Boys don´t cry

25.09.2011 um 02:21 Uhr

Gedanken zu einem ereignisreichen Wochenende

von: Ryan

Ja, wie der Titel schon sagt - Wochenende war bislang schon sehr ereignisreich. Eigentlich hab ich schon seit Mittwoch WE. Mittwoch letzter Dienst, und danach - wie verhext - bin ich nur unterwegs. Hier was trinken, da was machen. ich hab keine Ahnung wie das im Moment kommt. Manchmal mache ich Monate lang nix und keine Sau meldet sich - und irgendwie bin ich seit Mittwoch mittag nur unterwegs und treffe mich hier und da auf´m Bier, war schon auf´m Kiez und auf 2 Partys. Auf´s Reeperbahn-Festival bin ich spontan mit ´ner Freundin, richtig abrocken. Danach auf unsere Examensparty - heute erst Essen bei meinem Bruder, danach zu meinem schwulen Kumpel auf seine House-Party. Wow, geil. Ich bin ein total komunikativer Gesellschaftsmensch. Kommt wohl daher, dass ich mit so vielen Geschwistern aufgewachsen bin.

Naja, was ich sagen wollte: ich hatte eine echt harte Zeit hinter mir (und jetzt wieder vor mir). Ich hab irre viel gearbeitet, viele Überstunden gesammelt, kam häufig oberabgeschossen nach Hause, fühlte mich nicht gewertschätzt, ausgebeutet. Ich hangel mich dann an einem Gedanken hoch: Ich suche mir ein Ereignis, dass richtig richtig cool werden muss und freu mich wie ein Kleinkind drauf. Ich plane, kaufe neue Klamotten, versuche meine Freunde mit ins Boot zu holen und einfach eine tolle Zeit zu haben. Ja, so war das mit diesem WE auch. Ich hab mich irre auf das Festival gefreut und auf die Party. Und dann kam scheinbar dank guten Kahrma alles andere auch super dazu. Ich hab´s mir so verdient zu feiern und dementsprechend gut wurde es. Meine Freundin (fast) immer mit dabei - die hatte auch irre Spaß, obwohl wir beide echt wenig geschlafen haben. Und das Schicksal meint es wirklich gut mit mir: Bislang klaterfrei!

Aber worauf ich eigentlich hinaus will, mir ist mal wieder was klar geworden. Ich wundere mich selbst ein kleines bisschen, aber ich scheine wirklich ganz gut bei Menschen anzukommen. Wie meine ich das? Es gibt so Menschen in meinem Leben, mit denen unterschwellig immer was mitschwingt. Was mitschwingt? Auf jeden Fall mehr als Freundschaft. Wie umschreibe ich das jetzt am Dümmsten? Ich hab da ein Beispiel: Ich hab eine Freundin, erst nur eine Arbeitskollegin, später wurde wir wirklich gute Freunde. Und sie hat mir mal gesagt (natürlich betrunken ehrlich): "Wenn ich meinen Freund nicht hätte, und du deine Freundin nicht - dann würde ich dich so flachlegen! Oder sofort heiraten!" Ja, mir gehts mit ihr genauso, muss ich zugeben. Da ist immer eine gewisse ... gewisse ... ähm ... positive Spannung zwischen uns. Ich mag sie irre gerne. Wir freuen uns überschwenglich, wenn wir uns sehen. Wenn wir nüchtern sind, haben wir uns sehr gut im Griff. Sobald wir betrunken sind, hängen wir nur aufeinander. Wir "stützen" uns gegenseitig, Arm in Arm wie die allerbesten Kumpels. Gestern ist mir aufgefallen, wie sie mir dabei häufig sehr zärtlich übern Rücken gestreichelt hat, dann gibt´s noch ein/zwei/drei betrunkene Küsschen auf die Wange und gelalltes "Ich hab dich so lieb!!" Gut, da kann man sich jetzt nichts bei denken ... aber Herr Gott wir sind alle erwachsen und wissen, dass es dann doch nicht so unschuldig ist, wie man versucht zu tun. 

Steffi macht das scheinbar nix aus. Ich kann ehrlich behaupten, ich bin echt vorsichtig geworden. Ich will treu sein. Und ich verhalte mich auch so. Langsam ist auch der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mir sehr sicher bin, dass Steffi DIE Frau meines Lebens ist. Ich bin mir so sicher, dass ich mit ihr den Rest meines Lebens verbringen will, dass ich die Verlobung plane.Ich hab mich schon zwei mit ihren beiden besten Freundinnen getroffen, um eine Idee zu bekommen wie der Ring aussehen sollte. Es ist toll zwischen Steffi und mir, wir verstehen uns super, ich liebe sie sehr, ich denke sie mich auch. Wir leben wirklich gut zusammen. Was ein bisschen eingeschlafen ist (und das kann ich ja mal ganz offen erzählen, wo hier eh alle Namen geändert sind) - der Sex. Sex ist echt nicht mehr so ein großes Thema. Aber ich denke (um es mal zu rechtfertigen), wir sind jetzt über 4,5 Jahre zusammen. Ist doch irgendwie klar, dass man dann nicht jeden Tag übereinander herfällt und dass dann Alltagsprobleme geklärt werden müssen und Erotik eher ´nen niederen Wert bekommt im Alltag. Wir gehen zum Beispiel äußerst selten gemeinsam schlafen, durch den Schichtdienst. Häufig sehen wir uns nur ein paar Stunden am Tag - wir haben sogar neulich eien Woche gehabt, in der wir nur telefoniert haben. Ich hatte Nachtschicht und sie Spätdienst. Ich hab morgens um halb 8 etwa nach Hause, hab sie geküsst als sie noch schlief und legte mich daneben. Sie stand um 11 auf um zum Spätdienst zu gehen, hat mich geküsst während ich schlief. Ich bin um 20.00 zur Schicht los, sie kam erst gegen 22.00 nach Hause. Also nur damit keine falschen Gedanken kommen: Wir haben Sex, aber nicht häufig. Wenn wir dann mal Zeit zusammen haben, müssen eben auch Dinge organisiert werden. Gemeinsame Termine, wann gehen wir zusammen einkaufen? Wer macht was beim Hausputz, und überhaupt: wie war eigentlich unser Leben? Was super läuft, ist reden. Wir reden wirklich viel und das finde ich wirklich toll an unserer Beziehung. Wir erzählen uns wie unser Tag war, waqs wir gut fanden, was nicht so gut gelaufen ist, wir können Probleme ausdiskutieren, wir können wirklich produktiv miteinander streiten. Natürlich streiten wir auch mal böse miteinander, so dass wir ´ne Stunde miteinander nicht mehr reden und böse sind, aber das ist normal. Letzte Woche war ich wirklich unfair und hab ihr was vorgeworfen, was gar nicht ihre Schuld war. Ich war einfach frustriert, sauer und hab´s an ihr ausgelassen. Und das hab ich ihr auch gesagt, dass ich in dem Moment eigentlich wahrscheinlich sauer auf meinen Chef war, aber sie stattdessen angemacht hab wegen einer völlig belanglosen Sache und hab mich entschuldigt. Ich halte uns beide für sehr selbstreflektiert und wir gestehen unsunsere Fehler voreinander schnell ein - und ich glaube, das ist der Grund weswegen wir wirklich gut zueinander passen und es wirklich gut läuft.

Zurück zu der Party und meiner Freundin, mit der ich betrunken gerne flirte. Steffi war ja auch da - und ich musste mir von ihr immer "Feedback" holen. Ich bin dann zu Steffi, hab sie kurz geküsst und sowas gesagt wie: "Ich bin mit Karin unterwegs, ja?" Steffi war eher genervt, die hatte auch Leute getroffen, die sie mag und selten trifft und dann kam eher was wie: "Ja und? Wenn Karin oder du an der Theke vorbei lauft, bringt mir einer aber ein Bier mit?!" - "Ja alles mein Schatz, ich liebe dich!" - "Spinner!" Und später- sehr viel später als nicht mehr all zu viele Leute da waren, haben Karin und ich getanzt. Und Herr Gott im Himmel - ich wusste nicht wie Karin tanzen kann. Sie kann wirklich sexy tanzen. Und wir hatten echt viel Körperkontakt. Und ich bin mir fast sicher, dass wir beide das ein bisschen geil fanden. Immerhin hatten wir den Pegel und die Gelegenheit uns näher zu sein als wir uns beide eingestehen wollen. Ich fand´s sehr toll - muss ich zugeben. "Fremde Haut" bei wem, den ich eh schon irre attraktiv finde. Und selbst da wundere ich mich, dass ich immer mal wieder treudoof zu meiner Freundin dackelte und nöllte: "Schatz, alle tanzen, tanzt du auch mit mir?" und Steffi natürlich mitten im Gespräch unterbrochen: "Ryan, sag mal, du siehst aber dass mich unterhalte? Ich will jetzt nicht tanzen!" - "Okay, ich tanz dann wieder Karin!" - "Ja mach das." Yeah, Freifahrtschein. Irgendwie fühle ich mich trotzdem ein bisschen schuldig, weil ich dann meine Hände auf Karins Hüften hatte und etwas inniger getanzt hab als meinem Gewissen gut tut. Aber Steffi wollte nicht tanzen und ... ja ... 

Aber das dicke Ende kommt noch. Wie erklär ich das jetzt? Kurz vorweg: Karin ist dann nach Hause und alle okay. Mit Karin war da nix mehr. Sagen wir so, mein Marktwert war an dem Abend auch wieder voll ausgetestet. Ich brauch das manchmal. Ich hab teilweise so ein niedriges Selbstwertgefühl, obwohl ich das laut Meinung meiner Umwelt nicht haben müsste. Ich achte schon sehr auf mein Äußeres. Sagen wir so: ich hab mehr Klamotten als meine Freundin. Und ich bin derjenige, der vor jeder Party mindestens eine Stunde vorher Modenschau macht und sich nicht entscheiden kann, was er anzieht. Steffi greift ziemlich zielsicher in den Kleiderschrank, aber ich zieh mich 2 Minuten vor´m Losgehen noch dreimal um. Ich hab sehr häufig in meinem Leben gehört, dass ich gut aussehe. Ich achte sehr auf mein Aussehen, dass meine Haare sitzen (ich hab immer Haarspray dabei), einfach auf meine Style. Ich sehe nicht so alt aus wie ich bin. Ich werde nie auf mein tatsächliches Alter geschätzt, trotz Zigaretten und Alkohol sehe ich aus wie anfang 20. Ich bin zwar nicht besonders groß und eher schlank als durchtrainiert, aber ich scheine was an mir zu haben, was Frauen mögen. Und grade wenn ich auf so ´ner Party bin wie gestern, merke ich dass ich einfach gut ankomme. Und dann bin ich auch noch einer der wirklich wenigen Pfleger. Also auf solchen Feiern ist immer Frauenüberschuss. 

Ich hab vorhin mal Bilder gesichtet, die mittlerweile von der Party online gestellt wurden. Und ich bin wirklich häufig auf Fotos, wo ich mit Azubinnen oder Krankenschwestern oder eben Ärztinnen in die Kamera grinse. Um mal kurz eingebildet zu sein: Ich kann mir echt viel erlauben, weil ich gut aussehe. Ich bin nicht The Man of the Year. Niemals. Aber ich bin mir sicher, meine Beliebtheit hab ich nicht alleine wegen meines netten Charakters. Ich hab sogar eine sehr coole, ehrliche Kollegin, die mal sagte: "Ich arbeite gerne mit Ryan, nicht weil er fleissig ist, sondern damit ich als Single was zum gucken hab!"

Zum eigentlich Thema. Nachdem Karin dann weg war, hab ich mit einigen Mädels getanzt. War auch alles super und Spaß. Manchmal bin ich auch ein bisschen naiv und denke echt nur Spaß. Und dann merkte ich irgendwann: Bei einer ist nicht nur Spaß. Eine Ärztin. Ich kenn sie gar nicht mal so gut. Ich weiss wo sie arbeitet, ich hab sie schon mal gesehen als ich auf einer Nachbarstation was geholt hab, ich weiss wie sie heisst. Ich bin mal mit ihr alleine im Fahrstuhl gewesen. Kennt ihr diese Grey´s Anatomy-Szenen im Fahrstuhl? So war das. Wir zwei alleine - sie sieht wirklich gut aus. Und es war wieder so ein Arbeitstag, der dich frisst. Der dich 10 Jahre altern lassen kann in 8 Stunden. Und ich musste was wegbringen und wollte mit dem Fahrstuhl auf meine Station zurück. Sie stieg ein, schaute mich an und ich dachte: "Wow, okay, DAS ist der gute Moment für diesen Tag. Mit dieser hübschen Frau alleine auf 4 Quadratmetern, nett!" Ja, Männer sind so - ich bin mir sicher seid der Coca Cola Light Werbung: Frauen auch!! Wir haben erst ein bisschen schüchtern hin und her geschaut, uns dann angeschaut. Kurz ein paar Worte alla "Wer bist du, wer bin ich." und dann tschüss. Aber seitdem (bilde ich mir ein) verheissungsvolle Blicke - manchmal - ganz selten - wenn wir uns sehen. 

Es ist toll zu flirten. ICH finde, das ist normal. Das ist interessant. Vielleicht spricht da auch mal wieder meine männliche Libido, die sich mit möglichst vielen Partnerinnen vermehren will - nein, ich bin wirklich treu. Ich war´s nicht immer, aber ich will´s sein. Aber mal ab und an ein interessanter Blickkontakt - ich bin ja nicht tot. Naja, aber diese Ärztin war auch auf der Party - und wir haben uns nicht unterhalten. Nachdem Karin weg war, hab ich mir ihr getanzt - ein bisschen mehr "Dirty Dancing" als mein Gemüt verträgt. Boah die hat echt schmutzig getanzt. Zu ihrer Entschuldigung, sie war auch betrunken und hemmungslos. Zu meiner Entschuldigung: ich bin mindestens 3 mal bei Steffi aufgeschlagen und fragte sie, ob sie nicht mal mit mir tanzen könne und irgendwann kriege ich nur solche Antworten: "Halt´n Sabbel, irgendwer tanzt schon mit dir!"... und dann hab ich mich auch gar nicht mehr so schlecht gefühlt als ich dann mit der Ärztin getanzt hab. Und ich hab ein bisschen Panik vor Montag ... wie das immer so ist auf Betriebsfeiern. WEIL sie hatte ihre Hand an meinem Hintern ... und unter meinem T-Shirt. Auch wenn ich sie da weggeschoben hab ... aber es war mega heiss. 

Okay, genau das ist das Fazit aus dem heutigen Eintrag: Ich hab mit ner Frau getanzt und ich fand´s heiss. Und es war nicht meine Freundin. Und ich werde sie sicherlich auf der Arbeit wiedersehen. Sicher liebe ich meine Freundin. Und solange ich abends zu ihr ins Bett steige, ist alles okay. Ich hab Steffi sogar sowas erzählt wie: "Ich glaub die Ärztin, mit der ich getanzt hab, war mega voll, die hat mir an den Arsch gelangt" und Steffi nur sehr geschwisterlich, humorvoll: "Oh Gott, wie konnte sie nur?" Und damit war das Thema erledigt. Für Steffi.

Für mich ... ich bin da ambivalent. Aber ich weiss nicht wieso. Eine bessere Frau als Steffi gibt es nicht. Sie ist mein Herz, meine Seele, mein Alles. Sie ist mein Leben. Sie SOLL mein Leben sein. Ich organisiere ihr grade eine Verlobunsring. Ich kann alles mit ihr. Sie liebte mich als ich die heftige Depression hatte, sie liebt mich, wenn ich schimpfte, wenn ich schreie, wenn ich lache und weine. Sie liebt mich zuhause in unserer Wohnung, aber sie liebt mich auch auf Acker aufm Festival, schmutzig und betrunken. Es ist egal, sie liebt mich wie ich bin. Und ich liebe sie, egal ob sie was Dummes macht (ich hasse Leute, die dumme, unüberlegte Dinge machen), ich liebe sie, wenn sie Gitarre übt (und im Moment trifft sie kaum einen guten Ton), ich liebte sie als ich sie betrunken ins Zelt tragen musste, weil sie eine halbe Flasche Wiskey alleine getrunken hatte. Ich liebe sie, so wie sie ist. Mit all ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten. Auch wenn ich mich ärgere über sie, ich liebe sie. 

Und dann kommt Karin wieder, wir zwei betrunken und es ist aufregend wenn sie mir über den Rücken streicht. Und dann diese Ärztin ... und es ist aufregend. Das war das einzige Positive am Single-Sein: die Aufregung. Kennenlernen, Erobern, Flirten, Knistern. Generell vermisse ich es nicht Single zu sein. Ich war unendlich unglücklich und hatte gleichzeitig soviel Liebeskummer ... aber ich fühl mich schon wieder schuldig. Kaum ist da der Hauch eines Knisterns - selbst wenn Steffi daneben sitzt - krieg ich ein schlechtes Gewissen. Wahrscheinlich ist das auch gut so. Aber es ist aufregend. Und machmal vermisse ich es. 

13.09.2011 um 16:50 Uhr

Sündenbock

von: Ryan

Auf Wunsch versuche ich wieder öfter zu posten. Im Moment arbeite ich ja viel und mir ist gestern was echt doofes passiert, über das ich mich echt ärgere.

Gestern Frühschicht, viel zu tun und ich hab ´nen "Fehler" gemacht. Ich hab vergessen was Wichtiges zu organisieren. Was wirklich Wichtiges. Ich hab´s wirklich vergessen im Stress. Sowas passiert, versuche ich mir zu sagen. Aber ich hab dann automatisch die Rolle des Sündenbocks zugeschoben bekommen - und das beschäftigt mich.

Warum ziehe ich mir diesen Schuh an? Es ist nun mal so, grade wenn man so überstresst ist als Team, dass alles was der andere "vergisst" oder vielleicht sogar mit Absicht ignoriert, von jemand anderem nachgeholt werden muss. Und das erzeugt natürlich sofort schlechte Stimmung, Schlecht-Reden und Frustration. Ich mag meine Kollegen fast alle und fast immer. Aber dazwischen sind ein paar ganz wenige, die dann sofort das Wort "unkollegial" im Mund haben. Und das fiel halt gestern auch und das hat mich wirklich wütend gemacht.

In meinen Augen bin ich ein überaus kollegialer Mensch. Unser Team - oder auch wahrscheinlich jedes Team auf dieser Welt egal wo - hat immer die weniger fleissigen Leute, die verplanten, unorganisierten Menschen und die extrem fleissigen, die einen wirklich hohen Anspruch haben und häufig Dinge abarbeiten, die alle anderen liegen lassen. Ich halte mich für letztere Sorte. Ich versuche immer einen guten Job zu machen, ich versuche immer meine Arbeit zu schaffen, nix liegen zu lassen, anstatt doof in der Gegend rumzusitzen, wenn ich nix hab, versuche ich vorzuarbeiten. Es kommt automatisch nie vor, dass ich sagen muss: "das hab ich heute nicht geschafft, das musst du noch machen." Selbst wenn ich länger bleiben muss. Ich reisse mir jeden Tag den Arsch auf. 

Es gibt halt die Grundarbeit, die auf jeden Fall erledigt werden muss, selbst wenn die Welt grade untergeht. Und es gibt Arbeiten, die macht eigentlich keiner so gerne. Und ich bin immer, immer und immer derjenige, der dann nochmal die anderen Sachen macht, die sonst keiner macht, weil mein Pflichtbewusstsein sagt: "Einer muss es ja machen!" Es gibt (ungelogen) Ordner auf Station, wo Putzarbeiten abgeharkt werden, die dann einmal im Monat eben auch erledigt werden müssen - und da findet man nur eine Unterschrift: nämlich meine! Die komplette EDV-Arbeit machen nur zwei Personen: eine Kollegin von mir und ich. WEIL die anderen immer sagen: "Das versteh ich nicht, ich kann nicht mit dem Computer umgehen, ich hab nicht verstanden, was ich da ausfüllen muss!" Komischer Weise hatten wir aber alle die gleiche Fortbildung zum Computerumgang ... ich bin neben dem Oberarzt der einzige Mensch, der weiss wie man die Druckerpatrone wechselt. Und es ist nicht so, dass ich dieses "Geheim"-Wissen für mich behalte.

Und es nicht so, dass ich nur den ganzen Tag am Computer verbringe und warte dass die Druckerpatrone leer wird - nein, meine Patienten sind in der Regel auch vollständig versorgt. Ich bin einer, der zum Beispiel großen Wert auf aufgeräumte Patientenzimmer legt. Oder auch bei der letzte Zertifizierung gehörte ich zu den zwei Leuten, die über 4 Stunden nach´m Dienst die Akten vervollständigt und nachdokumentiert haben, damit unserer Station kein Geld gestrichen wird. Von den anderen kamen so Sätze wie: "Das bringt doch eh nix! Die finden immer was!" Ja sicher finden die immer was, aber wenn wir schon sehen, wo wir Defizite haben, kann man doch nicht schulterzuckend nach Hause gehen? Boah sowas nervt mich irre an. 

Eine Pflegestation besteht ja nicht nur aus Patientenversorgung - häufig gibt es "Stationshilfen", die nebenbei noch Putzarbeiten erledigen, Gerätewartung, Inventur, Auffüllarbeiten, Organisation von allem möglichen. Wir haben keine Stationshilfe, sowas machen bei uns die "Heinzelmännchen". Oder auch so Sachen wie Eigenengagement - wer hat die Weihnachtsfeier organisiert? Wer hat das Abschiedsgeschenk für die schwangere Kollegin organisiert? Ich, ich, ich!! Und super viele Leute ziehen ´ne Fresse, wenn gefragt wird "Wer macht´s?" und die anderen brüllen: "Ich mach sowas dauernd! Jetzt ist mal wer anderes dran!"

Es ist nicht so, dass ich nicht auch irgendwie gerne ein Geschenk für ´ne Kollegin hole und verpacke. Aber mein großes Problem im Moment: Das wird nicht gesehen! Ich fühle mich in keinster Weise gewertschätzt für das was ich leiste. Und ich leiste wirklich mehr als die meisten. Und dann kommt manchmal sogar so ein Satz wie: "Ach Ryan, deinen Elan hätte ich gerne." Ja, nicht Quatschen - MACHEN! Ich mach das ja nicht alles, weil ich soviel Langeweile habe und nicht weiss wohin mit meiner Energie. Ich mach´s, weil´s gemacht werden muss.

Und die Kollegin von gestern - die geht mir echt so auf´n Sack. Mittlerweile gibt´s schon 3 weitere Leute im Team, die nur noch das Nötigste mit ihr sprechen. Woran liegt das? Sie ist zwar "stetts bemüht", sie ist auch beschäftigt und ich möchte gar nicht abstreiten, dass sie abends zuhause auch müde und erschöpft ist. Aber sie ist wie gesagt: stetts bemüht. Sie ist chaotisch und sie ist verplant. Sie macht zum Beispiele so Sachen wie sich festquatschen beim ersten Patienten und wundert sich dann, dass sie so wenig Zeit für die anderen hat. Natürlich ist sie dadurch monster beliebt bei allen: "Nur die eine Schwester hat Zeit für mich!" Oder im größten Stress fällt ihr ein, dass sie nochmal ´ne Extrarunde Kekse verteilen muss - kommt super an bei den Patienten und Angehörigen, aber wir Kollegen stehen Kopfschüttelnd daneben und denken uns: "Was soll der Quatsch?!" Aber das ist halt so, deswegen kritisiert man niemanden weil der seine Prioritäten anders steckt. Was wirklich schlimm ist, ist dass sie komplett undurchdacht hat. Sie hinterfragt nix und sie hat nur ihren eigenen Standpunkt. Alles andere ist kategorisch falsch. Und das lässt sie uns auch spüren. Sobald was quer läuft, lässt sie uns das alle hören. Es gibt kaum jemanden, der sich so sehr und so lautstark aufregt wie sie. Und als Krönung übertreibt sie grenzenlos. Zum Beispiel neulich hatte eine Patientin mir gesagt, sie wolle ihre Mittagsschmerztablette nicht nehmen, weil Schmerzen halt besser geworden waren. Klar, kein Problem - da hab ich die Tablette zurück ins Schälchen gelegt für den Fall, dass sie nachmittags Schmerzen bekommt und sie doch noch möchte. Und die Kollegin hat gesehen, dass da noch eine Tablette im Schälchen war und hat gefolgert: Der hat keine Mittagsmedis verteilt! Überhaupt keine! Alle 20 Patienten haben ihre Medikamente nicht erhalten!! In ihrer Geschichte, die sie dann der nächsten Schicht erzählt hat, kam sie mittags zum Dienst, die Schmerzpatienten lagen vor Schmerzen gekrümmt im Bett und sie wurde von mindestenst 15 Patienten angesprochen, warum sie keine Mittagsmedizin bekommen hätten. Und sie hätte gar nicht gewusst wie sie das hätte rechtfertigen können, weil sie mich ja auch nicht reinreissen wolle ... und außerdem hätte ich Dokumentenfälschung begangen, weil ich für die Medikamente unterschrieben habe, die ich niemals verteilt habe. Boah ... da drehst du doch durch, wenn du sowas hörst. Und sie denkt einfach überhaupt nicht nach, wenn sie den Mund aufmacht und so völlig überzogene Geschichten in der Welt setzt. Und ich bin so ziemlich der einzige, der mal versucht sie unter vier Augen zu erwischen und deutlich zu sagen: "Hör auf Dinge zu erzählen, die nicht stimmen! Es waren aus allen anderen Schälchen die Tabletten für mittags raus und du hast bei keinem einzigen Schmerzpatienten dokumentiert, dass der besonders starke Schmerzen an dem nachmittag hatte!" und dann kommt wirklich so ein Satz: "Ach Ryan, versuch doch deinen Fehler jetzt nicht auch noch schön zu reden!" Die glaubt den Scheiss, den sie erzählt. Ganz fest!

Und das macht sie mit allen. Ein "Fehler" wird exponentiell ausgebaut in eine dramatische Geschichte. Selbst vorm Oberarzt macht sie nicht Stop. Neulich hat der Oberarzt eine ganz seltsame Anordnung ihr gegeben - ich bin mir so sicher, dass sie da wiedermal irgendwas in den falschen Hals gekriegt hat - und sie hat "für das Recht des Patientens" gewehrt - und dann hat der sie angeblich persönlichst beleidigt! Jaja ... und da ich den Oberarzt und sie kenne ... glaube ich davon kein Wort. Und dann folgende Situation, wir sitzen im Dienstzimmer, sie sieht dass der Arzt kommt und sie gleich: "Boah, der schon wieder, das ist ja so ein arroganter Idiot!" und ich: "Na, dann hast du jetzt doch die Gelegenheit um die Sache aus der Welt zu schaffen. Geh zu ihm und sag, dass er dich persönlich angegriffen hat." und was kommt dann?? "Nö, ich sag dazu gar nichts mehr!" wenn´s dann um Konfrontation geht, kommt immer dieser Satz.

Und wenn du so einen Charakter im Team hast, kannst du dich drauf gefasst machen, dass sie auch dich schlecht redet und irgendwer, der sie und dich nicht gut genug kennt, den Müll glaubt, den sie erzählt. Naja und gestern gab´s dann eben mal wieder richtig Zoff, weil ich ja diese eine Sache vergessen hab. Es war nicht richtig, ja klar - ich hab mich zehnmal entschuldigt und ein grottenschlechtes Gewissen, aber als sie dachte sie sei ungehört, hab dann so Sachen gehört wie: "Das ist ja wieder typisch Ryan: Alle unangenehmen Sachen wegschieben und UNS überlassen (sie verallgemeinert auch gerne) Das ist so unkollegial von ihm! Und WIR müssen die Scheisse wieder aussitzen!" Und dann kam natürlich das Unvermeidliche: Ich brüllte sowas wie: "Ich höre was du über mich sagst!" und bin explodiert. Ich hab sie fast angebrüllt, so sauer war ich - sie hat natürlich zurück gebrüllt.

Ich hab dann noch ne andere Kollegin getroffen von ´ner anderen Station und hab ihr das erzählt und die kommentierte den Vorfall nur mit: "Ey Ryan, du bist ja auch nicht Supermann, alle machen Fehler. Und grade deine Kollegin sitzt absolut im Glashaus, wenn sie Leuten ihre Fehler vorwirft. Mal davon abgesehen waren noch zwei weitere Personen mit dir auf der Station, die genauso hätten dran denken können. Den Schuh brauchst du dir echt nicht anziehen!"

Ja sie hat irgendwie recht. Und ich versuche wirklich mir den Schuh nicht anzuziehen, aber ist schwer wenn bildlich gesprochen nach dir mit genau diesem Schuh geworfen wird und grade eine Person immer wieder brüllt: "Deiner! Deiner! Deiner!" Wahrscheinlich bin ich auch deswegen so mitgenommen, weil ich mich so übersehen fühle. Du machst 100 Sachen richtig gut, und eine schlecht ... und ratet mal was am Ende gesehen wird und nochmal schön drauf rumgeritten wird? Ich versuche mir immer wieder zu sagen: Es spricht nicht deine Unzulänglichkeit aus dieser Frau, sondern ihre eigene. Wenn sie über dich schimpft, sagt das viel mehr über sie aus, als über mich. Ja, so versuche ich das vernünftiger, reflektierter Mensch zu sehen. Aber manchmal ist es gar nicht so einfach und ich möchte nur laut brüllen: "Die blöde Sch***Kuh!" 

01.09.2011 um 18:08 Uhr

Waaaaahhh

von: Ryan

Lange nicht geschrieben und jetzt kommt ein Eintrag, indem ich mich wieder psychisch auskotze und rummeckere. Zuerst das Positive: Privat läuft super. Mir gehts wirklich gut. Ich hab kaum noch Unruhezustände, Panikattacken sind auch lange her. Psychisch gehts mir echt gut. Dinge, die mir sonst große Probleme bereit haben, sind kaum Thema. Sicher hab ich noch den einen oder anderen schlechten Tag, aber die guten überwiegen zur Zeit wirklich stark. Find ich super, ich kann mich darüber gar nicht beklagen. Meine anstrengenden Eltern werden konsequent ignoriert und müssen sich um ihre Probleme mal alleine kümmern - und zwischen Steffi und mir läufts auch ziemlich harmonisch, wenn wir uns mal sehen.

Warum sehen wir uns wenig und warum bin ich so angefressen? Die liebe, liebe Arbeit. Ich arbeite echt viel im Moment. Ich hab schon wieder Überstunden im dreistelligen Bereich und Besserung ist nicht abzusehen. Gut, das kenne ich ja gut, aber im Moment ist es wirklich dramatisch.

Ich war ziemlich schnell klar - bereits in der Ausbildung - dass ich mir mit Krankenpfleger einen ziemlich stressigen, anstrengenden und unterbezahlten Job gesucht hab. Ich mag meinen Job wirklich - meistens. Ich bin wirklich gerne auf Arbeit, ich fühl mich wohl auf meiner Station, meine Kolleginnen sind durchweg super, lieb und einfach mega liebe Mädels.

Aber im Moment hat der Stressfaktor neue Höchstwerte erreicht. Zum einen haben wir wirklich viel Arbeit - die Station ist voll, so brechend voll, dass wir täglich ziemlich viel Zeit damit verbringen die Patienten zusammenzuschieben, damit wir weiter aufnehmen können. Ich hasse, hasse, hasse Bettenschieben. Es gibt kaum eine ätzendere Aufgabe. Mal davon abgesehen geht sowas tierisch aufm Rücken. Ich geh schon seit drei Tagen mit Wärmepflastern auf der Schulter arbeiten, weil die Muskulatur ätzend hart und verkrampft ist. Mal davon abgesehen sind die Patienten dann immer so "begeistert", dass du mit ihnen diskutieren musst, warum sie jetzt in ein anderes Zimmer müssen. Ich war heute bestimmt ´ne halbe Stunde nur mit schieben beschäftigt ... 

Dann Aufnahmen und Entlassungen ... Entlassungen sind aufwändig, WEIL: du musst dem Arzt in den Hintern treten, dass der Brief fertig wird, du musst Medikamente mitgeben und die vorbereiten (und manche Patienten nehmen pro Tag 40 Tabletten), du musst den Transport organisieren, du musst die Angehörigen anrufen, die dann meistens noch mit dir diskutieren, dass Oma noch nicht genügend aufgepeppelt ist - dann musst du erklären, dass ein Krankenhaus nicht zum "aufpeppeln" ist. Manchmal würde ich echt gerne sagen: "Ihre Oma ist 98 Jahre alt, die wird nicht besser!! Mit 98 darf man schwach sein und tüddelig!" Naja ... dann natürlich noch dem Heim bescheid sagen ... oh tolles Thema. Altenheime sind immer besonders begeistert, wenn sie ihre "Lieblingsbewohner" zurück bekommen. Zum Beispiel älterer bettlägerige Mann, schreit die komplette Nacht "Hallo hallo hallo!!!" damit er beachtet wird, ist so sehr verwirrt, dass er nicht klingeln kann und nicht begreift, dass er alle nervt. Und dann rufst du das Heim an und sagst: "Guten Morgen, Krankenhaus xy hier, mein Name ist Pfleger Ryan, ich möchte Sie informieren, dass Hr. Abc heute wird zu ihnen zurück verlegt wird." Dann typische Stille ... Nachdenken, wer war Hr Abc ... dann fällt es ihnen ein und es kommt sofort Protest: "Nein, also das kann ja nicht sein, der war doch erst 15 Tage bei Ihnen! Also wir sind da nicht drauf eingestellt personell heute ein Rückverlegung zu bekommen." - "Tja, an Ihrer Personallage kann ich auch nichts ändern, aber wir haben unseren Behandlungsauftrag bei Hr. Abc erfüllt. Er wird gegen 10.30 bei Ihnen aufschlagen." - "Nein, also das geht nicht! Wir können ihn nicht nehmen." ALTER!!! Der wohnt bei euch!!! Selbstverständlich müsst ihr den nehmen! 

Und so ´ne Diskussion führe ich täglich! Aber schöner sind Aufnahmen. Einen Patienten aufzunehmen bis er quasi "dazugehört" dauert ewig und kostet mega Zeit. Mittlerweile bin ich Profi in der "schnellen-pflegerischen-Aufnahme" - im Grunde genommen muss ich in der Aufnahme "nur" einmal schauen ob der neue Patient kreislaufstabil ist und ihn ein paar Fragen stellen, um den pflegerischen Bedarf zu erfassen. Zum Beispiel beliebte Frage: "Haben Sie Probleme mit dem Stuhlgang? Durchfall/Verstopfungen? Können Sie alleine zum Klo? Sind Sie kontinent oder benötigen Sie Vorlagen/Windel etc" Sowas halt. Ich hab mittlerweile schon Standartfragen, auf die die Leute echt knapp antworten, aber wenn du blöd fragst, erzählen Sie dir ihre Lebensgeschichte. Und wenn du sie unterbrichst und sagst: "Tut mir leid, aber mich interessiert nicht mit welchen Mann ihre Cousine 1964 verheiratet war, ich will nur wissen ob Sie alle Lebensmittel vertragen" bist du der unhöfliche Arsch. Dann kommt Blutabnehmen (die Blutröhrchen fliegen auch nicht alleine ins Labor), EKG schreiben, Arztaufnahme und am Ende noch Patientenakte ausarbeiten, alle Medikamente zusammensuchen, Infusionen bei Bedarf anbamseln und und und ... ja ... und heute hatten wir 5 Entlassungen und 8 Aufnahmen ... Herr Gott im Himmel, wir haben einen Durchlauf an Patienten, das ist nicht mehr schön. Wir können eine einzige Pflegekraft nur für diesen Aufnahme und Entlassungsscheiss beschäftigen. Nein, ich haben nebenbei noch um die 20 Patienten, die auch versorgt werden wollen.

Gut, das ist tägliches Brot. Das ist okay, das sind wir gewohnt. Ich bin immer müde, wenn ich von der Arbeit komme - aber im Moment ist es anders.

Im Moment oder besser: in den letzten Tagen sind alle um mich herum nur aggressiv und genervt, frustriert, meckern viel - einfach ausgelaugt und extrem erschöpft. Es betrifft wirlich durch die Bank weg alle Kollegen, die irgendwie zu unserer Station gehören. In der Pflege ist es natürlich am heftigsten. Eine Kollegin ist im Moment so von der Rolle und so pöbelig und rastet bei jeder Kleinigkeit so aus, dass die Wände beben. Egal was ist, sie finde es UNMÖGLICH und erzählt uns das auch lang und breit. Die ist schon wirklich heiser, weil sie sich pausenlos lautstark beschwert. Eine andere eher zartbeseidete Kollegin heult neuerdings ganz häufig am Ende eines Dienstes - aus Frustration, massiver Erschöpfung, Wut oder alles zusammen. Das nur so als Beispiel. Ich hab die letzten Tage im Durchschnitt 1-2 Überstunden gemacht. Um 14.15 regulär Feierabend ... und ich war irgendwie erst um 16.00 aufm Heimweg. Und das liegt daran, dass ich trödele ... nein ich krieg meinen Kram, den ich zu erledigen hab nicht auf die Reihe, weil dauernd dauernd dauernd und immer noch irgendwelcher Döddelkram dazwischen kommt, der dann nicht warten kann und sofort erledigt werden muss.

Oder tolles Beispiel: Patientenanliegen. Ich erfülle gerne Patientenwünsche, kein Thema, ich mache Menschen gerne glücklich und wenn sie etwas brauchen, bin ich der Letzte der sagt: "Nö, ist mir zu anstrengend." Aber im Moment sind es diese "Sofortigen-Wunscherfüllungen". So alla: "Ich brauche JETZT sofort eine Krankschreibung, dass ich im Krankenhaus liege und die muss am besten schon gestern zu meinem Chef gefaxt werden!" und ich versuche dann immer solche Wünsche zu sammeln, auf meine to-Do-Liste aufzunehmen, damit ich nicht durcheinander komme und nichts liegen lassen muss. "Frau Soundso, ich mache Ihnen das heute noch fertig, wenn ich das erledigt habe, was ich grade tue." und dann: "Nein! Ich brauch das SOFORT! Mein Chef macht schon Stress!" ... und solche Leute liegen dann schon 10 Tage bei uns ... augenroll ... 

Naja, wie schon erwähnt: Es geht allen so wie der Pflege. Unsere Ärztin musste sich heute morgen auch als allererstes bei mir auskotzen, dass die ärztliche Personallage das Letzte sei und sie Patienten über 4 verschiedene Stationen betreuen muss, die eigentlich gar nicht zu unserem Klientel gehören. Und warum ist das so? Weil Krankenhäuser sparen müssen. Weil alles zu viel Geld kostet, weil man versucht soviele Patienten wie möglich in kürzester Zeit zu behandeln und gleichzeitig am Personal spart, weil das der größte Kostenfaktor ist. 

Und zu allem Überfluss ist irgendwas in der Luft. Ich kann´s nicht benennen, aber wir haben seit einer Woche besonders anstrengende Patienten - also psychisch. Meckerig, beschweren sich über ALLES. Und ich glaube DAS ist der Punkt warum grade alles so schief läuft. Es ist wirklich frustrierend. Ich hab mich letzte Woche um eine ältere Dame gekümmert, ich war wirklich nett. Meine Kolleginnen wollten schon alle nicht mehr rein, weil sie nur geschimpft hat, fordernd war. Zum Beispiel war alles ein "Notfall" - tolles Beispiel: Ihre Bettnachbarin ist kollabiert, Ärztin und ich waren wirklich beschäftigt und gestresst diese bewusstlose Patientin zu versorgen ... und die anstrengende Patientin trohnt wie Prinzessin auf der Erbse auf ihrem Bett: "Entschudligung, Herr Pfleger ... Herr Pfleger ....?? ... Heeeeerrr Pfleger??! Ich hätte dann gerne noch eine zweite Tasse Kaffee!" Man oder besser: ICH kann dann in so ´ner Situation nur schroff antworten. "Frau Soundso, Sie sehen was hier los ist?!" Sicherlich bringe ich auch ne zweite Tasse Kaffee ... ABER erst wenn die andere Patientin sicher auf der Intensivstation angekommen ist! Auch dieses ewige dazwischen mal anquatschen - egal ob du grade was schreibst oder dabei bist während der Reanimation (im Extremfall) x-tausend Ampullen aufzuziehen oder die Hände voll Blut hast, du wirst angequatscht wegen Pipi-Kram. Und wenn du dann sagst: "Jetzt nicht! Ich bin gleich für Sie da!" zischen sie oberbeleidigt ab. Und wir haben im Moment die extremsten Extremfälle von dieser anstrengenden Leuten. 

Ohne Scheiss: Wir hatten heute eine Patientin, die im größten Mittagsstress Sitzstreik auf dem Flur gemacht hat, weil sie was anderes zum Mittagessen haben wollen, was aber gar nicht auf der Menükarte steht. Völlig orientierte, selbständige ältere Dame ... nur eben ätzend Ich-bezoge. Oder andere Patientin hat einfach "NEIN!" zum Transportdienst gesagt, als sie auf die Reha verlegt werden sollte: "Ich will da nicht hin, ich will jetzt Mittagsschlaf machen!" - "Ja, aber wir haben nur jetzt Zeit Sie rüber zu bringen" - "Nein, ich geh da nicht rüber!" Es ist zum kotzen. Und dann immer: "Pfleger, ich muss mich jetzt mal beschweren ..." Ich weiss nicht woran das liegt ... es ist alles wie immer. Das Essen ist genauso wie immer - aber die Patienten beschweren sich alle über´s Essen. Auch so undankbar alle. Ich erwarte ja nicht, dass sie mir Dankbarkeit entgegenbringen, es ist mein Job ihnen zu helfen. Aber ab und zu mal Bitte und Danke wäre nett. Und nicht um 10 vor 8 schon zu brüllen: "Meine Pillen! Jetzt!" oder suptiler: "Naja, jetzt bekomme ich meine Tabletten wieder zu spät - aber Sie scheinen ja keine Ahnung zu haben, was das für schlimme Auswirkungen auf einen kranken Körper wie meinen hat, wenn er seine Medizin nicht pünktlich erhält ..." Ich kommt´s vor als hätte ich heute 10 Stunden am Stück nur mit vorwurfsvollen, entwertenden Idioten verbracht- was auch irgendwie stimmt.

Irgendwie ist alles grade echt frustrierend. Auch auch so Nummer vor zwei Wochen: Obdachlosen Alki aufgenommen. Sternhagelrotzevoll ... Lange Haare, Krätze, Läuse, bestimmt seit Weihnachten nicht mehr geduscht oder Klamotten gewechselt. Vollgesch*** und eingekotzt. Yeah ... Also den Mann aus den Klamotten rausgeholt, die Wäschrei hat sich geweigert die Klamotten zu waschen, also hab ich das gemacht ... dann Patient gebadet, geschrubbt, mit Läusemittel behandelt, durchuntersucht ohne Ende, 4 mal pro Schicht Bett neu bezogen, weil der sich dauernd übergeben hat ... am nächsten Morgen war er ausgeschlafen und nüchtern, hat mich angepöbelt ich hätte seine Zigaretten geklaut und hat sich entlassen lassen. Und anstatt mal zu sagen: "Der wird nicht nochmal aufgenommen" sagt die zuständige Ärztin: "Oh der arme Mann ..." und schwupp war der gestern wird aufgenommen, gleiches Prozedere nochmal ... und heute mittag war er schon wieder weg, weil ihm irgendwas nicht gepasst hat ... ja ... toll.

Und zu allem Überfluss ist nichts da. Unser Lager ist so leer ... andauernd ist irgendwas nicht da oder leer und ich renn mich halb tot, um meine wichtigsten Arbeitsutensilien zu organisieren und zu schnorren. Pause ist auch nicht mehr drin, zwischen Tür und Angel mal nen halbes Brot ist das höchste der Gefühle. Und dann hab ich es gewagt am Tresen im Dienstzimmer meine Wasserflasche neben meinen Schreibkram zu stellen ... oh oh oh ... gleich Anschiss vom Chefarzt: "Pfleger Ryan, das sieht nicht gut aus, was sollen denn die Patienten denken, wenn die Sie hier so sehen. Bitte trinken Sie nur in ihrer Pause." Dem bin ich fast ins Gesicht gesprungen ... Gott sei Dank hab ich ´ne mega taffe Chefin, die gleich zurück keiffte: "WELCHE PAUSE?!! Das ist das SCHWESTERN-Zimmer, ICH bestimme was wer hier macht!" Wäre die Stimmung nicht so gereizt, wäre meine Chefin diplomatischer gewesen ... aber hätte wäre wenn ... 

Ich hab ja eine Theorie: Die Patienten sind gereizt, wir sind gereizt und überarbeitet - das wiederrum überträgt sich auf die Patienten, die dann noch gereizter und anstrengender werden, was wiederrum zum erhöhten Arbeitsaufwand und noch heftigeren Überlastung führt - ein Teufelskreis. Aber ich versuche positiv zu bleiben und vor allem ruhig. Vor ´nen paar Tagen bin ich stündlich ausgerastet, heute nur alle 5 Stunden - ist schon ´ne Steigerung. Und ich versuch´s jetzt humorvoll zu sehen. Zum Beispiel eine Patientin klingelte schon um 11 und regte sich auf wo Mittagesen bleibt (gibts um 12) und ich hab dann sowas gesagt wie: "Wieso Mittagessen? Ich hab beschlossen, dass das ausfällt" und hab gegrinst und dann musste sie auch lachen.

So langsam fühle ich mich leerer zund entspannter. Ich werd mich wohl für ´nen paar Stunden aufs Sofa hauen (ich bin gestern ungelogen beim Abendbrot am Tisch sitzend eingeschlafen vor Erschöpfung), im Moment geh ich auch mega früh ins Bett, um halbwegs fit zu sein. Dadurch das der Wecker um halb 5 klingelt, bin ich jetzt teilweise schon so zwischen 20-21.00 ins Bett gegangen. Verrückt.