Boys don´t cry

23.11.2011 um 15:41 Uhr

Supergau

von: Ryan

Es ist zum Mäuse melken. Nachdem ich jetzt extrem viel durcharbeitet hab, hat mich grade meine Ärztin ausgebremst. Ich hab ja schon seit ein paar Tagen Halsschmerzen, aber alles im Rahmen. Seit ´ner Woche hab in der Brust Schmerzen, eine Kollegin hat schon EKG geschrieben, aber nix los. Also meine Schlussfolgerung: Alles wieder psychisch.

Also weiterarbeiten, wenig schlafen, Stress etc und pp. Heute morgen dann Magenschmerzen. Oh nee ... meine Psyche ist echt doof, jetzt schlägt sie aufm Magen, denke ich ... geh zum Arzt (die Schmerzen waren echt doll), will mich eigentlich nur so für 2 Tage krank schreiben lassen ... "Herr Anderson, die Schmerzen kommen nicht vom Magen, Sie haben ´ne Lungenentzündung." Ich werd bekloppt ... ich gehe mit Bauchschmerzen zum Arzt und komm mit ´ner Lungenentzündung zurück. Steffi als erstes: "Du verarscht mich doch, du hast nicht mal Fieber."

Ich fühl mich nicht mal besonders krank. Ich hab Halsschmerzen, bin ein bisschen müde und eben die Schmerzen in der Brust, ich dachte aber die kommen vom Husten, weil ich im Moment viel Rauche. Aber wahrscheinlich ist genau das der Grund wie ich mir eine Lungenentzündung einfangen konnte.

Also Rauchen reduzieren ist grade mein oberstes Ziel. Und Zeit totschlagen. Ich bin seit 2 Wochen so beschäftigt mit der Arbeit, früh aufstehen, arbeiten, zuhause noch ganz schnell Dinge erledigen wie Haushalt, Einkaufen, Freunde abtelefonieren und dann wieder ins Bett fallen ... und jetzt fühle ich mich wirklich total ausgebremst. Die Ärztin hat mich gleich eine komplette Woche krank geschrieben - Ryan das Arbeitstier: "Aber reichen nicht drei Tage? Am Wochenende hab ich Spätdienst und so krank fühle ich mich auch nicht." - "Herr Anderson, noch so ein Satz und ich schreibe Sie für 3 Wochen krank, um ganz sicher zu gehen!"

Ja jetzt hab ich jede Menge Zeit. Rausgehen zum Spielen darf ich auch nicht. Was jetzt? Also erstmal nach Hause Steffi nerven. Und ich bin ja so leidend und wahrscheinlich auch sehr anstrengend, wenn ich krank bin. "Schaaaatz, ich hab ´ne Lungenentzündung." - "Ja Schatz, äh ... das ist aber ... schade, weil ... ich bin gar nicht oft zuhause die nächsten Tage, weil ... ich hab totaaaal viel zu tun." - "Aha, was hast du denn zu tun?" - "Äh ... also jetzt gleich bin ich verabredet zum Sport ... und danach ... danach treff ich mich noch mit ... irgendwem ..." - "Mit wem?" - "Ich weiss es noch nicht, aber ... das ist schon geplant gewesen ... schon ganz lange ..." - "Schatz, gib doch einfach zu, dass du weglaufen willst, wenn du merkst dass ich krank bin." - "NEEEEIN! Ryan, mein Schatz, ich würde dich pflegen wenn ich nur könnte ... aber ich hab soviel zu tun." Ja ja ...

Die sitzt garantiert panisch im Auto und telefoniert ihre Freundinnen hab: "Du weisst doch, dass Ryan so anstrengend ist, wenn er krank ist - der Supergau: er hat ´ne Lungenentzündung! Kann ich bei dir schlafen?"

20.11.2011 um 18:26 Uhr

Ryan möchte heute Mitleid

von: Ryan

Viel passiert seit dem letzten Blogeintrag. Ich glaube, ich fange vorne an: Ich war ja krank - kaum konnte ich das Bett wieder verlassen, hat Steffi mich verschnupfter Weise zu ihren Eltern mitgeschleppt, die 400 km entfernt von uns leben. Geplant waren 3 Tage Urlaub bei denen - es waren dann zwangsweise fast 7 Tage, nachdem unser Bus verreckt ist. Ich mag meine Schwiegereltern in spä wirklich gerne, ganz liebe herzliche Menschen. Die haben sich sehr gefreut, dass wir so lange geblieben sind - aber irgendwann ist auch mal gut. Ich mag sie wirklich gerne, aber sie haben so ihre Macken (wie jeder Mensch auf der Welt). Zum Beispiel meine Schwiegermutter Ulla sagt immer gerne "durch die Blume", dass wir mal heiraten sollen. "Ach Ryan, ihr seid jetzt so lange zusammen, nach 5 Jahren kann man dann auch mal heiraten oder?" Oder noch so ein spezieller Satz: "Steffi, dein Bruder hat seine Freundin schon nach 3 Jahren gefragt, ob sie heiraten wollen, das ist doch eine angemessene Zeit oder was meint ihr?" oder noch besser mal so zwischendurch beim Essen: "So lange unverheiratet zusammen zu leben ist doch auch nix Wahres." Ich hab manchmal das Gefühl, sie unterstellen mir unterschwellig, dass ich mich noch nach was anderem als ihrer Tochter umsehe. "Immerhin waren wir in eurem Alter schon 5 Jahre verheiratet."

Lustige Geschichte nebenbei: Steffi ist vor 2 Jahren aufgefallen, dass die Hochzeit ihrer Eltern nicht so die Geplanteste war. Zumindest erzählen ihre Eltern das immer so, von wegen große Liebe auf den ersten Blick usw. Dazu muss man noch erklären, dass die komplette Familie total katholisch ist. Auf der Silberhochzeit ihrer Eltern ist mir dann mal aufgefallen, dass Steffi nur 5 Monate nach der Hochzeit ihrer Eltern geboren ist ... mmh ... das ist Steffi vorher nie aufgefallen und dann war die Sache auch irgendwie klar. Ihren Vater mag ich eigentlich auch total gerne, aber er ist ein schwieriger Mensch. Ich hatte eh ´nen schwierigen Stand bei ihm, zum einen natürlich weil ich der Typ bin, von dem seine älteste Tochter sich begrabschen lässt - ja es ist nun mal so. Wenn ich mal eine Tochter haben sollte, wird die auch keinen Kerl nach Hause bringen dürfen bis sie mindestens 30 ist oder so. Und zum zweiten mochte ihr Vater ihren Exfreund so sehr gerne - und dann war ich eben der Neue, für den sie den anderen Tollen verlassen hat. Aber ich glaube, jetzt nach 4,5 Jahren ist alles ganz okay zwischen meinem Schwiegervater und mir.

Allerdings ist er wie gesagt schwierig und er versucht zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen mich, bzw. jetzt auch aktuell den Freund von Steffis Schwester "herauszufordern", gerne auch mal Defizite aufzudecken. Dann sitzt die ganze Familie am Küchentisch und isst, und er kommt dann mit so ´nem Satz wie: "Andy und Ryan, sagt mal, was macht´n ihr, wenn sagen wir mal eine Glühbirne nicht mehr angeht eines Tages und ihr steht da ohne Licht." Andy und ich gucken uns an, Schulterzucken. "Wechseln?" Und Steffis Vater dann: "Ja aber dann geht die Glühbirne immer noch nicht, was dann?" Steffis Vater ist Elektriker, Andy ist Sozialarbeiter und ich Krankenpfleger ... weiter auseinander gehts wohl nicht. Aber Andy ist total taff: "Dann ruf ich jemanden an, der davon Ahnung hat - DU wärst nämlich arbeitslos, wenn alle das könnten." Ich möchte immer Beifall klatschen, wenn Andy so einen Konter bringt.

Naja, die Woche ist nun auch rum - war auch schön da, aber auch anstrengend. Ist halt nicht wie zuhause. Irgendwie musste ich jeden zweiten Abend mit Steffis Brüdern und Andy trinken - und die vertragen irgendwie viel mehr als ich.  Und zuhause angekommen, konnte ich gleich für´n Nachtdienst einspringen - immer das Gleiche.

Die Ratte hab ich einschläfern lassen müssen. Fressen war kaum noch möglich, total abgemagert und dann hab ich sie mir schweren Herzens geschnappt, bin nach´m Nachtdienst gleich zum Tierarzt gestapft und der sagte dann auch nur, dass wir nicht mehr viel für sie tun können. Ohne Ratte zurück gekommen, total übermüdet, traurig und mit ´nem schlechten Gewissen, weil ich ja irgendwie entschieden hatte, dass sie stirbt (so fühlte ich mich) kam ich nach Hause und hab mich mit Decke auf dem Sofa versteckt - für 3 Tage. Konnte ich mir leisten, weil ich frei hatte, aber ich hab mir echt eine kleine Mini-Depression gegönnt. Aber ich finde, man darf auch mal traurig sein, wenn sein geliebtes Tier stirbt - da wird mir sicher jeder Tierbesitzer zustimmen.

Ja und jetzt hänge ich in ´nem ganz fiesen Arbeits-Turn drin. In 14 Tagen nur 2 Tage frei, davon ist eins sogar ein Ausschlaftag ... und wenn man so viel durcharbeitet und nur einen Tag frei hat, bringt der auch nicht viel, weil man an dem Tag mal ´ne Stunde länger schläft und dann Dinge nachholt, die liegen geblieben sind. Also Wäsche waschen, Wohnung putzen, einkaufen, und dann ist der freie Tag auch schon wieder vorbei. Die erste Woche ist vorbei, die zweite folgt. Und ich bin so unmotiviert. Wir haben auch im Moment soviele Patienten zum Waschen, irgendwie machen wir die ganze Frühschicht nix anderes und ich halte mich schon für jemanden, der wenig "rumtüddelt" und sehr effektiv arbeitet. Aber irgendwie war Pause heute erst gegen halb 12 möglich. Und morgen wird noch ´ne Ecke schlimmer, 1. ist Montag, 2. sind wir ganz schlecht besetzt. 

Ich weiss auch gar nicht, was meine Chefin sich dabei gedacht hat mir soviele Frühdienste zu geben. Ich bin echt nicht so der Frühdienst-Mensch. Alle Schichten haben ihre Vor- und Nachteile. Bei Frühdienst hat man zwar sehr zeitig Feierabend, aber was bringt es mir, wenn ich um 14.30 Feierabend habe, wenn ich aber spätestens um 18.00 auf der Couch einnicke, WEIL mein Wecker klingelt ja auch um 4.20, wenn ich schon um 6.00 auf Station sein muss. Und wenn man 8 Stunden schlafen will (und das muss man mal, wenn man 8 Frühdienste hat), muss man schon um 20.30 im Bett und eingeschlafen sein. Aber das schaffe ich eh nie ... letzte Woche bin ich einen Tag gegen 18.30 auf der Couch eingeschlafen im Sitzen (!!!) und bin erst um 23.00 wieder aufgewacht mit mördermässigen Rückenschmerzen, weil ich natürlich total blöd gesessen hab. Aber worüber ich mich wirklich geärgert hab: An meinem einzigen freien Tag hatte ich extra den Wecker ausgeschaltet, um ganz viel Schlaf nachzuholen, hab mir auch gegönnt erst um 1.00 ins Bett zu gehen ... und war um 5.00 hellwach und konnte nicht mehr einschlafen ... ich war vielleicht sauer.

Der Schichtdienst nervt mich immer mehr. Gestern hat einer meiner besten Freunde Geburtstag und ich wollte eigentlich abends für ´ne halbe Stunde vorbei, wenigstens ein Bier trinken, aber ich war dann so erschöpft und müde, dass ich kaum noch gradeaus gucken konnte. Ich war dann vorhin nach der Arbeit nochmal kurz auf ´nen Kaffee bei ihm, aber er meinte, er war dann schon enttäuscht, weil ich abgesagt hatte. Aber was will man machen? Ich glaube, ganz viele kennen das, dass man mal im Bus oder in der Bahn eingeschlafen ist - ich bin früher regelmäßig irgendwo eingeschlafen, wenn ich solche Arbeitswochen hatte, bei Freunden auf´m Sofa, bei Partys, einmal sogar in ´ner Kneipe (die hatten aber auch gemein-gemütliche Sessel). "Nur mal kurz die Augen zumachen ..." Schnarrrch ... und zwei Stunden später panisches Erwachen alla "Wo bin ich?!"

Und ganz dumm kommt noch dazu, dass meine Erkältung Revival feiert seitdem ich wieder arbeite. Schnupfen und alles weitere ist weggegangen nach ´ner Woche, aber das Husten ist in abgeschwächter Form geblieben. Und seit 3 Tagen hab ich Halsschmerzen und dicke Lymphknoten, aber richtig krank ist auch anders. Wenn ich wenigstens Fieber hätte, könnte ich mich ruhigen Gewissens krank melden, aber so gehts mir ja zu gut zum krank sein und zu schlecht als dass ich mich wirklich gesund und fit fühlen könnte ... ach, ich bin schon bemitleidenswert.

Meine Kollegin sah heute mittag schon die Anti-Halsweh-Lutschtabletten in meinem Fach rumliegen und merkte nach drei Sätzen schon, dass ich heute so elendig jammerig bin. Und dann kam gleich von ihr: "Ryan, mein Schatz, möchtest du auf´m Arm?" - "Jaaaaaaaa ..."