Boys don´t cry

14.07.2012 um 11:14 Uhr

Neuanfang - first steps

von: Ryan

Ich bin schon wieder super übermüdet - ich bin zur Zeit echt gestresst von meinem Job. Ich bin nicht erschöpft, aber ich kann nicht mehr richtig schlafen. Im Moment isses ganz schlimm.

Nachdem ich gestern mich mit ´ner Freundin getroffen hab und sie merkte, dass ich 3 Tonnen Frust auf meinen Schultern mit mir rumtragen, gefolgt von 4 Tonnen Wut, weil alles grade so unendlich furchtbar ist auf Arbeit, hat sie mir gezeigt wo sie arbeitet. Ein riesengroßes Hightech-Krankenhaus ... wenn man sich nicht auskennt, verläuft man sich selbst in der Dorfhütte in der ich arbeite, aber in dem großen RICHTIGEM Krankenhaus verläuft man sich noch 4 Jahre später. Ungelogen, es ist groß, es ist laut, es ist modern und es hat unendlich viele Möglichkeiten.

Normaler Weise vermeide ich es mit Freunden über die Arbeit zu reden. Ich hab viele Freunde, die Ärzte oder Krankenschwestern/-pfleger sind. Kommt halt so, wenn man den größten Teil seiner Zeit auf Arbeit hockt. Dann freundet man sich eben an. Diesmal haben wir unseren Schwur gebrochen und sie hat mir von ihrer Klinik erzählt. Und was soll man sagen? Ich stehe seitdem in Flammen. Und dabei gehts noch nicht mal um den Hightech-Kram. Nein, man kann da richtig arbeiten. In meinem Dorfkrankenhaus bin ich mit allem beschäftigt. Wir haben soviele Organisation und Hauswirtschaft zu erledigen, dass wir kaum noch an die Patienten rankommen. 

"Wie iss´n das mit den Bestellungen, das ist doch sicher kompliziert oder?" - "Ryan, damit hab ich nix an der Backe, da kommen Leute, die machen das für mich." - "Und so Dienstzimmerarbeit?" - "Wir haben eine Sekräterin und eine Vertretung falls die Urlaub hat, ich kam noch nie in die Verlegenheit Dienstzimmerarbeit zu machen." - "Ja, und was ist mit ..." - "Ryan, frag gar nicht erst - es gibt da für ALLES Leute, du brauchst dich um so ´nen Scheiss NIE WIEDER kümmern, du brauchst dich nie wieder ärgern, weil etwas nicht da ist - bei uns fehlt nie etwas - du musst nie wieder auf 6 Stationen laufen und nach fehlenden Absaugkathetern betteln. So ein Scheiss kommt bei uns nicht vor. Du arbeitest nur am Patienten, sonst nix!"

Und dann war meine Entscheidung klar. Tschüss, altes Krankenhaus, hallo neue große hightech-Klinik. Nun noch alles einfädeln und dann .... in meinem Kopf bin ich schon 6 Schritte weiter, also langsam, Step by Step.

Erstmal Bewerbung schreiben - sowas kann ich total gut. Ich schreib die meisten Bewerbungen meiner Freunde. Ich sitz dann zwar 6 Stunden dran, aber es kommt eigentlich immer was Gutes bei rum. Bei meiner eigenen hab ich jetzt die ganze Nacht gesessen, heute morgen noch meinen Lebenslauf aktualisiert. Das wäre alles nicht schlimm, wenn ich nicht bereits beim Bewerbung-Schreiben so irre aufgeregt wäre. In meinen Alpträumen hyperventiliere ich schon bei Vorstellungsgespräch und mach mich zum Vollhorst. Auf der anderen Seite, ich hab sowas ja schon mal durchgestanden, sonst wäre ich ja nicht seit 8 Jahren berufstätig.

Ich bin echt aufgeregt, ich würd´s am liebsten wegschieben, aber da muss ich jetzt durch. Lieber ein Ende mit Schrecken ... ja ihr kennt den Satz. Ich muss echt raus aus meinem alten Job. Jedes Mal wenn ich durch den Haupteingang gehe, denke ich mir "Willkommen am miesesten Ort der Welt." und wenn ich drei Schritte weiter gegangen bin kommt dann "Hey Ryan, wie gehts dir, treffen wir uns nachher auf eine Zigarette?" und ich denke mir: so mies dann auch nicht, du kennst ja hier alle, alle kennen dich ... und nach 10 Stunden Schicht bin ich so abgenervt, dass ich innerlich nur ausraste und wieder meinen Arbeitsplatz verfluche. Eigentlich bin ich gar kein so unzufriedener Mensch, aber es hat sich mit den letzten 2 Jahren echt viel aufgestaut.

Ich bin auch so ein Typ, ich ärger mich über die Ignoranz und Unfähigkeit anderer Leute. Ich mag die meisten echt gerne, aber wenn mir sowas auffällt, dass einer ohne nachzudenken mit Menschen arbeitet, drehe ich durch. Bei uns sind alle recht interessenlos. Ich eher nicht, ich renn häufig auf ´ne andere Station und lass mir Sachen erklären, von denen ich noch keine Ahnung hab. Meine Kolleginnen sind eher so: "Kenn ich nicht, mach ich nicht!" Diese Einstellung macht mich rasend. Und dann werde ich gerne als "Klugscheisser" abgestempelt. Ich kann nicht die Klappe halten, wenn ich genau daneben stehe und sehe, dass einer Mist baut. Und dadurch, dass meine Kollegen so lernresistent und selber abgenervt sind, kommen die gleichen Fehler wieder und wieder ... und dann werd ich noch rasender und bin nicht mehr nett. Und so schaukelt sich der ganze Mist ins Unendliche. Ich hab wirklich den Anspruch an mich selbst (und leider auch an andere), dass man halbwegs ´nen Plan hat was man da macht. Immerhin arbeiten wir mit sehr kranken Menschen. Ich hoffe so sehr, dass solche leidigen Thema sehr bald der Vergangenheit angehören.

Natürlich ist mir klar, dass ich erstmal Feuer und Flamme bin - und später erst merke, was an meinem neuen Arbeitsplatz alles schief läuft. Das ist so und das gehört dazu. natürlich gibt´s da auch ein paar Bratzen und ein paar Leute, die ich nicht mag, oder die mich nicht mögen - aber im Moment muss ich erstmal raus und alles andere ist eine Verbesserung zu dem was grade los ist.

Noch was cooles - hat mir eine Freundin per E-Mail geschickt: Woran merkst du, dass du Krankenschwester bist? Du bist gestorben, in die Hölle gekommen und merkst erst 3 Wochen später, dass du nicht auf Arbeit bist.

 

09.07.2012 um 14:25 Uhr

Die Alte nervt

von: Ryan

Ich bin grade so angenervt von Steffi. Nichts Großes, nur das Übliche. Gleich vorweg: ich entschuldige mich schon mal für alle Schreibfehler, Schlafstörungen sind scheisse. Ich hatte nicht eine Minute Schlaf heute Nacht, das passiert mir immer mal wieder. Vielen Dank, lieber Schichtdienst. Interessanter Weise bin ich so übermüdet immer etwas anfälliger als sonst. Zum Beispiel für Spontankäufe. Ich lasse mich super gut ablenken, wenn ich schlaftrunkend unterwegs bin. Ich gehe in den Supermarkt und sage mir schon immer wieder gegens Vergessen auf, was ich brauche: "Milch und Brot, Milch und Brot, Milch und ... oh was ist das denn Schönes?! ... und hallo Schnäppchenangebot ... oooh, das wollte ich doch schon lange mal kaufen ... " und dann komm ich mit der Tasche voll mit Spontankäufen und Lebensmittel-"Müll" nach Hause - aber ohne Brot und Milch. So sind wir unter anderen an 2 kg Duftkerzen und eine Gewürzdose in Hühneroptik gekommen

Zudem sinkt meine Toleranzschwelle ganz gewaltig nach einer schlaflosen Nacht. Ich bin überemotional, zeitweise manisch, zeitweise apathisch und einfach irre schnell reizbar.

Dadurch, dass ich genau weiss, wie - ich möchte es mal "eingeschränkt" nennen - bin, mache ich an solchen Tagen keine großartig wichtigen Sachen. Eher einfach, am besten so dass ich in Bewegung bleibe und nicht auf die Idee komme mich zwischendurch hinzulegen, denn dann schlafe ich bis abends und kann dann Nachts wieder nicht pennen. Putzen ist da ideal. Also heute Putz-Tag. Und was fällt mir dabei mal wieder auf? Ich bin der Einzige hier der putzt. Und schon sind wir beim Thema. Die Alte nervt, ich hab den ganzen Haushalt alleine an der Backe.

Es ist nicht so, dass Steffi gar nichts macht. Sie räumt jede dritte Spülmaschine aus, und ab und an hängt sie auch mal Wäsche auf - abhängen nicht, da muss man ja Wäsche auffalten und einräumen. Das ist dann wieder meine Aufgabe. Dazu muss ich vielleicht erklären, Steffi und ich haben grundlegend unterschiedliche Ansichten von einer sauberen Wohnung. Ich find´s immer irgendwo schmutzig, Steffi findet´s eigentlich immer sauber. Außerdem ist ihr Hauptargument: "Ich weiss gar nicht wo ich putzen sollte, hier ist alles sauber." Natürlich ist das ein ewiges Thema zwischen uns, ich bin dann auch gerne vorwürfig, sie rechtfertigt sich dann auch immer gerne.

Anderes ihrer Argumente: "Ich putze schon, wenn´s nötig wird." Also hab ich mal die Zähne zusammen gebissen, hatte auch etwas viel zu tun (ist erst 1-2 Monate her) und hab dann mal nicht geputzt. 14 Tage lang. Nur mal so Arbeitsflächen sauber machen nach´m Kochen, mehr nicht. Nein, Steffi fand´s nicht schmutzig. An Tag 15 hatte ich den innerlichen Wutausbruch meines Lebens und hab 5 Stunden Wohnung geschrubbt. Gut, ich muss auch zugeben, ich bin ein sehr sauberer Mensch. Standart ist alle 3-4 Tage Staubsaugen und Badezimmer putzen, Staubwischen, einmal pro Woche gründlich sauber machen mit durchwischen und in alle Ecken mal gucken, Sofa gründlich absaugen, Regale auswischen etc pp. Wäsche fällt auch so alle 3 Tage eine Maschiene voll an, und natürlich was eben täglich so anfällt, wie Arbeitsflächen abwischen nach Benutzung. Ich finde, das ist das "Mindeste", Steffi findet ich bin zwanghaft. Okay, ein bisschen stimmt das schon, immerhin bin ich Jemand der Türklinken poliert, Türrahmen regelmäßig abwischt und alle paar Monate die Speisekammer ausräumt, um durchzuwischen. 

Aber ich bin echt alleine mit dem Scheiss. Steffi hat auch immer andere Sachen zu tun. Hausputz hat eine völlig untergeordnete Priorität in ihrer Welt. Neulich war sie mal ganz überrascht, also sie sich mit ´ner Freundin treffen wollte und diese den Termin, um zwei Stunden verschoben hat, weil sie ihre Wohnung noch zuende putzen wollte. Und ich stehe dann immer mit gespielter Überraschung daneben und sage so Dinge wie: "Ach, guck an, es gibt noch mehr Menschen, denen eine saubere Wohnung wichtig ist." Schön sind auch immer Pärchen-Abende, ich weiss von super vielen Männern, die ihren Mädels wenig im Haushalt helfen - aber immer noch mehr als meine Verlobte mir. Und auch dann kann ich mir wieder keinen überheblichen Spruch verkneifen: "Hast du gehört? Ralf macht zwar wenig im Haushalt, aber er macht die Wäsche und das Bad ..." und von Steffi kommt dann: "Hört ihr mal auf? Ich stehe hier grade echt schlecht da!"

Eines meiner Hauptargumente - so grade Thema Schlafzimmer: Ich bin allergisch gegen Hausstaub. Wenn ich an zwei Nächten hintereinander Nasenspray brauche, weiss ich, es ist mal wieder Zeit die Matratzen abzusauben, Betten neu zu beziehe. Steffis Gegenargument: "Dann brauchst du Allergiker-Bettwäsche." - "Die hatte ich als Kind, die ist super ätzend!" - "Na, dann musst du zum Arzt und dann kriegst du Spritzen, damit du nicht so sensibel drauf reagierst." Hat man da noch Worte? Die schickt mich lieber zum Arzt als alle zwei Wochen mal die Matratzen abzusaugen ...

Irgendwann bin ich dazu übergegangen, nicht mehr zu erwarten, dass sie die Arbeit "sieht". Sie kriegt jetzt Aufgaben zugeteilt, bei denen ich der Meinung bin, dass sie gemacht werden sollten in nächster Zeit. Und dann kriegt sie ein paar Tage Zeit, um das abzufrühstücken. So. Neulich war die Aufgabe: Fenster putzen. Ich komm nach dem Spätdienst nach Hause, und bin auf den ersten Blick begeistert. Fenster im Flur akurat sauber. Wohnzimmer auch ... und dann kam das Schlafzimmer und das Bad - dreckig. "Schatz? Warum hast du die Fenster nicht weiter geputzt?" Und dann ´ne super Ausrede: "Na, unsere Gäste gehen ja nie in unsere Schlafzimmer und im Bad fällt das nicht so auf." Aber am besten war die Küche: rechtes Fenster sauber, linkes schmutzig. "Und was war da?" - "Ja da wollte ich dir nur mal zeigen, wie schmutzig die Fenster wirklich waren. Damit du den Vergleich hast." - "Aha ... und wann machst du das andere sauber?" - "Ryan, darüber müssen wir dringend mal reden, wir haben kein vernünftiges Fensterputztuch." - "Doch, hab ich, dies hier." - "Nee, also bei meiner Mama sah das anders aus." - "Ich putz damit seit 3 Jahren unsere Fenster und das ging wunderbar." - "Nee Ryan, also ich kauf morgen mal ein VERNÜNFTIGES und dann kann ich auch RICHTIG Fenster putzen." Was soll ich sagen? Das ist bis heute nicht passiert und dauernd fragen mich die Leute, wenn wir in der Küche sitzen um was zu trinken, warum das eine Fenster schmutziger ist als das andere ... 

Ja, das ist nervt mich heute extrem an. Ich kann mir jetzt schon ausrechnen, dass ich bis zu meinem Todestag derjenige bin, der den gesamten Haushalt an der Backe hat. Ich weiss, in anderen Beziehungen ist das anders geschlechterspezifisch aufgeteilt, aber was soll man(n) machen? Kochen ist im übrigen auch meine Aufgabe - wenn die Alte mal kocht, kocht sie gerne "Pizza" oder Toast Hawaii. Oder im Auftauen ist sie auch ganz groß. Zu dem Thema muss ich sie aber dann auch wieder in Schutz nehmen, ich reisse das Kochen häufig an mich, weil ich so ein bisschen eigen mit dem Essen bin. Meine gekochten Mahlzeiten schmecken mir einfach besser (ich glaub Steffi auch) und zudem bin ich jetzt seit 3 Monaten Vegetarier - aber das ist ein anderes Thema - und Steffi kocht dauernd mit Fleisch und vergisst auf meinen Toast Hawaii keinen Schinken zu legen.

Ja es nervt, Steffi macht sich, glaube ich, auch gar keinen Kopf wieviel Zeit ich mit Putzen verbringe, was ich einfach auch mal täglich machen muss. Und wieder mein altes Thema: ich fühle mich nicht gewertschätzt. Grade heute fühle ich mich wie "die Hausfrau". Ich hab noch frei, hab Brötchen geholt, Frühstück gemacht und Steffi danach zur Arbeit verabschiedet, Einkaufen, Putzen, Essen kochen ... irgendwie muss ich es doch hinkriegen, dass sie mir hilft. Oder ich mache meine ewige Drohung war, und wir ziehen in eine 40 qm Wohnung. Denn, wenn ich schon alleine alles machen muss, bin ich bei einer kleineren Wohnung schneller fertig.

08.07.2012 um 01:37 Uhr

Nach Sonne kommt dann auch mal Regen

von: Ryan

Regentraufe ... in meinem Leben. Nachdem alles mal wieder grade richtig super war, ist jetzt grade gar nichts so richtig super. Meine Familie dreht durch wegen der kaputten Herzklappe meines Bruders, obwohl der Kardiologe sagte, er wolle nach 3 Monaten nochmal untersuchen - und dann entscheiden, ob OP und wenn wann ... aber meine Familie dreht durch. Ständige Telefonate, wenn irgendwer auf eine dumme Idee kommt. "Ryan, aber wenn das Herz kaputt geht in den nächsten 3 Monaten und er dann ein neues braucht? Und wie kriegt er dann ein Neues?!" - ich versuche zu beruhigen: "Das wird nicht passieren, sonst wäre der Kardiologe nicht so cool. Der entscheidet das, der macht das jeden Tag, das ist sein JOB!" Es gehen alle vom Schlimmsten aus, keine Erholungspause.

Apropo Job, mein Job ist am Arsch ... ich hatte mich schon länger beworben um eine neue Stelle, alsoe ine hausinterne Versetzung. Hingehalten haben sie mich. "Hr. A., Sie werden verstehen, wenn sich die Geschäftsetage erst Mitte des Jahres mit ihrem Versetzungsantrag beschäftigen kann." Ja, sicher ... Verständnis genug hatte ich, Monate lang. Jetzt reicht´s. Und als ich schon gar nicht mehr damit rechnete, direkt vorm Urlaub: "Ryan, kommst du mal, die Abteilungsleitung will mit dir sprechen." und was sagen die mir: "Hr. A., wie sie sicherlich wissen, fehlen uns allgemein Pflegekräfte, insbesondere Männer, vor allem auf den somatischen Station. Wir können daher ihrer Bitte nicht nachkomen, sie zu versetzen, sie werden DRINGENST auf der Inneren gebraucht."

5 Jahre sitze ich schon auf dieser ätzend anstrengenden Station fest. 5 Jahre täglich Überstunden, 5 Jahre kaum Pausen, 5 Jahre kaum eine Schicht, in der du dir nicht den Arsch abhetzt, um das Notwenigste zu erledigen. 5 Jahre ... und das war´s dann auch mal für mich. Ich hab diverse Kollegen gehen sehen, die den ganzen Stress und Mist nur halb so lange ausgehalten haben wie ich. Als die Abteilungsleiterin mir diese Sätze sagte, dass ich mir die Versetzung abschminken kann, war das als ob das letzte bisschen Liebe für meinen Job gestorben ist. Ich fühlte mich, als ob sie die Gitterstäbe einer Haftanstallt vor mir geschlossen hat und mir grinsend sagt: "Willkommen am beschissensten Ort der Welt, sie kenne sich hier ja aus!" und den Schlüssel weggeschmissen hat.

Urlaub im Arsch ... danke für die Ansage. Ich fühl mich unter Wert verkauft, betrogen und verraten. Eigentlich müsste doch einem Arbeitgeber daran liegen, seine Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Nein, bei uns geht alles nach Sympathie. Ich glaube, ich hab´s mir verscherzt, weil ich in meinen mittlerweile 8 Jahre Zugehörigkeit ein/zwei Mal mit der Abetilungsleiterin diskutiert hab. Dabei waren das nicht mal Dinge, in den ich Unrecht hatte. Nein, ganz im Gegenteil. Ich werde bei sowas nicht ausfallend oder ähnliches. Ich hab nur gesagt, dass ich nicht ihrer Meinung bin, ich hatte gute Argumente ... ach, aber das interessiert ja keine Sau ... 

Gut, ich bin durch mit dem Thema. Ist jetzt halt so. Nach´m Urlaub, keine Diskussionen mehr, nur noch eine Ansage, und die kommt von mir. Ich werde mein Arbeitszeugnis verlangen und die Kündigung zum nächst möglichen Zeitpunkt. Ich hab keinen Bock mehr, nicht auf die Art und Weise, nicht unter diesen Arbeitsbedingungen. Gott, ich lass das schon so ewig lange mit mir machen. 

Im Moment gebe ich mir selbst noch etwas Schonfrist. Ich hab den Arsch noch nicht hochgekriegt Bewerbungen zu schreiben, ich bin noch in der Phase, in der ich sauer bin, traurig und generell alles grade doof ist. Ich schlafe zu lange, trinke täglich 2-3 Bier und gebe dauernd Geld für CD´s aus, um den ganzen Tag mit Kopfhörern aufm Sofa zu liegen. Ich lese viel, ich will von der Welt da draussen gar nicht soviel mitkriegen. Wetter ist ganz passend, dann nervt Steffi nicht dauernd, dass sie ins Freibad will oder sonst was unternehmen. Ich muss mir erstmal ´nen Kopf machen, was ich jetzt mit meiner neugewonnen Freiheit anstellen will. Wenn ich keinen Job mehr hab, steht mir alles frei.

Ich war sogar zwischendurch von der Idee begeistert wegzuziehen. Sachen packen, alles was ich nicht mitnehmen will/kann verkaufen, Wohnung und Job in einer ganz anderen Stadt. Neuanfang deluxe. Steffi war ganz baff, als ich ihr davon erzählte. Sie sagte, sie dachte immer ich sei so sehr mit Hamburg verwurzelt, dass sie mir das nicht zugetraut hatte. Sie hat mir auch gleich ihre volle Unterstützung ausgesprochen. Natürlich wär´s nicht leicht, ich könnte zurück kommen nach 1-2 Jahren, wenn´s mir nicht gefällt, oder sie kommt nach, allerdings erst, wenn sie ihre Fachausbildung zuende gemacht hat, das wäre also auch frühestens in 2 Jahren. Bis dahin Fernbeziehung. Steffi traut uns beiden zu, dass wir das könnten, nicht ohne viel Leid und Tränen, aber wir könnten das. Ich bin mir da nicht so sicher. Die Idee ist wieder vom Tisch. Ideen sind auch dazu da, um sie zu verwerfen. 

Zwei weitere Ideen sind aber noch da: Erstens ich such mir einen neuen Job. Irgendwas, was ich cool finde. Notaufnahme, Rettungswagen fahren. 6 Monate Fortbildung und ich könnte meinen Rettungsassistenten machen und mit ´nem Notarzt durch die Gegend fahren. Da hatte ich immer schon richtig Bock drauf. 

Oder Idee Nummer zwei (und Steffis Lieblingsidee): Wir kriegen jetzt ein Kind. Da Steffi mitten in der Fachausbildung steckt, müsste ich die Elternzeit nehmen und das Schönste und Verlockenste daran: mein alter Arbeitsgeber müsste mir 1,5 Jahre mein Gehalt weiter zahlen, obwohl ich nicht einmal auf Arbeit erschienen bin. Der negative Aspekt: 9 Monate (im Besten Fall) weiter Zähne zusammen beissen und buckeln, bis das Baby dann mal da wäre. Noch ein doofer Aspekt: ich fühle mich noch nicht nach Kindern, gut ich werde in wenigen Tagen 28, Steffi wird dieses Jahr 29, wir sollten vielleicht langsam anfangen. Aber ich fühle mich noch nicht so. Ich fühl mich viel jünger, viel unreifer, ich hab noch einiges vor, bevor wir Kinder kriegen können. Vielleicht ist in einem halben Jahr alles anders, aber jetzt grade kann ich mich mit dem Gedanken nicht anfreunden. Sicher will ich Kinder, aber erst wenn ich "erwachsen" bin. Gott, ich fühle mich als wäre ich seit 8 Jahren 21. Meine Falten sagen Gott sei dank nichts anderes. Ich war vor ein paar Tagen mit meinem schwulen besten Freund feiern und ich wurde diverse Male nach´m Ausweis gefragt, als ich Bier bestellen wollte und habe diverse Mal bestättigt bekommen, dass ich sehr jung aussehe. Wenigstens brauche ich mir keine Sorgen machen, wie ich an das Geld für Botox rankomme. Man(n) ist halt eitel.