Boys don´t cry

26.08.2013 um 17:38 Uhr

Untitled

von: Ryan

Musik: NOFX - The greatest songs ever written (by us)

Heute ein Eintrag, nur aus und wegen Frust. Eigentlich ist ne Menge passiert, über das es sich mehr lohnen würde zu schreiben. Ich könnte von dem großartigen Konzert berichten, auf dem ich vor ein paar Tagen war - ich könnte erzählen, wie ich es geschafft hab mir vorletzte Woche ne Gibsschiene zuzulegen - ich könnte philosophieren, wie sich mein Leben und der Kontakt mit meiner Umwelt sich verändert hat, seitdem auch der Unterarm fertig tätowiert ist (vormittags im Supermarkt versuchen jetzt nicht mehr alle alten Damen mir ein Gespräch an die Backe zu drücken, sondern beäugen mich kritisch und mit Skepsis) - ich könnte was von Technotyps neuesten Eskapaden erzählen, warum mein Fahrrad neuerdings klebt oder was meine nähere Umwelt so treibt.

Nein, die Pampe, die zur Zeit mein Gehirn ist, ist nur voll mit Arbeit. Dabei muss ich mir von allen Seiten folgenden Spruch anhören: "So wie du arbeitest, möchte ich mal Urlaub machen!" Natürlich isses mal schön, nur 3-4 Tage die Woche arbeiten zu müssen - dabei vergessen alle, dass ich im Frühjahr teilweise 70 Stunden-Wochen schieben musste. Aber wenn ich mal arbeite, dann weiß ich plötzlich wieder ganz genau, wieso ich mich nach nem neuen Job umschaue.

Die Chefgeschichte ist gegessen - offiziell heißt es: "Die Station macht wieder auf, wenn es sich lohnt. Halten Sie sich bereit und gehen Sie ruhig zu den Besprechungen - Sie haben zwar offiziell keine Station unter sich, aber ... bla bla bla." Um´s kurz zu machen: Meine Station könnte von heute auf morgen aufmachen. PENG - da isse wieder. Ich glaube wirklich, diese Aussage soll nur dazu dienen, um mich als Mitarbeiter bei Laune zu halten. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu letzt - die hab ich allerdings letzte Woche schon zu Grabe getragen. Nachdem ich jetzt drei Monate den Status einer Aushilfe habe und nur in begrenzten Zeitrahmen einen Dienstplan bekomme (meine Station könnte ja nächste Woche aufmachen - würde ich längerfristig geplant werden, fiele ich plötzlich aus dem Dienstplan raus und das wäre ja eine Katastrophe), hab ich mich mal mit den Fakten auseinander gesetzt: Die Station ist schon zu lange dicht. Der Wiedereröffnungstermin ist lange, lange überschritten. Personal gibt´s auch nicht mehr - zwei meiner Mädels haben gekündigt, eine hat Berufsverbot. Keiner geht freiwillig auf eine Station, deren längerfristiges Bestehen nicht sicher ist. Und der wichtigste Fakt, warum ich glaube, das sich das für immer erledigt hat: Die Station ist eine einzige Baustelle und wird grade umgebaut, damit eine andere vergrößert werden kann. Wände rausgerissen, Lager ist vollständig geplündert, Gerätschaften wurden auf andere Stationen verteilt. Keiner weiß so recht, wo "meine" Überwachungsmonitore geblieben sind - und ich erst recht nicht. In meinem Büro sitzt schon seit geraumer Zeit eine Frau aus der Abrechnungsabteilung, die sich mittlerweile gemütlich eingerichtet hat und nicht so wirkt, als habe sie das Büro nur vorrübergehend zugeteilt bekommen.

Auf jeden Fall brauche ich dringend einen neuen Job. Der Schichtdienst und der Schlafmangel machen mich halb irre - wie schon erwähnt, mein Kopf fühlt sich im Moment an, als würde nur eine undefinierbare, grüne Suppe darin schwimmen, die kaum fähig ist Sätze zuende zu denken. Und meine Fähigkeit für einen Mann relativ multitastingkfähig zu sein, hat sich mittlerweile auch verabschiedet. Zum Beispiel hatte ich mir heute in der Übergabe einen großen Zettel mit To-Do´s für den Tag geschrieben - leuchtend bunt gemarkert ... und dann vergessen bis Mittags einmal draufzuschauen. 

Auf der anderen Seite hab ich grad zur Zeit wieder das Gefühl, je mehr ich mache, desto mehr ruhen sich alle anderen aus. Ryan ist doch da, der macht das schon ...  zum Beispiel hatten wir heute den Fall, dass ich etwas nacharbeiten musste (5 geschlagene scheiß Stunden lang!!), was einfach ignoriert wurde die letzten Tage. Ich will nicht sagen, dass irgendwer Schuld hat - es war einfach eine Sache, die wirklich extrem schief gelaufen ist bei einer Patientin. Eine Mischung aus "Mach ich morgen.", "Wird schon nicht so schlimm sein, dass ich mich drum kümmern muss." und "Ich trau mich das nicht!" Und dann stand plötzlich ein Anwalt, sämtliche Ärzte und meine Chefin vor mir und wollten wissen, was da los ist - und ich stehe selber kopfschüttelnd vor dem Desaster, weiß gar nichts zu sagen, weil ich selber so entsetzt von der ganzen Grütze bin. (Nur nebenbei: Ich hatte das WE frei, und wenn ich da gewesen wäre, wärs auch nicht so weit gekommen.) Ende vom Lied, irgendeiner musste das ausbaden, alles akribisch nacharbeiten - nach 3 Stunden merkte ich so langsam, was für ein Berg auf mich abgewälzt wurde und hab seitdem grottenschlechte Laune.

Zudem nervt mich schon wieder diese Abneigung von diversen Kollegen sich mit Dingen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, zu befassen. "Geh mal zu Ryan, der weiß das." Ryan hatte allerdings heute den halben Tag seine Nase in 3 Dutzend wichtiger Zettel und hatte weder Zeit noch Muse sich mit der einfachen Stationsorganisation zu befassen - und dann sind die Kolleginnen noch beleidigt, wenn ich sag: "Ich hab dafür keinen Kopf! Ich muss mich hier echt konzentrieren!" Aber sobald der Spätdienst da ist, bekomme ich von den gleichen Kolleginnen ein gebasteltes Fleißbienchen überreicht - also zähneknirschend "Danke" sagen - und "Blöde Kuh" denken.

Ein Gutes hatte die ganze Sache allerdings - positiv denken! - der Chefarzt, der mich sonst immer behandelt, als sei ich ein Eindringling in seinem Götterhimmel, sagte beinahe anerkennend: "Gut, dass SIE heute da waren und sich der Sache angenommen haben." HA!  Hört sich ja beinahe nach respektvollen Umgang an, oder?

Für ein Schlusswort bin ich zu müde.

05.08.2013 um 17:39 Uhr

Blut ist dicker als Wasser - meine Verwandtschaft geht mir aufm Keks

von: Ryan

Wohin mit der Wut, wenn man es nicht weiß? In den Blog! Willkommen bei ner Stunde Seelenmüll mit Ryan. Das Leben könnte schön sein, die Sonne scheint, ich hab immer noch Urlaub, und dennoch schaffe ich es mich mit Kleinigkeiten so derart rumzuärgern, dass ich kaum noch schlafen kann. Aber den Stress macht man sich immer selber, und so isses denn ja leider auch.

Wo fange ich heute an? Ich hab Urlaub - völlig reizüberflutet hab ich mich auf ruhige Wochen eingestellt. Da Steffi arbeiten muss und ihren Sommerurlaub schon genommen hat, dachte ich, super, okay Wohnung für mich alleine, ENDLICH mal Ruhe. Grade durch den ganzen Stress und Ungewissheit auf Arbeit bin ich wahnsinnig ruhebedrüftig geworden. Einfach mal um niemanden kümmern als um mich selber. Tun und lassen was ich will. Gitarrespielen bis mir die Finger bluten, ein Buch lesen, den ganzen Tag laut Rammstein oder Lady Gaga hören, egal, hauptsache sich um niemand anderen kümmern. So war der Plan - natürlich hätte ich wegfahren können - aber mal ehrlich, wer fährt denn alleine in den Urlaub? Obwohl - mittlerweile bin ich soweit, dass ich mir am liebsten ein Zelt schnappen möchte und mich selbst alleine in nem entlegendem Wald aussetzen möchte. Aber da würden mich wahrscheinlich schon nach ganz kurzer Zeit die Vögel mit ihrem Gezwitscher annerven. Egal, wie man es macht, man macht es verkehrt.

Steffi kam letzte Woche irgendwann an und fragte - nein, Moment, gefragt hat sie nicht - sie sagte: "Mein Bruder kommt über´s Wochenende, der hat Urlaub und langweilt sich so." Ja okay, wir kennen das ja schon, dass sich Steffis Mecklenburgische Verwandtschaft bei uns einquartiert für ein paar Tage. Nun haben wir leider das Problem, dass hier alle Unterschiedliche Definitionen von "übers Wochenende" oder "ein paar Tage" haben. Für mich ist "über´s Wochenende" von Freitag bis Sonntag. Großzügig gerechnet vielleicht auch bis Montag Mittag - aber dann ist ja auch Schluss mit dem Wochenende. Nun begrüßte mich ihr Bruder letzten Donnerstag mit den Worten: "Ey cool, dass ich meinen Urlaub bei euch verbringen kann." Ich ahnungslos wie ich bin: "Ja ja, wird bestimmt nen gutes Wochenende." Er sagt: "Wieso, ich hatte vor ne Woche zu bleiben." AHA ... Steffis Erklärung dazu: "Von Donnerstag bis Donnerstag ist doch über ein Wochenende, ha ha!" Lustig! Ich hasse es, wenn sie diese Art von Humor rauskramt.

Also, ist es dramatisch schlimm, dass ihr Bruder hier rumhängt? Eigentlich nicht. Stört es mich dennoch? Ja! Das problem ist eigentlich, dass ich Urlaub hab. Würde ich normal arbeiten gehen, würde es mir wesentlich weniger ausmachen. Aber nun häng ich den ganzen Tag zuhause rum - mit ihrem kleinen Bruder, dem ich nicht wirklich was zu sagen habe - wir verstehen uns, aber beste Freunde werden wir in diesem Leben nicht. Und es stört mich einfach meine freie Zeit mit jemanden teilen zu müssen, bzw. mich um eine Person mehr kümmern zu müssen. Das Haushaltsproblem in meiner Beziehung haben ich ja schon ausführlich erläutert - jetzt hab ich noch einen von der Sorte hier rumhängen. Jeden Vormittag komme ich in die Küche und räume erstmal das Frühstück der beiden weg. Heute war beste Anblick überhaupt: angetrocknete Nutella auf der Arbeitsfläche - haben wir keine Teller? Doch! Wo? In der Spülmaschine, die ich im übrigen am Abend vorher angemacht hatte und dementsprechend nur sauberes Geschirr beinhaltete ... außerdem trinkt der zum Frühstück bereits die ersten Flaschen Bier und dazu muss ich nun wirklich nichts sagen. Das spricht für sich. 

Ich könnte jetzt zähneknirschend bis Donnerstag aushalten - da erzählt mir gestern Steffi - sie war gestern mit ihrem Bruder beim Strand und traf ihren anderen Bruder mit Frau und Kind, die zufällig Urlaub machen in der Gegend ... was soll ich sagen? Die kommen jetzt auch Freitag und bleiben "ein paar Tage". Steffi kleiner Bruder hocherfreut: "Ja cool, wenn die kommen, bleib ich auch noch!"

Willkommen im Urlaub. Ryan, was hast du im Urlaub gemacht? Ich habe Steffis Verwandtschaft bespaßt und hinter denen hergeräumt! Wahnsinns Urlaub! Dementsprechend "gute" Laune hab ich - ich bin so angefressen, dass ich die halbe Nacht nicht schlafen konnte. Vielleicht liegts auch daran, dass ihr Bruder so laut fernsehen geschaut hat, keine Ahnung. 

Steffi sagt: "Stell dich nicht so an, du bist doch nicht verantwortlich für die. Die können sich ja auch alleine beschäftigen, das hab ich denen auch gesagt." Ja super, sie geht ja auch den ganzen Tag arbeiten und ich bin derjenige, der da bleibt und macht und tut. Steffi sagt außerdem: "DEIN Bruder hat bei uns MONATE lang gelebt." Mein Bruder hat aber nebenbei gearbeitet und nicht den ganzen Tag biertrinkender Weise auf der Couch gehockt (der Typ hat echt nen Problem). Mein Bruder ist jetzt auch nicht der geborene Hausmann, aber er hat zwischendurch mal das Bad geputzt oder wenigstens mal kurz die Spülmaschine ausgeräumt, was hier auch nicht der Fall ist, denn ihr Bruder fühlt sich als Gast, wie er nicht müde wird zu betonen.

Gestern Nacht als ich so wach und wütend neben Steffi lag, war ich kurz davor sie zu wecken und zu bitten, dass sie was unternimmt. Habs dann aber gelassen, weil ich wusste, dass sie nen harten Tag vor sich hat. Und heute fühle ich mich schon fast schlecht, wenn ich sage: "Der muss jetzt abreisen, mich macht das irre, dass er hier rumhängt. Das ist mein Urlaub, ich wollte mich erholen, ich wollte meine Ruhe, und nun putze ich seine Nutella-Flecken weg und komme nicht in mein Arbeitszimmer, weil er da soviel Unordnung hinterlassen hat, dass man keinen Meter weit reingehen kann!" Ich wollte wirklich das Arbeitszimmer in meinem Urlaub aufräumen, Musik sortieren und auf den neuen Laptop ziehen, aber das alles hat sich ja wohl komplett erledigt.

Dann gibts noch andere kleine Baustelle: Steffi und ich streiten uns andauernd, weil sie natürlich genervt von der Arbeit ist und ich angenervt von der Situation. Also gehen wir beim kleinsten Konflikt gleich hoch wie kleine Atombomben und blaffen uns gegenseitig an. Dann ist mir aufgefallen - Steffi hat neulich mal Handtücher und Bettwäsche gewaschen, schön 90 Grad Wäsche. Leider war mein Lieblings-T-Shirt dazwischen, was jetzt dementsprechend bauchfrei ist. Aus Trotz hab ich es heute trotzdem angezogen und bin den ganzen Tag bschäftigt es langzuziehen.

Und weil das noch nicht reicht, zickt meine Schwägerin jetzt auch noch rum. Meine Nichte wird morgen eingeschult und hatte sich gewünscht, dass Steffi und ich kommen. Steffi muss arbeiten, hat´s aber geschafft sich zwei Stunden frei zu schaufeln und fährt extra hin und dann wieder zur Arbeit. Meine Mutter kommt natürlich als Oma, meine Schwester, Kindsvater, Kindsmutter und ich sollte eben auch kommen als Patenonkel. Meine Nichte ist ja wirklich häufig bei uns, und wir beinahe jede Woche Babysitter. Ich hab sogar extra für Steffi nen Kleid und für mich nen Hemd reinigen lassen - man muss ja zu sowas ordentlich aussehen. Nun ruft mein Bruder gestern an, seine bescheuerte Frau hat sich in einem Anfall von Hysterie überlegt, das wären zuviele Leute, Ryan soll zuhause bleiben. Im dritten Satz hat bei Bruder sich verplappert, dass aber stattdessen 6 ihrer besten Freundinnen kommen sollen, weil sie sich so erdrückt von soviel geballter Familie fühlt. Aber das Beste kommt erst noch: Ich sag zu meinem Bruder: "Na gut, okay, ich sag Steffi mal gleich, dass wir nicht kommen sollen, sie hatte da was mit der Arbeit geregelt." Höre ich im Hintergrund diese Psycho-Alte meckern: "Steffi schon, nur Ryan nicht!" Hä? Dass sie mich nicht mag, war mir vorher schon klar, aber die Nummer ist doch scheiße.

Ich könnte mich so ärgern über dieses verrückte Weibsbild. Wie kann man so sein? Die ist so irre - das ist die Frau, die plötzlich Knall auf Fall schwanger geworden ist, nachdem mein Bruder sich keine 3 Monate mit ihr getroffen hat, Stein und Bein schwört, sie hätte die Pille genommen - die hätte auch IMMER funktioniert, bis zu dem Zeitpunkt, wo ein Mann, in dem sie irre verknallt war dabei war sich wieder zu trennen. In ihrer ganzen Persönlichkeit ist sie einfach super anstrengend. Früher durfte mein Bruder mit seiner eigenen Tochter nicht mal alleine auf dem Spielplatz, weil sie ihm vorwarf, sie könne ihm nicht vertrauen, weil - und jetzt kommts - er mal so Sachen macht, wie den Käse beim einkaufen zu vergessen. "Ich habe mich auf dich verlassen, und jetzt stehen wir hier ohne Käse ... wenn du so verantwortungslos und schluderig bist, kann ich dir nicht mein Kind anvertrauen." Da sitzt man nur kopfschüttelnd daneben ... 

Aber sehr gut ist immer folgender Satz: "Wenn du mich verlässt, kann du leider auch keinen Kontakt mehr zu seiner Tochter haben. Uns gibts nur im Doppelpack! Ganz oder gar nicht!" Als ob das irgendwas miteinander zu tun hätte ... aber wie gesagt, die Alte ist verrückt. Und mein Bruder dämlich, der war so richtig schlau und hat die Alte auch noch geheiratet. Sie ist so ne Art Frau - und sie kündigt das auch dauernd an - wenn sie sich umbringen will, ihr Kind mit umbringt. Da ist man manchmal sogar richtig froh, dass sie regelmäßig für Wochen in irgendeiner Psychiatrie rumhockt, dann haben wir alle mal nen bisschen Ruhe vor ihr.

Und mich hasst sie aufs Blut, weil ich der Einzige bin, der sie eben nicht schont. Schön ist immer beim Familienessen. Meine Mama fragt: "Und? Wie gehts euch allen?" FEHLER. Wenn so jemand mit am Tisch sitzt, kann man gerne mal einzelnde Personen ansprechen, zum Beispiel: "Mama, wie gehts dir denn?" Aber niemals in die Runde fragen! Meine Schwägerin ergreift also sofort das Wort und beginnt uns vollzusülzen wie ungerecht und hart ihr Leben ist. Nach einem zwanzig minütigem Monolog hat sie Tränen in den Augen, ist hochgradig verzweifelt und wir sollen alle sagen, dass sie das schlimmste Leben hat, was je ein Mensch zu leben hatte. Machen wir aber nicht, es werden Augen gerollt (ich) oder betreten auf den Teller gestart (die anderen). Und wenn dann sofort eine Portion Mitleid fliegt, kommt die Suizid-Karte: "Also, es ist alles so schlimm, ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken mein Leben zu beenden. Ich kann einfach nicht mehr, es nützt ja alles eh nix mehr. Und die Kleine kann ich ja auch nicht alleine zurück lassen." Allgemeines Stöhnen in der Runde. Irgendwer sagt sowas wie: "Na na, soweit wollen wir es mal nicht kommen lassen." Sie schluchzt: "Doch, es ist bereits SOOO schlimm." Mein Bruder flüstert schon nervös mit ihr, sie heult, ihre Tochter weiss nicht was schon wieder los ist. Bei so ner Gelegenheit bin ich schon ein-zwei-dreimal ausgeflippt und hab mich mit der Psychobraut angelegt. Hab sie gefragt, ob sie noch ganz dicht ist VOR ihrer 4 jährigen Tochter mit Selbstmord zu drohen - mal davon abgesehen, dass noch andere Kinder im Raum waren. Aber ey? Da kann man doch nicht nix sagen? 

Und dieses ewige Rumgeheule und sich selbst bemitleiden - am besten wenn soviele Menschen im Raum sind wie nur irgend möglich. Und ich bin dann immer der Böse, weil mir irgendwann der Kragen platzt und ich ihr erzähle, was ich dazu zu sagen hab. Die anderen sind immer ganz überfordert und wissen nicht, was sie sagen sollen (außer Oma, aber aus genau den Gründe hält die sich Weihnachten von uns fern), Steffi hat keinen Bock sich in ihrer Freizeit, um noch ne Bekloppte zu kümmern und versucht das so lange wie möglich zu vermeiden. Also komme ich meinem Ruf als unsensiblen Egoisten wieder nach, und geb erstmal Kontra. Deswegen hasst sie mich - weil ich wahrscheinlich der einzige Mensch auf diesem großen, blauen Planeten bin, der sie nicht in Watte packt, weil sie krank ist. Zusätzlich hören wir andauernd folgenden Satz von ihr: "Ich möchte nicht anders behandelt werden, nur weil ich sehr sensibel bin." Sensibel heißt das bei ihr. Bei mir und dem Rest der Welt heißt das persönlichkeitsgestört. Und WENN sie dann jemand normal behandelt, dreht sie am Rad und macht dann solche Aktionen, wie eben mal eben 2 Tage mich zur Einschulung auszuladen. Hätte man sich doch vorher überlegen können oder? Das war doch nur wieder eine Machtdemonstration nach dem Motto: "Ich bin die Kindsmutter und ich entscheide wer mein Kind wann sieht und wer wann nicht!" So siehts doch aus.

Genug gemeckert - ich konnte das Ende nicht zuende schreiben, weil die Liebe meines Lebens vorhin nach Hause kam und wir wieder eine dieser hitzigen Diskussionen führen mussten. Mittlerweile ist es abends, und ich hab mich wieder abgeregt und bin allgemein umgänglicher. Erst Gespräch mit Steffi, in dem ich nochmal ruhig und sachlich meine Vorstellungen meines Urlaubs vorgetragen habe, denn meine Lebenspartnerin durfte ihren Urlaub ebenso verbringen (war nur ununterbrochen unterwegs, Zelten an der Ostsee, durfe auschlafen). Reaktion: "Das hast du nie so gesagt!" - Doch, hatte ich. Ich hatte das genau so gesagt: ich möchte meinen Urlaub möglichst reizarm verbringen, mit viel Ruhe und nur das tun was ich möchte. Dass plötzlich ein Dauergast hier rumhängt, ist keines Falls reizarm. Gut, die Nachricht ist jetzt angekommen und wurde verstanden. Ihm wurde bereits erklärt, dass es nach 6 Tagen gut ist - und der Rest der Familie darf am Wochenende für einen einzigen Tag kommen. Das war unser Kompromiss, mit dem ich gut leben kann.

Dann bin ich abends nochmal wütend bei meinem Bruder vorbeigestampft, der nur resigniert mit den Schultern zuckte. Am Ende war nie geklärt, nur was wir eben vorher schon wussten (dass sie nen Schuss hat), dafür waren wir Volleyball spielen und das hat auch ne Menge gebracht, zumindest für mein eigenes Gleichgewicht.

02.08.2013 um 16:36 Uhr

die Leichtigkeit des Urlaubers

von: Ryan

Ich weiß schon seit Tage nicht, was ich hier schreiben soll oder was es wert wäre darüber zu berichten. Was Spannend war, ist lange her - und im Moment passiert nicht viel. Ich hab Urlaub und erlebe wenig. Tagsüber lange schlafen, etwas Haushalt machen, den neuen Laptop einrichten, mein Buch weiterlesen, eventuell mit jemanden was trinken gehen. Ja, das war´s schon. Ein ruhiges Leben - aber ich bin unterfordert. Kaum etwas worüber es sich lohnen würde sich aufzuregen.

Außer vielleicht: Steffis Bruder hat ebenfalls Urlaub und hat sich grade für eine Woche bei uns einquartiert. Nicht weiter schlimm, aber mir wurde das mitgeteilt mit folgendem Satz: "Ist das okay, wenn er über´s Wochenende bleibt?" Ja klar. "Vielleicht bleibt er auch länger." Länger bedeutet in dem Zusammenhang über eine Woche. Generell nicht schlimm - immerhin hat sich mein Bruder schon viel länger bei uns einquartiert und durchgeschnort. Aber der war auch irgendwie umgänglicher. Und es war mein Bruder, also beheimatet in dieser, relativ reinlich, hat sogar mal den Staubsauger geschwungen, war generell viel unterwegs und musste natürlich arbeiten. Steffis Bruder hingegen kennt sich in Hamburg null aus, geht aufgrund Urlaub eben nicht arbeiten und ist generell etwas unselbstständig - gut, der Junge ist auch erst Anfang 20. Da darf man noch ein wenig unselbstständig sein - aber meinen Urlaub hab ich mir generell etwas anders vorgestellt als jetzt Steffis kleinen Bruder nonstop am imaginären Rockzipfel zu haben - Steffi hat das Problem nämlich nicht, die geht ja arbeiten. Ich persönlich find´s ja unverschämt Verwandte einzuladen und sich dann selber 10 Stunden auf Arbeit zu verpissen. 

Wie gesagt, ich gehe grad in meiner Hausmütterchen-Rolle sehr auf. Man hat ja auch sonst nicht viel zu tun, das bisschen Haushalt ... jetzt räume ich hinter zwei Leuten her, die auch noch genetisch verwandt sind miteinander und dementsprechend ein ähnliches Unordentlichkeits-Potential haben (das Erfinden neuer Wörter zeugt von Kreativität).

Aber mit dem Alter wird man ruhiger - nicht mehr aufregen, einfach machen. Wenigstens muss ich nicht arbeiten - obwohl ich heute Nacht geträumt hab, ich würde in einem riesigen Altersheim arbeiten, die anderen Kolleginnen sind unfreundlich, gehen lieber rauchen anstatt mir zu helfen, die Patienten klauen mir meine Zigaretten und beschmieren die Wände mit Fäkalien - so´n Scheiß träume ich im Urlaub. In dem zweiten Traum, den ich hatte, ist ein Kumpel von mir aus unserem Haus ausgezogen - in Wirklichkeit lebt der nicht mal im gleichen Stadtteil wie ich - aber in meinem Traum wohnte er in der Wohnung unter uns, und obwohl ich ihn da NIE besucht hatte, war ich furchtbar traurig, dass er wegzieht - nicht nur traurig, nein, beinahe verzweifelt. Von Steffi träume ich irgendwie nie - die ist wahrscheinlich in meinem Traum auf Arbeit oder sonst wo.

Ansonsten hab ich viel gemacht, was sonst so liegen bleibt - Knöpfe annähen, die Wohnung gründlicher putzen als sonst, Steffis neuen Laptop einrichten - sie hat ja jetzt einen Studentenstatus wurde ich neulich aufgeklärt - hab Glasflaschen und Papiermüll weggebracht, Gitarre geübt, mich mit den Tieren wieder mehr beschäftigt - Nagetiere sind auch so anspruchslos. Einmal am Tag frisches Futter schnippeln, ab und zu mal rausnehmen und lieb haben und natürlich einmal die Woche den Käfig sauber machen. Die sind nicht so wie ein Hund, mit dem man sich 5-8 mal beschäftigen muss. Und natürlich versuche ich was von dem guten Wetter zu nutzen, aber es ist echt anstrengend draußen zu sein, obwohl ich beim ersten Sonnentag zu meiner Frau sagte: "Der erste, der sagt, es sei zu warm, haue ich persönlich!" Deswegen sage ich nicht, es ist zu warm, ich find´s lediglich anstrengend draussen zu sein. Außerdem sagte meine Zahnärztin beim letzten Termin: "Bitte setzen Sie sich im Moment nicht in die knalle Sonne, Zähne nach ner Wurzelbehandlung reagieren seltsamer Weise empfindlich darauf." Aha, okay.

Ich muss zugeben, ich genieße es sehr für allen möglichen Quatsch Zeit zu haben, die Tageszeitung gründlich zu lesen und sich danach in Ruhe zu überlegen, was man als nächstes anstellen könnte. Meine Freunde haben natürlich auch von meiner Freizeit profitiert, hier mal nen Kaffee trinken, da abends zum Bier treffen, aber nachdem ich einige Leute teilweise vier Tage in Folge gesehen hab, brauche man auch etwas Zeit für sich. Sonst geht man sich schnell auf die Nerven. Heute Abend könnte ich zum Beispiel auf ne Party mit zwei Freunden, aber ich weiß noch nicht ob ich nicht zu träge bin von der ganzen Freizeit. Auch das ist eine Phase, die man sich im Urlaub durchaus mal zugestehen darf, finde ich - einfach mal nix machen müssen.