgeber ist schon recht nett bezüglich krankschreibung usw. Aber Monate lang kann ich das auch nicht bringen. Mal davon abgesehen, dass ich auf jeden Fall wieder versuchen werde zu arbeiten, solange bis es mir wieder so schlecht geht, dass ich nicht mehr kann. Und davor fürchte ich mich schon sehr, vor neuen Symptomen, vor inneren Zuständen, die ich kaum aushalte. Davor dass ich wieder tagelang nicht vom Sofa aufstehen kann, zu erschöpft um irgendwas zu machen außer nur da zuliegen, aber zu wach um zu schlafen.

Morgen gehts erstmal wieder in den Kurzurlaub, zu Steffis Eltern in den Osten. Eine ruhige sehr idyllische Stadt nahe der Ostsee. Viel Ruhe, mal was mit Steffis Freunden und Geschwistern unternehmen, von meiner zukünftigen Schwiegermutter bekocht werden. Und dann werde ich nochmal alles geben um irgendnen Psychiater in ganz Hamburg zu finden, der mich noch vor dem Sommer mal anhören möchte. Ja und mit meinem Arbeitgeber muss ich nochmal reden. Auch ein schwerer Schriitt. Ich glaube, eines der schlimmsten Dinge an einer psychischen Grippe isses, dass man dauernd irgendwelchen Leuten, zu denen man kaum Vertrauen hat, erklären muss, was innen drin bei einem los ist. Seelenstriptease dreimal die Woche.

Ich denke viel an meine Freunde, von denen ich genau weiss, dass sie chronisch psychisch krank sind. Einer meiner besten Freunde ist bipolar - oder besser gesagt: manisch-depressiv. Eine andere Freundin leidet an einer Borderline-Persönlichkeit. Erst jetzt kann ich halbwegs nachvollziehen, wie sie sich fühlen. Bei mir dauert der Zustand erst 2-3 Monate an, mal schlimmer aber irgendwie aushaltbar. Die beiden haben mit ihrem Kram Jahrelang zu kämpfen. Jahrzehnte lang sogar. Schlimm.

Was wünsche ich mir? Kraft, innere Stabilität, Freude, den Ansporn wieder was zu machen, keine Angst mehr, innere Ruhe. Und ein bisschen Sonne draussen. Jetzt mal ehrlich, ich bin überzeugt, dass der harte Winter ein Teil zu meiner Dekompensation beigetragen hat. Bei dem Wetter kriegt man auch nichts anderes als Depressionen. Schlechtes Wetter, Kälte, Dunkelheit - da kriegt mein Gehirn auch keine Glückshormone, wie auch. Letztes Jahr um diese Zeit waren Steffi und ich grade umgezogen. Ich weiss noch, dass ich beim Umzug nen Tshirt getragen hab. Nen paar Tage später war ich bei ner Freundin zum Geburtstag eingeladen, bin mit dem Fahrrad zu ihr gefahren und hab mich abends geärgert, weil ich keinen Pullover mitgenommen hatte und es abends dann doch kälter wurde als gedacht. Und heute, ein Jahr später ist es zu kalt für Sneakers, ich renn immer noch mit Mütze und Winterjacke durch die Gegend und wir müssen den ganzen Tag heizen. Mal davon abgesehen, dass bis heute morgen noch Schnee lag.

Ich wünsch mir so sehr den Sommer herbei. Von dem erhoffe ich mir nämlich viel. WM ist mal wieder, viel draussen sein, Stadtpark, Sonnenbaden, Schwimmen gehen - okay, ich geh echt kaum in Schwimmhallen, eher so nen "Wild-Schwimmer" in der dreckigen Elbe oder im Stadtparksee. Grillen aufm Balkon, Fussball gucken aufm Heiligengeistfeld und danach die halbe warme Sommernacht auf dem Kiez feiern. Nur noch barfuss laufen und wenns sein muss, dann eben mit Flipflops. Nur in Jeans und Tshirt durch den Stadtpark zur Arbeit radeln. Nicht mehr frierend dick eingemurmelt auf die U-Bahn warten. Meine Freundin in einem Kleid sehen. Ich hab das Gefühl die letzten warmen Sommertage sind Jahre her. Ich freu mich so sehr auf das erste kühle Bier im sonnigen Biergarten.

Donnerstag soll es endlich etwas wärmer werden. Ich glaube, 13 Grad hab ich gehört. Zumindest pack ich morgen meine Winterjacke ein UND meine Lederjacke/Übergangsjacke ein.

12.03.2010 um 23:12 Uhr

Heute

von: Ryan

Heute ist es wieder schlimm. Liegt sicherlich auch an der unerfreulichen Nachricht von gestern, um es mal weniger dramatisch auszudrücken.

Ich somatisiere heute wieder mehr. Einige Herzklopf-Attacken hatte ich heute auch schon - waren lange weg. Mir ist schwindelig, ich bin den ganzen Tag schon erschöpft ohne müde zu sein. Eigentlich warte ich nur dass der Tag endlich zuende geht. Ich kann mir heute kaum vorstellen in nächster Zeit wieder arbeiten zu können. Ich bin so furchtbar unbelastbar. Gut, im Moment ist ne doofe Zeit und ich muss mir wieder einige Tage geben, um das alles zu verdauen.

Zudem bin ich sehr frustriert wie gestern meine Termin-Suche lief. Ich seh grade kein Licht am Horizont. Aber morgen ist ein neuer Tag. Ziele für die nächsten Tage sind schon geplant. Morgen mit Freunden was trinken gehen - ich hoffe, dass mich das ablenkt. Nach dem Wochenende wieder Sport, ein paar Tage zu Steffis Eltern Urlaub machen. Und dann muss ich auch noch irgendwann mit meiner Geschäftsführung sprechen über alles was los ist. Auch ein schwerer Gang. Ich muss denen irgendwie deutlich machen, dass ich krank bin. Ein Kumpel sagte neulich sehr passend: "Jeden kann das treffen, grade in unserem Beruf. Eigentlich schrecklich, was wir alles aushalten müssen, und irgendwann macht das krank."

Heute bin ich sehr lathargisch. Ich hab die Wohnung noch nicht verlassen, die dringensten Hausarbeiten erledigt und lag viel zu viel auf der Couch. Nicht mal eine Minute hat die Sonne heute geschien - damit mein ich nicht nur das Wetter. Ich hab mich selbst vor ein paar Wochen auf Johanniskraut gesetzt. Ich hoffe, dass es mir hilft, genau weiss ich es nicht. Vielleicht wäre mein Seelenzustand auch wesentlich schlimmer ohne das Zeug. Und ne Immunkur mache ich. Die Apothekerin war sehr nett und hat in mir die Hoffnung geweckt, dass es mir nach ein paar Tagen Immunkur besser gehen könnte. Dass ich mich wenigsten fitter fühlen würde.

Ansonsten male ich viel. Ich geh duschen morgens, esse was, und dann male ich. Abendbrot, Fernsehen, schlafen. So sehen meine Tage aus. Beim malen bin ich wenigstens ruhig und die Zeit geht rum.

11.03.2010 um 22:38 Uhr

Die Welt dreht sich immer noch

von: Ryan

Und nun die Katastrophe. Es ist unglaubllich wie doof eine Situation laufen kann. Wenn man denkt, es geht kaum schlimmer, dann wird man vom Gegenteil überzeugt.

Nachdem ich heute vormittag bei ca. 40 Psychiatern angerufen habe, nur um zu erfahren, dass der erste freie Termin erst im Sommer ist, hatte ich schon wieder die Schnauze voll. Unzufriedenheit. Wie soll ich klar kommen in der Zwischenzeit? Meine Erkrankung ist im Frühstadium gut behandelbar - aber bis irgendwer mal Zeit für mich hat, bin ich nicht mehr im Frühstadium. Mal davon abgesehen, was in der Zwischenzeit sein soll. Ich werde versuchen zu arbeiten und wahrscheinlich dabei ein paar Mal scheitern und wieder ewig krank sein. Ich weiss grade nicht was ich machen soll.

Und dann nachmittags der Schlag. Ein sehr guter Freund von mir ist tot. Umgefallen, Reanimation erfolglos, gestorben. Tot. Weg. Kommt nie wieder. Ich bin tarurig, ich hab auch schon viel geweint, aber im Moment bin ich nur taub. Ganz taub und leer. Ich muss viel an ihn denken. Mir fällt auf, wie er auf meinem Sofa saß, wie wir in der Küche kurz nach dem Einzug in der Küche auf Umzugskisten gesessen haben und Bier getrunken haben. 

Meiner Freundin gehts fast noch schlechter, glaube ich. Sie schläft jetzt endlich, ich glaube ihr ist heute ihre Sterblichkeit oder besser: unser aller Sterblichkeit bewusst geworden. Jeder kann sterben zur jeder Zeit. Egal wie jung, egal wie beliebt, egal wie gesund, egal wie sehr man einen Menschen mag. Und die Welt dreht sich einfach weiter. Ich glaub durch meine Arbeit empfinde ich Sterblichkeit als präsenter als sie. Sie sagt, es sei vorher noch nie jemand gestorben, den sie kannte.

Ich bin sehr traurig. Ein Albtraum.

10.03.2010 um 22:43 Uhr

And it goes on and on and on ...

von: Ryan

Gestern war ein total toller Tag. Mein Bruder und mein bester Kumpel haben mich mitgenommen zum Squash - hatte ich vorher noch nie gespielt und obwohl sie mich ne halbe Stunde bearbeiten mussten, dass ich mitkam, hatte ich riesigen Spaß, konnte mich richtig auspowern und fühlte mich gut.

Kaum zuhause angekommen, riefen plötzlich 3 Leute auf einmal an und drückten sich ne Stunde später alle die Klinke in die Hand. Soviel Besuch an einem Tag hatte ich in den letzten 3 Monaten nicht mehr! Ich war von mir selbst ganz überrascht wie gut ich drauf war - wieder fast so wie immer. Dafür hab ich vergessen beim Psychiater anzurufen - das schieb ich seit Tagen vor mir her. Eigentlich sollte ich dringend anrufen, damit ich nicht noch länger als nötig auf nen Termin warten muss.

Und heute? Heute war grande Katastrophe. Heute ist mir schon wieder alles zuviel. Ich fühle mich unendlich müde, ich könnte im gehen einschlafen, fühle mich total aufgefressen. Selbst auf dem Sofa liegen und Fernsehen ist total anstrengend. Zudem hab ich vom Squash gestern den Muskelkater meines Lebens. Ich bin sehr unsportlich. Ich hab zwar Kondition und sehe jetzt auch nicht aus wie der Wackelpudding auf zwei Beinen, aber ich bin sehr untrainiert und eine Stunde beim Squash auspowern tut heute sehr weh. Besonders schlimm - ungelogen - isses in den Oberschenkeln. Grade wenn ich ne Weile gesessen hab und dann aufstehen will, könnte ich schreien. Und meine Muskeln sind super steif. Mein Bruder zieht mich deswegen schon den ganzen Tag auf.

Mein Lichtblick heute: Ich hab zwei Stunden ununterbrochen mit einem meiner besten Kumpels telefoniert. Ich bin echt sagen, ich hab tolle Freunde. Alle die bescheid wissen (und es werden immer mehr), reagieren besser als ich dachte. Ich hatte nicht mit so viel Verständnis gerechnet, ich bin  wirklich froh, dass ich so großartige Menschen meine Kumpels nennen darf. Dafür muss ich dankbar sein. Ich plane auch wieder mehr meine Freunde in mein Leben ein - eigentlich ganz wichtig, hatte ich aber die letzten Monate komplett vergessen. Ich hab wirklich nur gelebt und zu arbeiten.

Ansonsten hab ich mir gestern Abend nen bisschen Gedanken gemacht über mein Leben, beziehungsweise wohin ich will. Ich möchte es ändern und ich glaube, ich kriege langsam ne ungefähre Idee in welche Richtung es gehen soll. Erstmal Job reduzieren, ich werd meine Vollzeitstelle auf ne Teilzeitstelle runterschrauben. Und dann neue Dinge, vielleicht nen neuer Job, so alle 400 Euro Basis, mal was ganz anderes machen, andere Blickrichtung kriege. Vielleicht am Wochenende in ner Videothek arbeiten, ich glaube das könnte mir Spaß machen. Dann werde ich versuchen Dinge auszubauen, die ich gut und kann und mir Freude machen - also nen bisschen in die Selbstverwirklichungsecke. Ich sollte mehr schreiben. Ich hab schon mal überlegt nen Artikel für ne Zeitung oder ähnliches zu schreiben, nur mal so gucken ob das ankommt. Mehr als ne Absagen kann ja nicht kommen. Früher hab ich immer geträumt, dass ich mal nen Buch schreibe, aber dann hab ich irgendwie gemerkt, dass ich mit ner 50-80 Stunden Arbeitswoche garantiert keine Zeit für nen Buch haben werden.

Ich male auch wieder viel - hab ich auch ewig nicht mehr getan. Ich werd meinen anderen Bruder fragen, ob ich mal wieder mit in seinem Tattooladen arbeiten darf. Ich glaube, daran könnte ich ne Menge Spaß haben. Sport möchte ich gerne als festen Bestandteil einbauen - okay, heute möchte ich von Sport nix wissen, aber ich könnte mir da schon einiges vorstellen. Meine Kumpels sehnen schon dem Sommer entgegen, damit sie alle wieder Fussball im Stadtpark oder Volleyball spielen können. Normaler Weise liege ich dann mit den Mädels faul in der Sonne, aber das kann man ändern. Und meine Freunde müssen dringend wieder mehr Platz in meinem Leben finden.

Ziel für morgen: Aufstehen und Psychiater anrufen.

08.03.2010 um 02:21 Uhr

How are you

von: Ryan

Oh man, soviel passiert grade in meinem Leben und ich schreib hier kaum etwas darüber. Das nervt mich selber. Ich würde gerne nachlesen wie es Tag für Tag so ist oder was sich verändert. Aber ich bin lethargisch, meistens. Lustlos, erschöpft - ja erschöpft, sehr sogar.

Am schlimmsten wurde es nachdem ich wieder versuchte ein paar Tage zu arbeiten. Ich bin ja schon ewig krank geschrieben - es kotzt mich an - eigentlich dachte ich, eine Woche würde mir gut tun, würde mich regenerieren, ich könnte mal richtig ausspannen und wäre dann fit für alles was danach kommen würde. Nee ... leider nicht. Kaum wieder bei der Arbeit, wurde es wieder sehr schlimm. Ich fühlte mich schon nach der ersten Schicht als hätte ich nie frei gehabt. Dieser Erschöpfungszustand ist eines der schlimmsten Symptome. Ich konnte es mir vorher kaum vorstellen - jetzt weiss ich es aus eigener Erfahrung um so besser. Normaler Weise fühlt man sich nach 8 Stunden Schlaf erholt und fit, gut ich bin ein Morgenmuffel. Meine Fittness setzt erst nach ner Stunde wachsein und ner Tasse Kaffee ein. Aber so war es in letzter Zeit gar nicht. Ich schlafe nicht um mich zu erholen. Ich bin nicht erholt wenn ich aufwache. Ich fühle mich morgens, noch Stunden nach dem Aufstehen, wie gerädert. Ich hab das Gefühl, ich leg mich nur schlafen um meinen Verstand ein paar Stunden auszuknippsen und etwas Zeit tot zu schlagen. Ich will nicht abstreiten, dass ich im Moment eigentlich sehr fest und gut schlafe - auch keine Selbstverständlichkeit für mich - aber ich bin nicht erholt, wenn ich morgens aufstehe.

Im Moment ist es schlimm. Ich hasse es krankgeschrieben zu sein. Ich verdiene mir gerne, was ich hab. Ich bin auch gerne beschäftigt. Ich mag meinen Job und ich mag den Kontakt zu den Patienten, ich liebe es Dinge zu können, die "Normalsterbliche" nicht können, zum Beispiel Spritzen setzen, komplizierte Verbände machen, ich weiss soviel über eine Menge Medikamente. Ich bin sogar stolz drauf so ein fitter Krankenpfleger zu sein. Aber ich glaube, genau das hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Ich hab nicht gut auf mich aufgepasst. Ich sehe mich selbst nicht mehr als ICH, sondern nur noch als der Krankenpfleger. ICH bin nichts besonderes, aber der Krankenpfleger ist sinnvoll und nützlich. Ich hole mich meine Selbstbestättigung über meine Arbeit.

Ich versuche immer zu den Kolleginnen zuzuarbeiten. Meine Freundin sagte mal: "Du darfst nicht immer soviel machen, es hört sich oft so an als ob deine Kollegen ihre Arbeit von 100% auf 70% runterfahren um sich zu schützen, und du versuchst das Defizit aufzuarbeiten." Und genau das isses. Wir haben extrem viel Stress, viel Arbeit, wir müssen viele Aufgaben übernehmen, die in anderen Kliniken von stationsexternen Personal übernommen werden. Und je mehr meine Kollegen runtergefahren haben, desto mehr hab ich versucht aufzuarbeiten. Ich komme oft nach Hause nach der Schicht und beschwere mich, dass niemand außer mir sich für die Lagerbestellung zuständig fühlt. Dass nur ich das medizinische Lager aufräumt und organisiert, dass nur ich den Rea-Wagen kontrolliert, dass nur ich die Kurzinfusionen anmischt und anhängt. Nur ich. Niemand anderes. Woran liegt das? Ich glaube, ich gebe meinen Kollegen zu sowas keine Chance. Es läuft ja auch ohne mich. Ich bin krank, seit Wochen, der Betrieb läuft weiter. Nix ist zusammengebrochen, ich bin entbehrbar. Es läuft - ohne mich. Meine Kollegen freuen sich immer, wenn sie mit mir Dienst haben, weil ganz oft so nen Satz kommt wie: "Wir müssen noch dringend das und jenes bis zum Abendbrot machen" Und ich sag dann oft: "Ist schon fertig" Eine Kollegin sagte vor einiger Zeit: "Wenn ich mit Ryan Dienst hab, sind immer die Heinzelmännchen da, irgendwie ist alles schon fertig, wenn ich anfangen will." Aber jetzt hat das Heinzelmännchen nen Burn-Out.

Ich unterteile im Moment die Tage in "Gute Tage", "mittelmäßige Tage" und "schlechte Tage". Die schlechten Tagen werden im Moment weniger, in denen ich nix schaffe, nur lethargisch auf dem Sofa liege und mich zu schwach zum atmen fühle. Diese Tage sind schrecklich. Entweder ich habe Herzattacken am laufenden Band, heule ununterbrochen oder habe alle 10 Minuten einen Angstanfall oder bin einfach nur unerträglich unruhig innerlich. Kaum auszuhalten. An guten Tagen fühle ich mich wie ich mich sonst fühle. Ruhig, ich bin ich. Ich bin belastbar, ich kann Anrufe tätigen, alles in Ordnung. Und die mittelmäßigen Tagen sind irgendwas dazwischen.

Jeden Morgen stehe ich auf und frag mich, was für ein Tag das wird. Ich bin meistens unruhig morgens und muss irgendwas tun und abwarten. In der Zeit mach ich im Moment immer nen bisschen Hausarbeit, putzen, Wäschewaschen, durchwischen, irgendwas und später merk ich dann wie es heute ist. Letzte Woche hatte ich viele schlechte Tage. Im Moment sind es wieder mehr mittelmäßige, heute war sogar ein guter. Meine engsten Freunde und meine Brüder wissen bescheid und versuchen mich zwar nicht zu bedrängen aber mit mir "Gassi zu gehen". Meine Freundin sagte, ich müsse wenigstens einmal am Tag vor die Tür und ich glaub, die haben heimlich hinter meinem Rücken ne Liste wer wann für mich zuständig ist. Heute kam zum Beispiel ganz überraschend mein bester Freund vorbei, wir haben ne Stunde gequatscht und später waren wir zusammen mit meinem Bruder-Schrägstrich-Mitbewohner sogar in der Innenstadt noch nen Bier trinken - ich hätte es gestern zum Beispiel nicht bis in die Innenstadt geschafft. Ich finde das ist ein Fortschritt mit meinen Panikattacken U-Bahn zu fahren. Und danach war ich noch mit meinem Bruder nen Steak essen im Block House. Das ist ein erfolgreicher Tag, ziemlich gut sogar, weil ich im Moment extrem unbelastbar bin - aber es hat mir echt gut getan, dass die beiden mich hochgepeitscht haben. Für nächste Woche ist Sport angesagt. Wir haben Termine für Volleyball und Squash.

Was mir im Moment nicht so gefällt, ist meine Freundin. Ich bin sehr froh, dass ich sie in meiner tief depremierten Phase mit 3 Tage Non-stop Heulen nicht vergrault hab und sie sich nicht getrennt hat. Ich bin auch sehr sicher, dass sie bei mir bleibt, egal was bei mir psychisch noch abgeht. Sie ist da und begleitet mich auf meinem schweren Weg zurück ins Normalsein. Sie fragt auch, wie es mir geht, was ich heute geschafft hab und so weiter. Das ist alles toll und ich glaube mehr sollte ich nicht erwarten. Trotzdem gibt es Leute, die irgendwie grade mehr für mich tun, als sie. Ich bin profitiere von ihr nicht. Von ihr kommt nur häufig der Satz: "Ich weiss nicht was ich tun kann." Ich weiss es erst recht nicht. Sie versucht mich zwar auch raus an die frische Luft zu schicken, ist aber nicht halb so durchsetzungsfähig wie mein Bruder. Bei ihr brauch ich zweimal jaulen: "Ich glaub, ich krieg ne Blase!"und schon kehren wir um. Mein Bruder erwidert nur: "Hör auf zu jaulen!" und geht eiskalt weiter. Ich brauche Arschtritte und von ihr kriege ich sie grad nicht. Und mich bringt es auch nicht weiter, wenn ich von ihr höre, wie hilflos sie sich fühlt. Sie hat bestimmt schon zwei duzendmal gesagt, dass sie nicht weiss wie sie mir helfen soll. Nur dieser Satz kommt. Nur ein Statement wie es ihr geht. Das nervt mich. Hab ich ihr auch neulich ziemlich schroff gesagt. Sie wirkt überfordert mit mir, aber sie bleibt bei mir. Sie arbeitet viel, ist dementsprechend mit Fahrtwegen schon 10 Stunden am Tag weg, und sie hat seit diesem Monat noch nen Nebenjob auf 400 Euro Basis in nem Pflegedienst, den sie dann noch an ihren freien Tagen macht. Das heisst wir sehen uns selten und verbringen dementsprechend kaum noch effektiv Zeit miteinander. Und wenn sie dann mal nen Abend Zeit hat, muss sie mit irgendner Freundin noch zum Aerobic. Ich hab ihr aber auch schon gesagt, dass ich mir ein wenig Zeit für uns zwei wünsche und sie hat es auch verstanden, irgendwie hat sie mit zwei Jobs, Aerobic 4 mal die Woche und Freunde treffen sehr wenig Zeit für mich.

Wie füll ich meine Tage? Ich male sehr viel, Malen nach Zahlen, hab ich schon als Kind gerne gemacht. Diese riesigen Bilder mit 3 Millionen kleiner Felder. Da bin ich wenigstens beschäftigt. Abends dann nen Film oder ne DvD, wahlweise alleine, mit meinem Bruder meistens oder mit Steffi, je nachdem wer dann da ist.

04.03.2010 um 21:54 Uhr

Depression Deluxe

von: Ryan

Musik: Fernsehen "Herr der Ringe"

Es ist soweit. Ich wusste oder besser: ahnte dass es eines Tages mal so kommen könnte, aber ich dachte nicht, dass es mich mit solch harter Breitseite treffen würde. Meine Psyche ist gekippt. Jeden Morgen wenn ich aufwache, denke ich mir: Willkommen in deiner persönlichen Depression.

Es wurde irgendwann schlimm, vor allem wenn ich wie immer viel und hart gearbeitet hab. Mittlerweile kann ich nicht mehr arbeiten. Meine Chefin und ich dachten 2 Wochen frei würden schon alles irgendwie richten. Kaum 5 Schichten später ging es mir schlimmer als vor meinem Zwangsurlaub. 10.000 Symptome aber noch keine Diagnose. Meine Überweisung zum Psychiater hab ich schon. Ich hab gehofft, dass ich sie nie brauchen werde.

Arbeiten kann ich nicht. Es geht überhaupt nicht. Ich kann nichts mehr. Am Anfang war mir nur elend und ich war müde als habe ich tagelang nicht geschlafen. Ich bin kaum noch belastbar, ich ertrage nur noch wenig, drehe sofort am Rad wenn ich etwas Belastung erfahre. Ich bin wahnsinnig dünnhäutig und gereizt, permanent. Vor einigen Tagen war es heftig mit Heulen und Traurigkeit. Ich bin morgens beim Zähneputzen in Tränen ausgebrochen und hab erst abends beim einschlafen wieder aufgehört. Ich kann mich über gar nichts freuen. Alles was mir Spaß macht, kostet mich nur noch Mühe und Kraft. Ich weiss die meiste Zeit des Tages nicht wohin mit mir, stehe mir aber gleichzeitig  nur im Weg, kann aber auch nichts anfangen ohne gleich total erschöpft zu sein.

Ich dachte, das wäre kaum noch aushaltbar, aber in den letzten Tagen hab ich neue Gefühlszustände kennengelernt, die weitschlimmer für mich sind: Ich bin unruhig, also innerlich. Unwahrscheinlich unruhig. Ich laufe rum, weiss aber nicht wohin, ich versuche lange Spaziergänge zu machen - meistens um den Häuserblock, damit ich notfalls schnell nach Hause kann, wenn meine Stimmung kippt. Und ANGST. Ich kannte das nicht, aber mittlerweile bin ich mir sicher: Ich hab Angstattacken. Ich bin eigentlich kein Mensch für ne Angststörung (naja laut Google schon), aber ich hatte sowas noch nie. Gut, meine kleine Höheangst und als Kind hatte ich Angst vor Hunden. Aber im Moment liege ich aufm Sofa und habe Angst - im Bauch und unbegründet von irgendwoher. Ich weiss genau, es ist nichts da wovor ich Angst haben bräuchte, übberhaupt kein Grund weit und breit aber dennoch flammt sie plötzlich hoch und ich möchte dann nur raus aus meinem eigenen Körper.

Wie sagte Sarah Kuttner? Eine Depression ist ein "Fucking Event", nur leider kann man die Karten nicht so einfach bei eBay verkaufen. Ich könnte gut auf diese Erfahrung verzichten. Ich verstehe mich selbst nicht mehr. Ich fühle Dinge, die ich noch nie gefühlt hab. Und das Schlimmste: ich bin nicht ich. Ich bin nicht so wie ich jetzt bin. Ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst. Die dunkle Version von mir. Die 5% Melancholie, die mich ausgemacht haben, rebellieren grade und haben die Herrschaft über den Rest meines Körpers übernommen.

Natürlich hab ich mich schon schlau gemacht im Internet was da biochemisch bei mir abgeht: Durch den langen Stress hat sich Cortisol an meinem Gehirnsynapsen angelagert, wo sonst Serotonin liegen soll. Zur Erklärung: Adrenalin ist ein kurzzeitiges Stresshormon, bei langanhaltenden Stress wird Cortisol ausgeschüttet. Serotonin ist das Glückshormon, das für Freude sorgt - wird unter anderen beim Lachen freigesetzt. Aber meine Serotonin-Vorräte sind komplett leer, so fühlt es sich zumindest an. Bewegung soll das Cortisol abbauen, dementsprechend mache ich lange Spaziergänge - ich gebe mir wirklich viel Mühe um meinen Seelenzustand zu verändern, aber sobald ein Symptom sich bessert, kommt eine anderes hinzu.

Mittlerweile dauert mein Zustand schon so lange an, dass ich weiss, dass ich es nicht alleine schaffe. Dementsprechend jetzt auch meine Überweisung zum Psychiater. Der soll mich wieder heile machen. Meine Freundin hat ihr Vermutung schon laut ausgesprochen (sie arbeitet ja auf ner Akutpsychiatrie): Burn-out-Syndrom. Meine Symptome geben mir zwangsläufig die Auszeit, die ich brauche und mir sonst nicht geben würde. Die Symptome sind "Freunde" - hab ich neulich gelesen - die mich dran erinnern sollen, dass ich überlastet bin. Es fällt mir nur leider schwer, sie als "Freunde" zu betrachten, wo sie mir doch grade die Hölle auf Erden bereiten.

Welcome to the Dark Side of the Moon. Jetzt hab ich auch offiziell ne Macke ...