Boys don´t cry

30.10.2011 um 17:12 Uhr

Immer noch krank

von: Ryan

Nase ist zu, ich spreche total nasal, bin heiser, bellender Husten, mittlerweile tut mir schon alles weh, wenn ich husten muss. Steffi ist angenervt, weil wir eigentlich heute zu ihren Eltern fahren wollten - wir haben´s jetzt erstmal auf morgen verschoben in der Hoffnung, dass ich fitter bin. Was mich ich echt annervt ist dieses "Krankheits-Gefühl" - vielleicht kommt das eher von meinen verstopften Nasennebenhöhle, die drücken.

Ich hab ja die böse Ahnung, dass ich ´ne Lungenentzündung schiebe - Steffi sagt, ich spinne. Ich sage, ich bin der Experte für Lungenentzündung als internistischer Krankenpfleger. Steffi sagt, sie ist die Expertin für Hypochondrie als Psychiatriefachschwester. Tja, was soll ich dazu noch sagen? Außer ein weniger mehr zu leiden als ich es eh schon tue.

 

30.10.2011 um 00:46 Uhr

Schatz, Ich bin krank

von: Ryan

Es ist mal wieder soweit. Nachdem wir die erste Urlaubswoche mit Freunden in Schleswig-Holstein verbracht haben, bin ich jetzt seid zwei Tagen richtig krank. Der Urlaub war super - wir konnte in das Ferienhaus des Vaters eines Freundes von mir und waren da mit einigen Leuten einige Tage. Ein total schönes, abgelegenes Bauernhaus mitten aufm platten Land. Die nächste Einkaufsmöglichkeit 10 km entfernt. Handyempfand gleich null - nee, wartet, wenn man den kleinen Trampelpfad zur gepflasterten Strasse hochlief, hatte man Empfang - musste ich einmal mitten in der stockdusteren Nacht, weil ich meiner besten Freundin dringend ´ne Sims schreiben musste.

Es war toll. Wir haben zwar nur "langweilige" Sachen gemacht, wie ein Tagestripp nach Kiel zum shoppen, ruhige Bier-Abende in der warmen Wohnstube, aber es war toll. Problem: Es war tierisch kalt. Und trotz warmer Socke und Co. muss ich mich furchtbar unterkühlt haben. Aufm Rückweg hatte ich schon Halsschmerzen, kaum zuhause angekommen setzte Fieber ein. Und nun bin ich richtig krank.

Steffi freut sich furchtbar (achtung Ironie!). Leidende Männer sind ja scheinbar immer schrecklich, ich halte mich sogar für ein sehr annehmbares Exemplar meiner Gattung. Ich mach mir meinen Tee noch selber, bin selber losgelaufen, um mir eine Familienpackung Taschentücher zu holen und obwohl ich dauernd drauf bestehe, dass irgendwer mir was zu essen macht, hab ich alle Mahlzeiten in den letzten drei Tagen selber zubereitet. Rauchen geht teilweise auch noch, also kann´s so schlimm nicht sein. 

Aber ich erwähne so ungefähr 4 Mal pro Stunde, dass ich krank bin. Ich schaue meine Freundin aus großen, leidenden Augen an und sage dann sowas wie: "Schaaaatz, ich bin krank ..." Ja, das ist mein Standartsatz, wenn ich Mitleid will. Ich glaube, meine Freundin ist auch schon etwas genervt - sie sagt es zwar nicht, aber irgendwie war sie heute 9 Stunden weg, um "nur mal kurz einer Freundin was vorbei zu bringen". 

Ich bin ziemlich angenervt, dass ich mitten im Urlaub krank geworden bin und nun auf der Couch rumhänge anstatt irgendwas tolles zu unternehmen. Daher finde ich, sollte ich das Recht habe alle zu informieren, wie schlimm es mir geht, oder?!

23.10.2011 um 02:33 Uhr

Das Leben ist holprig

von: Ryan

Es ist mal wieder soweit: ich komme angetrunken von einem Treffen und hab zuviele Gedanken im Kopf. Das Leben ist holprig, im Moment. Eigentlich gehts mir ganz gut. Psychisch ist alles ganz gut. In den letzten Tagen hatte ich wieder so leichte Anflüge von Panik - wahrscheinlich weil ich grade Überstunden abbaue und einfach unbeschäftigt bin. Aber dann hab ich mich wirklich mal für ´ne halbe Stunde hingelegt und mir überlegt, warum ich eigentlich Panik haben sollte. Und egal wie rum ich es im Kopf gedreht habe: da gibt´s nix, weswegen ich in Panik geraten sollte. Sicher sind da einige Themen in meinem Leben, die mich beunruhigen - aber auch selbst die konnte ich gut filtern in Themen, die mich beunruhigen und es nicht wert sind, und in Themen, die wirklich stressig sind.

Eigentlich hab ich nur zwei Themen grade. Das eine: meine Tiere. ich bin seid zwei Jahren stolzer Besitzer von zwei Ratten. Ich liebe Ratten, die coolsten Tiere auf der Welt. Sie haben zwar echt ´nen schlechten Ruf, aber im Grunde sind Ratten intelligente große Mäuse. Und für alle, die gleich denken: "Oh Gott, aber der Schwanz!" Auch nicht schlimm. Ratten sind total coole Tiere. Meine erste Ratte hatte ich mit 16, mega kuscheliges und handzahmes Tier. Eigentlich hat sie nur die Nächte im Käfig verbracht, sobald ich zuhause war: Käfigtür auf und Ratte hatte Freilauf. Ich kann mich echt gut dran erinnern, dass ich immer auf meinem Bett saß zum lernen für die Schule - die Ratte hat sich zum kuscheln auf mein Bein gelegt, ein Buch zum lernen in der Hand und mit der anderen meine Ratte gestreichelt. So ´ne richtige ratte zum auf der Schulter rumtragen - ach, Bauchtasche von Pullover war viel beliebter zum drinsitzen. Oh, ich hab dieses Tier so geliebt.

In der Zwischenzeit hatte ich einige Ratten, mal mehr mal weniger zutraulich. Nachdem ich 2 Jahre ohne Tiere war, hab ich mir vor 2 Jahren zwei Rattenweibchen aus´m Tierheim geholt, die jetzt bei uns wohnen. Sie sind zutraulich, aber sie mögen nicht angefasst werden. Sobald ich sie in die Hand nehme, fiebsen sie und versuchen wegzukommen. Das ist okay. Füttern kann ich sie mit der Hand, sie schlecken auch meine Finger ab, aber sie wollen einfach nicht hochgenommen werden. Sie kenne das anscheinen nicht und mögen das nicht. Okay. Sie sind jetzt beide ungefähr 2 Jahre alt schätze ich, im Tierheim konnte sie mir das Alter nicht genau sagen. Das ist das Alter, indem Ratten alt werden. Und das werden die beiden grade. Mir ist schon vorher aufgefallen, dass sie beide träger werden, nicht mehr ganz so irre rumtobben und einfach typische Altersmerkmale kriegen.

Okay, ich merke, ich muss die beiden vorher erklären. Meine eine Ratte ist eine dicke, sehr gemütliche Ratte. Sie frisst gerne, sie bemüht sich aber nicht um Futter. Sie wartet bis es zu ihr kommt. Sie spielt auch nicht so wild und ist einfach sehr gemütlich, groß und dick. Und die andere ist klein und agil. Ich mache die Käfigtür auf und sie sitzt schon davor und kann kaum erwarten, dass was zu fressen raus kommt. Oder dass sie raus darf. Freilauf findet sie super und flitzt durch die ganze Wohnung. Vor zwei Monaten saß sie plötzlich in die Küche vor mir - eigentlich darf sie nur auf dem Flur laufen, aber Steffi hatte eine Tür aufgemacht und nicht gemerkt, dass die Ratte dabei entwischt ist. Die Kleine arbeitet auch richtig für Futter. Sie flitzt durch den ganzen Flur, schnappt sich was Leckeres, trägt es in den Käfig und rennt gleich wieder los, um was Neues zu organisieren. Die dicke Ratte stattdessen findet irgendwann den Stapel mit mühsamerbeuteten Futter und frisst.

Das war so die Rollenverteilung - mir ist vor 2 Wochen eine dicke Geschwulst bei meiner Dicken aufgefallen. Aber sie ist munter und frisst und scheint keine Schmerzen zu haben. Also Nächte lang hin und her überlegt, operieren oder nicht? Ich bin zu dem Entschluss gekommen nix zu machen solange es ihr gut zu gehen scheint. Die Ratte ist alt, Geschwülste wachsen bei Ratten immer schnell nach, sie wirkt in keinster Weise beeinträchtigt. Ich setzte ihr jetzt nicht den Stress von Tierarzt, OP und Schmerzen aus, nur damit ich sie 4 Monate länger hab. Aber richtig Sorgen macht mir mittlerweile die Kleine. Seit einer Woche frisst sie so gut wie gar nicht, sie total schwach, schläft fast nur noch. Klettern geht auch kaum noch - ich hab im Käfig schon "Fallnetze" mit Handtüchern gebaut, falls sie sich nicht mehr halten kann und irgendwo tief runterfällt. Fressen ganz schlecht - ich glaub, sie kann nicht mehr richtig fressen, warum auch immer. Total abgemagert, mein armes Tier. Ich bin echt schlecht drauf wegen meiner Kleinen. Irgendwie ist mir klar, dass es das dann auch bald war. Also dass sie bald sterben werden. Ich bemühe mich echt, die Kleine wird zum Beispiel grade alle paar Stunden von mir mit Babynahrung gefüttern (ist pürriert, kann sie gut essen) - Steffi hält mich für irre, dass ich ein Glas Babynahrung für die Ratte gekauft hab. Von ihr kommen so Sätze wie: "Dir war doch klar, dass die Ratten nicht so alt werden." - Ja, aber ich darf doch trotzdem ein wenig mitgenommen sein? Naja, ich füttere also grade alle paar Stunden meine kleine, alte Rattenlady mit Babybrei. Am meisten hoffe ich, dass ich den richtigen Zeitpunkt mitkriege, wann es eben nicht mehr geht - also wann ich sie einschläfern lassen sollte. Das ist meine größte Angst im Moment. Und Steffi und ich wollen Übermorgen nach Dänemark fahren - zwar nur für 2 Tage, und 2 Tage kommen Nagetiere immer gut alleine klar mit einer dementsprechenden Menge Futter. Aber ich hab echt Bammel, dass genau dann was Blödes passiert. Ich überlege, ob ich meinen Bruder frage, einmal kurz nach den Tieren zu sehen - Steffi hält das für übertrieben. "Was soll den schon sein?" Aber es sind halt meine Tiere und ich mache mir Sorgen, wenn sie alt und krank sind. 

Zweites Thema: Ich bin ein Maulwurf. Ich war vor einer Woche beim Optiker, um meine Kontaktlinsen neu vermessen zu lassen. Ich bin sehr kurzsichtig, schon seit meinem 16. Lebensjahr. Aber ich hatte immer genug Sitznachbarinnen, bei denen ich abschreiben konnte, weil ich die Tafel nicht mehr lesen konnte. Und dann gab´s irgendwann eine Brille, über die ich immer sehr unglücklich war. Irgendwann gab´s Kontaktlinsen - und dann war wieder alles okay. Ich trage seit über 10 Jahren Kontaktlinsen. Ab und zu muss ich sie neu auslesen lassen, weil meine Dioptrin sich verändern und meine Augen immer schlechter werden. Und mittlerweile bin ich echt schlecht mit den Augen. Meine Freundin ist auch kurzsichtig, mit Brille und Kontaktlinsen. Aber ich lache immer nur trocken, wenn sie erzählt wie schlecht sie gucken kann. Steffi und diverse brillentragenden Freunde sind dann so bei - 1,25 Doptrin, vielleicht auch mal bei -2, wenn´s ganz hart kommt. Ich hab mittlerweile -6,25 und -7,75.  Ja ... für alle, die sich nicht auskennen: Der Optiker hat mich direkt bei diesen Werten zum Augenarzt geschickt, in dieser fragte mich allen ernstes, ob ich mal einen Unfall hatte bei dem meine Augen verletzt worden seien, was meine schlechte Sehfähigkeit erklären würde. Diese Augentest, wo man Reihen mit Buchstaben vorlesen muss, sind immer der Zeitpunkt, an dem ich merke: Ich bin ein Maulwurf. Früher hab ich mich immer geschähmt und geraten - mittlerweile kann ich ganz selbstbewusst sagen: "Tut mir leid, aber ich kann´s nicht lesen." Und mittlerweile ist mein Augenarzt auch auf dem Level, wo der sagt: "Tut mir leid, Herr Anderson, eigentlich sollte diese Reihe kein Problem sein - aber Sie werden diese Reihe niemals selbst mit Brille/Kontaktlinsen lesen können."

Ja herrlich ... ich bin ein wenig geknickt. Vor allem weil ich heute meine Brille abgeholt hab. Die Brille ist wirklich cool und sie ist stylisch und sie steht mir (auch wenn sie soviel wie ein iPhone gekostet hat - ja, das wusste ich auch noch nicht: je stärker die Brillengläser, desto teurer die Brille) - aber egal was ich mich: meine Sehkraft bleibt schlecht. Das ist wohl wie in allen Bereichen der Medizin: Zu einem gewissen Grad kann man noch gut was machen - aber dann irgendwann auch nicht mehr. Und ich hab diesen Grad erreicht, an dem man eben nur noch Schadenbegrenzung betreiben kann. Mich stört gar nicht mal, dass ich dann eben auf Schildern kleine Bildschriften nicht lesen kann - das war immer schon so und wieder immer so sein. Ich bin mir auch sicher, dass ich viel weniger oder viel verschwommener sehe als normale Menschen, aber ich kenn´s ja nicht anders. Ganz kurz zur Erklärung: Kontaktlinsen gleichen weniger aus als eine Brille, also mit Kontaktlinsen hab ich immer noch bestenfalls (!) ein Defizit von -0,5 Dioptrin (vielleicht auch mehr, ich will´s gar nicht so genau wissen - ich darf auf jeden Fall mit Kontaktlinsen nicht Autofahren - Adé Führerschein) - die Brille ist da schon besser, aber sie gleicht mein Sehdefizit nicht aus. 

Der Augenarzt sagte sowas wie: "Wir kriegen mit der Brille ca. 90% Sehkraft bei Ihnen, Herr Anderson, mehr dürfen Sie nicht erwarten." - Nein, tue ich nicht, 90% sind okay, ich bin weniger gewohnt. Ich stelle mir das ein bisschen vor wie HD-Fernsehen. Wenn man es nicht kennt, vermisst man es nicht. Man ist dann überwältigt und beeindruckt wie scharf und toll ein Bild sein kann - aber ganz ehrlich: Früher hat man doch nicht jede Minute beim fernsehen gesagt: Oh, was würde ich dafür tun, dass das Bild jetzt gestochen scharf und in 3D ist!? Nein, man ist jetzt verwöhnt von HD, weil man weiss, dass es möglich ist. Mein Leben wird nie HD sein - gut, ich weiss aber auch nicht, wie HD aussieht, also vermisse ich es nicht. Das ist okay für mich.

Abe wirklich schlimm war als der Augenarzt sagte: "Herr Anderson, sie haben auf einem Augen etwas weniger als 70 % Sehkraft (okay) - aber das andere hat nur noch 30%" Yeah, denke ich, also zusammen 100%, haha ... nein .... nein nein nein, so einfach ist das nicht. "Herr Anderson, da ihre Sekhraft in den letzten 5 Jahren so rapide gesunken ist, müssen wir davon ausgehen, dass sie weiter sinkt." Und das bedeutet? "Dass Sie auf einem Auge erblinden können."... ja geil ... da gehe ich einmal im Urlaub, weil ich Zeit hab zum Optiker, um `ne neue Brille zu holen und dann sowas. Der Augenarzt sagte was von "Können, wenn die Sehkraft sinkt". Wenn ich weiter so kurzsichtig bleibe wie vorher, ist alles okay. Und ganz blind werde ich auch nicht, weil ich höchstwahrscheinlich weiter Farben sehen kann, aber sonst halt nix. Mehr sehe ich eigentlich jeden Abend nicht, wenn ich die Kontaktlinsen rausnehmen. In meiner Wohnung kenne ich mich blind aus - im wahrsten Sinne des Wortes. Ich weiss sogar betrunken wieviele Schritte es vom Badezimmer bis zu meinem Bett machen muss. Vielleicht habe ich mir so ´ne Fähigkeit unterbewusst angeeignet, eben weil ich schon blind bin. Ich schaff´s sogar mir nachts in der Küche ´ne heisse Milch zu machen ohne was zu verschütten oder mir blaue Flecken zu holen, obwohl ich eigentlich kaum was sehe. Darauf bin ich ein wenig stolz merke ich grade ... aber auf der anderen Seite bin ich geknickt. 

Vor allem weil ich heute meine Brille abgeholt hab ... ich hab mich gefreut auf die Brille. Sie ist wirklich cool, und sie steht mir. Für mich ist sie ein bisschen wie eine neue Jacke. Ich kann sie tragen, wenn ich denke, dass sie zu meinem Style passt. Ich bin ja eitel und diese Retro-Brillen mit dicken schwarzen Rand sind so In grade. Also ich setz die Brille auf zuhause ... und sehe nix. Ich hab seit 10 Jahren keine Brille mehr getragen ... und ich sehe überhaupt nix. Ich hab sie 1 Stunde getragen bis ich Kopfschmerzen hatte und die Kontaktlinsen wieder eingesetzt hab. Steffi sagte, es sei mit ihrer Brille genauso gewesen. Sie war drei mal beim Optiker und hat sich beschwert, dass sie nix sieht und es hiess immer: "Sie müssen sich erst an die Brille gewöhnen." und das hat Steffi auch getan. 

Ich fühle mich mit der Brille noch blinder als vorher. Natürlich werde ich weiterhin Kontaktlinsen bevorzugen, aber die Brille muss eingetragen werden. Aber es ist furchtbar. Alle Türrahmen haben einen Bogen, ich kann Entfernungen nicht abschätzen (Treppenhaus ist grade No-Go), mein Sichtfeld bewegt sich mit mir mit und Lichter sind bunt. Ganz schrecklich. Naja, ich werde mich dran gewöhnen - hoffe ich.

Aber wie gesagt, ich bin blind und es kann sein, dass ich noch blinder werde. Und meine Brillen sind teuer. Ich war vorhin mit ´ner Freundin was trinken, die auch eine Brille trägt. Sie hat irgendwie Angst vor Kontaktlinsen und ihr stehen Brillen. Und sie erzählte, sie hätte 5 verschiedene Brillen, unter anderen eine Sportbrille, eine Sonnenbrille, eine für die Arbeit, eine zum Ausgehen und für alle möglichen Gelegenheiten halt ...  ich hab auch 6 Brillen, aber davon sind 5 Sonnenbrillen ohne Dioptrin für je 5 Euro ... die eine richtige Brille war teuer genug. 

Ich bin mir sicher, dass ich mich an meine neue Brille gewöhne und sie häufiger tragen werde - sie steht mir einfach. Ich hab (ohne Witz) überlegt mir eine Fensterglas-Brille in dem Style zuzulegen einfach weil´s mordern ist. Diese Brillen sehen einfach gut aus, finde ich. Also schone ich den Kontaktlinsen-Geldbeutel und trage mal wirklich eine richtige Brille. Und eigentlich war es total fahrlässig von mir keine Brille zu haben, wenn man so blind ist wie ich, und sich jeden Tag drauf zu verlassen, dass man niemals eine Kontaktlinse verliert und dass die Augen das jeden Tag mitmachen. Okay, die Zeiten sind vorbei. Ich bin mir auch sicher, dass sich nicht viel ändern wird, auch wenn ich WEISS, dass ich erblinden kann. Ich glaube auch nicht, dass es wirklich was ändert, wenn ich dann wirklich "erblinde" - ich sehe dann ja nicht schwarz auf´m einen Auge. Es ist dann halt nur sehr schlecht, also noch schlechter als sonst. Aber der Sprung von schlecht auf sehr schlecht ist nicht weit. Also was soll´s. Solange ich nicht schiele oder sonst komisch aussehe, isses egal. Naja wohl nicht ganz, sonst würde ich mir nicht solche Gedanken machen, oder?

Okay, und nun das Positive: Wie schon erwähnt, wir fahren zwei Tage nach Dänemark. Einer der wenigen mit-Freunde-Urlaub. Wir fahren zusammen mit meinem ehemaligen Mitbewohner und seinem Lebensgefährten nach Dänemark. Zwar nur für 2,5 Tage und auch nur ganz ruhig. Steffi mag die beiden Jungs total gerne (Okay, meine Theorie ist ja immer: Wie können Frauen schwule Männer NICHT mögen?), aber die beiden sind echt super. Zwei meiner besten Freunde - Zusammenleben sehe ich gar nicht problematisch, ich hab ja mit den beiden 2 jahre lang auf 50 Quadratmeter gelebt. Ich freue mich auch irgendwie sehr drauf, die beiden mal wieder Tag und Nacht um mich zu haben. Ich hab echt gerne in der WG gelebt. Revival of the good old Times. 

Was mir viel mehr Sorgen macht: Wie wird´s meinen Ratten gehen? Und der Augenarzt hat sowas gesagt wie: "Was steht in Ihrem Führerschein bezüglich Ihrer Sehkraft?!" - "Ich hab keinen Führerschein." - "Okay, wenn Sie ihn machen wollen, dann kommen Sie erst zur Augenprüfung und wir überlegen, was für Möglichkeiten wir haben." hört sich nicht gut an, oder? "Ähm, ich krieg denn mit meiner Sehstärke überhaupt einen Führerschein?" - "Wir schauen erstmal wie Sie sich an die Brille gewöhnt haben, und vielleicht bräuchten Sie zu den Kontaktlinsen noch eine Ausgleichbrille, wenn Sie Autofahren wollen." Aaaaah ... ich bin also mit Kontaktlinsen so blind, dass ich zum Autofahren eine Brille zusätzlich den Kontaktlinsen bräuchte ... ich flippe aus ... 

Ich muss ja zugeben, ich fahre nicht gerne selbst. Vor allem deutsche Autobahn finde ich gruselig. Ich hab in den USA meine Driver License gemacht - und das ist ja nix im Vergleich zu Deutschland. Du fährst mit dem Fahrlehrer einmal um den Block, und wenn du nicht wirklich große Scheisse baust wie total zu schnell fahren oder einen Fahrradfahrer anfahren, haste den Lappen. Aber in Amerika ist eben anderes Fahren als in Deutschland. Ich hab gelernt sehr langsam und vorsichtig zu fahren. Ja sicher hab ich auch mal einen Wagen auf über 200 km/h beschleunigt, aber mittlerweile fahre ich eigentlich nie schneller als 100km/h - Steffi sagt immer, ich fahre wie eine Oma. Aber ich sage, ich fahre gemütlich und sicher. Deswegen passt mein Bus auch so gut zu mir - wir waren gestern auf der Autobahn mit ih, nur um zu gucken wie schnell er kann. 95 km/h Spitze mit Rückenwind, eigentlich eher 80 km/h. Ich liebe den VW-Bus, er passt ideal zu mir.

Jetzt muss ich auch noch ehrlich zugeben, ich darf ja ga

r nicht fahren - ich hab keinen deutschen Führerschein, und meinen amerikanischen hab ich zwar ein paar Mal verlängern lassen, aber das ist auch nur begrenzt möglich. Auf der anderen Seite will ich Steffi auf langen Autofahrten auch nicht alleine lassen. Ich kann nicht verlangen (finde ich), dass sie 4 Stunden alleine durchfährt, wenn wir zum Beispiel zu ihren Eltern nach Usedom fahren.  Bislang wurde ich auch nur einmal rausgewunken (Steffi war einfach zu sehr angetrunken um zu fahren und wir kamen von einer Party ausm Vorort von Hamburg, also hab ich gesagt, dass ich fahre). Polizist winkt uns also raus, Steffi gleich "Oh Gott, wie sollen wir nach Hause kommen, wenn keiner von uns weiter fahre darf?! Du hast doch keinen Führerschein!" - "Schatz, ganz wichtig jetzt: Ich spreche kein DEUTSCH! Egal, was passiert, ich spreche und verstehe kein Deutsch!" Steffi betrunken wie siewar: "WIESO?" - aber da stand der Polizist schon neben uns - ich saß brav wie in Amiland so üblich im Auto, Hände auf dem Lenkgrad, Scheibe runtergekurbelt und begrüße ihn auf englisch. Und deutsche Polizisten sind geil - egal in welcher Sprache du sie ansprichst, sie antworten auf deutsch: "Bitte aussteigen, Fahrzeugpapiere, steigen Sie aus, Alkoholkontrolle." und ich ganz brav wie in Amerika sitzengeblieben: "Sorry, i dont understand, i´m from St. Barbara, USA." Polizist irritiert. "Ja, ähm ... " er guckt Steffi an. "Amerika?" - Sie nickt. "Aber Sie sprechen deutsch?" Steffi total verunsicher: "Ja ... er ist mein Freund ..." Der Polizist verunsicher. "Sagen Sie ihrem Freund bitte, ich bräuchte mal seinen Führerschein." Und dann Steffi so geil betrunken und verunsicher: "Ryan, er braucht deinen FÜHRERSCHEIN!" auf deutsch ... ich musste mich echt zusammenreissen um nicht zu lachen. "Honey, what?!" - "Füüüührerscheeeein!" und sie sprach dann auch lauter, als ob das irgendwas ändern würde an der imaginieren Sprachbarriere. "Deinen FÜÜÜHRERSCHEIN!!" ich guck sie böse an und versuche Gedanke an ihr betrunkenes Gehirn zu schicken wie: "Versuch englisch zu reden, versuch in der Rolle zu bleiben, versuch es!!" und sie: "Give him this thing ... you need to ... this thing ... for the car!" - "My driver license?" - "Ähhh ..." - ich streck dem Typen meinen seit Ewigkeiten abgelaufenen amerikanischen Führerschein hin ... er schaut sich den an und sagt: "Der ist abgelaufen." ich guck als ob ich von nix ne Ahnung hätte. Steffi zu mir: "Ryan, your license ... ist abgelaufen. ABGELAUFEN!! Not more gültig!" Ich schüttel den Kopf, ich verstehe ja nix. (aber musste mich so zusammenreissen, je weniger Steffi sich verstanden fühlt, desto mehr schreit sie). Und die Polizei ist dann auch immer sichtlich überfordert und fragt mich noch mal ob ich "Coud you pusten in this thing?" halten mir ein Alkohol-Pustegerät unter die Nase, ich puste brav, o,oo Promille und dann war´s das auch. 

Cool war als der Polizist noch unsere Persos gecheckt hat und ganz verwirrt guckte: "Sie beide haben die gleiche Meldeadrresse." Steffi: "Ja, er ist mein Freund." - "Ihr Freund ist seid 1,5 Jahren in Deutschland gemeldet und spricht überhaupt kein deutsch?!" Steffi schüttelt den Kopf. Jetzt kommt´s dem Polizisten komisch vor, weil Steffi spricht ja scheinbar auch kein Englisch. "Einbissschhen däutsch" falle ich ein. "Isch lärne!!" Der Polizist will sich dann auch nicht weiter auf englisch einen abbrechen: "Okay, Sie können weiter fahren, sagen Sie ihrem Freund, er soll dafür sorgen eine gültigen Führerschein zu haben." Steffi nickt und sagt: "Yes" zum Polizisten. Kaum sind wir weiter gefahren, Steffi noch total in der Rolle: "Der Polizist says, du musst to have a gültigen Führerschein! Hast du verstanden? You musst to have a gültigen FÜHRERSCHEIN!"- "SCHATZ!!! Jetzt ist aber mal gut!" Ja, das war schon irgendwie witzig. Steffi erinnert sich kaum dran, in ihrer Version wenn sie´s erzählt, spricht sie perfekt Englisch und übersetzt zwischen dem Polizisten und mir ... ja, ich lass sie mal in dem Glauben ... zufällig torkelt Fräulein grade in diesem Moment, in dem ich das schreibe zur Tür hinein. Sie war mit ´ner Freundin auf der Reeperbahn und wird wie immer die Geschichte des abends anhand ihres Alkholkonsum berichten, so in etwa wie: "Ich hab 10 Bier getrunken, 2 im Head Crash, da war ein total tolles Lied, wozu wir getanzt haben ... und 2 Bier hab im Lucky Stars getrunken, da haben wir den Barkeeper angeflirtet und das Zweite umsonst bekommen - und eine Zigarette ... und 1 Bier hab ich da und dort getrunken, weil, da wollte ich gar nicht rein, aber sie wollte unbedingt rein, weil sie sagte ..."

Ich lausche mal was meine Freundin mir auf Deutsch zu erzählen hat.

16.10.2011 um 15:12 Uhr

And so it goes

von: Ryan

So, wir sind jetzt ein glückliches VW-Bus-Besitzer-Pärchen. Es lief nicht so schön romantisch ab wie gedacht - mit Schleife und Überraschung. Ich hatte echt viel zu tun, viel Nachtdienst - ich hab gefühlte 4 Wochen durchgearbeitet ohne Pause, Erholung oder sonstwas ... naja, Steffi nöllte dauernd, sie will diesen Bus, aber das Geld ... und dann lag eines Abends Geld aufm Küchentisch und sie wollte das erst nicht annehmen und jaulte rum, dass können wir doch nicht machen. Am Ende ginge die Beziehung wegen Geld kaputt und bla bla ... und dann musste ich sehr ausdrücklich und streng sie dran erinnern, dass wenn wir verheiratet sind auch alle "Unsers" und nicht mehr mein und dein ist. Und das ich unbedingt will, dass sie diesen Bus fährt und sich ihren Traum erfüllt. Für mich persönlich ist Geld nur buntes Papier. Ich bin zwar sehr sparsam und genügsam, deswegen hab ich eigentlich immer Geld ... vielleicht wird mir Geld wichtiger, wenn ich mal irgendwann pleite bin ...

Naja, der Bus ist auf jeden Fall eine gute Investion. Er ist fast so alt wie wir, rostig, müllig ... aber hat Potential.  Steffi kümmert sich drum, dass er durch den Tüv kommt, ich kümmer mich um die Lakierung unddas Design. So macht jeder das, was er am Besten kann.

Zur Zeit bin ich sehr müde und erschöpft. Wie schon gesagt, hab ich extrem viel Zeit auf Arbeit verbracht. Ich hatte in den letzten 4 Wochen nie mehr als einen Tag frei. Ich sag dann gerne, ich hab einen Zweitwohnsitz auf Arbeit.  Aber ich hab´s gut durchgehalten. Jetzt hab 4 Wochen frei - Urlaub und Überstunden abbauen. Ich dachte eigentlich, ich würde die ersten 3 Tage nur schlafen, aber irgendwie bin ich schon um 8 wach gewesen. Völlig zerknautscht und trotzdem müde, aber nicht in der Lage weiterzuschlafen. Gestern war Couch-Tag. Duschen, Jogginghose an und auf der Couch Fernsehen geschaut bis ich irgendwann gegen 19.00 eingeschlafen bin und erst wach wurde als Steffi um 23.00 vom Spätdienst heim kam. Ich werde wirklich alt - Samstag abend und ich schlaf um 7 auf der Couch ein. Aber weil ich heute so früh wach war, konnten Steffi und ich mal brunchen gehen.

Zurück kurz zur Arbeit: ich bin grade sehr geknickt, weil unser zweiter Pfleger gekündigt hat. Wie schon mal erwähnt, haben wir ein zielich gutes Team. Ungefähr 10 Schwestern udn 2 Pfleger. Der Großteil ist im Alter zwischen 20-30, also recht jung. Natürlich haben wir auch unsere "Oma", die bereits 50 ist, aber deswegen kein bisschen ausgeschlossen oder weniger "verrückt". Sie näht zum beispiel den Mädels regelmäßig süße Handtaschen udn wir helfen ihr, ihr Handy zu verstehen oder ihre E-Mails zu beantworten. Zurück zum Thema: unser zweiter Pfleger hört auf. Also bin ich wieder mit dem Hühnerhaufen alleine. Natürlich bin ich traurig, weil er mittlerweile ein guter Kumpel ist, aber ich fühl mich auch alleine gelassen. Ich hab schon während der Ausbildung gemerkt, dass männliche Pflegekräfte einfach selten aber wertvoll sind. Es gibt einfach Sachen, dafür braucht man einen "Mann". Ich bin zwar nicht besonders groß und hab nicht die bereitesten Schultern, aber wenn die Mädels irgendwo nicht weiter kommen, dann muss "der Pfleger" kommen. Zum Beispielimmer beliebstes Thema: die geilen opas. Gibt´s selten, nichts gegen ältere Männer im Allgemeinen, aber ab und zu hat man so ein Exemplar auf Station. Neulich hatten wir mal wieder einen, der sobald es hiess: "Können Sie sich selber bei der Körperpflege versorgen?" - "Nein! Ich muss gewaschen werden!" und kaum kam dem eine Schwester zu nahe, grabschte er auch schon, liess so Sprüche los wie: "Können Sie nicht mal ihre Bluse etwas aufmachen für mich?" das war dann auch ziemlich schnell klar, dass der nur noch von männlichen Pflegekräften versorgt wurde ... 

Oder anderes Beispiel: wenn wir psychisch angeschlagene Patienten haben, die uns auch ganz gerne mal "ärgern", ist es eher die Aufgabe von uns beiden Männern diese Leute einzugrenzen, aufm Tisch zu hauen und zu sagen: "Noch so ´ne Aktion und du fliegst raus!" Natürlich können die Mädels sich auch durchsetzen, aber in der Regel hat es mehr Nachdruck, wenn das ein Mann macht. Wenn eine Schlumpfine doof angemacht wird, muss Papa Schlumpf für Ordnung sorgen und dann ist Ruhe. So ist das bei uns. 

Und dann bin ich bald wieder der einzige Papa Schlumpf. Mal davon abgesehen, dass das heisst, dass ich wieder mehr Nachtdienste machen muss, weil die Mädels die so schwer heben können wie ich, bedeutet das auch, dass ich alle Papa Schlumpf-Aufgaben alleine übernehmen kann. Und was es auch bedeutet, dass in unserem Hühnerstall wieder mehr Chaos sein wird. Ich bin ja der Meinung, dass die blosse Anwesenheit von Männern eine große Gruppe von Frauen auflockert. Ich alleine lockere da meistens nix, weil ich einfach auch oft genug ein "Mädchen" bin. Ich komm zwar auch nicht jeden Tag wie frisch aus dem Ei gepellt zur Arbeit, ich sitzt auch nachm 5. Frühdienst mit drei-Tage-Bart in der Übergabe und grummel in mich rein. Aber ich kann einfach auch sehr zickig sein und steige viel zu häufig in irgendwelche Lästereien ein. Mal davon abgesehen bin ich eh schon viel zu häufig auf Arbeit und hab zuviele Überstunden - ach, ich muss schauen wie sich das entwickelt.

Mein Chefin hat wieder gefragt, ob ich nicht ihre Stellvertretung werden will ... ich überlege grade. ich war ja mal ein halbes Jahr Stellvertretung, hab das dann aber abgegeben, weil ich einfach keine Lust hatte immer der Sündenbock für alle unzufriedenen Patienten zu sein. "Ich will sofort mit dem Chef sprechen!" - "Ja, ich bin die Stationsleitung, was gibts?" - "Also meine Mutter liegt in einem Zimmer OHNE Fernseher!" - "Ihre Mutter hat bei Aufnahme gestern gesagt, sie bräuchte keinen Fernseher, also haben wir auch keinen besorgt." - "Das kann gar nicht sein, und überhaupt wie unverschämt ist das eigentlich standartmässig keinen Fernseher im Zimmer zu haben!" - "Naja, ich kann auch nichts dafür, dass die Zimmer nun mal so sind wie sie sind ..." Boah, ätzend. Und in der Zeit haben sich soviele Leute dauernd beschwert ...  im Krankenhaus beschweren sich sowieso immer soviele Menschen. Ich weiss nicht, ob das an der allgemeinen deutschen Mentalität liegt mit nichts zufrieden sein zu können oder völlig übertriebene Vorstellungen zu haben, was man alles bräuchte, wenn man krank ist. Oder ob die Menschen, deswegen so angespannt und nöllig sind, weil sie sich Sorgen um sich und ihre Angehörigen machen. Ich weiss es nicht.

Ich organisiere eigentlich wirklich gerne Sachen. Ich hab dieses Jahr für einige Monate den Diensplan geschrieben, und ich hab auch kein Problem damit der Sündenbock für mein Team zu sein, indem ich sagen muss: "Der Geschaftsführer will, dass das anders läuft ab sofort!" Alles kein Thema ... aber dieses unnütze Ausgekotze von Fremden finde ich so anstrengend. Wir haben sogar eine Beschwerde-Schwester. Die macht den ganzen Tag nix anderes als sich um diese Beschwerden zu kümmern, egal wie groß oder klein sie sein mögen. Wenn ich dann sage: "Ich bin der falsche Ansprechpartner, ich kann mir nur anhören, was Sie zu sagen haben, aber ich kann nicht produktiv weiterhelfen, ich schreibe Ihnen die Nummer der Beschwerde-Schwester auf" wollen das die Leute nicht!! Die wollen wirklich nur einfach mal meckern und dass ihnen jemand zuhört. 

Ich hab einfach keine Lust mich dauernd rechtfertigen zu müssen, warum wir als Krankenhaus nicht den Standart eines 5 Sterne-Hotels haben. Die Menschen denken immer, sie müssten ja auch was für ihr Geld bekommen. Für die 10 € die sie am Tag zuzahlen. Den Rest übernimmt ja die Krankenkasse. Bei Privatpatienten kann ich es teilweise irgendwie nachvollziehen, aber auch diese verwechseln häufig, dass der Privatstatus sich nur auf die räumliche Unterbringung und die Oberarzt-Behandlung beschränkt. Als Pfleger bin ich natürlich auch drauf bedacht, dass die das richtige Privat-Essen bekommen und die dementsprechende Bettwäsche, manchmal sogar dass die Zeitung pünktlich zum Frühstück schon im Zimmer liegt, aber bei allem anderen mache ich keinen Unterschied. Ich bin nicht netter zu Privatpatienten und Fingernägel lakieren mache ich deswegen auch nicht. Die meisten Leute verstehen einfach nicht, dass Krankenhäuser so irre Kostenreduktion betreiben müssen, weil die Behandlungskosten so irre hoch sind. Es gibt Antibiotika, da kostet eine kleine Infusionsflasche mal locker 50 Euro. Es gibt Medikamente, da kosten 10 Tabletten im Blister soviel wie unser VW-Bus. Und von Verbandstücher mit Silberionen fange ich gar nicht erst an. Höhere Krankenkassen-Beiträge will ja auch keiner zahlen und morgens vor der Arbeit die Oma selber waschen, wie es in anderen Ländern üblich ist, macht in Deutschland auch kein Mensch. Ich bin ja so frech, wenn sich Angehörige beschweren, dass die Oma in der Woche nur 2 mal geduscht wurde anstatt jeden Tag, dass ich dann mit Handtüchern vor denen stehe, sage: "Davorne ist die Dusche, dann helfen Sie doch ihrer Oma beim Duschen." Und dann gucken die Leute doof.

Apropo Oma - meine Oma war mal wieder Gast bei uns im Krankenhaus. Aber diesmal hat´s ihr nicht gefallen. Zur Erklärung, meine Oma und meine Mutter waren beide jahrzehnte lang bei uns im Krankenhaus Schwestern. Mittlerweile kennen die beiden aber kaum noch einen, der da arbeitet. Sind ja alle schon in Rente. Naja, sie hat meine Kolleginnen wohl ziemlich geärgert, sit ja klar dass die Oma als vollblut-Krankenschwester alles besser weiss. So schlimm, dass Papa Schlumpf kommen musste und Oma sagen musste: "Lass dich doch verlegen, wenn du es so unerträglich findest, wir haben in Deutschland freie Krankenhaus-Wahl!" So schlimm war´s dann plötzlich doch nicht.

Aber nachdme sie über´s Krankenhaus nicht mehr schimpfen durfte, hat sie sich bei ihrer Bettnachbarin und den Schwestern über ihre unmögliche Familie aufgeregt. Ich persönlich find es ja furchtbar wenn man den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als alles madig und schlecht zu reden. Gut, ich kotz mich auch viel aus, aber ich bin im Großen und Ganzen ein zufriedener Mensch. Und besonders schlimm finde ich die Unart bei alten Leuten. Muss man erst alt und "weise" werden, um in seinem letzten Lebensabschnitt alles und jeden zu kritisieren? Wenn ich mal alt bin, möchte ich halbtaub im Schaukelstuhl auf der Veranda sitzen und mich darüber freuen, dass ich ein gutes Leben hatte.

Also Oma hat alles madig geredet: Unserem Stationarzt hat sie erzählt, keiner ihrer Enkel hätte einen vernünftigen Job. KEINER! Aber was sie verschwiegen hat: Keiner von uns lebt von Stütze. Wir bezahlen unsere Rechnungen alle mit selbst verdienten Geld. Daraufhin mein Arzt: "Aber Ryan ist doch Krankenpfleger, der hat doch einen vernünftigen Job." Oma darauf: "Ja, der ... aber dafür ist er noch nicht verheiratet und hat noch keine Kinder!" darauf der Arzt: "Naja, ich bin auch 29 und noch nicht verheiratet." - "Ja aber Sie sind ARZT!" Ah ja ... weisste bescheid. Dann hab ich mich eingemischt: "Oma, aber Steve ist ANWALT und seit 15 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder!" - auch nicht richtig, Oma: "ABER Stefan (sie weigert sich zu akzeptieren, dass wir englischsprachige Namen haben) hat war 16 als die Große zur Welt kam. Das war mir so unangenehm, dass mein ältester Enkel mit 16 (!!!) ein Kind bekommen hat." - "Ja aber Oma, es ist doch alles gut gelaufen. Steve und Madeleine sind schon ewig verheiratet und glücklich und haben beide ihr Studium trotz Kind geschafft." - "Ja, dass der Stefan studiert hat, kann ich immer noch nicht glauben, der ist ja nicht der Hellste ... ja aber sonst arbeitet keiner was Vernünftiges!" - "Magst überhaupt jemanden aus unserer Familie?" - "Jaaaaa, die kleine Finja!" - "Finja ist 4, die kann j auch nix unrechtes getan haben bis jetzt." - "Ja, aber die arme Finja hat vielleicht Eltern ... die Mutter ist persönlichkeitsgestört! Die war schon in der Psychiatrie!" - "War sie nicht!" - "Würde ihr aber gut tun!!" - "Omaaaaa!!!" Finjas Mutter ist wirklich anstrengend ... aber weit weg von psychisch krank. "Und Christoph ist Alkholiker!" - "Christoph ist kein Alkoholiker!" - "Doch, der war neulich mit Finja da und war rotzevoll!" - "Der hatte eine Zahn-OP und hat deswegen genuschelt!" - "Ach Ryan, red dir doch die Welt schön!"

Eine Kollegin fand meine Oma so toll, dass die dauernd in ´ner freien Minute bei ihr saß und sich Geschichten über die Horror-Familie angehört hat.  Sie sagte: "Deiner Oma zuzuhören ist ein bisschen wie RTL2 gucken. Alleine die Geschichten über deine Mutter: 5 Kinder von 3 Vätern. Oder deine Schwester: 20 Jahre alt und völlig verdorben, die soll jedes Wochenende einen anderen Kerl mit nach Hause bringen!" Meine Schwester ist 20 und hatte mittlerweile 3 Freunde, mit denen sie je lange zusammen war ... "Und dein einer Bruder, der aufm Kiez arbeitet, bei dem vermutet sie dass der Zuhälter ist und Koks verkauft - deine Oma erzählt so geile, interessante Geschichten. Warte, ich bring deiner Oma ihre Medikamente, sie wollte mir noch erzählen mit wem deine Mutter alles geschlafen hat, als sie noch als Krankenschwester gearbeitet hat!"

Und dann wurd´s mir zu bunt und Papa Schlumpf musste wieder agieren: "Oma, hör auf damit, oder ich erzähl Mama, dass sie dich Weihnachten nicht einladen soll!" - "Ich bin Weihnachten noch eingeladen gewesen!" - "DOCH!!! Jedes Jahr, aber du feierst ja lieber mit deinen Freundinnen als mit uns!" - "Das hat auch gute Gründe, mein lieber Enkelsohn!" Nochmal tief Luft holen und Oma richtig zurecht weisen: "Bei all unseren Defiziten vergisst du, was wir alles für dich tun! Mama kommt drei mal die Woche, holt deine Rezepte und bereitet deine Medikamente vor! Als du Spritzen gerbaucht hast, ist Mama jeden Tag morgens gekommen und hat sie dir gegeben! Madeleine kommt seit 4 Jahren um deine Fenster zu putzen und Tine macht 2 mal die Woche bei dir deine Lymphdrainage! Christoph fährt dich dauernd zu deinem Kardiologen, und Mike und Andrea kommen jeden Sonntag vormittag mit den Kindern zum Kuchenessen! Und ich bin seit einer Woche nach der Arbeit noch eine Stunde länger auf Station geblieben, damit du in den Genuss von täglich duschen kommst! Es reicht!!" Papa Schlumpf hat gesprochen ... Oma hat Pipi in den Augen - ja ich war hart, aber das musste sein.

Am nächsten Tag lag in dem Bett meiner Oma eine völlig neue, freundliche, äußerst dankbare Frau. Zwar weiterhin mit dem leicht vorwurfsvollen Unterton in ihrer Stimme: "Wissen Sie, meine Tochter hilft mir schon sehr, sie kommt dreimal die Woche und hilft mir bei meinen Medikamenten, ich seh da ja nicht mehr durch bei den vielen Medikamenten. Aber sie passt auf, dass ich die auch richtig nehme. Auch wenn meine Tochter 5 Kinder von 3 verschiedenen Vätern hat. Mit dem Vater ihres jüngsten Sohnes war sie nicht mal verheiratet - kennen Sie Ryan? Der arbeitet hier, er ist auch Krankenpfleger. Alles was die Schwestern hier nicht schaffen wegen dem Personalmangel, macht mein Ryan nach der Arbeit für mich. Dabei ist er noch nicht verheiratet! Also irgendwas läuft da schief zwischen ihm und seiner Freundin, ich glaube ja, er ist schwul und das ist nur eine "Freundin" - aber er hat mich letzte Woche jeden Tag geduscht!" ............ okay ........... ja ... was soll man dazu sagen. 

02.10.2011 um 23:18 Uhr

Das Leben läuft - holprig - aber läuft

von: Ryan

Das Leben läuft wie gewohnt - mal mehr mal weniger holprig mit kleinen bis schweren Katastrophen. Im Moment ist mal wieder viel Arbeiten angesagt. Diese Woche, die ja nun auch schon zuende ist in ein paar Stunden hatte ich folgende Tage frei: Keinen.

Eigentlich kann ich mich nicht beschweren. Das WE ist ruhig, leicht verdientes Geld. Ich hab mich um so Sachen gekümmert, um die sich sonst irgendwie keiner kümmert: Zettel, deren Kopiervorlage verschwunden sind und nirgendwo mehr digital zu finden sind, neu zu schreiben und Kopiervorlagen abzuheften. Und dann hab ich irgendwie noch 2 älteren Damen ihre Handys geklärt, die gut gement von ihren Kindern gekauft wurden, aber Oma ist damit irre überfordert. Ja, Daddalkram eben.

Ansonsten hab ich mich Ende der Woche wieder mit der einen Kollegin angebrüllt und die hat jetzt angedroht (und zwar nicht mir, sondern einer anderen Kollegin), dass sie mich bei der Geschäftsführung anschwärzen will. Natürlich ist das jetzt ein großes Thema und wieder jeden Tag aufs neue ausdiskutiert - aber ich stehe drüber und bin relativ entspannt. Ich hab nichts unrechtes getan, ihre Vorwürfe sind ziemlich aus der Luft gegriffen ... und diesen Krieg hat diese Kollegin schon mit 5 anderen Leuten geführt ... also alles entspannt - zumindest für mich. Aber nervig immer und immer wieder sowas zu diskutieren. Ich glaube meine Chefin dreht bald durch, weil sie gar nicht weiss wie sie den Dienstplan schreiben soll, wenn keiner mit dieser einen Frau arbeiten will.

Mal was positives: Wir haben eine ganz tolle neue Kollegin. Unsere neue Stationshilfe ist der Hammer. Zur Erklärung: Stationshilfen machen so Kram wie Sachen auffüllen, kleinere Putzarbeiten, Küche und einfach gucken das alles läuft und alles irgendwie da ist. Wir hatten bislang immer viel Pech, lustlose Aushilfen, die mehr Chaos reingebracht haben als zu helfen. Unsere Neue ist super ... sie ist organisiert, sie kümmert sich und macht freiwllig mehr als sie muss. Sie ist relativ jung, anfang 30 und sie ist so irre fürsorglich und freundlich. Sie lächelt den ganzen Tag, aber ehrlich und großherzig. Ich hab ihr schon gesagt, dass ich mich in sie verliebt hab und sie meine neue Arbeitsehefrau sein muss. Sie fühlt sich scheinbar bei uns auch total wohl. Sie begrüßt mich jeden Tag mit folgenden Worten: "Na, hübscher Mann!" Und was natürlich großartig besticht ist: Sie backt uns Kekse. Und wir stehen auf Kekse.

Ich bin heute recht übernächtigt zum Dienst gegangen, weil meine Nachbar-WG weder eine Party hatte. Mellis Abschiedsfeier. Sie ist heute ausgezogen. Berufliche Gründe. Aber es ist wieder das Thema, was wir schon mal hatten. Wir beide betrunken und plötzlich können wir uns unsere Zuneigung zueinander gestehen. Gute Nachricht: Nix gelaufen, ich bin mit einem ziemlich guten Gewissen daraus gegangen. Sie hat mir wieder ihre Liebe gestanden - recht süß und schüchtern trotz 2 Promille. Aber ich glaube, ich hab recht gut reagiert indem ich ihr gut zugeredet hab, dass sie bald wen anderes trifft und derjenige doppelt, dreifach gut ist. So alla: Andere Mütter haben auch schöne Söhne. Ich denke, das Thema ist dann auch erledigt und keine große Gefahr mit ihrem Auszug. Natürlich vermisse ich sie, aber ich bin auch irgendwie erleichtert. 

Steffis Geburtstag steht bald an. Und ich hab keine Ahnung was ich ihr schenken könnte. Nee anders gesagt: Ich weiss nicht WAS ich ihr schenken soll, Ideen hab ich genug, Wünsche hat sie auch scho explizit geäußert, aber ich kann mich nicht entscheiden. In bekannten Internetshops hat sie mir schon Bestellnummern rausgeschrieben mit dem Hinweis: Ohne das und jenes könne sie kaum weiterleben. Meine ganze Familie macht das so mit Wunschzetteln. Zu Weihnachten schickt meine Mama mir immer Wunschlisten und dann kann sich jeder aussuchen, was er wem schenkt - ich bin ja so ein Typ, ich find´s doof wenn ich weiss was ich kriege. Also hab ich mal 2 Jahre lang keine Wunschliste geschrieben ... und nur Müll gekriegt. Ein Raclette-Gerät zum Beispiel. Oder Kochbücher. Ich bin nicht der ambitionierteste Hobbykoch, ich koche weil ich essen muss. Also schreibe ich ab diesem Jahr wieder Wunschlisten. Steffi und ich wollten das eigentlich nicht machen, ich bin ja Gott sei Dank sehr aufmerksam und mache mir große Gedanken was zu wem passt und meine Geschenke an Steffi haben bislang auch immer große Begeisterung ausgelöst. Ich möchte wirklich behaupten, dass ich zu der aufmerksamen Kategorie Mann gehören. Zum Beispiel ist sie mal beim Shoppen um ein Kleid rumgschlichen, dass sie toll fand, aber ihr zu teuer war (sie ist ein Sparfuchs). Also hat sie es geschenkt bekommen. Letztes Weihnachten gab´s eine Gitarre. Sie erzählt mir seit Jahren sie findet es schade kein Instrument spielen zu können, und Gitarre finde sie eh cool. Also gab´s eine Gitarre mit Do-it-yourself-Buch. Gut, Gitarrespielen kann sie immer noch nicht, aber sie hat sich gefreut und es wirklich 2 Monaten lang mit großer Begeisterung und Elan versucht. Und es steht eine Giatrre im Wohnzimmer, was auch Stil hat.

Dieses Jahr also ein anderes Problem: Sie wünscht sich dies und jenes. Sie hat mir auch schon gesagt: Sie braucht das! Es ist wichtig, dass ich ihr das schenke. Ja ... aber ich hatte was anderes gedacht. Euch kann ich es ja sagen, aber nix verraten: Ein Auto. Zu einem von Steffis Träumen gehört: Einmal im Leben eine VW-Bus fahren. Aber jedes Mal wenn sie ein Auto brauchte, war da irgendwie keiner. Und da sie in Schlesiwig-Holstein arbeitet und wirklich auf ein Auto angewiesen ist, hatte sie auch nie Zeit um einen Bus zu suchen. Und wie ich erwähnte: Sie ist ein Sparfuchs. "Nein, der ist mir zu teuer. Da fahr ich lieber mit dem alten Ford weiter!" Wie der Zufall es so will, sagt mein Bruder vor drei Tagen beim Bier: "Ryan, ein Kumpel von mir will seinen VW-Bus verkaufen. Total Festival geeignet, total ausgebaut mit Bett und so. Hast du nicht Lust den zu kaufen?  Mach mal schnell deinen Führerschein und dann kannst du den doch fahren." Dumm: Ich hab gar keine Lust Führerschein zu machen. Kostet Zeit und Geld und mein Fahrrad bringt mich auch dorthin, wo ich hin muss. Aber Steffi könnte doch VW-Bus fahren... ihre Reaktionmal wieder: "Oh nee, der ist zu teuer, der ist alt, der muss dauernd repariert werden ..." Gut ... ihr jetztiges Auto war in den letzten 6 Wochen auch 3 Mal inner Werkstatt. Und mein anderer Bruder sagt, VW ist robust. Ich kenn mich ja nicht aus. Ich würde Autos nach der Farbe auswählen. 

Ich weiss nicht so wirklich, was ich machen soll. Ich hab ihr auch schon angeboten, dass wir den zusammen kaufen. Hälfte sie, Hälfte ich. Aber das wollte sie auch nicht.  Aber sie schaut häufig die Bilder an, die mein Bruder von dem Bus dagelassen hat. Also ... will diese Frau dieses Auto?