Boys don´t cry

28.01.2012 um 06:49 Uhr

Insomnia

von: Ryan

Ich kann nicht schlafen - ich sitze in der Küche und esse Rührei mit Speck, trinke einen Kaffee und versuche meinen Körper vorzugaukeln, dass ich geschlafen hätte.

Es ist schlimm im Moment, ich kann kaum noch richtig schlafen. Entweder gar nicht oder 20 Stunden am Stück. Gestern zum Beispiel hab ich ewig schlafen, ich glaube von 2.00 Nachts bis 21.30. Steffi wollte mich nicht wecken, sie sagte, ich sähe so erschöpft aus. Kein Wunder, dass ich heute nicht schlafen kann. Mein Problem ist gar nicht mal das Aufstehen - ich werde zwischendurch einfach nicht mehr wach. Zumindest kann ich mich nicht dran erinnern. Ich höre keinen Wecker, mit Steffi spreche ich noch halb in Traumschlafphasen.

Es liegt am Schichtdienst. Mein Schlaf ist eh sehr empfindlich. Ich hab immer mal wieder Phasen, in denen ich nur noch schlafe, wenn ich maximal erschöpft bin. 3 Tage wach? Für mich kein Experiment oder Wette sondern manchmal Alltag. Und diese Woche ist es besonders schlimm.

Ich hatte Nachtschicht bis Anfang der Woche. Nachtschicht ist soweit kein Problem, ich bleib immer gut wach. Und wenn die Müdigkeit zu groß wird, muss ich mich eben ablenken. Beim Arbeiten ist ja noch nie jemand eingeschlafen. Ich such mir irgendwelche Putzarbeiten und dann geht das schon. Mein Problem ist eher, wie ich zurück in einen normalen Schlafrhythmus komme. Ich bin schon einen Tag komplett ge-jadlegt zum Tagdienst getaummelt. Ingesamt gerechnet ist das heute der dritte Tag diese Woche, an dem ich nachts gar nicht geschlafen habe.

Einige meiner Kolleginnen nehmen gerne Schlaftabletten, wenn´s dann gar nicht mehr geht. Ich mag Schlaftabletten nicht. Ich hoffe immer, dass mein Körper schon irgendwann umfällt und sich den Schlaf holt, den er braucht. Manchmal hilft es was zu essen, heisse Milch mit Honig oder eine heisse Dusche. Heute hilft nix. 

Im Moment muss ich meinen psychischen Zustand aber auch eher mit "angespannt" angeben. Dieses Krankenhaus in dem ich arbeite macht mich irre. Jeden Tag gehe ich zur Arbeit und denke mir schon: "Was läuft heute in der Bruchbude falsch?" Und es ist im Moment auch die reinste Bruchbude. Warum? Weil gespart wird. An allen Enden und Ecken. es ist so nervig.

Fange man nur mal an dem Haus selbst an. Das eigentliche Krankenhaus-Gebäude. Es ist alles hinten und vorne kaputt. In meinen Nachtschichten hat es auf meine Station geregnet. Ja wirklich, es hat reingeregnet. Sie haben die Außenfasse angefangen abzutragen (davor kommt ein Neubau) und da hats dann durchgeregnet bei mir nachts. Hausmeister angerufen: "Ich kann nix machen, ich komm nicht aufs Baugerüst - und die Baufirma meldet sich nicht nachts!" Was also tun? Ich hab halbstündlich die Fütze mit Laken aufgewischt. Sonst hätte der ganze Flur geschwommen. Ich komme mir manchmal vor wie im Feldlazaret. Oder anderes Beispiel: Wir haben häufig sehr verwirrte, desolate und inkomtinente Patienten. Teilweise auch mal extrem unkooperativ. Das bedeutet, es passiert häufig, wenn nicht gar täglich, dass mal was an die Wand spritzt ... Blut, Scheisse ... whatever. Natürlich versucht man sowas zu reinigen ... das geht aber auch nur bedingt. Eigentlich müssten diverse Zimmer neu gestrichen werden - nein, dafür gibt es kein Geld. Und dann geht man mit einem orientierten (am besten noch Privat-) Patienten in ein Zimmer, die sehen die Wand und gucken dich entgeistert an. Und dann muss ICH mich entschuldigen, dass es so aussieht wie es eben aussieht. 

Es fehlt einfach auch an allem. Dauernd ist irgendwas leer oder fehlt komplett. Wir werden einfach extrem kurz gehalten, mit dem was wir bestellen dürfen. Und dann haste da 26 Infusionen morgens, die du aufziehen sollst, aber nur 3 Infusionsleitungen. Und wenn ich dann andere Stationen anrufe, um mir bitte bitte bitte etwas zu leihen, kommen schon ganz häufig frustrierte und genervte Antworten wie: "Was? Wir haben euch gestern schon soooo viel geliehen, jetzt reichts auch mal!"

Ich bin einfach extrem frustriert. Dann hat mir neulich ein Kumpel einen Flyer unseres Krankenhauses unter die Nase gehalten, den ICH als Mitarbeiter hätte niemals sehen dürfen: "24h Akutverlegungen willkommen!" oder so ähnlich. Mit der Telefonnummer MEINER Station. Was sagte die PDL neulich: "Nein, wir wollen keine nächtlichen Aufnahmen mehr! Sie können davon ausgehen, dass das nicht mehr vorkommen wird!" (wir sind nachts alleine, ich hab nicht den Hauch einer Chance auf pünktlich Feierabend, geschweige denn Pause, wenn ich nur eine Aufnahme nachts kriege) Warum drucken die dann diese Flyer, verteilen sie in ganz Hamburg und versuchen uns dann ruhig zu halten? Wenn meine Station eine Notaufnahme ist, okay - aber sagt mir das doch bitte!

Vorgestern hab ich nach Feierabend mich bei den Kollegen der Intensivstation auf einem Bier ausgekotzt - und da sagte eine Kollegin ganz treffend: "Wir SPIELEN nur Krankenhaus, keiner kann vernünftig arbeiten!" Und es ist so. 

Ich bin wirklich unzufrieden, ich muss da weg. Ich gehe schon mit schlechter Laune zum Dienst, raste währenddessen dreimal aus, weil wieder irgendwas unzumutbar ist und gehe mit supersauschlechter Laune nach Hause. 

14.01.2012 um 17:48 Uhr

Herr Anderson und Farbratte Mary

von: Ryan

Ein Eintrag weil ich Zeit hab - ich hab noch gar keine Ahnung worüber ich schreiben will, aber ich bin schon lange wach, sitze grade am PC und hab halt grade mal Zeit.

Ich bin schon viel zu lange wach. Ich bin zwar früh ins Bett gegangen (naja, 1:00, aber das ist für mich früh), aber dann bin ich um 5:00 aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Ich hasse diesen Schichtdienst, mein Schlafrhythmus ist so im Arsch. Du bekommst Schlafstörungen, Müdigkeit und 30 € Schichtzulage im Monat. 30 € im Monat (zumindest steht das auf meiner Dezember Abrechnung, ich hab garde nachgeguckt) sind sowas von zuwenig, dafür dass man zu jeder erdenklich Tages- oder Nachtzeit auf Arbeit rumturnt. Wenn das hier irgendwer liest, der bei sowas was zu sagen hat, Politik oder was weiss ich denn: Mach bitte, dass Nachtschicht sich mehr lohnt. Ich will nicht reich werden, ich will nur wissen wofür ich die dicken Augenränder in Kauf nehme.

Dafür dass ich schon früh wach bin, hab ich auch schon ordentlich was geschafft. Morgens gleich zum Tierarzt, die Ratte brauchte wieder eine Antibiotika-Spritze. Normaler Weise ist es bei meinem Tierarzt immer leer - ich hatte mir schon heimlich Sorgen gemacht, dass er kein Geld verdient - aber nein: Samstags macht der wahrscheinlich seinen Wochenumsatz. Wartezimmer komplett voll, 3 jaulend-fiepende Hunde neben mir, die sich erst gegenseitig anjaulten und später meine Kleintierbox mit der Schnupfen-Ratten, den ich krampfhaft und mit wachsamen Augen dicht am Körper hielt. Und dann sabbelt mich noch ein Mädel mit genauso einem jaule-kopfschmerzmachenden-fiepe Hund an. Sie heisse Sabrina und das sei ihr Hund Bello (Namen sind jetzt ausgedacht, aber es war ein Hunde-Klischee-Name) und ob ich denn öfter beim Tierarzt seie - "So oft wie ich denn halt hin muss ..." - sie fragte dann, was meinem Meerschweinchen fehle ... "Schnupfen, hörste ja wie´s schnupft und niesst dadrin." - hoffentlich nichts ernstes?? - "Nein, gibt heute eine Antibiotika-Spritze und Montag nochmal und dann ist auch gut" - ahh, ob wir denn Montag zusammen zum Tierarzt wollten, sie muss Montag Tabletten für Bello abholen ... und dann erst schnall ich, was die von mir wollte. Ich werd beim Tierarzt angegraben ... totmüde, abgenervt, innerlich drauf vorbereitet, dass die Ratte mich beisst und mir den Unterarm zerkratzt, weil wir sie gleich spritzen müssen, mein bester Kumpel schreibt schon im 3 Minuten-Takt Sims wann wir denn jetzt heute brunchen, ich hätte doch gesagt, ich sei beim Tierarzt immer schnell fertig.

Ich bin eigentlich ein netter, freundlicher und kommunikativer Mensch ... aber nicht vor 11:00 morgens. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Das muss schon als Kleinkind so gewesen sein, morgens ist bei mir nix zu holen. Am besten gar nicht ansprechen. Viele Menschen wissen das, die Hunde und Sabina nicht ...

Also sitz ich da im Wartezimmer, noch 3 Hunde und 2 Katzen vor mir, Hunde fiepen und jaulen, sitzen schon eingeklemmt zwischen den Beinen von Frauchens (nur Frauen dort), immer mal wieder prescht ein Hund vor und heult laut auf, die Kleintierbox auf meinem Schoss zittert bei jedem Geräusch und neben mir sitzt diese Sabrina und plinkert mich von der Seite an. Ob Bello das Meerschweinchen mal beschnuppern darf, mit dem Schweinchen einer Freundin würde er immer ganz liebevoll sein, er würde sich immer so freuen, wenn das Meerschweinchen zu Besuch kommt, die spielen sogar immer. Ich stelle mir bildlich vor, wie Bello sich jedes Mal freut, wenn das vermeindliche Lebendfutter Frauchen und ihn besucht. "Neeee, mein Tier ist für dein Tier Futter! Der Deckel bleibt zu!" 

Ich saß geschlagene 1,5 Stunden im Wartezimmer. Und neben mir Sabrina und Bello ... und tahtahtaahaa - Sabrina und Bello gehen auch nicht, weil die ganz knapp vor mir gekommen sind und dementsprechend genau vor mir dran sind. Und sie sabbelt und fragt, zwischendurch mal "Bello! Jetzt hör auf, krieg dich ein! Jetzt aber mal still!" Hat Bello gar nicht interessiert ... konnte ich irgendwie verstehen, sie hat mich auch nicht interessiert. Ob ich in Hamburg wohne ... jaa? Sollte man doch meinen, wenn ich in Hamburg zum Tierarzt gehe.

Die "Tier-Krankenschwester" hat mich dann kurz vor Schluss unwissend gerettet. Sie kommt ins Wartezimmer: "Wer von Ihnen ist Herr Anderson?!" Ich guck mich um, da sitzen ja nur Frauen ... werd dann wohl ich sein. "Herr Anderson, Ihre Freundin Frau Dowitzski hat grade angerufen, ich soll Ihnen sagen, Sie hätten ihr Handy zuhause liegen gelassen, Sie sollten Brötchen mitbringen ..." so ist sie meine Freundin ... anstatt selber loszugehen, ruft sie beim Tierarzt an. Naja, kam mir gelegen, Sabrina und Bello sind jetzt informiert, dass ich kein Single-Herrchen bin. "Herr Anderson? Sie sind doch ohne Hund hier oder?" ich zeige auf die Kleintierbox: "Nee, issn Rottweiler drin, wieso?" Ich hasse solche Menschen auf den Tod, die nicht nachdenken und sich den dritten Ausrutscher innerhalb einer Minute erlauben. Die Arzthelferin krammt nochmal beschäftigt in ihren Unterlagen: "Ah, Herr Anderson ... und Farbratte Mary." Und da hatte sie ja was gesagt ... alle Augen zu mir und der Kleintierbox. FARBRATTE?? Nein, man darf auch von Tierbesitzern nicht allzuviel Toleranz gegenüber allen Tieren erwarten. Ich hätte auch eine Schlange oder Vogelspinne dabei haben können, der Blick wäre der Gleiche gewesen. Vor allem weil ich ja auch nie widersprochen hab, während das Wort "Meerschweinchen" fiel.

Dann endlich wurden Mary und ich aufgerufen - und Mary sieht die Spritze nur (sie kannte das ja vom letzten Mal) und gleich riesiges Theater. Quiecken, aus der Hand winden, wildes mit dem Schwanz rudern. "Neeeeein Herrchen, warum tust mir das nur an??? Ich sterbe, ich sterbe!!" Was ich toll fand: Mein Tier hat nicht gebissen ... dafür hat sie sich beim Spritzen so rausgewunden bei der Tierarzthelferin, dass die Nadel von der Spritze diskonnektiert ist und das blutende Tier mit Kanüle in der Flanke springt mich an, rettet sich unter mein Hemd, zerkratzt mir die Brust und blutet mein weisses (ich bin auch selbst Schuld) Hemd voll. Ich hatte wirklich am Abend überlegt einen alten Pullover anzuziehen ... Naja, Tier rausgefrimmelt, Nadel aus dem Tier gefrimmelt, Tier beruhigt und Blutung gestoppt.

"Herr Anderson, Sie haben etwas Blut im Gesicht. Das Bad ist am Ende des Flures, wenn Sie sich kurz waschen wollen." Ja will ich ... und sehe schon auf dem Weg, dass Sabrina und Bello noch auf mich warten ... "Hey, ich wollte dich noch fragen, wann du Montag hier bist, vielleicht können wir dann noch einen Kaffee ..." - und ich (übermüdet, hungrig, Kopfschmerzen vom Hundejaulen, riesiger Schreck noch von Mary´s Fluchtversuch, die halbe Brust und Hals zerkratzt, Lieblingshemd vollgeblutet): "Neeeneeeneee ... Montag geht FRAUCHEN zum Tierarzt!!"

 

13.01.2012 um 00:50 Uhr

Neues Jahr - neue Vorsätze - neue Tiere

von: Ryan

Lange nicht geschrieben, es wird mal wieder Zeit. Eigentlich nicht viel passiert. Weihnachten war nicht ruhig und besinnlich - ich hab alle Weihnachtstage gearbeitet und es war nicht schön. Station voll, alle nöllig und missmutig. Kein schönes Fest. Mittlerweile bin ich wirklich an einem Punkt, an dem ich keine Lust mehr auf meinen Job hab. Ich hangel mich durch meine Arbeitstage und versuche mich nur noch auf meine Freitage zu konzentrieren. Alles ist mir über. Jede Erwachsenen-Windel ist eine zuviel, die ich wechseln muss. Ich bin jetzt seit 4 Jahren auf der gleichen Station, mache dauernd das Gleiche, immer die gleichen Beschwerden, jeden Tag bestimmte Dinge putzen. Ich bin echt satt.

Für das neue Jahr hab ich mir vorgenommen: Ich möchte Dinge tun und verändern, die ich tun wollte und bislang noch nicht gemacht habe. Egal aus welchen Gründen - ich werde dieses Jahr 28, wenn ich all diese Dinge tun will, dann muss ich mal langsam anfangen. 

Ich bin eigentlich ein Mensch, der für morgen lebt. Ich bin sparsam, horte mein Geld anstatt es auszugeben, bereite dauernd irgendwas vor. Wenn ich früh aufstehen muss, lege ich mir am Abend vorher schon Kleidung raus und stelle mir Müsli in der Küche zurecht. Ich möchte mehr im hier und jetzt leben. 

Mein Vorsatz: Ich muss von dieser Station weg. Ich will wechseln. Ich will in meinem Krankenhaus bleiben, aber ich will auf eine ruhiger Station wechseln. 3 meiner liebsten Kolleginnen haben gekündigt, ich gehe auch weg, ich hab keine Lust mehr auf dieses ganze Überstress und Tot-Gerenne auf der Arbeit. Ich will eine ruhige Arbeit, wo ich auch mal in Ruhe etwas dokumentieren kann, ohne dass mir die Zeit im Nacken sitzt oder mich irgendwer 12 mal von meinem Papierkram wegholt. Ich hab einen guten Kumpel, mit dem ich die Ausbildung gemacht. Er ist Leitung auf einer der hausinternen Psychiatrien. Ich werd ihn anrufen, ein Bier mit ihm trinken und fragen ob er ein gutes Wort für mich einlegen kann. Gleichzeitig werd ich mit meinem obersten Chef einen Termin machen und ihn  bitten mich zu versetzen. Ich mag meine Kolleginnen allesamt super gerne, aber ich bin meine Arbeit so satt. Ich brauch was Neues.

Was ich schon gemacht hab: Ich möchte seit einiger Zeit weitere Tiere. Nachdem ich jetzt 2 Jahre lang zwei Ratten hatte, wollte ich ein ganzes Rudel Ratten. 4 minimum, am liebsten mehr. Großer teurer Käfig. Alles teuer, teuer. Und arbeitsaufwändig. Aber ich hab´s gemacht.

Seit einer Woche bin ich stolzer Rattenpapa von 6 "Kleinkind"-Ratten. Großer, teurer Käfig gekauft, aufgebaut, eingerichtet. 6 kleine Ratten haben ein neues Zuhause, machen irre viel Dreck und ich bin jetzt täglich  mehrer Stunden mit ihnen beschäftigt. Im Moment bin ich in der "Zähmungsphase". Freundschaft schliessen mit den neuen Mitbewohnern. Jede wird mindestens 2 täglich rausgenommen, sollen sich dran gewöhnen aufm Arm wohl fühlen, werden mit Leckerlies gelockt. Und ich muss stolz sagen: Es läuft gut, zwei hab ich mittlerweile soweit, dass sie von alleine auf meinem Arm hüpfen, auf meine Schulter krabbeln und sich durch die Gegend tragen lassen. Eine ist besonders verkuschelt, sie konnte ich sogar heute Abend mit auf´s Sofa nehmen und ist beim Kraulen eingeschlafen auf meinem Schoss. Oh ich liebe diese Tiere so sehr.

Meine beiden "alten" Ratten waren nicht ganz so zahm, ich hatte sie ausm Tierheim, da waren sie schon 1 Jahr alt. Die beiden waren schon "versaut" in ihrer Erziehung. Ich hab sie beide sehr geliebt, aber sie mochten sich nicht gerne anfassen lassen oder gar streicheln. Und ganz schlimm bei den beiden: Angstbeissen. Selbst wenn ich ihnen ein Leckerlie geben wollte, haben sie sofort in die Finger gehackt. Ich hab sie immer meine "Anguck-Ratten" genannt. Jetzt hab ich auch "Anfass-Ratten".

Steffi fand die Idee erst gar nicht gut: "Warum soviele? Du weisst schon, dass die mehr Arbeit und mehr Dreck machen? Können wir nicht wieder nur ein Pärchen haben? Zwei reichen doch!" und am Ende einer Diskussion kam immer: "Du weisst, es sind dann DEINE Ratten, ich kümmer mich kein Stück drum!" Hab ich auch nicht erwartet. Wir hatten nur eine Vereinbarung: Kein übereilter Kauf. Ich musste wirklich 2 Nächte drüber schlafen, als ich dann DIE Ratten gefunden hatte, die ich unbedingt wollte. Also mein bester, schwuler, extrem tierlieber Kumpel mitgeschleppt zum Ratten kaufen. Und plötzlich steht Steffi in der Tür und verkündet: "Ich will auch mitkommen die Ratten aussuchen!" Da war ich schon sehr überrascht.

Zu Steffi muss ich kurz erklären: Steffi hatte nie Haustiere. Sie erinnert sich dunkel an einen Hamster, der nach wenigen Monaten "weggelaufen" ist (lag tot im Käfig, haben die Eltern dann schnell entsorgt, bevor alle 4 Kinder angefangen haben zu heulen). Steffi ist nicht so der Tiermensch. Für sie sind Tiere dann halt auch nur Tiere. Ich hab ja vor einigen Monaten über 3 Tage tieftraurig auf der Couch verbracht, nachdem ich meine eine Ratte einschläfern lassen musste.

Kommen wir zurück zum Ratten-Abholtag: Also drei Leute in unseren kleinen Bus gequetscht, Transport-Box dabei und ab zum Züchter. Und dann standen mein Kumpel und ich vor dem Rattenkäfig voll mit 7 Wochen alten Welpen und waren irre aufgeregt und fingen schon an eifrig auszusuchen, wer mit uns nach Hause kommt.  Und plötzlich kommt von hinten von Steffi: "Ich will die schwarze Ratte, sie soll Mary heissen!" Schweigen, verwundetes Umdrehen. "Okay ... dann nehmen wir die Schwarze auch mit." 

Und jetzt hat Steffi auch ihre eigene Ratte - Mary lebt natürlich bei ihren Geschwistern und gehört zu einer der zahmeren Tieren. Ich komm nach Hause von der Arbeit, Steffi kommt schon mit Mary auf der Schulter auf mich zu: "Mary ist von alleine auf meine Schulter gekommen!!! Das macht nur Mary bei mir!! Mary ist so eine coole Ratte!"

Heute war dann das Theater groß: Mary schnupft seit einigen Tagen und niest. Das kann bei Tieren gefährlich sein, muss aber nicht. Schlimm wurde als Mary kurz aufgeqiekt hat beim Niesen. Steffi sofort: "Oh Gott, das Tier leidet. Ryan, was bedeutet das? Mary ist krank!" Mary eingepackt, ab zum Tierarzt (auch für Steffi Primäre) und jetzt gibts Antibiotika-Spritzen, weil das Tier einen Schnupfen hat. Noch 2 mal, je 20 Euro, macht locker 60 Euro insgesamt. Wow, Tiere können echt teuer sein.

Tierarzt: "Schnupf eines der anderen Tiere?" - "Nein, nur Mary alleine." Und kaum kommen wir nach Hause, essen was, gucken etwas fern und plötzlich schnupfen 3 weitere Ratten ... morgen hol ich erstmal Vitamintropfen. Apropo mehr Dreck durch mehr Tiere: überall in der Wohnung ist Kleintierstreu. Wir laufen am Käfig vorbei, die Ratten haben das Streu rausgeschmissen, wir haben das Streu unter den Hausschuhen/Socken und plötzlich ist es überall. Im Bett, weil Steffi mit Socken ins Bett gegangen ist, sogar in der Jackentasche (Mary hat beim Tierarzt sich einmal versucht in meiner Jackentasche zu verstecken). 

Aber ich liebe meine Tiere.