Boys don´t cry

25.06.2010 um 22:48 Uhr

Resume: Festival-Wochenende

von: Ryan

Nur ein kurzer Beitrag: Festival war wirklich toll. Trinken, gute Musik, 4 Tage unter freiem Himmel. Freiheit pur. Ein bisschen wie Woodstock. Alle sind nett, egal wen du ansprichst, alle sind nett, entspannt, aufgeschlossen, freundlich und immer bereit nen Bier mitzutrinken. Das Wetter hätte besser sein können - aber auch wesentlich schlechter. Also kein Grund zu meckern.

Ich hatte nur vergessen wie unendlich schmutzig es ist. Wenn du grade mal 10 Minuten über den Acker gelaufen bist, kannste deine Schuhe wegschmeissen. Egal bei welchem Wetter. Wenn´s trocken ist, staubt es ohne ende - wenn es nass ist, läufst du durch Matsch. Aber das war mir selbst nüchtern ziemlich egal. Und ich hab den Komfort eines Badezimmers wieder schätzen gelernt. Einfach mal im Nebenraum die Hände waschen - aufm Festival ein Unding oder ein Ding, was dich mindestens ne viertel Stunde deines Lebens kostet, bis du mal endlich irgendwo bist wo es auch fliessend Wasser gibt, Seife musst du selbst dabei haben und Hände abtrocknen musste an der Hose ... und komischer Weise muss ich nachts nie auf´s Klo - außer ich lieg in nem Zelt und die Dixies sind 10 Minuten Fussmarsch entfernt. Ist ja klar ... 

Aber die Stimmung war großartig. Meine Brüder waren ja dabei, meine Nichte (anfang 20) durfte ja angeblich nur mit, weil der Papa ja aufpasst. Ihr Kommentar dazu: "Pffff!!!" Und sehr spannend dabei: Sie meistens nüchtern, ähnlich wie ich nur 2-3 Dosen Bier auf 24 Stunden ... ihr Vater dagegen dauernd hackestramm. Mein Bruder Lukas und mein Bruder Chris teilten sich ein Zelt, haben sich gegenseitig wachgemacht sobald der erste wach war und aufm Weg zur Dusche morgens um 7 das erste Bier auf die Hand. Und zum Frühstück ein zweites und nachm Frühstück ein drittes ... das ging meistens solange bis die beiden sich mittags gegen 16.00 dringend mal "hinlegen" mussten oder pünktlich zum Mittagessen kotzen mussten. 

Auch sehr witzig: Was man da so sieht, ist besser als Fernsehen. Alle betrunken, sehr witziges Outfits darunter - ich ann mich zum Beispiel an einen erinnern, der die ganze Zeit im Ernie&Bert-Erwachsenen-Strampler durch die Gegend lief. Oder wiederrum ein anderer, der wirklich 4 Tage am Stück nen Anzug mit Krawatte trug. Solche Leute stechen natürlich raus unter 70.000 Besucher. Und weil´s bei uns im Zeltlager so witzig war, hab ich total viele Bands verpasst. Dann trinkt man doch nochmal nen Bier mit und lacht sich schlapp, und schwupp ist die Zeit wie im Flug vergangen. 

Ich hab zig-tausend kleine Geschichten im Kopf, die super witzig waren - aber die ich sicherlich nicht gut nacherzählen kann - Situationskomik eben. All meinen Freunden, denen ich davon erzählt hab, haben grade mal müde geschmunzelt über ne Anekdote, über die Chris, Steffi und ich jetzt noch brüllen vor lachen - weil wir dabei waren. 

Zum Beispiel (ich versuch´s jetzt einfach mal), Nacht von Freitag auf Samstag. Wir sitzen im Zeltlager, trinken, es ist ungefähr 2-3 Uhr nachts. Keiner hat ne Uhr um, mein Bruder taummelt zu unseren Zeltnachbarn, ein Mann kommt ihm entgegen und Chris lallt: "Wie spät ist es?!" - Und der Typ lallt wie aus der Pistole geschossen: "Samstag!" Nicht so witzig, wenn man es erzählt - hätten wir es aber gefilmt und auf YouTube gestellt, hätte es schon die halbe Welt gesehen und drüber gelacht. Oder ne andere Geschichte, die auch sehr nett war: Mein Bruder Lukas hat zwar Jura studiert, aber davon merkste aufm Festival rein gar nichts. Auch so ein Phänomen: Die Leute sind ganz anders als im wahren Leben. Lukas zum Beispiel: abgefüllt ohne Ende, hat sich 5 Tage nicht rasiert, in 4 Tagen nur ein einziges Mal geduscht (und auch nur sehr kurz), hatte 4 Tage die gleiche eklige stinkende Hose an, schmutzige Fingernägel als hätte er nen Friedhof alleine umgegraben, ihm lief beim Essen der Fleischsaft aus den Mundwinkeln und liess jeglichen Müll dort fallen wo er grade stand oder lag ... und Montag morgen ist alles vorbei, er duscht, rasiert sich, zieht seinen Anzug an, bindet seine Krawatte und ist wieder Anwalt von Beruf. Nur das Festival-Bändchen an seinem Handgelenk erinnert an das verlotterte Wochenende. Das ganze Festival ist eine Ansammlung von Musik-Fans, die einfach mal 3-4 Tage die Sau rauslassen und frei sind. 

Ich hatte auch Spaß. Ich fühlte mich seit langem endlich mal wieder frei und pudelwohl, obwohl ich wirklich wenig getrunken hab. Ich hatte wirklich Angst, dass ich ne geile Band verpasse, nur weil ich betrunken irgendwo eingeschlafen bin. Das wollte ich nicht. Ich bin auch nicht ganz so hardcore drauf, Körperhygiene war mir schon wichtig, ich bin auch einer der wenigen, die wirklich jeden Tag duschen gegangen sind und sogar Haarspray dabei hatten.

Was mich auch sehr beeindruckt hat, war wie schlecht wir Deutschen Englisch sprechen. Ich sprech je verhältnismässig gut Englisch, nachdem ich mal nen Austauschjahr in Amerika hinter mich gebracht hab und nen amerikanischen Vater hab, der kaum Deutsch spricht. Ich hatte mich gleich Freitag mit nem Mädel angefreundet, die in Deutschland ein Semester studiert, gebührtig aus Großbritannien und von ihrem Freunden gleich mal aufs Festival mitgeschleppt wurde. Ein paar deutsche Worte kannte sie, aber sobald 2 Sätze auf Deutsch fielen, kam sie nicht mehr mit. Sehr hübsch war sie im übrigen auch - aber da Steffi weder eifersüchtig noch beunruhigt war, weil ich soviel Zeit mit ihr verbracht hab, war ich es auch nicht. Ich fand´s sogar richtig schön, endlich mal wieder mich auf englisch unterhalten zu können. Steffi nur so nen bisschen bratzig (bzw. mir kam das so bratzig vor): "Ich hätte ja nicht gedacht, dass du so gut englisch sprichst" Ach ... ich hab 1 Jahr in Kalifornien gelebt, ich hab mich da nicht nur mit Handzeichen verständig gemacht. Aber nochmal zu den Deutschen: Alle Englisch-Unterricht ab der 5. Klasse aber so Sätze raushauen wie: "You have to drink more drunk." What? Das hab selbst ich nicht verstanden. Oder: "Do you like was du in Deutschland schon gesehen?" Tolles Phänomen: Die ersten Worte in Englisch anfangen und dann erwarten, dass auch der Rest verstanden wird.

Aber was auch schön ist: wieder nach Hause kommen, raus aus den dreckigen Klamotten, duschen und dann ins kuschelige Bett mit einer richtigen Matratze. Endlich wieder Stille um einen herum (erst zuhause im Bett merkte ich dass ich nen Tinitus hatte). Richtiges Essen, nicht nur Grillfleisch und Bier, saubere Kleidung, ein Badezimmer in der Nähe, nicht mehr schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Aber es war schön. Chris fragt schon dauernd, ob er schon mal Karten für 2011 bestellen soll.

16.06.2010 um 01:09 Uhr

Let´s get ready to rock!!

von: Ryan

Countdown beginnt. Zuerst: Im Moment geht´s so. Den Tag über bin ich gut drauf, schaffe einiges, hab Bewerbungen losgeschickt, mache den Haushalt und kann mic gut beschäftigen. Aber Nachts isses schlimm. Kaum liege ich im Bett, beginnt das Gedankenkarussel und ich kriege Herzrasen, Angst und den ganzen Kram. Ich mache dann immer Licht an, wenn die Panik zu groß wird und versuch mich mit Lesen abzulenken, solange bis mir vor Erschöpfung das Buch aus der Hand fällt so um 5 Uhr morgens. Und dementsprechend gerädert bin ich den Tag über. Mein Therapeut sagt dauernd unsere Dates ab - wahrscheinlich gönnt der sich grade etwas Urlaub.

Ja, und jetzt steht das WE an, auf das wir uns alle hier seit einem Jahr lang freuen. Das Hurricane Festival. Ein großes Festival mit Rock, Alternative Musik, und vielen coolen Leuten, die ich alle noch nicht kenne. Gezeltet wird tagelang auf nem Acker, Grillwurst und Bier zum Frühstück und zum Abend die Beatsteaks und die Strokes - und wieder viel Bier. Wir haben uns alle frei gewünscht und zeitig da sein zu können und die besten Zeltplätze zu besetzen. 

Letztes Jahr kam keiner, den ich wirklich kannte - Steffi und ich sind trotzdem gefahren und haben uns ziemlich schnell mit ner Gruppe junger Leute aus unserem Stadtteil angefreundet. Dieses Jahr kommen einige mehr mit, die wir kennen. Mein Bruder Chris - oleee oleee - weil ich den ja sonst auch immer sehe. Wenigstens hat er sein eigenes Zelt - er hat auch heute nachmittag mit seiner 3 Jährigen Tochter im Gemeinschafts-Vorgarten beide Zelte aufgebaut um zu schauen, wie viel die Motten im Keller schon zerstört haben. Schöne Tochter-Vater-Beschäftigung. Meine Nichte kam aufgebracht und nach Luft jappsend hoch in die Wohnung: "Ryan, Ryan, Ryan!! Wir haben ein Haus gebaut! Ein Zelt-Haus! Kann ich darin wohnen?" - "Nee, Schätzchen, es reicht, wenn ich das ganze Wochenende darin schlafen muss."

Ja Steffi, Chris und ich. Und mein ältester Bruder mit seiner Tochter - er 36 Jahre alt, seine Tochter 20 (haha, das war nen Theater als er meiner Mama beibringen musste, dass er mit 16 Vater wird) - er ist der Meinung, es sei jetzt Zeit, dass seine Tochter auch mal aufs Festival darf (vor 2 Jahren ist sie heimlich gefahren, das weiss er aber nicht) - also wird sie im Schatten ihres fürsorglichen Vaters die große wilde Welt der Festivals kennenlernen - zumindest in den Augen meines Bruders. 

Ach ja, und meine Nichte will ich gleich schon verkuppeln. Nämlich mit dem Bruder meiner Freundin. Mein Schwager ist 22 und er ist super schüchtern - außer er hat 6 Bier getrunken. Und er ist nen echt netter Kerl und ich glaube, die beiden würden gut zueinander passen - wenn sie sich mögen. Das weiss man ja noch nicht. Aber ich bin gespannt.

Das Wetter soll bis auf kleine Niederschläge am Samstag gut werden - ich studiere die Wettervorhersage seit Tagen. Temperatur zwischen 18 und 20 Grad tagsüber. Großartig. Hoffentlich wird´s nachts nicht zu kalt - davor hab ich am meisten Angst, dass ich nachts ohne Lagerfeuer (verboten) frieren werde. Um alles andere mache ich mir eigentlich keine Sorgen.

Auf jeden Fall freue ich mich sehr. Wenn ich dort bin, kommt es mir immer wie der Himmel auf Erden vor. Nur gute Musik um mich herum, ich bin frei, alle sind locker um mich herum, wollen Spaß. Spätestens wenn ich vor der Bühne stehe und mir die erste Band ansehe, breche ich immer in Euphorie aus und bin so überglücklich dort zu sein. Auch wenn man beschissen auf der Isomatte schläft, jeden Morgen verkatert aufsteht, sich mit Dauerübelkeit rumschlägt, sich in Gemeinschaftsduschen den Dreck ankratzt, die Haare aussehen wie wild, weil man keinen Fön in der Nähe hat. Eeeegaaaal - vier Tage Kopfbedeckung oder Kopftuch und es geht weiter.

Wir sind dieses Jahr richtig viele, und alle wollen bei uns wohnen - so kleine Zeltstadt werden wir aufbauen. Zum einen bringt mein Bruder Lukas einige auserwählte Kumpels mit - und seine Tochter ebenfalls - Chris hat da auch was mit 5 Kumpels organisiert, die kommen wollen - und Steffis Bruder kommt auch mit Freunden. Und alle wollen um unser Zelt rum wohnen. Ich glaube das wird ziemlich cool, wenn wir dann in den Bandpausen mit 20 Leuten um den Grill rumsitzen. 

Aber schlimm ist der Tag DANACH: Selbst wenn es bewölkt war das ganze WE, kommste mit Sonnenbrand nach Hause. Je mehr die Sonne schien, um so schlimmer wirft deine Haut Blasen. Ich schlaf dann meistens so 24-36 Stunden am Stück, weil man beim Festival selbst nicht merkt, wie anstrengend alles ist. Ich fall ins Bett und bin dann komatös. Und letztes Mal war mir super übel noch 3 Tage später. Ich hatte Sonntag morgen mit unseren Zeltnachbarn so 3 Bier (0,5l) vorm Frühstück getrunken, und danach nochmal 3. Und dann war mir schlecht. Ein Liter Wasser, ne große Käsebretzel und nen Red Bull später ging es mir wieder gut - aber als wir nachts in unsere Wohnung kamen, hab ich mich nur noch übergeben - und erst 3 Tage später damit aufgehört. Was lernen wir daraus? Magentabletten mitnehmen diesmal!

Heute haben wir den Nahrungseinkauf gemeistert: 10 Dosen Raviolie und Dosen Suppen. Chips, Toastbrot, Süßkram. Ich musste erstmal ausführlich bei der Kassiererin sagen: "So ernähren wir uns normaler Weise nicht! Wir essen frisch und gesund, nicht aus der Dose! Aber wir wollen auf nen Festival!" Gestern waren Chris und ich im Baumarkt, und haben so Sachen wie Zeltheringe, eine Wäscheleine und Regencapes gekauft. Morgen geht´s ans Packen - und alles einkaufen was uns noch auffällt, was wir noch nicht haben, wenn wir dann eben packen.

Oleee, ich freu mich aufs Festival. Donnerstag nachmittag: Anreise und Zeltplatz besetzen. Donnerstag Abend: Trinken und kennenlernen. Freitag mittag: WM gucken - und dann gehts los mit den Bands. Und dazwischen Grillen, trinken, schlafen, Musik hören, grillen, schlafen, Musik hören und wieder Musik hören. 

03.06.2010 um 02:40 Uhr

totgeglaubte Sehnsucht

von: Ryan

Ich muss mehr in mich rein fühlen. Aber das ist schwer, oder besser: Unangenehm. Sehr sogar. Was ist da? Angst, Unruhe, Zweifel. Und Unzufriedenheit. Wieso ist das so? Ich weiss es nicht. Ich kann schon wieder nicht schlafen, obwohl ich nen stressigen und erlebnisreichen Tag hatte. Aber irgendwas arbeitet - irgendwo hinter meinen Augen arbeitet es, die ganze Zeit.

Die Azubine ist schon gar nicht mehr so oft in meinem Kopf. Das ist gut, sehr gut sogar. Meine Wohnung alias Unterschlupf für alle, ist ruhig. Alle haben mal wieder Dates oder sind arbeiten. Und was ist los? Ich denk schon wieder nach. Ne Freundin von mir, mit der ich mich heute getroffen hab, sagte, wir müssen uns zur WM treffen. Mit Freunden. Leute, die ich kenne und mag. Und darunter auch eine Freundin, die ich sehr, sehr mag. Fast schon zu sehr. Und schwupp: Azubine weg und Freundin da. Also in meinem Kopf. 

Vielleicht muss ich die Freundin kurz beschreiben. Zuerst ne Kollegin. Eine, die ich sehr mochte während der Ausbildung. Meine Mentorin auf ner ruhigen Station, also haben wir wirklich viel zusammen gearbeitet, waren wochenlang zusammen während der Arbeit. Zusammen rauchen, zusammen bei den Patienten sein, zusammen Pause machen, zusammen scherzen, wir sind zusammen zur Bahn gelaufen, haben danach oft noch nen Bier getrunken. Sie hat bei irgendwie auch Beistand geleistet, wenn ein Patient gestorben war, den ich sehr mochte. Sie war sehr toll als Kollegin. 

Nebenbei ist sie ein so wahnsinnig herzensguter und auch herzenswarmer Mensch. Nicht nur einfach "herzensgut" wie man es oft sagt, nee, sie ist nen Mensch, der wirklich aus tiefstens Inneren keinem Menschen was Böses wünschen würde. Niemals. Sie hat zwar Ecken und Kanten, aber tief innen kann sie selbst den anstrengsten Menschen was Liebenswertes abgewinnen. Und sie ist tiefgründig, also emotional. Sie hat sicherlich auch viel Doofes in ihrem Leben erlebt; das hat sie mir auch mal erzählt was so, die grobe Version - ich will jetzt auch nicht drauf eingehen, aber sie ist nen Mensch, der auch die dunkle Seite des Lebens kennt. Und irgendwie einen gewissen Schmerz mit sich herumträgt. Das macht sie sehr für mich auf eine Weise auch sehr anziehend.

Ich weiss nicht wie ich es wirklich zum Ausdruck bringen soll, sie ist toll. Ich fand sie immer schon toll, menschlich, emotional, und als Frau. Ein fazinierender Mensch. Umso mehr freue ich mich auch sehr, wenn ich sie sehe, wenn sie auf Partys kommt, wenn wir Zeit miteinander verbringen können. Es läuft aber immer nach dem gleichen Prinzip: wir begrüßen uns herzlich, sagen wie sehr wir uns freuen uns zu sehen, ignorieren uns dann ne Weile bis wir einen bestimmten Promille-Spiegel erreicht haben und unterhalten uns dann in gelockerter Stimmung bis zum frühen Morgen. Meistens bis ihr Freund gehen will oder meine Freundin. Manchmal kommt es mir vor, als bräuchten wir die enthemmende Wirkung von Alkohol um uns irgendwie nah zu sein. Und dann kommen auch so Szenen vor, dass sie auf meinem Schoss sitzt, oder wir in inniger Umarmung irgendwo sitzen und uns unterhalten. Das kommt allerdings nicht oft vor, weil wir uns wenig sehen. Und noch seltener betrunken sind.

Irgendwann sagte sie mir auf so ner Party (wir beide stark angetrunken): "Wenn ich nicht mit meinem Freund zusammen wäre und du nicht mit deiner Freundin, ich glaub ich wäre dann gerne mit dir zusammen." Und das hat mich sehr berührt und ich denke immernoch an diesen Satz. Ich denke, sie hätte ihn nicht gesagt, wenn sie nicht betrunken gewesen wäre, aber hätte ihn auch am nächsten Morgen noch unterschrieben. Und ich auch. Wir mögen uns wirklich sehr, sagen es uns aber erst ab mindestens 1,5 Promille. 

Sie hat auch irgendwie nen ganz tollen Humor. Ein sehr überlegter, aber spontaner Witz. So überlegt, dass man schon ein wenig Allgemeinwissen braucht um ihn zu verstehen, aber gleichzeitig so flach, dass man noch drei Tage später lachen kann. Sie hat jetzt nicht die obergeile Figur oder die tollsten Haare der Welt, ist auch ein paar Jahre älter als ich, aber das alles ist so unwichtig, weil sie mit Charme und Charisma echt viel - nein alles weg macht. Sobald sie nen Raum betritt, fühl ich mich sofort wohl und aufgehoben und bin schon glücklich. Sie braucht mich noch nicht mal angesehen haben, sie braucht nur da sein und ich fühl mich wohl. Komisch, dass man das bei so wenigen Menschen so intensiv erlebt.

Ich muss echt zugeben - und es ist echt flach, wenn ich sag: Ich bin phasenweise seit Jahren immer wieder in sie verknallt. Vergess sie aber nach ner Weile wieder, wenn ich sie nicht sehe. Und ich bin mir fast sicher, dass es ihr genauso geht. Ich bin mir zu 99% sicher, dass sie ähnlich fühlt.

So und jetzt kommt die Schwierigkeit, warum wir wahrscheinlich niemals ein Paar sein werden. Ich bin mit meiner Steffi zusammen: und sie mag Steffi total gerne. Ich glaube, sie könnte es nicht ertragen, wenn Steffi leiden müsste, weil sie ihr den Mann ausgespannt hat. Ich hab ultraviele Fotos, wo die beiden sich knuddeln, sich gegenseitig Küsschen auf die Wange drücken, sie mögen sich sehr. Und genau das Gleiche mit ihrem Freund.Steffi und ich mögen ihn super gerne. Er ist auch nen ganz toller, lieber Mensch. Ich hab mit ihrem Freund sogar öfter und mehr zusammen gearbeitet als mit ihr und ich schätze ihn total als Menschen und als Pfleger. Ich hab mich immer super auf die Schichten gefreut, wenn ich mit ihm Dienst hatte. Er ist auch so nen ganz Lieber, so nen Typ, der zwar auch mal aneckt, aber sich nach ner viertel Stunde wieder vertragen kann mit den Menschen, die er vorher beschimpft hat. Ich könnte es auch nicht ertragen IHM die Frau auszuspannen. Ich würde mir mein Leben lang Vorwürfe machen, weil ich so nem Menschen (den ich sehr mag und schätze), wenn ich neben seiner Langezeitfreundin eines Tages schlafen würde, weil sie dann meine Freundin wäre. Grade von ihm hab ich pflegerisch und besonders menschlich soviel mitgenommen für mein weiteres Leben. Ich bin oft nach Hause gekommen und hab zu meinem Mitbewohner gesagt: "So wie mein Kollege möchte ich mal sein als Pfleger, genauso möchte ich mit den Menschen umgehen können."

Ja warum beschäftigt mich das jetzt? Weil ich (und andere) nächste Woche mit ihr verabredet sind. Und Steffi muss mal wieder arbeiten, wird nicht mitkommen. Und es wird Alkohol fliessen. Und ich freue mich auf der einen Seite sie zu sehen, und auf der anderen Seite hab ich Angst vor der Sehnsucht, die da nicht sein sollte und darf. 

 

01.06.2010 um 23:13 Uhr

Unfassbarer Tag mit undankbarer Brut

von: Ryan

Heute mal überraschender Weise: ein Tag im Krankenhaus. Und zwar den ganzen Tag. Erst meine Mama begleitet. Die hat was in ihrem Bauch ertastet - und zwar nen Tumor am Uterus. Und der Ultraschall brachte herraus, dass das Ding doch ziemlich groß ist - aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gutartig. Muss aber raus, also morgen OP. Und ich als guter Sohn bin, der eh grade nicht arbeitet, bin dann mitgedackelt zu den Voruntersuchungen und Vorgesprächen. Mittags war ich dann irgendwann daheim.

Gut, dann hatte Mutti große Sorge um meine "kleine" Schwester (18 Jahre alt), dass die nicht klarkommt, wenn Mama im Krankenhaus ist. Also hat meine Schwester Sachen gepackt und wohnt jetzt in unserm Wohnzimmer für die nächsten Tage. Super, mein Bruder wohnt im Arbeitszimmer (kennt wer Two and a half Man? das lief so ähnlich: "Ich bleib für nen paar Wochen, bis ich was eigenes hab" SCHWUPP 8 Monate rum und der wohnt hier immer noch) - und meine Schwester wohnt im Wohnzimmer - wenn sie mal da ist. Im Moment hat sie nen Date und wird erst nachts wiederkommen. 

So und kaum war meine Schwester eingezogen und ich wieder ausm Krankenhaus zurück und hatte grade angefangen was zu kochen, Telefon, meine Oma: "Ryyyyaaaan, deine Mutter ist nicht zu erreichen und ich hab solche Oberbauchschmerzen ..." Also Auto von meinem Bruder geschnappt, zu Oma, Oma eingepackt, und ab ins Krankenhaus - und klever wie ich bin: ins selbe wie die Mama liegt. Puh, wenigstens ein Abwasch, wenn ich beide besuche die nächsten Tage. Was kam raus? Die Oma hat wahrscheinlich ne Bauchspeicheldrüsenentzündung. Oma liegt also auch mindestens ne Woche im Krankenhaus. Juhu. 

Ich hab im Auto nur geflucht. Wie schaffen diese Frauen das? Ich hab zu Oma in der Notaufnahme schon zynischer Weise geflüstert: "Ihr habt euch abgesprochen!" - "Ryan?! Sag sowas nicht, das ist nicht lustig!" meckert meine Oma. Das wird auf jeden Fall nen geiler Tag morgen. Also erstmal morgens früh aufstehen - und ich hab mal von den Oma-Mama-Katastrophen abgesehen, total Schlafstörungen.

Ich kann seit ner Woche nicht richtig schlafen. Ich geh zeitig ins Bett, lieg Ewigkeiten wach, hab total viele Gedanken im Kopf, so dass mein Kopf fast zerspringt. Grübel über die Zukunft, die nächsten Wochen, bin zwar super erschöpft aber irgendwie stellt sich die Müdigkeit hinter meinen Augen nicht richtig ein. Also liege ich wach, bis 4.00-5.00 Uhr morgens und um 9.00 stehe ich wieder auf. Zeitweise hab ich das Gefühl, ich hab nachts gar nicht geschlafen. Zumindest bin ich echt gerädert seit Tagen - liegt vielleicht daran, weil ich nichts mehr trinke (außer heute nen Bier, wie schaffen die beiden Frauen das bitte??!) oder weil ich kaum körperliche Bewegung hab, außer mal zum Supermarkt zu gehen oder die Oma eben ins Krankenhaus zu fahren. Mal davon abgesehen, dass ich bei jeder Autofahrt Blut und Wasser schwitze, weil ich nur ne californische Driver Licence habe, aber keinen deutschen anerkannten Führerschein (den ich im übrigen jetzt echt mal machen muss - alleine für den Fall, dass die Oma und die Mama wieder gleichzeitig ins Krankenhaus müssen).

Mal davon abgesehen, und das ist ja das Schlimmste an der Sache: Meine Oma und meine Mama sind ja beide alte, erfahrene Krankenschwestern. Also wenn man mit den beiden ins Krankenhaus geht, kann man sich detailierte Mängelberichte über die Krankenhäuser anhören. Und Mediziner im Krankenhaus als Patienten sind eh das aller-aller-aller-Schlimmste, wo gibt. Alleine meine Oma zu dem Arzt in der Notaufnahme. Folgender Satz hat mich echt bereuen lassen, dass ich herzensguter Mensch mich um die Oma gekümmmert hab. Der Arzt (jung, anfang 30 vielleicht) sagt zur Oma: "So, ihr Enkel kann dann mal draussen warten, während ich Sie untersuche." Und Oma hat sofort ein angriffslustiges Funkeln in den Augen: "NEIN! Mein Enkel bleibt drin. Und quatschen Sie bloss keinen Mist, wir - ICH und mein Enkel sind Pflegekräfte, wenn Sie mich falsch behandeln, brauch ich doch nen Zeugen!" Jegliche Farbe aus dem Gesicht des Arztes entwich in dem Moment. Ich gutmütig und schlichtend: "Oma, ich hol mir mal ´nen Kaffee, und der Arzt untersucht dich." Und Oma richtig in Fahrt: "Na, wenn der mal keinen Fehler macht! Der ist ja kaum älter als du! Gibt´s hier keinen Arzt und mit mehr Erfahrung?!" Umpf ...

Und morgen geht´s weiter. Viel zu früh aufstehen nach viel zu wenig Schlaf, gucken ob die Mama schon aus der Nakose raus ist, und dann zur Oma und dann wieder zur Mama. Und dann ist der Tag auch schon wieder rum. 

Meine Geschwister sind ne großartige Hilfe. Mein Bruder und meine Schwester hörten sich mein Marthyrium zwar an, aber meine Schwester nur: "Ich hab nen Date, ich komm wahrscheinlich erst morgen früh wieder - ach, und dann muss ich lernen für die Schule, vielleicht komm ich Donnerstag mit ins Krankenhaus einen besuchen. Ich weiss aber noch nicht, ob ich zu Mama oder Oma gehen soll ..." Und mein Bruder ist auch kein deut besser: "Ich hab nen Date (wieso haben alle Dates??) ..." - "Und kommst du morgen mit ins Krankenhaus?" - "Äääh ... nein." -"Ähh, was heisst das?" - "Naja, wenn ich Mama besuche ist Oma sauer, und wenn ich Oma besuche, ist Mama sauer." - "Du kannst sie beide besuchen, sie liegen im gleichen Gebäude!" - mein Bruder überlegt kurz und sagt: "Nee, also beide schaffe ich nicht - das muss ich nicht haben."

Unddankbare Brut ... meine Kinder werden besser erzogen.